ohne sich wieder um staatsrechtliche Theorien zu bekümmern, einige junge, vielversprechende Männer aus ihrer Reihe, nm 3. Dezember in die Regierung. Es ist das ein politisches Experiment, das kaum erfolgreich in einem anderen Lande nachgeahmt werden könnte, denn die Zeiten des aufgeklärten Despotismus sind vorüber. Mer wieder geben die Verhältnisse Primo de Rivera recht. Seine neue Regierung hält sich und festigt sich, und, abgesehen vom Protest der professionellen, aber ohnmächtigen Opposition, findet sie überall Zustimmung und Vertrauen.
So tritt denn Spanien innerpolitisch gestärkt in das neue Jahr. Alke Kassandrastimmen, die am Beginn dieses Monats laut wurden und einen neuen Umsturz voraussagten, sind verstummt. '.Uid)t5 behindert die neue Regierung, mit ihrem Reformwerk zu beginnen. An erster Stelle soll dem Programm gemäß die Finanzwirischaft saniert und ein defizitfreies Budget ausgestellt werden. Den jungen Finanzminister or. Calve Sotelo erwartet da eine schwierige Aufgabe. Solange nämlich die Marokkokampagne Spanien belastet und 'DZillionen unproduktiv verzehrt, kann kaum an ein richtig ausbalanciertes Budget gedacht ^werden, es sei denn, das; man dem Beispiel des Sr. Seijas Lozano — 1851 Finanzminister unter Jsabcl 11. — folgen wollte, der zum erstenmal ein ordentliches und ein außerordentliches Budget ausstellte, alle schwer belastenden Posten auf das außerordentliche Budget herüberschrieb und durch dieses Kunststück das ordentliche mit einem Ueberschnß von 41 Millionen abschließen konnte. Das Vorbild des Herrn Seijas Lozano ist seitdem in Spanien vorbildlich gewesen und die Presse drückt, soweit es die ZeNsurverhäll- nisse erlauben, die Besorgnis aus, daß es dem jetzigen Finanzminister auch nicht gelingen werde, diesem -Irrgarien zu entrinnen.
Durchschnittlich hat das Defizit in den legten Jahren zwischen 600 und 700 Millionen Pesetas geschwankt. Der Finauzminister würde bereits ein großes Mert vollbringen, wenn es ihm gelänge, diese Ziffer herabzudrücken und das Steuerwesen .zu ordnen. Bereits in den ersten Tagen seiner Verwaltung sind erhebliche Ersparnisse im innern Budget der Ministerien gemacht worden. Die Unter * swatsfekretäre wurden durch Difekroren ersetzt und der ganze Apparat der Verwalruntz wurde vereinfacht. Es wird ferner an durchgressenden FiNanz- reformen gearbeitet, deren Einzelheiten noch nicht bekanntgegeben worden sind. Da in Spanien mit Dekreten regiert wird und kein Parlament dazwischen zu reden hat, so bedeuten alle kommenden Fmanzreformeil eine Ueberraschung für das Land. Der Minister braucht sich allein durch die gegebenen Möglichkeiten in feiner Arbeit beengen zu lassen.
Außenpolitisch ist die Stellung Spaniens weit günstiger, als sie es in den Vorjahren war. Das Marokkoproblem ist für den Augenblick dein Gefahrenbereich entrückt, und wenn es auch noch lange nicht gelöst ist und im Frühjahr wieder akut werden kann, so bietet es im Augenblick keine inter- uatiönalen Schmiebigkesteu.. Um die Verwaltungsangelegenheiten zu vereinfachen, hat die neue Regierung ein besonderes Gcneraljekretariat für Ma- rakko und die Kolonien ins Leden gerufen. Als nächste Aufgabe werden im Aüßenamt Schiedsver träge zwischen Spanien, England und Frankreich ausgeärbeitet, deren Abschluß bald bevorstehen dürfte. Diese Verträge können hinsichtlich der Mit- tl^meerfrageu, die dadurch berührt werden, von großer politischer Bedeutung fein. Dos Mittelmeer ■ ist heute ebenso wie in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten einer der Brennpunkte der europäischen Politik und bei allen Möjsiichkeilsu und Ün- 'möglichkeiten, die das Mittelmeerproblna der Zu- t fünft bieten wird, Icmn Spanien nicht übergangen werden. Spanien kann sich als Seemacht weder mit 7 England, noch mit Frankreich oder Italien vergleichen, aber keine dieser Mächte kann ihrer Mittel- '• meerstellunh sicher fein, sollte Spanien zu einer von ihnen in offene Opposition treten.
