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jungen und auch im Sinne der O.H.L., wenn sie sich in Berlin um die Bildung einer neuen Regierung aus der Grundlage des parlamen­tarischen Systems bemühten, um den baldigen Abgang einer Rote an Wilson zu ermöglichen.

Der Reichskanzler Prinz Max von Baden hat alle ihm zur Verfügung stehenden Mittet erschöpft, um den von ihm für falsch erachteten Schritt eines sofortigen Waffenstillstandsangebots zu vermeiden.

Nach Abgang des Wafsenstillstandsangebotes berechtigte die militärische Lage im Hinblick auf die Schwierigkeiten, mit denen der vordringende Feind zu kämpfen hatte, trotz der mangelhaften rückwärtigen Stellungen zu der Hoffnung, an der Westfront noch einige Zeit in der Abwehr ver­harren zu können.

X. Zusammenfassung.

Die O.H.L. hat ihre Handlungen stets in dem guten Glauben begangen, damit dem Wohl des gesamten Vaterlandes zu dienen. Es ent­sprach ihrer militärischen Anschauungsweise, daß solange, als es irgend möglich erschien, den Ge­danken an einen militärisch guten, später wenig­stens erträglichen Frieden vertreten hat. Die deutsche Kampffront hat bis zuletzt alles ge­leistet, was in ihren Kräften stand.

Die Reichsregierung hat sich auf das Urteil der O.H.L. verlassen, bis diese selbst die Unmög- lichkeit des Sieges zugestand. Sie verfügte über keine Persönlichkeit, die sich gegen den Willen der O.H.L. durchzusehen vermochte.

XI. Schluß.

Der Unterausschuß hat inbezug auf die von ihm behandelten Fragen des deutschen militäri­schen Zusammenbruchs 1918 keine Feststellungen getroffen, welche es rechtfertigen, nach irgendeiner Seite hin zu einem Schuldurteil zu gelangen.

Wohnungsnot und Wohnungs­neubau in Hessen.

Die hessische Regierung hat eine Denkschrift ver­öffentlicht, die das Wohnungswesen in Hessen be­handelt. Hierin wird ausgeführt, daß die Zahl der in den Jahren 1919 bis 1923 in Hessen errichteten Wohnungen 11 970 beträgt. Der Ausfall an Woh­nungen für diese vier Jahre und für die Kriegszeit wird, gestützt aus die Ziffern der Vorkriegszeit, auf rund 15 000 berechnet. Die Zahl der neu errichteten Wohnungen blieb, der Denkschrift zufolge, ohne Ein­fluß auf den örtlichen Wohnungsmarkt, der bei dem überaus, großen Mangel an Wohnungsangeboten den Bedarf nicht im entferntesten decken konnte. So sind heute noch in manchen Städten Anträge aus dem Jahre 1922 unberücksichtigt geblieben. Ein be­sonderes Lob erhält die Zentralflüchtlingsstelle in Darmstadt, weil es ihr gelungen xft, die ausgewiese­nen Familien während der Zeit des passiven Wider­standes unterzubringen. Der Staat Hessen hat, wie wir weiter der Denkschrift entnehmen, neben der Bereitstellung erheblicher Mittel zur Förderung des Wohnungsbaus seit 1919 staatseigene Gebäude mit 340 Beamtenwohnungen in den Städten und größ­ten Landgemeinden errichtet und außerdem eine Reihe von neuen Dienstwohnungen geschaffen, und auf diese Weise die Wohnungsnot in Beamtenkreisen erheblich gemildert. Zur Förderung der allgemeinen Wohnungsbautätigkeit im Jahre 1924 wurden staat- licherseits aufgewendet: Zur Gewährung von Bau­darlehen 2 230 000 Mark, für besondere Förderung des Wohnungsbaues im besetzten hessischen Gebiet aus allgemeinen Staatsmitteln 600 000 Mark, ferner für die Errichtung staatseigener Beamtenmietwoh­nungen 387 515 Mark. Die Aufwendung für die von 1919 bis 1923 errichteten staatseigenen Beamten­mietwohnungen beträgt schätzungsweise 1700 000 Mark. Für das Baujahr 1925 wurden aus dem Auf­kommen der staatlichen Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz zur Förderung des Wohnungsbaues bereitgestellt 4 292 000 Mark. Für Errichtung wei­terer ftaatseigener Beamtenmietwohnungen im r Jahre 1925 sind vorgesehen 1374 000 Mark. Rach Erhebungen in den hessischen Gemeinden über 500 ^Einwohner haben diese im Jahre 1924 rund acht , Millionen Mark für den Wohnungsbau aufgewendet. r Für 1925 sind von diesen Gemeinden für den glei­chen Zweck 15 Millionen vorgesehen. Im besetzten hessischen Gebiet waren zu Beginn des Jahres 1924 im ganzen 2240 selbständige Wohnungen beschlag­nahmt, dzw. dem örtlichen Wohnungsmarkt ent­zogen. Inzwischen wurden 1126 Wohnungen, dar­unter 293 Wohnungen in Holzhäusern und Ba­racken, neu geschaffen, so daß zur Zeit noch 1114

