Ausgabe 
30.4.1925
 
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den Sichcrheitspakt neuerlich aufgenommen wurde. Auf den Reichspräsidenten Hindenburg können sich, wie die Rede des Reichskanzlers zeigt, diese Deutsch- nationalen nicht berufen. Hindenburg hat sich für die Kontinuität in der Außen­politik und für die Fortsetzung der Berhand- lungen über den Sicherheilspakt entschlossen.

Auch derVorwort s" stellt fest, daß alles auf Verhandlungen und auf interna­tionale Verständigung ge st eilt bleibt. Die Aufnahme der Kanzler-

rede in Amerika.

Reuyork, 29. April. (Kabeldienst der Tel- union.) Die heutige Rede des Reichskanzlers Luther vor dem Industrie- und Handelstag hat in hiesigen Wirtschostskreisen einen a u ße r o r d e n t l i ch g ü n- stigen Eindruck gemacht. Besonders die Ver­sicherung des Kanzlers, daß Deutschland den Ver­pflichtungen dos Dawesabkomrnens Nachkommen werde, hot die letzten Befürchtungen zerstört, daß die Wahl Hindenburgs zum deutschen Reichspräsidenten einen Kurswechsel in der deutschen Außenpolitik bringen könnte. Die Erklärungen des Kanzlers über die R ä u mu n g Kölns u n d d e s Ruhrgebietes finden ebenso wie der Wunsch nach einer Aussprache über den Ti ch c r - heitspakt starkes Verständnis. Rur die Losung der drei dringendsten Fragen, der Räumung, des Sicherheitspaktes und des Dawesabkommens^ könn­ten den dauernden europäischen Frie­den gewährleisten.

Die Morgenausgabe bei orld" schreibt ich er die Rcoe Dr. Luthers, der Kanzler Habs mit Nachdruck gesprochen uni) seine Rede habe noch eine besondere Note dadurch erhalten, daß <r kurz zuvor mit Hinde nburg unter» handelt habe. 3e schneller sich aller Augen auf die wichtigen Fragen richten, deren Be­ratung der Kanzler fordere, um so eher würde die Welt wieder gesunden. Die Zukunft der nwnarchistischen Bewegung in Deutschland liege weniger in der Hand Hindenburgs, als in den Händen derjenigen Staatsmänner, die sich mit der S i ch c r h e i t s f r a g e. mit der Frage der Entwaffnung Deutschlands, der Räumung der Kölner Zone und des Ruhrgebietes und der Durchführung des Dawesplanes zu befassen hätten.

Der Industrie- und Handelslag an den Reichspräsidenten.

Berlin, 29. April. (WTB.) Der Deutsche In­dustrie- und Handelstog hat an Generalseldmarschall von Hindenburg folgendes Telegramm ge­richtet: Der zu einer Volloerfammlung vereinigte Deutsche Industrie- und Handelstag, der sämtliche deutschen Industrie- und Handelskammern umfaßt, sendet Euer Exzellenz als dem erwählten Vertreter der Gesamtheit des deutschen Volkes ehrerbie­tigsten Gruß und herzliches Willkom­men bei der Uebcrnohme des hohen Amtes. Möge es dem deutschen Volke unler der Amtsführung Euer Exzellenz vergönnt sein, sich in friedlicher und werktätiger Arbeit der Fruchte seines Flei­ßes zu erfreuen und wieder in der Gemein­schaft der Völker diejenige Stellung einzuneh­men, die ihm auf Grund seiner Geschichte, seiner wirtschaftlichen und kullurellen Kräfte gebührt.

Der Präsident: Gez. Mendelssohn.

Die Lage der deutschen Landwirtschaft.

Der Reichserrrährungsminifter im Haushaltunqsausschuß.

