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mo trat en und Sozialdemokraten, da­hin übereingekommen seien, baß der preußische Ministerpräsident heute gewählt werden müsse. Die drei Parteien würden deshalb ge­gen einen Dertagungsantrag stimmen. Eine Annahme deS Vertagungsantrages iönne nur erfolgen, wenn außer den Deutschnationalen und der Deutschen Dolkspartei auch die Kom­munisten dafür stimmen würden.

Dom Barmat-Ausschuß. Wie Barmats nach Deutschland kamen. Einerein menschliche" Angelegenheit.

Berlin, 30. San. (SU.) Der Untersu­chungsausschuß beschäftigte sich mit der Frage der G u r ch r e r s e einer Familie B a r m a t durch deutsches Gebiet im Jahre 1920. Die Durchreise erfolgte auf eine Empfehlung des Reichs-» kcmzlers a. D. Bauer. Der hierauf vernom­mene Minister des Innern. Severing. teilte mit, daß sich bei den Akten zunächst eine Notiz vom 23. Nov. 1920 befinde, worin der Minister von denr ehemaligen Reichskanzler Dauer ge­beten wird, sich für die Durchreis« der Fa­milie Darmat von der holländischen Gesandtschaft in Rußland durch Deutsch­land zu interessieren. Am 26. Januar 1921 wurde dem preußischen Innenministerium vom Aus- wärtigen Amt mitgsteilt, daß die Angabe über die Zugehörigkeit der Familie Darmat zur holländischen Gesandtschaft unmöglich stim­men könne.

Hierauf wird Reichskanzler a. D. Dauer vernommen, der aussagte, eS handle sich um eine rein menschliche (!) Angelegenheit. Iuttus Darmat, den ich tm Sommer 1920 kennen gelernt habe, trat im Herbst 1920 mit einer Ditte an mich heran und Darmat sagte: Können Sie mir nicht helfen, ich möchte meine

Eltern nach Holland bringen?"

Ich sagte ihm meine Hilfe zu. Auf die Fraga des Abgeordneten Brunk (Du.) erklärt Dauer, daß er von der Existenz deS Berichtes deS deut­schen Generalkonsulates, in Amsterdam über den üblen Ruf DarmatS erst jetzt (!) Kenntnis bekommen habe.

Staatssekretär Meißner vom Bureau des Reichspräsidenten erklärte, er sei vom Reichs­präsidenten von seiner Amtsverschwiegenheit ent­bunden worden und ermächtigt, den Inhalt der Barmat-Akten erschöpfend mit^uteilen.

Anfang Mai 1919 habe in Amsterdam ein internationaler Sozi ältst cnkongr stattgefun­den. Dort seien

führende Herren der deutschen Sozialdemokratie mit Darmat Person! ch bekannt geworden.

Darauf sei Darmat nach Berlin gekommen und bei dieser Gelegenheit dem Reichsprästden- V en vvrgestellt und von ihm empfangen worden. In den Akten befindet sich die Abschrift eines 'Telegramms von 'Darmat au Herrn Wels, der tamate dem sozialdemokratischen Parteivorstand angehörte. Es hat folgenden Wortlaut:Amster­dam, 15. Mai 1919. Verständigt Reichspräsi­denten, daß wegen meines Dauer-Visums hie­siges Konsulat noch nicht instruiert ist. Denke nächste Woche nach Berlin zu reifen. Gruß an cm Sie und Müller. Barmat."

Das Auswärtige Amt telegraphierte auf Ersuchen des Reichspräsidenten an das General- 1 Konsulat ta Amsterdam, Barmat möge das Dauer­visum ausgestellt erhalten. Abg. Brunk (dntl.) wies darauf hin, daß vom Bureau deS ReichS- ' präsldendon ein Dementi ausgegeben worden fei, in dem es heißt, daß Darmat niemals durch den Reichspräsidenten empfangen worden sei. Ieht steht aber fest, daß der Reichspräsident eigenhändig auf dem Telegramm den Vermerk «macht habe, in dem er den Wunsch ausdrückte, i5aß Darmat ein Visum ausgestellt werde. Abg. Heerber (Dntl.) hebt hervor, daß ein Ersuchen von einem so hohen Beamten wie dem Reichs­präsidenten als Defürwortung ausgesaht werden müsse.