Zu den idealen Bestrebungen der spanischen Außenpplitik gehört der Paniberismus, d. h. eine möglichst alles umfassende Amräherung an Portugal, aber es ist kcklltn anzunehmen, daß der Airßen- inifüfter Sr. Pcmcmas-Mejsta darin mehr Ek'oig als chelne Vorgänger haben wird. Portugal ist dein reinen PadamerftotismuS ergeben, gefällt sich in Varteihader und verfallt von einer Revolution und Krisis in die andere, wähnend Spanien biftaiu ifch regiert wird, keine Opposition gelten laßt und streng monarchisch ist. Aber ganz abgesehen von allen innervolitischen Unterschieden stehen sich die beiden Rachbarvölker, trog ihrer nahen Vcrwandstchafr, recht fremd gegenüber und mögen sich auch nicht im
privaten Verkehr. Man kümmert sich in Spanien recht wenig um die Vorgänge in Portugal, und in in den Zeitungsständen Madrids findet man neben deutschen, französischen und englischen Zeitungen niemals eine portugiesische. Paris und Rom liegen Madrid geistig näher als Lissabon.
Trutz des Bandes der gemeinsamen Sprache ist die Annäherung Spaniens an die südamerikanischen Tochterländer mehr papierern und äußerlich geblieben. Die spanische Außenpolitik sieht eine ihrer Hauptaufgaben darin, die Annäherung mit Südamerika weiter auszubauen und wird dabei von der öffentlichen Meinung im eigenen Lande und auf der anderen Seite des Ozeans in jeber Beziehung unterstützt. Der König Don Alfonso der XIII. wird voraussichtlich im kommenden Jahre eine Reise nach den südamerikanischen Republiken unternehmen. Er darf auf den herzlichsten Empfang rechnen, und sein Besuch wird gewiß auch politische Früchte bringen, die der Außenpolitik Spaniens zugute kommen werden.
Was nun das Verhältnis Spaniens zu Frankreich anbetrifft, so hat es durch den Madrider Marokkovertrag eine besondere Bedeutung bekommen. Man ist hier in vieler Beziehung von der großen Nachbarrepublik abhängig und die liberalen Parteien versuchen schon aus Oppositionsgeist im französischen Fahrwasser zu plätschern, ober von wirklich herzliciM Beziehlmgen kann keine Rede sein, dazu stehen sich beide Völker viel zu fremd gegenüber. Man hm zwischen Spanien, Frankreich und Italien oft die Gemeinsamkeit der italienischen Rasse ange- rufen, aber das ist mehr ein literarischer als ein politischer Ausdruck. Eine Rasten- und namentlich eine Ciktengemeinschaft besteht zwischen Frankreich und Spanien gar nicht, sie mag bestenfalls zwischen Katalonien und einigen südiranzösischen Provinzen herausgesunden werden. Aber hinsichtlich Marokkos'liegt es in den Zielen der spanischen Außenpolitik, die Freundschaft mii Frankreich nicht erkalten zu lasten. — Das Verhältnis Spaniens zu Deutschland ist ein freundschaftliches, das auch durch den kurzen Zollkrieg nicht getrübt worden ist. Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß es im Laufe des jetzt bestehenden sechsmonatigen Provisoriums gelingen wird, einen für beide Länder günstigen Handelsvertrag abzuschließen.
