Ausgabe 
30.4.1925
 
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Itr. 100 Erstes Blatt

175. Zahraang

Donnerstag, 50. April (925

GiehenerÄnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

önid und Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch und Steinörudcrct R. Lange in Sietzen. S^riftleitung und Sefchäftrttelle: Zchulttratze 7.

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poltjcheckronts:

Sranffnrt a. M. 11686.

Das Ausland und die Wahl Hindenburgs.

An Stelle der ursprünglich etwas aufgeregten Ausllutds'timmen über die Wahl Hindenburgs zum Reichsoralidenten ift eine ruhlgerc und sachlichere Aufsasluna der Loge cingctreicn. Die von Paris per- breitete «achrichi, England sei aus Grund des Wahloussalles an die französische Regierung heran- getreten, um neue Verhandlungen über eine Aenderung der lünsligen Haltung gegenüber Deutsch­land in den ,esil schwebenden fragen einzuleiten, mutzte von der Pariser Presse widerrufen wer­den. Man gewinnt mehr und mehr auch im Ausland den Eindruck, daß di» Verhandlungen über die großen Probleme, die jetzt zur Debatte stehen, und die das Derhältnis Deutschlands- äu den Alliierten und besonders zu Frankreich regeln sollen, keine Aenderung ober gar Unterbrechung er­fahren werden

Diese Erkenntnis wird in der Hauptsache durch das Programm Hindenburgs vermittelt, in dem sich der Feldmarschall ganz auf den Bo­den der gegebenen Da t fachen stellt. Es lassen sich sogar lchon einzelne Stimmen vernehmen, die der Meinung Ausdruck geben, datz man in Zu - kunst den Versprechungen D c u ts ch- iaiids mehr Glauben schenken könne, weil an der Spitze em Mann stehe, für den Vaterlands- iebe und iirciiflfte Pflichterfüllung das oberste Gebot leien, und dessen^reiche Lebenserfahrung jeden unbedachten Schritt verhindern würdge. Dazu komme noch, datz er d a s A e r t r a u e n d e r weite st en Oefientlichkeit in Deutsch- land genietze und Io auch auf die Kreise einen mäßigenden Einslutz ausüben könne, die sich dem 'Iriedenoprogramm der Regierung nicht fügen möchten. Die Ablehnung derPolitik üu . dendorffs durch den Feldniarschall roiro immer Mieder als Beweis für die friedlichen Absichten .V)in- denburgo angc'uhrt. In der matzgebenden englischen presse wird ausdrücklich barmri hingewiesen, datz unbenbura feine angnffslustige Persönlichkeit (ei und deshalb natürlich auch der unerwartete Wahl- aussall keine Beunruhigung für d <- n i? rieben Europas sei.

Wenn man überhaupt die maßgebenden Presse- siunmen dec. Auslandes iiberschaui, gewinn' man "ehr und mehr den Eindruck, datz im maßgebenden '.lusland die Wahl Hindenburgs wesentlich s a ch- Ii d): r und ruhiger hcirtcüi wird, ab die t e u t f dj e Linkspresse glauben machen möchte, yie wird keine Veränderung in der Haltung dieser Länder gegenüber Deutschland herbeiführen, wenn rielleicht auch Frankreich seiner ollen Einstellung gegenüber Deutschland folgend vorläufig etwas zu­rückhaltender, abwartender sein wird. Das wird na­türlich keinen besonderen Einfluß auf die bisherigen Ijerhondlliugen haben, bei denen sowieso von fron- iöfifd)cr cci c fein sonderliche. Entgegenkommen gezeigt wurde, auch unter dem sozialistischen Regime, .aoisentlich wird in Zukunst sich das Au-land mehr und mehr davon überzeugen, daß die Wohl Hinden- karge- weniger einen Ruck nach rechts bedeute als "inen Schritt vorwärts auf dem Wege dahin, Ser ge|i<iben Politik einer mittleren -nie auch die Streife zuzuführen, die bisher mehr «us parteitaktischen Gründen sie zu bekämpfen trcbltn.