Die Vernehmung des fächischen Gesandten Dr. Gradnauer ergab, daß er Barmat auf einer Amtsreise mit sächsischen Industrievertre­tern in Brüssel kennen gelernt habe. Darmat hat damals den Vermittler gespielt, uni Absatz für die sächsische Industrie in Bel­gien zu finden. Die Verhandlungen scheiterten aber an den übertriebenen Forderungen der Bel­gier. In der darauf folgenden Vernehmung des Berliner Polizeipräsidenten Richter betonte dieser sein enges Freundschaftsverhältnis zu Dar­mat. von deni er auch jetzt, da Barmat int Un­glück sei, nicht abrücke. (Sin Konto bei einen Barmatbant habe er nie gehabt. Er habe nur einmal für ein halb^ Jahr ein Darlehen von 5 000 Mark erhalten, für das er dann 626,05 Mk. Zinsen bezahlt habe. Der Vorsitzende Leidig machte noch die aufsehenerregende Mitteilung, daß anscheinend

auS den Akten, die von den Ministerien geliefert worden sind, ein Stück verschwunden

sei. Es fehle das Blatt 27 und es sei noch nicht festzustellen, ob man sich hier verzählt habe oder ob sonst etwas Absichtliches geschehen sei. Der Vorsitzende hält es für notwendig, von jetzt an schärfere Kontrollmahregeln bei der Auslegung von Akten durchzuführen.

Das jugoZlawische Mental auf Dr. Kraft.

Belgrad, 29. Ian. (TU.) Wie aus No° difad gemeldet wird, ist in dem Befinden Dr. Krafts eine Verschlechterung ein­getreten. Die Aerzte stellten eine Gehirn­erschütterung fest. Bei dem Kranken hat sich ständiges Erbrechen eingestellt. Er wird dauernd von einem Aerztekollegium bewacht. Rach Informationen von anderer Seite liegt Dr. Kraft bereits im Sterben.

Das Schicksal Tsao Khuns,

London, 30. Ian. (LU.)Daily Expreß" veröffentlicht eine Unterredung, die der Pekinger Berichterstatter mit Vuan-Schi-Vcm hatte, ob es ,>uträfe, daß der Expräsident Tsao im kaiser­lichen Palast verhungere. Dies be­jah t der Präsident und fügte hinzu, daß Tsao Khun 1923 die Politiker bestochen habe, um zum Präsidenten gewählt zu werden und deshalb dieses Schicksal verdiene. Seitdem Ge­neral Feng sich Tsao Khuns bemächtigt habe, hat man nichts mehr von ihm gehört.

Raisuli erkennt Add el Krim an.

Paris, 30. Ian. (LU.) DerTemps" mel­det auS Tanger, daß Raisuli nach heftigen Kämpfen sich Abd el Krim ergeben habe.

Die hessische Krisis.

Der ergebnislose Vusgang der Staatspräsidentenwahl.

Wie wir schon in einem Teil der gestrigen Ausgabe melden konnten, haben die ersten beiden Wahlgänge in der gestrigen Sitzung des Land­tages dem hessischen Volk noch keinen Staats­präsidenten gebracht. Aber soviel ist jedenfalls als positives Ergebnis zu buchen, die Rückkehr zur Weimarer Koalftion erscheint unmöglich, nachdem das Zentrum mit einem eigenen Kan­didaten für das Ministerpräsidium hervorgetre­ten ist und sich mit Ausnahme der Demokraten sämtliche bürgerliche Parteien für Herrn von Brentano erklärt haben. Damit fand der Zen­trumskandidat zwar nicht die von der Verfassung für das Wahlverfahren vorgeschriebene quali­fizierte Mehrheit, wohl aber vereinigte Herr von Brentano die meisten Stimmen des Hauses auf sich. Das bedeutet eine klare Entscheidung gegen die alte Koalition und eine völlig neue Lage. Will man das verzwickte Verfahren, über Volks­begehren und Voltsentscheid zur Landtagsauf­lösung und Regierungsbildung zu kommen, ver­meiden, so werden sich die Demokraten überlegen müssen, ob sie tm Verein mit Sozialdemokraten und Kommunisten, ohne deren Unterstützung sie keine Mehrheit finden, eine Regierung bilden wollen, oder es vorziehen, mit den anderen bür­gerlichen Parteien eine Koalition einzugehen, die stark genug ist, das hessische Volk für lange Jahre hinaus aus der krisenreichen Vergangenheit her­aus zu gesunder Arbeit am Dolksganzen zu führen.

Sitzungsbericht.

