Ausgabe 
30.12.1925
 
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Sein Vertreter Hai vor Monaten schon gesagt, daß der Dawesplan nur aus bestimmten Voraus­setzungen entstanden fei, und geändert werden wurde, wenn diese Voraussetzungen sich ändern würden. Sie haben sich geändert! Wir haben keine gründliche Genesung unserer Wirtschaft erlebt, sondern nur einen vorläufigen Zustand des Wohl­seins, dem jetzt der Rückfall und 'as Llnbehagen folgen, Zeichen, Last im Körper unserer Wirtschaft noch Krankheitskeime sitzen. Das lieht der Rord- dmerifancr selbstverständlich auch. So richtet man sich auf eine Erörterung des Dawesplanes ein, die für uns nur eine Revision sein kann. Waren die Lasten, die er uns auferlegte, von Haus aus schon zu hoch, so sind sie es jetzt erst recht, wo wir am Ende des Jahres zum erstenmal erschreckend sehen, wie kapitalarm wir geworden sind, und wie schwer es uns ist, auszuführen und damit zu verdienen, den Menschenüberschust zu ernähren, den in Deutschland das Land nicht ernähren kann.

Das sind die Ausblicke und damit die Aufgaben gegeben. Wir fassen sie ernst an, aber mir malen nicht unnötig schwarz in schwarz. Unsere Wirtschaft mit ihrem Produktionsapparat ist im Kern g e sund und erst recht, wenn sie die jetzt, durchzu- machcnde Reinigungskrise, die Ueberflüssiges und Krankes abstößt, überstanden hat. Aber die Kredit- und Kapitaldecke ist zu kurz. Durch Inflation darf sie unter keinen Umständen vergrößert werden. Bleibt aljo bei scharfer Budget- und Finanzpolitik im Innern die internationale Auseinandersetzung auf dem Wege dieser Konferenzen, die die erste Hälfte des neuen Jahres uns bringen wird.

Dabei kann Deutschland darauf rechnen, daß ganz im großen gesehen, sowohl in der Abrüstungs- frage roic~ in der großen Wirtschaftsfrage die Inter­essen, die Absichten und die Tendenzen Englands wie Nordamerikas und auch schließlich Rußlands mit denen Deutschlands parallel laufen. Demgegenüber befindet sich Frankreich, um seine Währung und seine Finanzen verzweifelnd kämpfend, in einer zu­nehmenden Isolierung und .Zwangslage. Der Da- wes-Plan hat auch Frankreich gebunden. Der Pakt von Locarno legt auch Frankreich bestimmte Ver­pflichtungen und Bindungen auf. Will Frankreich sich selber, seine Wirtschaft, seine Finanzen halten, vor einem Zusammenbruch retten, der vielleicht län­gere Zeit noch auf sich warten läßt, aber, wenn die Dinge sich nicht ändern, unbedingt kommen wird, so muß cs auch die neuen Bindungen auf sich nehmen, die sich, sagen wir, aus einem Dawes-Plan für Frankreich, aus einer Weiterführung der Ab­rüstungsfrage, aus einer Neuregelung der Repara­tionsfrage, aus einer europäischen Losung der Han­delspolitik zwingend auch für Frankreich ergeben.

Das hatten wir im Auge, wenn wir sagten, daß die Linien der allernächsten Entwicklung einigermahen deutlich vor unfern Augen liegen, und noch mehr die konkreten, praktischen Aufgaben einer deutschen Politik, die sich aller­dings nun aufs äußerste anspannen unD regen muß. Die Zeit ist toieter da, in der eine wirt­lich aktive deutsche Außenpolitik möglich wird, die den engen Zusammenhang zwischen drinnen und draußen, zwischen Wirtschaftspolitik im Innern und Außenpolitik jeder Zeit vor Augen hat.

Das zunächst einmal sich klar zu machen, ist nicht so übermäßig schwer. Schwerer ist. an jeder Stelle der Verührung mit dem Ausland jederzeit danach zu handeln. Roch schwerer aber für solches Handeln, immer die Hande wirklich von der Parteiwirtschaft frei zu haben, die sich in diese Dinge mischt und sie nur verwirrt. Eine Lebens- äufgabe des deutschen Volles für 1926 wird . es sein, gerade aus solcher Arbeit, deren Schwie- 1 rigleiten uns ebenfo klar vor Augen stehen, wie ^-ihre Erfolgsmöglichkeiten, die Wirtschaft der Par­teien mit ihrer Kurzsichtigkeit und Tlnfähigkeit auszuschalten!

lieber eine Million Erwerbslose.