So hängen denn über dem mchei.politischen wimmel Spaniens keine schwarzen Wolken. Der neue Atrßenminister Sr. Panguas-Messia findet in seiner Arbeit freie Bahn und feiner Initiative sind olle Möglichkeit geboten. Spanien tritt mit guten Aussichten in das neue Jahr.
OoerhMen.
Landkreis
r. Klein-Linden, 28. Dez. In der jüngsten G c m c i n d e r a t s s i tz u n g wurden folgende Punkte und Anträge erledigt: Die vom Gemeinde- rechner vorgetragene Abrechnung für das Rech - n u n g sjäh >; 1 923 wurde genehmigt. — Die festgesetzte Sonder st euer in Höhe von 75 Pt. pro li ij Mk. Veranlogungskapital ab 1. April 1925 verwarf das Ministerium, da feine gesetzlichen Unterlagen vorhanden seien. Es empfahl, ab 1. April bis 31. "August 60 Pf., ab 1. »September bis 1. April 1926 80 Pf. zu erheben, was beim auch beschlossen mürbe. — Die H u n b c st euer für 1 ü 2 6 verbleibt auf ben bisherigen Sägen, d. h für den ersten $unb auf 6 Mk., zweiten Hund 12 Ml., dritten Hund 18 Mk. usm. Diese Steuer erschie" mit Rücksicht daran', daß die Gemeinde keinerlei Nachtschutz ausüben läßt, einigen Gemeinderatsmitgliedern zu hoch, wurde aber nach dem Hinweis des Bürgermeisters auf die Finanznot und die Unmöglichkeit der Deckung des Steuerausfalls von der Mehrheit angenommen. — Ein Antrag von Erwerbslosen auf Gewährung eines Weih- n a ch t s z u j ch u f f e s seitens der Gemeinde wurde vorläufig aus Mangel an Mitteln zurückgestellt. Der Antrag löste eine längere Debatte aus über das Verhalten des größten Teiles der Arbeitslosen gegenüber der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit von zwei Tagen in der Woche. Von 55 Arbeitslosen hatten z. B. in der Weihuachtswoche bis zum Tage der Sitzung erst 11 ihrer Verpflichtung genügt. Schärfere Maßnahmen wurden empfohlen und sollen durchgeführt werden. Nur mit Rücksicht aus bie Weihnachten fomuc sich der Bürgermeister entschließen, die Unterstützung an zu weisen. Es sollte z. B. das von den Arbeitslosen gemachte Wellenholz vor Weihnachten zugunsten der Arbeitslosen verkauft werden. Die Arbeitslust war aber so „groß", daß nur sehr wenig zum Verkauf vor
handen gewesen wäre. Aus diesem Grunde und aus jeglichem Mangel an Barmitteln konnte dem Antrag vor Weihnachten nicht entsprochen werden. Es liegt nun an den Arbeitslosen selbst, ob überhaupt noch etwas daraus wird. Hervargehoben wurde, daß besonders die jüngeren Leute,, die das Gros der Arbeitslosen stellen, ihrer Pflicht nicht genügten. — In Sachen der Besetzung der Gemeinderechner st eile wurde in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, daß, bevor das Streitverfahren in der Berufungsinstanz der Ge- incinbe gegen das Urteil des Kreistags beim Pro- vinzialtag verhandelt wird, der Schwerkriegsbeschädigte Weller durch das Kreisnmt auf die Schreib- fä'higkeit der linken Hand unter besonderer Berücksichtigung der zu leistenden Arbeiten eines Ge- meindervchners für eine Gemeinde von der Größe Klein-LiNdens geprüft werden soll. — Am Schlüsse der Sitzung, als letzte des alten Gsmeinderats, sprach der Bürgermeister dem Gesamtkollegium für die geleistete Arbeit den Dank der Gemeinde aus. Im neuen Parlament verbleiben fünf Vertreter vom alten Gemeinderat. Die Ausscheidenden bat er, wenn es notwendig werde, baß sie mit ben gesammelten Erfahrungen in ber Gemeinbepolitik auch fernerhin im Jntewsse ber Gemeinbe wirken. Wenn auch öfter Meinungsverschiedenheiten über einzelne Tagesordnungspunkte zum Vorschein tarnen, so habe man sich am Schlüsse immer wieder zu gemeinsamer Arbeit zusammengefunden. Unter Würdigung der vergangenen, wirtschaftlich schweren Zeit, besonders der Inflationszeit, könne gesagt werden, daß die Gemeindevertretung das erreicht und getan habe, was möglich war.
