Hr. 75 Drittes Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffenf Montag, 50. März 1925
Hauptversammlung der hessischen Evangelischen Deka ats-Erziehungsvereine.
Boe einigen Tagen fanb bn Dahnhofsmis- sionsheim zu Frantfurr die diesjährige Haupt- verfarnmlung der hef fischen evangelischen Dekanat-erziehungSvereine unter Leitung des Derbandsvorsitzenben. Dekan Röschen- Freienseen, statt. Der Dorsitzende be- -rühte die Erschienenen und dankte besonder- 6en Vertretern der staatlichen und städtischen De- bÖLbeu für ihr so überaus zahlreiches Erscheinen. Tatsächlich war bisher auch taum eine Haupt Versammlung von dieser Seite so zahlreich besucht als die gestrige, so daß man ruhig sagen konnte, bah die ErziehungSvereinSarbeit fast von allen maßgebenden stellen mit Interesse verfolgt wird. Dann gedachte der Dorsitzende des ZlblebenS von Deyermrat Superintendent D. (Suter, durch dessen Lod die Sache einen treuen Freund und kraftvollen Förderer der De reinsinteressen verloren hat. In üblicher Weise wurde das An- denken deS Heimgegangenen geehrt. 3n seiner Begrüßung deS neuen DertveterS der Kirchen- behölde. <3upmntenbent Wagner von Gissten, gab Dekan Röschen ferner freudigen Gewißheit Ausdruck, dast dieser als früherer Vorsitzender des hessischen LandeSveveiNS für 3rmeTc Mission den Erziebungsverernen ein treuer Freund und Beratet sein werde. 3n seinem Danke gab Herr Superintendent Wagner gern diele Zusiche nxng. Für die eingeladen en Kreisämter sprach der bewährte Freund und Mitbegründer der Evangelischen DekanatSerziehungSvererne. Kreis- divektvr Wolff aus Wornrs. Dank und Anerkennung für die Tätigkeit der Vereine auS.
AuS dem von Dekan Röschen vvrgetrage- nen Jahresberichte konnte man erfreu, dast die GrziehungSvereine die Gefahren, die ihr in der Dachkriegszett gedroht hatten, überwunden haben, und dast sie in einem erfreulichen Aufschwung begriffen find. Fast 900 Zöglinge stehen in Hessen in der Obhut der Dereine. eine Zahl, die für sich selber redet. Don diesen 900 Menschenkindern, die alle in schwerer sittlicher Gefahr standen, wird ein guter Teil zu brauchbaren Menschen heran- wachsen. DaS ist der Segen, der von den Erziehungsvereinen für unfci ganzes Volk ausgeht. DaS ist aber auch der Grund, warum wir i>as 3ntereffc für diese Arbeit fordern Der glühte Erziehungsverein ist im Dekanat Grün berg. Er betreut ca. 150 Zöglinge Die Zahlen fallen dann biS zu den kleinen Vereinen, die nur wenige Pfleglings zählen Weiter konnte fcfl gefaßt werden, dast weitaus die meisten Behörden volles Verständnis für die DereiirSarbeit 'Cigey. und dast nur wenige städtische Wohl. fahrtSämter beim XInterbringen ihrer Pfleglinge cm Verfahren etnschlagen. das lediglich auf eine Schädigung deS ganzen Pfleglingswesens hinaus- lausen muh Hier fei aber ausdrücklich bemerkt, (•ah baA Wohlfahrtsamt der Stadt Giehen zu diesen Behörden nicht gehört, sondern im Gegenteil, dast feiner Geschäftsführung alle An- erfenmmg gebührt. (Als Vertreter des städtischen Wohlfahrtsamtes Diesten nahmen Beigeordneter Dr Frey und Stadtamtmann Keiher an den Verhandlungen teil.) Besonders wichtig war die Feststellung, dast die ErziehungSvereinSarbeit grundsätzlich an unseren hessischen Kindern getan werden soll, und dast die Aufnahme nicht- r.effifcher Kinder in die Deretnspflege nicht statt- '.iden soll, solange für hessische Pfleglinge Feine Plätze gefunden werben. Es must als s<chr bedauerlich erklärt werden wenn Grziehungsvereins- feiter auS irgendwelchen Motiven diesen Grundsatz, der für die Erziehung-Vereine innerhalb der hessischen evangelischen Kirche selbstverständlich ist, Kinder bevorzugen. Selbst wenn ihnen eine solche nicht beachten und die Aufnahme austerhessischer Durchbrechung des richtigen Grundsatzes günstig erscheint, wird dadurch die gute Sache geschädigt.
