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Srttteg, 50. J ana 1925

175. Jahrgang

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Och habe alles Begliche getan, um dies au ncr- meiden. Denn toetm diese 'Reite Ruhen bringen soll, dann doch wenigstens im Orniern Frank- reich«, um dem Ausland zu beweisen, dah die Demokraten ebenso gute Patrioten sind, wie irgend temanb. Der Abg S3cRite bat einen Satz angegriffen. den man nicht außerhalb mei­ner gesamten Rette interpretieren darf. Och habe gesagt, dah in dieser delikaten Angelegenheit der Kölner Zone ich mit aller Macht und allen Argmuenten kämpfen werde, weil nach den Er- cigniffen, die sich im letzten Oahr vollzogen häben. und nach den Enttäuschungen, die wir tm Augenblick der Gründung deS Dölker- Hunde« erlebten und nach allen anderen Ent­täuschungen, die wir gehabt haben, weil die uns versprochenen Garantiepakte nicht unterzeichnet wurden, ich jetzt vor der letzten Gelegen­heit, die ich habe, stehe, das System der Sicherheit Frankreichs zu regeln.

Daraus wurde über den Antrag, die Rede Herriots öffentlich anzuschlagen, abgestimmt. Der Antrag wurde mit 573 gegen 41 Stimmen angenommen. Der Ministerpräsident be­merkte. dah seine gestrige Rette als ein Appell an sämtliche Demokraten, vor allem auch an die deutsche Demokratie aufzusassen sei und dah es falsch wäre, sie für eine Volemik hx der fran­zösischen Presse zu verwenden.

gegeben, dah der Räuntungftermtn fttr dte .«uyr am 16. August der ä u Herste Termin sei, den er festzuhalten gedenke, dah er dagegen die Micht habe, sehr viel früher herauSzugehen. Davon ist heute schon lange feine Rette mehr, die RationaUften haben eS verstanden ihn mehr auf 'ein tote» Gelei» zu drängen und so zu vereinsamen, dah er geradezu ihr <3te- fangener ist. dah er au8 innerpolitischem Selbst- crbaUungfltrieb also offenbar nur noch dxe eine Rettung sieht, Poincare ju uber- bieten Ebenso ist eS auch mit Herrn Rollet gegangen, der bei den vertraulichen Londoner Besprechungen ein ungewöhnliches Mah von Ver­ständnis für die deutsche Lage bewies und rund heraus erklärte, dah ihn ein Vestand oon eini­gen hunderttausend Gewehren über das nach dem Versailler Vertrag zulässige Mah nicht stören

Herriots Beweggründe?

Paris, 30. San. (XU) DerMatin" untersucht in einem längeren Artikel die psycho­logischen Beweggründe für die neue Haltung HerriotS. DaS Hauptbestreben des Ministerpräsi­denten sei darauf gerichtet, um jeden Preis zu verhindern, dah Deutschland einen gegen die europäischen Mächte gerichteten Bündnisvertrag abschliehe. Das Blatt be­hauptet, dah die in einem Moskauer Blatt be­sprochene Möglichkeit eine« russisch- j apanisch-chinesif ch-deut fchen Blök- keS auf Herriot einen tiefen Eindruck gemacht habe.

Die deutsche Presse.

Dor der Antwort des Kanzlers.

Berlin. 29. Oan. lWD.s Die Äammer- oede Herriots hat. wie die Blätter betonen. In allen deutschen K reisen eine starke Enttäuschung hervor gerufen. Bei dem Empfang der ausländischen Presse, der auf morgen Abend anberaumt ist. wird der Reichs­kanzler Dr. Luther die Antwort der deutschen Regierung auf die Rede Herriots geben. Auch in der Presse kommt die Enttäuschung über die Rebe Herriots zum Aus­druck. Das ..Tageblatt" erklärt: Eigentümlich müsse es berühren, dah Herriot bei der Erörte­rung der Räumung« frage sich auf Material stütze, das bis heute der deutschen Regierung vorent- halten wird.

