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Kt. 17 Z Sweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Sreitag, 3'. Juli (925
Italienischer Salat.
Don Gustav W. Eberlein, Rom.
Obwohl die Lira nur noch ein Fünftel ihres Wertes hat, kursieren neben den neuen kleinen Kupfermünzen friedlich die riesigen alten. Da niemand auf den Gedanken gekommen ist, aus diesem quantitativen und qualitativen Unter- ichied ein Geschäft zu machen, sollen die gewichtigen Soldi jetzt eingezogen werden.
3n Rom ist die Radsahrerin eine unbekannte Erscheinung. Eingeborene Bubiköpfe wollen mit der Diogeneslaterne gesucht sein.
Jedes Haus hat so viele Hausbesitzer, als es Wohnungen hat. Man kaust seine vier Wände, dann kann man damit machen, was man will. Sind mehr als zwanzig Hausbesitzer in einem Sebäude vereinigt, dann bestellen sie zur Regelung ihrer Streitigkeiten einen permanenten Anwalt.
Wenn man den Hahn aufdreht, so braucht deswegen noch kein Wasser zu kommen. Dieses Element flieht nur tröpfelnd in die von den Fremden als Kamine angesehenen blechernen Wasserbehälter auf dem Dache. Erst wenn sie 'eidlich voll sind, spenden sie, zuerst den oberen Hausbesitzern und so allmählich stockabwärts, das belebende Rah. Da die serbatoi der vollen Tonnenglut ausgesetzt find, kann man im Sommer ohne weiteres ein Warmbad nehmen. Immer vorausgesetzt, dah die oberen Hausbesitzer etwas übrig lassen.
Das Eisenbahnfähren wird um so billiger, je weiter man fährt. Damit keine Wärme verloren geht, ist auch in den Hundstagen die zweite Klasse für acht Plätze eingerichtet und felhst im Schlafwagen erster Klaffe bekommt man einen Dettgenossen zugeteilt.
Alle Italiener sind und jeder die Grenze überschreitende Fremde wird sofort Zwangsmarkensammler. Marken auf jeglichem, was nach Papier aussieht. Oder nach Luxus. Zu den zu versteuernden Luxusdingen gehörten noch vor vier Iahren Seife und Hemd. Ietzt tragen nur noch die besseren Seifen, von 1 Lira aufwärts, die Steuermarke. Jedes an Behörden irgendwelcher Art gerichtete Schreiben muh auf Stempelpapier geschrieben sein. Auch Hunde, Dienstmädchen und Klaviere sind Luxusgegenstände und müssen dementsprechend versteuert werden. Richt also, dah ein Hund bloh eine einzige Marke zu tragen hätte, die Luxussteuer beträgt vielmehr das Doppelte.
Das bürgerliche Haus ist jetzt beim Trichtergrammophon und dem Linoleum als den jüngsten Errungenschaften der Reuzeit angelangt. Heißt das. der neue Bodenbelag wird angekündigt. Bis heute sind auch in den feinsten Häusern noch die Zimmerböden gepflastert wie in anderen Ländern die Gehsteige. Die Futuristen versichern, mit der Zeit würden sogar Oefen aufgestellt werden und die Aerzte bestreiten schon jetzt die allgemeine Meinung, man würde sich dann einen Schnupfen zuziehen.
Das Handtäschchen dec Florentinerinnen besteht im Winter aus einem irdenen Henkeltöpfchen, in dem glühende Holzkohlen ruhen. Darüber reibt man sich die Hände warm. Der Wärmespeicher ist leicht zu ergänzen, denn in Italien herrscht in der Küche noch überwiegend der Holzkohlenherd vor.
Fiume ist mit der Annektierung durch Italien um eine gute Einnahmequelle gekommen. Solange es Freistadt war, brauchten di« Scheidungs- luftigen nur den Sprung über die Adria zu tun. Damit ift's nun aus. Im ganzen Regno weisen die goldenen Fesseln keine Lücke mehr auf.
Bei der Arbeit lacht und singt alles. Denn niemand zwingt die Arbeiter mehr, zum Frühstück das rote Hehblättchen zu lesen. So wird ihnen auch das Essen nicht versalzen und der Feierabend verströmt in Harmonie.