Den ersten Dortrag hielt die Mmisterlal- icferentin für Wohlfahrtspflege, Frau Regierung-ßm Keller» Darmstadt Sie behandelte die Frage der Zusammenarbert von Kreissür- • orgerin und Erziehung-verein. Diele Zusanunen- arbeit ist nötig schon im Hinblick darauf, dast beide - die staatliche wie die freie (kirchliche) Wohlfahrtspflege an derselben Aot arbeiten
Feuer am Nordpol.
Technisch politischer Roman aus der Gegenwart.
Don Karl-August von Lassert.
5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sanders wurde aufmerksam.
,Hch habe nichts über derartige bedeutungsvolle Flüge gehört."
..Das ist kein Wunder. Sir mußten streng gr heimbleiben, um den Franzosen jede Möglichkeit mm Einschreiten zu nehmen.
„Berichten Sic weiter", bat Sanders.
..Mit einem dieser Flugzeuge begeben wir uns nach Spitzbergen unter dem Vorwande, den Pol erreichen zu wollen Wir werden dann sicherlich die pekuniäre Ilnterstiitzung deutscher und neutraler wissenschaftlicher Gesellschaften erhalten.
Von Spitzbergen fliegen wir genau in nord- sicher Richtung weiter über den Pol. woraus wir halb in das unbekannte Land gelangen. Unser Ak- hnnrabius gestattet uns, einige Kreuz- und Querfahrten zu machen, bei denen eie Ihre Wünschelrute spie!en lassen. Wichtige Entdeckungen muiien mir irgendwie nm Boden markieren, um sic später wiederzu finden.
Sind Ihre Untersuchungen von Erfolg gekrönt, woran ich nicht .zweifle dann fef ren wir das nächste Mal mit einer kleinen Luftschiff flotte .zu- 1 uef, die uns die notigen Materialien heranschaffi, "m mit der Ausnutzung der reichen Bodentchätze beginnen zu können. Finden mir nichts von Bc- Deutung, so haben wir eine interessante Reise gehabt, -bic wenigstens unsere Namen befanntmadjen wird."
-Sie sind ein Phantast", lachte Sander.. Aber ein interessanter."
„Alle großen Pfadfinder wurden zunächst Phantasten genannt."
"Zugegeben. Nehmen wir nun einmal an, untere Erkundungsreife sei von Erfolg gekrönt. Wie denken Sie sich die Beschaffung der ungeheuren Geldmittel für die wettere Durchführung Ihres Planes, wie die Verwertung der dort gefundenen Bodenschätze?"
„Nur der zweite Punkt ist von Wichtigkett", tagte der junge Ingenieur. „Sobald ich eine ein-
Sür das <Uifammentoirtcn sind leine festen Regeln aufzustellen, sondern eL ift c.ne stetige Der- ständigung durch Aussprache und Austausch der Erfahrungen zu erstreben Der Vortrag fand allgemeine Zustimmung. 3n der Aussprache wurde von mehreren Seiten betont, dast bic gemachten Erfahrungen in dieser Zusammsnaioest sehr bc^ friedigend sind und eint schöne Harmonie für dieses von gegenseitiger Anerbumung getragene Zusammenw.rlen weiterhin erhoffen lasten.