Berlin, 30. De;. (ZIL) Amtlich. 3n der Zeil vom 1. bis 15. Dezember 1925 ist die Zahl der Hauptuniersiüßungsempsänger in dec Lrwerds- loferifüriotge von 673 315 auf 1 057 031, d. h. um rund 57 Prozent, gestiegen. 3m einzelnen Hai sich die Zahl der männlichen hauplunlerstühungs- empfünger von 613 712 auf 964 012, die der weib­lichen Unlersiühungsempfängrr von 59 603 auf 93 019 erhöht. Zu dieser Sfeigeung trug nicht un­erheblich dieLinsleilungderÄrbeitinden Austenberufen bei. die alljährlich zu dieser Zeit die Zahl der unterstützten Erwerbslosen in die hohe treibt. Auch ist zu berücksichtigen, daß die Unternehmer verschiedentlich gerade jetzt am Ende des Jahres ihre Betriebe nur für einige Wochen stillgelegt und ihre Arbeiter während dieser Zeit beurlaubt haben. Diese Feststellungen ändern nichts an dem Ernst der Lage, der ans den Arbetts- losenziffern spricht.

Wie die Berliner Morgenblätter bemerken, be­rücksichtigt diese Zahlung nicht die nach dem 15. De­zember erfolgten Entlastungen und auch nicht die große Zahl jener Arbeitslosen, die eine Ilnfer- sliihung nicht in Anspruch nehmen. Die Zahl dieser Erwerbslosen wird für sehr bedeutend nc- halten, dievossische Zeitung" glaubt, das; die Zahl fämtlicher Erwerbslosen in Deutschland nicht we­sentlich niedriger ist als die der Erwerbslosen in England, die zuletzt mit 1,5 Millionen angegeben werden ist.

Schiedsspruch für die ReichsdahnarbeiLer

Berlin, 29. Dez. iWLB.) In dm Schlich­tung iVerhandlungen über den Lohnstreit der Reich Zbahnarbeiter in Berlin wurde folgender Schiedsspruch gefällt: Mit Wirkung vom 1.2a». 1926 ab erhalten die Reichsbahnarbeitcr vom 24. Lebensjahre an eine Lohnerhöhung von einem Pfennig in Den Gruppen ! bis V und eine solche von zwei Pfennigen die Stunde für die Gruppen VI und VII. Diese Löhne gelten bis 30. April 1926. Die seither in Krankheitsfällen gezahlten sozialen Zulagen fallen vom 1. Januar 1926 ab weg. - Der Deutschen Reichsbahnge'ett° schaft wird aufgegeben, im Benehmen mit den Vertragsparteien die Qr tslohnzulag en nachzuprüsen und soweit erforderlich, mit Wirkung vorn 1. Icmuar ab neu festzufetzen. Als Grttä- -rungsfrift wurde der 12. 3anuar angesetzt.

Die internationale Wirtfchaftskonferenz.

TA. Berlin, 30. Dez. Der internationalen Wirtfch^ftskonfecenz Hal nach Mitteilung, des Ge­neralsekretärs des Völkerbundes eine größere An­zahl von Persönlichkeiten, die gemäß dem Be- fchluß des Völkerbundes befragt wurden, ob sie

zur Teilnahme an den Arbeiten der Kommis­sion zur Vorbereitung der internationa­len Wirtfchaftskonferenz befreit seien, z u st i m - mend geantwortet. Es sind im ganzen 35 Persönlichkeiten aufgefordert worden. Zum Vorsitzenden der vorbereitenden Kommission hat der Bat den früheren schweizerischen Bundes- Präsidenten Gustav Ador, den Vorsitzenden der Wirtschaftskommission des Völkerbundes, ge­wählt. Er hat die Wahl angenommen.

Die italienische Fanftherrschast in Südtirol.

