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i lüfte. Die englische Kohlenindustrie hat den )ooen davon.

Weder die Kohlenarbeiter noch die Bergherren sind imstande, an diesen Dingen das geringste zu ändern. alledem tritt aber noch ein Faktor hin­zu, der unmittelbar für die gegenwärtige Katastrophe verantwortlich ist: nämlich die Währungspoli­tik der englischen Regierung. Die Stabilisierung des englischen Pfundes, es war vor einem Jahr mehr als 10 Prozent weniger wert als jetzt, das Pfund notierte in Neuyork damals 4,36 und heute 4,86, hat eine Preiserhöhung der eng­lischen Kohle um 10 Prozent verursacht in einem Augenblicke, wo eine Preisermäßigung ange­bracht gewesen wäre. Die Negierung ist deswegen unmittelbar an der Kohlenkrisis beteiligt. Sie ge­hört sogar zu den Schuldigen. Damit wird die Krisis im englischen Kohlenbergbau eine politische Frage. Die Kohlenbergarbeiter haben in diesem Zu­sammenhänge die Unterstützung der gesamten eng­lischen Industrie hinter sich. Dort bekämpft man die Währungspolitik mit allen Mitteln, denn die Re­gierung hat trotz der Stabilisierung des Pfundes die Steuerlast von 16 Milliarden Goldmark erhöht und nicht vermindert. Damit ist eine Herabsetzung der allgemeinen Lebenskosten unmög­lich geworden. Aber es ist nicht einer, der einen Ausweg aus dieser Krisis wüßte. Der einzig positive Faktor, der allenfalls einen Streik verhindern könnte, ist die A n g st o o r einem Stampfe in der englischen Industrie, dessen Folgen unüberseh­bar sind.

Allen beteiligten Parteien: der Regierung, den Bergwerksbesihern bleibt nichts zur Begründung einer friedlichen Lösung als der Appell an die Furcht. Und das ist eine Politik, die von vielen maßgebenden Persönlichkeiten als Beweis der völ­ligen Unfähigkeit des Kabinetts Baldwin angesehen wird.

Zuspitzung der Lage in England.

Vor dem Ausbruch des Bcrgarbeiterftreiks.

London, 30. Juli. (WTD.) Die Krisis in der britischen Vorgwerksindustrie ist in eine äußerst kritische Phase eingetreten. Die gesamte Preise äußert sich fast durchweg wenig zuver­sichtlich in bezug auf die Möglichkeit der Ver­meidung des Streits.Evniing News" schreibt, während noch immer die Hoffnung bestehe, daß der Streik vermieden werden könne, bereite die Vesierung Maßnahmen vor, falls ihre Bv- 'Oungen, einen Ausgleich zu schaffen, scheitern sollten- Laut »Preß Association" sei man in Regierungskreisen der Ansicht, daß die Lage äußerst ernst, aber nicht hoffnungslos sei. Dem gleichen Blatte zufolge sind eiligst Polizei- Verstärkungen nach Ammonford in Wales entsandt worden, wo es infolge des Streiks der Arbeiter in den Anthrazitkohlenbergwerken zu Unruhen gekommen ist.

Auch in England wächst die Erregung unter der Bergarbeiterschaft ständig. Gestern wurde auf verschiedenen bestreikten Gruben die Ausfüh­rung der Notstandsarbeiten verhin­dert Die streikenden Arbeiter drangen in die Betriebe ein und bedrohten die dort mit Aot­standsarbeiten beschäftigten Beamten. Die Polizei mußte wiederholt eigschreiten. Auch während der letzten Aacht wurde verschiedentlich versucht, die zur Sicherung der Betriebe zurückgelassenen Ar­beiter zu vertreiben. Eine Anzahl von Berg­werken befindet sich daher ohne Heber- wach u n g. Berfchiedene Gruben sollen bereits vor dem Ersaufen stehen.

