Ausgabe 
31.12.1925
 
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durch das Hochwasser, da ©traben uni) Wege teilweise überschwemmt sind»

Ruhr und Wupper.

Essen a. d. Ruhr, 31. Dez. (WTD. Juni» spr^ch.) Die Ruhr hat in den vergangenen Nachtstunden eine ganz ungewöhnliche Steigung auszuweisen. Die Bewohner der geMröeten Gehöfte haben das Wichtigste ihrer Habe in Sicherheit gebracht und die Gebäude verlassen. Zahlreiche Häuser sind nunmehr vom Lande abgeschnitten. Die Gefahr nimmt hier noch stündlich zu.

Das Hochwasser der Wupper ist in den legten Stunden so gestiegen, daß die von Elberfeld nach Lärmen führende Hauptverkehrsstraße an vielen Stellen unter Wasser steht. Das Wasser steigt zur Zeit noch stündlich um 5 bis 7 Ztm. 2m «a ver­land ist durch die anhaltenden Niederschläge der lebten Tage der Schnee auch auf den höchsten Berg­gipfeln geschmolzen, wodurch ein erhebliches Steigen verursacht wurde. Die tiefer gelegenen Täler und Ortschaften des oberen Sauerlandes sind vielfach überschwemmt.

Schwere Schäden in Hagen.

Hagen, 30. Dez. (TU.) Das Hochwasser der N o l in e nimmt immer bedrohlichere oormen an. Obwohl der bisher höchste Wasferstand vom Jahre 1890 bereüs erheblich überschritten ist, steigt das Wasser infolge des anhaltenden Regens stündlich um mehrere Zentimeter. Einige Brücken in der Stadt werden schon von den Fluten über­spült und sind stark gefährdet. In Hagen stehen dieHänser zu beiden Seiten der Volme bereits zu einem großen Teil unter W a s s e r. In de nfpöten Nachmittagsstunden drang das Was­ser in die beiden Tunnels des Haupt­bahnhofs ein. Für den Fall, daß das Wasser der Volme in dem bisherigen Tempo weiter steigt, besteht ernste Gefahr, daß morgen der gesamte Eisenbahnverkehr von Hagen nach Essen, Dortmund, Schwerte und Altena zum Erliegen fommt. Der Fernsprechverkehr von Hagen nach dem Industriegebiet ist gestört, da die meisten Fern- jprechkabel unter Waster liegen und unbrauchbar ge- worden sind.

Das Hochwasser in der Bremer Niederung.

LU. Stade, 30. Dez. Katastrophal wirkt sich das Hochwasser bei Bremervörde aus. Die ganze Niederung unterhalb Bremervörde bildet einen großen See. Die Bewohner mußten ihre Häuser verlassen, Rettungsaicheiten werden von der Technischen Nothilfe ausgeführt. Auch im Mündungsgebiet der Oste hat das Hoch­wasser große Verwüstungen angerichtet. Vielfach sind die Wohnstätten vollständig von der Außenwelt abgeschnitten, ©ine Mühle in Altenbruch an der Anterelbe ist durch einen orkanartigen Rordweststurm aus den Zapfen ge­hoben und am Boden zerschmettert wor­den.

Dor einer Katastrophe im Harz.

Der Eisenbahnverkehr unterbrochen.

Magdeburg, 31. Dez. (XH.) Infolge Hochwassers ist die Bahnstrecke 2 örs - sumVienenburg stark gefährdet. Die Okerbrücke zwischen den Blocks Diedel- Obach und Vienenburg ist unterspült und ge- ' borsten. Die Gleise zwischen Vienenburg und . Schladen sind auf einer Strecke von etwa 100 m unterkpult. Der Zugverkehr ist vorläufig ein» j- gestellt worden. Die Dauer der Verkehrs­störung ist noch nicht zu übersehen. Auf der v NordhausenWernigeroder Strecke verkehren die Züge infolge des Hochwassers nur noch bis Sorge am Harz. Die Harz- Querbahn hat Den Betrieb vollständig ein­gestellt. da der Bahndamm bei der Eisfelder Talmühle auf etwa 150 m Länge vollständig weggerissen ist. Die Halber st adt Dian» f enbutge r Eisenbahn hat aus dem glei° "chen Grunde den Betrieb auf der Strecke Qued­linburg Thals und Quedlinburg Blankenburg eingestellt. Der Dah-ndamm Quedlinburg Weddersleben ist stark unterspült. Die Reichs­bahnstrecken QuedlinburgThals und Quedlin­burgSuderode sind gesperrt, da der Bahndamm durch die Bode überflutet wird.