DerBörsenkurier" sagt: Der innen­politische Herriot habe über den auhen- politischen Herriot einen glänzenden Sieg davon getragen. Dah bei dieser Gelegenheit der Europäer Herriot erschlagen, der Staatsmann in feiner Dürftigkeit blohgestellt. die Lvgit des Politikers tödlich verwundet und der Mensch verkleinert wurde, ändert nichts an dem parlamentarischen Erfolg des Ministerpräsidenten. Wir machen Herriot nicht den Dorwurf, er sei ein Wiederholer oder gar ein Ueberbieter Poin- carss, dazu fehlt ihm die Folgerichtigkeit, aber wir warten aus eine politische Rede Herriots.

Der .Vorwärts" schreibt: Die Masse des französischen Volkes lebt unter der Zwangsvor- stellung. dah Deutschland insgeheim gewaltige Rüstungen betreibe. Wir halten diese Borstel- lang für lächerlich Aber bei solchen Vor­stellungen kommt es nicht daraus an. ob fte richtig ober falsch, sondern daraus, ob sie vor­handen sind ober nicht. Dann wirken sie sich als politischer Faktor auf.

Ware Herriot stärker, als er ist, so hätte er beruhigend wirken und vor Hebertreibungen warnen können. Er ist aber selber in ileber* trelbungen verfallen. Er hat alle Rücksicht auf die Stimmung deS französischen Dostes genommen und keine auf die Stimmung des deutschen Dostes, das eine solche Sprache aus einem solchen Munde nicht versteht. Er hat dem deutschen Rationalismus, den er bekämpfen will. Wasser auf die Mühlen geleitet.

Die deutschnottonale Presse spricht von einer Flucht Herriots zu den Rationali­sten ober, wie dieKreuzzeitung" ihre Aus- fübrungen überschreibt, .Von Herrio t s wah­rem G e s i ch t.

DerLokal anzeig er" erklärt, dah feine An­sicht. wonach mit Herriot kein neuer Getst in die französische Politik eingezogen sei. nun­mehr von Herri ot selb st bestätigt werde.

Die .Deutsche Allgemeine Zeitung' ist nicht der Ansicht, dah bei französische Ministerpräsi- bent die geschwächte Lage deS Linkskartells als Entschuldigung für sich in Anspruch nehmen könne Aus bet groben Aussprache über Den Botschafierposten Eteim Vatikan sei Herriot eher gestärkt hervorgegangen.

So müsse man seststellen, dah bet französische Ministerpräsident seine Theorien von 1924 ohne zwingenden Druck von rechts verlassen habe, und dah eS sich um einen persönlichen Umfall handle. Dieser Umfall habe für Deutschland einen bit­teren Beigeschmack, da es in dem übermäßigen

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Vertrauen auf die Aera Herriot-Wacdonald die schweren Belastungen deS letzten SahreS auf fiep genommen habe und nun seststellen müsse. Mu nach Uebernahme dieser Lasten nichts mehr zu hören sei von dem Geist der Ver­söhnung und des FriedenSwerkeS der Londoner Konferenz. .

Die .Zeit" schreibt u. a.: Wie c8 scheint, ha! der französische Ministerpräsident kurz vor seiner Rede Kenntnis von Material erhalten, das ent­weder auf Agenten der französischen Regierung ober aus Berichte der Kontrollkommission zurück geht. Oedensalls handelt es sich dabei um Unter­lagen. die auf deutscher Seite nicht be­kannt sind und berenWert vollkommen problematisch ist. Trotzdem hält sich Herriot * für berechtigt, die heftigsten Anklagen gegen die deutsche Regierung zu erheben, ohne für die Richtigkeit seiner Behauptungen den Be­weis anzutreten. Aus dieser Grundlage ist eine fruchtbare Diskussion ganz unmög­lich. Das Blatt bezeichnet schliesslich die Pole­miken HerriotS als einen Rückfall in dte Dahn PoincarL». Onnerpolitifche Schwie­rigkeiten und auch vielleicht das persönliche Tem­perament Herriots mögen für diesen Rückfall Herriots verantwortlich sein. Sicher sei, dah man aus diese Weise die Räumung«- und die Sicher­heitsfrage nie werde lösen können.

