Ausgabe 
29.12.1925
 
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'ter Schlachtbiehmarit.

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a. K, 28. Dez. 2fcS darunter 125 Ochsen, M_r, Kühe: 257 Kälber. 71 Schsle s tourten bezahlt für 1.1) M linder: Ochsen, Milchig; chsten Schlachttorrts X fe 55. nicht - ausgemästetc nab öltet: bis 49, mäßig gechrte Mgi ältere 35 bis 40, Suiten, tollil len höchsten Schlachttorrts 48 bi- - 40 bis 47, Färsen und Süb; ?tc Färsen Msten Schlack Hilft aiiägemäfete Kühe Höck bis 31t 1 Salden 43 bis 5C Ite Färsen 40 bis 49, älter: i xmb wenig gut entavdcl' bis 42, Mig genährte M ' i 50. gering genährte M wrt

Kälber: Feinste MM. re Walt- und beste 6aufliölb:. , ,eve Mast» und gute 8* - afc: Wastlämmer und Tu ' 50, geringere Malihämcl ni 8. Schweine: Dellt ' » 92. unter 80 Äg. Ö r? , Kg. und von 120 b j _ ne Sauen und g*«^v. Werlaus: Bet langsame -V

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Dienstag. 29. Dezember 1925

175. Zahrgang

Nr. 505 Erstes Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

vruü und Verlag: vrühl'fche Unioerfitätr-Vuch- und Steindruderei R. Lange in Siehrn. Schriftleitung und Sejchaft5ftelle: Schulftrahe 7.

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Preis für 1 mm Höhe für?in-,eigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspscnnig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorfchnft 20° , mehr.

Chesredabteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. 'Bcranlwottlid).

für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. 2vilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An» zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen.

Erschernt täglich, außer Sonntags und Feiertags.

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Rußland als Faktor der deutschen Weltpolitik.

(von Geh. Reg.-Rat G. Cleinow -Berlin- Lichterfelde.

Jeder Staat und jedes Boll ist Faktor der auswärtigen Politik aller anderen Staaten und Böller des Erdballs. Kein Staat kann immer nur positiver oder immer nur negativer Faktor der auswärtigen Politik der anderen Staaten fein. Meist stehen die positiven und negativen Faktoren nebeneinander, und nur das Verhältnis von Positiv und Regcttiv wechselt. Das zarische Rußland war bis -um 1. August 1914 ein so starker positiver Faktor der deutschen Welt­politik, daß fein Bündnis mit den Westmächten nicht zu genügen schien, um es als einen aus» schließlich negativen ansprechen zu müssen. Wie die Umwandlung dennoch geschah, wissen wir heute aus Stieves lichtvoller Darstellung des Treibens Iswolskis. Vom August 1914 bts Januar 1918 war Rußland ein überwiegend negativer Faktor für die deutsche Politik. Aber am Tage, wo Lenin den Frieden von Brest» Litowsk unterzeichnete, wurde Rußland wieder ein vorwiegend positiver Faktor unserer Außen» rolitit, obwohl die neue Regierung in Rußland der unbarmherzigste Feind unserer nationalen, auf dem Individualismus beruhenden Gesell­schaftsordnung geblieben ist.

Diese Gegenüberstellung läßt uns erkennen, daß die weltpolitischen Faktoren Relativitäten mb. die uns zwingen, zwischen den bleibenden Faktoren und den wechselnden, die immer neue Konstellationen gebären, zu unterscheiden. Der Staatsmann, der eine aktive Außenpolitik tret 1 en will, muß sich darüber Rechenschaft geben. Vorübergehende negative Faktoren vermag er n po'itive umzuwandeln oder wenigstens die chüdlichen Regativen zurüclzudrängcn und immer von neuem mattzusehen. An die grundsätzlichen Faktoren komm: keine menschliche Kunst heran. Auch der Weltkrieg und die Revolution vermoch» icn die tragenden Gesetze aus der deutsch» .ftsischen Geschichte nicht zu beseitigen. Sie bc» .ehen auch zur Feit. Während die deutsche Diplomatie mit der Regierung des neuen Ruß- ..ind, mit der Sowjetunion Verträge schloß und ; en Freundschastsvertrag von Rapallo vorberei» i.-.c, der in die ilmtlammerung von 1914 end­lich Bresche legte, mußte die deutsche Regierung einen Kamps aus Leben und Tod mit der beut» ichen Sektion der 3. Internationale, dem Sou» verain der Sowjetunion führen und wird es weiterhin tun müssen.

