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2.3.1886
 
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nähme, wie sie seinem kalten Naturell offenbar zu­wider war.

Aber Etwold war erregt. Er sah nur bte Theu- nahme und fand keine Zeit zu Erwägungen über die Echtheit derselben.

Und was rathen Sie mir nun zu thun?" fragte er.

Darf ich denn ferner noch rathen in einer An­gelegenheit zwischen Vater und Sohn?" fragte Duprat bescheiden.

Wenn ich selbst darum ersuche"

Und ich möchte es wohl, aber ich fürchte"

Was?"

Daß es Herrn Eduard gelingen wird, sich trotz seines wüsten Lebens wieder in Ihre Gunst einzu­schmeicheln; und dann würde ich sicher das Opfer meiner ^zu großen Anhänglichkeit an Ihre werthe Person werden. Meiner Stellung ginge ich ver­lustig, und sein Einfluß würde dann wohl auch be­wirken, daß ich für all meine Liebe em schlechtes Zeugniß und gar keine Stellung mehr bekäme."

Die kalten Augen ruhten während dieser Worte lauernd auf dem Antlitz des alten Herrn, natürlich genügend verschleiert, nm jenen nicht zu beunruhigen.

Entschlagen Sie sich aller solcher Bedenken" sprach ermuthigend der Chef.Es wäre denn, mein Sohn verwandelte sich vollständig, was ich nun nicht mehr zu hoffen wage; sonst hat er auf meine Liebe keinen Anspruch weiter. Mein Ver­trauen zu ihm ist geschwunden, meine Hoffnungen auf ihn sind zerstört. Ich kann nur noch bedauern, ihn Sohn nennen zu müffen. Warum ist er nicht so wie Sie geartet?"

O, Herr Kommerzienrath

Keine falsche Bescheidenheit. In Ihnen ver­einigen sich kaufmännischer Geist, Fleiß, Besonnen­heit, Nüchternheit; ich bin überzeugt, daß Sie von Ihrem Gehalt noch nicht den dritten Theil ver­brauchen." (Fortsetzung folgt.)

Jastnachtsöräuche.

Die im Mittelalter aufgetauchte Sitte, die Tage vor der eigentlichen Fastenzeit mit lustigen Gelagen, Tanzen, Poffen, Maskeraden u. drgl. zu begehen wodurch man sich gleichsam im Voraus für die nachfolgende Entbehrungszeit fchadlos halten wollte hat sich auch heute noch erhalten, wenngleich unter mancherlei Variationen. Ganz verschwunden sind die früheren Fastnachtsspiele, diese niedrig- komischen Burlesken, welche namentlich in den süd­deutschen Reichsstädten blühten, und die heute noch in manchen Gegenden üblichen Fastnachtsspiele, wie: Knecht Ruprecht, die heiligen drei Könige, Schön­bartlaufen, Quargschießen u. s. w. erinnern nur noch ganz entfernt an jene derbkomischen Possenspiele des

Mittelalters. Merkwürdig ist aber, daß^ sich noch in vielen Gegenden der deutschen Alpenwelt Fast­nachtsbräuche erhalten haben, die ein unverkennbar heidnisches Gepräge tragen, während sich bei andern Fastnachtssitten deren Ursprung aus herdmsch- germanischer Vorzeit nur noch ans Analogien und Vergleichungen nachweisen läßt. Das erstere läßt sich besonders von denjenigen Umzügen be- baupten, die unter allerlei Verkleidungen mit obli­gaten Späßen und Neckereien nicht nur im Süden, sondern auch im Norden Deutschlands stattfinden, und zwar nicht blos zumFasching", wie sich der Süddeutsche ausdrückt, sondern schon zu Weihnachten, von der Adventszeit an, bis zum Dreikdmgstag. Diese Umzüge erinnern theils durch die Zeck, in welcher sie gehalten werden, theils durch ihren Namen an die heidnische Vorzeit, so namentlich an Wotans Umzug und an den Einzug der Erbaöttm, welche in Süddeutschland unter dem Namen Perchtha, in Mittel- und Norddeutschland als Frau Holle ihr Andenken erhalten hat. Beide Gottheiten zogen, nach heidnischer Vorstellung,, zur Zeit der Winter­sonnenwende, dann auch beim Beginne des Früh­jahrs, durch die Fluren und segneten durch ihr Erscheinen Haus und Hof, den Feldern und Gärten, Wiesen und Auen aber gaben sie Gedeihen und Fruchtbarkeit.

Von diesen Götterzügen hat das Volk m seinen Vorstellungen und Anschauungen, namentlich tn seinem Glauben an die zu bestimmten Zeiten um­ziehende wilde Jagd, und in seinen Gebräuchen allerlei Erinnerungen bewahrt. Zu solchen Ge- bräuchen gehören der Perchtgang in Bayern, das Perchtspringen in Tyrol und Salzburg, das Percht- jagen in Kärnthen, alles Auszüge junger Burschen, welche gräßlich maskirt und vermummt, womöglich mit zerlumpten Kitteln und zerrissenen Schuhen an- gethan, mit Schellen und Kuhglocken läutend, in bte Häuser bringen und unter Poffen, Tänzen, Reim- singen Gaben erbetteln. In der Obersteiermark gphen zur Faschingszeit alte Weiber von Haus zu Haus, sagen ihr Reimlein her und werden gut be­wirt h et ; sind en sie im Hanse nicht Alles in Ordnung, so machen die Weiber einen gewaltigen Spektakel - Alles unverkennbare Nachahmung von Perchthas Umzüge. ,. f ,

In der deutschen Schweiz feiert man gleich zu Beginn der Faschingszeit den üblichenFaschings- eintritt" fast in jedem größeren Dorfe. Das zunge Volk, aber auch häufig die schon älteren Manner mit, sammelt sich an einem bestimmten Platze vor dem Dorfe, wo man sich maskirt und bann zu Pferde steigt. An ber Spitze trabt der Schalks­narr, welcher von Zeit zu Zeit das Schellen- und Glöckeleinklingen feiner buntscheckigen Jacke und Narrenhaube hören läßt und am Halse seines Pferdes baumelt eine mächtige, blecherne Tuschglocke, bte bumpfhallend in bas Klingen unb Schellen htnein- tönt. Dem Vorreiter folgt ein buntes Gewirr theils interessarcker, theils wieder geschmackloser Ge-