Ausgabe 
29.12.1925
 
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Nr. 505 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Dienstag, 29. Dezember 1925

an

Bäckereien, Steuerfragen, die Wölfersheimer Werke, das besetzte Gebiet, die heff. Gesandt­schaft in Berlin, die staatliche Betriebskrankm- kaffe, die Selbstverwaltung, die Lehrerbildung so­wie über die Grundschule. Besonders heftig kämpfte der Bauernbund für seine Ersparungsanträge: der Wortführer in diesem Kampfe war der Abg. Dr. Leuchtgens. Sein und seiner Fraktion Streben zielte dahin, den hessischen Staatsyoranschlag auf die Verhältnisse des Jahres 1913 zurückzuführen. Gin Erfolg dieser Bestrebungen sowie anderer For­derungen der Rechtsparteien scheiterte an dem Widerstande der Koalitionsparteien, die jede Maß- nahme und jede Erklärung der Regierung billigten und durch parlamentarische Abstimmungen deckten. Ein charakteristisches Beispiel hierfür waren die Vorgänge in der Sitzung am 13. Juli, die eine Ver­gewaltigung der Rechtsparteien darstellten. Diese hatten einen Antrag eingebracht, worin das Landes­aint für das Bildungswesen aufgcsordert wurde, eine Abänderung seiner Verfügung über die Aus­nahmebestimmungen von Schülern vorzunehmen, die die Grundschule drei Jahre lang besucht haben, um zur höheren Schule üverzugehen. Ministerialdirek­tor Urstadt erklärte im Flamen der Regierung, dem Anträge (der eine Mehrheit im Hause gefunden hatte), könne nicht st a t t g e g e b e n werden. Die St'oalitionsparteicn deckten bei einer Abstimmung, die sich an diese Erklärung schloß, die Regierung.

Die Regierungskrise zu Anfang des Jahres lastete noch Monate lang später auf allen parla­mentarischen Arbeiten. Da die Sommermonate fast ausschließlich von den Etatsb'ratungen be­ansprucht waren, so konnte der wichtige Gesetz­entwurf über die Wahlen zu den Kommu­nalparlamenten nicht mehr beraten werden. Eile war geboten, denn nach der Verfassung waren die Wahlen zu den Selbslverwaltungskör- perschasten noch vor Ablauf des Jahres 1925 vor­zunehmen. Am 8. September traten daher der Vorstand, der Aeltestenrat und der Geseh- gebungsausschuß des Landtags zusammen, um die Lage zu beraten. Das Ergebnis der Besprechun­gen war, daß weder der Vorschlag angenommen wurde, der Regierung die Befugnis zu erteilen, eine Abänderung des bestehenden Wahlgesetzes auf dem Wege der Verordnung in Kraft treten zu lassen, noch eine Rovrlle zu.n alten Wahlgesetz zu beraten, sondern, es wurde beschlossen, das im Entwurf bereits seit Monaten vorliegende Wahlgesetz zu beraten. Am 15. September trat schon der Gesetzgebungsausschuh und am 6. Ok­tober der ßanötag zusammen. Am 7. Oktober

6 tfaSn^atte sich in Hessen die Regierungs­krisis einer Klärung zugewandt, so setzte auch td>on der Wahlkampf für die Re tchs Präsi­dent enwahlen ein. Die erste Wahl war am 29. März und die zweite am 26. April. Die Wahlagitation war beidemale sehr rührig und die Wahlkänipfe waren sehr heftig: gleich­wohl erreichte die Wahlbeteiligung zunächst nur die Ziffer von 66,1 Proz., dann aber stieg sie auf 77 Proz. uni) übertraf damit noch Die letzte Landtagswahl um 2 Moz Di^ D^eiligungs- zsffer ist bis letzt nur bei der Wahl zur Volks­kammer überboten worden.