Das Hochwasier der Bode überflutet fast sämtliche Brücken. Die Straßen sind teilweise gesperrt. Stark in Mitleidenschaft gezogen sind die Orte Alten­brak und Treseburg. Di6 Holzvorräte einer Holzfirma in Altenbrak sind zum Teil wegge­schwemmt. In Rübeland wurden zwei Brücken weggerisien. In den niedergelegenen Orten wurde das Vieh aus den Ställen auf die Anhöhen geschafft. Der Hütkenort Oker am Nordwest­rand des Harzes ist stark vom Hochwasser der Ocker bedroht. In Quedlinburg ist die Bode ständig im Wachsen. Der Bahnhofsplatz und die Straßen der Innenstadt sind überschwemmt.

Das Hochwasser in Bayern.

München, 30. Dez. (WB.) Das Hochwasser der Donau hak auf der Strecke von Regens- bürg bis Passau katastrophale Ausmaße an­genommen. In Regensburg wurden oormittags um 8 Uhr 355 Zentimeter gemessen. Aus allen Teilen Bayerns laufen Nachrichten von großen Ueber- schwemmungen ein. So hat die Donau bei Regens­burg weite Strecken unter Wasser gc - setzt. Talabwärts gleichen die Wiesen und Felder riesigen Seen. Der reißende Strom führt Holz und anderes mit sich. Rott und Inn sind zu reißenden Strömen geworden. In Neuhaus wurden bereits die Häuser geräumt. Der fortwährende Regen und die Schneeschmelze in den Bergen haben ein star - kes Steigen des Bodensees verursacht. Ein Ucber-die-Ufer-Treten des Sees ist zu befürchten. Heute liegt die Grenze der S ch n e e s ch m e l z e in den Bergen über 2500 Meter. Selbst die Zug­spitze hatte am Mittwoch abnorm hohe Tempera­tur. Am Dienstag stand dort das Thermometer noch auf minus 8,4 Grad, heute hat es null Grad er­reicht. In den meisten Orten in den bayerischen Bergen wurden am Mittwoch durchschnittlich 13 Grad Wärme verzeichnet. In München zeigte das Thermometer heute früh 7 Uhr 13,3 Grad Celsius und stieg gegen Mittag 2 Uhr auf 17,1 Grad.

Hochwa serge?ahr auf der Moldau.

TU. Prag, 31. Dez. In Prag betrug ge­stern früh die Temperatur 13 Grad Celsius. Die dauernden Regengüsse bewirken ein stän­diges Steigen her böhmischen Flüsse, besonders der Moldau. Durch den Eisgang

Wurde ein Sandkahn ohne Bemannung tnc Mol­dau herabgetrieben, prallte gegen einen Brick- kenpfeiler und wurde von den nachfolgenden Eis- massen zertrümmert. Das übrige tschechische Gebiet blieb bisher von ernsten Hochwasser­schaden verschont.

Die Ueberschwemmung in Ungarn.

Budapest, 30. Dez. (DD.) 3m Heber» schtoemmungsgebiet der o e r o c 3, einem un­ten Rebenfluß der Donau, ist das Wasser wetter­gestiegen. Die Schuh- und Rettungsarbeiten wer­den unermüdlich fortgesetzt. Der Volkswohl- sahrtsministcr stellte 100 Millionen Kronen als ersten Hnterslützungsbeilrag zur Verfügung. Die Eintreibung von Steuern wurde im Heber- ichwemmungsgcbict eingestellt. Die Heberschwcm» mungstotastrophe hat zahlreiche M en- s ch e n o p f e r zur Folge gehabt. Ein Boot, in welchem sich ein Offizier und vier Pioniere be- anden, schlug um, und die 3nl'ü|ica ertranken. Das Wasser ist auch in die Salzbergwerke von Morosujvar eingedrungen. 39 Bergleute sind babei »ms Leben gekommen.

