Ausgabe 
30.7.1925
 
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Sprengstoffe zur Explosion gebracht, aber dadurch nur geringer Schaden angerichtet, außer, daß ein paar Fensterscheiben in Trümmer gingen. Ein Son­deraufgebot- von Polizei wurde in das Gebiet der Unruhen entsandt.

Um das englische Flotten­programm.

Die Opposition der Linken im Unter Lrau^.

London, 30. Suli. (SU.) 3m Unterhaus sand gestern eine große Debatte über das Schiffs- bauprogramm statt, an der sich besonders Mac- d o n a l d und Lloyd George beteiligten. Der Jinanzsekretär der Admiralität erklärte, daß der Schiffsbau in diesem Jahre 527 000 Pfund losten würde. Sowohl Macdonald wie Lloyd George fragten die Regierung nach den Gründen, die ein so großes Schiffsbauprogramm für England notwendig machten. Beide erblicken in der gegenwärtigen Lage Englands und Europas keine Notwendigkeit für so große Rüstungen. England sei von keiner Seite bedroht, vor allem nicht auf der See. Höchstens käme eine Verstärkung der Luftflotte in Frage. Auch die internationalen Handelsbezie­hungen Englands seien nirgendwo in Gefahr. Die Ration könne kaum die ihr auferlegten schweren Steuerlasten tragen und könne da­her nicht die großen Kosten des Flottenbaues auf sich nehmen. Das Schiffsbauprogramm sei ein Werk der Diktatur der Admiralität über das Kabinett.

Echatzkanzler Churchill verteidigte die Ad­miralität und lobte sie für ihre entschiedene Hal­tung in der Flottenfrage. Die Regierung habe nicht mehr gefordert als zur Ver­teidigung des Reichs notwendig sei. Das Floltenbauprogramm sei auf ein Minimum beschränkt worden. Auch wenn England gegen­wärtig nicht bedroht sei. so müsse doch die briti­sche Marine eine große Anzahl brauchbarer vchiffe zur Verfügung haben, die sich mit den Schiffen aller anderen Mächte messen könnten. Dos Bauprogramm solle nur zur Aufrecht- erhaltung der englischen Seemacht dienen und verfolge keine anderen Zwecke.

Kritische Lage in China.

Paris, 30. Juli. (SU.) WieChicago Tri­büne" berichtet, hat sich im chinesischen Volke durch die Unfähigkeit der Mächte ein Abkommen abzuschließen, besonders aber die Ueberbrückung der englisch-chinesischen Gegensätze zu erreichen, die Lage in Schanghai zu einem Kampfe aus Leben und Tod zwischen den Engländern und Chinesen entwickelt, der die Zukunft des Hafens in verheerender Weise treffe. Die Chinsen ständen gegenwärtig den englischen Interessen so feindselig gegenüber, daß sie augenblicklich ent­schlossen seien, selbst die Vorteile aus der Wa-- shingwner Konferenz schwinden zu sehen, um die kommerzielle und finanzielle Ober­herrschaft Englands zu brechen. Die örtlichen Organisationen, wie beispielsweise die Handelskammer, hätten alle ihre Mittel zur Bei­legung des Streikes erschöpft. Die erfolglosen Bemichungen, den Zwischenfall beizulegen, hätten auf die Zolleinnahmen eine sehr nachteilige Wir­kung ausgeübt. Diele ausländische Kaufleute seien durch die Unsicherheit entmutigt worden und beabsichtigten die Aufgabe ihrer Riederlafsungen in Schanghai. Die Hafenarbeiter hätten zwar die Arbeit wieder ausgenommen, aber der Streik in der Schiffahrt und in den Spinnereien lähme den Hafenverkehr vollständig.

Amerikas Rüstung im Pazifik.

