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eingetragene Linie |ei nur die Martlerung der Rekordlinie mit Entfernungsangaben. Nach An­sicht des Sachverständigen bedeutet die eingetra­gene rote Linie die Rekordlinie und die b l a u e die Fluglinie, zumal letztere größere Höhen umgehe, was bei der roten Linie nicht der Fall sei. Die blaue Linie habe südlich von Dreifach und Freiburg über den Schwarzwald nach dem Bodensee ge­führt. Diese Linie ist auch auf der zweiten Karte eingetragen, die vorwiegend über Schweizer Gebiet Auskunft gibt. Im weiteren Verlaufe erklärte der Angeklagte auf Befragen, das Flug­zeug habe Doppelsteuerung gehabt zur gegen­seitigen Ablösung beider Flieger. Zur Zeit des Uebcrfliegens des deutschen Gebietes hätten beide Flieger am Steuer gesessen. Die Ver­nehmung des Angeklagten schloß mit seiner Ver­sicherung, daß nur die Witterungsver- h ä l t n i s s e die Flieger zum ^leberfliegen deut­schen Gebietes gezwungen hätten. Sachverstän­diger Degen von der Deutschen Versuchsanstalt in Adlershof bezeichnete die Behauptungen des Angeklagten als unglaubwürdig. Sein Flugzeug habe den deutschen Vorschriften nicht entsprochen. Ohne Gefahr hätten die fran­zösischen Flieger trotz starker Wolkenbildung a m Rhein entlang fliegen können.

Staatsanwalt Obkircher betonte, daß für die Flieger von Anfang an die Absicht bestand, über den Schwarzwald zu fliegen. Dom sportlichen Standpunkt aus sei daö Verhalten der Flieger verständlich, aber als Verant­wortliche Flieger hätten sie anders handeln müssen. Er beantragte eine Geldstrafe von 5000 Ml. und die Deschlagnahme der Aeber- reste des Flugzeuges zugunsten des Staates.

Der Verteidiger konnte dem Staatsanwalt nicht zustimmen in der Behauptung, daß der fran­zösische Flieger von Anfang an die Absicht ge­habt hätte, deutsches Gebiet zu überfliegen, da nach der Erklärung des Angeklagten der Weg über Basel für den Flug kaum ins Gewicht ge­fallen wäre. Tatsächlich habe eine Notlage für die Flieger bestanden, was sich schon daraus ergebe, daß sie bei Breisach bis auf 150 Meter herabgehen mußten. Andererseits hätten sie ja in der einmal eingehaltenen Höhe von 1500 Metern bleiben können, wenn sie den Schwarz­wald hätten überfliegen wollen. Die rechtliche Lage müsse er im übrigen bezweifeln, da die Bestimmungen der Verordnung vom 5. Mai 1922 und die Bestimmungen des Luftfahrtgesetzes vom 1. August 1922 nicht aus ausländische Flieger Anwendung finden könnten, sondern nur auf deutsche Flieger und Luftfahrzeuge. Er ersuche um Freisprechung des Angeklagten.

Daö Schöffengericht erkannte wegen Ver­gehens gegen daS Gesetz über den Luft­fahrzeugbau vom 6. Mai 1922 und wegen Vergehens gegen das Luftverkehrsgeseh vom 1. August 1922 auf 5000 Mark Geldstase oder fit: je 200 Mark Geldstrafe einen Tag Gefängnis.

