Ausgabe 
29.12.1925
 
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treten zu lassen. Es sind daher Personal- fragen überhaupt noch nicht erörtert worden. Die Reichsregierung beabsichtigt jedoch feinen st ändig führenden Vertreter in Genf zu unterhalten, sondern von Fall zu Fall, genau wie das auch die andern Mächte tun sich entweder durch den Reichsauhen- m in ist er oder durch ad hoc beauftragte Dele­gierte vertreten zu lassen.

Die Ast der deutschen Städte.

(Sine Unterredung mit Oberbürgermeister Boes?.

Berlin. 28. Dez. (TU.) Der Vorsitzende des Deutschen Städtelages, Oberbürgermeister Boe ß - Berlin, gewährte einem Vertreter der Telegraphen Union eine Unterredung, in der er sich über die augenblicklich im Vordergrund des Interesses stehen­den kommunal-politischen Fragen äußerte. Die deut­schen Städte werden nach Ansicht des Oberbürger­meisters zur Behebung der sozialen Nöte in diesem Winter nur wenige Not st ands maßnah- m c n durchführen können. Das, was notwendig ist, werden sie bei der von Tag zu Tag wachsenden un­geheuren Arbeitslosigkeit nicht bewältigen können, weil ihnen die erforderlichen Mittel durch die Finanzausgleichspolitik des Reiches und der Län­der entzogen worden find. Die stete Zuweisung neuer, insbesondere sozialer Aufgaben seitens bcs Reiches an die Gemeinden ohne gleichzeitige Her­gabe von Mitteln, hat die deutschen Gemeinden in eine überaus schwierige Lage gebracht, die sie zwin­gen wird, ihren Bürgern neue Lasten aufzuer­legen. Das sind Lasten, die mittelbar durch das Reich h e r b e i g e f ü h r t worden sind. Die Fi­nanzpolitik der deutschen Gemeinden wird im kom­menden Jahre davon ausgehen müssen, daß im Reich und in den Ländern endlich eine spar­same Verwaltung erreicht wird, die cs er­möglicht, den Interessen der Gemeinden entgegen zukommen. Die Gemeinden selbst werden die höchste Sparsamkeit anwenden müssen, nm bestehen zu können. Ihre Maßnahmen werden besonders dahin zu richten sein, daß sie dazu bei­tragen, daß die W i r t s ch a s t in Deutschland wieder aufgebaut und im Endziel die Wettbewerbs­fähigkeit der deutschen Wirtschaft auf dem Welt­markt wieder hergestellt wird.

Stadt und Land im Deutschen Reich.

Bei der Volkszählung vom 16. Juni 1925 fjnd im Deutschen Reich ohne Saargebiet insgesamt 561 Gemeinden mit über 1OOOO Einwohner ermittelt worden. Diese 561 Gemeinden, die ihrer Zahl nach nur 0,88 Proz. der Gesamtzahl der politischen Ge­meinden (rund 63 000) ausmachen, umfassen 28,8 Millionen Einwohner oder 46,1 Proz. der gesamten Neichsbevölkerung. Allein auf Vie 45 deutschen Groß skädle mit über 100 000 Einwohnern entfallen 16,4 Millionen Einwohner oder 26,2 Proz. der Reichs- bevölkerung. Es liegt sonach heute fast die Halste der gesamten Reichsbevölkerung in Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern und über ein Viertel der Reichsbevölkerung entfällt im besonderen auf die Großstädte.

Die Einwohnerzahlen und die Entwicklung jeder einzelnen Gemeinde mit über 10 000 Einwohnern nach den Zählungen 1910, 1919 und 1925, des­gleichen Angaben über Fläche, Einwohnerzahl und -Entwicklung der kleineren Verwaltungsbezirke, Re­gierungsbezirke, Provinzen, der Länder und des t Reichs werden in dem soeben erschienenen Sonder- heft Nr. 2 der vom Statistischen Reichsamt heraus- ' gegebenen ZeitschriftWirtschaft und Statistik" ver- , ösfentlicht. (Verlag von Reimar Hobbing, Berlin: Preis 3 Mk.) In einem besonderen Anhang werden eingehende Nachweise über Fläche und Bevölkerung der vom Reiche abgetretenen Gebiete und des Ab­stimmungsgebietes an der Saar gegeben.

