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Geschäft kann ich nicht geben, aas mehreren Gründen; andererseits darf ich auch in einer auffälligen Weise nicht fortbleiben, für den Fall, daß Dryden's Befürchtung nicht eintrifft. —"
(Fortsetzung folgt.)
Wo» der Steife Sr. Waz. Schiff „Hrinz jlbutoert“
(je a ch privaten Briefe u.)
(Fortsetzung.)
Von der Colonisationsgefellschaft sollen die Acker- terrilori,n theils dem Pfluge unterworfen werden, theils zur Weidennutzung in Verwendung genommen werden und das Vieh soll über die Cordilleren nach chilenischen Märkten gebracht werden. . Montevideo treibt eiyen schwunghaften Handel mit den verschiedenartigsteil europäischen Jndustrieproducten, welche hier einen vortheilhasten Markt finden, und andererseits auch mit den reichen Bodenschätzen, welche Uruguay birgt. Wie dies schon gesagt ist, gehört eine große Reihe deutscher Firmen zu den ersten Vertretern des capitalstolzen Handelsftandes dieser Metropole. Eine so große Bedeutung Montevideo als Stapelplatz der europäischen Maaren auch besitzt, so bildet doch den größten und einflußreichsten Handelszweig das großartige Versandtgeschäft der Massenproducte der ©alabero8,_ jener „Fleischfabriken", welche, wenngleich dieselben auch in Argentinien als große industrielle Anlagen existiren, für Uruguay doch noch eine besondere Eigenthümlich- keit, namentlich in Hinsicht auf ihre einzigartig große Ausdehnung, anzusehen sind. Die Thärigkeit dieser Saladeros beruht auf dem ungeheuren Heerden- Reichthum der uruguayschen Steppen. Heerden von Millionen Rindern und Schafen weiden hier in den üppigen Steppengräsern und werden nur zu dem Zweck gezüchtet und gehegt, um in den um Montevideo be- legenen fabrikmäßig eingerichteten Schlachtereien geschlachtet und verwerthet zu werden. Die Industrie, welche mit diesem Vieh in den Saladeros, so nennt man die Schlachtereien, betrieben wird, ist eine großartig entwickelte, und in Montevideo sind es die größten Firmen, welche sich mit dem Massenan- kauf und Versandt dieser Fleisch-, Häute- und Talg- producte beschäftigen. Dampferladungsweise geht die Ausbeute der Steppenviehzucht von Montevideo seewärts nach London, Hamburg, Bremen und anderen großen europäischen Häfen, und noch von Jahr zu Jahr wächst dieser für Montevideo und das Land Millionen abwerfende Handel. Für Deutschland hat diese uruguaysche Saladero-Jndustrie ein um so größeres Interesse, als sich bekanntlich an
dieselbe ein Name knüpft, der in verdientem großen Ansehen steht — wir meinen Liebig, dessen „Feeisch- extract" in den Saladeros, und zwar tu ?^ray- Bentos, einem unweit Montevideo belegsnen Städtchen, wo sich heute noch das größte Etablissement befindet, und zwar dasselbe, welches zuerst diesen Flerschextract bereitet hat, entstanden ist. Ein Ham- burger Namens Giebert, der Sohn armer Eltern, welcher sich zuerst in Brasilien niedergelassen hatte und dann nach Uruguay gekommen war, hatte die Aufmerksamkeit unseres großen Chemikers auf die Saladeros hingelenkt, um seine Ideen über eine rationellere Ausnutzung der großen Fleischmaffen bei ihm nutzbringend zu verwerthen. (Siebert hatte eine Reise nach Europa gemacht, Liebig persönlich auigesucht und war mit ihm über ein Verfahren einig geworden, unter Ausscheidung der Fleischtheile die Kraft und die Nährtheile des Fleisches concen- trirt zu gewinnen. Giebert war dann nach Montevideo zurückgekehrt und hatte hier auf Grund von Empfehlungen, die er von Liebig erhalten, ein Con- fortium zufammenbracht, das mit der Begründung eines Saladero in Fray-Bentos vorging, in welchem nun dis Fleischextractfabrikation so erfolgreich betrieben wurde, daß sich hier aus kleinen Anfängen heraus ein industrielles Unternehmen entwickelte, welches heute das größte und bedeutendste seiner Art in ganz Uruguay ist. Die Gesellschaft verfügte dermalen über ein Areal von 2 Quadratmeilen, während heute die ihr außerhalb der Stadt gehörenden Ländereien 25 Quadratmeilen umfassen. Zur Zeit der Hauptschlachtungen, welche gewöhnlich von Mitte December bis Anfang Juli dauern, sind in diesem großartigen Etablissement über 1000 Arbeiter beschäftigt, indem während dieser Zeit durchschnittlich 200 000 Rinder geschlachtet und verarbeitet werden. In der ersten Zeil nach Eröffnung der Fabrik betrug die Zahl der täglich geschlachteten Rinder 200 Stück, gegenwärtig übersteigt sie 1200 und erreicht oft 2000 und mehr Stück. Obschon die Hauptthatigkeil der Fabrik von. Anbeginn an in der Herstellung des berühmten Fleischextracts bestanden hat, so sind doch immer schon und werden auch noch Nebenproducte, große Quantitäten Guano z. B., Knochen- und Fleischmehl rc. gewonnen.
Die Rinderhäute bilden, wie in allen Saladeros, so auch hier ein werthvolles Erzeugniß. Sie werden nicht gegerbt, sondern roh in Fässern versandt, nachdem sie wie Heringe eingesalzen sind. Die Art dieser Einpökelung besteht darin, daß ein erstes Fell, mit feiner inneren (Fleisch-) Seite nach oben, auf den Boden des Faffes gelegt und darüber eine Schicht Salz gestreut wird, mit dem zweiten ebenso verfahren wird und so weiter, bis das Faß gefüllt ist. Andere Products der Saladeros sind Talg, präser- virtes Fleisch, Corned beef, das ähnlich wie in Australien zubereitet wird, gekochte Zungen, Horn rc.
(Fortsetzung folgt).
Redaktion: A- Scheyda. — Druck und Verlag
der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