D a r m ft a d t, 29. Ian. Bereits eine Stunde vor Beginn der für 11 Uhr vormittags ange­kündigten Sitzung sind die Galerien dicht besetzt; wohl nur selten war einmal der Andrang so stark. Aus dem Publikum ertönen, als Prasll)ent Adelung um ll1/» Uhr den Präfidentensitz ein- nimmt, allerlei lärmende Zwischenruf«. Zahl­reiche Vertreter der R^iernng sind anwesend; die M i n i st e r haben auf ihren Abgeordneten­sitzen Platz genommen.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um flVi Uhr und bemerkt, daß jeder Ruhestörer angezeigt werde.

Als erster Punkt steht auf der Tagesordnung dieWahldes Staatspräsidenten. Prä­sident Adelung verliest die gesetzlichen Bestim­mungen hierüber.

Abg. Raab (Soz.) schlägt im Namen der sozialdemokratischen Fraktion den Mg. Ulrich als Staatspräsidenten vor. Abg. Hofmann- Alzey im Qiamcn des Zentrums den Abg. Bren­tano und Abg. Frau Roth (Komm.) Die Wahl des Abg. Dr. Greiner.

Es wird durch Stimmzettel abgestimmt;

die Auszählung ergibt 34 Stimmen für von Brentano, 32 Stimmen für Ulrich und vier Stimmen für Dr. Greiner. Der Präsident teilt mit, -ah die absolute Mehrheit nicht erreicht ist; der Aeltestenrat habe beschlossen, daß ein zwei­ter Wahlg ang stattfind«, doch nicht in der­

selben Sitzung. Der Präsident beraumt daher die nächste Sitzung auf 11.40 Uhr an.

Zwei e Sitzung.

Auf ter Tagesordnung steht die Wahl des Staatspräsidenten.

Abg. (Salm (Komm.) bezeichnet die Regie­rungskrise als einen Skandal und ergeht sich dann in politischen Erörterungen gegen bie bür­gerlichen Parteien und sodann gegen die So­zialdemokratische Partei. Dieser wirft er Ver­rat an der Arbeiterschaft vor. Die Äommuniften würden nie ihre Stimme den ^Tra­banten des Bürgertums" geben. Den Kommu­nisten sei es einerlei, ob Ulrich oder von Bren- dano gewählt werde. Ein Ausweg an der Lage sei nur die Auflösung des Landtags.

Es werden wieder die Abg. Ulrich, von Brentano und Dr. Greiner für die Wahl vor- geschlage-n.

Die Auszählung der Stimmzettel ergibt 34 Stimmen für von Brentano, 32 Stimmen für Ulrich und 4 Stimmen für Dr. Greiner, also dasselbe Ergebnis. Der Präsident teilt mit, daß er die Wahl des Staatspräsidenten auf die Tagesordnung einer her nächsten Sitzun­gen stellen werde. Der zweite Punkt der heu­tigen Tagesordnung: Bestimmung der Mit- gliederza hl ds Gesamt Ministeriums wird für heute abgesetzt.

Es folgt die Wahl von 3 Mitgliedern und Stellvertretern zum Landessiedelungs- a m t; die Vorgeschlagmen werden ohne Debatte gewählt, ebenso drei Vertreter für die Zentrale für Mutter- und Süuglingsfürsorge. Ferner werden acht Stellvertreter zum Staats- gerichtshvs gewählt.

Der sechste Punkt der SagcSorvnung ist die Regierungsvorlage über

die Abfindung des ehemaligen GrotzherzogS.

Abg. Kaul (Soz.) erklärt, daß die Sozial­demokraten diese Vorlage ablehnen würden; sie wären aber bereit, aus Staatsmitteln einen Be­trag zur Ausbesserung von Angestellten zur Ver­fügung zu stellen.

Arg G a l m (Komm.» lehnt im Namen seiner Partei ebenfalls die Dorlag. b, dec Grohhcrzog soll« froh sein, daß er fein Leben aus der Revo­lution gerettet habe.

Abg. Kindt (Dntl.) weiß auf den Vertrag des Grohherzogs mit dem hessischen Staate und auf die privat rechtliche Natur dieser Ab­machungen hin; es werde Richter geben, die dem Grotzherzog sein Recht zuteil lassen würden. Ein Gutachten deS verstorbenen Ministerialrates Lorbacher sage tlar, daß der Grohherzog im Rechte sei.

Der Ausschuß beantragt Annahme der Vorlage. Diese wird bann in her Abstimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen.