Durch die Untersuchungshaft gelten als verbüßt 2600 Mark. Die Ueberreste des Flugzeugs wer­den eingezogen. Die Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte zu tragen. Eostes erklärte, daß er das Urteil, um die Untersuchungshaft nicht zu verlängern, an nehme, aber bitte, ihm die Strafe auf dem Gnadenwege zu erlassen und ihn in Freiheit zu setzen. Darüber wird das Gericht noch zu einem späteren Zeitpunkte zu entscheiden haben. In der Urteilsbegrün­dung wurde darauf hingewiesen, daß das Gericht eine besondere Notlage der Flieger ni'cht anerkennen konnte. Die Flieger hätten vielmehr ohne Gefährdung ihrer eige­nen Sicherheit die Möglichkeit gehabt, durch tlnfliegen der Flugplätze Straßburg oder Habs- eint bezw. durch Abfliegen in Richtung Basel deutsches Gebiet zu vermeiden. Sie hätten vielmehr mit Absicht deutsches Ge­biet überfliegen wollen, um den Rekord und die dafür ausgesetzten Preise zu gewinnen. Der von dem Angeklagten aus svortlichem Eifer begangene Verstoß gegen die deutschen Luftgesetze und die Tatsache, daß eine feindliche Absicht nicht anzunehmen sei, hätten das Gericht zu einer verhältnismäßig milden Strafbemessung bewogen.

Französische MiMärjuftiz.

Alzey, 29. Sept. (Priv.-Tel.) Gelegent­lich einer Truppenübung war von französischen Soldaten die Tür der kleinen Wachtturms in der Näh« von Alzey auferbrochen und das Schloß der Tür entfernt worden. Der klein« Schaden wurde vorläufig ausgenommen und auf dem Amtsweg durch Oberbürgermeister Dr. Hille, Alzey, zwecks Regelung w e i t e r g e - reicht. Es handelte sich um 15 Mark für ein neues Schloß . Später wurde nun das gewaltsam entfernte Schloß in einer Ecke des Turmes wiedergefundeu und durch die Stadt für 5 Mark repariert und wieder angebracht. Das französische Militärgericht in Mainz hat nun den Oberbürgermeiler der Stadt Alzrt», Dr. Hilke, wegen wissentlich falscher Angaben in. Schadensfällen zu der ungeheueren Strafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

Leon Bourgeois f.

Paris, 29. Sept. (Sil.) Der bekannte französische Politiker und Staatsmann, Leon Bourgeois, ist heute im Alter von 74 Jahren gestorben. Seine glänzende politische Lauf­bahn ist aufs engste mit der neuen Geschichte Frankreichs verbunden. Am 29. Mai 1851 in Paris geboren, wandte er sich zunächst dem Rechtsstudium zu und hatte schon als junger Beamter in der Verwaltung große Erfolge zu verzeichnen. 1885 ist er Präsekt, ein Jahr später Direktor im Ministerium des Innern, darauf Polizeipräfekt von Paris. 1888 wurde er in die Deputierlenkammer gewählt, wo er sich der radikalen Linken anschloß und eifriger Gegner der Patriotenliga und Dou- langers wurde. Kurze Zeit darauf trat er als Unter st aatssekretär in das Ministerium des Innern ein. Bei den Kabinettskrisen der nächsten Jahre übernahm er verschiedene Mc- nisterposten.

Unter dem Ministerpräsidenten Loubet war er Iustizminister und leitete den be­kannten Panama-Prozeß ein, trat daraus jedoch zurück und wurde 1894 Präsident der Deputiertenkammer. Ein Jahr später ist er Ministerpräsident, wird jedoch bald gestürzt und tritt erst wieder zwei Jahre später in ein neues Kabinett Brisson ein. Fast ohne Unterbrechung ist er dann Minister in den ver­schiedensten Kabinetten, zwischendurch auch mehr- mels Präsident der Kammer Ms Außenmi­

nister ist er an dem Aoscyluß der Alge- ciras-Konferenz beteiligt. 1907 war er Bevollmächtigter Frankreichs auf der zweiten internationalen Friedenskonferenz im Haag. 1912 trat er in das sogenanntenatio­nale" Kabinett Poincares ein. Im selben Jahre wurde ihm von den Mehrheitsparteien di: Präsidentschaftskandidatur ange­boten, die er jedoch ablehnte. Im Oktober 1915 ist er Minister im Kabinett B r i a n d.