Man kann durch die äuhersten Vorstadt - quartiere gehen, selbst mit einem Mädchen am Arm, ohne angerempelt zu werden oder auch nur etwas nachgerufen zu bekommen. Das niedere Volk in den Großstädten ist von einem vorbildlichen Anstand, der weibliche Teil in seiner Iugend von nicht minder bestechender Grazie.
Es gibt keine Pazifisten. Man nimmt die Säuglinge schon mit ins Theater. Begleiten sie dort auch zuweilen auf ihre Weise das Siegfried- motiv oder Isoldes Liebestod, so lernen sie doch beizeiten, so daß schon den Mädchen von sieben Iahren nichts Menschliches mehr fremd ist. Ob's daran liegt, wenn die Sittlichkeit in Italien in gewisser Beziehung auf einem unendlich höheren Riveau steht als in den „hochzivilisierten" Landstrichen.
In der Hauptstadt sieht es um 9 Uhr abends so aus wie um 10 Uhr etwa in Regensburg. Dom Berliner oder Pariser Rachtleben keine Spur. Die Römer sind so altmodisch, die Rächt zum Schlafen zu benützen.
Die Römer sind gar» nicht konservativ. Das alte Rom verbrauchte täglich eineinhalb Millionen Liter Waller für seine Thermen, das moderne nicht einen einzigen. Denn die Hauptstadt hat es noch nicht zu einem Hallenbad gebracht. Wer schwimmen will, für den ist der gelbe Tiber da.
Elementare Umwälzungen: Epuckverbot! In Italien! Es gibt Spuckwächter, die von den
Auslandkredit und deutsche Wirtschaft.
Man darf es bereits als ein Lieblingsthema bezeichnen, das in dec deutschen Oefsenllichkeit immerzu wieder behandelt wird, nämlich die Frage, welchen Einfluß die uns zugeführten A u s l a n d l r e d i t e aus die Entwicklung der nneren Wirtschast zehabt haben und welche Voraussetzungen dafür gegeben sind, daß der Kreditzufluß aus dem Auslande nicht völlig versiegt. Tatsächlich ist nach dem Londoner Abkommen, in dem zum ersten Mal dem Ausland gegenüber unumwunden und uneingeschränkt Einsicht in die deutschen Bücher gewährt wurde, das Zutrauen zu der deutschen Kreditwürdigkeit im Ausland von neuem gehoben worden. Wir erlebten es auch, daß Die großen Weltmagnaten der Wallstreet deutschen Kreditnehmern und Anleihesuchern weitestgehendes Entgegenkommen gewährten. Vicht unerhebliche Summen nahmen ihren Weg von den Bereinigten Staaten von Rordamerika )U uns. Besonders berücksichtigt wurden dabei latürlich in erster Linie neben den großen Konzernen die öffentlichen Körperschas- ; e n , insbesondere Städte, Gemeinden und Kom- nunalverba nde. Ihnen wurde zum Teil die Möglichkeit gewährt, dringende kommunale Arbeiten zu vollenden, die gewährten Wittel wurden also schnell verbraucht und in kommunalen Unternehmungen aller Art angelegt.
Run sollen die ausländischen Kreditquellen n der Hauptsache aber der produktiven Wirtschaft Vorbehalten sein, während das neugebildete inländische Kapital nicht etwa nur für öffentliche Bauten Derwendung finden darf, felbst wenn die in dieser Hinsicht auferlegte Beschränkung gewisse Rachteile für die Entwicklung der Kommunen mit fich bringen sonnte. Aber auch die Industrie ist vielfach nicht in der Lage gewesen, die ihr zugeführten Kredite anders verwenden zu können, als zur Abdeckung bestehender Verbindlichkeiten und Instandsetzung der vernachlässigten Bauten. Don einer produktiven Anlage ist in den wenigsten Fällen bei der Industrie die Rede gewesen. Wenn aber Auslandgell» nach Deutschland hereingenommen wird und dort nicht zu vroduktiver Verwertung verwendet wird, bleibt Die große Gefahr bestehen, daß unsere Wirtschaft noch mehr als bisher in die materielle Abhängigkeit vorn Ausland gelangt.