Berlin. 29. Dez. (Sil.) In Villnos in Südtirol waren in der Carrabinierie-Kanzlei von mrbekannten Tätern die Fenster eiirgeworsen worden. Ungefähr 12 Personen wurden daraufhin verhaftet und in Ketten nach Klaufen geführt, unter ihnen der Wirt P r o f a n t e r, der zu der Tat aufgefordert haben sollte. Aach acht Tagen wurden die Verhafteten sreigelasien, aber wiederholt zu Vernehmungen in die Kaserne gerufen. Bei einer Derartigen Vernehmung wurde Profanier von den Carrabinieri Derartig m i t Fäusten geschlagen, daß er auf der Straße bewußtlos zusammenbrach, zeitweilig Daß Gehör verlor und auf einem Auge nicht mehr sah.

Heeresreform in Italien.

Aom , 29. Dez. (WB.) Aach einer Mit­teilung derTribuna" wird Der Ministerrat sich mit der nunmehr festgesetzten Heeresreform be­fassen. Die Heeresstcirke soll eine bedeutende Erhöhung erfahren. Das Eharaktsriüi.um der Deform werde die Einführung Der Drei- gestaffelten Division sein. Die Zahl der Divisio­nen soll dreißig b'.tragen, doch soll jede Division um ein Regiment verringert fein. Trotz der^Der-- minderung der Regimenterzahl werde der Stand an Regimentern nicht Derart herabgesetzt sein, wie in den früheren Plänen. Die Dauer des Lirnendienstes werde sechs Monate betragen. In­folge Der Einführung Der neuen Divisionsorga­nisation werde die Brigade aufgehoben. Die Kampfkraft der Infanterieeinheit werde haupt­sächlich durch die allgemeine Durchführung der Einheitsbataillone gehoben werden, die mit Ma­schinengewehren und Schützengrabentmroncn airs- gerüfiet feien. Ebenso werde Die Feuerstärke der Kavallerie und der Vtrgsagtteri bedeutend er­höht. Außerdem werde ein organisches Zusam- mentoirfen zwischen Infanterie, Flugwesen und Marine vorgesehen.

Vor neue» Kämpfe in China.

London, 29. Dez. (TU.) Nach Meldungen aus Peking beherrscht jetzt T s ch a n g t s o l i n die ganze Mandschurei, jedoch braucht er noch einige Zeit, um seine Truppen zu sammeln und zu reorganisieren. Er wird zunächst versuchen, die Ruhe und Ordnung in Der Pronin,) wiederherzustellen. die durch die versprengten Soldaten der geschlagenen Armee des Generals Äua stark bedroht ist. Man führt die großen Erfolge Tschangtsolins in der Mandschurei auf die Unter st ützung Japans zurück, das durch die Besetzung Mukdens und durch die Be­setzung der Eisenbahnen die Widerstandsfähigkeit der Truppen Tschangtsolins sehr gestärkt hat.

AuH General Feng unterzieht sr-ne Truppen gegenwärtig einer Umorganiiarion \> rüstet sich zu neuen Sümpfen. Zwar ist es .< i gelungen, den aufständischen General L i ch i n g l i n ,yi schla­gen und Tientsin einzunehmen, jedoch konnte er ihn nicht völlig vernichten, da es diesem gelang, den größten Teil feiner Armee nach Süden zu­rückzunehmen. Fengyusiang sieht sich daher noch immer ziemlich starken Streitkräften gegenüber, die es ihm unmöglich machen, schon setzt gegen Tfchanglfolin im Norden oorzugehen. Er wird daher sich zunächst gegen feinen Gegner im Süden wenden.

Spaltung der englischen Konservativen?

London, 29. De;. iT^l.1 Der .Glasgow Herald", bas führende Organ fsr schottischen Konservativen, diskutiert zum erstenmal in der gesamten «qali'chen konfervaiioen Pr-rsie eine be* vorstehend? Spaltung in der konservativen Partei. Das Blatt sagt u. a., Diejenigen, dir Die Ent­wicklung Der Dinge aus nächster Rähe beobachten können, wissen bestimmt. Daß in Den nächststen 4 bis 8 Wochen Der zielbewußte Versuch gemacht ir erben wird, Baldwin z u stürzen unD Die konservative Partei zu spalten. Die Krise, Die sich aus der Kohlenfrage entwickeln könnte, wird vielleicht Diesen Versuch unterstützen oder auch nicht. Kann die Regierung aber nicht Durch Diese Frage zum Stolpern gebracht werben, so wirb mau eben einen anderen Grund finden. An der Spitze^Der Bewegung stehen Lord Birkenhead und Churchill. Die jungen Tories scheinen Dagegen auf Baldwins Seite zu stehen.