Reuhork, 30. Juli. (SU.) Bekanntlich tritt der Marine-Staatssekretär W i l b u r n für eine erhebliche Verstärkung der Luft­flotte an der amerikanischen West - k ü st e ein und möchte hierzu dieLos Ange­les" und dieShenandoah" nach San Diego in Kalifornien verlegen. Die gesamte Oeffentlichkeit beschäftigt sich eingehend mit dem Plan Wilburns und mit dem Ausbau der Flotte im Pazifik. Präsident Coolidge ist dieser gegen Japan gerichteten Rüstung durchaus abgeneigt und sucht daher im Kongreß Stim­mung gegen die Verlegung der Luftschiffe zu machen. In der Politik Coolidges liegt es, alles zu vermeiden, was in Japan die öffent­liche Meinung gegen Amerika erregen könnte. Die Pläne des Marine-Staatssekretärs finden in Marin Kreisen weiteste Unterstützung.

Kritische Lage in Marokko

LebhaftcKampftätiqkeitderRiftruPPen

Paris 29. Juli. (121.) Der amtliche franzö­sische Heeresbericht meldet, daß die Lage im allge­meinen keine Veränderung erfahren hat. Bei den Riftruppen, die ihre Schanzarbeiten im westen und Osten der Front, besonders aber in der Gegend von Fez, mit aller Sorgfalt durchführen, wird erhöhte kampftäti.gkeit beobachtet. An anderen Stellen der Front übt Abd el Krim einen verstärkten Druck auf die dort wohnenden Stämme aus, indem er eine intensive Propaganda entfaltet und bei Anschlußverweigerung ihre Dörfer anzündet. Es scheint, daß Abd el Krim sich in den Besitz der Straße von Fe; nach Taza und des Ortes O u e ; z a n sehen will.

In Madrid wird den französischen Meldun­gen aus Marokko kein Glauben mehr ge­schenkt, da sie sich oft widersprechen und die Lage der Franzosen viel günstiger darstellen, als sie tatsächlich ist. Spanische Meldungen aus Fez be­sagen, daß die Franzosen in den letzten Tagen verschiedene Stellungen verloren ha­ben, und daß Taza ernstlich bedroht sei. Die Kabylcn seien nur noch drei Kilometer von der Stadt entfernt. Abd el Krim habe sich aus gefange- ien Simegalnegern eine besonders zuverlässige und tüchtige Leibwache zusammengestellt.

'rianb und Caillaux besuchen London.

Paris, 30. Juli. (WSB. Funkspruch.) Die Ankündigung englischer Blätter, wonach Außen­minister B r i a n d zugleich mit dem Finanzmini­ster Caillaux demnächst nach London reisen wird, hat in Paris Beachtung gefunden. Rach demPetit Parisien" habe der Quai d'Orsay es nicht als unwahrscheinlich hingestellt, daß Briand zugleich mit Caillaux im Laufe des August diese Reise nach London unternehmen werde, was jedoch noch nicht entschie­den sei.

Entwaffnungsnote und Garantiepakt.

Paris, 29. Juli. (WTB.) DerTemps" ver­zeichnet mit Befriedigung die Nachricht, daß die Neichsregierung einen Ausschuß eingesetzt habe, dem die Aufgabe zufallc, die Entwaff­nungsfrage in Gemeinschaft mit der Interallierten Militärkommission zu regeln. Das Blatt schreibt: Die Tatsache ist in­sofern interessant, als man darin die Absicht der Reichsregierung erblicken muß, daß sie zur Regelung dessen schreiten will, was in der interalliierten Note als notwendig bezeichnet wurde, bevor zur Räu­mung der Kölner Zone geschritten werden kann. Man muß natürlich die Vorschläge der deut­schen Kommission abwarten, bevor man sich dar­über aussprechen kann, in welchem Maße und in welchem Geiste Deutschland erfüllen will. Aber im jetzigen Augenblick, in dem die französisch-britischen Verhandlungen über den Sicherheitspakt sich, in glücklicher Weise entwickeln, unternimmt Berlin eine ernste Anstrengung, um praktisch das Ent­waffnungsproblem zu lösen. Das ist eine Tatsache, die geeignet ist, eine günstige Atmo­sphäre für den Fortgang der Verhandlungen zu schaffen.