Rödgen, 23. Dez. Der M änner - gesangVerein ..Harmonie" veranstaltete am 2. Feiertagabend int Saale des Gastwirts Balser fein diesjähriges Win terbergnügen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand her Vierakter ..Bettelheini". Der Verein, unter der Leitung seines neuen Dirigenten Kurz- Gießen brachte mehrere Chöre meisterhaft und form-- vollendet zum Vortrag. An die Aufführung schloß sich ein Danz o.n. — Im Gasthaus Wagner sprach- ein Vertreter des landwirtschaftlichen Ge- nossenfchaftswesens. Herr Hartmann aus Gießen. über die Aufwertvngsfrage. Bereitwillig gab er auf alle an ihn gestellten Fragen Antwort. Bor allem mahnte er zu größter Sparsamieft, da bau Jahr 1926 wahrscheinlich noch schlechter werbe als das letzte. Rettung sei nur möglich, wenn eS gelänge, Geld von Holland und Amerika zu erhalten. Der Vorsitzende der hiesigen Genossenschaft, Landwirt H. Bellos I. dankte der: Redner.
s. Trohe. 28. Dez. Weihnachten brachte uns dieses Jähr zwei Feiern. Am Weih-' nachtsabend veranstaltete hie Schule im Saale der Burg wirtschaft eine 'Weihnachtsfeier, die dir gesamte Einwohnerschaft vereinte. Zn Lied, Spruch and Krippensp'.el wurde von den Kleinen das Weihnachtsmysterium dargostellt. Der Ortslehrer bat die Eltern um ihrer selbst uni) der KAtder willen, die h.-.r.r und bittere Zeit für ein paar Tage zu. vergessen und das WsiHnachtsfest zu einem wahren Familienfest werden zu lassen. Am 1. Feiertag abends hielt der Gesangverein „Eintracht" seinen diesjährigen Unterhalt ungäabcnb ab. Die musikalische Leitung der Lieder lag in den Händen des Chor- meisters Ludwig Oswald aus 'Wieseck. Einige Lustspiele unb Einzel.stücke sorgten weiterhin für beste Unterhaltung. Der Vorsitzende Fr. W. S cd m i b- t dankte allen Mitspielern.
■) Alten - Bii seck, 28. Dez. Am Dnrfausgrmg nach Taubringen zu hat ber Gastwirt Ovpe r in diesem Jahre einen Saal erbaut, ber mit seinen gewaltigen Ausmaßen bas Problem ber Raumnot, bas sich hier bei Festen, Vorträgen unb Veranstal- hingen anberer Art immer wieder geltend machte, glänzend gelöst hat. Hier sand am 2. Feiertag nachmittags ein Konzert des Arbeitergesang- Vereins „Eintracht" unter der vorzüglichen Leitung des Dirigenten H. M e y e r aus Wieseck statt. Die einzelnen Lieder sanden den ungeteilten Beifall ber Zuhörer. Das mit Musikbegleitung vor- ge;ragene Lied „Unter ber Linde" erregte geradezu stürmischen Beifall und mußte wiederholt luerbcu. Abends wurde ein Theaterstück „Wieder vereint" gespielt. Sein teilweise r-'cht ernster Inhalt land dankbare Aufnahme Anschließend fand Tmtz statt. Der Verein „Eintracht" kann stolz auf seinen Erfolg sein, zu dem nicht wenig der neue Saal unb bie iechniich sehr brauchbare Bühne beitrugen.