ReichsLagsprcisident Lobe bei Hindenburg.

Berlin, 30. 2Lpril. Ser ..Lolalanz ' meldet au»J Hannover: Gestcru nachmittag traf hier Reichst agsprälident Lobe ein. 6r begab sich lofort in bic Billa Hind.-nburgs und hatte dort mit dem neuen Reichspräsidenten c.n? längere 2lnterkedung. Die D:sprechung bärfte sich ver­mutlich um das Prograinm der Vereidigung im R ichstag gedreht haben. Heute triff i der Staats- r.frclär im Bureau des Reichspräsidenten. Dr. Meißner, in Hannover ein

Aus der gentrum-partei.

Berlin. 29. April. sWD.', Wie dem WTD. mitgeteilt wird, hat Freiherr Ä c r f - Ecrind zur Borg lür lich sein Amt als Mitglied des Reichsparteivorstandes der deutschen 3entrum8pa:tei und als Mitglied Les Provinzialausschusjes der Westfälischen Zen- L.-wn6pattci niedergelegt Er begründete Liefen Schritt in einet eingehenden Darlegung an bc.* Parteivorsitzenden damit, datz das Zen- l-nun ganz besonders in jüngster Zeit ihren 6 b a r a 11 c r a l s Mittelpartei immer mehr verliere, und daß er die Verantwor­tung für diese Entwicklung nicht mehr tragen Imnc, weshalb ihm eine weitere Mitarbeit in ten genannten Parteiinstanzen nicht mehr mög- V<i> sei.

Eine österreichisch-deutsche Arbeitsgemeinschaft.

Wien. U. April. (WB! Linker dem Vorsitz des älniversitätsprofessors W e 11 ft c i n und un- 1 * Beteiligung zahlreicher maßgebender Mit- Uiteder aller Parteien und Persönlichkeiten des »sentlichen Lebens fand die Orünbung der öster- michisch-deutschen Arbeitszemeinschast statt. Diese Arbeitsgemeinschaft beabsichtigt durch Stär- f J n g der österreichisch, deutschen Dc- l ehungen die Voraussetzungen zur Der- e intgung Oesterreichs mit dem Deut­schen Reiche für den Zeitpunkt zu schaffen, l.ndem Oesterretch die Ausübung seines Selbst- b <stimmungsrechtes möglich fein wird Vier Fach- arsschüsse sollen Vorschläge für die Ansgestal- h-ng der Beziehungen zwischen Oesterreich und d<m Deutschen Deich, soweit dies im Rahmen der Verträge von Saint Germain und Versailles ins glich ist, and arbeiten.

Politik und Wirtschaft.

Des Reichskanzlers Rede zur Wirtschafts- und Außenpolitik.