Fräulein Fob°

Roman von Anders Eje.

32. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Als aber Herr Fellips diese frühe Morgen­stunde gewählt hatte, um auf der Veranda seinen Tee zu nehmen, war es nicht, um sich- an diesem schönen Gemälde zu ergötzen, das von Walter Leistikow stammen könnte, sondern aus ganz anderen Gründen.

Außer Herrn Fellips selbst befand sich noch ein zweiter Herr auf der Veranda, ein Herr, mit dem Fellips ungestört eine Weile sprechen wollte, der Waldhüter und Privatdektiv des Bankdirektors, Herr Lynn.

Wie sich der Leser erinnert, hatte Herr Lynn an einem gewissen Tage ein Eiltelegramm aufgegeben, und dies dürfte einer der vor­nehmsten Ursachen zu Fellips plötzlicher und un­erwarteter Ankunft in Warminge gewesen sein. Der Bankdirektor wollte nähere Aufklärungen über den ihm unbekannten Herrn haben, der im Telegramm erwähnt war.

Sag Lynn," fragte er,was ist mit diesem Milltorp, was macht er hier?"

Unter anderem scheint es mir, daß er die Disziplin auf dem Gut untergräbt.

Die Disziplin untergraben? Wie ist dies möglich? Hier hat doch niemand mit ihm was zu tun.

Nein, das nicht. Aber der Herr Bank- direktor wissen vielleicht nicht, daß er hier in der Legend der Reformator genannt wird."

Wieso?

Ja, das ist deswegen, weil er aus Amerika gekommen ist, vollgepfropft mit einer Menge )vn Freiheitsideen. Das wirkt ansteckend und iann, wie gesagt, gefährlich für die Disziplin werden. Und wenn mir eine Bemerkung ge­stattet ist, so glaube ich, daß man dem nicht ruhig zusehen soll."

Gut. Wir werden den freiheitsliebenden Reformator im Auge behalten. Nun, und wie ist er sonst?'

Der Waldhüter konnte ein etwas unver­schämtes Lächeln nicht unterdrücken und ant­wortete:

Wohnungen fehlen. Die Reichsregierung hat für die heimkehrenden Ausgewiesenen für 1925 zur Errich­tung neuer Wohnungen Geldmittel bereitgestellt.

Die Denkschrift macht weiter darauf aufmerksam, daß die Städte für 1925 großzügige Baupro­gramme aufgestellt hatten, aberdie inzwischen all­gemein auftretende Geldknappheit hat auf alle auf diesem Gebiete getroffenen Maßnahmen und Vorbe­reitungen lähmend gewirkt. Aller Voraussicht nach wird vorerst auf die öffentliche Beihilfe zum Woh­nungsbau und einen zentralen Ausgleich bei der Verteilung der öffentlichen Mittel zur Förderung des Wohnungsbaues noch nicht verzichtet werden können."

Als eine höchst unliebsame Erscheinung auf dem Baumarkt wird die ganz allmählich fortschreitende Verteuerung der Baukosten bezeichnet, die ihre Ur­sache zum Teil in der Lohnsteigerung und der Ver­teuerung der Baustoffe hat. Die Verteuerung betrug im April das l,85fachc gegenüber dem Stand von 1914.

