Ausgabe 
3.6.1886
 
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Hichener Jamiüenblätter.

Belletristische« Beiblatt rum Siebener Auretger.

Nr. 65

Donnerstag den 3 Juni.

1886.

Saat und Grnte.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Kind, das kannst Du mit solcher Bestimmtheit doch nicht behaupten!" erwiderte ihre Tante.Was sollte der Landrath gegen diesen Bund einzuwenden haben?"

Der Name von Salberg ist ihm Grund genug", schaltete der Hauptmann ein.

Die klugen Augen der alten Dame hefteten sich mit forschendem Blick auf ihn.

Das verstehe ich nicht", sagte sie,Ackermann war mit meinem Neffen so innig befreundet"

Gnädige Frau, betrachten Sie es als eine Ver- muthung meinerseits, die ich freilich nicht weiter be­gründen kann", unterbrach er sie rasch.

Ihr Blick ruhte noch einige Sekunden auf seinem Antlitz; aber da Herr von Görlitz nicht geneigt zu sein schien, weitere Erklärungen zu geben, schwieg sie ebenfalls.

Es muß persönliche Abneigung gegen mich sein, was den Landrath bewog, mir jede weitere An­näherung an seine Gemahlin unmöglich zu machen", sagte Ludmilla nach einer Pause.Es konnte mir nicht entgehen, daß Frau Ackermann sehr ungehalten darüber war und nur widerstrebend sich dem Zwange fügte. Zwar weiß ich nicht, wodurch ich mir den Unwillen des gestrengen Herrn zugezogen haben könnte, aber die Thatsache selbst läßt sich nicht be­streiten."

Sie werden ja auch den Herrn Landrath kennen?" wandte Frau Schirmer sich zu dem Haupt­mann.Er war damals als reicher Gutsbesitzer oft in der Residenz und verkehrte viel mit den Herren Officieren."

Gewiß kenne ich ihn", nickte Herr von Görlitz, aber sein Freund bin ich nie gewesen. In den letzten zehn Jahren habe ich nur dann und wann ein­mal ihn flüchtig gesehen; wir sind mit kurzem Gruß aneinander vorbeigegangen. Aber die Herren brechen auf"

Bitte, wenn Sie nichts Anderes vorhaben, dann schenken Sie uns noch ein halbes Stündchen das Vergnügen", sagte Madame Schirmer rasch ;jetzt erst beginnt unser gemüthliches Plauderstündchen, und ich muß Ihnen doch auch die neuen Hausgenoffen vorstellen."

Die Gäste entfernten sich. Einige von ihnen

wechselten noch ein paar Worte mit den Damen nur die beiden Herren, die Hertha dem Hauptmann bezeichnet gatte, blieben zurück, und die alte Dame stellte nun die Herren einander vor.

Maiwind, Herr Hauptmann, klingt das nicht wunderbar poetisch?" sagte der Referendar, an seiner Brille rückend;man möchte sich versucht fühlen, dieses Mailüsterl, wie die geehrten Damen meinen hoffnungsvollen Freund nennen, säuseln zu hören."

Bah, Name ist Schall und Rauch!" erwiderte der Buchhalter achselzuckend.Trösten Sie sich da­mit, Verehrtester, wenn Jemand Sie fragen sollte, ob der Name Rommel identisch mit Rumpel­kammer sek."

Sausewind sollten Sie heißen, Sie Hansdampf in allen Gaffen! Trinken Sie noch ein Glas Wein mit mir?"

Wein? Haben Sie von dem Gift noch nicht genug?"

Es ist Arznei, nicht Gift, was ich Dir reiche!"

Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube", wehrte der Buchhalter ab.Fräulein Hertha, haben Sie die Güte, mir eine Tasse Kaffee zu credenzen. Sie wissen ja, wie er nach Tallegrand sein soll?"

Ich habe es seit einem Jahre fast jeden Mittag gehört", scherzte Hertha, während sie an der Glocken - schnür zog, um das Dienstmädchen zu benachrichtigen.

Thut Nichts, könnt's noch öfter hören! Der Kaffee muß heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel, süß wie die Liebe sein."

Der Knabe Don Karl fängt an, mir fürchterlich zu werden", brummte der Referendar.Den Wein aus Ihrem Keller nennt er Gift.Tante Lina, wollen Sie mich nicht bevollmächtigen, den Injurien- proceß gegen ihn einzuleiten'?"

Sie sind ja heute seltsam erregt, meine Herren", sagte Madame Schirmer; fast sollte man vermuthen, Sie hätten einen ernsten Wortstreit gehabt."

Errathen!" nickte Maiwind.Das Karnickel da mit seinem beschränkten Unterthanenverstand hat angesangen."

Ach was, das Ei will wieder einmal klüger sein, als die Henne!" unterbrach der Referendar ihn ärgerlich.Was Deines Amtes nicht ist, da laß Deinen Vorwitz!"

Gut gebrüllt, Löwe!" spottete der Buchhalter. Sie denken auch: Was nützt mir der Mantel, wenn er nicht gerollt ist!"

Wozu der Lärm? Wir wollen den Damen und