Die Aussichten auf eine Verständigung wer­den immer geringer. Auch Baldwin ist es nicht , gelungen, eine Einigung herbeizuführen. Die Ver- ' Handlungen sind auf dem toten Punkt angelangt. . Baldwin erklärte den Vertretern der Berg-- ~ leute endgültig, daß die Regierung nicht im» / stande sei, der Kohlenbergwerksindustrie eine Subvention zu bewilligen. Der Sekretär der Bergarbeitergewerkschaft E o v k bezeichnete diese Erklärung des Premierministers als eine Kriegserklärung an d ie Arbeiter.

Die Gewerlschaften haben die letzten Dor- kehrungen für den Streik getroffen. Mit den Eisenbahnergewerkschaften sind besondere Vereinbarungen getroffen, nach denen die Eisen­bahner den Transport von Kohle für indu- strielle und private Zwecke verweigern werden. Sie sollen sich ferner dazu verpflichtet haben,

Fräulein Fob.

Roman von Anders Eje.

33. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Wie Sie vielleicht wissen, Herr Milltorp," sagte er,bin ich längere Zeit auf Geschäfts­reisen abwesend gewesen. Jetzt will ich aber die erste Gelegenheit benützen, um Sie als meinen nächsten Aachbar, von dem ich schon soviel Lobenswertes gehört habe, aufzusuchen. Ge­statten Sie mir zu sagen, daß es mich außer-' ordentlich freut, als Aachbar einen so Welt-- erfahrenen Mann haben."

Milltorp quittierte die Liebenswürdigkeit in seiner wortkargen, zugeknöpften Weise.

Das Gespräch floß nun eine Weile in neu« Irakern, ungefährlichem Fahrwasser dahin: cs drehte sich um Ackerbau, Viehzucht und ähn­liche Dinge, über die Gutsbesitzer eben zu plau­dern pflegen. Milltorp wartete die ganze Zeit auf das, was Fellips eigentlich hierhergeführt hatte, denn ex war davon überzeugt, daß hinter diesem vorgeblichen Höflichkeitsbesuch ganz andere Absichten lagen. Aber Fellips war jetzt, während er über Pferdezucht und Futtereinfuhr dozierte, selbst nicht ganz klar darüber, wie er sich aus der Situation heraushelfen sollte. Plötzlich kam ihm eine Idee. Er sagte, scheinbar spontan und herzlich:

Sagen Sie mir, Herr Milltorp, wollen Sie mir nicht das Vergnügen machen, heute bei uns zu speisen?"

Milltorp nahm die Einladung an, und Fellips erhob sich, um sich zu verabschieden. Der Wirt begleitete seinen Gast höflich zur Treppe hinaus, unterließ es aber, die ihm entgegen- gestreckte Hand zu bemerken.

Attcndcz, mon ami, knirschte der Dank- direktor, als er wieder zu Pferd stieg,wir werden ja sehen, wer von uns beiden in dieser Affäre zuletzt lacht ....."

Gr ritt in derselben Gangart heim, in der er hergeritten war, wenn auch in entgegen­gesetzter Richtung. Er lieh die Stute durch die kleine Pappelallee zum Waldrand hinaus in gemächlichem Schritt schleichen. Herr Fellips war in ein scharfes Dachsinnen versunken. Er be*

auch das Auffüllen der Kohlenbestände der Eisen­bahnen abzulehnen. Aur Krankenhäusern und Wohllätigkeitsanstalten sollen Erleichterungen der Kohlentransporte gewährt werden. Der Kohlen­import soll von den Hafenarbeitern ver­hindert werden.

Der Bergarbeiterstreik im Saargebiet.

