Fliegers Tagebuch.
3c mehr Luftverkehr und Luftsport volkstümlich werden, je mehr die Benützung der Flug- zeuglinien und der Antell des Volkes an slug- spcrtlichen Veranstaltungen steigt, wächst auch der Wunsch trt weiteren Kreisen, Näheres über die z. 3t. geflogenen Luftschiffe und Flugzeuge in Wort und Bild zu erfahren. Diesen Wunsch erfüllt in trefflicher Werse das eben zunr viertenmal herausgekominene „Taschenbuch der Luftflotte n", herausgegeben von 5>r. Ing. Werner v. Langsdorfs (3. F. Lehmanns Verlag in München, Preis in Leinwand gebunden 12 Mk.). Das Taschenbuch bringt die ausführlichen Listen aller wichtigen in den Staaten der Erde verwendeten Typen von Luftschiffen, Motorflugzeugen und motorlosen Flugzeugen. Die Tabellen werden ergänzt durch 793 Lichtbilder, Skizzen und Schattenrisse von Luftschiffen und Flugzeugen. Dieser Teil zeigt natürlich am augenfälligsten den ungeheuren Aufschwung des Flugzeugbaues in den letzten Jahren. Neben den großen Verkehrsflugzeugen, die bis zu 33 Personen befördern, stehen kleine gelenkige Sportflugzeuge von fast unwahrscheinlicher Winzigkeit, dazwischen die zahllosen Kriegsflugzeuge, die alles Gerede von 'Abrüstung, Pazifismus usw. Lügen strafen. Nur Deutschland und seine Verbündeten sind jeder Luftwaffe beraubt. Die den deutschen Flugzeugbau einschnürenden Bedingungen machen sich natürlich überall geltend. Immerhin ist es erstaunlich, was die deutsche Industrie selbst innerhalb dieses Nahmens geleistet hat. Z. 126 ist nur das bekannteste, aber bei weitem nicht das einzige Beispiel dafür. Der 2. Teil des Werkes enthält die (nur in Deutschland nicht vorhandenen) militärischen Luftformationen aller Staaten der Erde, die Thpenbezeichnungen und Hoheitsabzeichen der Kriegsflugzeuge. Dann folgt ein vollständiges Adreßbuch aller Luftfahrtfirmen, Fabriken und Derkchrsunternehmen, das allen denen, die mit solchen Firmen Anknüpfungen suchen, ein außerordentlich wertvolles Werbemittel in die Hand gibt. Der ungeheure Stoff ist auf knappstem Raum in der übersichtlichsten Weise dargestellt. 189
— In der Sammlung „Weyers Reisebücher" erschien soeben der Daiw „M i t t e l i 1 a l i e n" als erster Teil eines auf drei Bände angelegten neuen Italienführers, den Professor Dr. R. vchoener-Rom bearbeitet (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig, Preis 9 Mk.). Das darin behandelte Gebiet erstreckt sich von Florenz und Piso bis Monte Casino. Besonders eingehend ist die Darstellung Roms, der ewigen Stadt, mit ihrem Reichtum an Denkmälern des Altertums, an tirchlichen und weltlichen Bauten des Mittelalters, der Renaissance- und Barockzeit, mit ihren Skulpturensammlungen und Gemäldegalerien, mit den Katakomben, der Campagna, dem AlbanergMrge, Tivoli und Ostia. Die neue Bearbeitung berücksichtigt sorgfältig die unzähligen Veränderungen der letzten 12 Jahre in Text und Plänen und steht völlig auf der Höhe. Für die Romfahrer, die im „Heiligen Jahr" in noch erhöhter Zahl nach der ewigen Stadt pilgern werden, ist der Band unentbehrlich. 193
Der deutsche Wald. Don M. Duesgen. (Dritte Auflage. Mit zahlreichen Abbildungen uüd zwei Tafeln. Leinenband M. 2,80. Quelle A Meyer in Leipzig.) Sv manches Geheimnis, Das der Leser selbst beobachten konnte, so manche Krage, die er auf seinen Wanderungen sich wohl Felbst stellte, wird ihm durch das Buch offenbart und erklärt. Es beginnt mit der Geschichte des deutschen Waldes, beschreibt die Vertreter der Holzpflanzen bis hinunter zu den Llnkräu- tern, bespricht die Benutzung und Verwertung sämtlicher gewonnener Produlle des Waldes und endet in der Besprechung der Ausländer im deutschen Wald, ein neues Kapitel, das an Stelle der deutschen Kclonialwaldungen getreten ist. Wir sehen den Forstmann in seiner Tätigkeit, den Köhler bei der Arbeit, wohnen dem Fällen, Transport und Verarbeiten der Bäume bei, bis uns ein Besuch des Mannheimer Hafens schließlich die Bedeutung des deutschen Holzhandels ahnen läßt. 151
* Dau und Bildung der Erde. Don Geheimrat Prof. Dr. Ioh. Walther-, Mit 217 Profilen, Karten, Federzeichnungen und 23 Tafeln. (In Leinenband 10 Mk. Quelle & Meyer in Leipzig.) Das vorliegende Werk verwertet in knapper, leichtverständlicher Form und unter Der-
Tarzan.