Berlin, 29. April. (WTB.) 3m Haus- Haltungsausschuß des Reichstages. Der in die Beratung des Etats des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft eintrat, führte Reichsernährungsminister Graf Kanih in einem kurzen Überblick über die Lage der Land­wirtschaft u. a. aus. die Getreideernte biete, soweit man bis jetzt übersehen könne, gute Aussichten. Die Viehzucht habe sich wesentlich gehoben und die Einfuhr von aus­ländischem. insbesondere von Gefrierfteisch, sei stark zurückg gangen. Die Milchversorgung habe sich in erstaunliche Maße gehoben, so daß man den letzten Rest der Zwangswirtschaft wohl bald werde beseitigen können. Deutschland könne seinen Milch- und Dutterbedars aus eigener Produktion decken. Kartoffeln seien giU überwintert. Die Zuckerproduktion habe hn vergangenen 3ahre schon wieder eine Ausfuhr von 3,8 MUlionen Tonnen gegenüber 8 Millionen im Frieden erreicht. Der deutsche Wein-, Obst- und Gemüsebau bedürften eines ge­nügenden Zollschuhes. Der deutsche Wald- besitz habe durch Forleulenfraß außerordentllch gelitten. Die Regierung bemüh: sich hier, zu Helsen.

Der Minister dankte sodann dem amerika- nischen General Allan für seine tatkräftige Hilfe bei' der Kinderfürsorge, die. soweit Aus- landhllse in Frage komme, im lausenden Fahre abgeschlossen sei. Die Kr editnot der Land­wirtschaft erfordere dringende Abhilfemaß- nahmen und die Handelsvertragsverhüirdlungen erforderten einen lückenlosen Zolltarif. Erst wcim die deutschen Landwirtschaftszölle festständen, werde man beträchtliche Zölle für die Industrie erhandckn können Der Minister beantragte Be­reitstellung von fünf Millionen Mark für eine tatkräftige 3ntensivierung der deut­schen Landwirtschaft, deren Erzeugung um ein Drittel gehoben werden könnte. Es sei bisher nicht gelungen, daß die Zinssätze für di? Landwirtschaft herabgesetzt würden. Eine Besserung erhoff? er von der zu schaffenden Rentenbank-Kreditanstalt.

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Der neue Polizeipräsident von Berlin.

Berlin, 30. April. (Wolff.) Dte Nachricht von der Ernennung des sozialdemokratischen Land- tagsabg. Oberregierungsrat G r z e s i n s k i zum Polizeipräsidenten von Berlin wird amtlich betätigt. Der neue Polizeipräsident ist aus dem Arbeiterstande hervvrgegangcn. 3m Jahre 1922 wurde er Präsident des Landes- p o l i z e i a m t s mit dem Titel Oberregierungs rat Als die Aufgaben dieses Amtes erledigt waren, trat et als Referent in das preußische Ministerium des 3nnern ein. Während die deutschnattonale Presse die Ernennung Grze- sinskis zum Polizeipräsidenten von Berkin scharf ablehnt, erklärt die vvlksparteilichc ..Zeit' man rühme dem neuen Berliner Polizeipräsidenten ngch, daß er sich in feiner Amtsführung stets

von einseitiger Parteieinstellung sreigrhalten habe und daß er ein Mann von Objektivität und Gerechtigkeitssinn sei.

Politische Aussprache im Preußischen Landtag.

Die Opposition ftegen Brann.

Berlin, 29. April. Das Haus tritt in die Besprechung der gestrigen Erllärung des Ministerpräsidenten ein.

Abg. Leid (Soz.) verliest eine Erklärung, in der dem Kabinett Braun das Vertrauen aus- gesprocheik wird und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen werde, eine aktionsfähige Regie­rung zu bilden, die alle durch die Verfassung ge­gebenen Mittel zu diesem Zweck anwendcn. werde.

2ttg. Lüdicke (Dnll.) Herr Braun hat die Schuld an der Krise dem deutschnational-iom- munistischen Block beigemessen. Es sei nichts als etii taktischer Kunstgriff, von einem solchen Block zu sprechen. Nicht wir sabotieren die Regierungs­bildung, die Schuld liegt an der falschen Ein­tel lung der Weimarer Koalition. (Stürmischer Widerspruch links und in der Mitte.) Seit dem 23. 3anuar hätten wir fünf Ministerien gehabt, und alle fünf Ministerien seien durch eine Minderheit gewählt worden. Das entspreche nicht dem Geiste des Parlamenta­rismus.