Kleine politsiche Nachrichten.

Der Reichspräsident empfing als Ab- Dehnung des Reichs verdanDes Der deut­schen Industrie die Herren Geheimrat Pro­fessor Dr. h. c. Duisdueg. Feowein, Kraemer, Funcke, Geh-imrat Dr. Clairmoent. Maras. Kom­merzienrat Dr. Reusch. Geheimrat von Borsig, Geheimrat Käst! und Dr. Herke unD nahm von ihnen Berichte über die gegenwärtige Rotlage der deutschen Industrie, ihrer Zweige und Der einzelnem InduslriegBiete entgegen.

Der Hamburger Senat hat beschiesscu. ,um chcenten Gedächtnis Des «ersten ReichsarüttDenlen die im Staotteil Reust ad! Rord gelegene Ring­straße Fr iedrich - Eber t-Strahe zu Le» neimen.

2er Papst empfing den Deutschen Bokschafter Dr. v. Der g c n und Den bayerischen Gesandten Frecheren von N i t t e r z u G r o c n e ft e u n , dis ihm ihre Glückwünsche zum bevorstehenden Jahres­wechsel au5fprtid)eiL

Der Reichslommissar für Die te e*jien Gebiete, Freiherr Langwerth v. Simmern, machte in Begleitung seines Stelloer!rc.trrs. Des Finanz- Dirigenten Grafen Adel m a n n, Dem Ober­befehlshaber Der franzüfi'chen. Rheinarmee, G-ene- rat ®uiKtaumat, feinen Antrittsbe'uch.

Der Generaldirektor der französischen Berg- werksdircktron im Saargebiet, Desline tritt am 15. Ianuar von seinem. Posten zr'.rück. Gleich­falls sollen 30 bis 4G Prozent der Beamten Der Zentralverwaltung Der Direktion Der Saargruben ab gebaut werden. Der Präsident imb Der

Sekretär des Syndikats sind vor Weihnachten plötzlich entlassen worden.

Ansang des nächsten Iahres wird der Kom­mandeur der Berliner Schutzpolizei, Oberst Sau» pisch, aus Dem Dienst scheiden.

Die seit Monaten herrschende h o l l ä n d - sche Kabinettskrise ist einer Lösung nom nicht näher gekommen. Die Königin hat nach ihrer Rückkehr aus Hat Loo den mit der Kabi­nettsbildung beauftragten Führer der christlich- historischen Kammerfraktion, Dr. de Visser, zur Berichterstattung empfangen. In parlamen­tarischen Kreisen wird mit Der Bildung eines C e s ch ä f t s m i n i st e r i u m s und mit Der even­tuellen Auslösung Der Zweit en Kam­mer gerechnet.

Die Botschaftcrkonserenz hat beschlossen, die Mit­glieder der nut der Mikitärkontrolle in Bulgarien beauftragten Organe abzube­ruf c n , da Bulgarien alle militärischen Bestim­mungen des Vertrages von Neuilly erfüllt habe.

Ans aller Wett.

Vor einer Ueberschwemmungs-- katastrophe im Nheingebiet.

DoS Hochwasser auf dem Rhein ist weiter sehr erheblich gestiegen, nachdem in der Rächt zum Dienstag am Oberrhein das Wasser nicht weiter zugenommen hatte. Bon IG Tlhr vormittags an flieg das Wasser ziemlich bemerk­bar, da Die Bebenslüssc des Obcrrbein wieder gewaltige Was [ermassen heranführten. Der A e ck a r hatte bereits Die ganze Vorstadt von Mannheim unter Wasser gelebt unD steigt weiter. Bei Koblenz steigt der Rhein stündlich um 4 Zentimeter. Besonders ungünstige Meldungen liegen vom Riederrhei.n vor. Bei Bonn ist Der Fluß in d"v Morgenstunden über die ilfcv getreten und hat bereits einige Stadtteile überschwemmt. Der Verkehr zwischen den am Ufer gelegenen Häusern wird mit Kähnen auf­recht erhalten. Da das Wasser schnell steigt, befürchtet man weitere UeberschwemmungSichäden.