Ein Schlutzkapitel.
Den ersten Tarzan-Band haben 110 000 Menschen gekauft, den zweiten 90 000, den dritten 80 000. Wir sind bis zum achten Bande gediehen — doch bedarf der siebente, der bisher nicht in deutscher Sprache erschien, eines Kommentars. Er heißt «Tarzan the untamed" und spielt während der Derteidigung Deutsch- Ostafrikas durch die Lettow-Dorbeck-Truppen.
Tarzan und sein Weib Jane haben zu Beginn des Weltkrieges eine Farm in Dritisch- Ostafrika. Eine Abteilung Lettow-Dorbecks unter Hauptmann „ Fritz Schneider", einem Ausbund von Rohheit und Feigheit, kommt auf die Farm und wird von Jane, die noch nichts vom Kriegsausbruch weiß, gastlich ausgenommen. D i e Deutschen kreuzigen zum Dank ihren treuesten Neger, töten Jane, verstümmeln und r ö st e n ihren Körper, räubern und v e r- w ü st e n den Besitz, kurz, begehen eine Kette von Scheußlichteiten, die die im Buche wiederholt auf die Deutschei- angewandten Schimpfnamen „Boche" und „Hunne" vollauf rechtfertigen. Zwar stellt sich im Laufe Der Entwickelung heraus, daß Jane von den „deutschen Schweinen" lebend entführt und an ihrer Stelle eine Negerin geschlachtet, unkenntlich gemacht, geröstet und zur Irreführung mit den Ringen Janes versehen wurde, aber^arzan wird trotzdem von einem Haß ergriffen, „einem heiligen Haß. der ihn adelt, tote er feib dem unzählige Tausende geadelt hat, der Haß gegen Deutschland und die Deutschen". , .
Stephan So re l bat sich in einer bei Karl Stephenson-Berlin erschienenen Broschüre „Tarzan der Deutschenfresser" mit diesem Machwerk befaßt, über das nun endlich, hoffentlich dem deutschen Leser die Augen aufgehen werden, so daß das Kapitel „Tarzan" ein für allemal geschlossen bleibt.
Für den Büchertisch.
merdung aller entbehrlichen Fremdwörter die Ergebnisse eigener und fremder Forschung. Geheimrat Walther behandelt zunächst die interessantesten und wichtigsten Fragen der allgemeinen Geologie. Es folgt die historische Geologie, die hervorragende neue Ergebnisse der Wissenschaft enthalten. Bedeutungsvoll sind schließlich die weiteren Abschnitte über den geologischen ^Interricht; unentbehrlich für jeden Lehrer der Geologie, der einen Ueberbliif über die neuesten unterrichtlichen Methoden gewinnen will. Kleine Kärtchen lassen die Derbreitung der geologischen Formationen rder einzelnen Gesteine leicht überschauen, zahlreiche Tafeln erleichtern das Bestimmen der wichtigsten deutschen Fossilien, und überall wird auf die Bedürfnisse des wirtschaftlichen Lebens Rücksicht genommen. Eine Reihe von Abschnitten bi-ingen praktische Ratschläge für Beobachtungen in der Natur, die Benutzung der Fachliteratur und der verschiedensten Formen des Unterrichts in der geologischen Heimatlehre. So findet hier auch der Besitzer eines Steinbruches oder einer Ton- und Sandgrube, der Landwirt, Forstwirt, Bergmann. Techniker oder Verwaltungsbeomte überall Anregung für seinen Beruf, und die hohe Bedeutung der Geologie für den Wiederaufbau unseres Vaterlandes wird nach allen Seiten gewürdigt. 161
Recht und Wirtschaft.