Cs gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder ein Dcamtenministerium oder die Auflösung!

(Lebhafte Zustimmung links ,*Kufe: Beantragen Sie doch die Auflösung!! Nein, das tun wir nicht, wenn wir auch der Anschauung sind, daß bei Neuwahlen die Deutschuationalen als stärkste Partei wiederkehren werden. (Lachen links.) Wir werden alle verfassungsmäß'gen Wittel und Wege antoenben, diese Regierung zu stürzen, die ein Linsegen für Preußen ist.

Abg. Heß (Ztr.) erführt, das Zentrum halte nach wie vor an der b'sher eingenommenen Hal­tung fest, baß die beste Lösung die Wieder- aufrichtung der großen Koalition in Preußen sei. Wir find der Meinung, daß alle Möglichkeiten einer Verbreiterung der Ttcgie- rungsbafis in Preußen ausgenutzt werden müssen, und solche Möglichkeiten sind vorhanden

Abg. v Campe (D Bpt.): Man rechnet be­reits mit Neuwahlen. Deshalb erlaube ich mir die vielleicht indiskrete Anfrage, ob es richtig ist. daß im Ministerium des 3 n n e r n schon alle Vorbereitungen für Neu - wahlen getroffen worden sind. (Minister Severing nickt wiederho'1 mit dem Kovfe.) 3ch sehe, der M'nister betätigt diese A mahnte. Die Rede des Ministerpräs d'nten enthie't so schroffe und verletzende Angriffe gegen große Parteien, daß ich nicht glauben kann, daß alle Parteien, die hinter Braun stehen, mit der Rede einverstanden sind. Wir gingen, als wir in die große Koalition eingetreten sind, von dem Gedanken aus, daß wir den Ausbau des neuen Staates nicht allein den Kräften überlassen wollten, die die Revo­lution gemacht haben. W r haben aber nicht die nötige ilnterftütjung gesunden. Deshalb sind wir ans der großen Koalition ausgetreten. Der Vorwurf, wir hätten die Regierungsbildung sa­botiert, widerspricht auf das schärfste den Tat­sachen. Wir haben immer wieder neue Vorschläge gemacht. Die Tatsache, daß man mit Marx als Kandidaten für die Reichspräsi- dentschaft rechnete, war der weitere Grund, daß ein Kabinett nicht zustande kam. Sie alle wissen, daß ein Kabinett Marx nicht zustande kommen konnte, well Marx den Anschluß nach links suchte.

Herr Braun sagte gestern, die Kabinettsbil­dung sei unmöglich gemacht worden, trotz weitestgehenden Entgegenkommen der Linksparteien. Mir ist davon gar nichts bekannt 3ch darf bitten, uns anzugeben, worin dieses weitgehende Entgegenkommen bestanden haben soll. 3ch weiß nur, daß man uns immer gesagt hat: Beugt euch unter die Wei­marer Koalition! Herr Braun hat weiter behauptet, die Oppositionsparteien würden von destruktiven Tendenzen geleitet. Herr Minister­präsident, das war nicht die Rede eines Staats­mannes, das war eine rein parteipoli­tische Rede. (Große Unruhe links.) Wenn Sie trotzdem voraussehen, daß Teile dieser Oppo­sitionsparteien auch jetzt noch zur Mitarbeit bereif sein werden, so bestreite ich nicht, daß diese Möglichkeit vorhanden ist.