Bg. G r o ß e u - B u s e ck, 27. Dez. Die beiden G v 11 e s b i e n st e des 1. Feiertags waren über- ■msKsaa
aus stark besucht. <>ur löeriajonerung oes cqicn derselben trug der Gesangverein „G erma - ii i n" bei, der unter der Leitung seines betanrüen Dirigenten Kasten- Gießen zwei Weihnachtschöre präzis und stimmungsvoll vortrug. Im Abendgottesdienst erstrahlte zum e r st e n Male bas elektrische Licht in vorläufig angebrachten Lampen. Ein Kronleuchter wird vom Freiherrn v. 91 o r b e ft zur Rabenau gestiftet werden. Man denkt daran, die übrigen Beleuchtungskörper damit möglichst in Einklang zu bringen. Die Ober- klasfe unter Führung von Rektor I n d e r t h a l brachte einige Weihnachtslieber zu Gehör, von benen besonders bas letzte sehr ansprach. Der Ueberschuß ber Tollersammlung soll zugunsten einer H e i - z u n g s a n ! a g e für das Gotteshaus g<;hen. Zweifellos ist damit im Sinne Vieler, besonders älterer Leute, gehandelt, die sich im Winter aus Gesundheitsrücksichten den Kirchenbesuch versagen müssen. — 21 m 2. Wsihnachisfeiertage hielt der Gesangverein „Heiterkeit" sein diesjähriges Winte r n e r g n ü g e n ab. Rach ber durch ben 1. Vorsitzenden W. Dort erfolgten Begrüßung, erfreute der Verein seine Zuhörer durch eine-Reihe Chöre, die unter ber bewährten Leitung seines Dirigenten .Konrad Nicolai klang- und verständnisvoll vorgetragen wurden. Ein Theaterstück „Mag auch die Liebe meinen" erweckte bei flottem Spiel tiefe Eindrücke. Nach einer Verlosung folgte bei guter Musi? noch ein gemütlicher Tcmz^
: G r o ß e n - B u s e ck , 28. Dez. Schon lange trägt man sich in unserem Dorf mit dem Gedanken, ein Ehrenzeich e n zu. errichten für die im Weltkrieg gefallenen Söhne unserer Gemeinde. Die Hauptfrage, die bei unserer wohlhabenden Gemeinde nicht etwa bie Geld-, sondern die Platzfrage ist, ist aber immer noch nicht gelöst. Anfänglich wurden einige Stimmen laut, ben 21 n g e r, westlich vom alten Schulhause, mit dem Kriegerdenkmal geschmückt zu sehen. Dieser Plan scheint aber definitiv aufgegeben zu sein. Es sind nun in ber Hauptsache noch zwei Projekte, über bie gegenwärtig bi skaliert wirb. Unb bsibe Plätze sind tatsächlich vorzüglich geeignet, als Standort für ein Denkmal in Frage zu kommen. Der eine Gedanke ist ber, ben K i r ch e n p l a tz, und zwar bie nördliche Hälfte, links vom Kircheneingang, mit dem Ehrenmal zu zieren. Das gegenwärtig hier stehende Denkmal aus dem Jahre 1870/71 müßte dann, ba es nicht viel Raum beansprucht, auf die südliche kleinere Hälfte des Kirchenplatzes, rechts vom Kircheneingang, umgejetzt werden. Denn für das neu zu erbauende Ehrenzeichen, das in ganz anderer Form unb Größe er|d}einen wirb wie bas von 1870/71, wäre dieser Platz zu klein. Andere Stimmen, namentlich solche, die m einem Kriegerdenkmal nur ein Gefallenen ehrenzeichen erblicken, wünschen als Standort unseren prachtvoll am Südabhcmg des Alten Berges gelegenen Friedhof, links Der Beuern er Straße. Unser Friedhoi, vielleicht Der schönste seiner Art in ber ganzen Umgebung, bietet eine weite Sichi bem 23inerter Tal hinauf unb gilt sicherlich als ber idealste Platz für eine Totenehrung. Vorerst ist sich aber die Einwohnerschaft trotz vieler Besprechungen immer noch nicht einig über bie Platzfrage, unb so muß bie Errichtung des Denkmals zunächst noch zurückstehen.