Das Eigentum Arrsgewählle Lesestücke zum Studium der politischen Oekonomie, herausgegeben und eingeleitet von Karl Diehl und Paul Mombert, Band 17. (Karlsruhe, Verlag G. Braun G. m. b. H. Seinen geb. Mk. 3 - ) Im Mittelpunkt der großen Gegensätze von Kapitalismus und Sozialismus steht das Problem des Eigentums. Auf der einen Seite ist die -grobe Zahl derjenigen, welche an dem unbeschränkten Privateigentum festhalten wollen, und ihnen gegenüber diejenigen, welche 'gerade in dem Privateigentum die älrsachen von Klassengegensatz und sozialer Not erblicken und dem- gemäh das heutige Eigentum ganz, oder wenigstens dasjenige an den Produktionsmitteln, dem Besitz der Gesamtheit überantworten wollen. In der Darstellung und scharfen Herausarbeitung dieser Gegensätze in den Anschauungen liegt der Wert des vorliegenden Buches. Wir lernen hier zunächst, in sorgfältig ausgewählten Stellen aus Thomas von Aquin, Hugo Grotius, Locke, Fichte und Dentham, die sogenannten abstrakten Eigentumstheorien kennen, die aus einem obersten Prinzip heraus dasselbe erklären und rechtfertigen wollen. Sodann kommen mit Abschnitten aus Schriften von Ihering, Schmoller und Gumplowiz Vertreter der Richtung zu Worte, die zwar das Privateigentum erhalten, aber dasselbe mehr oder weniger einschränken wollen. Ihnen folgen dann Auszüge aus den Arbeiten von John Stuart Mill, Karner und Kropotkin, als Gegner des unbeschränkten Privateigentums. Ein kurzer Abschnitt aus Wundts Völkerpsychologie soll ein Bild von dem neuesten Stand der Forschung bei der geschichtlichen Entwicklung des Eigentums geben. 1369
— Wilhelm Groh, Deutsch es Arbeitsrecht. (Breslau 1924.) Das kleine Büchlein des a. o. Professors unserer Lcmdesuniversi- tät. das taut Einleitung als eine erste Einführung in die Wissenschaft vom Arbeitsrecht gedacht ist, erfüllt diesen Zweck durchaus. Alles Wiffenswerte wird gestreift, die zahlreichen großen Probleme des Arbeitsrechts werden gezeigt und, soweit das der enge Rahmen gestattet, behandelt. Eine reiche Angabe von Quellen und Literatur ermöglicht es dem Leser, aus der Fülle des Gebotenen einzelnes herauszugreifen und weiter zu verfolgen. Jedem jungen Studenten sowie jedem, der sich in die Fragen des Arbeitsrechts einarbeiten will, kann dieses Büchlein nur bestens empfohlen werden.
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Politik und Geschichte.
