Ausgabe 
29.10.1925
 
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sind die Gürtel befestigt, io werden sie auch schon wieder durch lose Bubenhände mutwillig herunter« gerissen. Ahnen denn diese törichten Menschen gar nicht, welchen Vorschub sie damit einem Baum« schädling gewähren? Es ist das Weibchen des Frostspanners, welches bei Beginn der kälteren Jahreszeit bis gegen Weihnachten am Baumstamm emporkriecht, um an die Daumknospen seine Eier zu legen. Es sicht seinem Männchen, einem unscheinbaren grauen Schmetterling, gar nicht ähnlich, sondern besitzt nur winzige Flügel- f tummel und ist vollkommen flugunfahig. Dafür kann cs aber infolge seiner langen Beme um so besser laufen. Sind nun die Klebgürtel abgerissen, so kann es ungehindert den Bauin besteigen und eine Eier niederlegen. Die daraus hervoclchlupfen« den Raupen vernichten im zeitigen Frühjahr d,e Obsternte bereits in der Knospe. Die Klebgürtel haben aber noch eine andere Bedeutung. Die Raupe (Obstwurm) des Apfelwicklers eines kleinen blaugrauen Schmetterlings, sucht ge­rade die Klebgürtel auf, um unter ihnen in den Rindenschuppen den Winter zu verschlafen. Die Klebgürtel sollten also erst in etwa acht Wochen wieder entfernt und dann v e r b r an n t werden. Bei dieser Gelegenheit ist dann auch das unter dem Gürtel sitzende Ungeziefer zu vernichten. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, das; dem Unfug, die Klebgürtel vorzeitig ab- zureihen, endlich ein Ende gemacht wird.

: Climbach, 28. Oft. In diesen Tagen schied unser langjähriger Bürgermeister Pe­ter Stein aus dem Amt aus. Mehr als vier Jahrzehnte leitete er die Geschicke unseres Dorfes, und nur infolge seines hohen Alters verzichtete er bei der im letzten Sommer stattgefundenen Wahl auf seine Wiederwahl. Wohl kaum ein zweiter Bür­germeister im Kreise Gießen kann auf eine solch lange Amtszeit zurückblicken. Bei der Neuwahl traten zwei Kandidaten auf, Ludwig Stein, der Sohn des seitherigen Bürgermeisters, und H ch. W i ß n e r. Letzterer wurde gewählt und vor einigen Tagen durch einen Vertreter des Kreisamts Gießen in sein Amt eingesührt. Zur demnächst vorzuneh­menden Gemeinderatswahl sind in unserem Dorfe zwei Listen eingereicht worden.

I L i ch, 28. Ott. Lobenswert sind die Bestre­bungen des hiesigen Obst- und Gartenbau- Vereins unter der Leitung seines 1. Vorsitzenden Konrad Schön e. Bereits vor einigen Wock)en wurden sämtliche Besitzer von Obstbäumen in der Gemarkung Lich durch ein Rundschreiben des Ver­eins ausgefordert, sich an einer allgemeinen Be- kämpfungsmahnahme der Obstbaumschädlinge durch Anlegung von Klebgürteln zu beteiligen. Der Verein erkläre sich gleichzeitig bereit, gegen eine geringe Entschädigung die Bekämpfungsmahnahme selbst durchzuführen. Wie man hört, haben sich weit über 200 Obstbaumbesitzer bereit gefunden, an ihren Obstbäumen die Vertilgung vornehmen zu lassen. Jetzt sind nun die Beauftragten des Vereins daran, die Klebgürtel anzulegen. Da einmal der Anfang gemacht ist, wird sich sicherlich noch eine ganze Anzahl weiterer Besitzer von Obftbüumen bereit finden, die Bekämpsungsmaßnahme rnitzu- machen. Auch der Kreis Gießen hat auf seinen hiesigen Straßen Klebgürtel angelegt.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 28. Oft. Nunmehr Hut auch das Preisgericht über das zweite der beiden großen Bauprojekte der Stadt, des Pvlh - technifums und der Dchillerschule, ihr Tlrteil gefällt. Das Preisgericht setzte sich in diesem Falle zusammen aus: Bürgermeister Dr. Seyd, Ministerialrat Pros. Dr. Hofmann- Darmstadt, Professor K. Roth-Darmstadt, Bür­germeister D u x b a u m - Darmstadt, Oberbaurat Haag, Oberstudiendirektor Philipps, Rektor Koch, Bauunternehmer Mörschel, Stadtbau­meister Köhler (sämtlich Friedberg). Den ersten Preis (Kennwort Schillerschule) erhielt Architekt Aug. K e u n e - Offenbach, den zweiten Preis (Kennwort 118) Architekt Schwarz- Friedberg, den dritten Preis (Kennwort .Längs gestaffelt") Architekt Ernst Balser -Reu-Isenburg); zum Ankauf sind ferner empfohlen die Entwürfe Westsonne" undLicht und Lust", Verfasser des ersten Entwurfes ebenfalls Ernst Dalfer- Reu-Isenburg, des letzteren Architekt Tuiskon Reuhaus- Darmstadt. Als besonders be- merienswert ist zu betrachten, daß der Dozent des hiesigen Polytechnikums, Architekt Schwarz, auch bei dem Wettbewerb für das Polytechnikum ebenfalls preisgekrönt wurde und auch Architekt E. Balser- Aeu-Isenburg damals einen und