Saarbrücken, 30. Juli. (TU.) Die Ab­ordnung der Saargrubenarbeiter ist nach ihrer Rücksprache mit dem französischen Arbeitsminister heute zurückgekehrt. Das Ergebnis der Pa­riser Besprechungen ist, entgegen anders lau­tenden Meldungen, lediglich in allgemeinen ver­waltungstechnischen Vorschlägen (Knapp­schaftsreform usw.) zu suchen, mit denen sich eine Revierkonferenz am Samstag befassen wird. In der Frage des Lohnkonfliktes hat das Arbeitsministerium keinerlei Zuge­ständnisse gemacht, vielmehr hat die franzö­sische Dergwerksdirektion die Dergarbriteroraani- sationen schriftlich wissen lassen, daß sie sich in­folge des Streikes auch nicht mehr an das Lohn­abkommen von 5 Prozent gebunden fühle. In­folgedessen sind noch keinerlei Aussichten vorhanden, daß der Streik in absehbarer Zeit sein Ende finden wird, zumal auch die Lohn­verhandlungen zwischen den Angestellten­organisationen und der Bergwerksdirektion auf dem toten Punkt angekommen sind, so daß für die nächsten Tage mit dem

Streik von etwa 3500 Angestellten der Saar« gruben

gerechnet wird. Die Streiklage ist ziemlich ruhig.

Die Zahl der Arbeitswilligen hat sich nicht vermehrt. Die streikenden Bergleute werden zum Teil von den Landgemeinden des Saargebiets mit Aotstandsarbeiten beschäftigt. Seit gestern hat die Grubenverwaltung den Strom der Lei­tung der Landstrecke SaarbrückenHeusweiler zeitweilig gestört. Die Streikposten verhalten sich gemäß den Anweisungen der Streikleitung auch gegenüber dem demonstrativ wirkenden franzö­sischen Militär besonnen und zurückhal­tend. Aur aus dem Kreis Saarlouis wird eine starke Erregung der ^Bergarbeiter gemeldet, weil dort französische Reiterpatrouillen verschiedene Zwischenfälle provoziert haben sol­len. Zwischen den Derg.rrbeitergewerkschaften und den Landwirtschaftsorganisationen in dem Trierer, Birkenfelder, Baumholder und Pfälzergebiet sind Vereinbarungen getroffen worden, wonach die in diesem Gebiet wohnenden Streikenden nach Möglichkeit bei den lau­fenden E r n t e a r 6 e i t e n Verwen düng finden sollen.

Der Raubbau der französischen (Hrubeuvcrwaltunqeu »n den saarländischen Kohlengruben hat in der Dudwe.lerGegend genau wie inSchnap- pach sichtbare Folgen gezeitigt. 30 000 bis 40 000 Kubikmeter Derghalde sind bei der Grube Dud- weiler in den Bahnkörper eingebaut worden, so daß die Geleisanlagen eingesackt und abgesperrt werden mußten. Durch Dau einer neue Unterführung mußte der Dahnbau ge­stützt werden, wofür .über eine Million Franken angefordert wurden. In der Schnappacher Gegend herrschen die gleichen Zustände. Hier und in Dudweiler mutz eine große Anzahl von Häusern wegen Einsturzgefahr nieder- gerissen werden, so daß über 1 00 Fami­lien vbdachlo s geworden find. Vorstellungen bei der französischen Grubenverwaltung sind un­beantwortet geblieben. Auch die Bergbehörden, die einem französischen Beamten unterstellt sind, schweigen sich aus. Bei dem herrschenden . An­treibersystem ist es den Bergleuten überhaupt unmöglich, die notwendigen Sich^erheitsmaßnah- men zu beachten, so daß im letzten Vierteljahr die täglichen Grubenunfälle um 61 Prozent gestiegen

sind. Die deutschen Dergarbeiterorganisationen fordern schon seit Monaten vergeblich die Be­setzung des Oberbergamtes durch einen deutschen Fachmann, um dieSicher- heit des Grubenbaues mehr wie bisher zu garan­tieren.

Die Krisenlage im Saargebiet, die mit dem Bergarbeiterstreik am stärksten in Erscheinung ge° gann ganz neue Kombinationen zu erfinden, immer von dem Offensivplan ausgehend, der ihn am Morgen in so guten Humor verseht hatte.

Der Besuch bei Milltorp hatte ihn auf eine neue, satanische Idee gebracht, die einem doppel­ten Zwecke dienen sollte. Dieser edle Herr, der die Menschheit reformieren wollte, oder zum mindesten die ackerbautreibende Klasse in der Umgebung von Warminge, sollte ihm ein glän­zendes Werkzeug werden, um damit gleich zwei Fliegen auf einen Schlag zu treffen.