Nachdem dann noch eine Regierungsvorlage über die letzten Wahlen und eine Regierungs­vorlage über die Strafsache gegen Ad. Betz III. und Genossen wegen Mißhandlung angenommen worden war, wurde die Sitzung um 12*Uhr ge­schlossen.

Nächste Sitzung 'greifag um 10 lH>r; Fortsetzung der TageSoiDnung.

Raisuli habe in einer Proklamation Abd et Krim als Obersten Kriegsherrn anerkannt und sich bereit erklärt, gemeinsam den Hei­ligen Krieg fortzusehen.

Aus aller Welt.

Folgenschwerer Gebäudreinsturz.

Der Neubau des Hagener Telegraphen­amtes, der nach einer Barizeit von etwa vier Monaten unmittelbar vor der Voll.ndung stand, ist gestern Nachmittag eingestürzt. Das Dach des Neubaus brach zusammen und durch­schlug die Decke des zweiten Geschosses. Die Seitenwände stürzten ebenfalls zusammen. Die Trümmer ruhen auf dem Boden des ersten Stock­werkes, das ebenfalls unter der Last einzu- stürzen droht. Die Ursache deS Einsturzes ist noch nicht einwandfrei festgestellt. Bon den am Bau beschäftigten Arbeitern wird einer vermißt. Die übrigen konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Hagener Feuerwehr hat mit den Aufräumungsarbeifen begonnen.

dische Zollbehörde geprüft und versiegelt worden war, ein heimlicher Amtausch des Zuckers in Salz statt. Der Zucker, auf den pro Kilo­gramm 27 Pence Einfuhrzoll zu bezahlen ist, wurde unter Umgehung dieser Abgabe in Hol­land verkauft. Da das Manöver siebenmal statt­fand, bis es entdeckt wurde, wurde der hollän­dische Staat um 108 000 Gulden geprellt, die die Hamburger Firma in die Lasche steckte.

Betrügerischer Kriminalbeamter.

Ein in Hamburg festgenommener Ta­schendieb, der an einen Kriminalbeamten daS Ansinnen gestellt hatte, mit ihm gemeinsame Sache zu machen, erklärte, auch in Leipzig sei cs ihm gelungen, einen Beamten zu ge­winnen. Die Ermittlungen haben ergeben, daß der Kriminalhauptwachtmeister R o u v e l in Leipzig, der den V-Zug LeipzigHamburg stän­dig zu begleiten hatte, um nach Laschendieben zu fahnden, fich von diesem hatte bestechen lassen. Wi eeine Haussuchung ergeben hat, hat Rouvel beträchtliche Summen erhalten. Man fand bei ihm für über 3000 Mk. Dollar- und Pfund­noten.

Eisenbahnbiebe festgenommen.

Eine aus sechs Personen bestehende Die­besbande, die seit einem Vierteljahr auf dem Güterbahnhof in Schöneberg am Hellen Tage Waren aller Art aus Waggons, die zum Ent­laden aus dem Bahnhof standen, stahl, wurde jetzt feft genommen. Das Haupt fre'er D nve ist der 27jährige Schmied Otto Wagner. (Sine große Menge der von der Bande noch nicht verkauften Waren, wurde in Schlupfwinkeln auf­gefunden und beschlagnahmt.

Streik in Saarbrücken

In einer sehr stark besuchten Delegschafts- versannnlung der Fertigindustrie wurde der Streik beschlossen, der Donnerstag früh 9Uhr in Kraft getreten ist. Die Geheimabstimmung hak gegen eine ganz geringfügige Minderheit den Streikbeschluß ergeben.

Seine Frau erschossen.

2m Lause einer Auseinandersetzung hat der 29jährige Schupobeamte Fvdisch aus Görlitz feine Frau mit dem Dienstrevolver erschos - f e n. Das Motiv dürfte in ehelichen Zerwürf­nissen zu suchen sein.

Im Flugzeug über deu Himalaja.

Der englische Flieger Ellen Cobham ist nach einem ersolgreichen Erkundigungsflug über den Himalaja nach Kalkutta zurückgekehi-t. Hierbei war er bis zu einer Höhe von 50 000 Fuß aufgestiegen.

Großer Zuckerschmuggel in Rotterdam.

Die Zollpolizei kam einem Schmug­gel großen Stils auf die Spur, der von einer Hamburger Firma unternommen wurde. Diese sandte Eichtladungen mit Zucker nach Rotterdam, wo der Zucker als Tran­sitgut umgeladen und ins deutsche Rheinland transportiert wurde. In Rotterdam fand, nach­dem die Fracht d«S Schiffes durch die hollän-

Eiue neue SPrUschieberaffÜre.