I o u r n a I" ist dagegen der Ansicht, daß das bloße Einsetzen einer Kommission noch keinen Fortschritt bedeute; es liege auf der Hand, daß die Kommission die drei Kategorien der alliierten Forderungen, u. a. die Zerstörung des Geschützmate­rials bei Krupp, die von Stresemann in seiner letzten Rede als undurchführbar bezeichnet worden sei, ebenfalls verwerfen werde. Die Frage sei jetzt, ob die Alliierten sich von der deutschen Kommission bis zur Unterzeichnung des Sicherheits­paktes Hinhalten lasten würden, ober ob sie sich ent­schlössen, die Fortführung der Garantie­vertragsverhandlungen von der vor­behaltlosen Annahme sämtlicher Be­dingungen der Entwaffnungsnote ab­hängig zu machen.

Erleichterung des deutsch­österreichischen Verkehrs.

Berlin, 29. Juli. (WB.) Im Auswärtigen Amt ist heute das zwischen der deutschen Regie­rung und der östereichischen Bundesregierung ver­einbarte Abkommen über die Beseitigung des Sicht- oermerkszwangs vom Reichsaußenminister und dem österreichischen Gesandten Dr. Franck unterzeichnet worden. Nach dem Inhalt des Abkommens können die Angehörigen des einen Staates auf das Gebiet des anderen Staates über jede amtlich zugelassene Grenzübergangsstelle jeder­zeit lediglich auf Grund eines gültigen Heimatpasses, aus dem sich die Staatsange­hörigkeit des Pahinhabers einwandfrei ergibt, ohne Sichtvermerk betreten und verlassen. Für Kinder unter 15 Jahren genügt an Stelle des Paffes ein amtlicher Ausweis über Namen, Alter, Staatsange­hörigkeit und Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt des Kindes. Der Kinderausweis muß bei Kindern über 10 Jahre mit einem von der ausstellenden Behörde abgestempelten Lichtbild versehen fein. Für den gemeinschaftlichen Grenzübertritt von Per­sonengruppen, die aus deutschen Reichsange­hörigen oder österreichischen Bundesangehörigen oder aus Angehörigen beiber Staaten bestehen, gilt eine von zustänbiger Stelle ausgestellte Sammel­liste als Paßersatz. Das Abkommen wirb am 12. August in Kraft treten.

Nusfisch-polnischer Grenz-grvischensall.

Moskau, 30. Juli. (Meldung der russi­schen Telegraphenagentur. WTB. Funkspruch.) Während einer Inspektion an der Grenze des Bezirkes I a m p o l wurde der Kommandant der sowjetrussischen Grenztruppen von polnischen Grenzsoldaten ermordet. Die Tat er­folgte nach Ueberschreiten der Grenze durch die polnischen Soldaten, die alsdann die Leiche ver­schleppten. Erst später wurde die Leiche den Sowjetbehörden ausgeliesert. Im Bezirke Jam- Pol hatten sich in den letzten Monaten bereits mehrere Angriffe regulärer polni­scher Truppen auf s o w j e t ru s si s ch e m Boden ereignet. Im Zusammenhang hiermit überreichte heute das Volkskommissariat für aus­wärtige Angelegenheiten der polnischen Gesandt­schaft eine Protest-Denkschrift; ferner be­gibt sich heute eine gemischte Kommission an die Grenze, um Ermittelungen über die Angelegen­heit anzustellen.

Aus den Reichstags- ausfchüffen.