Attendez, Monsieur Milltorp, attendez, Mademoiselle Fob, Ihr bildet Euch vielleicht ein, daß Ihr auf der Bühne steht und spielt, wie es Euch gefällt.....aber der Regisseur bin ich,

und bald, meine Damen und Herren, werden Sie die große Szene im dritten Akt spielen müssen .....

Wenn er die Situation nicht allzufalsck) be­urteilte, muhte sich sehr leicht eine kleine Be­gegnung arrangieren lassen, man mutzte Fob und Milltorp unter Umständen allein lassen, die Aussichten auf einen kleinen Skandal er­öffneten. Und dann würde sich eine brillante Gelegenheit für die geplante Offensive gegen Gaboh ergeben.

Herr Fellips fühlte sich von diesen nied­lichen Kombinationen ordentlich erfrischt, er setzte die Sporen in die Flanken des Pferdes und gab ihm einen freundlichen Klaps auf den Hals.

Das ist eine glänzende Idee, laß uns das Tempo forcieren, Corah!

Der Bankdirektor kam in vorzüglichem Hu­mor auf seinem Gute an. Er rief Lynn, der sich gerade im Hof befand und überlieh ihm das Pferd:Aimm die Corah, sie ist brav gelaufen!"

Das Mittagessen Hatte Fellips im Grünen arrangieren lassen, unter einem großen Birn­baum. Da seine Phantasie einmal in eine be­stimmte Richtung geraten war, spann sie mit rühmenswerter Ueppigkeit immer wieder neue Details aus. Es war ihm die Idee gekommen, das Diner zu einer Kopie jenes Mittagessens zu machen, bei dem Fob und Gabby als Kellne­rinnen aufgetreten waren.

Milltorp fand sich mit amerikanischer Pünkt­lichkeit em, und auf die übrige Gesellschaft

treten ist, scheint oor weiteren Komplika­tionen zu stehen. Die angekündigten Betriebs- einschräkungen in der Hüttenindustrie infolge Ausbleibens der Spezialkohlen werden Ende der Woche zur Tatsache. In verschiedenen Werken sind bereits Feierschichten und größere Arbeiterent­lassungen angezeigt worden. Dazu kommt, daß auch die Lohnregelung in der Schwerindu- st r i e , in der den Arbeitern durch Schlichtungsspruch eine 8proz. Lohnerhöhung zugestanden worden ist, in den Gewerkschaftskreisen ablehnend ausge­nommen wurde. Wenn auch die Erklärungsfrist bis zum 5. August läuft, so ist doch heute schon bestimmt damit zu rechnen, daß es bei der weiteren ablehnen­den Haltung der Arbeitgeber in der Schwer- und Hüttenindustrie ebenfalls zum Streik von 20 000 Arbeitern kommen wird.

Die Wirtschaftskrise im Nuhrbergbau.

Duisburg, 31. Juli. (WTB.) In der Stadtverordnetenversammlung des Jndustrieortes Homberg bei Duisburg erklärte die Stadtverwal­tung, dah durch die Stillegung der Zeche R h e i n p r e u h e n" und durch die Arbeits­einschränkung In den umliegenden Werken die Stadt Homberg so schwer getroffen worden sei, dah sie den städtischen Beamten am Montag nur den halben Gehalt zahlen könne. Schwierigkeiten im tschechischen

Bergbau.

Prag, 31. Juli. (TU.) Auch in der Tschecho­slowakei macht sich unter den Bergarbeitern eine große Unruhe bemerkbar und die Ver­hältnisse im englischen Bergbau werden von den Arbeitern eingehend verfolgt. Die Lage des Bergbaues ist keineswegs günstig, überall sind große Arbeiterentlassungen vorgenom­men worden, im ganzen bisher etwa 10 000 Mann. Weitere umfangreiche Kündigungen stehen bevor. Eine Bergarbeiterkonferenz wird sich mit der Lage des Bergbaues eingehend be­schäftigen.

