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wunderung: „Sie entsetzen sich, Riston, ich auch. - Ich weiß Alles. Aber was ist nun zu thun? Wo meinst Du es denn verloren zu haben, Dryden?"
„Bei der verd......Kletterei natürlich!"
rief Dieser wüthend. „Daß mich auch der Teufel plagen mußte, Dich gerade heute nach dem „Fuchsbau" zu führen."
„Doch keine Legitimation darin?" fragte Riston.
„Ich weiß es im Augenblick nicht genau. Ich glaube nicht; bin sonst wenigstens sehr vorsichtig; aber — halt! Duprat!"
Er rief den Namen im Tone de« Entsetzens, und die gleiche Empfindung malte sich seltsamer Weise bei Nennung dieses Namens auf dem Antlitz Niston's, was die anderen Beiden aber nicht bemerkten.
„Was?" fragte Duprat mit versagender Stimme. Er ahnte nichts Gutes.
„Ich glaube — ich fürchte —"
„Was?!"
„Daß ich das Couvert des Briefes, welchen Du mir zum Lesen gabst —"
„Doch nicht ins Portefeuille gesteckt hast?" vollendete Duprat.
„Ich — weiß es nicht gewiß."
„Nicht wissen — fürchten — glauben — nicht wisien!" raste Duprat. „Mensch, so besinne Dich doch! Meine Existenz steht ja auf dem Spiele ; unser ganzer köstlicher Plan zerfällt in Nichts. Wir sind Verbrecher, wenn das Couvert im Portefeuille steckt. Es trägt meinen Namen. Und wenn ich heran sollte —"
„So würdest Du uns preisgeben?"
Duprat lachte wild auf.
„Warum sollte ich Dich schonen", entgegnete er, „durch dessen Unvorsichtigkeit —"
Dryden, durch die verzweifelte Lage zu einem kühnen Entschlüße gedrängt, griff blitzschnell nach einem auf dem Tisch liegenden großen Messer, welches er seinem Freunde von rückwärts in den Nacken stoßen wollte.
Aber Niston's Arm fuhr dazwischen und entwaffnete ihn.
„Halt! Keinen Mord hier!" zischte Dieser.
„Was? Mord?" schrie Duprat sich wendend. „Wer — wer wollte — — ha! Dryden — Du wolltest Deinen Freund — ermorden?"
„Nicht meinen Freund", entgegnete Dryden voll ohnmächtiger Wuth. „Den Verräther wollte ich aus unserer Mitte bannen, den Strick zerschneiden, welchen Du in Gedanken schon um unsere Nacken gelegt hattest. Ich bin ein Falschmünzer und wie Riston hier zu jeder Rettungsthat bereit. Du aber bist ein Elender — ein Feigling, welcher nicht den Muth hat, die Last seines Vergehens allein zu tragen."
„Meines Vergehens?" knirschte Duprat. „Nennst Du es mein Vergehen, weil ich dumm genug war, mich vyn Mx beschwatzen und in dieses Geschäft
wider meinen Willen hineinziehen zu lasten? Was hatte ich nöthig, Deine falschen Banknoten bei uns einzuschmuggeln?"
„Was Du es nöthig hattest?" lachte Dryden heiser. „Das hast Du ja alle Tage vor Augen, wenn Du zwischen Deinen Wohnungen in der Promenadenstraße und auf dem Psahlweg hin und her gehst. Nicht Du, aber Deine grenzenlose Eitelkeit, Dein Hochmuth und Dünke! benöthigen eines solchen Mehraufwandes; und weil Du Deinen Chef noch nicht genug in Händen hattest, um ohne Scheu schon einen Griff in seine Kasse zu t^un, griffst Du einstweilen zu den falschen Banknoten, die Du ihm für die echten hinlegtest. Ich verhalf Dir zu dem Leben eines Viton; und zum Dank dafür willst Du mich vernichten?"
„Ebenso antworte ich Dir", schrie Duprat;,„ich verhalf Dir zu dem raschen Umsatz Deiner falschen Scheine. Und dafür willst Du mich tobten ? _ Tritt mir offen entgegen, und dann will ich mit Dir ringen auf Tod und Leben. Von hinterrücks trifft nur der Meuchelmörder."
Dryden machte eine Bewegung gegen Duprat, aber Riston stieß ihn zurück. In seinen alten Armen wohnte eine Kraft, die ihre vereinten Kräfte noch mächtig überragte.
„Keinen Kampf, sage ich!" donnerte er. „Ich will kein Blutvergießen hier."
Dryden war unsanft zur Wand geflogen; er rieb sich die wunde Stelle.
„Wenn nicht hier, dann wo anders", knirschte er. „Den Verräther ereilt man überall."
Duprat versuchte zwar zu lachen, aber es wollte ihm nicht gelingen. Er vermochte den bösen Blick Dryden's nicht zu ertragen.
Zwischen Beiden stand jetzt hoch aufgerichtet Riston, nach jedem der Combattanten einen seiner gewaltigen Arme ausstreckend.
„Jetzt Ruhe im Sturm!" sagte er. „Wir sind einer Gefahr mit knapper Roth entronnen, wir wollen uns in eine zweite nicht leichtsinnig stürzen. Noch ist nicht erwiesen, daß das Couvert mit Duprat's Adresse im Portefeuille sich befindet, und noch steht Duprat nicht vor feinen Richtern."
„Er will uns aber verrathen', beharrte Dryden trotzig. „Und Sie, der Sie im Begriff standen, einen Menschen vom Dach zu schleudern, weil er Sie zur Strafe bringen wollte, sollten hier nicht zögern, einen falschen Bundesgenossen niederzustoßen, um sich vor dem gleichen Schicksal zu bewahren."
„Duprat hat Das in der Erregung gesprochen", sagte begütigend Riston; „ich glaube dennoch nicht, daß er uns verrathen würde."
„Denke ja nicht daran", bestätigte Dieser, obwohl er bei sich gerade das Gegentheil dachte. Er erkannte nur, daß er sich hier in einer Mausefalle befand und Niston's gute Meinung sich erhalten mußte, wenn er sein Leben nicht verlieren wollte.
„Aber was tßue ich nur?" fuhr er fort- Ins


