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gegnete kurz:
„Ich danke Ihnen, ich bedarf Ihrer Unterstützung nicht, ebensowenig habe ich Anspruch auf den Titel, welchen Sie mir zu geben belieben." |
Alle Kräfte zusammennehmend, wendete sie sich zum Gehen. Noch einmal begann Frank:
„Ist es beleidigend, wenn ich annnehme, daß die Dame, welche vor zwei Jahren bereits Braut, I während der Abwesenheit des Bräutigams, die I Langeweile sich durch Tändelei mit dem bürgerlichen Gelehrten zu kürzen suchte, ist es beleidigend, sage ich noch einmal, vorauszusetzen, daß diese Dame I heute die Gemahlin des Baron Krotnow ist?"
„Sie wagen es, mir hier an dieser Stätte des Friedens Beleidigungen ins Gesicht zu schleudern, auf welche eine Vertheidigung beinahe unmöglich tft''
„Wer ist der Beleidigte? Obgleich mich Ihre plötzliche Abreise, ohne mir vorher ein Wort müzu- theilen, befremdete, wendete ich mich doch, emgedenk Ihrer Erlaubniß, sowie meine Stellung mich dazu berechtigte, an Ihren Vater. Zuerst schriftlich, als | ich keine Antwort erhielt, betrat ich sein Haus nut dem festen Vorsatz, ihn innig zu bitten, an fern Vaterherz anzuklopsen, um das Glück meines Lebens von ihm zu erstehen. Baron Krotnow empfing mich im Namen des erkrankten Hausherrn. _ Die Erinnerung an das Beifammensein mit diesem Manne hat bis heute noch nichts von ihren Schrecken für mich verloren. Hohnlächelnd stellte er sich nur als ihren Bräutigam vor, sprach in verächtlichem Tone sein Bedauern aus, daß ich einen kleinen Scherz seiner Braut, mir bisweilen ein freundliches Wort über den Gartenzaun zu gönnen, für Ernst ge- nommen, an die Möglichkeit geglaubt habe, daß die vornehme adelige Russin des deutschen Schulmeisters Weib werden könne.
Ich schäumte vor Zorn, warf dem Baron Beleidigungen ins Gesicht, forderte ihn auf Tod und Leben. Alles vergebens, er blieb kalt und versicherte mir lächelnd, diesen spaßhaften Auftritt müße er sogleich seinem Bräutchen schriftlich mittheilen, er würde viel zu ihrer Erheiterung beitragen. Um das Maß meiner Erniedrigung voll zu machen, über-
er sich nach ihr um. Sie blickte ihn an, sie glaubte zu träumen, einer Sinnestäuschung unterworfen zu sein, aber nein, es war Wahrheit, beseligende Wahrheit. Doktor Frank, der Mann, den sie heute noch ebenso liebte, wie vor zwei Jahren, stand ihr gegenüber. Einen Augenblick blieben sie beide starr vor Staunen, dann wollte Lucia ihren Weg fortsetzen, aber der Schreck, die Ueberraschung lähmten ihre Glieder, sie umfaßte fest ein Kreuz, um nicht umzusinken. Schnell stand Frank an ihrer Seite und flüsterte: „Lucia!"
Sie schwieg und senkte ihre Augen zu Boden.
„Darf ich Ihnen meine Hülfe anbieten, gnädige Frau?"
Jetzt fand sie Kraft sich aufzurichten und ent»
"^'„Sie erhielten damals keinen Brief von mir?" Rang es sich von ihren zitternden Lippen.
Rein."
''Nachdem man mich urplötzlich in die Ferne entführt, schrieb ich Ihnen, sofort an dem Ort unserer Bestimmung angekommen. Jedenfalls hat man Ihren Brief, sowohl als den meinen unterschlagen, denn auch ich erhielt nie eine Zeile von Ihrer Hand. Ich litt unsäglich unter dem furchtbaren Geheimmtz, welches ich nicht zu enträthseln vermochte. Ms ich heimkehrte, lag mein Vater im Grabe. Ihre Mutter verstieß mich von ihrer Thür wie eine Dirne, L-re selbst waren verschwunden. Verrath umgab uns, um uns zu trennen, und es gelang!"
„Lucia, gelang es wirklich auf immer? habe ich durch die trostlosen Jahre nicht gesühnt, was ich verbrochen, als ich den Glauben an Ihre Lrebe verlor, als ich verzweifelnd entfloh, anstatt um Ihren Besitz zu kämpfen, bis zum letzten Athemzug? Fuhrt kein Weg zurück zu Ihnen, zum Glück?"
„Zu spät, zu spät! Des Vaters letzter Wille band mich an Krotnow, heute noch werde ich seine I Braut sein, wenn auch mein Herz sich schaudernd von dem Verhaßten wendet."
| (Schluß folgt.)
RedaetionH Scheyda. ^Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.
reichte er mir schließlich meinen Brief, dabei bemerkend, daß er, in Abwesenheit der Damen nut den geschäftlichen Obliegenheiten des kränklichen Herrn betraut und von seiner Braut noch ganz besonders verpflichtet worden sei über den leidenden Vater zu wachen, ihm jede Unannehmlichkeit fern zu halten, nicht für nöthig gehalten habe, dieses ohnehin ganz überflüssige Document dem alten Herrn müzutherlen.
Frank hielt inne, einen fragenden Blick warf er auf Lucia, er hoffte auf ein Wort aus ihrem Munde, vergebens. Todtenbleich, den Blick starr zu Boden gerichtet, hielt sie krampfhaft das Kreuz umklammert, so fuhr er fort:
„Nun gebot mir meine Ehre, nicht länger zu ! weilen, ich ging, aber ich hoffte noch immer auf 1 eine Aufklärung, eine Nachricht von Ihnen. Vergebens! Endlich nach vielem Forschen und Fragen, gelang es mir Ihre Adresse zu erlangen, ich chneb Ihnen, ich flehte um eine Nachncht, rch hielt es für unmöglich, daß Sie mit mir ihr Spiel getrieben, ich klammerte mich mit allen Fasern meines Herzens an der Hoffnung fest, daß Sie mir treu seren, daß Bosheit und Hochmuth sich zwischen uns gedrängt, alle Mittel aufboten, uns von einander zu rertzen.
Ein Tag nach dem andern ging hin, ohne mir eine Zeile zu bringen. Ich konnte diesen Zustand nicht länger ertragen, Verzweiflung erfaßte mich, ich entfloh dem Hause meiner Mutter, nicht bedenkend, wie tief ich sie betrübte, kehrte meinem Amte, meinem Vaterland, allen angeknüpften Verbindungen den Rücken und zog hinaus in die Ferne."
Jetzt endlich fuhr Lucia aus ihrer Erstarrung