Den zweiten Vortrag hielt Pfarrer Aau- mann von Schwickartshausen über einen vom evangelischen Wohlfahrtsd enst des Kre.Ies Büdingen gestellten Antrag, d.e DelMatserziehungs- vereine in Kreioerziehungsoereine umzuwandcln. 3n seinem Aeferat suchte der Antragsteller die vermeintlichen Vorteile dieser Hmocganifation zu beweisen. Das Korreferat hatte Regierungs- asfesfor tochmidt vom Kreisamt Gießen übernommen. Mit warmherzigen Worten zollte er der Arbeit der evangelischen Defanatserz.chungs» vereine dankbare Quwrlcnming. ®r zeigte, wie gerade diese Arbeit, die rein von Person an Personen geschehe, kaum in den gröberen Kreis- grenzen. wohl aber innerhalb des kleineren Dela- natsbezirks getan werd?n lärmte. Er warnte vor Experimenten, deren Erfolge nicht vorauszusehen feien, und erklärte sich dafür, daß inan um folchen Wagniffes toükn nicht die erprobte Arbeitsmöglichleit auf geben solle. Sein Nachweis ging sogar dahin, daß eher mit Mißerfolgen zu rechnen fei, während die von den Antragstellern verheißene Aroeitserleichterung aueblcibc. Der Korreferent fand allgemeinen Beifall, als er die Ablehnung des Antrags für richtig hielt und mitteilte, daß alle 3ugendämtcr, die er befragt habe, feine Ansicht teilten. Die Debatteredner vertraten denselben Standpunkt.
Eine interne Besprechung der Erziehungsvereinsleiter beschäftigte sich mit lausenden Fragen und Wünschen und verlief in harmonischer Weife. Man darf hoffen und wünschen, daß auch die diesjährige Hauptversammlung der hessischen evangelischen Delanatserziehungsvoreine ein Antrieb werden wird zu tatkräftiger Arbeit am Wiederaufbau unseres Volkes, dem der Segeii. der auf jeder ehrlichen Arbeit ruht, nicht fehlen wird. j
Schöffengericht Gießen.
Gießen, 25. März. 2er Hilfsarbeiter K. D. G. von Rieder-Wöllstadt hat Mitte Dezember in der Gemarkung Nieder-Florftadl versucht, ein Mädchen zu vergewaltigen. Nach dem gerichtsärzttichen Gutachten ist er zurechnungsfähig, wenn auch seiner psychopathischen .'öcranlagung wegen nur vermindert. Er erhielt fünf Monate Gefängnis.
Der Zigeuner Ehr. K. hat Mitte Februar in der Gemarkung Leihgestern mit Gewalt an einem elfjährigen Kind unzüchtige Handlungen vorgenom- men. Strafe: Neun Monate Gefängnis
Der Dienstknecht I. R. und dessen Halb- schwester, die Taglöhnerin E. B., beide in Marienborn, erhielten wegen Blutschande und Abtrei- bungsoersuchs ein Jahr zwei Monate und ein Jahr vier Monate Gefängnis.
Die drei Derhandlungen fanden hinter oer- schlosjenen Türen statt. Sämtliche Angeklagten verzichteten auf Rechtsmittel.
Der Schlaffer W. E. von Gießen ist im Januar 1923 zusammen mit einem deshalb bereits bestraften Mittäter in das Haus einer hiesigen Burschenschaft eingebrochen und hat Leder gestohlen. Da er krank war, konnte die Verhandlung gegen ihn erst heute [tattfinben. Strafe: Bier Monate (9 e fang nie.
Amtsgericht Gießen.
Gießen, 26. März. Zwei junge Burschen von hier lasen in der Nähe des Güterbahnhofes Kohlen, als ihnen mitgeteill wurde, in einer Bretterbude auf dem Diehmarkt ständen zwo, Säcke voll Briketts. Dte beiden gingen sofort hin, um bic Briketts zu stehlen und bann zu verkaufen, allein die Türe der Bude war verschlossen. Darauf bogen sic diese mit Gewalt zurück so daß das Schloß nahezu abgerissen wurde. Sie wollen alsdann den dazu gehörigen Schlüssel auf dem Boden gefunden und damtt die Türe aufgeschloffen haben. Nach der
wandfreie Lösung für die nutzbringende Ber wer - lung her dort gefundenen Oele, Kohlen oder Mi- ncralien besitze, wird sich das Kapital von selbst fanben."
„lind emc solche Losung wissen Sie'" „Ich glaube, sie gefunden zu haben." ..Können Sie sie mir mitteilen?"