Die Arbeitslosigkeit,

Berlin, 28. Dez. (Prw.-Tel.) LautB. T." find nach der letzten Zählung 567 000 Personen im unbesetzten Gebiet erwerbslos. im besetzten Gebiet 102 000. Aach einer Mitteilung des »Vor­wärts" ist im Laufe der letzten Wochen die Zahl der Erwerbslosen um über 40 Prozent gestiegen. Einzelne G emeindrn Sachsens weisen sogar eine Verdoppelung und mehr auf. 3n Dahern ist die Zahl der Erwerbslosen von 102 000 am 15. Dezember auf 120 000 am 24. De­zember gestiegen. Es ist dies das Vierfache von Anfang November.

Die Rheinrandreise des Reichspräsidenten.

Vach einer Mitteilung derKölnischen Zei­tung" ist beabsichtigt, die (Reife des Reichs­präsidenten o. Hindenburg in die be­freiten besetzten Gebiete, die in den Monat Fe­bruar fallen dürfte, nach Möglichkeit einzu- schränken. Bei den maßgebenden rheinischen Vehörden besteht angesichts der ernsten wirt- sch.Ztlichen Notlage die Absicht, die Veranstal­tungen auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken. Es feien Vefreiungsseiern, denen der Reichspräsident beiwohnen dürfte, nur für Köln und Bonn geplant.

Verschärfung derDiktatur m Spanien.

Madrid, 28. Dez. (211.) Ein Delret der neuen Regierung befiehlt, daß alle Verbrechen und Vergehen gegen den König, sowie a((> Fälle von Majestätsbeleidigung den Zivilgerichten ent­zogen und zur Aburteilung Kriegs- und Standgerichten zu überweisen sind. Das Delret erregt einiges Aufsehen, da im König­reich selbst bisher in den allerseltensten Fällen Prozesse wegen Majestätsbeleidigung zur Ver­handlung gekommen sind, und da die Hauptfeinde der Monarchie, Professor n a m u n d und Viasko 3 b a n o 5 in Paris außerhalb der Reich­weite der spanischen Justiz leben. Man bringt das Dekret mit neuerdings aufgetauchten Gerüch­ten in Verbindung, nach denen eine Ver­schwörung auf gebest sein soll, die an­geblich auch in Militärkreisen An­hänger hat und sich zum Ziele seht, die gegen­wärtige Zivild^ktatur noch im Januar zu stürzen. Die Verschwörung soll sich auch gegen die Person des Königs richten. Ein anderes Dekret, das gleichfalls am Weihr.achtStag er­schienen ist, bebrobt alle Grundbesitzer mit schwerer Geldstrafe, falls sie dem Fiskus gegen­über ihren Besitz z u verschleiern oder

zu verheimlichen suchten. Für besonders krasse Fälle wird mit der Einziehung des mcht deklarierten Besitzes zugunsten des Staates ge­droht. Der Finanzminister hofft mit dieser dra­konischen Maßnahme, die ihm viele Feinde niaa^cn wird, das Steuerrinkommen beträchtlich zu er­höhen. Gerade der größere Grundbesetz verstand cs bisher, die Steuerverordnungen zu umgehen.

Italienisch-schweizerischer GrenzzwischensaLS.