nung zwischen Amerika und Deutschland uer* kürzt. Mit klaren, unparteiischen Augen Haden Sie die Rot und daS Elend untere» Landes gesehen. Die Damen Ihrer Botschaft haben auf zahllosen unbekannten und verborgenen W^<n die Leiden meiner CanbMeute gelindert. Ohre großen Organisationen haben uns so viel in der sozialen Fürsorge geholfen. $cut|d)lai»t> ist durch die gefährlichste und schwerste KrisiS bin- durchgegangen, die durch das Unheil und die tr.ittau'djungcn an unserer westlichem ®veny.'. durch Onflation und innere Wirren berbetr fuhrt worden ist. Amerika hat unS in dieser schwierigen Situation vollstes Verständnis ent gegengebracht, und zwar auf Anregung seines Botschafters in Berlin. Houghton. Ohm ban fen wir auch die Ehre, das, wir hier ihren großen Staatsmann, den Staatssekretär Hughes begrüßen konnten. Diese beiden Romen, zusam­men mit denen des Generals DaweS und Owen ajoung werden für immer in bae Buch der Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika geschrieben sein. Zum Schluß brachte Matlzan ein Hoch auf die große amerikanische Republik und ihren hiesigen Der- t'.eter aus.

»erriet h°! In WwtWcx »toat rtnre sroern bartoncitan1*m 6;«!«^ len sich aber alSvtaatSmannselbsthin- a e r i d> t e t Anders kann man die Rolle, die er dabei gespielt hat. schlechterdings nicht bezeich­nen Etwas derartiges an Verleugnen der eignen Vergangenheit ist wohl selten .orgefommen. Denn alS er nach den Maiwahlen zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, da war leine Linie einaestellt gegen alle» da«, uxrf man unter dem Romen P oincartSmu» zusammenfaßt«, innenpolitisch tote außenpolitisch Gr wollte eine neue Aera zwischen Deutschland und Frankreich einleiten, die aus dem Haß allmählich wieder In normale Bahnen zurückführte. Wollte Europa endlich den Frieden bringen und waS er sonst noch alle« Schöne» zu erzählen wußte. Auch al« er nach London ging. war er noch derselben Aus­fällung. der ganze ®«baute der Londoner Kvn- toar ja tiberhaupt geboren aus dem . bk Rachwirkungen deS Krieges avzu- mch auf Grund der Tatsache, dah Deutsch­land den Jtrteg verloren habe, also zahlen müsse, wieder feste Begriffe zu schaffen. Sn London freilich erhalt fror Herriot d e n ersten Stoß <A< ihm Loucheur nachreiste und ihn daraus auftnerNam machte, daß er seine innere- Situation inrbaltfam machen würde, falls er ein allzu starkes Entgegenkommen den Deutschen gegen­über zeigte, selbst soweit die« Entgegenkommen nur me Wiedergutmachung alten Unrechts be­deutete. , ,

Herriot hat sich damals gefugt, muhte sich vielleicht auch fügen, toerat er nicht in der Kam­mer stürzen wollte, weil er sich innerpolitisch mit seinem Vorstoß gegen d«n Klerika- li»muS eine so starke Hypothek auf den Rücken geloben hatte, daß er eine weitere Belastung von der nationalistischen Seite her nicht

mehr aushalten tonnte. .Wer aU-, die ihm nahestanden, meinten damals doch, das sei in der Hauptsache ein taktische» Rian 6 -

1 Ja auch deutlich genug zu verstehen h der Räumung«termtn für die Ruhr

Die deutsche Sozialpoliti

Der Rcichsarbeitsminifter im Haus haltSansschntz.