Der Sommer ist in dem abgelaufenen Jahre politisch erregter gewesen als in früheren Zelten. Die Ursache war die Tagung des Hess. Landtags, die vom 9. Juni bis 20. Juli J>au rte, also weit über daS übliche Maß hinaus; dabri mußten sogar mehrfach noch die Rachmtt- taae für die Beratungen in Anspruch genommen werden. 3m Mittelpunkt der Verhandlungen stand der Staatshaushalt, der die Rede­lust der Abgeordneten geradezu ungehemmt ent­fesselte. Gesprochen wurde insbesondere über die Entwässerung des Rieds, die Arbeitszeit in den

Wie ein WelLreisender Silvester feiert.

Der bekannte Forschungsreisende Prof. Georg Wegener hat in seinem soeben bei F. A. Brockhaus in Leipzig erschienenen Essay-Band, den erEin neuer Flug des Zaubermantels" nennt, auch stim­mungsvolle Erinnerungen an seine Siloestererleb­nisse mitgeteilt. Er führt uns zurück in die Zeit vor einem Vierteljahrhundert, da er seine ersten großen Reisen unternahm, und erzählt zuerst von dem Silvesterabend, den er auf dem höchsten Gipfel der Rhätischen Alpen, den Scesaplana, im Sü­den des Bodensees, verbrachte. Mit seinem Freunde, dem Maler Hans Beatus Wieland, hatte er den kühnen Aufstieg im Winter gewagt, und nachdem sie den Gipfel erreicht hatten, fliegen sie dann mit

sinkender Sonne zur Douglashütte herunter, wo sie mit ihren Führern bei einem guten Glase Punsch das neue Jahr erwarteten.So kam 12 Uhr heran", erzählt Wegener.Gin paar Minuten vorher wur­den die Punschgläser neu gefüllt, und nun, zum Staunen unserer guten beiden Führer, die nicht recht wußten, worauf das hinaussollte, ein festlicher Fackelzug ins Freie inszeniert. Mit Hilfe der Ttzch- lampe, einer Stearinkerze, einer Stallaterne und eines roten Dunkelkammerlichts, das ich im Ruck­sack mitgeschlepnt hatte, ging das ganz vortrefflich. Wir zogen im Gänsemarsch hinaus in die stille Nacht; als letzter schloß sich, ohne Fackel, das Spitz- hündlein Tino an, Hansens unzertrennlicher Freund. Draußen aber standen wir unwillkürlich still. Wie groß und feierlich war die Welt . . . Lange wagte niemand eine Bewegung, das Ohr lauschte auf das Schweigen ringsum; es war, als müßte man die Sterne knistern hören. Ein tiefes, großes Gefühl ging durch unsere Herzen, ein Gefühl des Glückes, daß wir hier in dieser Reinheit, in dieser stolzen Höhe über allem Lebenden, in dieser heiligen Ein- samkeit die Jahreswende erleben durften." Das Jahr darauf erlebte Wegener den Silvesterabend auf einem kleinen englischen Dampfer im Tropen- meer auf der Fahrt durch den P e r l e n g o I f zwt- scheu Ceylon und der vorderindischen Halbinsel. In den vorangehenden Wochen hatte er die Wunder Ceylons erlebt und fuhr nun den noch großartigeren Herrlichkeiten des märchenhaften Indiens entgegen. Ganz einsam steht er auf dem Schiff, auf dem sonst nur noch dunkelfarbige Tamilen, Arbeiter von den enalllchen leenlantaacn, mitfahren. Des Jahres letzte Stunde hat geschlagen. Manche der Tamilen um ihn summen leise fremdartige Melodien und ihre wie Kohlen dunkle Augen folgen dem Vorüber- schreitenden. Aber sie ahnen nichts von seinen Emp­findungen:Wie ein Rausch ergreift es mich über die Wonne des Lebens. Wieder stehe ich am Bug­spriet: ich breite, während die Mitternacht des neuen Jahres auf unhörbaren Sohlen an mir vorüber­wandelt, meine Arme aus, um eine Göttergabe des Himmels zu empfangen ..."