Dieser Kampf gegen die Sowjetunion als negativer Fa wr unserer Außenpolitik bat die Sowjetunion nicht gehindert, am 12. Ort ober 1925 einen Rechts' 'und Wirtschaftsvertrag so­wie einen Konsularvertrag mit Deutschland ein» zugehen Auch jenes Angebot an die West- mäch'e, das zum Abkommen von Locarno sühren sollte, vermochte die Entwicklung der deutsch- russischen Beziehungen nicht aufzuhalten. Die negativen Einflüsse in den deutsch-russischen Be­ziehungen fanden lediglich ihren Ausdruck in der Tatsache, daß der erwähnte Vertrag keinHan­delsvertrag" wurde, wie cs bei Beginn der Ver­handlungen im Iahre 1923 in Aussicht genom­men war. Im übrigen zeigte cs sich, daß Ruh» land auch als Sowjetstaat unter der Herrschaft der Kommunisten ein überwiegend positiver Fak­tor der deutschen Weltpolitik geblieben ist, crotz Weltkrieg, trotz Zerstörung ungeheurer Werte, die Deutsche in Rußland geschaffen hat­ten. trotz der ununterbrochenen revolutionären Tätigkeit der 3. Internationale und der beut» scheid Gegenwirkungen.

Run wäre die neuerliche deutsch-russische Annäherung kaum eingetreien, wenn nicht das Diktat von Versailles uns in eine richtige Rot» Gemeinschaft mit dem Sowjetstaat gedrängt hätte. Die historischen Grundgesetze sehen sich auch hierbei durch. Einmal zur Zusammenarbeit ge­zwungen. ergab sich die weitere Annäherung der beiderseitigen Interessen, die zeitweise unverein­bar schienen, von selbst. Das fast tausendjährige Grundgesetz, das feit Entstehen der Mark Bran­denburg und des Grohfürstentums Moskau die Beziehungen Deutschlands und Rußlands regelt, ist 'trotz Krieg und Revolution wieder zur Gel­tung gekommen. Deutschland und Rußland kön­nen nur bann rechnen, eine ihnen nützliche euro­päische Politik treiben zu können, wenn sie den grundsätzlichen Verhältnissen in der Weltwirt­schaft und der Weltpolitik Rechnung tragen. Das galt im 17. Iahrhundert, wo es um die Küsten der Ostsee ging, im 18., wo das pol­nische Problem im Vordergrund stand, im 19., das die Meerengenfrage mit ihren Ausstrahlun­gen auf den Balkan und nach Vorderas'.en hätte zur Entscheidung bringen müssen. Unterem Iahrhundert ist es Vorbehalten, die Interessen­gemeinschaft in Asien zu suchen. Schweden, Polen-Frankreich, England waren nacheinander die gemeinsamen Gegner. 3in 19. Jahrhundert begann sich die Tatsache der gemeinsamen Gren­zen auszuwirken, und zu den großen Linien der europäischen Politik trat die deutsche Frage, die aus dynastischen Gründen sowohl, wie mit Rücksicht auf die Haltung Rapoleons HL 1866 nicht restlos gelöst werben konnte. Zwei deutsche Wirtschaftsgebiete, das Donauland und Rord- dcutschland. wurden scharfe Wettbewerber und konnten sich nicht rechtzeitig zu einer einigen deutschen Macht zusammenfinden, die stark ge­nug gewesen wäre, im heranreifenden englisch­en'fischen Gegensatz klar zu optieren. Allen ge­schichtlichen Grundgesetzen entgegen, sanden sich England und Rußland 1914, um eine Tages» lonjunftur gegen Deutschland auszunuhen. Durch

Um Doumers Finanzprogramm.

Driand droht mit Umbildung des Kabinetts.