..In großen Zügen, ja. Zunächst das einfachste: Wir fänden Gold in großen Mengen, wozu ich berechtigte Dernuitungcn habe, ift dessen Transport selbst im Flugzeuge lohnend. Sollte es sich aber nur um reiche Del- oder Kohlengebiete handeln, deren Abbau an Ort und Stelle mit keinen allzu großen Kosten verbunden ist, dann müßten wir eine gewaltige ftraftftation erridjten^bie einen großen Teil der Erde mit elektrischem totrom beliefern könnte."
„Und das Baumaterial für die enormen (Schäube9 Und die Maschinen Wir wollen Sic beides dort' in bringen?"
..Sic _erfan Maschinen muffen wir natürlich auch in Flugzeugen transportieren. Finden wir aber Eisenerze in genügenden Mengen, bann »erben wir uns bie wetteren Maschinen telber Verfallen. Unb geeignetes Baumaterial ist aus- reichend an Ort und Stelle: das mächtige, viele Hunden Meter dicke, kristallinische Gis. Unter der (Erbe ober vielmehr unter dem Eise lafien sich alle nötigen Baulichkeiten mit Leichtigkeit ausführen."
Gut. Nehmen wir an, daß alle diele etwas gewagten Boraussetzungen zutreffen und daß es Ihnen tatsächlich gelingen sollte, eine riesige Kraft - ftation zu errichten. Sie können doch nicht über bas Eismeer hinweg eine viele hunbert, ,a tau send Kilometer lange Starkstromleitung legen? -selbst wenn wir ooraussetzen, daß der Nördliche Ozean den größten TeU des Jahres zugefroren ist, so wird er doch zeitweise offen sein. Aber auch im gefrorenen Zustande findet eine ständige Trift des Eises statt. Am bekanntesten sind ja die langen Triftfahrten der .Jeanette" in den achtziger Jahren und bie der „gram" in den neunziger Jahren, die beide rings vom Eise eingeschlonenen echtste über eine Strecke von mehreren tausend Kilometer führten."
„Wir werden unsere Starkstromleitung nicht über, sondern unter dem Eise führen", rief bei junge Ingenieur überzeugungsvoll. „Äis zur Süd-
'Jlngabc eines städtischen Beamten, der bald bar nach an den Tatort tarn, ist dies jedoch nicht rich tip- Er fand nämlich bie Türe offen stehen unb das schloß derartig verbogen, daß ein Verschließen völlig unmöglich war Das Gericht war deshalb der Ueberzeugung, daß bic Angaben des heute — der andere ist flüchtig — nicht richtig seien, daß die Ture vielmehr völlig aufgebrochen und nicht aufgeschlossen wurde. Die Beiden erfreuten sich ihrer Beute nicht lange, beim fit wurde ihnen ülsbclb durch einen 'hinzukommenden ^chupomann wieder abgenommen. Mit Nücksicht auf seine wider- holten Borstrasen wegen schweren Diebstahls wurde der Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten verurteilt; aus dieser und einer Gefäng- nisfirafe von zwei Monaten, die er wegen Unter» ichlagung vom Amtsgericht Daun in dr Eifel erhalten hatte, wurde eine Gesamtgesängnis» flrafc von 5 Monaten gebildet. Der Ange» klagte hat wegen einer Reihe anderer Straftaten hier und an auswärtigen Gerichten noch weitere Strafen .zu erwarten.
Gießener Jugendgericht.
®tn Hausmädchen, das auf die Bahn des Lasters und deS Verbrechens getommen ist. erhielt eine Gefängnis st rase von sechs Wochen wegen Betrugs und Diebstahls. Die erlittene TInterfuchungshast wurde auf die erkannte Strafe ausgerechnet
Drei weitere Angeklagte erhielten G e -> fängnis strafen von einer und von zwei Wochen, u. a. eine hiesige Fortvildungsschülerin. die einer Lehrerin eine Ledertasche mit Inhalt entweichet und einen Veil des Geldes für Kinobesuch verausgabt hatte Ihre Fürsorgeerziehung ist bereits ungeordnet, da sie rückfällig ist.