Im Haushaltsattsschutz des Reichstages erklärte Ministerialdirektor Dr. Lochholz auf verschiedene Anfragen, daß die Regie­rung beabsichtige, bis zum 1. Oktober die Viertel­jahreszahlung der Beamtengehälter einzu­führen. Aber eine wechselmäßige Verpflichtung könne sie angesichts der Lage bei der Eisenbahn und bei den Ländern nicht eingehen. Bei ber Beratung ber Haushaltsgesetze würbe ein neuer Paragraph be­schlossen, ber ben Finanzminister ermächtigt, ben Hunbertsatz bes W o h n u n g s g e l b z u - schusseszuerhöhen. Angenomemn wurde auch eine sozialdemokratische Entschließung, wonach ben Reichsbeamten ab 1. August 100 Proz. bes gesetz­lichen Wohnungsgelbes zu gewähren finb.

Der Ausschuß beriet bann eine Reihe von Ent­schließungen mehrerer Parteien zur c i d) s p o ft« Verwaltung. Eine Entschließung forbert, baß bie Reichspost für 1925 einen lieber}d)ufo von min­destens 25 Millionen Mark einsetzen müsse. Eine Zenttumsentschließung forbert andere Zusammen­setzung bes Verwaltungsrates unb Aenberung des Postfinanzgesetzes, so bah eine möglichst recht­zeitige Abführung von Ueberschüssen an bas Reich bewirkt werde. Ein beutschnatio- naler Antrag Dr. Quaatz sieht vor, baß im Reichs­haushalt jährlich ein bestimmter Betrag ber Reichs- poft ben allgemeinen Reichsausgaben beigesteuert roerbe. Zur Begrünbung erklärt Abg. Quaatz, baß die Post eine Thesaurierungspolitik treibe und dadurch, daß sie über ihre Finanzpolitik dem Reistag keine Mitteilung mache, sich ben Vorwurf per Geheimniskrämerei zuziehen müsse. Staatssekre- tar oauter vom Postministerium wies biefen oeSn-lr-nb bezeichnete bie Einsetzung eines ,Überschusses aus rechtlichen und tat- sachlichen Gründen als nicht möglich. Ein sol­cher Betrag könne nicht erübrigt werden, ohne baß

bie Gebührenpolitik anbere Wege gehe. Die Be­schlußfassung vertagte ber Ausschuß auf Don­nerstag.

Im Rechtsausschutz beantragten bei der Weiterbcratung des Am- nestiegesehes die Sozialdemokraten die Einsetzung eines Ausschusses, der aus fünf Vertre­tern der groben Parteien bestehen würde, und der dieabgelehnten Amnestieanträge nachzuprüfen hätte. Gegen diesen Antrag wandten sich die Vertreter der Regierungspar­teien und der I u st i z m i n i st e r, der erklärte, er bedürfe keiner Hilfe und keiner Un­terstützung, um sein Amt zu führen. E r trage die Verantwortung und weise es entschieden zu­rück. Der Ausschuß könne die politischen Ge­sichtspunkte besser würdigen als die Justizver­waltung. Rechtspflege habe mit Po­litik nichts zu tun. Er lehne jeden der­artigen Eingriff ab. Die Weiterberatung wurde vertagt.