Dom rein varlamentarls chen Standpunkt aus ist es toiberfinifg und absolut unparlamentarisch, uns äl§ neues Kabinett ein altes vorzustellen, das ein Mißtrauensvotum erhalten hat. 3d) habe im interfraktionellen Ausschuß und auch im Ältestenrat Vorschläge gemacht. Aber keiner dieser Vorschläge ist angenommen worden. Dann bleibt allerdings nichts ü6ri; als die Auflösung, und die Auflösung wird kommen. Das Charakteristische an der Hindenburgwahl mit der schweren Niederlage der Linksparteien und der Aufnahme chres Ergebnisses im Volle liegt darin, daß unser Voll vor allem wünscht, daß alle Teile des Volkes zur positiven Mitarbeit herangezogen werden. (Fort­dauernder Lärm links.) Wir bedauern es, wenn unser Volk von neuem zur Wahlurne gerufen werden sollte, wenn es wieder aus Monate hin­aus nicht in Ruhe gelassen wird und nicht zur wirtschaftlichen Arbeit gc'angen kann. Aber wir fürchten die Auflösung nicht. Die Hindenburg­wahl hat gezeigt, daß der nationale Ge­danke wieder auf dem Warsch c ist. Kein Massenkult, sondern Persönlichkeit. (Leb­hafter Beifall rechts, Zischen, Pfeifen und iro­nische Hurrarufe links.)

2lbg. Falk (Dem.) gibt die Erklärung ab, die deutsch-demokratische Fraktion billige die Erllärung des Ministerpräsidenten. Sie werde das Ministerium in der Durchführung seines Regierungsprogramms unterstützen. Die Fraktion hält damit an der von ihr immer vertretenen Politik fest, die darauf ausgeht, eine republi­kanische und freiheitliche Regierung in Preußen AU sichern. Zu bedauern seien die scharfen Worte des Herrn v. Campe, der die innerpolitis<^n Vorgänge falsch dargestellt habe. Durch einen solchen Geist der Volkspartei werde eine ge­deih ich ' Arbeit d s Landtags unmöglich gemacht.

Abg. Ladendorff (Wittsch. Vgg.) lehnt das neue Kabinett ab, zumal der Mi- ntsterPräsident eine so aggressive Regierungs­erklärung abgegeben habe. Unterstützen toürben ne nur em Kabinett, das sich nicht von rein sozialistischen 3becr tragen laßt, sondern das die 3nteressen der Allgemeinheit sich zur Rtchtschnur nimmt.

Abg. Graf v. H.elldorsf (Rat.-Soz.) er- klärt, seine Partei fordere Beseitigung die­ses Kabinetts und Neuwahlen.

Abg. Heilmann (Soz): Es ist zu bezwet- seln, daß Hindenburg wirklich ehrlich vom Volkswillen gewähll wurde. (Zurufe rechts: Hn- erhört!) An Millionen von Wählern seien Schrei­ben ergangen, daß, wenn fic nicht wählen würden, dafür gesorgt werden würde, daß die Namen der Oeffentlichkell bekanntgegeben werden. (Hört, hort! links; Zurufe rechts: Das ist ja alles ge­fälscht!) Daß die Wahl Hindenburgs im Aus­land sehr ungünstig gewirkt hat, wird auch durch das Telegramm des deutschen Botschafters in London bestätigt. Hoffentlich gelingt es Hinden- brua trotzdem, in diesem 3ayre die Räumung von Ruhr und Rhein zu erreichen, wie es bet einer Präsidentschaft Marx in wenigen Wochen der Fall gewesen wäre. (Stürmischer Widerspruch und andauernder Lärm rechts!) Wir werden dem neuen Reichspräsidenten die Achtung zollen, die wir von Ihnen (nach rechts) für das Amt und seinen Träger vergebens gefordert haben. (Stür­mische Zustiminung links.) Die Sozialdemotratte ist jederzeit zu Verhandlungen mit einer trag­fähigen Regierung bereit. Die Auflösung kommt, wenn alle Verhandlungsmöglichkellen erschöpft sind. Leider ist die Auflösung bereits unvermeidlich geworden.

Die Aussprache über die Regierungserklä­rung wird hierauf abgebrochen.

Donnerstag Fortsetzung der politischen Aus­sprache.

Aus dem Finanzausschuß des hessischen Landtags.