Im Zusammenhang mit den zahlreichen Spiritus schiebungen der letzten Zeit ver­anstaltete die Magdeburger Kriminal­polizei gestern Vormittag in Magdeburg Ueberprüfungen bei zahlreichen Firmen der Zuckerverarbeitung und der Spirituvsenfabri- faiion. Im Verlaufe der Aktion wurde der Kauf­mann Gustav Schift, der Geschäftsführer der Spirituosenfabrik Ober gütter verhaftet und ins Polizeigefängnis gebracht. Gegen Schitf, her zugleich in Baden mehrere Spirituosen­fabriken leitet, hat ein badisches Finanzamt Straf­verfahren wegen Hinterziehung beantragt. Er sei in ähnlicher Form, wie die Betriebe des Weberkonzerns vorgegangen. Man ist an unter­richteten Stellen der Meinung, daß die Ange­legenheit Schift mit der Angelegenh eit Weber und Kopp zusammenhängt. Schift soll Sprit nach Holland verschoben und dafür den Preis von 3,30 Mark erzielt haften, während der reguläre Preis 4,20 Mk. beträgt. Auch soll er in Baden Geheimbrenner eien besitzen, in denen er die nach Holland verschobenen Waren herstellen ließ.

Wettervor^ussags.

Meist bedeckt, einzelne Regenfälle, westliche Winde, milde, später Abkühlung.

Nach vorübergehender kurzer Aufheiterung trat gestern wieder zunehmende Trübung mit Niederschlägen ein, bei zeitweise auffrischenden, südwestlichen Winden, da die Ausläuiec des kräf­tigen, mit !einem Zentrum südöstlich von Ir­land gelegen..t Tiefdruckwirbels in breiter Front nach Mitteldeutschland vorgedrungen waren. Der Wirbel hat sich zwar etwas abgeschwächt, jedoch dürften wir morgen noch südliche bis westliche Luftströmungen behalten, so daß vor her &anb wenig Aenierung Der herrschenden Witterung zu erwarten ist.

I Aus Stadt und Land.

G i e h e n, den 30. Januar 1925.

Die Neugier.

Wißbegier ist eine Tugend, Neugier ein Laster. Und nicht gerade nur ein weibliches. Es gibt nämlich auch neugierige Männer, und die reizen mehr zum Lachen als neugierige Frauen, auch wenn viel über diese gespottet wird.

Was treibt uns eigentlich dazu, soviel Inter­esse für die Angelegenheiten unserer Mitmenschen zu haben? Hat nicht jeder vor seiner eigenen Tür zu kehren? Findet er da nicht genug, was er wegräumen müßte, ehe er Zeit findet, an den Nachbar zu denken? Aber nein, man nimmt sich eben die Zeit, erst einmal vor der fremden Tur nachzuschauen, ob da alles in Ordnung ist. und in den fremden Topf zu gucken, ehe mau' selber zu kochen beginnt.

Da tonn nichts in der oberen Etage, ober in der Wohnung gegenüber geschehen, ohne daß genau aufgepaßt wird, was geschieht. Wenn Be­such kommt, wird das sofort zur Kenntnis gc- nommen;man" mutmaßt, wer es ist und wie lange er bleibt, macht sich wohl auch eine 'Besor­gung hinüber, nur um einmal so ganz beiläufig sragen zu können, ob man Besuch habe, wer es sei usw. Kaum hat man es erfahren, so muß man seine neue Weisheit Leitertragen. Und alle interessieren sich dafür.

Selbst der Hausherr, der angeblich stets so mit Arbeit überlastet ist, daß er überhaupt keine Zeit für seine Familie hat, lauscht auf, wenn et die neuesten Neuigkeiten hört. Auch er braucht Neuigkeiten, nicht etwa seine Frau nur.Oft nichts passiert?" lautet meist die erste Frage, bie er tut, sobald er die 'Wohnung betreten hat. Es ist der Tribut, den er der Neugier zollt.

Alte Leute haben eine besondere Schwäche: zu erzählen und sich erzählen zu lassen. Werl sie feine tätigen Naturen mehr find, wollen sie wenigste.rs wissen, was in der Welt vor fick) geht und wie andere denken unb leben. Ihre Neugier ist manchmal so komischer Art, daß man heimlich versucht ist, sie aus die Folter zu spannen.