Bemerkenswert ist, was die Denkschrift über die Mieten sagt. Es heißt da:Im Zusammenhang mit den hohen Zinssätzen (11 v. H. und mehr) für kurzfristiges Leihkapital ergeben sich Mietpreise bis zum Dreifachen der Vorkriegsmiete gleichartiger Wohnungen. Solche Mietpreise stehen in keinem Verhältnis zu der Leistungsfähigkeit der weitaus größten Mehrheit der Wohnungsbedürftigen, und find untragbar. Dadurch entstehen den Gemeinden- neue Lasten durch unabwendbare Miet- ober Zins­zuschüsse, die aus dem allgemeinen Betriebsfonds gedeckt werden müssen. Es ist deshalb zur Gesun­dung der Bauwirtschaft unbedingt notwendig, die die Vorkriegsmieten für Altwohnungen in kürzeren Zeitabschnitten, als es bisher üblich war, zu stei­gern und so der rentierlichen Miete neuer Woh­nungen zu nähern."

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

> Aus der nördlichen Wetterau, 29. Juli. Auch hier macht die Ernte gute Fortschritte. Nachdem der langersehnte Re­gen niedergegangen ist, sind die Wünsche des Landmanns erfüllt. Mit neuem Mut und ge­steigerter Arbeitsfreudigkeit zieht er an Oie Erntearbeit hinaus. Roggen und Gerste sind zum größten Teil geschnitten. Bei ersterem ist der Ertrag sehr gut, während die Gerste stellen­weise eine mangelhafte Halmentwicklung auf­weist. Hier und da hat der Haferschnitt schon begonnen, und der Weizenschnitt, die Haupternte unseres Gebiets, steht nicht mehr allzu fern. In zwei, höchstens drei Wochen dürften die ©rntearbeiten beendet sein.

Kreis Büdingen.

?" Aus dem Niddatal, 29. Juli. Die Wespen treten in diesem Jahr in ungeheu­rer Zahl aus und werden zu einer nicht un­gefährlichen Plage für Küche und Haus. Gerade jetzt, wo die Hausfrau mit dem Kochen von Gelee beschäftigt ist, und allerlei Süßes zum Naschen anlockt, stellen sie sich scharenweise ein, stürzen sich in den süßen Saft und umfliegen groß und klein mit beängstigendem Summen. Auch die Imker haben stark unter ihrer Zahl zu leiden. Sind doch die Bienenstände ein äußerst begehrens­wertes Objekt für die lästigen Tiere, und alle BÄämpfungs- und Vernichtungsmittel, die der Jucker anwendet, reichen nicht aus, sie von seinen Honigstöcken femzuhalten. Nur eine allge­meine Bekämpfung durch Aufstellen von Fangflaschen in jedem Haus könnte ihre Zahl so vermindern, daß sie auf ein erträgliches Maß zusammenschrumpfen würde. Abweichend von der Gepflogenheit früherer Jahre, in denen man das geschnittene Getreide möglichst lang im Felde lieh, damit esauszog", zeigen die Landwirte jetzt eine ganz besondere Eile, es unter Dach und Fach zu bringen. Das ver­gangene Jahr mit seiner durch Regen verdor­benen Ernte ist noch in zu frischer Erinnerung. Auch in diesem Jahre vertraut man nicht auf die Beständigkeit schöner Erntetage.

Kreis Wetzkar.

1*1 Dutenhofen, 29. Juli. Im Alter von 81 Jahren ft a r b hier der Altveteran von 1866, 1870/71 Johannes Weber. Ferner verstarb einer der ältesten Einwohner unseres Dorfes in der Person des Georg Müller. Er erreichte das Alter von 84 Jahren.

Wäre es da nicht besser, die gnädige Frau zu fragen? Es scheint mir, als ob sie und Herr Milltorp alte Bekannte wären."

Fellips runzelte die Augenbrauen, und Herr Lynn hatte seinen gewohnten, respektvollen Ge­sichtsausdruck sofort wieder zurückgewonnen. Nach einigen Minuten des lieberlegene hatte Fellips einen Entschluß gefaßt.

Sattle sofort die Corahl

Eine Weile später saß Herr Fellips zu Pferde und trabte über die Schloßbrücke in den stillen Morgen hinaus. Der Waldhüter hatte ihm genau den Weg beschrieben, der zum Landgut Milltorps führte.