Darmstadt, 29. April. Der Finanz­ausschuß des Landtags beriet heute den Vor­anschlag des Hess. Landestheaters, dem Aufstellungen vom Oktober vorigen 3ahres zu­grunde liegen: da sich aber inzwischen die Ver­hältnisse sehr geändert haben, so ist ein neuer Voranschlag fertiggestellt worden, der die gegenwärtigen Verhältnisse berücksichtigt. Der neue Voranschlag ist um rund 200 000 Mk. höher als der vom Oktober. Das Theater erfordert einen Gesamtzuschuß von 696 000 Mk., davon hätte der Staat zwei Drlltel 464 000 Ml. und die Stadt Darmstadt 232 000 Wk. (ein Drittel) zu i ragen. Abg. Dr. Leuchtgens und Abg. Glaser (Dbd.) haben einen Antrag eingebracht, wonach der staatliche Zuschuß von 464 000 Mk. auf 120 000 Ml. herabgesetzt werden soll: der dadurch entstehende Fehlbetrag soll dann durch die Stadt Darmstadt und durch Abstriche an den Ausgaben (Abbau beim künstlerischen Personal) erreicht werden. Ferner liegt dem Aus­schuß ein Antrag der Abg. Frau H a 11 e m e r (Ztr.) vor, der nur einen Zuschuß von 350 000 Mk. dem Theater zubilligen will und außerdem noch verschiedene Ersparungsvorschläg macht, lieber die Anträge und über den Vora.. chlag entspinnt sich eine längere Debatte, worin die Mehrheit des Ausschusses den Ansätzen des Voranschlags zustimmt, doch wird im Einvernehmen mit der Regierung nochmals jeder einzelne Punkt des Voranschlags durchberaten, ob nicht Ersparnisse gemacht werden rönnen. Die Beratungen haben heute begonnen und werden morgen fortgesetzt.

Der tschechisch-polnische Schiedsvertrag.

Prag, 29. April. (WB.) Morgen wird gleichzeitig in Prag und Warschau der Text des tschechoslowakisch-polni chen Vertrages über ein Vergleichs- und Schiedsverfahren veröfsent- licht, der am 23. April in Warschau unter­zeichnet worden ist. Der Vertrag bestimmt u. a.: Beide Vertragsparteien verpflichten sich, einem Vergleichs- und Schiedsverfahren alle Differenzen zu unterbreiten, die nicht in ang messener F ist auf diplomatischem W^ge ge­regelt werden konnten. Witer beziehen sich die Bestunmungeii dieses Vertrages nicht auf Fragen, die den Territorial st atus der Vertrags­parteien berühren. Solche Differenzen können nur durch ein freies Liebereinkommen zwischen den beiden Parteien entschieden wer­den. Sechs Monate nach Austausch der Rati° fikaltonsurkunden werden die Vertragsparteien eine ständige füifgHebrigc Ausgleichs kom- Mission und einen Präsidenten einsehen, der Angehöriger eures britten Staates fein muh. Gegebenenfalls wird der Präsident auf Ersuchen der Parteien durch den Präsidenten des schweizerischen Bundesrats ernannt werden. Falls ein Ausgleichsverfahren zu feinem Resultate führen sollte, würden die Differenzen aus Verlangen einer der beiden Parteien einem Schiedsverfahren, gegebenenfalls dem Haager Schiedsgericht, unterbreitet werden.

Ein Kabinett BroequevMe in Belgien.

'S rüffel, 30. April. (211.1 Der König hat de Brocquevllle mit der Kabinettsbildung beauftragt. Eine vollstöirdige Liste des Kabinetts liegt noch nicht vor. Graf dc Brocquevllle ist Mitglied der katholischen Partei. Das Programnr seines Kabinetts wird sich auf das Durch­bringen des Budgets beschränken.

er feit längerer Zeit an einem Nervenleiden erkrankt war. Die Leichen wurden von der Polizei beschlag­nahmt.

Gustav FreytagsT. O. Schröter" unter Geschäfts­aufsicht.

Das feit Jahrhunderten bestehende angesehene Breslauer Kolonia'warenhaus Nolinari und Söhne, das Gustav Freytag als Vorwurf für feinen Ro­manSoll und Haben" diente, sieht sich nach einer Blättermeldung infolge augenblicklicher Zahlungs­schwierigkeiten gezwungen, Geschäftsaufsicht zu be­antragen. Die Firma besitzt große Außenstände in Polen und der Tschechoslowakei, sowie Inlandsgut­haben, die nur schleppend hereinkommen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. April 1925.