Der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages führte heute bis auf die Be­zeichnung des Termins des Inkrafttretens der Zollvorlage die erste Lesung der Vorlage zu Ende. Eine ausführliche Debatte entspann sich über den Antrag der Regierungsparteien, der die Regierung ermächtigen will, im Falle dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses mit Zustimmung bes Reichsrats und des Ausschusses des Reichstags die Eingangszölle für zollpflichtige Waren zu ändern. Dazu erklärte Landwirtschafts­minister Graf v. K a n i tz , die Reichsregierung hat keine Veranlassung, von ihrem Standpunkt zum Ermächtiguvgskompromiß abzuweichen. Die Ermächtigung soll nur in Funktion treten in gewissen Ausnahmefällen, z. B. wenn wir bis zum Außerkrafttreten der mäßigen Zölle zu keinem Handelsverträge gekommen sind. Wenn wir einen solchen Handelsvertrag abgeschlossen haben, der dann die Vertragssähe festlegt, würde die ganze Ermächtigung hinfällig werden. Es könnte aber auch ein Handelsvertrag abgeschlossen werden, der nicht alle Positionen restlos umfaßt. Dann würde wiederum die Ermächtigung in Funktion treten und zwar entsprechend den je­weils bestehenden wirtschaftlichen Verhältnissen. Es könnte sich dann sehr wohl ergeben, daß man von den autonomen Sätzen herunter- gehen müßte, um eine bessere Basis zu schaffen. Im Plenum wollen wir das deshalb nicht tun, weil ein Ausschuß schneller arbeiten kann und nicht soviel politischen Konfliktsstoff bietet, wie eine Beratung der Einzelpositionen im Plenum. Cs muß vermieden werden, den innerpolitischen Zvllkampf zu ver­ewigen. Man muh alle Möglichkeiten ergrei­fen, die Einzelfragen in einem möglichst kleinen sachlichen Gremium zur Erledigung zu bringen. Sämtliche Anträge der Kompromihparteien wur­den dann angenommen, auch ein neuer Kompromißantrag, der auch die Zölle für Vieh und Fleisch befristet. Von sämtlichen Anträgen der Opposition wurde nur ein demokratischer Antrag angenommen, der die Befristung für die ermäßigten Zölle vom 31. März 1926 bis zum 31. Juli 1926 verlangt.

Volksbegehren in der Aufwertungsfrage.

Berlin, 29. Juli. (MB.) Die Arbeils- gemeinschaft ber Aufwertungsorga­nisationen hat in ihrer heutigen Sitzung im Hinblick darauf, daß die vom Reichstag beschlosse­nen Aufwertungsgesehe vom Reichspräsidenten am 16. Juli verkündet worden sind, einstimmig be­schlossen, eine Neuregelung der Auswer­tung im Wege des Volksbegehrens herbeizuführen. Die Vorarbeiten hierzu sind von der Arbeitsgemeinschaft bereits in Angriff genom­men und werden mit Beschleunigung durchgeführt werden.

Räumungsvorbereitungen in Mülheim.

Mülheim (Ruhr), 30. Juli. (TU.) Die Räumungsvorbereitungen sind in vollem Gange. Täglich verlassen Züge mit Kriegsmate­rial den Bahnhof. In den letzten Tagen wurden allein 17 Tanks mit der Dahn abtvansportiert. Die französischen Verkaufsstellen sind bereits aufgelöst worden.

Aus aller Welt.

Rekordflug FrankfurtErfurt.

Das Passagierflugzeug D 564, das den täg­lichen Flugdienst Berlin Leipzig Erfurt- Frankfurt a. M. versieht, legte Mittwoch die 200 Luftkilometer lange Strecke Frankfurt a. M Erfurt in der Rekordzeit von 62 Minuten zurück. Die planmäßige Flugzeit beträgt 1 Stunde 40 Minuten.

Raubüberfall.

Barmen, 27. Juli. (WTB.) heute nachmittag erschien ein junger Mann in einer Parterrewohnung unb erklärte ber ihm öffnenben Frau, baß er ihren Mann sprechen müsse. Die etwa 59jährige Frau ließ ben Fremben eintreten. Kaum hatte er bie Tür hinter sich geschlossen, als er bie Frau zu Bo­den warf, ihr einen Knebel in ben Munb zwängte unb sie mit einer Schußwaffe be> drohte. Dann raubte er aus ber unverschlossenen Kommode etwa 500 Mark, sprang aus bem Fenster unb entkam unerkannt.

Eisenbahnunglück in Frankreich.

Paris, 30. Juli. (WTB. Funkspruch.) Gestern nacht ist ein O-Zug auf der Strecke Le Mans-Tours in der Rähe von St. Antoine-du-Rocher entgleist. Rach den bisherigen Feststellungen wurden 3 Personen getötet und 12 mehr oder weniger schwer verletzt.