Der gefesselte Strom.

Roman von Hermann Stegemann.

49. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Da blickte ihn Ruth ernst an und erwiderte mit Nachdruck:

, Hanns Ingold ist mein Jugendfreund."

Er stutzte

Und hat mir sehr nahe gestanden," schloß sie mH festem Tone.

Sie fühlte, wie seine Augen fragend, prüfend über ihr Gesicht gingen, begegnete ihnen stolz mit ihrem goldschimmernden Blick und reichte ihm lang­sam die Hand zum Abschied.

Ein Schwall von heißem Blut und starken Hoff­nungen stieg aus seiner Brust.

Weiß Gott, das Mädchen hatte Stolz und Rasse! Stumm bückte er sich auf die schmale Hand.

Als sein Wagen im Staub verschwunden war, kehrte Ruth langsam ins Haus zurück.

Es war ein Spätsommertag von köstlicher Frische und schwebender Heiterkeit.

Ihr aber schien es, als hätte sie wunde Füße, und sie ging langsam, mit dem halben Bewußtsein einer Schlaftrunkenen.

Am 21. September erteilte die Regierung der erweiterten Gesellschaft, in der nun Tylander und Kompanie das Uebergewicht hatten, die endgültige Genehmigung zum Bau und Betrieb eines Kraft­werkes zu St. Joseph bei Rheinau unterm Lauffen. Da es sich nur noch um den Vollzug gehandelt hatte, waren schon alle Vorbereitungen zur Auf­nahme der Arbeiten getroffen worden. Am 22. Sep­tember begannen die ersten Erdbewegungen auf den Jngoldschen Matten. i

Es sah noch nicht gefährlich aus. Der Rhein rauschte ungestört im felsigen Bett, die Wasserweide spiegelte sich im Glanz der Herbstsonne, und die Fischer zogen mit dem Schleppgarn langsam strom­auf, an St. Josephsbad vorbei dem Lausten zu.

Doktor Engelhardt kam aus dem Tannenwald herunter, die Botanisierbüchse auf dem Rücken, ohne Hut, mit schlechtgewickelten Wadenbinden und brauner gebrannt als je.

daß das Gedränge gegen Mittag immer großer 'wurde. Ueber 150 Verkaufsstände waren aufge­schlagen, in denen Waren aller Art feilgeboten wurden. Der Verkauf war im allgemeinen ziemlich rege, wenn freilich der Geldmangel auch hier manche Grenzen zog. Aus dem Schaubudenmarkt herrschte frohes Treiben. Währenddessen fand der Pferde- markt von gestern seine Fortsetzung und schien bet fallenden Preisen noch manchen Verkauf zu bringen. Der Rindvieh- und Schweinemarkt hatte, wie der gestrige Pferde- und Fohlenmarkt, einen noch selten gesehenen, riesigen Auftrieb; auf der Straße vom Gasthaus zur Post bis zum Obertor standen morgens 7 Uhr 356 Kälber, Rinder und Kühe für den Auftrieb, die Pflanzenländer erwiesen sich auch hier für den Auftrieb fast als zu klein, zumal noch über 250 Ferkel und Schweine hinzu­kamen. Bei festen Preisen eröffnete alsbald ein reges Geschäft. Für Kälber, Rinder und Kühe wur­den je nach Alter und Güte Preise von 120, 180, 250, 400, 650, 700 Ml', und noch höher erzielt, ebenso waren die Preise für Ferkel und Schweine, die sich von 20, 25, 35, 80, 100 Mk. pro Kopf be­wegten, befriedigend. Sehr großes Interesse brach­ten die Landwirte den verschiedentlich ausgestellten landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten ent­gegen. Der Tag wurde mit verschiedenen Festlich­keiten am Abend geschlossen.

Kreis Alsfeld.