Schwere Unwetterschäden in Frankreich.

Paris. 31. Dez. (WTD. Funkspruch.» Die durch das Steigen der Flüsse verursachten Heber- chwemmungon nehmen überall zu und richteten großen Schaden an. 3n Paris wurde durch den Sturm gestern abend die kleine Antenne des Eifelturms zer'ifsen. Auch die große Antenne ist beschäd'.' worden und droht ebenfalls zu reißen.

3n Paris regnet cs. feit Montag fast un­unterbrochen. Die Städte in der Provinz und besonders im Küstengebiet sind durch Hoch­wasser schwer mitgenommen worden. 3n Cher - »bourg sind die äußeren Stadtviertel uber- chwemmt. Auch die Vororte von Drest muß­ten zum Teil von der Bevölkerung geräumt werden. Ein Stadtviertel von Valence steht unter Wasser. 3m Oise- Gebiet haben mehrere Fa­briken den Betrieb wegen Hochwaisers einstellen müssen. 3n Belfort wurden das Kraftlvert und die Gasanstalt durch eindringendes Wasser chwer beschädigt.

Hochwasser in

Belgien und Holland.

Amsterdam, 31. Dez. (TU.) Das Hochwasfec hat auf dem belgischen Lauf der Maas kata­strophalen Umfang angenommen. Bereits am Dienstag stand die Maos bei Jambes 3,50 Meter über dem gewöhnlichen Stand. In D i n a n t stehen viele Straßen unter Wasser. Alle kleinen Inseln m der Maas sind verschwunden. In Huy, Andenne, Ampsin und von Plemalle bis Kinken- pois ist der ungerichtete Hochwasserschaden sehr groß. Die überschwemmten Häuser sind nicht mehr zu zählen. An manchen Stellen ist die Maas mehrere Kilometer breit. Auch aus vielen Teilen Hol­lands wird Hochwasser gemeldet. Alle tiefer ge­legenen Gebiete sind große Strecken weit mit Was­ser überflutet, das meist bis an die vereinzelten Gehöfte yeranreicht.

Das Wetter.

Frankfurt a. M., 30. Dez. (WSA.) Die Vorhersage der Wetterpropheten, daß dem stren­gen Frost eine außergewöhnlich miIde Witterung folgen werde, hat sich bestätigt. Unter der Herrschaft des seit etwa acht Tagen andauernden warmen Südwestwindes hatten wir Mittwoch vormittag in Frankfurt eine, Tem­peratur von etwa 13 Grad Wärme, die fick» in den Rachmittagsstunden sogar aus 15,8 Grad steigerte. 3m Gegensatz dazu scheint aber im sonnigen Süden" der Winter ein» ziehen zu wollen. So wird uns von unter­richteter Seite rnitgeteilt, daß Mittwoch vormittag in Venedig das Thermometer Rull Grad und nachts sogar1 zeigte. Aehnlich waren auch die Temperaturen in anderen italienischen Städten. Mailand zeigte 1 Grad, Turin eben­falls 0 Grad, Genua 4 Grad, Rom 5 Grad und Neapel 6 Grad Wärme. In Mailand ist es also gegenwärtig um 17 Grad kälter als in Frankfurt.

Meist bedeckt, westliche, zeitweise nördliche Winde, vorübergehend etwas kälter, später wieder milder und Regenfälle.

Das heute über Skandinavien und Finnland liegende ausgedehnte Fallgebiet hat sich etwas ab­geschwächt. Ausläufer reichen bis nach Mitteldeutsch­land hinein. Aus feiner Rückseite wird vorüber­gehend kalte Lust aus dem Nordmeer südlich wan­dern, doch dürste noch einmal eine kurze Erwär­mung unter dem Einfluß eines südlich von Island herankommenden Fallgebietes eintreten. Unter an­haltenden Regensällen steigt die Hochwassergefahr außerordentlich.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 15,3 Grad Celsius, Minimum 8,6 Grad Celsius. Nieder­schläge 7,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 9,6 Grad Celsius.