Der Kölner Pegel zeigte Dienstagabend 7 Llhc einen Stand von 7,31 gegen 6,81 Montag- nachrnittag, und Mittwoch früh 7,81 Meter. Das Wasser steigt immer noch 6 Zentimeter in Der Stunde. Die Straßen am Rhein vom Laystapel bis zur Hängebrücke sind vollständig über­flutet. Die Straßenbahn mußte umgeleitet werden. Man ist ei feig damit beschäftigt, Holz- ft e g e zu bauen, um den Verkehr zwischen den Häusern aufrecht erhalten zu können. Infolge des hohen Wasserstandes ist Die Schiffbrücke Sob»- lenz-Ehrenbrertstein für jeglichen Ver­kehr gesperrt worden. Mittwoch vormittag Dürfte mit den: allgemeinen Verbot für die Schiffahrt zu rechnen sein. In den Straßen der unteren Stadt Koblenz ist das Hochwasser bereits in Die tiefer gelegenen Wohnungen ein- gedrungen. Auch Duisburg wird vom Hoch­wasser bedroht, das stündlich um 8 Zentimeter steigt.

In A e u w i e d hat Der Rhein, etwa ein Viertel der Stadt überschwemmt. Die Geschäfts­leute konnten die bedrohter: Geschäfte rechtzeitig räumen. Es ist Damit zu rech - 'n, daß das Haupi- gefchaftSviertel völlig unter Wasser gefetzt wird. Regierungspräsident Brandt von Koblenz traf heute hier ein. um sich persönlich von dem Stand des Hochwassers zu unterrichten. Er besichtigte Die bedrohten Stadtteile und versprach, alles auf- zubieten, um den von dem Hochwasser besonders stark betroffenen Gemeinden eine staatliche Unter» stutzung zuteil werden zu lassen.

An der Mosel

ist Die befürchtete Hochwasferkatastrophe nun ein- getreten. Die Mosel stieg innerhalb Der letzten 24 ötunDcn um einen Meter und erreichte Diens­tag früh um 4 Ähr tert Höchststand von 6.05 Meter. Auf diesem PegekstauD ist Das Wasser früh stehen geblieben. Die an Den Alfern liegenden Straßen Triers fl'hen unter Wasser und die dort liegend en Kell erräume mußten geräumt wer­den. Do dies nicht Der Fall war, wurde schwerer Schade?! angerichttt. Die Schis,ahrt ist völlig eingestellt. Ebenso ter Betrieb "Cer Mofeltalbahn, Deren Gleise vom Wasser überspült werden. Die Bekitzungstrup >2n h?b n dieEx.r^ier- und Lager­plätze, die ar. Cer Mosel liegen, geräumt. Mit einer fo furchtbrrnc Katastrophe wie im Iahre 1920 dürfte nach Den bisherigen Erscheinungen nicht zu rechnen sein, da die Schneeschmelze ziemlich vorüber ist.

Der Wasserstand des Mains steigt stündlich um etwa 5 Zentimeter. Vom Ober­main wird gleichfalls starkes Steigen der Waffer- majfen gemeldet. Es ist mit einem Hochwasser, ähn­lich dem im November 1924, zu rechnen, das vor­aussichtlich erst während der Neujahrsfeiertaae in die Erschei.nmg treten wird. Von Den Nebenflüssen des Mains haben die Nidda unD die Kinzig ihren Höchststand erreicht und es »st bei beiden ein gewisser ^.tillftand eingetreten. Tic Niederungen sind nreilenweit überfchwemmt. Auch die Ger­sprenz bringt aus dem Odenwald gewaltige Was- fermaffen. Weite Strecken Ackerlandes und Wiesen stehen hoch unter Äaffer. Zahlreiche Keller stehen bkreiis voll Wasser, stellenweise ist der Fluß see­artig über Die Ufer getreten.

Hochwasser in Holland.