Reichskanzler Dr. Luther hat in der Mitt- wochsiyung des Deutschen Industrie- und Han­delstages Beleg ncheit genommen, in umfassend­ster Weise den Standpunkt der Aeichsregierung zu den wichtigsten Wirtschaft-- und Finanz! ragen sowie namentlich der Außenpolitik darzu­legen. Seine bebe infamen Erklärungen, die er in bewußt betonter überparteilicher Einstel­lung vor einer ebenfalls nicht parteimäßig zu­sammengesetzten Versammlung deutscher Dirt- schastssuhrer abgab, bilden in gewissem Sinne den Auftakt zu dem Programm, das die Reichs­regierung in ihrer bisherigen Zusammensetzung aber unter dem neuen Präsidium Hinden­burgs festzuhalten und durchzufüh­ren gedenkt. Sie werden daher als in hohem Maße programmatisch und für die nächste Zukunft deutscher Politik und Wirtschaft Richtung gebend zu betrachten fein. Mit scharfen Worten energischer Abwehr stellte sich bei der Behandlung der finanz- und wirtschafts­politischen Einzelfragen den Kanzler dem ge­wissenlosen Treiben einzelner, vor allem wohl der Spekulation nahestehenden Kreise ent­gegen. die immer von neuem mit den Lügen­gerüchten von einer drohenden neuen Inflation operieren. In der Kontinuität einer die ausnühenden Wirtschaftsführung erblickt er die vorhandenen Mittel sparsam, aber systematisch wesentlichste Voraussetzung für die Stärkung des deutschen Volksver­mögens und für die Reubildung von Betriebs- und Sparkapital. Wenn in vielem Zusammenhang zwilchen den Mächten der Poli.ik und denen dcr Wirtschaft ein Zustand nach innen die Produktionsmöglichkeit gestärkt gegenseitigen Vertrauens erhalten bleibt, so wird und nach außen die Selbständigkeit unserer Wirtschaft bewahrt. Die Frage der künftigen Gestaltung der Handelsbeziehungen zum Ausland erfordert, daß besonders bei Behandlung bet Zollvorlagen weder mit vorgefaßten Meinungen noch vom einseitigen Interessentcnstandpunit aus ein vom Standpunkt der Belange aller Schichten der Wirtschaft zu suchen der Mittelweg gesunden wird. Der Kanzler verkennt dabei durchaus nicht, daß die Gesundung unserer binnenwirtschaftlichen Derhältnifse zu einem wesentlichen Teil von der Gestaltung der großen außenpolitischen Probleme abhängt. Seine treffenden Ausführungen über die internatio­nalen Erfordernisse einer allgemeinen euro­päischen Gesundungs- und Sicher­heitspolitik, wobei er eingehend die unver­ständliche Haltung der Feindmächle in der u- mungefragc. sowie die Bemühungen der Rcichsregicrung in der Si ch e r h e i t s s r a g e mit tr sscnden Argumenten kennzeichnete, werden sicherlich in allen objektiv urteilenden Kreisen des Auslandes nachhaltige Dochtung finden.

Der Industrie- und Handelstag.

Berlin, 29. April. (£11.) Heute morgen wurde die 45. Dollveriammlung des Deutschen Industrie- und Handelstages vom Präsidenten Franz v. Mendelssohn eröffnet, der besonders den stellvertretenden Reichspräsi­dent en Dr. Simons und den Reichs­kanzler Dr. Luther begrüßte. Er widmete dem verstorbenen Reichspräsidenten Ebert einen warmen Rachrus und brachte dem neugewählren Reichspräsidenten Hindenburg die aufrichtigsten Wünsche der Versammlung dar.

Daraus ergriff Reichswirtfchaftsminister a. D. Hamm das Wort zu einem Vortrag über die Wirtschaftslage. Der Do-trag ging von der Be­trachtung der Stellung der Wi»rtschast zum Staate aus. Die schlimmste Gefahr fei unserem Staate dadurch erwachsen, datz nach der Beendigung des passiven Widerstandes der Staat der Wirtschaft nicht mehr das für fie wichtigste, nämlich die gesicherte Währung, Siche­rung des Erwerbes und des Verkehrs bieten konnte. Statt eines Gläubigerstaates seien wir ein S ch u l d n e r st a a t geworden. Der Ernst der Handelsbilanz von 1924 dürfe nicht ver­kannt werden. Jede Aufwertung bedeute eine Erhöhung der Produktionskosten und Warenpreise.

Weitere Auswertungen alö die vorgesehene wurden zu schweren Schädigungen der Wirtschaft führen.

Für Hebung der Produktion muhten schließlich die schweren Lasten der Reichsbahn­tarife erleichtert toerben. Eine in der letzten Zett sehr laut gewordene Mahnung, als wolle man nur den inneren Markt berücksich­tigen, sei für kein Volk richtiger als für das deutsche. In dem endgültigen Vertrag mit Frankreich werbe man die beiderseitigen In­dustrien auf die Abtragung der Zölle vorbereiten müffen. Daß der Vertrag mit S p a n i e n bis­her noch nicht ratifiziert worden sei. habe der Wirtschaft erheblichen Schaden gebracht. Die Ent­scheidung der Z o l l f r a g e werde eine Probe der politischen Reife des deutschen Volkes und feiner Wirtschaft bringen. Der Industrie- und Handelstag fei davon durchdrungen daß die Landwirtschaft in ihrer Intensität erhalten wer­den mühte. Es fei notwendig, daß die Wirt­schaft staatlich, der Staat aber wirt­schaftlich denke.

