Ausgabe 
1.5.1886
 
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Hichener Jamilienbtätter.

Rr. 51.

Vellelrißischtt Beiblatt zum Siebener Anfriger,

Samrtag den 1. Mai.

1886.

8S2SKS5SS

I>ie Kakfchmünzer.

Lriminal-Roman von Gustav LSssel.

(Fortsetzung).

Ist e» noch zu haben?" fragte der Kommer- zienrath.

Nein", entgegnete Soltmann. Ich habe mich gleich an Ort und Stelle erkundigt. Der Beamte entsinnt sich zwar, daß eine Depesche vorhergegangen, welche einen Hinweis auf die Entzifferung der chiffrirten Depesche enthielt; aber er entsann sich der Stellung der Zahlen nicht. Er hatte gerade selbst zu viel zu thun, um der Sache mehr als eine flüchtige Beachtung widmen zu können."

Schade", sagte der Kommerzienrath,sonst hätte man den Absender wohl ermitteln können, der ich nicht bin."

Man müßtAinmal bei dem Mädchen anfragen", meinte der Kommissar.

Soltmann zuckte die Achseln.Ich glaube nicht, daß sie es gewesen, die Herrn Eduard warnte", sagte er.Dieser ist eben fort, spurlos verschwunden wie sein Intimus, der Herr Baron mit dem fremd» ländischen Namen. Es wird uns also doch Nichts weiter übrig bleiben, als nach Beiden zu forschen."

Oeffentlich?" sragte der Kommerzienrath zwischen Aerger und Furcht.

Nach dem Baron, gegen den noch jeder Beweis fehlt, nur unter der Hand", erwiderte Racheis. Ihr Sohn wird sich der Konsequenzen seiner Flucht wohl bewußt gewesen sein."

Er soll also keine Schonung genießen?"

Sie jede", sagte begütigend der Kommissar. Wir werden so lange als möglich Ihren Namen verschweigen. In manchen schwierigen Fällen er­scheint es sogar geboten, etwelche Nachforschungen ganz geheim zu halten. Freilich, wenn das Interesse der Sache es verlangt"

Schon gut" brach der Kommerzienrath die Unterhaltung ab.Es genügt mir, wenn der Name vor der Hand nicht öffentlich genannt wird. Ein anderes Versprechen verlange ich nicht. In das Un­vermeidliche werde ich mich zu finden wissen.

Etwold verließ hierauf die Wohnung seines Sohnes, um sich nach dem Geschäft zu begeben und dort noch weiter nach Eduard zu forschen."

Was sagen Sie dazu?" fragte der Kommissar jetzt den Assessor.Erweckt Ihnen da» Verhalten dieses Mannes nicht einen zweifelhaften Eindruck?"

Merkwürdig, in der That, gab Soltmann zu. Man könnte fast geneigt sein zu glauben"

Daß er seinen Sohn zur Flucht angestiftet hat und diese noch weiter begünstigt", fiel der Kommissar erregt ein.Wir werden ihn im Auge behalten müssen."

Und zwar unter dem Vorwande", ergänzte der Assessor,Herrn Duprat zu bewachen."

Unter dem Vorwande? Nein, Herr Assessor; sondern indem wir Herrn Duprat bewachen. Dieser Mensch hat mir von seinem ersten Erblicken an einen zweifelhaften Eindruck gemacht. Das, was Sie von ihm hörten, bestätigt nur meine eigene Vermuthung. Durch List und Schmeichelkunst seine einflußreiche Stellung erworben, benutzt er dieselbe zur Befestigung seines Halles an dem charakter­schwachen Kommerzienrath, indem er dessen Sohn verdrängt und sich an seine Stelle setzt. Das Ende vom Liede wird sein, daß er Fräulein Etwold heirathet und sich zum Socius machen läßt, um endlich Alles an sich zu raffen, während der legitime Erbe sich mit einem elenden Pflichttheil begnügen muß."

Sie meinen", fragte Soltmann erschreckt,daß dieser Mensch wirklich so verwegene Aspirationen hegen könne?"

Und warum nicht? Es sind wohl mehr auf Schleichwegen zu Vermögen und Ansehen gekommen als auf dem geraden Wege ehrlicher Arbeit. Es wäre nicht unmöglich, daß er den jungen Etwold gewarnt hätte, um ihn so los zu werden für immer. Was haben Sie hier noch ermittelt?"

Herrn Eduard's Charakter betreffend genug, um ihn uns zu empfehlen und zugleich verdächtig zu machen. Ueber die Maßen leichtsinnig und gut» müthig, jedem stärkeren Willen sich fügend, bleibt es mehr von seinem Umgang als von ihm ab­hängig, was er war und ist."

Dieser Umgang, ja, ja; ich kann mir's denken, daß ihn der erhoben oder heruntergeriffen hat; und jedenfalls war das Letztere der Fall."

Doch nur nach der einen Seite. Meiner eigenen Beobachtung nach hat die Tochter des Nacht­wächters König nur gut auf. ihn eingewirkt."

Aber ihr Einfluß ist kein nachhaltiger gewesen."

Nein, denn er scheint wenig auf sie gehört zu haben, als sie ihn vor Menschen, wie diesen Baron Dryden, warnte. Wenn wir den hätten! Sie haben ihn in der Residenz nicht ermitteln können?"

Keine Spur von ihm."