Das nächste Jahr ist Silvester in Berlin W.: Elektrisches Licht in krittallem'n Krkml'vckLe-n: schwüle, von Parfüm ......u

merluft; zusammengeknüllte Servietten und Obst- schalen zwischen Champagnerkelchen auf dem bien- denden Damastgebeck; schwarze Fräcke und schim- inernbe Frauenschultern; ein schwungvoller Toast, Gläserklingen und lächelnde Gratulationsworte, auf der Spitze der Lippen geboren und auf der Schwelle des Ohrs schon verklungen nichts Besonderes. Ich weiß kaum noch, wo es war." Die Neujahrs­nacht der Jahrhundertwende erlebt der Reisende tief in Asien, tief im Innern Chinas auf dem Pang- tjetiang. Das Schiff ist'ein britischer Flußdamp- fer; gewaltige und furchtbare Dinge hat er in der vergangenen Zeit erlebt. Er hat an demBoxer­krieg" teilgenommen.Was i)abe ich dort oben in der Provinz Tschili in den letzten Monaten alles erfahren," denkt er,auf dem Marsch und im Felb- lager auf der großen Ebene, im heißen Feuer- gefecht an den Felsenpässen der Westgebirge, im bewundernden Staunen vor den von keinem Euro­päer früher so erblickten Schätzen der westlichen Kaisergräber und der verbotenen Stadt von Pe­king!" Aber dann kam ein Tag, der furchtbare 27. Dezember, an dem er eine schreckliche Kala- strophe erlebte. Er erzählt,wie in wunderbarer, fast schauerlicher Erhabenheit rings um uns die düsteren Felsenwände des Gebirgstals emporragten, durch das der Yangtfe feinen langen, seltsamen, mit Klippen und Strudeln besäten Weg aus dem Westen Chinas zu den inneren Ebenen wandelt; wie Klippe um Klippe sicher umfahren, der brausende Wirbel derTatung"-Schnelle siegreich überwunden wurde da kam der furchtbare Zusammenstoß mit der unsichtbaren Felsenspitze, die, mitten im brausenden Wasser und zwischen senkrechten Steilwänden, un­serem Schiff den stählernen Bauch wie der Schnitt eines Metzgers aufriß! In wenigen Minuten war das schöne, stolze Fahrzeug, das nahezu eine Mil- Hon gekostet hatte, in den Tiefen des Pangtfe ver­sunken, und wer von uns in chinesischen Booten gerettet worden war, stand, aller Habe entblößt und ratlos, am steilen Ufer; andere trieben als Leichen den schäumenden Fluß hinab." Tief erschüttert ge­denkt Wegener an diesen Silvesterabend des ge- heimnisvollen Schicksals, das den Menschen in feinen unergründlichen Strudel reißt im Guten und

in Darmstadt.

März: 2. Oberlehrer i. R. Professor Dr. Fried­rich Wilhelm Bernhardt in Darmstadt. 4. Kreisarzt Medizinalrat Dr. Adolf Drescher in A^ey. 11. Oberregierungsbaurat Emil Her­mann Robert Cramer in Darmstadt (geb. zu Hof Ludwigshöhe im Kreis Gießen). 12. Rektor Lorenz M e tz in Hungen. 13. Oberlehrer i. R. Prof. Dr. Hans Heinrich Heim in Darmstadt. 14. Geh. Medizinalrat Dr. Sebastian Fertig, Kreisarzt i. R. in Alsfeld. 15. Geh. Oberkonsifto- rialrat D. Ferdinand Euler, Superintendent von Rheinhessen in Darmstadt. 15. Oberveterinär a. D. Dr. med. vet. Georg Schumacher in Darmstadt (geb. in Elsheim bei Bingen). 15. Fortbildungs­schullehrer Ludwig Rüfer in Friedberg. 20. Lehrer Heinrich 9t inner in Lauterbach. 31. Superintendent Siegfried A n t h e s in Reichels­heim (Superintendent der selbständigen lutherischen Kirche Hessens).