Die Räumung von Essen und Mühlheim.

Essen, 31. Juli. (WB.) Die Räumung von Essen hat sich bis kurz vor den von der Besatzung angegebenen endgültigen Termin hingezogen. Heute früh werden die noch nicht zurückgezogenen Jnfanterieabteilungen die Stadt verlassen. JmLaufe des morgigen Bormittags werden auch die nod) be­setzten Gebäude (Polizeipräsidium, die Ausstellungs­hallen an der Nord- und Papestraße, Landrats­amt und Bergbauverein) den deutschen Behörden zur Verfügung gestellt. Dix Uebergabe des letzten öffentlichen Gebäudes erfolgt 8.45 Uhr früh. Im Anschluß daran werden die letzten Besatzungs­truppen, das Inf.- Regt. 171, Essen verlassen. Das in Mühlheim liegende Bataillon des Jnf.-Rgts. 168 wird heute früh die städtischen Gebäude ver­lassen haben. Die Truppen werden in der Richtung Duisburg abtransportiert. Die Anzeichen der be­ginnenden Räumung der Stadt Duisburg durch die Besatzungstruppen sind noch sehr gering. Es ist nicht festzustellen, ob es sich bei den avmarschieren- den Truppenteilen nur um Truppenverschiebungen handelt. Zur Zeit sind sämtliche beschlagnahmten Gebäude noch besetzt. Auch ist von vorbereiten­den Uebergabemaßnahmen an die städtische Ver­waltung noch nichts bekannt.

Der Finanzausgleich.

Berlin, 30. Juli. (TU.) Im Reichstag ist jetzt der entscheidende Kompromißan­trag der Regierungsparteien zum Finanzaus- gleich, nachdem bekanntlich über die Höhe der ©teuerüberlettung eine Uebeveinstimmung nicht erzielt werden konnte, eingegangen. Demnach erhält der Artikel 3 a des Fincmzausgleichge- setzes folgende Fassung.

Um die Länder und Gemeinden im- stand zu halten, ihre Ausgaben insbesondere auf sozialem und kulturellem Gebiet zu erfüllen, werden den Ländern und Gemeinden, wenn sich ihr Anteil an der Einkommensteuer, der Körperschaftssteuer und der Umsatzsteuer ins­gesamt in den Rechnungsjahren 1925 und 1926 auf weniger als 2,1 Milliarde Reichs­mark beläuft, die daran fehlenden Beträge aus Mitteln des Reichshaushalts, insbesondere

brauchte man nicht zu warten, da sich ohnehin alle im Schloß befanden. Als Milltorp sich vor Fob verbeugte, sagte Fellips in liebens­würdigstem Tone:

Ich habe beschlossen, Herrn Milltorp zu meinem Freund zu machen, Fob. Es wäre lieb von dir, wenn du mich darin unterstützen würdest."

Wäre ein Außenstehender Zeuge dieses Pick­nicks gewesen, so hätte er sicher geglaubt, eine Gesellschaft glücklicher und sorgloser Menschen zu sehen, die von den gewöhnlichen Alltags­sorgen befreit waren und den Tag nach Horazens Rat genossen:

Carpc diem, buam Minimum credula postero.

Aach autzenhin war an dem großen Tisch unter dem Birnbaum nichts von Gespenster­stimmung zu merken, die wenigen Tage vorher den Lunch im großen Speisesaal beherrscht hatte. Alle, auch der neue Gast, hatten sich. ziemlich in ihre Rollen gefunden, auf alle Fälle hüteten sie sich, gleich zu Beginn überrumpelt zu werden, von jener Seite, von wo man Ueberraschun- gen erwarten durfte. Der Regisseur setzte aber Die Aerven der Mitspielenden auf eine harte Probe, mit Ausnahme jener des Herrn Kehler. Dieser war in dem Stadium, auf die ganze Welt zu pfeifen, bis auf die eine, der fein ganzes Interesse gehörte und die sich jetzt in seiner un­mittelbarsten Aähe befand. Gabby hatte es nicht leicht, Keylers eifrigen Reden zu lauschen und gleichzeitig dem zu folgen, was sich an der an­deren Seite des Tisches zutrug.