Rach dem Referat nahm

Reichskanzler Dr. Luther

das Wort, um, wie er sagte, einige Gedanken über die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands zum Ausdruck zu bringen. Die deutsche Wirischast die Zusammenstellung aller Hand- unb Kopfarbeiter, die dem deutschen Volk die Lebensmöglichkeiten verschaffen. Daher sei es auch nicht richtig, die Wirtschaft und Sozial- Politik in schroffen Gegensatz zu bringen. Die Wirtschaft leide augenblicklich unter zwei Hem- mungen. einmal auf dem Gebiet der Produk­tion und auf dem des Absatzes. Die Wirt- schast werde ihr ganzes Können hergeben unb mit ber Verwaltung eng zusammenarbeiten müssen. Als besonbers notwendig bezeichnete Reichskanzler Dr. Luther die. Wiederan­sammlung von Sparkapitalien sowie die Heranziehung eines tüchtigen wirtschaftlichen Rachwuchses. Zwischen den Mächten der deutschen Wirtschaft und der Politik müsse ein Zustand gegenseitigen Vertrauens herrschen. Die deutsche Regie­rung habe nicht nur die eigenen Bedürfnisse, sondern auch noch die Lasten der Reparationen zu tragen. Die Regierung hoffe, dah durch die neuen Steuersätze bald ein auch für die Wirtschaft erträglicher Zustand geschaffen werde, ebenso hoffe sie, dah die Gesetze der Wirischast bic notwenbige Ruhe bringen werden Die Reichs- tegietung werbe sich über die Zollvorlage schon in den nächsten Tagen schlüssig werben Zur Frage ber Währung übergehend kennzeichnete ber Reichskanzler die in ben letzten Tagen wie- der ausgetauchten Machenschaften und Gerüchte, die von einer Gefährdung der Wahrung wissen wollten, als verbrecherisch Die deutsche Währung ist vollkommen gesichert, dank den Maß­nahmen der Reichsoank. Richt» wird mehr die Kredllerweiterung und die schrittweise Herab­setzung ber Zinssätze erleichtern, als ber feste Glaube an ben Wert ber Mark. Dabei wirb die Reichsregierung auch ihrerseits nicht müde werben, durch Verhandlungen mit der Retchsbank und der Danlwelt dafür zn sorgen, dah das Gelb in Deutschland b i l [ vg c i wird Ich bitte Sie. in diesem Sinne mitzuacbeiten. Die günstigen Folgen werben sich bann für die Wirt­schaft bald zeigen. Zum Schlüsse will ich

noch einige Worte zur Außenpolitik

sagen. Die großen wirtschaftlichen Schw erigfeiien, mit denen jetzt in der einen ober anberen Form nahezu alle Länder zu kämpfen haben, tragen dazu bei, diese Wahrheit überall in ber Welt lebendig Derben zu lassen. Jeder Einsichtige er­kennt. daß die Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu einem wesentlichen Teile von der Gestaltung der großen internatio­nalen Probleme abhängt, bic die europäische Politik beherrschen. Die Bemühungen für den wirtschaftlichen Wiederaufbau würden vergeblich sein, wenn es nicht gelänge, die richtigen Wege und Methoden für bic Lösung bieser Probleme zu finden. Wenn man die internationale Situation mit einer Formel umschreiben will, so läßt sich vielleicht sagen, daß die Völker immer stärker das Bedürfnis empfinden, die in großen poli­tischen Fragen auf Europa I a ft en b c Ungewißheit beseitigt zu sehen. Eine dahinzielende Politik muh natürlich von dem Gesetz der Kontinuität beherrscht sein unb kann nicht willkürlich ihre Richtung ändern.