Herr Fellips war nicht unempfänglich für die Schönheiten der Natur, aber daß er jetzt während des Rittes einen plötzlichen Umschlag seiner ziemlich gereizten Stimmung feststellen konnte, hatte nur höchst mittelbar seine Ursache in den sonnenglänzenden, lichtfunkelnden Bildern.

Der Reiter spornte die Stute, nahm einen Graben zur Rechten und setzte in Karriere über ein Brachfeld, ein instinktiver Ausdruck seiner gesteigerten Stimmung. Drüben am Waldrand nahm er die Zügel wieder locker und setzte seinen Weg im Schritt auf der Straße fort.

Herr Fellips fühlte sich erfrischt vom scharfen Ritt, vor allem von den verführerischen Bildern, die sich vor seinem inneren Auge abspielten. Er hatte ganz unbewußt wieder an Gabby zu denken begonnen, deren besonders unerwünsch­tes Erscheinen auf einer Bühne, auf der er so wenig als möglich Akteure wünschte, ihn anfangs nur in gereizte Stimmung gebracht hatte.

Als jetzt ihr Bild aufs neue vor ihm auf« stieg, zeigte es sich schon etwas anders. Ab­gesehen von den ilmftänöen, unter denen ihr Weg den seinen kreuzte, war sie auf alle Fälle ein süßes, ganz entzückendes Mädchen. Wie ein gerade reif gewordener Pfirsich war sie, sammt- weich, appetitlich und lockend, vielleicht nicht so leicht zu pflücken, aber .....

Die Stute ging mit schlappen Zügeln ihres Weges, während der Bankdirektor sich seinen weitschweifenden Gedanken hingab.

Nicht so leicht zu pflücken, nein ..... aber

Schwierigkeiten hatten Herrn Fellips niemals abgeschreckt, eher im Gegenteil. Außerdem gab

]:[ Hochelheim, 29. Juli. Hier fand am Sonntag unter großer Beteiligung eine R h ein - I a n bf e i e r statt. Gegen 3 Uhr bewegte sich ein stattliche^ Festzug, voran die Schuljugend, mit Girlanden und Fähnchen in den rheinischen Farben durch das Dorf nach dem Festplatze Unter den Linden. In passenden Gedichten und Liedern und zündenden Ansprachen wurde des herrlichen Rheinlandes und seiner Bewohner gedacht. Die erhebende Feier fand ihren Ab­schluß mit dem mit Posaunen begleiteten Deutschlandliede. Im Namen der Gemeinde legte dann Vorsteher Jung an unfern Kriegerdenkmal zur Ehrung unserer Gefallenen einen Kranz nieder. Hierauf spielte der Posaunenchor, wäh­rend die Fahnen der hiesigen Vereine vor dem Denkmal gesenkt waren, das Lied:Ich halt' einen Kameraden". Am Sonntagabend erein- nete sich hier ein Unfall, der zum Glück keine bösen Folgen hatte. Das Pferd eines Landwirtes aus Kleinrechtenbach, der an der Rhein­landfeier teilgenommen hatte und nach Hause fahren wollte, ging durch und raste durch das Dorf, den Besitzer ein Stück mit sich schleifend. Auf dem Wagen saßen ein hiesiges 12jähriges Mädchen und das dreijährige Mädchen des Land­wirtes. Ersteres sprang in der Nähe von Klein- Rechtenbach ab, ohne ernstlichen Schaden zu neh­men, während das kleine Kind in dem Wagen liegen blieb. Ein Lehrer aus Großrechtenbach, der mit seinem Motorrad dem Gefährt entgegen­kam, kehrte, die Gefahr erkennend, um und ver­folgte das scheue Pferd. Es gelang ihm, dieses in Kleinrechtenbach einzuholen und gegen eine Mauer zu drücken, wo es von einigen Männern ergriffen werden konnte. Außer einigen Haut­abschürfungen erlitten der Landwirt und die Kinder keine weiteren Verletzungen. Gestern morgen geriet unser Ort abermals in große Aufregung. Nachdem am Freitag vor acht Tagen in der billigen Postagentur eingebr ochen worden war, hatte der Dieb, damals verscheucht, ihr abermals einen Besuch abgeftottet, diesmal ganz sicher auf Deute hoffend. Er war um 12 Uhr burcb den Keller eingedrungen. Da er alle Türen verschlossen fand, wollte er in einem Bor- ratsraurne warten, bis sich das weinende Kind eines Verwandten des Postagenien beruhigt hatte. Infolge A l k o h o l g e n u s s e s ist er aber bann eingeschlafen und erst am Morgen auf­gewacht, als die Hausbewohner aufstanden. So wurde er bann überwältigt und gefesselt in das Spritzenhaus gebracht, begleitet von den Dorfbewohnern, die auf den Lärm herbei geeilt waren. Der Landjäger D r a u n aus Groß­rechtenbach brachte den Spitzbuben nach Wetzlar ins Gefängnis.