Nach dem Krieg wirkte er als Erster Dele­gierter Frankreichs an der Verfassung der Völkerbund st atuten mit. In der ersten Sitzung des Völkerbundrates im Januar 1920 wurde er zu dessen Präsidenten ge­wählt. Lord Curzon erklärte bei dieser Gelegen­heit, Bourgeois sei zusammen mit Lord Grey derVater des Völkerbundsgedanlens". Bour­geois wurde auch die Überwachung des Pro­pagandabureaus des Völkerbundes über­tragen, das sich im fünften Stock des während des Krieges in Paris gegründetenMaifon de la Presse" befindet. Der neue französische Senat nach den Wahlen vom Januar 1920 erwählte ihn zum Senatspräsidenten: jedoch trat er 1921 zurück, und hat sich seither auf seine Tätigkeit im Völkerbundsrat beschränkt.

Der Streit um Mossul.

Ein schwedischer Bermittlnngsvorschlag.

Stockholm, 29. Sept. (WB.) Der Gen­fer Korrespondent vonDagens Nyheter" tele­graphiert: In gut unterrichteten Kreisen des Generalsekretariats glaubt man, die Hauptlinien des schwedischen Vorschlages zur Lösung der Mossulfrage zu kennen. Die Teilung des Mossuldistriktes in ungefähr östlich-westlicher Richtung längs der auch von der Völkerbunds- kommission als geeignete Grenzlinie anerkannten kleinen Zone soll in Vorschlag gebracht sein. Der nördliche Teil mit der Stadt Mossul und mit ungefähr einem Viertel der O e l - quellen des ganzen Gebietes sollen der Tür­kei einverleibt werden. Der südliche Teil mit den Hauptölquellen soll dagegen an das Irak fallen. Die Entmilitarisie­rung des ganzen Gebiets wird gefordert.

Der ständige internationale Ge­richtshof im Haag wird am 22. Oktober unter dem Vorsitz Professor Hubers (Schweiz) die juristischen Fragen im Mossulkonflikt beraten. Sehr wichtig ist die Frage, ob der Völker- bundsrat feine Entscheidung einmütig oder mit einer genügenden Mehrheit fällen muß und ob die Vertreter der streitenden Par­teien an der Abstimmung teilnehmen dürfen. Die endgültige Entscheidung wird die Dezember­tagung des Völkerbundrates bringen.

Der englische Kolonialminister Amery er­klärte Pressevertretern, er glaube nicht, daß die Türkei die Absicht habe, die geltenden Verträge zu verletzen und dem britischen Reich einen Krieg zu erklären. Die Türkei habe ebensowenig Rechts­ansprüche auf Mossul wie etwa auf Bagdad oder Basra. Großbrttannien habe das Recht, bis zum Sommer 1928 das Irakgebiet beseht zu halten, doch könne es noch vor Ablauf des Vertrags über die endgültige Regelung Verhandlungen führen, um eventuell das Gebiet an eine andere Macht abzutreten. Die englische Regierung habe nie beabsichtigt, die englischen Beziehungen zum Irakgebiet im Jahre 1928 aufzugeben.

Die spanische Offensive gegen Ajdir.

Madrid, 30. Sept. (TU.) Trotz der un­günstigen Witterung in Marollo haben die auf Ajdir vorrückenden spanischen Truppen gestern heftige Kämpfe zu bestehen gehabt. Die Rifkabhlen verteidigen sich mit äußerster Zähig­keit. Es heißt, daß Abd et Krim einen großen Teil seiner regulären Truppen, die bisher in Reserve gehalten wurden, zur Verteidigung von Ajdir eingesetzt habe. Nach einer amtlichen spanischen Meldung sei die Einnahme von Ajdir nur eine Frage von Stunden. Die Spanier beabsichtigen, von Helllla aus einen Vorstoß zu unternehmen, um die Stämme der Beni Saä> zu unterwerfen und auf diese Weise mit den französischen Truppen in Verbindung zu treten. Auf dem Ab­schnitt sind starke Ka vallerieabteilun- g en eingesetzt worden. Man erwartet, daß die Franzosen von Süden her Vorstößen werden, um die Vereinigung mit den Spaniern zu be­schleunigen. Der amtliche französische Bericht mel­det, daß auf der ganzen Front Ruhe herrscht. Die große Offensive steht aber bevor. Es ver­lautet, daß das französische Riesenflugzeug, das bei Mechkrella abstürzte, von den Rifleuten er­beutet und der Flieger in Gefangenschaft ge­raten ist.