Paris, 29. Dez. (SU.) Die Kammer ist gestern nachmittag in der Absicht zusammen­getreten, das gesamte Budget noch vor heute früh zu verabschieden. In der Rachmittagssitzung wurde das Arbeitsbudget behandelt. Die Kam­mer beschloß dann mit 310 gegen 258 Stimmen, abends um 91 2 Uhr zu einer Rachts itzn ng zusammenzutreten. Die endgültige Entscheidung über die Finanzprojekte Doumers wird in dem heute zusammentretenden M i n i ft c r v a t fallen. Es heißt, daß Do um er sich nicht zu Zuge- tändnissen an die Gegner durch Verdoppelung der Amsatzsteuer entschließen könnte und man hat den Eindruck, daß seine Argumente auf einen Teil der Kabinettsmitglieder ihre Wirlung nicht verfehlt haben. Tatsache ist, baß im letzten Ministerrat die Gegner der Pläne Doumers noch in der Mehrheit waren. Es fragt sich nun, was die Kabinettsmitglieder, die von der Erhöhung der Geschästsumsahsteuer unter keinen Umständen etwas wissen wollen, zu tun gedenken, wenn sie beute in die Minderheit verseht werben. Die Lage wird noch komplizierter dadurch, daß eine Verquickung des F i n a nzp r vg r a m ms der drei K a r t e 11 g r u p p e n mit dem Projekt Doumers so gut wie ausgeschlossen ist.

Die Finanzprojekke Doumers find folgende: 1. Ausnahme der noch unter der Amtszeit Loucheurs von der Kammer angenommenen 3 Milliarden neuer Steuern in das Budget 1926;

2. Erhöhung der Tabakpreife, wodurch 700 bis 800 Millionen eingebracht werden sollen;

3. eine neue Taxe für den Export und

4. Erhöhung und teilweise Verdoppelung der Gefchaftsurnsahsteuer.

Die Linksgruppen nehmen dagegen den Stand­punkt ein, daß eine verschärfte Einziehung der schon bestehenden Steuern und 6t- parnismaßnahmen eine _ Vermei­dung neuer Steuern ermöglichte.

Die Linksgruppen finb insofern im Vorteil gegen­über dem Finanzminister, als die Finanzkom­mission der Kammer sich überwiegend aus Kar­tellmitgliedern zusammcnsctzt und Doumer danach, wenn er nicht im letzten Augenblick entschieden einlenkt, vor ihr unterliegen wird. Aus eine Entscheidung der Kammer wird es das Ka­binett Briand vermutlich in dem Fall ankommen lassen, wenn sich über b.e Projekte Doumers eine vollständige Einstimmigkeit ergeben wird. Ministerprasibent Driand mochte am Montag nachmittag in den Wandekgängen der Kammer dem 2Ibg?orbnctc.i Dumesnil, der der Verfasser des FinanzprojKtes der drei Links-

gruppen ist, heftige Vorwürfe unb wies darauf hin. daß das Kartell durch sein Vorgehen die parlamentarischen Gebräuche verlene. Das Fi­nanzprogramm des Kartells enthalte zwar inter­essante Anregungen, doch seien sie so abgefaßt, daß die vorgeschkagenen Maßnahmen erst in I a h r e s f r i st 5 it v Auswirkung kommen könnten. Der Staat fei aber to?gen der bevor­stehenden Fälligkeitstermine auf sofortige Einnahmen angewiesen.

Die Annahme des Projektes der Linkö- gruppen würde eS mit sich bringen, daß die Regierung den Weg einer neuen Inflation von diesmal nicht weniger als 20 Milliarden würde beschreiten müssen.

Briand fügte hinzu, es gebe nur zwei Mög» iichkeiten: entweder würden die radiialsozialisti- scheu Minister heute ihr Einvernehmen mit dem Kabinett erklären, oder unter dem Druck ihrer Gruppe ihre Demission geben. In diesem Falle wird eine Kabinetts­krise eintreten, die jedoch nur auf die E r - sehung der zurückgetretenen Mini- st e r beschränkt wird. Driand ist sest entschlossen, es unter keinen Umständen zu einer Gesamt- Kabinettskrise kommen zu lassen. Wörtlich er­klärte der Ministerpräsident:Wenn die Mi­nister das Finanzprojekt der Regierung nicht gutheißen. Jo werde ich ihnen mitteilen, daß ich entschlossen bin, meine Aufgabe ohne sie 'vrtzusehcn unb sobald sie zurücktreten, bas Ka­binett umbilben. Man glaubt, baß Driand in diesem Falle Raoul P e r e t, Franklin Bouillon, Bokanowski unb Pietri zum Eintritt in das Kabinett aufforbern wirb. Die Entscheidung, die man erst für Mitte Ianuar erwartete, dürfte also schon in dieser Woche fallen.

Der französische GeburLensland.