— Im Weltkrieg der andern. Politischer Roman von E. Donnert. Mit einen Tiebersichtskarte. (Verlag von I. Neumann in Neudamm. Preis 2,50 Mk.) Tlnablässig und zähe verfolgen die Kolonialdeutschen ihr hohes Ziel: Die Deutschen zu lehren, in Völkern und Kontinenten und nicht in Parteien zu denken, die Zusammenhänge zu durchschauen. Donnert verbrachte seine Kindheit in Afrika, wo er so manchen Sturm erlebte, studierte im Vaterland, ging wieder hinaus als Beamter, wurde auf der Deutschlandreise vom Kriege in Ostafrika überrascht, meldete sich vom Dampfer aus bei Lettvw-
Dorbeck, kämpfte nach anfäugllcher Verwendung ün Verwaltungsdienst unter ihm. bis er Ende 1917 in Kriegsgefangenschaft geriet, und legte die Früchte seines Denkens und Sinnens nunmehr in diesem Buche nieder. Er behandelt in der Form eines Zukunftsromans brennende Gegen- wartsftagen und zeigt uns, welch ungeheuren Machtfaktor Frankreich sich in seinem afrikanischen Kolonialreiche geschaffen hat: aeigt uns die Hand, die unbarmherzig und von wildestem Machtwillen geleitet, um Englands Kehle krampft. — Spannend wie „Seestern' ist der „Weltkrieg der Andern" geschrieben! 121
— Die Ursachen des Weltkrieges. Von Geheimrat Professor Dr. E. Brandenburg. (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.) Brandenburg betont nachdrücklich, daß weder die politischen und wirtschaftlichen Gegensätze an sich, noch die Verschiedenheit der staatlichen Einrichtungen und Anschauungen zwischen den westeuropäischen und mitteleuropäischen Ländern unbedingt zu einem großen kriegerischen Zusammenstoß hätten führen müssen. Vielmehr kam es nur deshalb zum Kriege, weil es Parteien und Persönlichkeiten gab, die eine friedliche Losung der vorhandenen Streitfragen gar nicht wollten, sondern bewußt auf einen Krieg binar beiteten. Solche Gruppen gab es zwar in allen beteiligten Ländern ; aber nur in Frankreich und Rußland besaßen sie einen wirüichen Einfluß auf die Regierung; daher fällt den Kreisen, die sich um Poincare und Iswolski scharten, die eigentliche Schuld an der Entfesselung des Weltkrieges zu.
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ErichHeYck, Die Monarchi'c Wilhelms II., eine reichlich tendenziöse Zusamtnen- stellung kritischer Bemerkungen aus den zahlreichen Memoirenwerken der letzten Jahre, ohne neue Gesichtspunkte (Tlllstein-Derlin). 1470
— Erich Marcks. Geschichte und Gegenwart. Fünf historisch-politische Reden: England und Frankreich während der letzten Jahrhunderte. — Napoleon und Alexander I. — Tiefpunkte des deutschen Schicksals in den letzten Jahrhunderten. — Preußen als Gebilde der auswärtigen Politik. — Psingstpredigt. In Ganzleinen gebunden 4.50 Mk. (Deutsche Verlags- Anstalt, Stuttgart.) Durch das Schicksal des Krieges sind wir Deutschen von drückender Enge umgeben und abgeschlossen von dem weiten cvck^rrchlah bei" großen Politik der Mächte. Die historisch-politischen Reden, die der berühmte Historiker hier in einem Sammelbande vereinigt, richten, die stets wiederkehrenden Themata der europäischen Politik umkreisend, den Blick in jene verlorenen Weiten und suchen, indem sie Vergangenes zu Gegenwärtigem in Beziehung setzen und Gegenwärtiges an Vergangenem messen, das politische Erleben unserer Tage zu verinnerlichen und zu klaren.
Eine in ihrer Gedrängtheit und Deschrän- lung auf das Wesentliche sehr brauchbare Nordische Geschichte hat Ioh. Paul für die Jedermanns Bücherei des Breslauer Verlages Ferd. Hirt geschrieben. Das Buch ist wohl geeignet, die im allgemeinen in Deutschland nur sehr mangelhafte Kenntnis des Werdens unserer nordgermanischen Volksverwandten jenseits der Ostsee zu vertiefen und zu bereichern. Eine Reihe wertvoller Bildbeilagen unterstützen den Zw«k des Buches. 83
Erziehung.