Die Blätter berichten über einen italienisch- schweizerischen Grenzzwischenfall, der sich am Samstag in Qlrogno im Kanton Tessin ab­gespielt hat. Der Bürgermeister _ der italieni­schen Gemeinde C a m p i o n e und einige Be­gleiter gerieten auf einer Tanzunterhaltung in Qlrogno mit einem in der Schweiz na4 uralt fierten Italiener und dessen Freunde in 'n Hand­gemenge, in dessen Verlauf der.germeister mehrere Revolverschäfse abgab. Der Bürger­meister und seine Begleiter verschanzten sich schließlich in dem Lokal, wo sie von den Dorf­bewohnern, die sich mit Heugabeln bewaffnet hatten, regelrecht belagert wurden. Erst am Sonntag wurden sie von schweizerischer Gen­darmerie befreit und an die Grenze zurück­geleitet. Bei dem Zusammenstoß handelt es sich um die Austragung einer alten Feindschaft zwi­schen dem Bürgermeister und dem naturalisierten Italiener, der seinerzeit aus der italienischen Armee befertiert und von dem Bürgermeister von Campione verhaftet worden war.

Die Türkei für eine BalkankoaMivn.

Mailand, 28. Dez. (TLI.) Die italienische Presse widmet dem zweitägigen Aufent­halt deS türkischen Außenministers Auchdtz Bei in Belgrad besondere Auf­merksamkeit. Laut(Sortiere dein Scrra" hatte der türkische Außenminister nicht nur Besvre- chungen mit Qkin tsch lisch, sondern auch mit Pafchirschs und König A l e r a aber. Sie galt dem Abschluß einer Bsltanloalition. die die Türkei in Vervollständigung des mit 'Ruß­land geschlossenen Abkommens anstrebt. 'Das politische Ideal der Türkei, erklärte Ruchdy Bei, sei die Emanzipierung der Balkan- ft a a t e n. Auch die Türkei bilde einen Daltan- ftaat, obwohl die Hauptstadt sich jetzt in Asien befinde. Die Aeußerungen des Ministers über die Mossulfrage und das Verhältnis zu ©nglanb lauteten, im Gegensatz zu den in Genf erlassenen scharfen Erklärungen weit versöhnlicher. Die Türlei strebe eine freundschaftliche Lösung mit England an.

Tschangtsolins Siegesfeier.

Paris, 28. Dez. (Sil.) Die Pekinger Mel­dungen von der Hinrichtung Kuo Sung Lings und seiner Frau in Mulden werden bestätigt. Tschangtsolin ließ die beiden Leichen zerstückeln und Köpfe, Beine und Arme in den Straßen der Stadt herumführen. Die Unter- generale Kuo Sung Lings sind während des Kampfes zu Tschangtsolin n b e r g e l a uf e n . da sie fürchteten, bei ihrer Gefangennahme von dem als grausam bekannten Tschangtsolin hin ge­richtet zu werden. Der General läßt den Sieg imh gleichzeitig die Geburt eines Sohnes feiern. Mair schreibt den Sieg vor allem seiner guten Kavallerie und seinen Fliegern zu.

Kleine politische Nachrichten.

Reichskanzler D. Luther, der sich auf eine kurze Erholungsreise begeben Hal, wird am 7. Januar wieder nach Berlin zurückkehren. Das Blatt nimmt an, daß er dann mit der Regie- r u n g s b i l b u n g betraut werden wird.

Nach einer Meldung derVossischen Zeitung" wird zur Zeit von der Reichsregierung ein Bauplan erörtert, der bereits von dem Kriege zur Beratung stand unb bezweckt, das Dienstgebäude des Reichskanzlers in der Wilhelmftraße durch einen Nenb a u auf dem fudli changrenzenden Ge­lände 311 erweitern. Es soll damit für den Reichs­kanzler eine Amtswohnung geschaffen werden, die modernen Bedingungen entspricht.

Di e A b (ö f u n g der französischen Besatzung in Wiesbaden durch englische Truppen geht jetzt rascher vor sich. Fortgesetzt treffen neue Abteilungen ein. Die offizielle Lieber­gabe der Kommanbogewalt an die englische D?- fahung ist für Mittwoch vormittag vorgesehen.

Zwischen der Witwe des verstorbenen Reichs­postministers Ho es le unb dem preußischen Fis­kus ist auf Grund der Feststellungen des preußi­schen Untersuchungsausschuss^ ein Vergleich unterzeichnet worden, durch den der Witwe für ihre eigene Person eine lebenslängliche jährliche Rente von 3000 Mark zugesprochen wird. Die Rente erlischt im Falle einer Wiedrrheirat. Für die drei minderjährigen Kinder wird außerdem bis zum 18. Lebensjahr eine IahreZreute von je 600 Mark ausgezahlt.