Die wolMngshMätigM m Preußen.

Derli n, 30. Dez. (WB.) Aus dem Vortrag über Wohnungsbauprogramm, den her preußische Minister für Do lk-Wohlfahrt in die­sen Tagen hielt, teilt der Amtliche Preußische Pressedienst mit: Für das Haushaltsjahr 1925 toneben an Hauszins st eu er in Preußen erhoben 28 v. H. der Friedensmiete. Aach Ab­rechnung der Beträge, die bei dem Mangel an anderen Staatsmitteln für gewisfr indirekte Woh- nungszwecke verwendet werden mußten, verblie- für die unmittelbare Förderung des Wohnungsbaus durch die Qkrgcbyng von Hauszinssteuerhypotheleu noch etwa rund 325 Millionen Mark. Hnter Hinzurechnung der im Vorjahr begonnenen, aber erst im laufenden Bau­jahr ferliggefleilten 'Neubauten, werden im Jahre 1925 gegen 7 0 000 Wohnungen mit öf- sentlichen Mitteln hergestellt sein. Außerdem ist noch eine beträestlich' Anzahl neuer Wohnungen aus privater Initia­tive ohne jedwede Inanspruchnahme öffentlicher Gelder errichtet worden. Demgegenüber sieht nun der tatsächliche Wohnungsbedarf zur Erzielung eines einigermaßen normalen Woh- nungsmarttes. In den nächsten 7 Jahren müh­ten im Deich-e insgesamt etwa 1.6 Millionen neue Wohnungen errichtet werden oder auf das Jahr umgerechnet rund 225 000 Wohnungen im Reich,

b h in Preußen etwa 130150 000 Wohnungen. In den Beschlüssen des Ausschusses des Preußi­schen Landtages für Wohnungs- und Heimstätten­wesen wird die Aufstellung eines Woh­nungsbauprogramms als notwendig be­zeichnet, das die Beseitigung der Wohnungsnot int Laufe von etwa 10 Jahren anstrebt. Es wird demgemäß für Preußen von 1925 ab die Er­richtung von mindestens .00000 Wohnungen mit Hilfe öffentlicher Mittel verlangt. Gegenüber dieser Forderung des Landtages würbe das Baujahr 1925 bereits einen Fehlbetrag aufweisen. Die Aussichten Jur die Hauptperiode des Jahres 1926 werden sich noch schlechter gestalten. Es werden besten­falls 4050 000 neue Wohnungen gebaut wer- ebn können. Der Minister faßte zum Schluß seine Forderung dahin zusammen, daß Reich, ©tabt uw) Kommunen ihre Etatspolitik grundsätzlich vor allem auf die notwendigsten sozialen Bedürfnisse des Wohnungsbaues einstellen sollen, um unter Rückstellung von £or- decungen, die nicht in diesem Maße lebenswichtig für unser Volk sind, in allererster Linie grö­ßere Mittel für den Wohnungsneu­bau fertigzumachen.

Die Entwickttung der deutschen MittelfLädte.