Paris, 28. Der (WD.) 3n der Kammer er­klärte der A r b e i t s m i n i ft e r, daß Frankreich das einzige Land fei, das feinen Geburten- ffanb von 1913 wieder erreicht, ja fogar übccfchrttten habe. 3m 3ahre 1913 feien auf 10 000 Einwohner 191 Geburten gekommen, 1924 192. 3n den anderen Ländern habe man beträchtliche A b - nahmen zu verzeichnen, besonders in Eng­land, wo die vorkriegsziffer von 241 auf 10 000 Einwohner auf 181 im 3ahr- 1924 gesunken fei. Die Kinder st erblich reit in höhe von 122 auf 10 000 im Jahre 1913 fei im 3ahre 1924 auf 85 von 10 000 zurückgegangen. Die Sterb­lichkeit im allgemeinen betrage 9 Prozent, in Deutschland unb Belgien 11 Prozent.

den Ausgang des Weltkrieges ist b;e deutsche Frage, im weltpolitischen Zusammenhang be­trachtet. auf den zweiten Platz gerückt. Der Zusammenschluß der Völker zu rationalen Staa­ten in Mitteleuropa hat s. > als undurchführbar erwiesen. Polen, die Tschechslowale:, Rumänien unb Jugoslawien sind Rationalitätenstaaten ge­worden. in denen Millionen um ihrer Rationali­tät willen bedrückt, geschädigt unb geknechtet werden unb die wirtschaftlich nicht lebensfähig finb. Das vorige Iahrhundert hat an bic Stelle der deutschen Frage das mit eieuropäische Wirt­schaftsproblem gesetzt. Ausgabe der nächsten Iahrzchnte wird es sein. Vütcleuropa wirt- schastlich zu organisieren, damit alle Rationali­täten auf dem großen Gebiet werden frei be­stehen können.

Was hat das mit den deutsch-russischen Be­ziehungen zu tun? Sehen wir zu!

Das Diktat von Versailles hat der Sowset- regierung in Europa die drei Hauptaufgaben auf einmal gestellt, deren endgültige Lösung den Zaren in drei Iahrhunderten nur bezüglich der Ostsee und Polens gelungen war. Die Meer­engen. der Besitz der Hagia Sofia sollten nach Iswolskis törichtem Beschluß erst durch das Zusammengehen mit Großbritannien erkämpft werden! Der Ausgang des Weltkrieges hat Rußland seinen einzigen historischen Gegner in voller Klarheit gezeigt: Großbriianien! Solange dieser Gegner nicht entweder niedergerungen oder zum Bundesgenossen getoorben ist, kann Moskau nicht rechnen, wieder in direkte Verbindung mit Curova unb der Ostsee zu gelangen. England, das zur Zeit die Ostsee bis Reral und Libau kontrolliert, könnte jeden Augenblick den Lenin­grader Hasen unb bas Schwarze Mcer hermetisch abschliehen. Die Sowjetunion hätte von der Baltischen Küste selbst da.tn nichts, wenn Est­land unb Lettland sich mit ihr auf friedlichem Wege vereinen wollten. Die Sowjetregierung, die ihre strategisch unmögliche Lage in Europa einsichl. hat sich mit vollem Bewußtsein auf die asiatischen Grenzgebiete geworfen, die bis­her einen Sicherheitswall für Indien gegen Ruß­land bildeten. Die zweifellose Geschicklichkeit, mit der die Moskowiter in Persien, Afghanistan, in Tibet, in der Mongolei unb in China vor­gegangen finb, unb das Entgegenkommen, das die Bewohner der genannten Staaten den Sow­jetvertretern bezeugen, haben die englische Re­gierung erkennen lassen, daß ihre Macht in Asien zweifellos bedroht ist, unb daß sie, wenn anders das Iuwet der Krone Englands, Indien, nicht in den nächsten Jahrzehnten verloren gehen soll, Abwehrmahnahmen treffen muß, ober Ver-