([) Lehrbach, 28. Oft. Wie wir erfahren, geht am 1. November der eine lange Reihe von Jahren mit dem Oppermannschen Rittergut Lehr­buch verbundene Schmit thof an seinen Besitzer, Oberstleutnant v. Trott zu Solz, zurück. Das reizvoll und idyllisch gelegene Gut findet mit seinen Feldern, Wiesen und Wäldern naturgemäß viele Liebhaber. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht verschiedene Reflektanten auf ihrem Weg zur Besichtigung des Hofes und der dazugehörigen Lie­genschaften unseren Ort passieren sieht. Die all­gemeine Notlage unseres Wirtschaftslebens mag es vielleicht mit sich bringen, daß sich bis heute noch kein neuer Pächter des Schmitthofes fand. Da dieser ohne jegliches Inventar zur Wiederverpachtung aus­geschrieben wurde, gehört für einen Anfänger schon ein Kapital von mindestens 2530 000 Mark dazu, um überhaupt beginnen zu können es sei denn, daß ein neu aufziehender Pächter über das für ein Gut von ca. 270 Morgen erforderliche Inventar verfüge. Alsdann würde sich für den Besitzer und den Pächter die Lage wesentlich anders gestalten.

Erbenhausen. 28. Oft. Der Kir­chenvorstand hat beschlossen, die von dem Landeskirchen amt zur Deckung eines zum größten Teil aus der unglückseligen Inflations­zeit herrührenden Fehlbetrages angeforderte Summe ratenweise bis 1930 zu tilgen. Man brachte den bestehenden Verhältnissen volles Verständnis entgegen; in der Inflationszeit wur­den doch tatsächlich keine Kirchensteuern gezahlt. Bis zum Erholt und zur Bezahlung des Steuer­bescheides war meistens schon der angeforderte «und entrichtete Betrag völlig entwertet. Dies Mißverhältnis mußte sich aber später bemerkbar machen. Das Landeskirchenamt Hot nun in sehr zuvorkommender Weise den einzelnen Gemeinden die Möglichkeit geboten, einer Ehrenpflicht zu genügen, indem es unter eignen Opfern eine Zahlungserleichterung gewährte. Unsere Ge­meinde hat davon in dankbarer Anerkennung Gebrauch gemacht, hofft indessen, daß sie ihren Verpflichtungen noch eher, wie angeboten, Nach­kommen kann.

Starkenburg.

* D a r m ft a b t, 28. Oft. Von verschiedenen Kreisämtern in Starkenburg sind in letzter Zeit Schutzmaßnahmen gegen die Toll­wut der Hunde erlassen worden.

fpd. Neu-Isenburg, 28. Oktober. Der Ge­rn e i n d e r a t lehnte in einer langen Sitzung die Errichtung einer stä d ti s ch en S p a r ka sf e ab, weil den Gemeindekörperschasten die Bezirks- fparf affe mit der Gründung einer Zweig- stelle zu vorgekommen ist. Die Bezirksspar­kasse hat den Neu-Jsenburgern zudem versprochen, das bei der Zweigstelle eingehende Spargeld vor­zugsweise den Jsenourgern zu leihen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

v. Wetzlar, 28. Oft. Die Wahlen zum Provinz-, allandtag und zum K r e i stag

ich schon auf den Monatsersten, auch zwei Mädchen. Brauchst du noch etwas Besonderes an Medika­menten?"

Nein, von dem Zeug habe ich mehr als genug.'

Du bist heute nicht liebenswürdig, Papa," er­widerte Ruth lächelnd.

Wenn man fühlt, wie einem der Stuhl fortge­zogen und die Ruhe gestohlen wird, kann man doch nicht noch liebenswürdig fein!"

Das sagte er so grimmig, daß Ruth laut auf­lachen mußte.

Engelhardt horchte mit heimlicher Freude auf dieses frohe Lachen und schielte über seine Herbarien hinweg zu Ruth hinüber.

Das Lachen war als helles Lächeln in ihrem Ge­sicht stehen geblieben. Ueber ihr Hauptbuch gebückt schrieb sie emsig, vom Lichtscheine der" Lampe wie verklärt.

Und Doktor Engelhardt gab im stillen das Kloster St. Joseph und sein Sanatorium leichten Herzens preis, da er das Mädchen so heiter sah. Sie war wie von langer Krankheit genesen.

Doch als sich jetzt das Lächeln langsam verlor, erkannte er in ihrem Antlitz auch die Spuren, die Schicksal und Erleben hineingezeichnet hatten.