Ende Aovember 1924 ereignete sich in Hau - sen ein bedauerlicher Vorfall. Zwei junge Burschen, die seit kurzer Zett schlecht mtteinaitder standen, tafnen aus der Straße nach Gintritt der Dunlelhett hintereinander. Der Zeuge B. glaubte sich von dem Angeklagten H. verhöhnt, weil ihm dieser angeblich ein Bein gefallt hatte und die anderen. Oie habet standen, ihn auslachten. B. drehte sich um, versetzte dem H. von her Seite her eine träftige Ohrfeige und ging Wetter. H. rief ihm zu: „Das kostet dich ein paar eteine“. Er nahm auch einige Ehausseefaine, warf dreimal nach dem inzwischen sechs bis acht Meter von ihm entfernten D. und traf ihn mit dem dritten Wurf in das rechte Auge, dessen Sehkraft verloren ging, obwohl ihm mehrere Wochen in der Augenklinik sacfchienliche Hilfe zu teil wurde Das Gericht nahm zugunsten des Angeklagten an. daß er schwer gereizt war. und daß er einen berartfaen Erfolg nicht beabsichtigte, berücksichtigte auch, daß der Angeklagte ohnehin schwer unter den Folgen seiner Tat zu leiden haben wird. Urteil: Zwei Wochen Gesang- n i s und Strafaufschub bei mehrjähriger Bewährungsfrist
Buntes Allerlei.
Eine amtliche Grubenunfallstatistik.
Die in der amtlichen Ministerial-Zeitschrift soeben bekanntgegebenen statistischen Angaben üBer d m Umfang der Schlagwetter- unO Kohlenstaub - Explosionen im preußischen Bergbau und die Zahl der dabei verunglückten Bergleute dürften z. Zt. wegen der vielfachen Erörterungen über das Grubenunglück auf der Zeche Minister Stein besonderes Interesse beanspruchen.
Während in dem Jahrzehnt von 1882,90 jährlich durchschnittlich 104,3 tödlich und 58,6 schwere Verletzungen zu verzeichnen waren, stell- ten sich diese Zahlen in den folgenden drei Jahrzehnten auf 72.2. 72.3 und 69,3 tödliche bzw. 29.1. 12 und 16 schwere Verletzungen Dabei ist indes noch zu berücksichtigen, daß die Durch- schnittssörderung eine Steigerung auf fast das Dreifache erfahren hat (von 53,9 auf 149.5 Millionen Tonnen) Berechne! man die durch Erplosionen entstandenen Unfälle auf 1000 be-- schäftigte Personen, wie es sonst bei Feststellung der amtlichen Unfallziffern üblich ist. so ergibt sich ein Rückgang der Zahl ber tödlich Ver
unglückten von 054 an Zeitraum von 1882/90 auf 0.25, 0 15 und 0,12. der Schwerverletzten von 030 auf 0,10. 0,03 und 0.03 in den folgenden 3ahrzebiiien. Während im Dezennium 1882 90 ein tödlich Verunglückter auf 1900 und eil Schwerverletzter auf 3300 beschäftigte Person^ entfiel, war in den folgenden 3abrscbnten ein tödlicher Unfall auf 4100 b700 und 8500 und cm Schwerverletzter auf 10 200. 40 200 imb 36500 beschäftigte Personen zu verzeichnen
Sehr bemerkenswert ist auch die Zunahme her auf eine durch Erpiosion getötete 'Person sich ergebenden Tonnenföi derung: sie ist von 540 000 Toniren in dem Zeitraum von 1882 90 auf 1.1, 1,69 unb 2.1t Millionen Tonnen, also auf das Vierfache gef!i. gcn Vergleicht man die Zahlen her durch Schl, zweiter- oder Kohlcn- staub-Explosionen verunglückten Personen (85 in dem Jahrzehnt 1911 20) mit denen der übrigen tödlichen unb schweren Jngludefallc im Bergbau und in anderen Berufszweigen, so sind sie als sehr gering zu bezeichnen Sie machen im Durchschnitt nur 4.24 Prozent der gesamten tödlichen Unfälle im Bergbau aus Die Harrptunfälle bildet der Stein unb Ävhlenfall. auf den durchschnittlich mehr als ein Drittel aller Unfälle zuruckzuführen ist.
