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das Waidmester blitzte in meiner Zand - doch bevor ich den Stahl in seine Brust lenken konnte, lag ich röchelnd am Boden. Der Judas war nut zu. vorgekommen. — Ich lag darnieder — er war natürlich entflohen, doch meine Frau konnte ich nicht auseben - sie durfte meinem Lager sich nicht nahen, obwohl keine eigentliche Schuld die Ärmste treffen konnte, da sie den Versucher von sich abgewiesen, ob auch ihr Herz noch immer für rhn schlagen Zöchte.
(Fortsetzung folgt).
saßen, in's Schloß und geradenwegs nach den Ge- 1 mächern meiner Frau, wo ich einige Augenblicke athemlos stehen blieb, die Hand aufs Herz preßte und mich selber zu verhöhnen strebte, wobei ich den Schwur that, jenen Schweden vor meine Klmge zu fordern, wenn er, wie ich hoffte und glaubte, gezogen. Ich trat leise ein und schlich wie ein Dreb durch das Vorzimmer. Drinnen war es todtenstill, die Thür nur angelehnt; ich trat geräuschlos em und schritt unhörbar auf dem dicken Teppich weiter bis zur Sammt-Portiöre, welche dieses Gemach mit dem Boudoir meiner Frau verband. Hier Mate mein
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Der Einsiedler aus dem Urwald, welcher bislang mit monotoner Stimme düster vor sich hmbuckend, seine Geschichte erzählt hatte, schwieg plötzlich, sprang, wie von einer Feder emporgeschnellt, auf und lehnte sich über den Schiffsrand, um eine Weile m das blitzende Meer zu schauen und den starren Blick dann in die endlose Ferne zu richten.
„Wieder in die Welt zurück", murmelte er, „o, läge ich begraben im Urwald!"
Er lachte bitter auf und streichelte den Huno, der ihm gefolgt war. .
„Verzeihen Sie, mein Freund!" wandte er sich achselzuckend an Felix, welcher sich ebenfalls erregt erhoben, „ich muß Ihnen als ein Feigling er Schemen, der sich vor einem Schatten fürchtet. Aber die Welt ist mir verhaßt, denn wenn ich dieser einen Giftschlange den Kopf zertreten, züngelt es doch wieder von allen Seiten empor. Ich fühlte mich in meiner erhabenen Einsamkeit stolz und sicher und der eine Name schon genügt, um die alten Leidenschaften des Haffes und der Rache wieder zu erwecken, um mich aus meiner stolzen Ruhe herauszureißen. _ Kann jener Elende mir den Glauben und das süse Vertrauen der Jugend, mein verlorenes Paradies, mir zurückgeben? — Bah, es ist Alles eitel hienieden, ich hätte im Urwald bleiben sollen!"
„Um jenem Schurken zu gestatten, sich immer wieder neue Opfer zu suchen?" fragte F-lix vorwurfsvoll.
„Freilich, freilich, aber die Menschheit verdient es nicht bester. Doch hören Sie weiter — denn bis hierher war er noch ein Ehrenmann."
Er warf sich wieder unter das Sonnendach, stützte den Kopf und begann auf's Neue:
„Ich hörte in dem Boudoir meiner Frau eine S imme, welche mir das Blut zu Eis erstarren ließ. Halbrock redete auf meine Hedwig ein, indem er mit leidenschaftlichen Worten sie beschwor, mit ihm zu entfliehen, ihre Antwort blieb mir unverständlich, doch als er immer heftiger in sie drang, an ihren Schwur, den sie ihm einst geleistet, sie erinnerte, das Recht des Herzens geltend machte, da schluchzte sie laut auf und rief: „Wie kannst Du mich so grausam quälen — ich liebe meinen Gatten nicht, werde aber keinen Schritt vom Pt ad der Ehre und Pflicht weichen." — Rasend vor Wuth und Schmerz schlug ich die Portiöre zurück und stand vor dem Verräther;
Wer war der Water?
Eine Erzählung aus Amerika.
(Fortsetzung.)
Dr. Westen empfing es mit eigenthümlrchen Ahnungen und las unter steigender Erschütterung folgende Mittheilung:
„Mein theurer Freund I"
Wenn Du diese Zeilen empfängst, bin ich Nicht mehr. Meine einzige Sorge war es, so lange ich lebte, Deine Achtung nicht zu verlieren, denn der Gedanke, daß es anders zwischen uns werde, war mir unerträglich. In diesem Augenblick aber, wo Du dieses liest, bin ich der Meinung der Menschen entrückt, fern von Hoffnung wie von Furcht und so mache ich Dir eine Mittheilung, die Dich tief erschüttern wird, die ich aber nicht unterlasten kann, weil mich in jeder frohen Stunde der Gedanke quälte, ein Anderer könne für eine That büßen, die ich begangen. Eine Unthat war es, die ich Dir bekennen muß, denn die Schuld am Tode meines Onkels trägt Niemand als ich und doch, ich schwöre es Dir, ich habe die That nicht gewollt, es war ein unseliges Verhängniß, daß Alles so kam. O, dis Erinnerung an jene furchtbare Nacht hat mich nie wieder verlassen, in ihr ruhte das Geheimniß meines düstern Lebens. Du weißt, daß meine Eltern früh starben und mir sehr wenig hinterließen. Was wäre wohl aus mir geworden, wenn nicht mein Onkel sich meiner erbarmte und sich, freilich nach seiner Weise, meiner Erziehung angenommen hätte? Ein Familienleben hatte er nicht gekannt, sondern war nach allen seinen Grundsätzen ein unerschütterlicher Junggeselle, der auch nicht einmal die herzliche Kinderfreundlich, keit mancher älterer Herren besaß. Es war ein großes düsteres Haus, das er bewohnte und von dem er seine wenigen Bekannten auch noch möglichst fernzuhalten fuchte. Nur zu bald störte ihn auch mein frohes Kinderspiel und ich erinnere mich noch, wie ich mich gefreut habe, als er mich im zehnten Jahre, um den Ruhestörer los zu werden, in ein Pensionat brachte, wo ich bis zum 17. Jahre blieb, um dann mich den medicinischm Studien zu widmen. Es war ausschließlich mein Onkel, welcher alle Kosten meines Lebensganges bestritt und der mir auch alle


