Ausgabe 
2.9.1886
 
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So, das wäre geordnet!" sagte der Oberst, während er die Reisetasche schloß;sobald ich meine Rechnung berichtigt habe, können wir gehen. Haben Sie einen angenehmen Brief erhalten?"

Von meinem unglücklichen Freunde", erwiderte Rommel lächelnd.

Maiwind? Worin besteht sein Unglück."

Er hatte gehofft, mährend der Abwesenheit unserer Hauswirthin Herz und Hand seiner Dulcinea zu erobern, aber Tante Lina war so vorsichtig, einer früheren Haushälterin die Bewachung ihrer schönen Tochter anzuvertrauen."

Daß sie das thun würde, hätte Herr Maiwind voraussehen können! Er ist also nicht zum Ziele ge­langt?"

Rein!"

Und Sie?" fragte der Oberst, den forschenden Blick erwartungsvoll auf den jungen Mann heftend. Haben Sie Ihre Absicht ausgeführt?"

Ich fand keine paffende Gelegenheit."

Ich erwarte, daß Sie die Worte beherzigen werden, die ich in Bezug auf diese Angelegenheit Ihnen vor einigen Tagen sagte", erwiderte der Oberst ernst; das Geschick der Schwester meines Freundes liegt mir sehr am Herzen."

Er verlieb das Zimmer und trat in die Schenk­stube, um seine Rechnung zu ordnen; einige Minuten später schlugen die Beiden den Weg zumWeißen Hirsch" ein.

Wann wollen Sie abreisen?" fragte der Oberst nach einer langen Paufe.

Morgen! Werden Sie mich begleiten?"

Vielleicht, ich kann es Ihnen jetzt noch nicht sagen. Wäre dar Wetter gut geblieben, so würde ich vielleicht vorzichen, hier noch einige Wochen zu weilen. Hat Herr Matwind Ihnen keine Mit- theilungen über den Landrath gemacht?"

Rein, Ackermann befindet sich ja in der Residenz." Und seine Frau wird ihm dahin folgen?"

Ich glaube das nicht, sie macht ja kein Hehl daraus, daß der Landrath ihre Achtung verscherzt hat; ihre Liebe wird er wohl nie besessen haben."

Ist diese letzte Behauptung richtig, dann hätte Vera von Löwenfels diese Ehe nicht eingehen sollen!"

Sie thats wohl nur, um sich aus drückenden Verhältnissen zu befreien. Der Mann, den sie liebte, war tobt. Man hatte ihr gesagt, der leicht­sinnige Hazardspieler sei ihrer Liebe nicht werth ge­wesen ; sie kannte den wahren Charakter Ackermann's nicht und ließ sich durch die Maske, die er ihr zeigte, täuschen; so ward sie seine Gattin in der Hoffnung, daß er es als seines Lebens Aufgabe be­trachten werde, um ihre Liebe zu werben und sie glücklich zu machen. Und weshalb hätte sie diese Hoffnung nicht hegen dürfen? War es ihre Schuld, wenn sie sich in ihr getäuscht sah? ES wäre so leicht gewesen, sie glücklich zu machen, aber dazu fehlte dem Landrath der ernste Wille. Seiner Eitelkeit schmeichelte es, daß man ihn um die schöne

Frau beneidete, und mehr verlangte er nicht. Und dann, verehrter Herr, lauert noch irgend eine dunkle That im Hintergründe, ich lasse mir das nicht aus­reden, und Sie wissen ja:Das eben ist der Fluch der bösen That, daß sie fortwährend Böses muß ge­bären!" Weshalb mußte Ackermann den Brief auf­bewahren, den H rmann von Salberg vor seinem Ende an ihn geschrieben hatte? Weshalb mußte dieser Bries nach einer Reihe von Jahren in die Hände seiner Gattin kommen? Wollen Sie das Alles Zufall nennen? Ich erblickte darin das Walten einer gerechten Vergeltung, ich finde darin den Be­weis, daß ein Gott lebt, zu strafen und zu rächen!"

Der Oberst schwieg; sein junger Freund spann diesen Gedanken weiter aus, manches Citat hinein­flechtend, und so gelangten sie endlich zumWeißen Hirsch", wo sie freudig begrüßt wurden.'

Der Oberst nahm sein altes Zimmer wieder in Besitz, er hatte keine Ahnung von der Ueberraschung, die ihn an diesem Abend noch erwartete.

Die Herren hatten eben ihr Abendbrod einge­nommen, sie saßen bei einer Flasche Wein noch plaudernd beisammen, als plötzlich nach kurzem An­pochen die Thür hastig geöffnet wurde und Vera auf der Schwelle des Zimmers stand.

Bestürzt erhob der Oberst sich, Rommel ging nicht minder überrascht der Dame entgegen.

Sie kommen allein zurück, gnädige Frau?" fragte er besorgt.Es ist doch kein Unglück passirt?"

Rein, nein, Fräulein von Salberg begleitet mich, wir haben uns in Wiesbaden kurz entschlossen, noch einmal hierher zurückzukehren", erwiderte Vera, tief aufalhmend.Und dieser Entschluß stützte sich auf die Hoffnung, daß wir Sie hier finden würden, Herr Oberst", fuhr sie fort.Zürnen Sie mir deshalb nicht, gewähren Sie mir die Bitte um eine kurze Unterredung!"

(Fortsetzung folgt.)

Aehnlichkeit und Unterschied der Kleidung beider Geschlechter*) von Dr. E. D. Mund v. Pochhammer.

(Schluß).

Hinsichtlich des bisher Erwähnten verhalten sich die Bekleidungen des männlichen und weiblichen Geschlechtes fast gleich; nur werden von letzterem im Allgemeinen weniger Tuchkleider getragen und mehr hellfarbige Kleider, und namentlich nicht zugleich so viel Tuchkleider übereinander als von den Männern, weshalb schon die Kleidung derselben wärmer zu halten pflegt, ganz abgesehen von dem verschiedenen Schnitt. Aber gerade der verschiedene Schnitt beider Bekleidungsarten macht den größten Unterschied derselben aus. Im Allgemeinen ist die Weite oder Enge der Bekleidung von großer Wichtig-