Keiner von all den Aeugierigen will aber zugeben, daß er neugierig ist. Sie waren eben alle nur wißbegierig. H.A.

Wohnungsichiebun^en im Frankfurter Wohnungsamt. - Verhaftung des Direktors und mehrerer Beamten.

Aus Frankfurt a. M. wird uns von unserem spd.-Mifarb. telefonisch gemeldet: Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft wurden heute früh der Direktor des Frankfurter Städt. Woh nungs amt es Gresser und andere Beamten des Wohnungsamtes, sowie mehrere Privatpersonen «"Kaufleute Architekten, Möftelhändler) verhaftet. Sir stehen in bringendem Verdacht, gegen hohe Bezahlung Wohnungen verschoben zu haben. Der Schwiegersohn des Direktors Gresser, der Bankbeamte Ho sch, hatte sogar unter den Augen des Direktors tn den Räumen bed Wohnungsamtes mit einem Architekten em Büro für Wohnungsvermittelung eingerichtet. Die leerwerdenden Wohnungen wur­den dem Büro Hvsch von dem Schwiegervater Gresser und einem Abteilungsleiter jeweils be­kanntgegeben . Hvsch & Co., setzten sich dann mit vermögenden Personen, die Wohnungen suchten, in Verbindung. Auf diese Weise erhielten zahl­reiche Leute, besonders von auswärts, durch ein t affiniert ausgeklügeltes WohnungSring- System und natürlich gegen entsprechend hohe Gebühren, in die sich die Beamten und ihre Hintermänner teilten, Wohnungen in jeder Größe. In einzelnen Fällen sollen Summen bis zur Höhevon7 000 Markgezahlt worden feht

Kietzerrer Wschcnrnarktpreis^

am 29. Januar. (Händlerpreise.)

Es kosteten das Pfund: Butter 190, Matte 40, Käse 65 bis 70, Wirsing 15, Weißkraut 12, Rotkraut 20, gelbe Rüben 10, rote Rüben 15, Spinat 50, Anter-Kohlrabi 8, Grünkohl 23, Rosen-- fohl 60, Feldsalat 100, Zwiebeln 15, Meerrettich 40 bis 80, Schwarzwurzeln 70, Kartoffeln 5, Aepfel 15 bis 20, Birnen 10 bis 15, junge Hahnen 130, Suppenhühner 110, Gänse 120, Endivien 100; das Stück: Eier 17, Blumenkohl 120 bis 180, Lauch 5 bis 15, Sellerie 80 bis 80 Pfi

Bornotizen.

TageSkalender für Freitag: ©tadttheater; Zi/y Ufte »Die lustigen Weiber von Windsor". Oberh. Geschichtsverein: 8V4 Ahr Hörsaal des Geograph. Instituts: Vortrag. Ächtspielhaus, Bahnhofstr.:Die Nibelungen". Astoria-Lichtspiele: »Boulevard-Blut". Pa­last-Lichtspiele: »Quarantaine".

** ® i c 2. u n t> 4. K 0 m p. u n s e r e r Gar­nison werden morgen, von den Schießübungen auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf kommend, wieder hier eintreffen. Die Ankunft erfolgt 12,34 Ahr mittags.

Zur bevorstehenden Aenderung in der Verwaltung des Straßenbau- wesens wird uns vom Lande geschrieben: Es darf jetzt als feststehend bezeichnet werden, daß das Straßenbauwesen in nächster Zeit dem Ressort der Kreise entzogen wird. Der Landtag hat nur noch die Entscheidung zu treffen, ob der Hes­sische Staat oder bie einzelnen Provin­zen mit der Aebernahme betraut werden sollen. Wie diese Entscheidung auch ausfallcn mag. jedenfalls ist diese Neuerung ein guter Schritt vorwärts auf dem Wege gesunder fortschrittlicher Entwickelung. Man kann es nur begrüßen, daß endlich das Strahenbauwesen aus dem Kreis lokaler Enge und Einseitigkeit hecaus- genommen und der Höhe verkehrstechni­scher und wirtschaftlicher '2t o t to e n =» digkei t en zugefuhrt wird. Ideal wäre es, könnten die Fäden unseres gesamten deutschen Stratzennehes in einer einzigen Zentrale zu- samrnenlaufen. Solange aber unsere kleinstaat- lichen Grenzen diesem Organismus hindernd tm Wege stehen und das Reich vorerst nicht daran ! denken kann, sich diesem Problem zu widmen.