— Führer durch das private lln» terrichts- und Erziehungswesen I Deutschlands. Offizielles Handbuch des > Reichsverbandes deutscher, freier- (privater) Un= terrichts- und Erziehungs-Anstalten, E. V. (Verlag Ullstein, Berlin SW 68. Preis Mk. 1.80.) Das Buch enthüll die Adressen von nahezu 2500 Privatschulen aller Gattungen, von der Vorschule bis zum Gymnasium, von der katholischen Ordensschule bis zum evangelischen Diakonissenhaus, von der technischen Lehranstall bis zum Kindergärtnerinnen-Semtnar. Sine bedeutende Anzahl von Artikeln, zumeist aus Federn von Schulmännern geben ausführliche Erläuterungen über die Ziele, welche die einzelnen Gattungen von Schulen verfolgen, die Bildungs- möglichkellen und die Berechtigungen, die sie vermitteln. Für alle Erzieher bildet das Buch einen nahezu unentbehrlichen Ratgeber. 1596 — E. G. Kolbenheyer, Die Bauhütte. Elemente einer Metaphysik der Gegenwart. (Ganzleinen 10 Mk., Albert Langen in München.) Elemente einer Metaphysik der Gegenwart zu geben und damit einen Wegweiser durch
— Tiers eele und Men schen se e le. Don Wilhelm Bölsche. Mit 7 Abbildungen im Text. Preis geh. 1,20 Gm, geb. 2 Gm. Frcrnckh- sche Derlagshandlung, Stuttgart. Eingehend behandelt Bölsche in seinem neuesten Werke das Gesamtgebiet der Tierseelenkunde, er geht wieder an die alte Streitfrage, ob die Tiere tatsächlich Denkkraft besitzen oder nur instinktiv dahinleben. Zu diesem Zwecke schildert er die Versuche von Prof. Köhler auf der Teneriffastation an neun Schimpansen während des Krieges und gelangt dabei zu ganz überraschenden Ergebnisse». 128
— Klabund: „Der K reidekreis" Der Text zu diesem auch in Gießen mehrfach mit großem Beifall aufgeführten Werk, das wir literarisch bereits in Ar. 40 des „Gieß. Anz." eingehend würdigten, ist bei I. S p ae t H-Derlin C 2 in einer sehr geschmackvollen Ausstattung erschienen, die das Buch zur Zierde jeder Bibliothek macht.
— Joseph Papesch, „Das Fegefeuer des deutschen Theaters", Karl Rauch, Verlag zu Dessau. (197) Von wenig Sach-, aber vieler Fachkenntnis getrübt, glaubt der Verfasser eine Läuterung des deutschen Theaters herbeiführen zu können. Hätte er von den ein» tausendsünfhundert Theaterstücken, die er gelesen (I) hat, nur den hundertsten Teil in sich ausgenommen, etwa einen Lope de Vega, einen Moliöre (oder zwei), einige Shakespeares und einiges von Kleist, Grabbe unb Bückmer, hätte er sich ein paar gute Aufführungen der Russen und einige Kaisers angesehen (auch noch manche andere moderne Sucher und Stürmer, die ein getreues Abbild des Ringens um eine neue Form und des Gährens im neuen Wein dar stellen), dann würde er erkannt haben, daß die Grundgesetze des Theaters bei allen Stämmen und Völkern die gleichen sind und daß gerade in dem — gewiß oft auf Abwegen befindlichen — Suchen unserer modernen und modernsten Dramatik echt Deutsches liegt. (Wenngleich ich nicht an ein
deutsches, sondern an das größere germanische Theater glaube, im Gegensatz zu dem romanischen hier gedacht.) Möge Papesch seine Broschüre auf einem Schellerhaufen sammeln und in seinem eigenen „ Fegefeuer" die Läuterung finden, deren er bedarf, die unser deutsches Theater — vielleicht — schon zu erreichen im Begriff ist! e—s.