Herr Fellips unterließ es nicht, eine kleine Rede zu halten, in der er anschließend an sein Arrangement mit scherzhaften Uebertreibungen die Geschichte von dem Eisenbabnpicknick er­zählte. Herr Milltorp hätte nur sehen sollen, wie entzückend sich Fob und Gabby als Kellnerinnen ausgenommen hatten. Die beiden Mädchen hatten zwar noch nicht die rechten Handgriffe losgehabt, daS hatte sie aber nur um so reizen­der gemacht. Der Zufall entscheidet so viel in unserem Leben, und schwerlich hätte .damals jemand ahnen können nun hörte man aus seiner Stimme beißenden Hohn heraus! daß dieses Mittagessen das erste Glied in einer

aus dem Auskommen der nichkverp-Sndeten brauchsabgaben zur Verfügung gestellt werden.

Auch zur Weinsteuer ist jetzt ebt go, meinfamer Antrag aller Regierungsparteien tx*x gelegt worden. Danach betragt bfcc ©teuer ftp, Schaumweine 30 Proz., für die übrigen Wei»! 20 Proz. Für die Zeit bis zum 30. Septeücker 1927 ermäßigen sich die Steuersätze um ein Viertel. Als Uebergangsvorschrtft wird in daS Gesetz aufgenommen, daß ein Drittel des Be­trages, der in der Zeit vom 1. Juli 1925 bis zum 30. Juni 1927 aufkommendrn Weinsteuer zur Behebung der Avt des Winzerstan­des zu verwenden ift Die Vorschrift über die Ermäßigung der Steuersätze soll am 1. August 1925 in Kraft treten. Im übrigen wird der Reichs­finanzminister den Zeitpunkt des Inkrafttretens bestimmen. Auch zur Bier- und Tabak­steuer sind neue Kompromißanträge der Re­gierungsparteien eingegangen.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 30. Juli. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Körper­schafts st euergesehes.

In der allgemeinen Aussprache wendet sich Abg. Meier aus Baden (Soz.) gegen die Steuertarifvorlage, die zugunsten des Großka­pitals einen Steuerabbau bringe, der in krassem Widerspruch stehe zu den fiskalischen Gesichts­punkten, die die Regierung bet der Einkommen­steuer und bei den Verbraucherst euern vorange- stellt habe. Die Sozialdemokratie lehne für eine solche Politik jede Verantwortung ab.

Präsident Lvebe stellt mit dem Ausdruck der Genugtuung fest, daß Abg. Meier aus Baden die ihm zustehende Redezeit nicht voll aus­genutzt habe.

Abg. Korsch (Komm.):Ich werde das Haus für den Vorredner entschädigen und meine Redezeit voll aus nutzen. (3urufe rechts!)

Abg. Creuzburg (Komm.) zu einem Zwi­schenrufer der Rechten:Sei ruhig mit deiner versoffenen Stimme!"

Präsident Loebe ruft den Abg. Creuzburg zur Ordnung und bemerkt, bei der Wiederholung derartig roher Zurufe werde die A u s s ck l i e - ß u n g von der Sitzung erfolgen. (Beifall.)

Abg. Korsch (Komm.) bekämpft die Vor» läge, die eine unerhörte Begünstigung der Be­sitzenden sei. Das ganze Gesetz sei eine Anwei­sung zur Steuerdrückebergerei der Kapitaltsten in Paragraphen gefaßt.

Die allgemeine Aussprache ist damit beendet.

In der Einzelberatung wendet sich Abg. Meier-Baden (Soz.) gegen die Absicht, die Steuerpflicht auf öffentliche Elektrizitätswerke und andere Versorgungsbetriebe auszudehnen.

Abg. Dr. Rosenberg (Komm.) beantragt im § 10 die Wiederherstellung der Regierungs­vorlage, wonach zu dein steuerpflichtigen Ein­kommen der Gesellschaften auch die Dividenden gehören sollen, die im Steuerabschnitt ausge­schüttet worden sind. Der Ausschuß habe daraus und aus der Tantiemenbesteuerung eine Kann- Destimmung gemacht.