Wenn iti> das Bedürfnis der Völker nach Klärung der politischen Verhältnisse hervorge- oben habe, so ist die Tatsache, daß es eine

Räumungsfragc

gibt, nicht ein Zeichen eines Fortschrittes, sondern ein Beweis dafür, welch: ernste Hemmun- mungen noch zu überwinden find. Man durfte im vorigen Herbst annehmen, daß die Entwicklung der internationalen Beziehungen über das Sta­dium derartiger Schwierigkeiten bereits hinaus- gewachken fei. Diese Erwartung wurde zu An­fang diefes Jahres enttäuscht, und das Deutschland angetane Unrecht be­steht noch immer fort Sell mehr als drei­einhalb Monaten warten wir vergeblich auf die substantiierte Begründung für die Richt- räumung, eine Begründung, die uns in den alli­ierten Roten zwar wiederholt angefünMgt, aber bi» heute nicht eingetroffen ist. Man hat von schweren Verfehlungen Deutschlands in der Entwaffnungsfrage gesprochen. Die alliierte Presse hat es sich verschiedentlich angelegen sein lassen, alsbald hierüber die ungeheuerlich­sten Behauptungen in die Welt zu sehen. Allem Anschein nach hat es jedoch monatclang^r Erörterungen bedurft, um die gegen Deutschland zu erhebenden Dorwürfe auch nur zu for­mulieren.

Die Reichsregierung ist nicht müde geworden, in ihren öffentlichen Auslassungen und ihren diplomatischen Vorstellungen immer wieder dar­aus hinzuweisen, datz es schlechterdings unhalldar ist, einem Lande wegen angeblich mangelhafter Vertragserfüllung Repressallen au'zuerlegen und ihm zugleich die Möglichkeit der Rechtfertigung, wie auch die Wögllchkeit einer sachlichen Ausein­andersetzung zu nehmen. Wir müssen bestimmt erwarten, baß die alliierten Regierungen nicht länger zögern, diesem Zustande ein Ende zu machen.

Die Rotwendigteit bfcr schnellen Verwirklichung der Räumung ist keineswegs nur ein deutsches

Sonderintereffc. Die gesamte europäische Politik krankt an der Verzögerung dieser Frage. Die Reichsregierung hat um so mehr .in Recht, dies festzulegen, als auch der Ausbruch des Räumungskonflikts sie nicht davon abge- balten hat, an der Lösung der sonstigen europäi­schen Fragen nach besten Kräften positiv nut* zuarbeiten Diesem Ziel sollten ü Bemühungen der deutschen 'Regierung in der öicherheitSfrage dienen. Deutschland tann in feinem entwaffneten Zustand auch seiner- seit- mit Recht die Forderung nach Sicherheit erheben. Es hat um fo mehr 3n- letefTe Daran, fiep uui dem DerlragSv j zukünftige Angriffe zu schützen, als es. wie bet dieser Gelegenheit wiederholt fei. keinen Krieg führen will, und wie jeder wirkliche Sachverstän­dige weiß, keinen Krieg führen kann. Die deutsche Regierung wollte in der realen Er­kenntnis der Rotwendigkeiten. denen sich kein deutscher Staatsmann verschließen kann, und ande­rerseits unter offener Darlegung ber legitimen Ziele, auf die ebenfalls fein deutscher Staats­mann verzichten kann, mithelfen, um den xiVg HU finden, der im Interesse aller europäischen Völler zur Vcseitigung der immer noch vor­handenen internationalen Spannung führ

Unsere Stellungnahme in dieser Frage so

klar und deutlich, daß In keiner Richtung e n Zweifel an unseren Absichten möglich sein fol.e. es ist selbstverständlich, daß der von der Reichs­regierung eingenommene Standpunkt unverändert besteht.