Ans M n a st r i ch t kommen beunruhigende Nach- 'ichren über hohen Wasserst and der Maas, die in den letzten Stunden um i0 Zentimeter gestiegen ist. 5n N o e r m ond erreichte das Wasser der Maa^ hellte eine Höhe, die 26 Zentimeter über Dem höchsten Wasterstande des Jahres 1923 liegt. Sollte das Wasser weiter steigen, so ist mit der Ueberschweni- mung eines großen Teiles von Nord-Limburg zu rechnen. In N y m w e g e n stieg der Waal heute I vormittag aus 24 Meter über den normalen Stand. I In 'Borte! mußte der Betrieb von zwei Fabriken i eingestellt werden, da das an Der deutschen Grenze fließende Dinkcl-Flüßchen über die Ufer getreten ist.

Schweres Automobilunglück als Folge des Hochwassers.

Ein schweres Automobil;,nglück, das al* Folge des Hochwassers anzusehen ist, ereignete sich in Heidelberg. Der praktische Arzt Dr. Vogel rooUte mit feiner Frau aus Heidelberg, wo er einer Weihnachtsfeier beigewohnt hatte, nach dem benach­barten Ziegeihousen zurückfahren. Aus der Rückfahrt war zwischen .Heidelberg und Ziegeitzausen an der Stistsmühle Straße in einer Strecke von 190 | Meier überschwemm t. Offenbar ist der Führe: I durch das starke Austpritzen des Wassers irregeriihn worden. Er fuhr mit dem Wagen gegen die- 1 fchung, ritz einige Steine um und stürzte dann in

den zur Zeil sehr hochgehenden Neckar. Dr. Vogel zerschlug eine Fensterscheibe und konnte sich aus Dem Wagen retten. Dagegen versanken Frau Vogel und der 23jährige Chauffeur Layer in den Fluten. Die Leichen lonnteu noch nicht geborgen werden. Auch der Wagen liegt noch im 'Neckar. An der Un= stillstelle ist das Wasier ungefähr sechs Meter tief.

Das vorläufige Ergebnis der Zeppeken-Eckener-Sp nde.

In Stuttgart Janb zur Kenntnisnahme des vor­läufigen Ergebnisses ber Zeppelin-Spende eine Sitzung statt, an der auch Dr. Eckener teilnahm. Der Vorsitzende der toammlung teilte mit, daß in Württemberg bisher 181 088,-36 Mk. eingegangen sind. Ohne Hweistl würde die Summe von 200 Obst' Mark erreicht werden, da noch das Ergebnis in ver­schiedenen Gemeinden aussteht. Die Unkosten für die Propaganda hätten nur 2,8 Proz. betragen. Dr. Eckener schilderte die Schwierigkeiten, die der Sammlung begegnen. Trotzdem sei die Sammlung keineswegs in Deutschland mißlungen, da bisher V Millionen Mark aufgebracht worden sei aus nur kleinen Beträgen (die großen. fehlteiO- fast ganz wegen der schwierigen Wirtschaftslage) und da die Sammeltätigkeit in der Rheinprooinz, Westfalen, Hannover, Mecklenburg, Hamburg, Boyern, außer München, Thüringen und in der Prov. Sachfen noch mcht auf genommen worden fei. Jedenfalls mürbe nach Neujahr mit bem Bau ber Gondeln, Maschinen und Anschlugn-^cke, die für jeden Typ gleich seien, begonnen werden.

Aenes Lawinenunglück in Oberbayern.

Beim Aachgehen Dor Bauten der Zugspi tz- bahn gerieten fünf Arbeiter in eine Lawine. Zwei von ihnen wurden getötet.

Schweres verkehrsimglück in Holland.

Amsterdam, 30. Dez. (WTB^Funkfprucl).) Pei Bergen op-Zoom versagte gestern abend der Motor eines Auto-Omnibusses, als die­ser eine Föhre verlassen hatte. Aus bem abschüssigen nfergelänbe glitt der Omnibus bem Wasser zu. Die Pasiagiere wurden von einer Panik ergriffen und bräunten ben Wagenführer vom Platze. Der Omni­bus stürzte ins Wasier und 7 Passagiereer- tranken. Ein Passagier unb Der Wagenführer retteten sich burch Abspringen.

Wcttervoranssage.

Meist bedeckt, kräftige westliche Winde, milde, Regensälle.

Die westliche Luftströmung dauert fort. Der gestern nördlich von Schottland gelegene Wirbel liegt mit feinem Kern zur Zeit vor Mittels skandinavien und wird in nordöstlicher Richtung abziehen. Aeue Wirbel sind aus Westen zu er­warten, so dast die milde regnerische Witterung noch anhalten wird.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 132. Minimum 11,6 Grad Celsius. Aiederschläge: 18,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 13 Grad Celsius.