Starkenburg und Rheinhessen.

* Darmstadt, 29. Juli. Der erst seit 14 Tagen verheiratete 24jährige Mechaniker Rudolf Boller aus Harreshausen bei Baben­hausen verlor am Montag durch zu schnelles Fahren die Gewalt über sein Motorrad, so daß er gegen eine Mauer fuhr und sich den Schädel zertrümmerte. Er war sofort tot Vor einigen Tagen stürzte der Händler Johann Arnold von Hausen mit seinem Motorrad. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er im Krankenhaus in Lorsch gestorben ist. In Rüsselsheim kam bei einem Hausbrand ein Kind im Alter von ungefähr zwei Jahren in den Flammen um.

Der Wiederaufbau des Bergsriedes auf der Starkenburg fs. Heppenheim, 28. Juli. Vorige Woche tagte hier eine von ' Kreisdirektor Pfeiffer einberufene Versammlung, die sich mit dem Wiederaufbau des Bergfriedes auf der Starkenburg beschäftigte. Es gatt in erster Linie festzustellen, inwieweit die an der Starkenburg anteilnehmenden Körperschaften zur Leistung von Beiträgen zu den Wiederaufbau­kosten bereit sind. Als Vertreter des Ministe­riums nahmen an der Versammlung die Mini­sterialräte Wagner, Dr. Hofmann und G u ft t r u m teil. Hierbei erläuterte Ministerial­rat Dr. Hofmann an Hand vonZeichnungen, in welcher Weise der Wiederaufbau des Berg­friedes von der Regierung geplant ist. Neben den idealen, historischen Gesichtspunkten sotten auch Erwägungen praktischer Art ihre Auswir­kung finden. Nach der Wegräumung der Schutt­massen des gesprengten alten Turmes zeigte der

es da noch einen anderen, ganz besonderen An­reiz: es müßte doch ein ganz außerordentliches Vergnügen fein, diesen Idioten Kehler zu ärgern, der sich ordentlich verschossen zu haben schien.

Die gar nicht so kurze Strecke durch den Wald hatte Corah in dem ihr beliebigen Tempo zurückgelegt, so daß der Bankdirektor auf Mill­torps Gut nicht zu früh, sondern fast um dis besuchsmähige Stunde eintraf. Herr Fettips brauchte nicht zu fragen, ob er sich nicht verirrt habe. Als er in die kurze Pappelallee einbog und das weihgetünchte Wohngebäude im Hinter­grund erblickte, wußte er nach der Beschreibung Lynns sofort, daß er sich auf dem Gute des- Reformators" besand. Allzustattlich sah es nicht aus, die Wege waren geharkt und die Hecken sorgfältig beschnitten, aber wenn es eine Art Musterfarm sein sollte, so mutzte er schon sagen .....

Die Kritik des Bankdirektors wurde plötzlich von einem Knecht unterbrochen, der höflich fragte, wen er suche.

3d) suche Herrn Milltorp. Seien Sie so gut und sorgen Sie für das Pferd."