Im übrigen ist die Sicherheitssrage c.n zu schwie­riges Problem, als daß es ratsam wäre, fie b Hineinzichen anderer Probleme unnötig zu be­lasten, die entweder mit ihr überhaupt in tri. nt Zusammenhang stehen ober doch zweckmaßi i cric gesonderte Behandlung erfahren Auch Me Frage der Räumung der nördlich en Rhein- landzone kann selbstverständlich nicht mit nt Zustandekommen deS Sicherhritspaltcs in imt Sinne verknüpft werden, daß bic Räurnun von

I einem solchen Sicherheitspakt abhängig . r Wenn aber bic Alliierten K.- Bchandlui- ber Sichcrbeiisfrage so beschleunigten, daß fie > - gleich mit ber selbstverständlich nicht zu ver­zögernden Räumungsfrage erledigt werden töimlc, und wenn auf diese Weife die Gefamtvcr- ständigung erleichtert würde, fo nVr: das von Deutschland durchaus zu begrüßen

Sie bisherigen ösfent'ichen A ußerung, ber alliierten Staatsmänner haben inehr'ach ia grundsätzliche Dereitschast zur .3c- schreitung eines gemeinsamen Weges mit Seu sch- land zur Lösung der Sicherheitsfragc erkennen lafscn oder wenigstens keinen grundsätzlich n Widerspruch ausgedrückt So bleibt. to~nn wir auch zur Stunde auf die endgültige Stcllu q- nahme der alliierten Regierungen noch warlen, die Aussicht offen, daß ein positives Ergebnis erzielt wird. Sobald diese beiden dringendsten Probleme geregelt find, schrint mir der Weg offen zu sein, der zum Wiederaufbau Eu­ropas in politischer, wirtschaftlicher und mora­lischer Beziehung führt. Erst dann wird die Er­kenntnis der gemeinsamen Interessen, die die Länder Europas verbinden, zu voller AuSw.r- kung gelangen. Rirgends wird die Beschleunigun., dieser Eittwicklung mehr gewünscht als in Deu sch- land. Die deutschen Staatsmänner, und wie Sie, meine Herren, mir bestätigen werden, auch cle deutschen Wirtschaftler, werden es niemals daran fehlen lassen, ihren Dell zur friedlichen Ver­ständigung und zur folidarischen Zusammenarbeit der Völler beantragen.

Die Berliner Presse zur Reichskanzterrede.

Sämtliche Blätter unterstreichen in chren Kom­mentaren die Ausführungen des Kanzlers über die Kontinuität ber deutschen Außenpoli- t i k.

Der o t a l a n j e i a e r" sagt: Wie man sieht, lasten die nationaliftifdjen Unbefon- n e n h e i te n , die man erst vom Kabinett Luther und sodann von der Wa» r, Hindenburgs zum Reichspräsidenten in Aussicht stellte, nachwievor auf sich warten.

Die3eit" wendet sich gleichfalls gegen die Befürchtungen, daß die durch die deutsche'Inilia- live angebahnte» Bestrebungen durch die j. hs- Präsidentenwahl gestört werden könnten. Diese Be- i'irchtungen würden durch die Rede des Reichskan;- lers klar z e r ft r c u t, die gehalten wurde, nach­dem dos Kabinett in seiner gestrigen Sitzung br schlossen habe, non einer Semiffion obzuiehei ein Beschluß, der wiederum gefaßt wurde, pen nachdem der Reichskanster selbst Gelegenheit halle, m i t b c in Reichspräsidenten eine Aussprache zu füh­ren.

DerBerlin. B ö r s e n c o u r i e r" schreibt: Luther habe seine Rede mit einem starken und klaren Bekenntnis zur Mitarbeit der Reichregie- rung am Wiederaufbau Europas und an der solidarischen Zusammenarbeit aller Bölter ge­schlossen. Wenn das der Widerhall seiner gestrigen Unterredung mit Hindenburg war, wird man das mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen.

DieDossische Zeitung" erklärt, die heu­tige Rede des Reichskanzlers sek um so bedeutsamer, alsunmittelbarnach derWahlHinben- b u r g s ein Vorstoß des radikalen Flügels der Deutschnattonalen gegen die Verhandlungen über