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Als Antwort auf die Erbauung eines neuen besonders schnellen amerikanischen Flugzeuges be­findet sich zur Zeit ein neues englisches Heeresflugzeug im Bau, das mit voller militärischer Ausrüstung eine Geschwindigkeit von 175 bis 180 englische Meilen in der Stunde er­reichen soll.

Kunst und Wissenschaft.' Gegen die Abhängigkeit des Hochschullehrers von wirtschaftlichen Inrrressen

Die Vereinigung der sozial- und wirtschastswissenfch östlichen Hoch­schullehrer hat auf ihrer Generalversamm­lung in Jena eine Entschließung gefaßt, in der betont wird, daß die Abhängigkeit des Hoch­schullehrers von wirtschaftlichen Interessen und Interefsenverbänden geeignet sei, das Vertrauen in die Objektivität der Forschungsarbeit zu er­schüttern. Insbesondere verlangt die Entschlie­ßung von allen Hvchfchuldozenten, daß sie bei allen Veröffentlichungen Die das In­teressengebiet einer ihnen austraggebenoen Stelle berühren, ihr Verhältnis zu dieser Stelle kenntlich m a d) c n. Verbote von Jnkeresfenverbänden in dieser Richtung sollen als gegen die St an beseh r? verstoßend nicht be­folgt werden. DemVorwärts" zufolge richtet sich diese Entschließung gegen die Publilationen

d,s Berliner Privatdozenten Dr. Kurt Ritter über die Agrarzollpolitik. Auf dem Titel der Schriften war der Verfasser nur als Dozent, nicht aber als Beamter der preußischen Haupt­landwirtschaftskammer angegeben.

Wiedererweckung einer Händelvper.

Die von Prof. Hagen in Göttingen aus­gegrabene komische OperTerxes" von Georg Friedrich Händel gelangte an den Weihnachts­tagen im Mainzer Stadttheater zur Wiedererweckung. Die Aufführung, die von dem Oberregisseur Weihleder geleitet wurde, hatte einen vollen Erfolg. Den Hauptanteil daran hatten die Künstler, die unter Leitung des Kapell­meisters Berthold das Werk mit seinen vielen Feinheiten gut zur Geltung brachten.

Tagung derMittelschule".

In der Berliner Uniberfität wurde die vom Z e n t r a l i n st i t u t für Erziehung und Unterricht veranstaltete, auf drei Tage be­rechnete 'Tagung derMittelschule" eröffnet. Rach der einleitenden Rede des Mittelschulrektors B u h h - Brandenburg ergriff Kultusminister Dr. Becker das Wort. Er wies auf den Wert der Mittelschule und ihre spezifische Geistigkeit hin. Es spracheii alsdann Stadtschulrat Schwarz- Haupt- Frankfurt a. M. über die Stellung der Mittelschule im Aufbau des gesamten Schul- wesens Geh Reg-Rat S u e r i ch - Berlin über die rechtliche Stellung der Mittelschule und Stadt­schulrat Dr. D i bb e rn-Stettin über die Mit­telschule im Dienste der Wirtschaft.

Aus aller Welt.

Hochwasserkatastrophe in Siebenbürgen.

Aus Siebenbürgen kommen Nachrichten über katastrophale Hochwasserschäden, infolge des plötzlich eiagelteteneu Tauwetters find alle Flüße und Gebirgsbäche hoch angefchwollen. Zahlreiche Häuser wurden vernichtet. Taufende von Menschen find obdachlos. Viele Eisenbahn- biütfen find völlig jerstört. Der Telephon- und Telegraphen vctiehc ist unterbrochen, so daß sich ein vollständiges Bild dec Verwüstungen noch nicht machen laßt. Soweit bisher ;usammenhängLudc Nachrichten vorliegen, haben bei der hochwafferkata- strophe 4 0 bis 50 Personen den Tod ge­funden.