A p r i l: 2. Pastor und Schulrat t. R. Johannes Moschus in Gießen. 3. Prakt. Arzt Dr. Otto Lambert in Nieder-Jngelheim. 6. Studienrat Lic. theol. Otto H e r p e l in Offenbach. 7. Haupt­lehrer i. R. Friedrich Schneider in Heuchelheim. 10. Generalmajor a. D. Hermann Nau in Ju­genheim. 11. Rechtsanwalt Justizrat Robert Braden in Mainz. 19. Stadtbaurat a. D. Hermann Gerbet in Gießen. 20. Pfarrer i. N. Karl Römerin Schotten. 21. Geh. Hofrat Pros. Dr. Karl Schering in Darmstadt. 25. Apo­theker Ludwig Speth in Darmstadt (war Apo- thelcr in Butzbach).

M a i : 2. Professor Dr. Fritz Eigener m Gießen. 3. Bürgermeister Heinr. Jakob F o r r e r in Ibersheim. 4. Oberforstmeister Hans Hil­le r i ch in Dieburg. 13. Oberstudiendirektor a. D. Prof. Dr. Friedrich Kraft in Heppenheim a.d.B. (geb. in Gießen). 13. Studienrat Dr. tferbmanb Tempel in Offenbach. 20. Kunstmaler Georg Paul Rippert in Darmstadt. 31. Geh. Direk- tionsrat i. R. Ludwig Winter in Darmstadt.

3uni: 3. Reallehrer i.9t. Professor Engelbert Heußlein in Darmstadt (Vorsitzender des Hessi­schen Tierschutzvereins). 5. Pfarrer i. 9t. Ktrchen- rat Anton Steiner in Auerbach. 13. Ju- aendschriftstellerin Henny K o ch in Jugenheim, (geb. in Alsfeld). 23. Generalmusikdirektor Hofrat Prof. Hans Minder st ein in Bad-Nauheim. 28. Geh. Medizinalrat Professor Dr. Adolf Sof­ft u s in Gießen. ..

Juli: 14. Justizrat Dr. h. c. Wilhelm Grüne­wald in Gießen. 22. Generalleutnant z. D. Aug. D r a u b t in Darmstadt.

August: 1. Forstrat i.R. Emil Wittig in Darmstadt. 1. Geh. Bergrat Professor Dr. phil. Dr.-Jng. h.c. Alfred Jentzsch in Gießen. 14. Gewerberat Ferdinand Becker in Bingen. 19. Generalmajor a. D. Heinrich v. Westernhagen in Darmstadt. 28. Bürgermeister Heinrich Nees

nach. Die weitere Verbreitung erfolgte nicht durch den Druck, sondern durch sangeslustige Tiroler aus dem Zillertal, die als Handelsleute auf ihren Ge­schäftsreisen Text und Melodie im Salzburgischen gehört und gelernt hatetn. Als die vier Geschwister Strasser (drei Schwestern und ein Bruder) 1831 den Weihnachtsmarkt in Leipzig besuchten, ver­gaßen sie nicht, bei einem von ihnen im Gewand- Haus veranstalteten Konzert nach ihren Tiroler Liedern auchStille Nacht, heilige Nacht" vorzu- tragen. Sie ernteten den größten Beifall. Wahr­scheinlich haben die Geschwister Strasser das be­liebte Stück ihres Repertoires auch bei einem ber­liner Konzert im Jahre 1834 zum Vortrag gebracht. In demselben Jahre noch nahm es Gebhardt in denJugendfreund" auf. Seit dieser Zeit hat nun dies schönste deutsche Weihnachtslied seinen Sieges- «ug durch die ganze Welt angetreten. Vor einigen Jahren haben dankbare Verehrer dem Schöpfer des Liedes, der samt seinem Freunde Gruber völlig in Vergessenheit geraten war, in Oberndorf ein schlich­tes, aber würdiges Denkmal errichtet, geschaffen von dem Pfarrer und Bildhauer Mühlbacher. Ein Relief zeigt uns den Dichter, wie er gleichsam aus einem Himmelsfenster hinauslugt und auf die bekannten Klänge lauscht, die von der Erde vieltausendstimmig sein horchendes Ohr bringen.

