566
Gefühle und Neigungen konnte für meinen Character , nichts Gedeihliches erwachsen, denn während das Herz mich zum Vater hinzog. revoltirte der tolle ; Kopf und fühlte sich von dem Zauber der heimlichen ! Verschwörung gefesselt. Die wilden phantastischen l Träume der Mutter hatten einen bestrickenden Reiz z für mich, — ich schwärmte für Freiheit und wußte j nicht einmal, was dieses verlockende Wort, welches - Tausend und 'er Tausende in seinen Zauberkreis ; gezogen - chtet hat, im Grunde bedeutet, daß j
o" polnischen Edelmann, doch niemals s
.v frommen konnte. — Mein Vater hatte j . , einer offenen, geraden Rechtschaffenheit keine i Ahnung von der Gefahr, welche seinem Hause drohte ; und lächelte über die exaltirten Ideen der Mutter, 5 denen er überhaupt zu seinem Schaden keine Be- ; achtung geschenkt, weil er sich die meiste Zeit in ; Petersburg aufhielt. Eines Tages lernte ich im Salon meiner Mutter jenen Halbrock kennen, welcher einige Jahre älter als ich, zu den Hauptverschwörern gezählt und von den Polen, welche sich um meine Mutter geschaart, ganz besonders verhätschelt wurde. Er stammte aus Posen, gehörte durch seine Mutter zu uns und war ebenso klug, gewandt und schlau als schön, aber auch völlig mittellos, was ihm in unseren reichen Kreisen nicht als Fehler angerechnet wurde. Ich war bezaubert von ihm, die Jugend läßt sich so leicht verblenden — und wir schlossen Freundschaft auf Leben und Tod."
Eines Tages lernte ich in Warschau die Tochter eines deutschen Edelmannes kennen und verliebte i mich sterblich in sie; Hedwig von Reichnitz war eine ! wunderschöne Blondine, sanft und gut, nur eine | schwache und nachgiebige Natur, welche mich auf| Befehl ihrer Mutter, einer Polin und Freundin s meiner Mutter heirathete, obwohl sie nicht mich, i sondern meinen Freund Halbrock liebte. Die Arme, ! sie opferte sich dem Moloch Gold, da sie wohl aus - altem Geschlecht, aber mittellos war. Zn schwach, - zu Widerstandslos, betrog sie mich, der sie mehr als sein Leben liebte und sich einbildete, Vorzüge genug zu besitzen, um ein Frauenherz zu fesseln. Nicht, daß sie mich im Sinne der Welt hintergangen und als mein angetrautcs Weid Ehre und Pflicht vergessen hätte, aber daß sie mich an ihre Liebe glauben ließ, mit mir zum Altar trat, während jeder Pulsschlag ihres Herzens einem Andern^ gehörte, war Betrug, war ein todeswürdiges Verbrechen. — Sie hatte Halbrock schon früher gekannt, und ihm ihr Herz zu Eigen gegeben. Als der kecke Abenteurer, denn etwas anderes ist dieser Mensch niemals gewesen, — vor den stolzen Edelmann zu treten und um Hedwigs Hand zu werben wagte, wurde er wie ein Hund hinausgejagt. Dann kam er zu uns nach Polen, um den Verräther zu spielen und meine freigebige Mutter zu plündern. Mittlerweile war Hedwig's Vater gestorben und die beiden verwaisten Frauen ebenfalls in unser gastfreies Schloß gekommen. — Halbrock war just, mit einer wichtigen Mission betraut, nach Paris abgereist, wo
er monatenlang festgehalten wurde. Bei seiner endlichen Wiederkunft fand er Hedwig als mein Weib. Ich war zu glücklich, zu ehrlich und offen, um Argwohn zu faffen, obwohl ihr tödtliches Erblassen bei seinem Anblick, wie sein sichtliches Erschrecken mich nachdenklich hätten machen müssen. Ich vertraute wie ein Thor und dünkte mich stolzer als ein König, da die köstlichsten Güter der Menschheit, Liebe und Freundschaft mir zu Theil geworden. Eines Tages aber nahm der tückische Zufall mir die Binde von den Augen und machte mich elender als den ärmsten Bettler. Mein Vater war aus Petersburg heimge- kehrt und hatte mehrere russische Gäste mitgebracht. Wir ritten auf die Bärenjagd, mir zur Seite der unzertrennliche Freund Halbrock, wie mein Vater mit einigem Mißvergnügen bemerkte, weil er von vornherein eine starke Abneigung gegen ihn gefaßt hatte. Ich sehe die Gesellschaft noch vor mir, meistens Russen, von welchen ich mich ziemlich unhöflich isolirle; nur einer, ein schöner hochgewachsener Mann fiel mir durch seine frappante Aehnlichkeit mit Halbrock auf; es war ein schwedischer Graf Altors, von welchem ich später noch reden werde. Die Jagd war lebhaft und amüsant, ein riesiger Bär wurde gestellt und nahm meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Ich bemerkte es nicht, daß Halbrock mir abhanden gekommen, die Jagdlust hatte mich vorwärts getrieben, ich sah mich plötzlich allein dem Bären gegenüber und wäre in der Ueberraschung verloren gewesen, wenn jener Gras Altorf nicht in diesem kritischen Moment an meiner Seite ausge- taacht wäre, da ich nämlich, wie ich zu spät bemerkte, meine Munition bereits verpufft und kerne andere Waffe zur Hand hatte, als mein Waidmeffer. Der Schwede war ein wahrer Nimrod, er knallte das Unthier nieder, als ob's ein Eichkätzchen gewesen wäre, wandte sich dann ruhig zu mir und sagte: „Wenn ich Ihnen einen Rath geben darf, so ist es der, jenen Schuft, den Sie Freund nennen, ebenso niederzuschießen, da derselbe schlimmer und gefähr- Ücher ist,' als Meister Braun." — Ich blickte ihn wie betäubt an, und der Gedanke, einen Wahnsinnigen vor mir zu haben, durchzuckte mich mit einem unheimlichen Schauder. — „Sie glauben mir natürlich nicht", setzte er kalt hinzu, „gut reiten Sie schnell heim, wenn Sie Hans und Wappens child unbefleckt halten wollen." — Der Warner verließ mich und ich gab meinem Roß die Sporen und jagte heim. Was soll ich von meinen Empfindungen lange erzählen, nur so viel, daß ich erst zur Besinnung in der Nähe des väterlichen Schlosses kam und nun die ungeheuerliche Geschichte belächelte. Doch stieg ich vor der Parkpforte ab, warf dem Wächter die Zügel zu und fragte beiläufig, ob mein Vater mit seinen Gästen schon heimgekehrt sei. Er verneinte und bemerkte dann, daß nur Herr von Halbrock zu-
; rückgekommen sei. Mich durchfuhr es bei diesem i Namen wie ein tödtlicher Schreck. Rasch eilte ich ' durch den Park, auf einer geheimen Treppe, zu ■ welcher nur mein Vater und ich den Schlüssel be-