Die Lage in Syrien.

Beirut, 29. Sept. (Havas.) Die franzsöische Kolonne hat, nachdem sie S u e i ö a, das völlig zerstört worden sei, und wo kein Tropfen Wasser mehr vorhanden sei, einen Um­stand, den die Drusen benutzten, um die franzö­sische Kaserne in Brand zu setzen, verlassen hatten, ihre Operqtionsbasis in die Gegend von Mussefra verlegt. Hier soll Wasser vorhanden sein. Die Kolonne bereitet sich auf die Durch­führung des zweiten Teiles ihrer Aktion vor, nämlich die endgültige Unterwerfung der auf­ständischen Stufen. Trotz kleinerer Zerstörungen, die die Drusen an der Eisenbahnstrecke des Hedjaz vorgenommen haben, ist der Verkehr auf dieser Strecke keinen Augenblick unterbrochen gewesen. Die Telegraphen- und Telephonleitungen längs dieser Strecke sind niemals gestört gewesen.

Der Kongreß der Cabour Party.

Ausschluß der Kommunisten. Der Dawesplan.

Liverpool, 29. Sept. (Reuter.) Der Er­öffnungstag der Konferenz der englischen Ar­beiterpartei war durch bewegte Szenen zwischen Gemäßigten und Kommunisten gekennzeichnet. Die Feindseligkeiten kamen zum Ausbruch, als der Geschäftsordnungsausschuh empfahl, die Frage, ob K o m m un i ste n Mitglieder der Par­tei sein können, in Anbetracht der endgültigen Verwerfung des Kommunismus auf dem vori­gen Parteitag, nicht auf die Tagesordnung zu sehen. Der kommunistische Versuch, diesen Antrag zu Fall zu bringen, wurde mit großer Mehrheit zurückgewiesen. Der AntragAusschließung

der Kommunisten aus d e r P a r t e i" ging mit großer Mehrheit durch Macdonald, der ihn unterstützte, bemerkte: Die Kommunisten kön­nen sich über mangelnden Edelmut der Partei nicht beHagen. Wäre er selbst ein gläubiger Kommunist, würde er sich nicht zum Eintritt in die Partei drängen. Die Kommunisten sollten draußen bleiben und draußen für ihre Ansichten werben.

Die Ablehnung der beiden kommunistischen An­träge auf Angliederung der kommunistischen Partei und auf Zulassung bzw. Verbleiben von kommu­nistischen Vertretern in den Ortsgruppen der Ar­beiterpartei erfolgte mit 2 954 000 gegen 321000 bzw. 2 870 000 gegen 3210000 Stimmen.

In seiner Eröffnungsrede berührte der Kongreß- vorsitzende C r a in p auch den Damesplan, den einzelne Mitglieder seiner Partei verurteilen. Den Dawesplan zurückzuweisen, bedeute die Aufforde­rung an die deutschen Arbeiter, das heikle Gleich­gewicht Europas zu stören und ihr Land wieder öem Schrecken einer militärischen Besetzung aus­zuliefern. Trotz aller seiner Mängel kommt Europa unter dem Dawesplan allmählich zur Stetigkeit, ein Zustand des Friedens wird wieder möglich sein. In allen meinen Unterredungen mit deutschen Sozia­listen während der Ruhrbesetzung fand ich den bren­nenden Wunsch, die Besetzungsschmach loszuwerden, koste es, was es wolle, und dies kann man ohne weiteres verstehen, denn die Besetzung bedeutete nicht nur eine schwere wirt­schaftliche Last, sondern eine bittere Kränkung für ein stolzes Volk. Obwohl wir anerkennen, daß kapitalistische Einflüsse dazu beitragen, in den Da­wesplan manche tadelnswerte Bedingungen und manche Härten gegen den deutschen Arbeiter ein­zufügen, so sollen wir doch daran denken, daß der Plan gewisse greifbare Erleichterungen für einen großen Teil des deutschen Volkes' brachte. Die Schuldenübereinkommen zwischen den Alliierten sind der Grund dafür, daß die ün Betracht kommenden Schuldnerländer von Deutschland dementsprechende Zahlungen erwar­ten. Der Leitsatz der Arbeiterpartei ist, ein Heber- einkommen zur allgemeinen Löschung der Kriegsschulden herbeizuführen.