Die Abstimmungen werden zurückgestellt.

2lbg. Hölle in (Komm.) beantragt, in einem neu einzufügenden § 23a die Offenlegung der Körperschaftssteuerlisten vorzuschreiben und den Steuersatz für die Erwerbsgesellschaften auf 25 Prozent zu erhöhen.

Abg. Meier-Baden (Soz.) bedauert, daß I in der Vorlage der Gedanke der Quellen- befteuerung gefallen sei. Wenn man die | Löhne bei der Quelle erfasse, könne man bei den | Erwerbsgesellschaften nicht anders verfahren.

Bei der nun folgenden Abstimmung werden alle Aenderungsanträge abgeleynt. Die Körper- schastssteuervorlage wird in der Fassung des Aus­schusses angenommen.

Es folgt die zweite Beratung des

Vermögens- und Erbschaftssteuergesehes.

In der allgemeinen Aussprache führt Abg. Strobel (Soz.) aus, die der Vorlage des Aus­schusses gegebene Fassung verrate deutlich die Steuerscheu der Besitzenden. Wenn es sich um Steuerzahlen handele, versage der Patriotismus der sogenannten vaterländischen Parteien. Ein wirklicher Patriot müßte für den Aufbau der Desitzsteuer fein. Die Ausschußbeschlüsse seien aber ein radikaler Abbau der früher beschlossenen Ver­mögens- und Erwerbssteuer. Während in Eng­land die Erbschaften wirkungsvoll steuerlich heran-

Kette würde, die dann zwei glückliche Menschen aneinandergebunden.

Und so weiter.

Herr Fellips machte versteckte Ausfälle nach rechts und nach links und wandte sich schließlich direkt an Milltorp. Er sprach die Hoffnung aus, daß dieses erste Beisammensein der Beginn einer dauernden Freundschaft zwischen ihm, Fellips und seinem Haus und seinem geschätzten erfahrenen Gast und' Nachbar sein werde. Er bat alle, ein Hoch auf Herrn Milltorp auszu­bringen und auf fortgesetzt gute Nachbarschaft und Freundschaft.

Nach der Mahlzeit, als die Sonne schon unterging, schlug Herr Fellips einen Spazier­gang zum Meer vor. An einem geschützten Aussichtsplatz, ganz unten am Strand, hatte er den Kaffeetisch decken lassen. Als einem ge­schickten Arrangeur war es ihm leicht gelungen, die Gesellschaft so sich teilen zu lassen, wie ec es von Anfang an gewollt hatte. Cs brauchte keine weitere Einladung, um Herrn Kehler zu veranlassen, sich von den anderen zu trennen, unter einer gewissen Voraussetzung. Unö die Voraussetzung zeigte sich nicht unwillig.

Sobald Fellips konstatiert hatte, daß das Tete-ä-tete zwischen Fob und Milltorp im Gange war, verschwand er unauffällig.

Keyler war es nicht schwer gefallen, Gabby zu den Strandklippen hinabzubringen.

Haben Sie schon das Meerleuchten gesehen, Fräulein Dulroft? Ich werde es Ihnen zeigen."

Der Augenblick schien ihm jetzt besonders geeignet, mit der schweren Artillerie vorzurücken. Aber da zeigte sich der allgegenwärtige Re­gisseur. Fellips kam von der anderen Seite der Klippen zum Meer herabgeklettert. Jetzt war es nicht mehr der liebenswürdige Gastgeber, der sprach, sondern der mächtige Chef, der sich an feinen Untergebenen wandte, seinen in hohem Grade Untergebenen. Er sand einen Genuß daran, Kehler wie einen Schuljungen zu be­handeln.

Da bist du endlich, Kehler. Ich wunderte mich schon, daß ich dich nirgends finden konnte. 27a ist ein Ciltelegramm, das du sofort besorgen mußt!"

(Fortsetzung folgt)

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