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1.5.1886
 
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Etwold mißtrauisch.Wer kann das wohl gesandt haben?"

Duprat zuckte die Achseln.

Ich jedenfalls nicht", sagte er,da ich wußte, daß Sie Ihr Ehrenwort verpfändet hatten. Aber hat man in Herrn Eduard's Wohnung noch andere Anhaltspunkte für die angebliche Münzfälschung ge­funden? Gewiß nein."

Der Kommerzienrath schüttelte finster den Kopf.

Man sucht jetzt den Baron", sagte er,der Eduard, wie es scheint, zu allen seinen Ausschweif­ungen verleitete."

Duprat wechselte die Farbe. Was er vorhin nur vermuthet, schien ihm jetzt gewiß, daß nämlich Dryden, statt selbst nach M. zu reisen, dorthin nur telegraphirte, um dann selbst zu fliehen, und daß man seine Karte bei Eduard gefunden.

.Den Baron?" fragte er unsicher.Welchen Baron?"

Sie müßten ihn doch kennen", entgegnete ärger­lich der Kommerzienrath.

Ich? Wieso denn ich?"

Man nannte Ihren und seinen Namen zu­sammen und schrieb Ihnen gemeinschaftlich einen bösen Einfluß auf Eduard zu."

Duprat bedurfte seiner ganzen Kaltblütigkeit, um den forschenden Blick Etwold's auszuhalten. Er fand nicht sogleich eine Antwort auf dessen An­schuldigung.

Sie schweigen", bemerkte jener streng.

Ja, ich bin sprachlos vor Erstaunen", gab Duprat jetzt zu,daß man so etwas sagen und noch mehr, daß Sie es glauben können. Ich kenne gar keinen Baron Dryden" Er stockte; er hatte ein einziges Wort zu viel gesagt, das aber in diesem Augenblicke schwerer wog, als eine ganze Rede.

Dryden?" fragte Etwold.Nannte ich Ihnen denn schon den Namen?"

Ich glaube doch, daß Sie ihn nannten."

Ich glaube nicht, nein, ich bin mir dessen sicher, daß ich den Namen noch nicht nannte."

Der Respekt verbietet mir, noch weiter zu widersprechen", entgegnete Duprat demüthig.Wenn mir also, da von einem Baron die Rede gewesen, dieser Name entschlüpfte, mag es wohl sein, daß Herr Eduard denselben mir einmal nannte. Ja, ich glaube, er that es sogar." Bei diesen Worten griff sich Herr Duprat nachdenklich an die Stirn, was wieder einen durchaus glaubhaften Eindruck machte.

Dann würde das also eine Bestätigung dessen sein, was Andere sagen", sprach der Kommerzien­rath.Dryden heißt jener Mann in Wirklichkeit. Er soll hier in der Residenz gelebt haben; aber in dem Augenblicke, wo man sich seiner versichern möchte, ist er spurlos verschwunden."

Fast scheint es, als wenn dann die Warnung von ihm ausgegangen." Duprat bückte sich zum Feuer, in dem er schürte, so daß der Kommerzien­

rath sein Gesicht nicht sehen konnte. Es hatte einen spöttischen, lauernden Ausdruck.

Das wäre sehr wunderbar! Dann müßte ihm doch Einer von uns verrathen haben, was der Kommissar hier wollte; nun, und ich that das sicher nicht."

Ich ebenso wenig", sagte Duprat trotzig. Solche Leute haben auch noch andere Mittel und Wege, um zur Kenntniß einer sie bedrohenden Ge­fahr zu gelangen. Aber es ist gut, daß Herr Eduard fort ist. Er mag wiederkehren, wenn seine Unschuld zu Tage gekommen."

Der Kommerzienrath seuszte schwer; und das war seine einzige Antwort.

Sie glauben nicht daran?" fragte Duprat rasch. Und ich meinte, Sie wären gerade am festesten von Ihres Sohnes Unschuld überzeugt."

Ja, wenn nur diese eine Verdächtigung gegen ihn laut geworden", entgegnete Etwold bitter.Aber leider, leider, lieber Duprat, sinkt dar Verbrechen des Münzfälschens in Nichts zusammen, wenn man erwägt, daß Eduard außerdem noch des Mordes verdächtig ist, und zwar des Raubmordes, begangen an jenem Unbekannten, welcher in der verhängniß- vollen Ballnacht vor meiner Thür ermordet aufge­funden wurde.

Duprat war aufgesprungen. Mit einem nur zu begreiflichen Entsetzen, starrte er auf den Kommer­zienrath, der das mit einer verzweifelten Ruhe ge­sprochen hatte.

Wir brauchen den hierauf folgenden bewegten Dialog nicht wiederzugeben. Duprat fragte und Etwold antwortete ihm, was wir bereits wissen. Soltmann hatte ihm Alles gesagt.

(Fortsetzung folgt.)

Ein Osterfest.

Novelette von Th. Hempel.

(Fortsetzung.)

Dann stand sie lange an des Vaters Grab, sie wollte ihn nicht anklagen, der da unten schlummerte, und konnte doch die bange Frage nicht von sich weisen:Warum hast Du Dein einziges Kind durch Deinen letzten Willen, den Baron Krotnow zu hei- rathen, zum Unglück verurtheilt?"

Sie fürchtete sich, die Stätte des Friedens zu verlassen, wie schön mußte es sich hier ausruhen von allem Erdenleid, wenn das arme Herz aufgehört, in Angst und Unruhe zu schlagen. Aber sie mußte endlich heimkehren, sie schritt durch die Reihen der Gräber, es war still und menschenleer rings umher, nur über einen der blumengeschmückten Hügel beugte sich ein stattlicher Mann. Ihr Weg führte sie an dem Grabe vorbei, ihre Schritte vernehmend, wendete