Berlin. 29. San. (Wolfs.) Zu Beginn der Beratungen deS HauShaltsausschusse« des Reichstags über den Haushalt des ReichSarbeite Ministeriums gab ReichsarbeitSminister Brauns eine Uebersicht über den Stand und die Ausgaben der deutschen Sozialpolitik. Die ihr ans der Inflation und der wirtschastlicheu Krise erwachsenen Schwierigkeiten können jetzt als überwunden gelten. Sn der Sozial­versicherung sind fast allenthalben die frühe- icn Leistungen wieder erreicht, ja zmn Test gc steigert worden. Die Unfallversicherung insbesondere wird in nächster Zeit von den Ein- yeitsrenten wieder zu den Snbioibualrenten zu­rückkehren, die dem Verdienst des Einzelnen an- grpaht sind. Eiire Pension» - und Hinter­blieb enen-Vers iche rung für Angehvrrg< freiet Berufe, fttSbesondere Rechtsanwälte wird geprüft toerben.

Zur Frage der Ratifikation de» Abkommen« »an Washington über den Achtstundentag

konnte der Minister Mitteilen, daß da» gegenwär­tige Reichskabinett sich der Erklärung des früheren Kabinetts an geschlossen habe. DaS ReichSarbeitSministerium hat mit der Vorbereitung der neuen Arbeitsgesetzgebung be­gonnen. Trotz des langfmen und mir teilweisen Wiederaufbaus der Wirtschaft konnten di« Löhne erhöht und ihre Kaufkraft ge­hoben werden. Bewährt hat sich auf dem heilten Gebiet der Lohngestaftung im ganzen die Schlichtungsordnung. Umstritten ist allerdings bei beiden Tarifparteien die Verbindlich­keit s e r k l ä r u n g. Ein ArbeitsgerichtSgesetz. das aus diesem Gebiet eine Rechtssprechung durch sozialpolitisch geschulte Richter bringen soll, steht unmittelbar bevor. Gegenüber der großen Ar­beitslosigkeit der Rachkrieaszeit boten fortgsetzte Verbesserungen in der Arbeitsvermittlung, sowie die produftive und unterstützende Erwerbkosen- sürsorge Abhilfe. Die Sähe der Erwerbs­losen unter stütz ung konnten im letzten Jahr um 60 bis 70 Prozent erhöht werden. Sin Gesetz­entwurf über die Arbeitslosenversicherung steht vor der Tür. Sn der die Sozialpolitik notwen­digerweise ergänzenden öffentlichen Wohl­fahrt S p s l e g e ist endlich wieder

ein einheitliche» deutsche« Fürsorgerecht geschaffen worden.

Sm Wohnungsbau brachte daS Iaht 1924 Fortschritte. Der Abbau In der Woh- nungSzwangSwirtschaft hat begonnen und kann sortgeführt werden, wenn gleichzeitig Mittel für den weiteren Wohnungsbau gesichert werden. Hierfür werden die gleichmäßige An­näherung an die FriedenSmiete und die Ab­zweigung einheillicher Prozentsätze der Friede.rs- micte zu dienen haben. Bei der Förderung de» Wohnungsbaus wird aus die wirtschaftlich Schwachen und auf die Kinderreichen in bezug auf die landwirtschaftliche Siedlung Rück­sicht zu nehmen sein. Der Wvhnungswucher wird scharf zu bekämpfen fein. Sn der KriegSbeschä- bigtenfürforge befinden sich dank dem Schwer­beschädigt engesetz nur noch 20000 ebne Arbeit, von denen aber sicher die Hälfte völlig arbeits­unfähig ist.

Die preuhische Krise.

Berlin, 20. San. Wie die Blätter mel­den. ist die preußische Zentrumsfraktion heute vormittag zu einer eingehenden AuS spräche über die Frage der Regierungsbildung in Preußen zusammengetreten. Mehrere Blätter glauben aus dem bisherigen Verlaus der Aus­sprache schließen zu Bnnen, daß das Zentrum von der von ihm bisher verfolgten innerpoliti­schen Linie nicht abweichen werde. Das Zentrum soll den Landes ha up tm ann der Rhein- Provinz, Horivn, für den Posten des Mi­nisterpräsidenten in Aussicht nehmen.