Die hessische Politik des Jahres 1925.

f (Don unserer Darmstädter Redaktion.)

** Das politische Leben und Erleben in Hessen wurde im Jahre 1925 besonders stark durch die Reichstags- und Landtagswahlen vom 7. Dezem­ber 1924 beeinflußt. Die Landtagswahlen hatten damals keine wesentlich andere Zusam­mensetzung d^s hessischen Parlaments als bei den Wahlen des Jahres 1921 gebracht. Die Links­parteien konnten die Mandatsziffern der Hess. Volkskammer von 1919 nicht wieder erreichen. Die Sozialdemokraten errangen damals 31 Man­date gingen 1921 auf 24 zurück und verfügen jetzt über 26. Die Kommunisten vergrößerten die Zahl ihrer Parlamentssitze von einem auf zwei und dann auf vier. Die Demokraten gin­gen von 13 auf 5 zurück und haben nunmehr 6 Mandate. Das Zentrum, das aus Den Wahlen der Jahre 1919 und 1921 mit 13 Sitzen her- vorgegangen war, hatte zwei Sitze verloren. Von den Rechtsparteien besaß die Deutsche Volkspartei 7 Mandate, sie stieg auf 10 und verfügt jetzt im Landtag über 8. Die Deutschnat. Volkspartei und der Bauernbund brachten im Jahre 1919 zusammen 5 Mandate auf. Bei den späteren Wahlen trennten sie sich: 1921 hatten die Deutschnationalen 3 Mandate und der Bauernbund 11. Aus den Wahlen vom 7. De­zember 1924 gingen die Deutschnationalen mit 5 Sitzen und die Bauernbündler mit 9 hervor.

in Kriegsheim.

September: 1. Generalmusikbirektor Michael Solling in Darmstadt. 12. Schulrat Wilhelm Hemmes in Bensheim. 17. Pfarrer Wilhelm Dittmar in Haufen. 24. Ingenieur Georg Koch in Gießen. 27. Apotheker Karl Wem- her in Oppenheim (Ehrenbürger von Oppenheim). 27. Pfarrer Friedrich Karl Stotz in Baben­hausen. 28. Musikdirektor und Komponist Heinr. Spangenberg in Darmstadt.

Oktober: Dr. phil. Neinhold W e tz in Darm- stadt. 6. Professor Josef Luley in Darmstadt 9. Oberlehrer Professor Dr. Friedrich Henkel in

wurde bereits das neue Wahlgesetz angenommen, und nachdem der Landtag noch den Amnestie­erlaß gebilligt hatte, ging er wieder in die Ferien.

Wiederum durchtobte ein Wahkkampf das Land; es war der dritte des Jahres 1925 und der vierte innerhalb 12 Monaten. Andere zeitlich kurz vorausgehende Parlamentswahlen hatten eine große Wahlmüdigreit gezeigt, diese trat auch bei den hessischen Wahlen am 15. Ro- vember (Gemeinde-. Stadtverordneten-. Kreis­tags- und Provinzialtagswahlen) charakteristisch in die Erscheinung. In vielen Orten, z. B. in der Landeshauptstadt Darmstadt, war etwa nur die Hälfte der Wahlberechtigten zur Urne gegangen.

Wenige Wochen später, am 8. Dezember, trat der hessische Landtag nochmals zusammen und hielt 9 Sitzungen ab, die zum Teil sehr erregt verliefen, ja sogar Mißtrauensantrage der Oppositionsparteien gegen die Regierung zeitigten. Gegenstände eingehender Aussprache waren Fragen wie: Befreiung der landwirt- s östlichen Saisonarbeiter von der Deitvagspflicht für die Arbeitslosenversorgung, Herabsetzung der Pachtpreise, Erwerbslosenunterstühung und Be­soldung der Polizeibeamten.

