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solcher Mann kann so viel Geld bei sich haben. Was sollte also auf den Verdacht hinlenken, daß er ein Falschmünzer sei?"
„Ganz recht", bestätigte Duprat. „Darauf deutet Nichts. Und wenn es nicht um meine verwundete Hand wäre, auf welche ich die Aufmerksamkeit nicht erst lenken will, würde ich selbst nach dem Bureau gehen und sehen, was da wird. Dies hindert mich. Um so beruhigter kann Dryden hier —"
„Nein, nein, um keinen Preis!" fiel dieser heftig abwehrend ein. „Das Couvert mit der fatalen Aufschrift kann darin liegen; ebensowohl kannst Du es mit dem Briese, den es enthielt, ins Feuer geworfen haben. Wer weiß aber, was das Portefeuille sonst noch birgt, das auf meine Eigen« schäft deutet. Und dann bist Du gerettet und ich verloren. Du wolltest uns verraihen, und ich will mich nicht für Dich opfern. Laß' Niston gehen. Dessen Name steht gewiß nicht im Portefeuille; er erscheint also ganz unverdächtig."
„Bin ja auch gern bereit", erklärte der Genannte. „Gebt mir nur den Brief. Ich bestelle ihn ohne Furcht und Säumen; und jeden andern auch, zum Beispiel an den Kommerzienrath, der doch wohl den Büreaudiener nach Ihnen nicht befrage!', wird, Duprat."
„Vielleicht aber wird er ihn in meine Wohnung senden", erwiderte Dieser. „Dann weiß Ionas, was er zu thun hat. Eventuell kann er mich gegen Etwold auch entschuldigen. Ich werde mir Das noch überlegen."
„Recht; überlegen Sie's sich", sagte Riston. „Einstweilen winkt hier noch ein voller Becher, ein lustiges Feuer in kalter Winternacht, und eine Gesellschaft von Zechern, die nicht zum Leichenschmause versammelt ist."
„Wer weiß auch!" bemerkte Dryden dagegen. „Vielleicht feiern wir heute unsere Auflösung als Falschmünzer. Denn wenn cs entdeckt wird, daß das Portefeuille falsche Hundertmarkscheine enthält, können wir nur unsere Platten zerbrechen und uns nach verschiedenen Richtungen verlieren, um nie mehr zusammenzukommen. Die Münzfälscherei hört eben auf, und damit hat unsere Vereinigung ihre Bedeutung verloren."
Er versetzte Duprat, der neben ihm saß, einen heimlichen Stoß, den Dieser wohl verstand.
„Jawohl", stimmte Dieser sehr eifrig bei. „Dryden hat Recht. Zögern wir nicht, die Platten zu zerbrechen. Ich bin sogar dafür, daß wir es gleich thun. Die Fälschung kommt sicher zu Tage, und dann heißt es, jede Spur zu vernichten und selbst das Weite zu suchen."
„Sie wechseln sehr rasch Ihre Meinung, Duprat", sagte Rision mißfällig. „Soeben hatte ich noch Recht, der die Nothwendigkeit einer Entdeckung bestritt, und nun ist wieder Dryden der wahre Prophet. Uebrigens ist mein Ptan schon fertig und in diesem Falle für Ersatz gesorgt. Wir
muffen ja jeden Tag eine Entdeckung gewärtig sein, und für diese Eventualität habe ich schon einen Ausweg gefunden."
„Das wäre?" fragten Duprat und Dryden zugleich. Sie wechselten einen bedeutungsvollen Blick.
„Kommen Sie mit", entgegnete Riston, aus dem schon der im Uebermaß genossene Grogk sprach. „Ich werde Ihnen Etwas zeigen, das Ihren vollen Beifall finden wird, und das uns gleich hundert Meilen weiter bringt, wenn denn geschieden sem muß."
„Sie haben eine neue Platte fertiggestellt?" fragte Dryden begierig.
„Hihihi!" kicherte Niston. „Wie der Geier das Aas wittert! Aber noch sage ich Nichts. Nur nut- gekommen und keine Furcht gehegt, wenn wir jetzt noch eine Wanderung durch die "stille Todtenstadt nehmen." Er zündete seine Blendlaterne wieder an.
„Wie, Sie haben den Münzfälschungsapparat nicht immer unter Augen, nicht hier?" forschte Duprat. . m ,
„Werde mich hüten", lachte Riston. „Dre Bem- männer da unten find strengere Wächter, als ich es je sein könnte. Die sehen Alles und plaudern Nichts aus. So versteckt liegt auch kein engstes Zimmer, wie dieses weite unterirdische Todtenfeld. Und dann das Labyrinth von Kammern und Gängen! Ich möchte Niemanden rächen, sich ohne Führer da hm- ein zu wagen. Es wäre ein Gang zum eigenen Grabe." „ ,, . _ t
Mit diesen Worten, die vielleicht eine Drohung enthalten sollten, schritt Riston den Anderen voran zur Thür.
„Wie, wenn wir ihm da unten den Garaus machten?" raunte Dryden dem wieder versöhnten Freunde zu. „Man würde den Leichnam niemals finden." , r _
„Nein", erwiderte Duprat ebenso. „Es wäre zu gewagt. Du hörst, was er von dem Führer sagt. Ohne ihn würden wir uns aus der Todtenstadt nie mehr herausftnden."
„Bah! Unsinn! Der Alte wittert Lunte. Er meint, wir könnten uns seine Erfindung zu eigen machen und den Erfinder zu den Tobten werfen. Das ist nichts Seltenes im Leben. Nur darum sagte er Da« von dem Führer."
„Aber jetzt wäre sein Mord ganz zwecklos, unter Umständen sogar eine Thorheit. Warten jx>ir ab, was der morgende Tag bringt. Ist unser Spiel bei Etwold noch nicht aus, so reiften reit, wie und wo wir ihn aus dem Wege schaffen können, um allein zum Siege zu schreiten. Andernfalls können wir ihn nicht entbehren zu einem neuen Fortkommen."
„Ja, ja, Recht hast Du schon" sprach Dryden. „Aber ich meine doch —"
(Fortsetzung folgt.)


