Ausgabe 
2.2.1886
 
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Sie bei uns Wohnung, so lange es Ihnen beliebt", führ der Baron fort.In meinem Hause steht Ihnen jeder Zeit ein bescheidenes Zimmer zur Ver­fügung und die Landlust wird Ihnen sehr wohl thun."

Victor verneigte sich dankend.

Das müssen Sie annehmen, Herr von Ranschen- dorff", rief Liesbeth lebhaft,wir tragen damit nur einen ganz winzigen Theil unserer Schuld ab. Aber wenn Sie erst bei uns Aufenthalt genommen haben, dürfen Sie nicht eher wieder fort, als bi» Sie vollständig genesen sind."

Der Patient lächelte; die Theilnahme des jungen Mädchens, ihre aufrichtige Sorge für seine Gesundheit riefen da» Gefühl freudiger Genugthuung in ihm hervor.

Kiner so freundlichen Einladung v»rmag ich nicht zu widerstehen, obgleich meine Anwesenheit auf meinen Gütern sehr nothwendig ist", sagte er, und seinen Worten hörte man die innere Befriedigung an.Aber es kann auf ein paar Tage früher oder später nicht ankommen und sobald ich das Zimmer verlassen barf. soll mein^erster Ausflug zu Jhum sein."

Der Diener der Kranken trat ein und übergab demselben einen Brief, der soeben angekommen war. Victor erbrach das Couvert und las die Unterschrift.

Von Herrn von Sohr, aber e» ist nicht seine Handschrift, sondern die eines Kanzlei-Beamten", meinte er kopfschüttelnd,Verzeih.» Sie, wenn ich rasch den Inhalt überfliege, aber es muß eine be­sondere Bswandtniß haben, daß sich Alfred zu seinen Mittheilungen einer fremden Frder bedient."

Mit Spannung blickt« Victor in da» Schreiben, aber je weiter er kam, desto unruhiger wurden seine Züge. Endlich ließ er die Hand mit dem Briefe finken.

Der Bedauernswerthe ist vorige Nacht über­fallenworden", erzählt» «r,man hat ihn mißhandelt und verletzt. E» gehört eine beispiellose Frechheit dazu, in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt ein derartige» Attentat auf Gesundheit und Leben aus­zuführen, aber freilich, die Polizei kann nicht überall sein, und »6 ist nicht möglich, an jedem Baum der Landstraße einen Wachtposten aufzustellen."

Ueberfallen?" riefen der Baron und seine Tochter wie aus einem Munde.

Er ist eine traurige Wahrheit, eine Rotte Wegelagerer, die sich hinter Gebüsch versteckt hatten, sprang ihm in den Weg, als er zu später Stunde nach der Stadt zurückkehrte. Einer der Kerle faßte da» Pferd am Kopfe, während ei» zweiter dem nichts Ahnenden die Zügel entriß und die brennenden Wazenlaternen verlöschte. Der dritte der Räuber aber forderte den Legationssekretär kategorisch auf, abzusteigen und ihm Geld und Pretiosen zu über­geben. Herr von Sohr, welcher keine andere Waffe, als die Pritsche bei sich führte, hieb mit aller Kraft

auf die Angreifer ein, aber diese rissen ihn vom Bocke herab und schlugen ihn mit Knütteln so uw menschlich, daß der Aermste außer verschiedenen anderen Verletzungen auch einen Bruch des rechten Unterarmes erlitt. Da» Geräusch eines heran­rollenden Wagens verscheuchte die Räuber, und mit Hülfe des Eigenthümers jenes Gefährtes tonnte der Angefallene den Nest des Weges zurücklegen."

Schrecklich!" flüsterte Liesbeth im Tone innigstei Theilnahme.

Ich mache mir Vorwürfe, den Legationssekretär so lange bei mir zurückgehalten zu haben", sagte der Baron, indem er aufstand und erregt einen Gang durch'» Zimmer machte.Ich glaube, Mitter­nacht war vorüber, al» er mich verließ, aber wir waren in eine so angenehme Unterhaltung vertieft, daß er für mich immer noch zu früh aufbrach. Warum aber nimmt auch Herr von Sohr niemals einen Kutscher oder Diener mit, wenn er ausfährt?" fuhr der kleine, alte Herr heftig fort;ich weiß, daß es ihm das größte Vergnügen macht, selbst zu fahren; aber wenn er erst zu später Stunde heim- kehrt, könnte er schon aus Vorsicht einen Domestiken mitbringen."

Wer denkt an die Möglichkeit eines Ueberfalles?" versetzte Victor.Herr von Sohr ist ein ausge­zeichneter Reiter und ein noch besserer Rosselenker, und die Sicherheit, mit welcher er die Zügel hand­habt, hat schon oft die Bewunderung aller Sportsmen erregt. Der Angriff muß gänzlich unerwartet ge­kommen sein, sonst hätte er sich die Zügel ganz sicher nicht entwinden lassen; hätte er das Pferd in seiner Gewalt behalten, würde er die Räuber viel­leicht zu Boden gefahren haben, mindestens aber ihnen durch die Schnelligkeit seines Rosses entronnen sein." . (Fortsetzung folgt).

Literarisches.

Industrie-Blätter". Wochenschrift für gemeinnützige Erfindungen und Fortschritte in Gewerbe, Haushalt und Ge­sundheitspflege. Herausgegeben von Dr. E. Jacobsen <R. (SaertnerS Verlag, Berlin SW.. Schönebergerstraße 26). Preis vierteljährlich 3 Inhalt von Nr. 4, 1886:

Ueber Betonbauten. Die Verwendung von Koks-Abfällen zur Dampferzeugung. Ein neues Princip der Kälteer­zeugung. Geheimmittel. Neue Patent-Reichs-Lampe. Guter Buchbinderleim. Zur Kenntmß der Staubexplosionen. Werthbestimmung von Ozokerit. Empfindlichkeit von Schlackencement gegen Frost. Ersatzmittel des Pfeifenthons in der Druckerei. Darstellung von Algin. Erkennung einer leichten Vergoldung auf Metallgegenständen. Gerbe- Verfahren. Eine Stiefel- und Schuhwichse. Verhinde­rung gesundheitsschädlicher Einflüsse bei-der Leuchtgasberei­tung. Hadfield's Patentmanganstahl. Schreibtafelcom- position. Deutsche Reichs-Patente. Stickstoffbestimmung in Horn-, Blut-, Knochenmehl re. Geruchlose Abortanlage mit selbstthätiger Torfmüllstreuvorrichtung. Bakusine. Herstellung von Tulla oder Niello-Silber. Kupferoxyd­elemente.

Nr. 15

Roman

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Redaktion: 81. Scheyba. Druck und Berlaz der B hl 'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.