Wandernde Jugend.

Wer freut sich nicht von Herzem wenn er draußen wandernde disziplinierte 3uge* trifft. Ob sie die staubige Landstraße entlang zieht, ob sie singend durch den Wald streift, ob fie'air-tinem See Ran hält, oder auf einer Wiese sich nach Blumen bückt, es ist immer ein Bild, das den Frühling noch lajöncr macht als er ist, denn zu den Knospen der Natur gehört auch die knospende Jugend, die Blüte emt Menschenbaum.

Es dünlt mich viel, daß wir hierin unsere alten Vorurteile abgetan haben. Heute lernt sich die Ju­gend auf gesitteten Wanderfahrten unter der Leitung eines gewissenhaften Führers ungezwungen kennen, Jünglinge und Mädcl)en. Sie empfinden nicht mehr wie früher, daß es was Besonderes wäre, wenn die Geschlechter miteinander wandern. Sie sind jedenfalls unbefangener und harmloser int Verkehr miteinander, wie viele es früher waren, lind tauschen fröhliche Schetze aus, die helles Lachen bringen. Da teilt man gern, was im Schoße des Rucksacks verborgen war. hilft sich beim Abkochen, läßt sich auch nicht lange nötigen, ein Lied zur Laute zu fingen, oder ein Sprüchlein in das Wanderbuch zu schreiben, das man mithat: es ist so viel Romantik dabei'

Eine Jugend, die nicht wandert, ist krank oder überreif, vielleicht auch überreizt und übersättigt. Wer als junger Mensch keine Freude mehr findet an der Einfachheit der Natur, dem bleibt das große Kommen und Gehen von Entwicklungen mit allen Geheim nissen des Werdens verborgen: er wird auch nicht lernen, das Menfchenherz zu beobachten und seinen Schlägen zu lauschen, er bleibt ein Trabant des Steinpslasters und der elektrischen Bogenlampen, die auch im Frühling nachts über den Straßen der Stadt Rängen.

Junger Mensch, geh hinaus, laß dir den Wind ins Haar greifen und die Landschaft übers Herz kommen, daß sich die Worie über deine Lippen drän­gen:O Taler weit, o Höhen" ...

Gießern Marktpreise.

am 30. April 1925 (Händlerpreise).

Es kosteten: Butter Pfd. 200- 220, Matte 35, Käse 70, Wirsing 40. Weißkraut 20. Rotkraut 3045, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 25 30, Römischkohl 15. Spargel 200, Unter- Kohlrabi 10, Grünkohl 20. Tomaten 150, Zwie­beln 25, Meerrettich 40100. Schwarzwurzeln 70, Rharbarber 25, Kartoffeln 5, Aepfel 30. Dörr­obst 20, Honig 40, junge Hahnen 100, Suppen­hühner 120130, Eier Stück 10, Blumenkohl 80 bis 150, Salat 2530. Salatgurken 120150, Lauch 510, Sellerie 50SO, Radieschen Bund 15-20.

Bornotrzen.

Tageskalender für Donnerstag. Oberheffifche Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Uhr Hörsaal des Physikalischen Instituts Vor­trag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Gießen im Film" undOberst Redl". Astoria-Lichtspiele: Durch Funkspruch gerettet".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Zur Aufführung der Oper M a da m e Butterfly" von Puceini am kom­menden Montag, 4. Mai, sei wiederholt darauf hin­gewiesen, daß die Besetzung des Wertes mit Frl. Elisabeth Kandt in der Titelrolle und mit Herrn Kammersänger John Gläser als Linterion und Adols P e r m a n als Sharpleß eine derartig glan­zende ist, wie sie nur allererste Bühnen und diese nur in Ausnahmefällen sich leisten können. Reben den Hauptpartien weist der Theaterzettel noch eine Reihe crstei Künstlerinnen der Frankfurter Oper auf, so Betty Mergler, Walter Schneider, Richard Riedel, Karl Sauermann u. a. in. Herr Kapellmeister Berthold Sander vom Lan­destheater Darmstadt hat die musikalische Leitung, die Regie führt Herr Josef G a r e i s. Von heute. Donnerstag, findet freier Verkauf der Eintrittskarten zu den üblichen Geschäftsstunden an der Theater­kasse statt.