WSR. Frankfurt a. M., 22. Dez. Rach einer statistischen Veröffentlichung in der Zett» fchriflWirtschaft und Statistik" gibt es int Be­reich des Deutschen Reiches nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni b. Is. 45 Ge­meinden mit einer Bevölkerungsziffer von 50 000 bis 100 000. gegenüber 41 am 1. Dezember 1910. Das Deutsche Reich besitzt also zur Zett je 45 Groh- und Mittelstädte. Die Entwicklung der Mittelstädte in den letzten 15 Jahren ergibt folgendes Bild: Hagen i. W.: 98 690 Ein­wohner (am 1. Dezember 1910 : 88 605), 2uer. 98 303 (61 510), Freiburg i. Br. 91 455 <84 372), 2onn: 90 116 (87 978). Darmstadt: 89 495 (87 989), Würzburg: 88 625 (84 496). Osnabrück: 88 334 (73 973), Bielefeld: 85166 (78 380), Gör­litz: 84 978 (85 806), Gleitoih: 81 152 (66 981), Gera: 80666 (79 479). Zwickau: 79699 (79721), Offenbach: 78 778 (75 583), Pforzheim: 78 390, (73 786), Rostock: 78 361 (71 175), Bottrop: 76 807 (47 162). Remscheid: 76 049 (72 159), Regensburg: 74 391 (70 980), Hindenburg: 72 974 (63 373), Har­burg: 72 715 (67 025), Fürth i. 2.: 72 579 (69 492), Heidelberg: 72 093 (64 605), Lieginh: 71 805 (67 396). Dessau: 70 354 (64 247), Weser- münde: 70112 (66 908), Frankfurt a. Ö. O.: 69 073 (68 384), Elbing: 67 053 (63 600). Herne i W.' 66 005 (57 147), Flensburg: 63 571 (60 927), Beuchen: 62 474 (51 037). Potsdam . 62125 (63 429). Recklinghausen-Stadt: 59 703 (53 701), Gladbeck: 59 654 ( 39 171). Brandenburg a. d. Havel: 59 104 (53 595). Koblenz: 58 753 (57 139), Kaiserslautern: 58 735 (54 659), Trier: 58 253 (54827), Hildesheim: 58 044 (55 016). Htm: 56 828 (56 109). Recklinghausen-Land: 53 740 (4-1 078), Jena: 53 682 (43 813). Oldenburg: 52 187 (47 510), Solingen: 51 513 (50 556). Sterkrade: 50 304 (41968), Cottbus: 50 071 (48 643). . r

Insgesamt haben die 45 deutschen Mittel­städte eine Bevölkerungsziffer von 3192 959 ge- gegenuber 2 894 579 am 1. Dezember 1910. Die verhältnismäßig stärkste Zunahme haben erfahren (Buer Osnabrück, Gleiwitz, Bottrop, Herne. Beu­chen i. O.-Schl., Gladbeck und Recklinghausen (Landgemeinde), während die Devölkerungszahl von Görlitz. Zwickau und Potsdam sich etwas vermindert hat.

Die Annahme der Marokkokredite.

versuchte, fei Major Cunning mit einer Frie­densmission in Paris eingetroffen. Augcnvlick- lich stünden die französischen Soldaten nicht mehr in Berührung mit dem Feind: es feien vielmehr eingeborene Stämme, die die Fühlung mit den Söldnern Abd el Krims aufrecht erhielten. Zur­zeit fänden feine Kämpfe mehr statt. Die fran­zösischen Behörden hätten Besprechungen mit den einzelnen Stämmen eröffnet. Abd et Krim selbst sei nicht mehr in der Lage, im (Kamen sämtlicher Stämme zu verhandeln. Cun­ning hätte dem Ministerpräsidenten zwei Briese zukommen lassen, von denen der erste besage, daß Cunning ermächtigt sei. die Friedensbedingun- gen Frankreichs festzustellen. Diese seien die­selben wie im vergangenen Juli. Der zweite Brief enthalte die Bedingungen Abd c ( Krims. Sie seien folgende:Abtretung Tetuans, das zur Hauptstadt des Rifgebietes gemacht werden soll, sowie Heberlassung der Straße, die von Fez nach Algier führt." Die fran­zösische Regierung könne unmöglich auf einer solchen Grundlage Verhandlungen eröffnen.

Frankreich habe kein Interesse daran, durck Er­öffnung von Friedensverhandlungen-Mp el Krims Prestige zu starken. Die französische Regierung be­halte sich vor, selbst den Augenblick zur Eröffnung van Verhandlungen zu bestimmen. Der Pariser Reise Hauptmann Gunnings habe nur die Absicht zugrunde gelegen, eine Prehkampagne ins Werk zu setzen. Cunning habe versucht, mit der Unterstützung schlecht informierter Persönlichkeiten einen Druck auf die französische Regierung auszu­üben. Die Friedensbedingungen, die Cunning im Auftrag Abd el Krims überbracht habe, seien u n = annehmbar, weil sie die Grenzen vorsehen, die das französische Einflußgebiet bedrohen und weil Abd el Krim ferner die Anerkennung als Emir fordere. Darauf wurden die Kredite angenommen.