Während des ganzen Jahres 1925 haben in immer stärkerem Maße wirtschaftliche An­gelegenheiten den Vorrang vor den polit.scheu in der breiteren Öffentlichkeit eingenommen. Die Wirtschaftskrise hat am Schlüsse des Jahres wie solche Schärfe erreicht, daß sie fast jede polit.sche Erörterung in den Hintergrund drängte. Zu der Annahme, daß sie mit dem Ablauf des alten Jahres auch ihren Höhepunkt überschritten haben möchte, besteht leider wenig Hoffnung.

Heftens Tote im Jahre 19 5

Januar: 1. Oberingenieur Karl Gries­haber in Friedberg. 7. Rechnungsrat Karl 11 c i n in Butzbach. 15. Oberlehrer Professor Dr.

Aber das Zentrum fühlte sich nach dem Ausfall der Wahlen innerhalb der Regierungs­koalition so geschwächt durch den Verlust von zwei Sitzen, daß es darauf sann, seine Stellung zu stärken. Bereits in den ersten Januartagen trat der Landesausschuh der Zentrumspartei zusammen, um die Lage zu beraten und man kam zu dem Entschluß, die Regier ungs- koalition nach rechts zu erweitern, wenigstens wurde der Außenwelt dies als Ziel der Verhandlungen unter den Parteien genannt. Auf Hessen lastete nun eine Regierungskrise, Die fast bis Ende März dauerte und die ganze Tätigkeit des Parlaments lahmlegte, so daß u. a. nicht einmal der Staathaushalt rechtzeitig ver­abschiedet werden konnte und wichtige Gesetz­entwürfe unerledigt blieben. Die Krise endigte mit der Rückkehr der alten Regle­rn n g s k o a l i t i o n, die der sog. Weimarer Koalition im Reich, von Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum entspricht. Auch die bisherigen Minister kehrten wieder. Die selt­samen Abstimmungsverhältnisse bei den Staats­präsidentenwahlen im Hessischen Landtag sind sicher noch in aller Erinnerung. Jetzt, nachdem Monate seit diesen Vorgängen verstrichen sind, wird öfters die Frage aufgeworfen, ob die Ab­sicht des Zentrums, die Koalition nach rechts zu erweitern, auch wirklich bestand oder ob es sich nur um ein politisches Druckmittel gehandelt hat, um die Linksparteien, besonders die Sozial­demokratie, den Zentrumswünfchen gefügiger zu machen. Die Frage zu beantworten dürfte nicht leicht fein. Wahrscheinlich ist auf die Haltung des Zentrums die ReichSpolitik nicht ohne Ein-

Stille Nacht, heilige Nacht"!

Das stimmungsvollste Weihnachtslied, dessen traute Melodie dem Wesen des Textes, feiner Em- fachheit und Innigkeit aufs treueste ent pncht, und dessen Klänge in jebem christlichen deutschen Hause die Herzen mit wunderstillem Glück erfüllen, näm­lich das volkstümlichste LiedStille Nacht, he.lüge Nacht", hüt eine interessante Entstehungsgescylchte. Gs war zu Weihnachten 1818. In dem einsamen Gebirgsdorf Oberndorf bei Salzburg befand sich der Hilfsprediger Joseph Mohr in großer Ver- legenheit. Er war genötigt, in der alten Kirche, deren Orgel schadhaft und gebrauchsunfahig ge­worben war, bas Christfest ohne musikalische Be- qleitung zu feiern. Da sollte nun der Kirchenchor aushelfen, und für ihn verfaßte er das Cie> ber .Heiligen Nacht", für bas aber nod) bie Tlelobie au schreiben war. In aller Frühe bes 24. Dezember ging er nach betn nahen Arnsborf wo fein Freunb^ der Lehrer Fanz Gruber, wohnte der zugleich Organist in Oberndorf war, und bat ihn, die niebergeschriebencn Sttophen mit einer passenden Melodie und einer Begleitung für zwei Solo- stimmen mit Chor und ©itarrebegleitung zu ver­sehen. Gruber hatte vor wenigen Tagen sein junges Weib durch den Tod verloren, und seine trusetige Stimmung wollte und wollte ihn nicht die rechten Töne finden lassen. Aber als der im Lichterglanz strahlende Tannnenbaum die Augen seines mutter» losen Kindes aufleuchten machte, da ließ die bei diesem Anblick erwachende Freude fein bitteres Mißgeschick vergessen, und in kurzer Zeit gelang ihm die glücklichste Vertonung, wie sie Joseph Moor ge­wünscht hatte. Noch an demselben Abend konnte die Gemeinde in Oberndorf mit dem neuesten Weih­nachtslied erfreut werden, ohne zu ahnen, welche Bedeutung das Lied einst für die deutsche Familie gewinnen sollte. Bei dieser Erstaufführung sang Mohr den Tenor, Gruber hatte die Baßstimme über­nommen und spielte die Gitarre dazu, während der Kirchenchor bei ber Wieberholung des letzten Verses jeder Strophe mit einftimmte. Bald fangen in den folgenden Jahren die Nachbargemeinden bei den ChristmettenSttlle Nacht, heilige Nacht"