Ruth Engelhardt war kein junges Mädchen mehr. Sie schien zwar wieder schlanker geworden, etwas amazonenhaft Beherrschtes war in den Linien ihres Körpers, aber die Züge des Gesichts waren schon in eine Reise gegoßen, wie sie nur aus tief­stem Erleben und Ueberminben fließt.

Sie erhob ben Kopf unb fragte :

Ist bas nun wirklich meine letzte Bilanz in St. Joseph?"

Ja, Ruth, sie haben uns abgewürgt. Für vier- unbfünfzigtaufenb Mark habe ich ben Steinhaufen mit bem Park vor zweiundzwanzig Jahren gekauft. Jetzt ist er für mich nicht einmal mehr als Alters­asyl zu gebrauchen. Aber ich gehe jetzt auch unter die Spekulanten. Die Licht- unb Kraftmenschen sollen mir nur kommen! Unter hunberttausenb Mark gebe ich St. Joseph nicht her."

Ruth wiederholte staunend die schöne runde Zahl.

Er wandte sich ab, um ihr den Schmerz nicht zu zeigen, der plötzlich sein Gesicht zerriß. Sie durfte nicht wissen, daß er ohne St. Joseph unb seine küm-

jefct zwei Preise erhielt. Schwierig wird sich allerdings die Befchastung des benötigten Bau­kapitals erweisen, doch hofft man, daß wenig­stens mit dem für Friedberg so wichtigen Bau des Polytechnikums bald beginnen wird.

* Bad-Nauheim, 28. Oft. Unter Bezug­nahme auf den Bericht über die Geschäftslage in Bad-Nauheim (Gieß. Anz." Nr. 251 vom 26. Oktober) wird uns von der Bereinigung des Einzelhandels Bad-Nauheim be­schrieben:Die Geschäftslage in Bad-Nauheim nimmt gegenüber ben anderen Städten keine Aus­nahmestellung ein. Die wirtschaftliche Depression wirkt sich hier genau in demselben Maße aus, als anderwärts. Es haben in diesem Jahre nicht 12, wie der Artikel sagt, sondern 7 Konkurse stattgefun­den. Es handelt sich hierbei um Geschäfte bzw. Unternehmen, denen keine überragende wirtschaft­liche Bedeutung beizumeffen ist. Von weiteren in Aussicht stehenden Konkursen ist uns nichts bekannt. Wahr ist dagegen, daß die seitherigen Konkurse vor­wiegend durch die hohen Labenmieten unb bie allzu hohen Steuerlasten verursacht sinb." (A nm. der Red.: Wir möchten zu dieser Zuschrift bemerken, daß es unserem Gewährsmann selbstverständlich völlig fern gelegen hat, der Nauheimer Geschäfts­welt Schwierigkeiten irgendwelcher Art bereiten zu wollen, unb wir glauben auch nicht, baß der frag­liche Bericht irgendwo in solcher Weise aufgefaßt worden ist. Der Zweck des Berichts war lediglich der, den an Bad-Nauheim interessierten Wirtschafts­weisen unb Behörben klarzumachen, baß bie Nau­heimer Geschäftswelt burchaus nicht auf Rosen ge­bettet ist, unb daß sie trotz einer lebhaften Saison sehr hart zu kämpfen hat. Diese Schilberung dürfte sicherlich für bie weitesten Kreise von Wert sein. Ueber bie Anzahl ber Konkurse hört man in Nau­heim übrigens zweierlei Angaben.

| Nieberflor stabt, 28. Oft. Wie dem Auto heimgeleuchtet würbe, tonnte man biefer Tage hier sehen. An bem vollbesetzten Auto, bas um 7 Uhr abenbs in Friebberg abfährt, ver­sagte bie Lichtmaschine. Enblich fanb man bei einem ber Fahrgäste eine elektrische Ta­schenlampe. Der glückliche Besitzer setzte sich nun auf eins ber vorderen Schutz­bleche unb ließ sein Licht leuchten. Balb aber war bie Batterie soweit ausgebrannt, baß chich sie fein Licht mehr von sich geben wollte. Da über­holte ein Radfahrer das Auto, setzte sich an die Spitze, unb nun konnte bie Fahrt nach ber Heimat fortgesetzt werben. Die Fahrrablampc leuch­tete gut, unb das Auto nahm immer größere Ge­schwindigkeit. Dem armen Radler wurde angst unb bange, beim trotz ber größten Anstrengung kam das Ungetüm immer dichter an ihn heran. Die Hupe ertönte und holte die letzten Kräfte aus ihm heraus. Ganz in Schweiß gebadet tarn er in Flor­stadt an mit der Gewißheit, mit seinem Licht ein gutes Werk erfüllt zu haben. Groß war bie Freude bei den Fahrgästen, denn durch diesen glücklichen Zufall kamen sic nur mit geringer Verspätung an bas Ziel.