Wettervoraussage.

älnbeständig, später aufklärend, tagsüber wärmer, sonst kühl, noch einzelne Regenschauer.

Rach kurzer Tlnterbrechung ist durch das Dorrücken einer neuen Rordmcer-Zyklone nach Skandinavien das warme, meist heitere Wetter des gestrigen Tages von regnerischer, kühler Witterung verdrängt worden. Die Ausläufer des Wirbels reichen tief nach Mitteleuropa hin­ein. Beginnender Druckanstieg im Westen und Nordwesten läßt ein langsames Abwandern des Wirbels nach Osten erwarten.

Gestrige Tages-Temperaturen: Maximum 23,2 Grad Celsius, Minimum 13 Grad Celsius. Niederschlagsmenge: 2.5 Millimeter.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 30. Juli 1925. i

Ium Kreisrurnfest in (Biegen.

Die Ausschmückung der Straßen unserer Stadt für das 32. Mittelrheinische Kreisturnfest ist seit gestern in vollem Gange. Ehrenpforte^ werden errichtet, Flaggenmasten gesetzt, die Häu­ser mit Girlanden unb Wimpeln geputzt. Dazst kommt, daß viele Hausbesitzer in den letzten DZochen ihre Häuser in anerkennenswerter Weise mit frischem Verputz und vielfach auch mit sehr gefälligem Anstrich versehen ließen, wodurch das Straßenbild außerordentlich gewonnen hat. Man kann gewiß sein, daß unsere Stadt an den Tagen des Kreisturnfestes ein Bild zeigen wird, das man um seiner Schönheit willen noch lange in Erinnerung behält.

Morgen, Freitag, nachmittag 5 Ahr werden die Saarturner ankommen.

Ein Sonderzug wird etwa 1200 dieser Volks, genossen bringen. Die Gießener Turncrschaft wird die Gäste von der Saar am Bahnhof in feierlicher Weise empfangen, daran anschließend wird der gemeinsame Einmarsch in die Stadt erfolgen. Der Zug wird am Landgraf-Philipp-Platz enden, von hier aus werden die Gäste in ihre Quartiere geführt. Im Hinblick auf das besondere Leidens­schicksal, das diese Brüder unb Schwestern unter dem schweren Drucke der Völkerbund-Regierung und der übermütigen französischen Machthaber zu tragen haben, darf man wohl sicher sein, daß ihnen von der ganzen Bürgerschaft ein besonders herzlicher Empfang bereitet wird. Auf eine ebenfalls recht freundliche Aufnahme dürfen natürlich auch die übrigen Gäste unserer Stadt rechnen.

Am Freitagabend findet in der Fe st hall« eine Begrüßungsfeier zu Ehren der Turner aus dem besetzten Gebiet statt. Oberbürgermeister Keller wird hierbei die Gäste im Ramen der Stadt willkommen heißen, die vereinigten Gießener Männergesangvereine werden zwei größere Chore zum Vortrag bringen, turnerische Darbietungen einer Riege aus dem Saargebiet und einer Frauen-Riege des Mainzer Turnvereins werden weitere Höhepunkte des Abends sein. Vielseittge andere Darbietungen! tragen zur weiteren angenehmen Ausfüllung des Abends bei.

Im heutigen Anzeigenteil gibt der Finanz, ausschuß die Verkaufsstellen für E i n- trittskarten bekannt. Der Verkehrsausschuh teilt mit, wo Fahrräder, Motorräder und Autos a b g e stellt werden können. Er­gänzend fei hierzu bemerkt, daß das Mitneh- m en von Hunden auf den Festplah nicht gestattet ist. Man lasse den lieben Wau-wau ruhig zu Hause, damit er dort seinen Wachdienst versehen kann.

Verkehrs-Regelung für die Kreisturnsest-Tage.