Der Knecht nahm sich der Stute an und rief irgendein Dienstmädchen herbei. Herr Fellips reichte diesem seine Starte und wurde von ihm sofort in Milltorps Salon geführt. Wenn feine kritischen Beobachtungen der Außenseite des Gutes rascher als er gewünscht hatte, abge­brochen wurden, so hatte er nun Gelegenheit, um so gründlicher das Interieur zu studieren, wenigstens soweit es sich in der Einrichtung von Miltorps Salon spiegelte. Herr Fellips war damit sehr zufrieden. Dessen spartanische Ein­fachheit gab ihm nämlich Anlaß, die Reflexionen zu beenden, die er draußen im Hof begonnen. Der Bankdirektor liebte es, sich mit einer fast sybaritischen Pracht zu umgeben, er konnte sich einen Salon gar nicht vorstellen ohne daumen­dicke Teppiche und Gewebe, ohne eine Menge tiefer Fauteuils und Divane, ohne Wände, die bis auf ba$ letzte Fleckchen mit auserlesenen Kunstwerken bedeckt waren, und ohne eine Luft, die vom Duft exotischer Blumen schwer ge­sättigt war.

Die Fenster von Herrn Milltorps Salon waren mit einigen einfachen Topfpflanzen ge-

Durghof eine so prächtige und eindrucksvolle Raumgestaltung, wie man sie weit und breit nicht schöner finden kann. 51m diese neue und schöne Raumbildung zu erhalten, soll der neue Turm nicht wieder auf seinen alten Platz, in die Mitte des Burghofes gestellt, sondern nach dem Westeingang, neben das frühere Tor vor­gerückt werden. Der Torbogen wird auf dem alten _ Torfundament wieder errichtet und an den südwestlichen Eckturm angelehnt. Der Turm selbst soll nicht lediglich wieder ein Aussichtsturm werden, man will ihn vielmehr auch praktischen Zwecken dienstbar machen. Die auch zur Er­höhung der Standfestigkeit des Turmes vor­gesehenen Zwischendecken teilen den Turm in acht Geschosse, in welchen Jugendherber, gen u. a. m. untergebracht werden können. Die Verbindung der einzelnen Geschosse wird durch eine in der Ostmauer des Turmes hochgeführte Wendeltreppe hergestellt. Zum Schuhe der Burg­anlagen ist an der nördlichen Turmseite die Er­richtung einer Först er Wohnung vorgesehen. Durch diese Anbauten erhält der Turm Ver­bindung mit dem übrigen Ruinengemäuer, und die ganze Burg wird sich künftighin viel wuch­tiger und plastischer in dem' Landschaftsbild der Bergstraße abheben. Die Gesamtbau- ko st en sind auf ungefähr 115 000 Mk. veran­schlagt. Vorerst stehen aber nur 30 000 Mk. zur Verfügung, welche die Volkskammer v. I. für die Instandsetzung des baufällig "gewordenen alten Turmes bewilligt hat. Die Bewilligung weiterer Mittel wurde mit Rücksicht auf die ungünstige Finanzlage für nächstes Jahr zurück- gestellt. An freiwilligen Beiträgen haben die Stadt Heppenheim 10 000 Mk., die Stadt Wein- heim 1000 Mk., die Kreise Heppenheim und Bensheim je 3000 Mk. bis jetzt schon bewilligt. Weitere namhafte Beiträge sind von der Pro­vinz Starkenburg, von der Stadt Bensheim, von dem CorpsStarkenburgia, dem Odenwald- I klub, dem Verkehrsausschutz der Bergstraße u. a. in Aussicht gestellt. Es kann hiernad) damit gerechnet werden, daß ungefähr ein Drittel der Gesamtbaukosten von den nichtstaatlichen Körper- fdjaften aufgebracht wird. Hierdurch ist die Grundlage geschaffen, mit den Wiederaufbau- arbeiten in allernächster Zeit zu beginnen, so daß man damit rechnen kann, das alte Wahr­zeichen der Bergstraße im nächsten Jahr vollends wieder erstehen zu sehen.

32. Mittelrhein. Ursistmnftst

Iu^enbweLtschwimmen.

Zu dem gestrigen Jugendwettschwim- men hatte sich trotz des windigen Wetters eine große Anzahl Schüler und Schülerinnen einge­funden, um ihre Kräfte gegenseitig zu messen. Sieger wurden:

Altersstufe l, 19 11 bis 1913 gebo - I reue Schüler: 1. Wilh. Rau, 2. Georg Her­bert, 3. Ludwig Lesch, 4. Fritz Werner, 5. Walter Holzigel, 6. Karl Schwinn. 7. Hugo Baumann, 8. Richard Croon, 9. Friedrich Schütz, 10. Walter Ger- Hardt, 11. Ludwig Häuser. 12. Üudwig Ranft, 13. Werner Gujot 14. Martin Barmester 15. Friedrich Rau, 16. Franz Peters. 17. Ernst Häuser, 18. H. Vogt, 19. Siegfried von Biiltzingslöwen.