Jugendfürsorge in Preußen.

Preußischer Landtag.

Berlin, 29. Sept. In 3. Beratung nimmt der Landtag den Entwurf des Wahlgesetzes für die Provinziallandtage und die Kreislandtage gegen die Deutsche Volks­partei und Kommunisten an. Die Wahlen finden am 29. November statt.

Hierauf seht das Haus die Aussprache über den 3. Abschnitt des Wohlsahrtshaus Halles Allgemeine Wohlfahrtspflege und Erwerbslosenfürsvrge" fort.

Abg. Stuhr mann (Dn.): Gegen Schmutz und Schande muß die Jugend geschützt werden. Das heuttge Theater und Kino sind alles andere, nur nicht moralische Anstalten. Ebenso ist ein dringendes Gebot der Stunde der Schuh der Jugend vor dem Alkohvlismus. Grundlage der Volksethik für Sittlichkeit muß die Religion, muß das Christentum bleiben. Den sozialen Idealismus vertreten auch wir. (Beifall rechts.)

Abg. Frau Heßberger (Z.) fordert ver­mehrte Staatshilfe zur Förderung der pri­vaten Wohlfahrtspflege. ®le Zusam­menarbeit der einzelnen Ministerien in der Wohl» fcchrtspflege lasse s ehr zu wünschen übrig. Man müsse energisch den Kampf aufnehmen gegen die Unzahl der Likörstuben, deren Nebenabsichten bekannt seien. '

Abg. Frau Voigt (D. V.) tritt für den Antrag der Deutschen Vollspartei auf Schaffung einer weiblichen Wohlfahrtspolizei ein, die fürsorgerisch aufgebaut sein soll, ohne in kriminelle Belange euuugreifen.

Abg. Frau Dönyoff (Dem.): Ungleich höhere Beträge werden von den Gemeinden und den Privatvereinigungen für diese Zwecke her- gegeben. Don den Rennwetten und dem Totali­sator muß ein größerer Betrag für die Förderung der Wohlfahrtspflege im allgemeinen verwendet werden. Wir fordern ein Reichsges eh zur Fürsorge für die kinderr eichen Fa­milien.

Frau Abg. Rechen berg (Dtschn.) emp­fiehlt besondere Unterstützung kinderreicher Fa­milien.

Frau Abg. Dr. Lauer (Zentr.) bekämpft die Versuche, das Wohlfahrtsministerium zu be­seitigen, gerade heute, wo nach dem verlorenen Krieg alle Mittel angewandt werden müßten, das Volk wieder lebensfähig zu machen.

Abg. Heidenreich (D. Vpt.) begründet einen Antrag, der ein Reichsgeseh zum Ver- bot der Nachtarbeit für Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr verlangt-

Kleine politische Nachrichten.

Wie derLokalanz." erfährt, wird Reichs­präsident von Hindenburg vorausicht- lich im Laufe des Monats November der w ü r t- tembergischen Regierung einen Besuch abstatten.

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Der preußische Staatsrat stimmte dem Ent­wurf einer Verordnung zur Aenderung der preußischen Pachtschuhverordnung mit einigen Verbesserungen zu.

Die Loslösung des an Polen gefallenen Teiles Oberschlesiens vom Fürstbistum in Breslau ist nun­mehr durch die Ernennung eines Bischofs von Kattowitz endgültig erfolgt. Der neue Bischof ist der bisherige apostolische Administrator des polischen Teiles Oberschlesiens, Dr. H l o n d , ein Salesianer Pater polnischer Nationalität.