Das Polizeiamt Gießen hat eine Der- kehrs-Polizeiver ordnung für die Dauer des Kreisturnfestes erlassen, in der folgendes bestimmt wird:

Die Kaiserallee toirb von der Abzwei­gung der Licher Straße bis zur Abzwei- gung der Straße GießenReiskirche «nm 1. August von 1 11 l>r nachmittags bis 10 Uhr abends, am 2. und 3. August jeweils von 8 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends für den Ver­kehr mit Fahrzeugen jeber Art, ein­schließlich Kraft- und Fahrrädern (nicht Kran­kenräder) mit Zustimmung des Kreisamts ge­sperrt.

älmleitung des Verkehrs erfolgt über Wieseck, Alten-Buseck, Großen-Duseck unb umgekehrt.

Für den Verkehr an den näheren Ortschaften kommt für Fahrten in nördlicher Richtung nach den Straßen GießenReiskirchen, Giehen- Rödgen und nach Wieseck aixfr die Benutzung der 6. Schneise des Stadtwaldes in Betracht, für Fahrten in umgekehrter Richtung (nach Süden) die 5. Schn eise be£ Stadtwaldes.

Dies ist wichtig für Festbesucher, die mit Fahrzeugen, Kraft- und Fahrrädern auf bet Licher Straße in Richtung Festplatz fahren wollen.

Aller Fahrzeugverkehr ein­schließlich des mit Kraft- und Fahrrädern von und nach dem Festplatz hat durch die Licher Straße zu erfolgen.

Die Aufstellung von Fahrzeugen jeder Att darf nur auf dem von der Festleitung vorge­sehenen Platze (Kasernenhof) stattfinden.

Kraft- und Fahrräder dürfen nicht auf den F e st p l a tz mitgebracht werden.

Für den Fußgängerverkehr von und nach dem Festplatz dient die Kaiserallee. Es ist in der Dewegungsrichtung rechts SU gehen.

Der Seltersweg wird für den Durch­gangs verkehr mit Kraftfahrzeugen, Kraft- und Fahrrädern (nicht Krankenrädern) jeweils für die Zeit von 8 Ahr vormittags bis 9 Tlhr abends gesperrt, also nicht für Fahrten zu geschäftlichen oder privaten Erledigungen in dem Seltersweg.

In gleicher Weise wird die für den Verkehr mit Kraftfahrzeugen und Krafträdern überhaupt gesperrte Mäusburg für den Durchgangs­verkehr mit Fahrrädern gesperrt.

Am 2. August werden von 2 Ufjr nach­mittags ab folgende Straßen, durch die sich ber Festzug bewegt, für die Dauer des Fest- zuges für jeden Verkehr gesperrt:

Walltorstraße, Lindenplatz, Marktplatz, Bahn­hofstraße, Westanlage, Seltersweg, Kreuzplah, Mäusburg, Marttplatz, Schulstrahe, Reuen Bäue, Südanlage, Goethestraße, Ludwigstraße, Kaiser- alles.

Die Steinstraße wird von 1 Ahr ab toäfjrenb der Dauer des Aufstellens des Zuges gesperrt.

Fahrzeuge jeder Art, Kraft- und Fahr- rüder haben in allen Straßen der Stadt, soweit möglich, die rechte Straßenseite in der je­weiligen Fahrtrichtung einzuhalten. Die Vor­schriften für den Vermehr und den Schuh bet elektrischen Straßenbahn vom 8. Rovember 1909 sind zu beachten.

Beim Einbiegen in eine Straße ist nach rechts in kurzer Wendung unb nach links in weitem Bogen zu fahren.

Die angeordneten Sperren gelten nicht für Dienstfahrten der Feuerwehr, des Militärs, der Polizei, der Post unb des Sanitätsdienstes.

Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeioer- ordnung werden mit Geldstrafen bis zu 90 Reichsmark bestraft.