Besonders kreditbedürftig ist infolge des Anwachsens der sozialen Lasten, des unendlich schweren Drucks der Steuersorderungen und der immer weiter gestiegenen Preishöhe für alle Bedarfsartikel sowie auch der zu zahlenden Löhne zweifellos unsere Landwirtschaft. Daß durch den Neuaufbau der R e n t e n k r e d i t a n st a l t die Hauptkalamität beseitigt jein wird und eine starke neue Kreditquelle sich hierdurch der Landwirtschaft erschließt, kann mit Befriedigung sestgestellt werden. Leider wird es aber noch immerhin eine längere Zeit dauern, bis sich diese Neuorganisation in die Lage versetzt sieht, auf dem Geldmarkt helfend ein- gieisen zu können. Wertvoll dürfte die Einrichtung erst dann n-erden, wenn der Auslandkreditverkehr rur die Landwirtschaft seste Formen gewinnt, und zwar unter Ausschaltung aller Zufälligkeiten und ständiger Schwankung der für die Kreditgewährung aufzustellenden Forderungen.
Wir Haven es nun erlebt, daß jedesmal, wenn die Kreditfrage aufgerollt wurde und gleichzeitig Verhandlungen im Gange waren, die für un ere ehemaligen Feinde unser Zugeständnis und un ere Unterschrift benötigten, von den verschieden ten Seilen her höchst eigentümliche Drohungen aus» gingen, die ungefähr immer den gleichen Inhalt halten: „Wenn Ihr Deutscken etwa von uns Bor- schlisse verlangt, so müßt Ihr zunächst diesen oder jmen Punkt der Tagesordnung in unserem, d. h. im Sinne der früheren Feinde, ohne Widerspruch erledigen." So geschah es bei den Vorverhandlungen über das Dawes-Abkommen, so war es ler Fall bei den Hindenburg-Wahlen — And im gegenwärtigen Augenblick hören wir wieder tiefe Stimmen, daß es nur für Deutschland neue Kredite geben könne, wenn man dort bereit ist, cuf die Vorschläge zum Sicherheitspakt ein- Mgehen. Diese Methode der indirekten Beeinfluß iung deutscher Entschlüsse und Interessen verdiente rndlich einmal so scharf gekennzeichnet zu werden, baß diejenigen Kreise, die solchem Doppelspiel zuneigen, die Lust zu einer ständigen Wiederholung verlieren. Aber genug von diesen zerrissenen Mas-
sentlichsten Kreisen davon überzeugt sein, daß die großen Geldgeber ebenso wie die kleinen letzten Endes ihre Entscheidung nur davon abhängig machen, ob sie es mit einem kreditwürdigen oder kreditunwürdigen Kunden zu tun haben.
Deutschlands Kreditwürdigkeit, cb es sich um die Industrie oder die Landwirtschaft handeln mag, hängt einzig und allein davon ab. daß wir bedacht auf ständige Steigerung und wirtschaftlichere Gestaltung der Produktion h.erfür im
Lis dahin führt die Deutsche R e n t e n b a n t, die als Wahrungsinstitut die Krediwersorguna der deutschen Landwirtschaft nicht selbst übernehmen konnte, für ihre TochtergeseUschaft die notwendigen Vorberatungen, ine lediglich informatorischen Charakter tragen. So sind u. a. seit Monaten Vor- Verhandlungen mit amerikanischen Kreditgebern eingeleitet, die sich allmählich zu einem positiven Er- gebnis zu verdichten scheinen. Endgültige Abmachungen sind bisher nicht getroffen worden, da man deutscherseits mit Recht erwarten muß, daß die amerikanischen Kreditgeber in wesentlichen Punkten
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eigenen ßanbe die entsprechenden Voraus- fetjungen schaffen. Bei dem gegenwärtigen schweren Kamps, der um die Reuordnung unseres Steuer- und Zollsystems im Parlament geführt wird, haben sich der Regierung die ersten Sachkenner der Wirtschaft zur Verfügung gestellt. Es ist bedauerlich, daß diese im wesentlichen nur von sachlich geprüften und mit aller Objektivität gewonnenen Gesichtspunkten herausgebrachten Vorschläge in den Parlamenten einer ‘Beurteilung unterliegen, die, wie es bei der gegenwärtigen Verhandlung der Zoll- und Steuerfragen sich wieder zeigt, lediglich von parteiisch einseitigen Politikern ausgeht. Ie eher wir über dieses Stadium des Parteikampfes um die deutschen Wirtschaftsgrundlagen hinaus kommen, um so flüssiger wird auch der ausländische Geldmarkt sein.
