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dem Herrn Hauptmann die Sache vortragen und ihr Urtheil darüber hören."

Na, wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren! Aber thun Sie, was Sie nicht lasten können."

Sie werden eine kuriose Geschichte hören", wandte der Referendar sich zu den Damen, nachdem er dem Hauptmann einen bedeutungsvollen Blick zu­geworfen hatte.Vor einigen Tagen ist beim hiesigen Gericht ein Vagabund eingeliefert worden, der sich der Landstreicherei verdächtig gemacht hatte. Ich arbeite augenblicklich im Bureau des Unter­suchungsrichters, also erfahren Sie die Geschichte aus der besten Quelle. Der Mann, nach seinen Personalien befragt, beruft sich aus einen Paß, der beschmutzt und zerrissen bei ihm vorgefunden worden ist. Dieser Paß ist auf einen Krüger ausgestellt und seit etwa zehn Jahren abgelaufen. Wahnsinn wäre es, nur an die Möglichkeit denken zu wollen, daß der gegenwärtige Inhaber dieses Passes jemals Banquier gewesen sein könne"

Der denkt wie ein Seifensieder!" spottete Mai­wind.Weshalb sollte es nur möglich sein? Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen!"

Wenn dieser Vagabund das neue Leben reprä- sentirt, dann hätte ich die Ruine sehen mögen. Aber lassen Sie mich ausreden."

Jawohl, kommen Sie auf besagten Hammel zurück!"

Roch eine Frage?" sagte Madame Schirmer. Sie nannten den Namen Franz Krüger; misten Sie ganz bestimmt, daß der Paß auf diesen Namen ausgestellt ist?"

Mit voller Sicherheit", erwiderte der Referendar; sollten Sie jenen Banquier persönlich gekannt haben?"

Franz Krüger hieß der Banquier, der mich um mein Vermögen betrog. Fahren Sie nur fort; ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß mich die Geschichte im höchsten Grade interessirt."

Der Mann blieb bei seiner Behauptung, und unser Untersuchungsrichter erinnerte sich, den Namen Krüger früher schon gehört zu haben. Wir sahen unsere Register und Akten durch und fanden auch, was wir suchten. Auf einen Banquier Franz Krüger war vor etwa zehn Jahren seitens der Gerichtsbe­hörden gefahndet worden; er hatte sich durch die Flucht seinen Verpflichtungen entzogen und eine namhafte Geldsumme mitgenommen, und trotz aller Nachforschungen sah man Roß und Reiter niemals wieder. Damals hieß es, er sei nach Amerika ge­flüchtet, und die Gläubiger scheinen keine Lust gehabt zu haben, die mit großen Kosten verknüpfte Ver­folgung bis dorthin fortzusetzen; er blieb verschollen. Wie kam nun dieser Vagabund zu dem Passe, und was wurde aus jenem Flüchtling?"

Hier also liegt der Hund begraben!" sagte Maiwind.Diese Frage soll entschieden werden. Unser Jünger der Themis spricht von Mord. Aber '

schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort, und es lebt ein anderes denkendes Geschlecht!"

Die Vermuthung, daß der jetzige Besitzer des Passes den Flüchtling ermordet haben könne, liegt allerdings sehr nahe", warf der Hauptmann ein.

Das Gericht ist verpflichtet, auf Grund dieser Vermuthung weitere Nachforschungen anzustellm", fuhr der Referendar fort.Dem Verhafteten wurde es jetzt klar, daß er mit seinen Behauptungen nicht durchkam; er erbot sich die volle Wahrheit zu sagen. Nach seinen nunmehrigen Angaben will er Fritz Keller heißen und in Wiesenthal bei Wiesbaden ge­wohnt haben. Ferner behauptet er, vor zehn Jahren diesen Paß im Wiesenthaler Walde gefunden zu haben. Unsere Erkundigungen haben nunmehr er­geben, daß ein Fritz Keller allerdings vor zehn Jahren in Wiesenthal gewohnt und als Hausirer und Wilddieb die dortige Gegend unsicher gemacht hat. Er ist plötzlich verschwnnven und seitdem ver­schollen gewesen, und sein Verschwinden hat damals einiges Aufsehen gemacht. Es steht ferner fest, daß zu derselben Zeit in jenem Walde eine Leiche ge­funden wurde, und wir vermuthen nun"

Es ras't der See und will sein Opfer haben!" unterbrach der Buchhalter ihn spöttisch.Natürlich muß nun Alles aufgeboten werden, um diesem armen Teufel den Mord zu beweisen. Was gemacht werden kann, wird gemacht!"

Und ich frage: Ist die Sachlage nicht klar wie das Sonnenlicht?" erwiderte sein Gegner ungeduldig.

Was hatte denn der Flüchtling im Walde von Wiesenthal zu suchen?"

Es steht fest, daß er auf seiner Flucht in Wies­baden gesehen worden ist."

Und da soll er mit seinen geldgefüllten Taschen in den Wald gegangen sein, um sich von einem Wilddieb niederschießen zu lassen? Na, ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode, und was der Ver­stand der Verständigen sieht, das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth! Weshalb ist es denn unmöglich, daß der Mann damals den Paß gefunden und be­nutzt haben soll? Was sagen Sie dazu, Fräulein Hertha?"

Ich behaupte, es ist ein Streit um des Kaisers Bart", erwiderte das Mädchen ruhig.Klar ist die Sachlage noch nicht, und der gerichtlichen Unter­suchung muß man es überlassen, die Thatsache fest­zustellen."

Wenn der Mann wirklich das Verbrechen be­gangen hätte, so würde er wohl nicht aus Amerika zurückgekehrt sein", fügte Ludmilla hinzu.

Habe ich auch gesagt", nickte der Buchhalter mit einem triuinphirenden Blick auf seinen Gegner. Aber der denkt wie ein Seifensieder! Was ist's denn weiter? Ein Vagabund führt einen falschen Paß, den er irgendwo gefunden oder einem Schlaf­kameraden gestohlen hat Alles schon dagewesen I Und darum Räuber und Mörder? Das war kein Heldenstück, Oklavio!"

Heinrich, mir graut's vor Dir!" spottete der