waltungsdirektor Franz Edmund S o d y in Mainz. 29. Fabrikant Wilhelm K1 i n g s p o r in Offen­bach. 30. Landgerichtsdireklor i. R. Theodor Schulz in Darmstadt. 30. Kreisdirektor i. R. Dr. Karl Kayser in Oppenheim. 31. Rech- nungsrat i. R. Wilhelm Schar mann in Darm­stadt (geb. in Gießen).

Februar: 1. Studienrat Professor Robert Reinig in Offenbach. 1. Vermessungsrat i. R. Heinrich Schmirmund in Mainz (geb. in Brauerschwend bei 21 Isfeld). 3. Professor Dr. Wilhelm von Reichenau in Gonsenheim. Z. Kreisveterinärarzt Dr. Johann Philipp Schwei- k e r t in Darmstadt. 7. Regierungsrat a. D. Adolf 21 b r i e in Darmstadt (geb. in Bad-Nauheim). 20. Lustspieldichter Wilhelm I a k o b y in Wies­baden (geb. in Mainz). 24. Bürgermeister Gun­ther Krenzien in Gießen. 24. Schauspieler Alfred Schuler in Darmstadt. 25. Geh. Kam- mcrzienrat Dr. phil. h. c. Wilhelm Gail in, Gie­ßen. 26. Generalleutnant Frhr. Max v. H e qj

28. Studienrat Dr. Luckhard in Bingen. 30. Bürgermeister Franz Josef Schmitt HL in Kempten.

Dezember: 4. Geh. Justizrat Kaspar Klein in Worms. 6. Weinhändler Jofes Gümbel (Mitinhaber ber Firma Feist & Reinach) in Bin gen. 13. Lanbgerichtsdirektor Karl R u m m c l in Mainz. 16. Bilbhauer Karl Grund in Worms.

Die Jahresbilanz Spaniens.

Von unserem v. U.-8t.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Madrid, Ende Dezember 1925.