Blutrache in China,

London, 30. Dez. (Reuter.) General Shu, einer dex eifrigsten Parteigänger Tsan-Tschijuis, verließ am 'Abend Peking, um mit einigen militäri­schen Führern Beratungen abzuhalten. Nach Be­richten der Clsenbahnpotizei wurden, als der Zug in Lang-Fang einfuhr, eine Bombe geworfen. Shu und einige Angehörige seines Stabes wurden getötet. Der 'Attentäter Lutfchengwu ist ein Sohn des Generals Lutsching-Tschang, den Shu im Jahre 1918 zu einem Bankett in Tientsin einlud, und dann erschoß. Lutfchengwu hat erklärt, das Motiv seiner Tat sei, den Tot feines Vaters zu rächen. Lutschengwu ist ein Vetter Feng-Jusiangs.

Kleine politische Nachrichten.

Der frühere O b e r p r ä s i d e n t der Provinz Hessen-Nassau, August v. Trott zu Solz, hat am Dienstag auf seinem Familiengute Imshau - s e n im Kreise Rotenburg seinen 70. Geburtstag be­dangen. Dem Jubilar sind aus diesem Anlaß eine Fülle von Glückwünschen und Ehrungen bereitet worden. Trott zu Solz, der bekanntlich heute noch die Provinz Hessen-Nassau im Reichsrat ver­tritt, verwaltete früher lange Jahre den Land­kreis Marburg, gehörte auch fünf Jahre als Mitglied der konservativen Fraktion dem Preußi­schen Landtag an, war sechs Jahre lang Regie­rungspräsident von Kuryessen und wurde 1909 zum preußischen Kultusminister er­nannt. Seine Ernennung zum Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau erfolgte im August 1917. Im Sommer 1919 trat er in den Ruhestand.

Die Verhandlungen zwischen her Schweiz und Deutschland über den Abschluß eines definitiven Handelsvertrags an Stelle des kürzlich vereinbarten provisorischen Zollabkom­mens werden am 12. Januar in Berlin beginnen.

Die Ariedsnsfühler Abd el Krims.

Pans, 31. Dez. (TU.) Die Marokko-Kredite in Höhe von 450 Millionen wurden gestern abend 74 Uhr mit erhobenen Händen angenommen. Der Abstimmung ging eine Debatte voraus, in der die Marokkopolitik der Regierung scharf kriti­siert wurde. Renaudel wies auf die kriege­rische Haltung Spaniens hin, das heute weni­ger denn je Anstalten für den Frieden treffe. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, daß die fron« zösischen Soldaten nicht nur für die Sache Frank­reichs, sondern auch für Spanien kämpfen. Es kam dann zu einer sensationellen Intervention Mal- vys, der schärfste Angriffe gegen die Regierung richtete und sein Bedauern darüber ausdrückte, daß die französischen Vorschläge im Juli nicht vor der Unterzeichnung des französisch-spanischen Protokolls bekannt gegeben werden konnten. Die Regierung hätte sich, ohne ihrem Prinzip untreu zu werden, vergewissern können, ob dip Rifbeoölkerung bereit sei, die Friedensbedingungen vom Juli anzuneh­men. Die französifche Finanzlage dulde es nicht, daß sich die Regierung länger den Luxus einer kost­spieligen Expedition leiste. Im Namen der Radi­kalen und der Radikalsozialisten frage er, ob die Regierung bereit sei, die Friedensbedingun­gen vom Juli aufrecht zu erhalten oder ob sie neue Forderungen stelle.

Rach dem vertrag von Locarno fei es sich die französifche Regierung fcyuldig, vor Mndecauf- nahme dec Feindseligkeiten neue Anstrengun­gen für einen baldigen Frieden zu machen.