bf. Burkhardsfelden, 27. Dez. Am Sonntag fand hier in der Schule bie Weihnachtsfeier der K le inkinderfchule fiait. Rach einer Ansprache des Ortspfarrerä unb Gemeindege^ang wurden von der kleinen Kindettchar gemeinsam einige Sprüche aufgesagt. Rach abermaligem Gelang unb dem Schlußwort folgte die Bescherung Am 1. Weihnachtsfeiertag folgte die Weihnachtsfeier der Sonntags- s ch u l e, die Darbietungen der verschiedensten Art in stimmungsvoller Weise brachte. Am Schlüsse der Feier erhielt jedes Kind ein kleines Geschenk. Um diese Veranstaltung hat sich die Industrielehrerin Frl. Gcrta G v r r hervvr- vorregeni) verdient gemacht. Die Vereinigung ehern. Kriegsgefangener'veranstaltete am 2. Feiertag im Saalbau Wilh. Hinter Ww. eine Abendunterhaltung. Dank der Mit- toiriung des Gesangvereins ., G e r m a - n i a“ und einiger wohlgelungener Aufführungen teils heiterer, teils ernster Art. wurde ber Abend zu einer genußreichen Veranstaltung, an bereu AuSklang ein Tanzvergnügen die Teilnehmer noch einige Stunden beilammenhielt.
V. Londe r f. 27. Dez Llm zweiten Weitz- nachtsfeiertage hielt der hiesige Ar beiter- G< sangvercin „Union“ im gutbeietzten Bsegceschen Saale sein diesjähriges Winter- vergnüge n ab. Der Vortrag der einzelne i
Fra^Ziska.
Roman von Li esbet Dill.
30 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Die Mitteilung Mäb'idtS, daß zu Pfingsten „©dippte“ herausgebracht werden sollte, siel wie eine Dow.be in das feindlich' Lager der Künstler! Strauß! Gleich nach Deftmachten war er mit dem Ring herausgekvmmen unb nach Ostern Strauß, es war unerhört! In den ausgeglichrtnn Wohlgemutschrn Bahnen hätte es nach Ostern niemals Premieren gegeben. eS War eine Zumutung für die ermüdeten, überansirengt-en 5xünft» ler!
Zwischen der Ebmhausen und Franziska setzte ein Kampf ein, eine Folge von Szenen und Auftritten, die sich auf dem Bureau des Inten-- L>?r.t'n. hinter verschlossenen Türen abspieiten. Die beiden kämpften für die Rolle der Salome.
Franzisla ging entschlossen auf das Bureau des Intendanten, jetzt galt's! So hatte der Inte-a- bar:t dieRdtt noch nie gesehen, sie stand mit auf- gerissenem Pelz vor ihm, wie eine Löwin kämpfte sie iiir diese Rolle. Sie legte ihm ihre Kritiken ber Helena, der öiulietta vor. Hatte die Ebsn- hrtusen jemals solche Besprechungen gehabt? Rie- mats würde die eine Salome geb:-n können, niemals den Tarp, der sieben Schleier tanzen.
Das brauchte sie auch nicht, davon hing der Erfolg der Rolle nicht ab, warf der Graf ein, der ruhig lächelnd, das Monolel einge- Üemmt, an seinem Diplomatentifch saß, mehr amüsiert als bewegt Von diesem Wortschwall, 1x.’ an seinem an derartige Auftritte gewöhnten Ohr vvrüberreuschtt-.