Das Regierungssystem Primo de Riveras, die Militärdiktatur, die kürzlich in eine Zivildiktatur um- gewandelt worden ist, wird oft mit dem Regierungs­system in Italien verglichen. Es sind gewiß Achntich- keiten vorhanden, die diese Parallele rechtfertigen, wie vor allem die in beiden lateinischen Ländern gleicht Vereinigung eines alleinfeligmadjenbcn Par­lamentarismus, die gleiche überragende Stellung des Ministerpräsibenten, und schließlich auch die Bildung der nationalen Sematen, die als eine obgeschwächte Nachahmung ber faszistischen Miliz erscheint. Aber bie Verschiedenheit bes Nationalcharakters unb ber politischen, sozialen unb wirtschaftlichen Entwicklung ber beiben Völker lassen anberjeits bissen Vergleich nicht zu, im befouberen aber nicht eine Gegenüber­stellung ber beiben Diktatoren. Mussolini ist ein Kind der Revolution, geformt in der Bluttaufe bes Welt­krieges. Er hat auf seinem Leidensweg vom ver­bannten Sozialisten bis zum gefeierten Nationalisten eine Entwicklung burchgemacht, die sich gar nicht so sehr von ber jener Massen unterscheidet, die beim Triumphmarsch auf Nom an seiner Seite ftanben. Primo de Rivera ist kein Volkstribun wie Mussolini, er ist ganz Aristokrat. Primo de Rivera, Marquis de Estella, stammt aus einer alten spanischen Milnär- familie. Sein Onkel war Marschall von Spanien. Schon als junger Offizier erhielt er auf den Schlacht­feldern von Afrika für seine Tapferkeit unb Umsicht den höchsten militärischen Orben, Eigenschaften, bie ihn burch sein ganzes Leden ausgezeichnet haben. Er ist an bas Befehlen unb an das Gehorchen gewöhnt; er formt die Volksmassen, läßt sich aber nicht von ihnen tragen.

Primo be Rivera fühlt sich durch keine politische Doktrin gebunden; er kennt sich vielleicht nicht ein­mal in dem Labyrinth ber oerschiebenen Doktrinen aus. Er ist Staatsmann aus Instinkt, er fürchtet keinen Zweifel in seinem Handeln, er ist klug unb rücksichtslos, aber immer warmherzig, unb er hat bas feste Vertrauen feinen Stern, denn bas Glück, sagt er, habe ihn stets begleitet.

' Nur ein Mann wie er, ein Führer ohne Zweifel, konnte bas Werk Primo be Riveras vollbringen. Skrupellos räumte er am 13. September 1923 mit den verrotteten Cortes auf unb schuf bas Militär­direktorium aus tüchtigen Generalen, die kaum für bas Regieren vorbereitet waren. Er stärkte den Zen- tralismus und die Omnipetenz der Exekutive, mit der bie lateinischen Völker, im Gegensatz zu den germanischen immer ihre größten unb besten Lei­stungen hervorgebracht haben. Aber ba das Militär als Kaste seiner Ueberzeugung gemäß nicht dazu . berufen ist, bauernd über die anderen Bevölkerungs- - schichten zu herrschen, so bildete er aus oaterlänbi- i schen und monarchischen Elementen bie iibcrpariei» liche Vereinigung ber Union patriotica unb berief.

Häuser in Darmftabt (gebürtig aus Oberhcssen). 14. Frauenarzt Dr. Hugo Kunkel in Darmstadt 16. Dr. phil. Eugen Parcus in Worms. !>. Dr. med. R. Reißner in Worms. 20. Real- schuldirektor i. R. Dr. Karl Denig in Darm­stadt. 21. Landtagsabg. Hofmann- Seligen- stabt. 22. Chemiker Alfred MöUinger in Ost­hofen. 24. Oberingenieur i. R. Will). Dressel in Darmstadt. 26. Kirchenrat und Dekan a. D. D. theol. Wilhelm Wahl in Beienheim. 27. Lehrerin i. R. Marie Müller in Darmstadt (Ehrenvorsitzende bes Vereins Hess. Lehrerinnen- heim). 30. Rabbiner Professor Dr. L. Marx in Darmftabt. 31. Praktischer Arzt Dr. med. Karl W e i g a n b in Groß Felda.

November: 3. Pastor i. R Gustav Falke (gestorben in Dortmunb). 15. Kirchenrat i. R. Lubwig Völsing in Darmftabt. 17. Zahnarzt Dr. Paul R e i n e w a l b in Gießen. 20. Stu- bienrat Professor Jakob Müller in Langen. 23. Zahnarzt Dr. Otto Ziegler in Worms. 23. Forstmeister i. R. Forstrat 21 n b r e, Laubach. 25. Oekonomierat Stauffer in Wochenheim.