Aus der proviuzialhauptstadt.

Gießen, den 30. Dezember 1925.

IhrlietDes, onniges Owrverhesie".

Von unserer ..Entdeckungsreise" durch die Antworten auf das Preisausschreiben zur Iu- biläums-Ausgabe des Gießener An­zeigers bringen wir unseren Lesern heute als zweite Kostprobe den nachstehenden Gruß einer Gießenerirr, die jetztin der Fremde" (in der Aähe der Lahnmündung) wohnt, aber selbst im schönen Lahntal ihrtictoeS, sonniges Owwerhesse" nct vergesse kann: 'Dar ich in mehn geliebte Gieße.

Ich ließ Die Müh' mich net verDriehe, Ich fragt herum, owe, mitte un nnne. Bis Die Hvchststimmrzahl ich erauegefunue. D' ganze Dag denk ich gar noch abenDs im Bett, Denn ich Den erfcht? Preis nur hat. Wie wollt ich Da awwer springe unD laafe, Un hr mei Liew? praktisch: Christtinncher faafe. Q* fpchctzt Bändei Doch halt, ich derf nct verge'e. So schwätzt m'r net bei uns in Owwerhefse. Warum mit gelehrte Wörter sich f ttäle?

Da sagt m'r Ge'chichtercher tu.t \z verzähle. Die Vauerichfraa. die Dort das Spinnrad dreht llnb d' Schäfer, ber fo in Gedanke steht.

Da verseht inr sich doch mit einem al In Vogelsberg ober ins Bufeckertal: In mein liewes, sorrniges OwwerheVe. Das ich in Der Fremde net kann verzef'e. ilcuerbaul t gbis wohl niemand. Dem bei Der Kält Aet Die Schchwollanzeig Elfe Dittmars gefallt! Wem wird fe net gleich in Die Aage steche. Die Denninghofsanzeig, Die eiläd zum Zeche? Ich feh fc die Zung an d Zäh sich wetze. Die feuchtfrohe Gießer, Die gern Schoppe petze. Mit so 'm große Druck braucht m'r grab nct se protze.

Wer klaa Geld hat, crawwelt doch ,jns Lotzc". Ich lese fe all. Die Große, Die Kleine.

Die im Fettdruck und die gefchriwwene Feine. Wenn der Briefträger morgen» mein Gieß neu Aus jeder Zeil mir die Heimat winkt! [bringt, Welch' von bene Anzeige soll m'r nn wähle? (S* Auto lärm m'r nct klaa geschriwwe empfehle. Wie Hermanns und Froitzheim ihre Ware biete Vornehm, dezent bringe Die se ar.' Mann. [an; Er liegt fast in allen Mehner« Dctnn!

Der ausgeprägte Schönheitssinn.

VrrD merkwürdig, male kenne fast alle, Drum wird Guhls' Klischeesangebot gefalle. 3euc Anzeig hat Doch ihren richtige Platz. Ich nruß sage, wir gefällt Doch ein jeder Satz. Es Geld fehlt mir nur, daß ich kaafe tanni Ra, Die Hauptfach bleibt, doch, daß m'r lese kann. Denn - -

-'.am Da vor Inhrn e'n üllartn aus Zett. Zum Optiker S. eair verlangt e' Brett, Durch däi er de Gäißer Mzeiger kennt lease. Aick> fei. fu saht "r, schmr cwweratt gewease. In dem Loare da vorn, un in dem Do heanne, Aich formt bei Gott naut Paffendes feannc. Wir hoben für Sie bestimmt etwas." Sprach Herr S.. probieren Sie mal dieses Glas." Au kvame Die Brette vbb Die Roas, Met deckem un met Dinnem Gloa».

Dich för Die Aage, bann wirrer zereck, Häitt er Die Zeitung, Doch batt er faa Gleack. A Breil ab, a off, - xin aller Ruh, Sah Herr S. Dem Treiben des Mannes zu. 76orsicht!g, mit Sitte redet er ihn Dann an: ..Können Eie überhaupt lesen, mein lieber Mann?" Da spraw entrüstet Der Mann aus Zett' Wann wich lease kennt, Dann braucht aich faa [Brett!"