Jedesmal war ihr die Eben Hausen zuvor- gcfoinnieu, aber diesmal würde sie sich ihr in den W-eg stellen. Lieber in einer Dachkammer wohnen und trodeneS Brot essen, als sich immer verdrängen lassen Von einer Kollegin, die man nur bevorzugte, weil sie von hier und aus guter Familie war. Die Rollen, die ihr die Ebenhausen 3uf:mmcn liest, aus denen war nichts herauSzuholen. Als Salome würde sie etwas Ungewöhnliches bringen, des fühlte sie.
„Sie haben uns ja schon in der „Schonen Helena" gezeigt, daß Sie etwas iönnen“, be
sänftigte der Intendant die erregte Künstlerin, die er bis dahin immer für temperamentlos gehalten.
Franzisia warf ben Kops zurück. Ah, bie Hsrcna. das war eine kleine lächerliche Sache, unb sie hatte doch einen Bombenerfolg damit gehabt. .Ueberall nach auswärts, wo jetzt die ..Helen,a" gegeben wurde, rief man sie schon hin. Gestern hatte sie ivbeber ein Telegramm beloniw.cn. sie im Residenz! he ater in 3ä zu fingen, aber Soubreftenrolten genügten ihr nid>*.
„Also die Salome oder Kündigung?''
..Ia". sagte Franziska.
Sie setzte sich durch, sie bekam die Rolle.
Fran,zista tarn wie berauscht nach Haus und warf sich über die neue Partie: es würde „ihre" Rolle werden.
Die Kolleginnen gönnten cs Franziska und gönnten es der Ebenhaufen. Es war nicht mehr als recht, daß auch mal die Rott zu Wort kam.
Die ehemals berühmte alte Ballerina studierte ihr den Tanz der sieben Schleier ein: Franziska hatte es durchgesetzl, ihn selbst zu langen, gegen den Willen der Prima balierina und des Intendanten.
Franziska lief zu den Proben, saß in jedem Schauspiel, nahm ihre Gssangsübungen mit Püirktftchkeit und Gsdrüd vor, abends lag sie auf bent Sofa, unfähig zu sprechen und erschöpft. Die Prdbm zum Schleiertanz beschäftigten sie ganz.
„Willst du denn den selber t.in-en?" fragte auch Hasse.
Sie nickte.
„Entweder oder. Die Ebenhaujen", sagte sie verächtlich, ..hätte ihn von der Prima ballc- rina tanzen lassen. Ab:r wenn diese sich auch schminkte und das Gesicht zu verhüllen verstand, es war doch störend, daß es nicht derselbe Körver war, der vor Herodes sang und tan,vle. Ab r ich geb’ den Tanz nif her. Das muß aus einem Gus) sein. Ich werd: bie Salome fingen, spielen und tanzen."
„Aber du bist doch keine Prima balierina“, sagte Hasse. Er hatte den „Iohannes" in München gesehen mit einer Schauspielerin, die den Tanz plump und häßlich tanzte und dadurch die Begeisterung des Hirodes einfach unverständ
lich machte. Sie hatte sich aus ein Gebiet gewagt. das sie nicht beherrschte.
„Man fontt all^ lernen", sagte Franziska. „Ich werde euch was vorcanzen. ah!" Sie warf die Arme in den Racken und jchloß die Augen. Er sah, daß ihr Tränen die Wangen Herabliesen.
Das stimm'.e ihn wieder weich. „Mariot überauflrenal euch," sagte er. „mit dem müßte mal ein 21t;t. sprechen —■“
Franzidka öffnete erschrocken die Augen. „Um Gottes willen, misch dich nur nit drein!“
Er strich ihr über das verwirrte Harr, ganz sacht, wie man ein branres Kind berührt. Sie tat ihm leid. „Wenn der Sommer kommt, mußt du aus's Land "
.'Was nach meiner Salsme kommt, ist mir (-klev alcich". sagte sie. „Istzt laß mich schlafen, Fre'. i.h bin zum Sterben müd."
war Franziska jetzt immer, wenn sie 7uj ncnkamen. Diele stillen Abende bei ihr, für die er die Woche durcharbeitete, während er sturm aus dem ©.ollen des KraicksnhauftL kam. waren feine Erholung, ein Ausspannen der <2ier*>en. Gr sehnte sich nach diesen rosig verschleierten Lampen, nach der Luft ihrer reizend eingecichtetcn Räume, in denen er jedes Ges- selchen, jedes Kissen selbst gewählt und Tapeten und Teppiche zueinander abge-ftimmt halte.