Das Hochwasser im Rheingebiet.

Aus Metz wurde Montagabend ein Pegel­stand von 4,40 Meter gegen gestern 3L1 Meter gemeldet. In der Schweiz beträgt die Tem­peratur 6 Grad über Rull und auf dem Feld- berg 2 Grad über Rull. Infolge dieser hohen Temperaturen und sonst außerordentlich ungünsti­gen Wetterberichten rechnet man mit einem wei­teren Steigen von Reckar und Main und er­wartet, daß die Mosel bei Trier voraussichtlich morgen einen Wasserstand von 6,50 Meter er­reichen wird und daß her Rhein bei Koblenz bis morgen vormittag noch um 1,20 Meter steigt. Auch im Schwarzwald und in den Vogesen herr­schen hohe Temperaturen, und auf fyen Höhen tritt Tauwetter ein. In Köln steigt der Rhein seit heute vormittag stündlich um 5 Zentnneter. Sein Pegelstand betrug uni Mittag fünf Meter. Die am Rhein liegenden Keller werden bereits geräumt, und es wird daraus hingewiesen, daß äußerste Vorsicht geboten ist.

Der weihe Tod.

In den N i e d e r e n T a u e r u wurden vier Wie- uer Touristen von einer Lawine verschüttet. Einer konnte gerettet werden, während die übrigen drei den Tod gefunden haben dürsten. Nach einer Meldung aus Innsbruck unternahmen vier Herren während der Weihnachtsfeiertage eine Ski­tour in die Stubaierbergc. Am Sonntagvor­mittag fuhren sie von der Starenberghiitte ins Tal zurück. Hierbei mürben sie von einer Lawine er­saßt, welche zwei der Herren mit sich riß. Während der eine sich auf der Oberfläche der Schneemafsen halten konnte, verschwand der andere. Eine Net- tungsexpedition, welche sofort abging, hatte bisher noch keinen Erfolg.

Die Kälte in den Vereinigten Staaten.

In den Vereinigten Staaten ist in den letzten Tagen fast überall strenge Kälte eingetreten. Ja Tupper Lake im Staate Reuyort sank die Tem­peratur auf 23 Grad unter Rull, während in der Stadt Reuhork bie Temperatur sieben Grad über Rull beträgt. Der Frost hat in den letzten Tagen etwa 20 Todesfälle verursacht.

Schwere llngiücksfäile durch Papierbomben in Italien.

R 0 in , 29. Dez. (WTB.-Funkfpruch.)Messa­ger 0" meldet aus Benevent, in einem Nachbarorte trugen vier Frauen am Weihnachtsabend auf dem Kopfe Körbe mit Papierboniben, die am Weih­nachtsmorgen zur Explosion gebracht werden sollten, um den Anbruch des Feiertages zu verkünden. Die Körbe fielen zur Erde unb die Bomben explodierten. Die vier Frauen wurden bis zur Unkenntlichkeit ver­stümmelt. Auch in der Umgebung von Salerno er­eigneten sich zwei schwere Unglücksfälle durch Pa­pierbomben. Eine Person iDuroe getötet, einer an­deren mußte ein Arm abgenommen werden.

Petroleumbrand in Buenos Aires.

Die der italienisch-argentinischen Elebtrizi-- tätsgesellschaft gehörenden Tanks, die während eines Sturmes vom Blitz getroffen wur­den und in Brand gerieten, stehen seit zwei Tagen in Flammen, Der Schaden wird auf zwei Millionen Pesos geschäht.

Aus -er Yrovinzialhauptstadt.

Gießen, den 29. Dezember 1925.

WoMshMeverein.

Der Volkshalleverein hielt dieser Tage seine erste ordentliche Mitglie­derversammlung im Saale des ehemaligen Hotels Einhorn ab.