Während die Rechtspresse weiter der Mei­nung ist. daß die Wahl des Ministerpräsidenten durch den Cant>tag heute nicht ftettfinben w-rde sindGermania". .Tageblatt "und .Vor­wärts" der Ansicht, daß eine HinauSschie- I bung der Wahl nicht erfolgen werd?

Das letztgenannte Blatt behauptet, daß dir drei bisherigen Koalittonsparteien, Zentrum. De-

würde.

Auch Herr Rollet muh srch inzwtschen ge­ändert haben, denn heute ist Herriot offen- bar unter seinem Einfluß, der Prophet der ärgsten Feindschaft und einer Entwaffnung, die bi» zum äußersten betrieben werden soll. Eigent­lich lohnt e» sich schon gar nicht mehr, mit solchen Argumenten sich herumzuschlagem Wir können uns auch nicht vorstellen. daß selbst der ausgezeichnete französische Presseapparat mit der- artigen Anschuldigungen außenpolitische Wir­kungen erzielen sollte. Die Tatsache, dah Deutsch­land mehr al» entwaffnet ist. liegt so offensichtlich vor aller Augen, daß das Gespenst der deutschen Revanche doch nirgends mehr Ein­druck erwecken kann. Selbst, wenn alle« richtig wäre. waS Herriot behauptet, ändert das doch nicht» daran, daß einigt tausend Flugzeuge, denen wir nicht» entgegenzusetzen haben, am ersten Tage des Kriege« unsere Grenzen überfliegen und unsere gesamte Sndustrie vernichten, daß wir der schwere Bewaffnung, in der Abwehr gegen Gasangriffe unserem westlichen Rachbar gar nichts entgegenzusetzen haben und daß es infolgedessen Irrsinn wäre, auch nur den Versuch eine» neuen Waffenganges zu machen. ,, , _

Da» alles mutz aus den zahlreichen Be­sprechungen mit seinen sozialistischen deutschen Freunden, die mit einiger Erschütterung feststellen werden, wa» aus ihrem ehemalige Weggenossen geworden ist. Arbeitet der französische Minllter- präsident in dieser ßbrte weiter, will er wirklich, wie er anzudeuten scheint, den Rhein dauernd beseht halten, bann ist an einen Frieden in Europa nicht zu denken, weder an einen politischen noch an, einen wirtschaftlichen.

Deutschland hat den ehrlichen Be- wei» erbracht, daß e» die ungeheuerlichen Lasten des Londoner Abkommens auf sich nehmen will, werden wir gewaltsam daran verhindert, dann ist es Schuld der Franzosen, wenn etwa neue Krisen über Europa hereinbrechen sollten, die den ganzen Weltteil endgültig der Katastrophe entgegenführen müßten.

Herriot kommentiert seine Rede.

Paris. 29. San. (WB.) Sn der Rach» mittagssiyung der sramösischen Kammer findet vor der Abstimmung über die Afftchierung der gestrigen Rebe Herriots eine Debatte statt, in deren Verlaus t>:r Ministerpräsident einige seiner geftrigen Erklärungen erläutert.

Herriot erklärt: Ich bcbauce lebhaft, daß meine gestrige Rebe zu Polemiken Anlaß gibt

Platzvorschnft 20'. Aus- schlag. - Verantwortlich für VofitiN u. Feuilleton: vr.Frtedr.Wilh <tangc; für den übrigen Teil. Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Han«Be*, sämtlich in Gießen.

Deutschland und Amerika

Der Abschied

Honghtons und Maltzaftns.