I ftänbigung! _ _

Eine Verstänbigung zwischen der eotojet» | unlon unb England über Asien könnte eintreten,

wenn in England eine sozialistisch eingestellte Regierung ans Ruber käme, in der nicht die Amsler mmcr, sondern die 3. (Moskauer) Inter- nationale den Ausschlag gäbe. Dazu scheinen zur Zeit alle Voraussetzungen zu fehlen. Es müßte also die Sowjetunion ihr sozialistisches Programm bezüglich der asiatischen Völker auf­geben unb bamit sich selbst! Richt nur be­züglich des Sozialismus, sondern auch als po­litische Vormacht in Asien, als Ausbeuter Asiens! Im Grunde genommen muß die Sowjet­union danach trachten, aus P:rfien und China die gleichen Reichtümer zu ziehen, wie England aus Indien. Da) ist die w'rtscha'tliche Formel, solange sie nicht viele Milliarden in Gold aus dem Ausland erhält. Wer aber von den Gold­inhabern wird der Sowjetunion borgen, fo ange sie nicht die Vor.riegsfchulden anerkennt und sich dadurch ein r gewissen Finanzkontrolle unter­wirft? Was Westeuro a und die Vereinigten Staaten loh Amerika nicht geben, muß aus den Asiaten herauZgewirtschaftet werden! Moskau muß. will es erstarken, den asiatischen Handel auf sich ziehen. Seine Westgrenze muß cs einst­weilen auf sich beruhen la'fcn unb damit auch die Entwicklung in Mitteleuropa. Di? Sowjet­union kann ihre asiatischen Aufgaben weder auf friedlichem, noch auf kriegerischem Wege allein durchführen. Es bedarf der älnterstützung des- jenigen Teiles Europas für den Asien zur Zeit nur auf Umwegen bedeutsam ist. Dieser Teil ist Mitteleuropa: Deutschland, Oesterreich b;e Lfchecho-Slowakei. die Schweiz. Belgien, dann Finnland. Schweden unb Holland. Hätte das neue Rußland die Kommunistische Partei nicht zum Souverän und erhöbe dieser Sou­verän nicht den Anspruch, seine Herrschaft durch Verinittlung der 3. Internationale eben auch über die genannten Staaten auszudehnen, so läge bas Rechenexempel ganz einfach: die Sow­jetunion würde alle wirt-chaftlichen, technischen und kulturellen Kräfte dieser Länder ausnutzen können, um seine wirtschaftlichen unb politischen Ausgaben in Asien sicherzustellcn. Sie braucht, abgesehen von Gold. Maschinen, Textilien, technisch durchgebildete Menschen auf allen Ge­bieten der Wirtschaft. Sie wirb gehindert, solche auszunuhen durch ihre Furcht vor der Erstarkung des Kavitalismus. älebertoinbet sie die Furcht, so wird sie auf Mitteleuropa einen höchst wohl­tuenden wirtschaftlichen Einfluß gewinnen, Deutschlands Gesundung bienen unb wieder im vollen Umfange ein durchaus positiver Faktor der deutschen Wcltpolitik sein. Herr Rhkow brauchte alsdänn nicht mehr das Gespenst der europäischen Koalition gegen die Sowjetunion an die russischen Wände zu malen wie vor acht Tagen.

vor einer russisch-franzöfifchen Aonferenz.

Tschitschcrins Pariser Erfolge.

Paris, 29. Dez. (TU.) Wie von aut unter­richteter politischer Seite verlautet, hat Tschitscherin mit Briand eine Konferenz für die Windcravfnahmc der wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Be­ziehungen zwischen Rußland und Frankreich verab­redet. Die Konferenz soll Ende Januar flaltfinbcn. Die russische Delegation soll von Tschitscherin geführt werden, während die Franzosen ihre Dele­gation in drei Kommissionen einteilen würden. Die politische Kommission werde von B e r t h c l v l, die Finanzkommission von S e n d a u x und die Kom­mission für die formellen Fragen von F r 0 m a ° il e 0 t geführt werden. Den springenden Punkt der Verhandlungen werde die Frage der Regelung der Schulden aus der Zarenzeit bilden. Tschitscherin oll sich bereit erklärt haben, 30 vom Hundert des sjoidwertes der Schuldensumme nnzuorkennen tait wie bisher 40 vom Hundert des Rennwertes. Ferner soll er Moskau veranlaßt haben, die Verordnungen Lenins über die Slaats- chulden des zaristischen Rußlands daraufhin nach­zuprüfen, wie sich Lenin zur Frage der Slncrteiv nung dieser Schulden gestellt habe. Es verlautet, daß diese Verordnungen sich nicht grundsäl.-lich gegen die Rückzahlung sämtlicher 'Auslandsschulden, son­dern nur gegen die Rückzahlung gewisser State- gorien von Äuslandschulden, die für besondere Zwecke verwandt worden sind, aussprechen. Auf diese Weise habe Tschitscherin den Weg zur A n - erkenn ung bei russischen Ausland- schulden bis zu einem gewissen Grade geebnet.