Die Versammlung, die gut besucht war, wählte folgenbe Herren in den Vorstand. Sattler Ludwig D,e l l 0 f, Oberinspektor Erle, Rechtsanwalt Dr. Katz. Verwaltungs-Direktor Kolb Bankdireltor Mathern, Stadtverord­neter Mayer, Architekt Ph. R i c 0 l a u s, Bei­geordneter Dr. Seib, Stadtverordneter Winn, Kaufmann Otto Winter hoff und Derwal- tungssekretär Maus. Die von der Mitglieder­versammlung vorgenommenL Wahl ermöglicht es, daß alle Kreise d»r AriteilZeichnrr in dem Vor­stand vertreten werden. Die AtnüZdauer des neu gewählten Vorstandes beginnt am 21. Dezember 1925 und endet mit drr Neubildung des Dor- i stand es im Jahre 1927.

Von den beschlossenen Satzungsände­rungen interessiert in erster Linie, daß die either satzungsmäßig für Öen Monat Dezember jeden Jahres vorgesehene MUgliederversamm- hing und Auslosung von Anteilschei­nen nunmehr im März eines jeden Jahres erfolgt; die Auszahlung ausgrloster Antellschei.ir soll im Mai eines jeden Jahres 00rgen0m1r12.il werden. x ,

Aus dem Geschäftsbericht ergibt sich, daß der Vottshalleverei-i am 28. April 1925 gegründet, der Bau der Halle am 10. Mai 1925 begonnen und am 31. Juli 1925 beendet wurde. Im Jahre 1925 war die Volkshalle zu zwei Festen 32. Mittelrheinischrs Kreisturnfest und Großer N6cr-Tag und za einer Tagung Gustav-Adolf-Tag verpachtet. Um die Halle bei jeder Witterung benutzen zu können, ist es erforderlich, daß, sobald die erforderlichen Mittel hierfür aufgebracht werden können, ein Fuß­boden gelegt, eine Heizung eingerichtet und Ver­putzarbeiten vorgenommen werden.

Für das Jahr 1926 wird die Halle aller Voraussicht nach für drei Aus-steLl un g en und zwei Tagungen in Anspruch genommen werden. Weitere Verwendungsmöglichkeiten durs­ten im Laufe des Jahres 1926 noch auftreten.

Dem Bericht über die Bauabrechnung ist zu entnehmen, daß die Doranfchlagsbeträg> für den Bau der Halle in ihrer ursprünglich vorgesehenen Höhe im wesentlichen eingehalten wurden. Mehraufwendungen entstanden lediglich für ausgeführte, vorher nicht vorgesehene Ar­beiten, wie Erstellung einer Wohnung, Anbrin­gung eines Dachgesirnses usw.

Aus dein Bericht über die fincrnzie11 c Lage des Vereins ergibt sich, daß durch frei­willige Anteilzeichnungen 18 5 7 2 0 Mark gezeichnet worden sind. Leider steht noch ein Teil der Anteilzeichnungen aus. Lim feinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, mußte der Verein ein größeres Darlehen aufnehmen, das, sobald es die finanziellen Verhältnisse ge­statten, abgetragen werden soll.

Revision in bürgerlichen Rechtsstreitigkeilen,

Rach der Verordnung zur Entlastung oes Reichsgerichts vom 15. Januar 1921 kann Berufungsurteile in Ehescheidungsfachei» die Revision an das Reichsgericht nur eingelegt werden, wenn sie das Oberlandes-' geeicht in dem -Urteil für zulässig erklärt, Diese Beschränkung wurde in dem vor kurzem verabschiedeten Gesetz zur Entlastung des Reichs­gerichts nicht verlängert. Gegen die nach dem 31. Dezember verkündeten Derufungs- urteile in Ehesachen ist daher wieder', wie ehe­dem, das Rechtsmittel der Revision nach Maßgabe der allgemeinen Vorschriften der Zivilprozeßordnung unbeschränkt z u l ä s f ig. Die Vorschrift der genannten Verordnung, wonach die Revision auf Verletzung der § 139, 286 unb 287 der Zivilprozeßordnung und die Vorschriften über die richterliche Fragepflicht und Beweis- Würdigung nicht gestützt werden kann, würd' dagegen in der Geltungsdauer um ein Jahr verlängert.