— Erich AippoId, Das deutsche Theater von seinen Anfängen bis zur Gegenwart. (Perthes' Dildungsbücherei.) Preis 1,50 Mk. Reue, oft recht kühne Wege zeigen sich in der Theaterwelt von heute. Sie führen zu Versuchen, die dem Laien weniger verständlicher sind und der Erllärung bedürfen. Diese bietet die Heine Schrift von Nipp old, der, ausgehend von dem Gesichtspunkt, daß zum wirklichen Verstehen des Gegenwärt gen eine Beschäftigung mit der Vergangenheit unerläßlich ist, die Entwicklung unseres Theaters vom mit» telallerlichen Spiel zur nwdernen Drehbühne schll- dert, und zwar an der Hand sehr charalleristi- scher Abb loungen. 1517
— Walter von Molo „Lebensball a d e“. Ein Schauspiel. (Albert Langen. München.) Ein problematisches Werk. Will ins Allgemein-Menschliche greifen und fällt ins Triviale. In zwölf Szenen klingt das „Ich klage an“ eines, der Führer sein will, immer schwächer. Den Abgang sichert sich der Dichter mit einer Verbeugung vor Wedekind. Er selbst schweigt. Hätte er ganz geschwiegen! 125
— „Die schöne Literatur", die von Will Vesper herausgegebene krittsche Monatsschrift, widmete ihr Märzheft Carl Spitteler und Benno Rüttenauer. Der Genfer llniversitäts- professor Gottfried Dohnenblust gibt eine zusammenfassende Darstellung des Lebens und des Werkes Splltelers. Dr Wllh. Frels rundet mit einer um fassen den Bibliographie das literarische Gesamtbild Splltelers ab. Den originellsten Bei» trag bietet daS Spitteler-Heft aber mit dem an
die drangvollen Wirrsale der Gegenwart, frtil ist die Absicht der „Bauhütte". — Eine DenL- einstellung wird gefunden, die das peffimistische Extrem entkräftet und eine inhaltslogische Klärung der Hemmnisse bietet, die aus der Denk- artung des theoretischen Idealismus und seines Folgezustandes, des praktischen Individualismus, erwachsen mußten, lieber dem kritisch gefestigte» Fundameille wird die Ordnungsfunllion selbsy das menschliche Bewußtsein, auf den biologischen und uietaphysischen Charaller hin durchleuchtet. Dabei eröffnet sich ehre neue OrdnungsVorstellung des Plasmatischen Lebens überhaupt, die dazu dienen wird, das Wesen des AnpassungSsturmes zu erhellen, der die Gegenwart der weißen Menschheit durchtobt. Das Individuum und das Menscheillum erhält eine neue Deutung, Ne es unternehmen kann, den rationalisttschen Egoismus, der unsere Zeit betört, unschädlich zu machen. Das Einzelwesen, das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Ehe, Familie, Volk wertzen in ihrer metaphysischen Funktion erfaßt und einer labilen, sophistischen, ja psychopathischen Einordnung überhoben, unter der sie in den letzten Jahrzehnten! allem logischen Wirrsale preisgegeben waren Ethisches Fundament, biologisch gefeftigt, wird gewonnen. Sinn und Zweck des Einzellebens erhält weltanschauliche Deutung und der Tod, metaphysisch erfaßt, verliert seine geheimsten Schrecken.
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geitschriflenschau.
— Europäische Gespräche. Hamburger Monatshefte für Auswärtige Politik, herausgegeben von 21. Mendelssohn Bartholdy. (Deutsche Verlags- Anstalt, Stuttgart, Berlin und Leipzig.) Heft 3. März 1925. Das Heft bringt unter seinen Do kumcnten den Text des russisch-japanischen Vertrages. Die Uebersetzung kann insofern als durchaus zuverlässig gelten, als sie eine japanische Voroeröffenllichung an dem offiziellen russischen Text kontrolliert. Graf Montegelas schließt seine vielbeachtete Artikelserie über die Sicherheit Frankreichs ab, indem er die gemachten verschiedenen Vorschläge bis zu dem jüngsten deutschen bespricht. Alfred Dagt, „Hughes letzter Erfolg", interpretiert offenbar auf Grund besonderer Information die Politik Amerikas auf der Pariser Finanzkonferenz als eine Politik des Rechts. Der Dokumententeil bringt neben dem erwähnten Vertrag einen für Deutschland gerade jetzt sehr interessanten Notenwechsel zwischen der ungarischen Regierung und dem Völkerbundsrat über die Frage der Militärkontrolle, ferner eine sehr charakteristische Oppositions rede des amerikanischen Senators Johnson und die Programmrede des japanischen Außenministers.