In Kreuznach wird unter dem TitelKreuz- nacher Dolksblatt" ein in Mainz gedrucktes Blatt herausgegeben, dessen s e p a r a t i st i s ch e Ten­denz unverkennbar ist. Ebenso werden in Dil­ling e n dieDillinger Nachrichten" herausgegeben, werden, die für das Saargebiet einen Autonomie- float unter französischer Oberhoheit propagieren.

Aus aller Mett.

Schweres Schadenfeuer.

Die Gaststätte und Pension Raintaler bei Partenkirchen ist vollständig niedergebrannt und bis auf die Grundmauern zerstört worden. Nur ein einziges der 30 Zimmer mtt 55 Betten konnte noch geräumt werden. Sonst ist alles ein Raub der Flammen geworden. Die Ange­

stellten und die Dienstmädchen, die sich im Hause befanden, konnten sich mit knapper Not in Sicher­heit bringen.

Ein Auto in den Neckar gestürzt.

Montag nacht ereignete sich in der Nähe von Ilvesheim bei Mannheim ein schweres Auto­unglück. Infolge des starren Nebels war das Auto des Versicherungsdirektors Mord aus Mannheim, das von seinem Sohn ge­lenkt wurde, auf einen Feldweg geraten und stürzte bei dem Versuch, auf den richtigen Weg zurückzukehren, beim Rückwärtsfahren die acht Meter hohe Böschung in den Neckar. Mord sen. und dem zweiten Passagier, einer jungen Dame, gelang es, rechtzeitig abzuspringen, wahrend Mord jun. mit dem Auto im Neckar unterging. Erst heute morgen ge­lang es, den Wagen mit der Leiche des jungen Mord aus dem Neckar herauszuziehen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. September 1925.

'* Eine Bit te des Reichs pwäs iden­ten. WTB. meldet: Der Reichspräsident hat aus Zeitungsnotizen und Zuschriften davon Kenntnis erhalten, daß Verbände und Vereine beabsichtigen, an seinem bevorstehenden Geburts­tag öffentliche Kundgebungen zu veranstalten, und daß sie zur Beflaggung der Häuser auf­fordern. Der Reichspräsident, der seinen Ge­burtstag in aller Stille auf dem Lande verbrin­gen wird, bittet in dankbarer Anerkennung der ihm entgegengebrachten freundlichen Gesinnung von diesen Ehrungen, insbesondere der Beflag­gung, Abstand zu nehmen. Zu dieser Ditte sieht sich der Reichspräsident außer durch persönliche durch die Erwägung veranlaßt, daß die angeregte Beflaggung zu parteipolitischen Auseinanderset­zungen führen und neue Zwistigkeiten in unser Doll tragen könnte, dem gerade jetzt Einigkeit und Geschlossenheit besonders nottut.

L.U. Don der Landesuniversität Gießen. Der ordentliche Professor für Hygiene und Bakteriologie an unserer Universität Dr. Emil Gotschlich hat den an ihn ergangenen Ruf als Ordinarius an die Universität Heidel­berg angenommen.

** Den monatlichen Mindestver- brauch an Gas hat das Gaswerk mit Wirkung vom 1. Oktober ab auf 4 Kubikmeter festgesetzt. Die Gasabnehmer sind mindestens zur Bezahlung dieses Quantums verpflichtet.

** Geschäftsjubiläum. Das Tapetenhaus Jerd. Nennstiel, Plockstraße, kann heute auf fein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Das Unter­nehmen wurde von dem Vater des jetzigen Inhabers in der damals bestehenden Flügelgasse gegründet, später siedelte es in die Plockstraße über. Die Firma hat sich aus kleinen Anfängen zu einem der an­gesehensten Geschäfte unserer Stadt entwickelt.