Der Dollarkredit für die deutsche Landwirtschaft.
Berlin, 30. Juli. (T. U.) Die Meldungen von "bem Abschluß eines Hundertmillionen. Kredits, der der deutschen Landwirtschaft über die deutsche Rentenbank-Kreditanstalt zur Verfügung gestellt werden soll, eilet), da die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt erst am 5. August ins Leben treten soll, wie wir von gut unterrichteter Seite er- " " ' .......11 voraus.
ihrer Bedingungen ein erhöhtes Entgegenkommen zeigen. Die Verhandlungen laufen von Anfang an auf die Gewährung eines großen Kredites hinaus. Im Laufe der Verhandlungen machten die amerikanischen Unterhändler jedoch den Vorschlag, zunächst einen Teil der beantragten Summe der deutschen Rentenbank als Probekredit zur Verfügung zu stellen. Den in Frage kommenden deutschen Hypo- thekeninstituten ist bei einer Besprechung im Laufe der letzten Tage über den Stand der Vorverhandlungen Mitteilung gemacht worden. Die amerikanische Haltung läßt darauf schließen, daß man in dortigen Geldgeberkreisen der Gewährung eines größeren Kredits für die deutsche Landwirtschaft keines- wegs ablehnend gegenübersteht.
Intensivierung der Landwirtschaft.
Berlin, 31. Juli. (Wolff.) Laut „Lokalanz." liegen dem Reichstag seitens der Regierungsparteien mehrere Entschließungen vor, die eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft bezwecken. Beim Reichstag soll ein Ausschuß eingesetzt werden, der sich mit der Steigerung der landwirtschaftlichen Er- Zeugnisse beschäftigen soll. Neben der Pflege der Landwirtschaft auf dem flachen Lande wird der Ausbau des landwirtschaftlichen Fachschulwesens gewünscht. Es sollen Mu (ter- wirtschaften eingerichtet und die landwirtschaft-
Wirtschaftsberatung ausgebaut wer
den. Der technische Ausbau der landwirtschast- lichen Betriebe soll soNgesührt werden. Ferner lall das bäuerliche Genossenschaftswesen gefördert, die bäuerlichen Betriebe oerinehrt ;mb eine verständige Siedlungspolitik getrieben werden. Man erhosst aus allen diesen Mag. nahmen eine solche Intensivierung der deutschen Landwirtschast, daß Deutschland von der Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte unabhängig gemacht wird.
Der Kampf im englischen Kohlenbergbau
Don unserem W. v. K.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, 30. Juli 1925.
Allmählich beginnt die englische Deffentüdjfeit zu begreifen, daß es sich bei dem Kampfe im englischen Kohlenbergbau nicht so sehr um einen Lohn- karnpi, sondern um einen Ausdruck der allgemeinen Krisis der englischen Wirtschaft handelt. Die englischen Familienväter und Hausfrauen werden nervös und kaufen Kohle. Selbst wenn es gelingen sollte, den Streik am 1. August zu verhindern, so ist damit das Problem als solches nicht gelöst. Das Eigentümliche der Lage besteht darin, daß nicht etwa nur die Bergleute der Meinung sind, die gezahlten Löhne wären zu niedrig. Niemand unter den Arbeitgebern, den Bergwerksbesitzern, hat bisher behauptet, daß die gezahlten Löhne zu hoch wären. Ja, man erkennt offen an, daß sie in Anbetracht der Lebenshaltungskosten eher zu niedrig als zu hoch sind.
Die unüberwindliche Schwierigkeit besteht darin, daß die Bergwerke bei den gegenwärtigen Unkosten der Erzeugung Kohle nicht verkaufen können, daß aber andererseits auch bei Herabsetzung der Produktionskosten der Absatz höchstwahrschein- lich nickt gesteigert werden kann. Die Ansicht der Kohlenbergwerksbesitzer, es käme auf eine Preis- berabfejjung an, ist nach Meinung sehr sachverstän- biger Beurteiler der Lage ein Irrtum, denn, lagt man, die Kohlenkrisis in England ist eine internationale Erscheinung und sie ist mit den alten Mitteln wie Lohnherabsetzung, Verlängerung der Arbeitszeit, technischer Verbesserung der Schächte usw. nicht lösbar. Woran liegt das?