— Die „Zeitschrist für Musik" (Stein- gräber-Derlag, Leipzig) widmet ihr Märzheft zu einem Teil Ioh. Seb. Bach. Der Hauptartitel ist einer ilnterfud>ung des berühmten ßiebeS „Willst Du Dein Herz mir schenken" gewidmet. Das Lied wird nicht nur in einer neuen sinngemäßen Bearbeitung geboten, sondern erfährt auch eine Faksimlle-Wi^ergabe mich der Dieder- schrist im Notenbuch der Anna Magdalena D. In einem Artikel D-A-C--H untersucht Dr. Paul Mies die Frage, was die Komponisten immer wieder betrogen hat, zur Bearbeitung dieses Themas zu greifen. Dann wird in einem eindringlichen Artikel für „Die Laute und ihre Bedeutung für eine nationale Musikpflege" von dem bekannten Lautenspezialisten Paul Kurze eine Lanze gebrochen u. a. mit der 'Forderung, daß es den Schülern der deutschen Oberschulen frei« gestellt sein mühte, ob sie als Unterrichtsfach Klavier- oder Lautemmterricht nehmen wollen.
— Euphorion, Zeitschrift für Literaturge schichte. Herausgegeben von Josef Nadler und August Sauer. Leipzig und Wien. Carl Fromme, G. m. b. H. Heft 1, Bd. 26 wird eröffnet durch den Versuch einer Stoffgeschichte von Sauer, Frankfurt a. M. Blume, Freiburg i. Br. weist die Gestalt des Wagner in den ältesten Faustbüchern als eine historische Persönlichkeit nach. Egon Hajek in Kronstadt (Siebenbürgen) entdeckt einen verschollenen fronen feindlichen Dichter des 17. Jahrhunderts: Johann Gorgias (Deriphantor). Platins Schönheitsbegriff wird von Franz Koch in Wien in Goethe- Kunftschaften nachgewiesen. Die Dichtung des re do lutionären Kreises der „Unbedingten" in der Zeil des Vormärz wird von Gottfried Fittbogen in Berlin ausführlich analysiert.
— „Das Bunte Blatt", herausgegeber von Wilhelm Stephan im Verlag Das Bunt« Blatt, Stuttgart, erscheint jeden Dienstag und bringt aus allen Gebieten des Lebens Bilder vom Tage.
Eugen Diederichs, feinen Verleger, gerichteten Drref Splltelers vom 30. Mai 1924, der hier zum ersten Male, und zwar als Faksimlle wieder- gegeben, die rührende Besorgnis des betagten Dichters um sein Werk ausdrückt.
„ ~ Heines Werke. Herausgegeben von Ernst Elster. Zwecke, kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe. Kleine Ausgabe, 4 Uänbe in Leinen gebunden 16 Mk. oder in Halbleder gebunden mit Goldoberschnllt 28 Mk. l?lus der Sammlung „Meyers Klassiker-Aus gaben“.) Verlag des Bibliographischen Instituts m Leipzig. Als Emst Elster, der Mar- burger Literarhistoriker' und Heineforscher, vor ungefähr einem Menschen aller daran ging, von fernes Werken eine allen Anforderungen moderner Textkritik standhaltende Ausgabe zu schaf- 'LN' tegte er den Grund zu einem Gebäude, das an Bedeutung und Ausdehnung weit über die damals gehegten Erwartungen hinauswachsen follte. Wenn heute, nach jahrzehntelanger Dor- bercitung derselbe Forscher mit einer neuen Ausgabe von Heines Werken an die Oefsentlichkeit tritt, so darf man mit Recht Besonderes von ihr erwarten. Hebernd strebt diese neue Ausgabe toeit über das Ziel der ersten hinaus, sucht in moppen Einleitungen und in einem umfangreichen Kommentar die großen geistigen Zusammenhänge darzulegen, die Heine mit feiner und vor altem unterer Zeck verbinden, und verbindet so die Vorzüge der alten Ausgabe mit dem heute unabweisbaren Streben, den Leser über die Kenntnis aller wichtigen Einzelheiten hinaus zur synthetischen Durchdringung der im europäischen G:- Heben einzig dastehenden menschlichen unk kun 'chen Erscheinung Heines, dieses Dichters der ...;bee“. hrnzulellen. Wichtiges Material aus dem bisher unveröffentlichten Nachlaß Heines wlld hier zum erstenmal vor uns ausgebreitet darunter bisher unbefannte Gedichte und ati besonders wertvolle Kunstbeilage ehre Wiedergabe der neuentdeckten Totenmaske Heines. 14?