Aber selbst dieser einzige Abend in der Woche schien ihr zu viel zu sein. Eie traf keine Vorbereitung mehr dazu, es standen keine Blumen mehr aus bem Tuch, unb das Essen, das dos Mädchen endlich brachte, war nachlässig zubereitcu F.'.uiziskci plauderte während der Mahlzeit. Sie lief die Läden ab nach einem graublauen Leinen und m-.ittrD.cn Koi allenfchnü- ren zu ihrem Kostüm. DeS Mittags ast sie in ber Konditorei, aus dem Bahnhof, wo sie gerade biniäm, flüchtig, um feine Zeit zu verliere(t. Das Schlafzimmer le z voller Stosse, Franziska probte von bem Spiegel bei vci jch'osscnen Türen und hellbrennendcn Lampen ihr Salomeiostum. Ihr EdAsteinmieder mußte ihr der Juwelier immer wieder MnSeino.nl "enehmen, niemals wollten die Farben der Steine zu ihrem Haar passen. Sie war so erfüllt von ihren Plänen und ihrer
Rolle, daß sie gar nicht merkte, wie es in Hasses Gesicht zuckte und arbeitete.
Sie sah Haise seins» Teller wegschieben. „(Seit, eS ist schlecht", sagte sie. „Ach Gott, ich h'b gar leine Zeit mehr zu solchen Sachen, bie Blumen sind verweilt, es lieht aus bei mir! Und fic schellte nach Kaffee und nach Obfl.
Der Kaffee war das einzig Genießbare, di e Köchin trank iclbfl gern ein. n starken Kaffee. Dann legte sich Franziska auf bie Chaiselongue unb fiedle sich die Zigarette an.
Wenn man ernstlich arbeitet und von Ehrgeiz verzehrt wirb, ist man zu nichts anderem mehr zu gebrauchen. Er wollte ihr jetzt nichts KräuLendes sagen. Es toor, alZ sei sie von Dämonen besessen, Ruhm und Ehrgeiz.
Die Proben zu Salome hatten begönne *. Als Franziska in ber ersten Probe «ftnen Blick in die dunkle Proszeniumslvge warf, sah sie dort etwas furckeln. Es wich sofort zurück in das Dunkel der Loge, aber mit ihren scharfen Augen erkannte sie die Lorgnette Frau Mariots.
Ah so...
Run verstand sie Mar.iots nnbeweg'-iche? Gesicht, sein ehernes Profil, seine Vorsicht, feine Kälte, die ihn umhüllte. Aber trotz dieser dufteren CiSatmosphäre war zwischen ihnen die Lust wie in ein Flammenmeer verwandelt. Franziska hatte von seiner Selbstbeherrschung gelernt. sie spielte für ihn. sang für shn und nahm feinen Tadel stumm hin. Sie begann alte Fehler abzulegen, an denen sie bisher gleichmütig vvräbeigegangeir war.
Dieser Mwnn, der jetzt in ihr Leden getreten war. war der, der sie groß machen würde, Unermeßliches hatte er ihr zu geben, i-)r als Mensch und ber Künstlerin in ihr. Und als „Künstlerin" nur wollte sie siegen. Unb während ihr Inneres wie von Flammen verzehrt war. stand sie kalt und unbeweglich vor ihm, ihre Augen schauten ihn an. als sähen sie einen Fremden, ihr zuckender Mund blieb stumm, ihre Stimme ilang sicher unb ruhig. Sie übte zu Hause die einzelnen von ihm gerügten Stellen burch bis in Vie Rächt hinein. Der Kapellmeister war zum erstenmal zufrieden mit ihr.
(Fortsetzung folg:.)