Die in letzter Zeit in bezug auf die Bekämpfung ber Schlagwetter- und Kohlenstaub- Erplollvnen gemachten Erfahrungen rnsbe
sondere die Erkennung der Gefährlichkeit der sog. Knnppschüsse sowie di< Einwendung des Gestein- staub-Verfahrens fallen erhoffen, daß es gelingen wird, die Zahl dieser Unglücksfälle weiter herabzumindern.
Der Schutz der Ziere
Aus dem Strafgesetzbuch für das Deutsch« Lerch. $ 360. Ziffer 13. Mit Geldstrafe bis zu 150 Mk oder mit Haft dis zu 6 Wochen wird bestraft, wer öffentlich od r in Aergernis erregen- der Weise Tiere boshaft quält ober rotz mißha ndel 1. - § 366. Ziffer 7. Mn Geldstrafe bis zu 60 Ml ober mit Haft bi« zu 14 Tagen wird bestraft, wer Steine oder andere harte Körper ober Unrat a u f Menschen P s e r L e oder andere Zug- oder Lasttiere wirft 9 368, Ziffer 11 Mit Geldstrafe bis zu 60 Mk oder mir Hast bis zu 14 Tagen wird bestraft wer unbefugt Eier oder Zunge von jagdbarem Federwild oder von Singvögeln a us n i m m t Bei Anzeigen von Tierquälereien die zu Verhandlungen vor den Behörden füyren, ist es notig, daß der Anzeigende bekundet, er habe Aergernis an der Tierquälerei genommen.
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Lender-.
<Au.< der „Aadio-Umschau-.)
Montag, 30. März:
4 Uhr Wirtschastsmeldungen 1.20 Uhr. Aach» richtendienh 4.30—6 Uhr: Aachmittags-Konzert des HauSvrchesters: Moderne Operetten. 1 2k- gyptifcher Marsch aus den ..Perlen der Älcn batrn“ von Oskar Strauß, 2 ..Wmm ich bet Bubi bin“. auS „®olü)w von H H4rsch, 3 Gesang, 4. Fantasie aus „Gräfin Maritza“ von Kalman, 5. Potpourri aus „ DreünäderkhauS' von Schubert-Berte. 6. Gesang, 7. Potpourri cw- „Gva“ von Lehar, 8 Kavaliermarsch aus „Süßer Kavalier" von Fall Mitwirkung: Herr Strauß (Aeues Operettentheater) 6 Uhr. Wirtschafts- Meldungen. 6—6.30 Uhr Die Lesestunde (Die Aooelle): „Die drei Greise" von Leo Tvlfdoi. 6.30—7 Uhr „Der Angelsport". Dortrag von Herrn Sund, 1. Dors, des Maintalburches. c Uhr Wirtschastsmeldungen 7—7.30 Uhr: Bvrtrag von Herrn Mougue: ..Laienverständliches über Schwingungsvorgänge und Wellenlänge". 7.30 bis 8 Uhr. Funkhochschule. Paul Beller „MusstM geschichtliche Wandlungen". 16. Vortrag: „Die Frühromantik. Weber. Schubert". 8—8.30 Uhr Englischer Unterricht. 8.30-9.30 Uhr Zur Rundfunk Jahresfeier. Von Johann Strauß bis Ze- iLonsrev, vom Brettl zum Ueberbcetil, von TBol. zogen bis Dadcr 9.30 Uhr Aach richten, Wettermeldung. Sportbericht 10—11 Uhr Stummer musik-Koirzert. 1. Stücke für Klarinette alleir von Stravinsky, 2. Sextett für Stteicher. Klarinette unb Klavier von F. Pewrek. Ausfahrerche: Das Lenzewski-Quartett. Am Flügel Dr Merten
spiyc des Kennanlandes geht sie unter dem tieft- landeis des neuen Kontinents entlang und von dori als Kabel bis zu dem nur etwa 200 Kilometer entfernten Kap Larrow, der nördlichsten Spitze Alaskas."
„Ich bewundere Ihre Phantasie", sagte Sanders.
„Ohne Phantasie bleibt der moderne Techniker nur ein Handlanger, mit ihr ist er zum Größten befähigt"
„Legten Sie Ihre Gedanken beretts schriftlich nieder?"
Ich verfaßte eine ausführliche Denkschrift über das Problem. Wenn Sie es wünschen, falle ich Sie Ihnen gern zur Verfügung."