Alters st use II, 1909 und 1910 gebo« re ne Schüler: 1. Karl Schaum, 2. Walter Weiß, 3. Wilhelm Zimmer, 4. Kurt Horeyseck, 5. Walter Borst, 6. Erwin Ziegler, 7. Wilhelm Kalbfleisch, 8. Kurt Hertz, 9. August Philipp.

Altersstufe III, 1 908 und 1907 gebo­rene Schüler: 1. Paul Gröninger 2. Hermann Kraft, 3. Leonhard Müller, 4. Siegfried Schröder, 5. Karl Duill.

Altersstufe I, 1911 bis 1913 gebo­rene Schülerinnen: 1. Lenka Handrich, 2. Erna Althaus, 3. Luci Scheel, 4. Marie Burger, 5. Anna Pfund, 6. Hildegard von Bültzingslöwen, 7. Else Keil, 8. Ester Ruth Schott, 9. Annemarie Drünning.

Altersstufe II, 1909 bis 1910 gebo­rene Schülerinnen: 1. Hanneli Weeg 2. Emmy Münich, 3. Elli Zipp, 4. Elisabeth Blum.

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Korpulenten und allen zum Starkwerden Veran­lagten, in der Apotheke 60 Gramm Toluba-Kerne zu kaufen. Die echten Toluba-Kerne wirken bei völliger Unschädlichkeit fettzehrend und ansahverhindernd. Die Bestandteile sind auf der Packung angegeben.

schmückt, und auf der ovalen Platte des Mittel­tisches stand eine Vase voll Feldblumen, Offizinalis und Vulgaris.

Sein Blick glitt mit ironischer Zufriedenheit über die Wände, deren mattes Grün sehr spär- lid) von einigen Radierungen und farbigen Litho­graphien unterbrochen war, die Herr Fellips auf ihren künstlerischen Weit gar nicht schätzen wollte. Ein weniger parteiischer Beurteiler würde in dem Zimmer, in dem es nicht ein Möbelstück und nicht ein Bild zuviel gab, allerdings ohns Schwierigkeit den persönlichen Stil gefühlt haben. Dieser spartanisch eingerichtete Raum trug viele Charakterzeichen seines Besitzers: rauh unbfdjroff, vielleicht ein wenig ungastlich aber durchdacht.

Schließlich wurde Herr Fellips seiner Re­flexionen über das Zimmer, in das man ihm geführt, müde. Schon einigemale hatte er mit steigender Ungeduld seine Uhr gezogen. Herr Milltorp ließ ihn unverantwortlich lang anti­chambrieren. Als Herrn Fellips' Aerger über diese Nichtachtung gegenüber dem größten Guts­besitzer der Gegend seinen Höhepunkt erreicht hatte, öffnete sich endlich die Tür und Milltorp trat herein.

In der untersetzten, kräftigen Gestalt mit dem scharfgezeichneten, jetzt stark gebräunten Ge­sicht erkannte Fellips sofort jenen, der einmal, bei einem unangenehmen Zwischenfall, sein Gegner gewesen. Auch Milltorp wußte seiner­seits, wer sein Gast war. Es galt also gegen­seitig Komödie zu spielen. Die Herren begrüßten sich höflich, Milltorp lud Fellips ein, Platz zu» nehmen, einige gleichgültige Worte wurden ge­wechselt, und dann entstand eine kleine Ver­legenheitspause. Das heißt, die Verlegenheit lag ganz und gar auf Fellips' Seite. Milltorp hatte ja nur zu warten, um die Ursache dieses Besuches zu erfahren. Fellips, dec in der Absicht gekommen war, mit allem Gewichte seine Autorität hier geltend zu machen, begann in seinem Entschlüsse schwankend zu werden. Mit seiner gewohnten Geschmeidigkeit wechselte er sofort die Taktik. Er spielte den Höflichen und Liebenswürdigen, während er die ganze Zeit hindurch in der innerung die rasende Demütigung durchlebte, die er von seinem Gegenüber erfahren.

(Fortsetzung folgt.)

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