Berlin. 29. San. (WTD.) Zu Ehren des Botschafters v. Mal Hahn gab der hie­sige American Club im Hotel Adlon ein Festessen, an dem von amerikanischer Seite Bot­schafter Houghton teilnahm. Den Be- grüßungstoast auf den Ehrengast de« Abends, den Botschafter Maltzahn, brachte der Botschafter auS. Rach einigen einleitenden Worten, in denen er darauf hinwie». dah dies die erste Gelegenheit sei, bei welcher er während seiner Amtszeit in Deutschland öffentlichdas Wort ergriffen habe, führte Houghton fol- gendes aus:

Als ich das erste Mal herkam, hatte der Sturz der Mark eingesetzt, ein Sturz, der mit ftänbig wachsender Sntenfltät und Schnellig­keit andauerte, bi» die Ersparnisse eines sehr beträchtlichen Teiles des deutschen Volkes weg­gefegt waren. Dann kam die Periode der Ar­beitslosigkeit, die schließlich die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung Deutschlands jeder Ar­beitsmöglichkeit beraubte. Als Folgeerscheinung erlebten wir bann jene bitteren Monate des Hungers und der Rot. Wir können uns in diesem Zusammenhänge daran erinnern, daß freigiebige Hilfe von Amerika hereinkam. _ Aber wir tun noch besser daran, uns ins Gedächtnis zurückzurufen, daß es letzten Endes das deutsche Volk selbst war, das es mitten aus seinen eigenen Entbehrungen heraus es fertig brachte, den größten Seil der nötigen Mittel zur Linderung der Rot zusammenzubrin­gen. Dann kam eine Wendung. Als dann im vergangenen Sommer der Dawesplan ange­nommen wurde, kam das Wunder, das wir heute sehen, ein im wesentlichen in voller Ar­beit begriffene« Deutschland, ein Deutschland, das seinen Fuß wieder, wie wir glauben, auf einen schwierigen, aber den einzig möglichen Weg zum wirtschaftlichen Wiederauf­bau gesetzt hat.

Wenn ich jetzt meine Amtspflichten hier in Deutschland nieberlege, so möchte ich bei dieser Gelegenheit dem Wunsche Ausdruck geben, daß der im Sommer einsetzende Strom des ame­rikanischen Reisepublikums sich wieder nach Deutschland ergießen möge, und unsere ame­rikanischen Landsleute wieder zu Tausenden und Zehntausenden hierherkommen, um diese Heimat Kants. Hegels. Goethes, Schillers. Beethovens und Wagners kennen zu lernen, die alten deutschen Städte zu besuchen, die Raturschönheiten Deutsch­lands zu schauen und den Zauber der Romantik dieses altehrwürdigen historischen Landes zu fühlen. Sa, noch mehr, sie sollten herüberkommen, um aus eigener Erfahrung kennen zu fernen, ein wie herzlicher und warmer W llkomm ihrer bei dem deutschen Volke wartet. Die per­sönliche Berührung ist bei den Rationen wie bei den Sndividuen das beste Mittel, um ein gegen­seitiges sympathisches Verständnis zu schaffen und zu fördern. ,

Während meiner Amtszeit in Berlin habe ich ständig mit Malhahn zu tun gehabt. Seine amtliche Arbeit mit mir war immer gekennzeich­net durch Würde, Offenheit und fair platz. Sch betrachte es daher als einen hohen Vorzug, daß es mir heute vergönnt ist, nicht nur in Syrern, sondern auch in meinem eigenen Ramcn dieser Würdigung seiner Arbeit öffentlich Ausdruck zu geben. Damit möchte ich ihm die besten Wünsche für feine Reise entbieten. Houghton schloß mit einem Hoch auf Maltzahn.

Sn seiner Antwort sagte

Botschvftcr von Maltzahn

Sch habe Ew. Erzellenz für die freundlichen und schmeichelhaften Worte zu danken, die Sie soeben an mich gerichtet haben, und die ich wohl kaum verdiene. Smmerhin lormte ich mir keinen ermutigenderen Anfang für mein neues Amt wünschen. ,

Bereits vor b:m Flugs des Zeppelm haben Sie und Ohre hiesigen Landsleute die Entfer-

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