„Es würde mich außerordenllich interessieren."
„Unb darf ich auf Ihre Mitwirkung wenigstens bei dem ersten Teile meiner Aufgabe rechnen?"
„Das hangt non vielen Umständen ab. Zunächst mußte ich die Ueberzeugung gewinnen, daß die geplante Luftfahrt nicht den sicheren Untergang bedeutet."
„Diese Ueberzeugung wurde Ihnen ein '-Bernd) bei meinem freunde Mattens in Gocha verschaffen. Darf ich fragen, welche Entschädigung Sie für die auf viele Monate zu berechnende 'Reife beanspruchen?"
Ich befinde mich dank meiner 'Kuteniätigfeit tu einer io gesicherten Sage, daß ich der Wissenschaft zuliebe nichts für mich beanspruche. Ader eine Frage möchte ich mir noch gestatten: Sic scheinen über große Geldmittel zu verfügen, wenn Sie bereits mit derartig festen Vorschlägen kommen?"
. Geld ist das knappsfa bei uns", versetzte Nagel fröhlich. „2(ber das werden wir zu rinden wißen. Mattens stellt uns zunächst seine beste Maschine unentgeltlich zur Verfügung."
,Zhr Optimismus ift bewundernswett", meinte Sanders. ..Jedenfalls erbitte ich. mir bald Ihre Denkschrift."
„Ich habe sic rnffgebracht", rief der junge Ingenieur und zog ein mittelgroßes Paket aus feiner Nocktasche, das er Sanders überreichte.
„Vielleicht komme ich noch in der Nacht dazu, einen Blick hineinzuwerien", sagte Sanders. .Liesen Abend sind wir von der Fürftm Lahory nach
Saratu geladen, so daß ich wenig Zeit übrig habe. Wir sehen uns ja dann morgen beim Bohttum wieder. Wann |oU die Sprengung ftortfafacn'-"
„Bon 12 Uhr mittags an wird alles bereit fein."
„Dann also Glückauf!"
Saratu liegt am Oberlauf der Salamitza, kurz bevor sie ins 7icfianb einbringt, auf dem rechten, überhöhenden Ufer. Das zweistöckige, wett ausge dehnte Landhaus diente mehr einem vorübergehen, den Sommeraufentijall, da die Lahorys den Winter in Paris ober an ber Rwie-u zu verbringen pflegten.
Ein dichter, etwas oermtlberter Park glitt den toteilabbang bis zum Flusse hinunter unb barg Dutzende von Nachtigallen, deren Gefang dem ihrer berühmten Schwestern von Brussa nichts nachgab.
Man hatte draußen gespeist auf der Terrasse, bie den Blick in die bläulich dämmernde Ebene frei gab. Südlich schnell sank die Nacht herab. Die Diener brachten Äindlichter.
„Sehr idyllisch, diese Beleuchtung", spottete Stratoff.
„Bei Ihnen in Bolschewikien hat man gewiß überall elektrische^ Licht auf dem Lande' ' fragte bie Prinzessin Stirb eg harmlos.
Die große ftrafhiation auf meinen Besitzun gen ist fast DoUenbet". sagte der Nüsse. „Es sollte mir eine besondere Freude sein, wenn bie verehrten Anwesenden mich demnächst auf meinem Schlosse Kalmikowskaja besuchen würden."
„Wo liegen Ihre Güter /' iragte Sanders.
Die Unterhaltung wurde auf Wunsch der Fürstin deutsch gefühtt.
„Zwischen dem ■Unterlaut der Wolga und dem Uralflufa , entgegnete Strawff. „Es ist die sogenannte Sirguen.ieppe, ein Areal von der Größe Ihrer Provinz Brandenburg.'
„Dieses ungeheure Gebiet gehört Ihnen?' fragte Stefanescu. „Wie ist so etwas im Fommu« nistffchen Rußland möglich'
,Es gehört mir nicht. Ich habe es nur auf 50 Jahr, iepachtet, aber nut ber Bedingung, daß ich völlig felbftänbia schalten kann. RuWche Gesetze gelten dort nicht, nur Stratoffsche."
Was mußten Sie dafür geben fragte Linda Lahory.
(Fortsetzung folgt.)