Die Ausführungen Malvys machten umso mehr Eindruck, als er bisher stets in offiziöser Eigenschaft nach Madrid gesandt tourte. Das Zu­standekommen des französisch-spanischen Zusam­menarbeitens ist zum größten Teil auf seine Initiative zuruckzus ähren. Kriegsmimster Paln- Iel)6 entgegnete mit dem Hinweis daraus, daß zwei Bevollmächtigte der französischen Regie­rung während eines Monats unweit von Tanger die Hu ter Händler Abd el Krims ver­geblich erwartet hätten. Renaudel stellte erneut die Frage an die Regierung, ob sie ihre Friedens Vorschüße vom Juli aufrecht erhalte. Die Ablehnung Drianbs, den Hauptmann Cun­ning zu empfangen, sei umso merkwürdiger, als der Generalresitent von Marokko den englischen Hauptmann zu seiner Pariser Reise veranlaßt habe. Aus der von Driand gegebenen Ant­wort ging hervor, daß die französische Regie­rung direkte Verhandlungen mit Abd el Krim ablchnt und ihm die Oberhoheit über die aufständischen Stämme aospricht. 'Man will nur mit den Stämmen verhandeln. Briand äußerle sich weiter ausführlich zu der

Mission deS englischen Majors Cunning.

'Frankreich habe an Abd el Krim ein Frie­densangebot gerichtet, das unbeant­wortet geblieben fei. Während Abd cl Krim die Stämme des Rifgebietes aufzuhetzen

Die Zahl der Arbeitslosen in Eng­land betrug am 21. Dezember 1 102 400. Die Abnahme gegen die Vorwoche beträgt 25 046.

In Finnland hat der Führer der Agrar­partei Kallio die neue Reg H:ang gebildet, und zwar aus sechs Mitgliedern der Agrarpartei und aus sechs Mitgliedern der Sammlungspartei. Dos Ministerium des Äeußern übernimmt Pro­fessor © et ae la c und das Derteidigungsministe- rium der Rektor der Technischen Hochschule Hj elm an.

Kunst und Wissenschaft.

Professor Hugo Schneider -f.

In K a s s el starb im Alter von 85 Jahren der bekannte Kirchenbauer Professor Hugo Schneider. Mit ihm ist eine der bekanntesten Kasseler Persönlichkeiten dahingegangen. Er ist einer der wenigen Kirchenbauer, die noch in den 60er Jahren am Kölner Dom arbeiteten. Von 1879 bis 1910 gehörte er her, Kasseler Akademie als Professor an.

Berliner Ehrendoktor.

Dem Professor für indogermanische Sprach­wissenschaft an der Bonner Hnitierfität, Geh. Regierungsrat Dr. Rudolf Thurneysen ist von der Berliner juristischen Fakultät die Würde eines Ehrendoktors der Rechte verliehen worden.

Aus aller Welt.

Stürmische Reise desAlbert DaUm".

Aus Reuhork wird gemeldet, daß der DampferAlbert Ballin" dort mit einer 24 stündigen Verspätung eintraf. Der Dampfer hat in den Weihnachtstagen einen orkanartigen Sturm durchhalten müssen, her zu einer behcutenden Herabminderung her Fahrtgeschtoindigkeit zwang. Bei seiner Anlunst in Reuhork war her Dampfer vollkommen vereist. Der Kapitän kam in den Sturmtagen 28 Stunden hindurch nicht von her Kommando­brücke.

Das Heidelberger Autounglück.

Zu dem schweren Autounglück bei Heidelberg wird weiter bekannt, daß es Dr. Vogel gelungen war, auch seine Frau ans dem Auto herauszu­bringen. Beide 'sind dann noch eine Strecke von 2300 Meter geschwommen, worauf die Kräfte der Frau versagten. Frau Dr. Vogel ist die Tochter eines muritembergischen Fabrikanten und war etwa 34 Jahre alt. Man glaubt, daß der Chauffeur Laier zu rasch gefahren ist. Laier ist etwa 25 Jahre alt geworden und wac in Heidel­berg wohnhaft. Sein Arbeitgeber schildert ihn als einen durchaus nüchternen und brauchbaren 2's^e- stellten .