Die letzten Jahre haben uns eine vollständige Umwälzung der Energiewirtschast ge- bracht. In der Schisfahrt dient in immer zunehmendem Maße Del als Brennstoff. Jedes neugebaute Motorschiff vermindert die Nachfrage nach Kohlen um Hunderte von Tonnen im Monat. Die internationale Handelsschissahrt hält das Motorschifs für sparsamer. Die englischen Bergarbeiter müssen den Schaden bezahlen. Die Kriegsflotten find vermindert worden. Die Abrüstung zur See, dos Auf- hören des englisch-deutschen Gegensatzes in der Nordsee bedingt eine weitere Verminderung der Nachfrage nach englischer Kohle, die durch die gegen- märtige Sparsamkeitspolitik der englischen Admirali- tat noch gesteigert wird. Vor dem Kriege verschiffte man englische Kohle bis nach China, heute ist cs fast unmöglich, sie in Hamburg abzusetzen. Die gewaltige Zunahme des Automobllverkehrs in England bewirkt eine Verkehrsverminderung auf den englischen Eisenbahnen. In England sind in den letzten 12 Monaten etwa 200 000 Automobile und Kraftfahrzeuge aller Art neu in den Verkehr gebracht worden. Die englische Kohlenindustrie hat letzten Endes den Schaden davon. Der Zubringerverkehr der Großstädte wird fast nur noch mit Lastkraftwagen bewerkstelligt. Die Filiale der Fordschen Automobilfabrik in Manchester hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens über fünfmal hundert- tausend Wagen, und die Fordwagen sind fast aus- schließlich Lieferwagen, in England verkauft. Der englische Kohlenbergbau muß die Zeche bezahlen. Früher lieferte er die Verkehrsenergie. Kohle ist veraltet. Abgesehen von diesen Veränderungen derEnergiewirtschaft des englischen Mutterlandes hat der Krieg eine Umgruppierung der Welt- i n d u st r i e verursacht. Allenthalben in Südamerika, Südafrika und Kanada, in China, Australien und Neuseeland, in Indien und Hinterindien sind Fabriken entstanden, welche schon heute ein gut Teil der Dinge Herstellen, die man früher aus England und Europa hezog. Sie verbrauchen die am Orte gewonnene Kohle ober sie verwenden Wasser-
in flagranti erwischten Missetätern sofort zehn Lire einkassieren.
3n den Lebensmittelläden wurde das Betasten der Waren und insbesondere die handgreifliche Untersuchung des Brotes auf seine Würbe untersagt. Wenigstens steht es so auf dem Papier.
In Rom wurde vor nicht langer Zeit als achtes Weltwunder die erste Teigknetmaschine vorgeführt.
Es gibt, Italien ist das Land der persönlichen Freiheit, keinen behördlichen Donntags- und Abendschluß dec Verkaufsläden. Iedec arbeitet, wann und solange ec will. Diele Geschäfte halten bis abends 10 Ahr offen.
Die Dienstmädchen sind noch nicht zu Hausgehilfinnen avanciert. Sie bescheiden sich wt dem geringsten Essen und wissen nichts von einem Achtstundentag. Rur halt die amore —!
Da die Zeitungen keinen nennenswerten Inseratenteil kennen und die Frauen nicht einmal den Roman lesen, leben sie von den Liebesabenteuern, die den Hauptplatz einnehmen. Um als Heldin in die Zeitung zu kommen und damit den Treulosen zurückzuge vinnen oder die nichts davon wissen wollenden Eltern zu versöhnen, muß man die nächstbeste Flasche austrinken, in der nicht gerade Wein ist. Gegenwärtig sind Salzsäure, Tinte und vor allem Iodtinftur in Mode.
Das Hauptnahrungsmittel in Italien ist nach allgemeiner Versicherung unerschwinglich teuer geworden: kostet doch jetzt der Liter vom Besten seine zwei bis drei Lire! Das find fast 50 Ps- Für einen einzigen Liter goldgelben Frasati oder blutschwarzen Delletri!
Dec italienische Salat ist in Italien unbekannt. Ec heißt hier russischer Salat.