Die wirtschaftliche Seite der Konferenz wür­den hauptsächlich die Verhandlungen über die Gewährung neuer Kredite an Rußland bilden. Tschitscherin soll sich auf den Standpunkt gestellt haben, daß die bisherige Kreditsperre gegen Rußland lediglich auf Quertreibereien Großbritanniens zurückzuführen fcL Die Fran­zosen hätten versucht, ihn davon zu überzeugen, daß Westeuropa sein Kapital ausschließlich für eigene Zwecke benötige und daher nicht imstande' sei, Auslandskredite zu gewähren. Ferner würben französische Industrielle schwer­lich für Kredite zu haben fein, die in Ruß'and Konkurrenzindustrien schaffen sollten. Tschitscherin habe darauf versichert, daß Rußland die Kredite in erster Linie zur Schaffung von Freihäfen an allen Meeren brauche, da es von größter Wichtigkeit fei, daß die ausländi­schen Kaufleute auf diesem Wege in direkte Fühlung mit den russischen Handelsstellen treten. Briand habe Chamberlain über den Gang seiner Verhandlungen auf dem Laufenden ge­halten, es stehe jedoch noch nicht fest, daß Groß­britannien an der bevorstehenden Konferenz teil* nehmen werde.

Die Pariser Lustsahrt- Verhandlunge-k.

Berlin. 23. Dez. (WB.) Rach einer Mel- i ung desBerliner Tageblatts" werden am 6. Ianuar gl ichzeitig mit der Wirbcraufnahiae der Verhandlungen mit der Botschafterkonserenz c uch cic beutfch.franzöfischen D ^Handlungen über Luftverkehrsfragen beginnen. Das Blatt glaubt, daß man dettfcherfefts dem französischen Wunsche, deutsches Gebiet überfliegen zu dür­fen, unter Voraussetzung abf 0 luter Gegenseitigkeit Rechnungu tragen bereit sei. lieber das Ergebnis der seitherigen Ver­handlungen mit der Dotschafterkonferenz berichtet das Blatt, daß die CBcgriffdbe ft immun» gen und die Daubeschränkungen bereits als aufgehoben betrachtet werden dürften, und baß damit auch das Interallierte ßuflf.iOri- garantickomitce in Derlin verschwinden dürste. Es erscheint jedoch noch sehr zweck^lhast. ob iie von der Segens.ite gefordertenGarantien" in ihrer jetzigen Form für Deutschland annehmbar seien.

DeuLscher Dampserdienst nach sranzöfts6)en Kolonien.

Berlin. 29. Dez. (SU.) Bevollmächtigte deutscher Schiffahrtsgesellschaften, darunter der Woerman-Linie, bei Hapag und des Roidd. Lloyd, verhandeln mit dem Ministerium des Auswärtigen über bas Recht, in den französi­schen Kolonien anzulegen unb einen regel­mäßigen Dampferbienst mit den wich­tigsten Schifssvlätzen der französischen Kolonien einzurichten. Die französische Regierung hat bis­her die Erlaubnis zum Anlegen in den allen französischen Kolonien wie I n b 0 <b i n a unb Rordafrika gegeben. Für bie früheren beut- >chen Kolonien ist biescs Recht noch nicht cin- geräumt worden, doch gehen bie Verhandlungen, die unabhängig von den Wirtschaftsverhandlun­gen unb außerhalb der deutschen Botschaft.ge­führt werben, mit Aussicht auf Erfolg vorläufig weiter.

Deutschloii) und de.'Völkerbund.

Berlin, 28. Dez. Die ..Deutsche Diploma- lisch-Politische Korrespondenz" schreibt: Ein Ber­liner Montagsblatt bringt heute Ausführungen über angebliche Maßnahmen der ReichSregie» rung bezw. des Reichsaußenministers zur Er­nennung eines deutschen De legier­ten beim Völkerbund. Deutschland hat fein Zulassungsgesuch noch nicht eingebracht, ist I nod> nicht in den Völkerbund ausgenommen unb wird erst nachher in die Lage kommen, sich I beim Völkerbund und bei Ratstagungen ver-