Wette

Vorübergehend Aufklärung, später trüber, etwas wärmer, südliche Winde, zunächst meist trocken.

Während die mitteleuropäische Depression sich nach dem Baltikum verzogen hat, ist durch die Zufuhr kalter Luft seit gestern Druckanstieg erfolgt, während in unser Gebiet heute morgen südöstliche wärmere Luft einströmt, da vom Ozean her Ausläufer eines neuen Wirbels gegen den Kontinent Vordringen. Auf ihrer Vorderseite tritt bei uns vorübergehend Aufbesserung ein bei spä­terer Trübung.

Aus aller Welt.

Das Baden-Badener Schachturnier.

Am Mittwoch wurden auf dem internatio­nalen Schachmeistertumier die Hängepartien aus­getragen. Vates-Sngland verlor seine Partie gegen Sämisch-Deut sch land und Miese-Deutsch- land gewann durch feines Endspiel gegen Colle- Belgien im 75. Zuge. Die Partie Roselli-3ta- lten gegen Grünfeld-Oesterreich endete nach zehn- ftüixbigcm Kampfe im 109. Zuge remis. Stand des Turniers nach der zehnten Runde: Aljechin- Frankreich 81 ? Punkte, Runibstein-Polen 8 P., Grünfcld-Oester reich, Rabinowitsch-Ruhland 7P., Marshall«Amerika, Tartakower-Oesterrcich und Sämisch-Deutschland 6 P., Torre-Mexiko 5* > P., Bogvljubow'llkrai ic, Tarrasch-Deutschland, T:cj- dal-Tschechoslowakei und Spielmann-Oesterreich 5 P., Carl-Deutschland und Niemzowitsch-Däne- mark 41/2 P-. Reti-Oesterreich 4 P Colle-Bel­gien. Patts-England und Thomas-E,g and 3P., Mieses-Deutschland 21 P., Roselli-Jtalicn 1 P., Te Kolste-H^'land 1/2 P.

Mord und Selbstmord.

In Steglitz erschoß der 22jährige Stu- dent Behren d, der Sohn eines Ministerialamt- I monnes, fein, n 12jahrigen Bruder und oerübte dann Selbst m 0 r ö. Man nimmt an, daß Beh- renb die Tat in geistiger Umnachtung ausführte, da

** Tschechoslowakei. Die Nachrichten­stelle der Oberpoftdirektion Darmstadt teilt mit: Die tschechoslowakischen Postanftalten weisen neuerdings Postsendungen nach der Tschechoslo- walei, in deren Anschrift das Bestimmungsland mitTscheche!",Tschechien" ober ..Tschechowien" bezeichnet ist, öfters zurück. Um Verzögerungen in der Beförderung zu verhüten, wird dringend empfohlen, das Bestimmungsland auf den frag­lichen Sendungen, soweit feine Angabe überhaupt erforderlich ist, richtig mitTschechoslowakei" zu bezeichnen.

v* 3 m Oberhessischen Kunst verein stellt Professor W. T h i e l m a n n eine Reihe von Arbeiten aus. Er liebt eine breite, behagliche Art der Darstellung, nicht ohne eine gewisse ange­nehme Leichtigkeit in der Behandlung seines Vor- wurscs. Hans Gräfe-Gießen zeigt eine in Ton modellierte Mädchenplastik, und von Professor Christian Rauch ist nach den von ihm geleiteten Ausgrabungsarbeiten ein Modell der Kaiscrpsalz Karls des Großen bei Ingelheim ausgest ellt.

** Personalien. Ernannt wurde die Leh- terin 1. e. R. Antonie Baur zu Gießen mit Wir­kung vom 1. Mai ab zur Lehrerein an der Volks­schule zu Gießen. In den Ruhestand versetzt wurde der Gend.-Kreiskommissar Johannes C t 0 h in Schot­ten auf fein Nachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung von: 1, Mai ab. Auf Grund des Personalabbauaeseüe-