Ausgabe 
1.5.1886
 
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Und doch soll er nach Aussage der König dort gelebt haben."

Also unangemeldet."

Aller Wahrscheinlichkeit nach."

Sehr verdächtig."

Sehr."

Aber besser, Soltmann, Sie befragen das Mädchen noch einmal genau. Sie wird eine per­sönliche Beschreibung zu geben im Stande sein; und ganz unter der Hand forschen Sie auch darnach, ob sie es war, die den jungen Mann hier warnte. In diesem Falle ist er vielleicht gar nach der Residenz gegangen, wo ich sogleich nach ihm forschen lasten werde. Das Haus des Nachtwächters wie das des Kommerzienraths wird unter polizeiliche Bewachung gestellt. Der Kommerzienrath selbst, Duprat, sein Vertrauter Prokurist, und Fräulein König erhalten eine Leibgarde. O, wir werden, nun wir einen ersten Halt gefunden, das Dunkel schon lichten, welches über diesem geheimnißvollen Morde liegt. Die ausgedeckte Falschmünzerei ist ja ein neuer Fingerzeig in dieser Richtung."

"Ich hoffe, daß wir dem Recht zum Siege ver­helfen werden", sagte Soltmann ernst.Was ge­denken Sie nun zu thun, Herr Kommissar?"

Sofort zurückzurnsen", erwiderte dieserund alle Anordnungen zu treffen, um Herrn Eduard, wenn er in die Falle gegangen, nicht wieder hinaus zu lassen. Verweilen Sie noch hier. Horchen Sie hierhin und dorthin. Was der nicht weiß, weiß der. Endlich findet sich Etwas, das der Beachtung werth ist. Denken Sie an die seidene Zacke, welche Sie im Wintergarten des Ctwoldsschen Hauses fanden, und was daraus geworden. Sobald Sie! können, kommen Sie nach; und dann wollen wir \ uns bedenken, nsie wir Jemand in Etwold's Haus i emschmuggeln, der den Kommerzienrath in seinen eigenen vier Wänden bewacht."

Vielleicht ist sein Sohn dort versteckt", sagte I Soltmann halb in Frage.

"Ein kühner Gedanke", entgegnete der Kommissar. Wir wollen diese Möglichkeit ins Auge fassen."

Als der Kommerzienrath wenige Stunden später nach der Wohnung Eduard's zurückkehrte, fand er »en Kommissar nicht mehr da.

Gut, daß Sie kommen", sagte Soltmann. Ich wollte eben zu Ihnen."

Warum? Haben Sie noch Etwas entdeckt?" Nein. Aber die Sachen hier"

otb«cn" fOtt,tne' Um bie ^ine Angelegenheit zu |

Sie meinen wegen der Miethe und der­gleichen ?"

Ich werde Alles bezahlen und die Effekten meines Sohnes"

Verzeihen Sie, die behalten wir."

Der Kommerzienrath warf dem Sprecher einen wüthenden Blick zu.

Es ist also besser", fuhr jener unbeirrt fort, wenn wrr zusammen gehen. Noch hat die Frau .

hier keine Ahnung von meinem Charakter und dem Zweck meines Kommens."

Sie müßte sehr dumm sein, wenn sie nicht merkte" begann der Kommerzienrath ärgerlich und brach dann kurz ab, da er fühlte, daß ihn d r Zorn übermannte.

"Bah!" fagie Soltmann dagegen,sie hält mich schlimmsten Falls für Ihren Abgesandten und hält die ganze Affaire für einen Conflikt zwischen Vater und Sohn. Das ist ja nichts Seltenes in Ihren Kreisen."

Und giebt der Vermuthung den weitesten Spielraum."

Aber es ist doch nicht zu ändern."

Werden Sie die Koffer schon hier expediren?"

Ach so, wegen der Adresse, meinen Sie?" Nein, nein. Ich nehme die Sachen mit in ein Hotel uiid sende sie von dort aus zur Bahn."

Und was können Ihnen diese Gegenstände- zumeist Garderobe und Wäsche nützen?"

Unter Umständen sehr viel. Wir können jetzt noch nicht sagen, was hiervon Werth hat und was nicht wenigstens für uns; darum nehmen wrr das Ganze."

Der Kommerzienrath sagte nichts mehr. Was konnte er auch noch thun? Während Soltmann die Sachen nun einpackte - die Koffer hatte er schon früher erbrochen - begab er sich zur Wirthin, um deren Ansprüchen zu genügen und ihr beruhigende Erklärungen zu geben. Dann verließen Beide das Haus. Die Sachen wurden im Miethswagen mit nach Soltmann's Hotel genommen, wo der Kommer­zienrath sich von jenem verabschiedete.

Verderben gehe Deinen Lauf", dachte er in­grimmig bei sich.Ich kann Nichts mehr thun, um es aufzuhalten." y 9 *

Spät in der Nacht kam er zu Haus wieder an. Er hatte vorher telegraphirt und fand Alles zu semer Aufnahme bereit. Auch Duprat war wieder da, und natürlich konnte er nicht umhin, jenem zu erzählen, daß Eduard, durch irgend Jemand gewarnt, die Flucht ergriffen habe.

Mein treuer Dryden!" dachte Duprat.Er hat seine Sache gut gemacht."

Der Kommerzienrath ließ ihn nicht zu lange in dleser angenehmen Täuschung.

Sagen Sie mir ganz aufrichtig", begann jener, Sw waren es doch nicht, der aus mißverstandenem Interesse sich der Unannehmlichkeit aussetzte, für euren Wortbrüchigen und Lügner gehalten zu werden? Sie haben jenes chiffrirte Telegramm an Eduard nicht gesandt, wie?"

Duprat, der zuerst eine Bewegung edler Ent­rüstung gemacht, blickte verdutzt, als von dem Tele- gramm die Rede war.

Ein Telegramm?" fragte er. Davon haben Sre ja noch kein Wort gesagt. Durch ein Tele­gramm rst Herr Eduard gewarnt worden?"

Chiffrirt und von hier gesandt", erwiderte