** Aufnahme des Po st Überwei­sungsverkehrs mit Dänemark. Am 1. Oktober wird der Postüberweisungsverkehr mit Dem Königlich Dänischen Postgirokontor in Ko­penhagen ausgenommen. Demgemäß können Post­scheckkunden Beträge von ihrem Postscheckkonto in Deutschland auf ein Postscheckkonto bei dem Königlich Dänischen Postgirokontor in Kopen­hagen und mngekchrt die dänischen Postscheck­kunden Beträge auf Postscheckkonten in Deutsch­land überweisen. Die Ueberweisungen nach Däne­mark, zu denen die innerdeutschen Postübeawei- sungsvordrucke zu verwenden sind, können in Reichsmark oder in dänischer Währung (Kronen und Oere) ausgestellt werden. Der Betrag der Ueberweisungen ist yicht begrenzt. Die Gebühr beträgt für je 100 Rm. 5 Pf., mindestens 20 Pf. Mitteilungen für den Empfänger sind auf dem Abschnitt der Ueberweisungen nach Dänemark zuzulassen. Das von dem Königlich Dänischen Postgirvkontor in Kopenhagen herausgegebene Verzeichnis der Postscheckkunden kann durch Der- mittlung der deutschen Postscheckämter zum Preise von 2 Kr. bezogen toeroen. Postüberweisungs­verkehr besteht im übrigen noch mit Danzig, Oesterreich, der Schweiz und Ungarn.

RDD. Erhöhung der Eisenbahn- Fundgebühren. Die jetzige Auslieferungs­gebühr für Fundsachen scheint dem der Eisen­bahnverwaltung aus der Behandlung der Fund­sachen entstehenden Kostenaufwande nicht mehr zu entsprechen. Nach amtlicher Bekanntgabe soll die Gebühr vom 1. Oktober ab nach dem jewei­ligen Zeitwert der Gegenstände bemessen wrden, der schätzungsweise zu ermitteln ist. Sie beträgt künftig bei einem Werte der Fundstücke bis zu! 10 Mark 50 Pfennig, bis zu 30 Mark 1 Mark, bis zu 50 Mark 2 Mark, bis zu 100 Mark 3 Mark, bis zu 300 Mark je 3 v. Sy und von dem Mehrwert 1 v. H. Bei Gegenständen tm Werte von weniger als 1 Mark kann von Er­hebung der Derwallungsgebühr abgesehen werden.

Bornotizen.

Lageskalender für Mittwoch, Lichtspielhaus Dahnhofstr.:Jackie, der Heine Robinson". Astona-Lichtspiele: »Das Rätsel der Affenschlucht".

Landkreis Girseen.

X Allendorf a. d. Lahn, 28. Sept. Seit Wochen mühen sich die Landwirte, die noch nicht beendete Grummeternte unter Dach und Fach zu bringen, jedoch scheint diese bei dem stets trostlosen nassen Wetter dem Derderben ausgesetzt zu fein. Hierdurch geht ein großer Teil wertvollen Winterfutters für das Dieh ver­loren, welches um so nachteiliger ist, als durch die Dürre des Vorsommers ein erheblicher Teil des für den Winter bestimmten Heues verfüt­tert werden mußte. Die Obsternte gestattet sich durch die Nässe ebenfalls sehr schwierig und die Leute sind gezwungen, das Obst bei Regen­wetter zu pflücken, wenn nicht die Stürme die noch an den Bäumen befindlichen Aepfel zu Bo­den werfen sollen. Bei Zwetschen und Birnen ist eine Mißernte zu verzeichnen. Am schwie­rigsten gestattet sich noch die Kartoffel­ernte, da der Boden stellenweise völlig schlam­mig ist. Obgleich das Kraut noch grün ist, hat bei den Knollen der besseren Sorten -bereits die Fäulnis eingesetzt, so daß ein längeres Belassen im Boden nur Verluste bringt. Wie bei der vorgeschrittenen Jahreszeit und den kürzeren Tagen alle Feldarbeiten beendet wer­den sollen, ist nicht abzusehen. Unsere Clee- bach-Brücke ist seit einiger Zeit völlig neu und in sehr dauerhafter Weise hergestellt; besonders vorteilhaft ist die größere Breite derselben, so daß sich der Fuhrwerksverkehr jetzt ungehindert abwickeln kann.

# Lieh, 28. Sept. Unter Führung des Fürstlichen Baurats Schuhmacher - Gießen,