Ferner ist für die nach dem 31. Dezember 1925 verkündeten Berufungsurteile in vermögens rechtlichen Streitigkei­ten die Revisionssumme von 1800 Rm. entsprechend der Regelung in der Vorkriegszeit auf 4000 Rm. erhöht.

Gies;encr WochertmarLtpreist.

Er. tofleten auf dem heutigen Wocheumatit: Butter 170 bis 200 das Pfund. Matte 35 bis 40, Käse 65 bis 75, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 15, rote Rüben 12, Spinat 50, Llnter-Kohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 25, Rosenkohl 60, Feldsalat 120 bis 150. Tomaten 30, Zwiebeln 12. Meerettich 30 bis 100. Schwarzwurzeln 50 bis 7P. Kar­toffeln 4, Aepfel 15 bis 13, Birnen 30. junge Hahnen 120. Suppenhühner 120, Gänse 110 bis 130. Russe 60 bis 90; Eier 18 bis 19 das Stück, Blumenkohl 60 bis 120, Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 15, Sellerie 20 bis 40.

Wettervoraussage.

Meist bedeckt, frische westliche Winde, mild, Regenfälle.

Südlich von Island ist heute nach dem Ab­zug des alten ein neuer stärkerer Tiefdruckwirbel aufgetaucht, dessen Ausläufer sich bis in hie deutsche Bucht hinein erstrecken. Allgemein fallen­des Barometer beutet darauf hin, daß der Wirbel diesmal etwas südlicher ziehen wird. Bei ziem­lich starkem Druckgefälle werden wir stärkere Winde und Stürme zu verzeichnen haben.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9,4, Minimum 5,6 Grad Celsius. Riederschläge: 14 Millimeter. Heutige Morgenlemperatur: 9,3 Grad Celsius. '

Das Hochwasser. Die Lahn führt nach den andauernden Regenfällen der letzten Tage und der im Gebirge cingetretencn Schnee­schmelze weiterhin recht beträchtliche Wassermassen zu Tal. 3m Bereiche unseres Stadtgebiets war der Fluß bis heute vormittag nur an einigen nichtigen Leerstellen in das Vorgelände über­getreten, im großen und ganzen hielt er sich noch in seinem gewohnten Lauf. Dagegen haben die Wasserniengen unterhalb von Gießen bei Duten­hofen das Wiesen- und Ackerland erheblich über­schwemmt. ebenso haben sie den Weg von Duten­hofen nach Atzbach überflutet und dadurch den direkten Verkehr zwischen diesen beiden Orten unterbunden. Die W> ieseck hat das Wiesen- gcgelänbe zwischen der Stadt und dem Philo- sophenwald zum Teil ebenfalls unter Wasser ge­setzt, jedoch ist der Weg vom Gerichtsgebaude nach dem Philosopheuwaldgelänbe noch passierbar.

Eine Deputation für Ingewd- Wohlfahrt soll auf Grund des maßgebenden Reichsgefehes nun auch in Gießen gebildet wer­den. Den Iugendwohlfahrtsvereinen stehen sechs Sitze in dieser Deputation zu. Vorschläge sind bis zum 9. Januar beim Wohlfahrtsamt ein- zureichen Röycres in der heutigen Bekannt­machung.

R e u e r u n g e n i nt deutschen Speisewagenbetried. Llm eine Störung der Reisenhen durch Oessnen und Schließen her Abteiltüren und jedesmaliges Ausrufen der Mahlzeiten zu vermeiden, erhält jeder Speife- | wagen auf den Strecken der Reichsbahn jetzt ! c -en Gong. Kurz vor Beginn her Mahlzeiten ; "ll der Kellner nach Gongschlägen am Anfang, : der Mitte und am Ende des Seitenganges

. D=3üge zu den Mahlzeiten. Die Abteil- i .men werden nicht mehr geöffnet. Mit der Neuerung soll schon zu Beginn des neuen Jahres I begonnen werden.