B. Robheim v. b.«H., 28. Oft. Da bas Dach der hiesigen großen Kirche schadhaft ist, wer­den zur Zeit umfangreiche Reparaturen vorgenom­men. Der Turm, ber ber älteste Bestandteil ist unb durch seine Hohe eine gute Fernsicht bietet, muh vollständig neu gedeckt werben. Ihrer weiten Aus­dehnung halber die Kirche hat nahezu 2000 Sitz­plätze wird diese nur im Sommer benutzt, wäh­rend im Winter bie Gottesbienste in der kleinen, früher reformierten Kirche abgehalten werden, bie nach bem großen Branbe von 1901 zwei Jahre später mieber aufgebaut rou^e. Da ber Arzt verschiedentlich unter ber hiesigen Jugenb Schar- l a ch feststellte, würbe bie K l e i n k i n b e r f ch u l e bis auf weiteres geschlossen. Der Schulunter, richt in ber Volksschule wirb unter Anwenbung der nötigen Vorsichtsmaßregeln aufrechterhalten.

Kreis Büdingen.

Z_2lus der Wetterau, 28. Okf. Der Be­stand an Hasen, der durch ben strengen Winter 1923/24 stark gelichtet würbe, hat sich an Zahl nur wenig vermehrt. Bessere Aussichten eröffnet bem Jäger diesen Herbst die Fuchsjagd. Massenhaft tritt dieses Raubwild auf.

Geiß-Nidda, 28.Oft. Zur bevorstehen­den Gemeinderatswahl wurden zwei Kandidatenlisten aufgestellt.

)( D r t e n b e r g, 27. Ott. Der K a 1 i e M a r k t- Dienstag, ber von jeher ein allgemein gefeierter Volkstag war, übte auch in biesem Jahr feine An­ziehungskraft aus. Die Züge brachten schon am frühen Morgen ganze Scharen von Besuchern, so

Am Bahnhof mußte er einen großen Umweg machen, benn das tote Gleis war mit langachsigen Wagen verstellt, auf denen Förderkarren unb Bag­germaschinen oerlaben waren.

Der Wartesaal glich einem Zigeunerlaacr. Ueber zweihunbert Italiener erfüllten ben Bahnhof mit Lärm unb Gerüchen.

Wie ein gereizter Bar brängte Engelhardt sich mit Brummen dutch bie Menge, versäumte aber nicht, einen Blick auf die kecken Mäbchen zu werfen, bie mit ihren kunstvoll gesteckten schwarzen Haaren unb üppigen Busen wie Fürstinnen in Kattunklei­bern aussahen.

Das würbe ein schönes Leben geben! Ein Leben, bei bem man bes eigenen Lebens nicht mehr sicher war. Da schrien sich schon zwei, ein stoppelgrauer Alter unb ein junger Krauskopf, wie bie Milben an unb warfen bie Hänbe, als wollten sie sich erwürgen. 2lber jetzt gab ber Alte dem Jungen einen Schwei­zergroschen, unb nun lachten sie cinanber vergnügt mit blanken Zähnen ins Gesicht.

Engelharbt lief ben Feldweg nach Hause. Ueberall waren kleine Baracken ausgesteckt. Er kannte diese Jbalienerkolonien, die bei Tunnel- unb Wasser­bauten wie bie Pilze aus bem Boben schossen. Nun war bas Enbe von St. Joseph gekommen. Die Ge­sellschaft hatte il)n noch nicht zum Verkauf gebrängt, unb er wollte ihr bas Gut nicht antragen. Er saß noch im Eigenen, aber es blieb ihm nichts anberes übrig, als eines Tages zu gehen. Er schob ben Ge­danken weit von sich. Seit alles in Fluß gekommen war, tat er, als ginge ihn bie Umwälzung nichts mehr an.

Am Abend wurde Engelhardt durch einen lang- gezogenen, klagenden Gesang in feiner Arbeit ge­stört.

Heiliger Joseph, nun ist auch bie Santa Lucia noch am Leben!" stöhnte er und warf die Feber weg.

Ruth schrieb Rechnungen ein.

Aber Papa, bu wirst boch diePagliacci" nicht von ihnen hären wollen," neckte sie ihn.

Nein, ich will überhaupt nichts hören," brummte er unb nahm die Feber mieber auf, um an seinem Werk über bie Flora bes Rheinauer Walbtales weiterzuschreiben.

Am 12. Oktober müssen wir schließen," sagte Ruth nach einer Weile.Die erste Köchin entlaste

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Rundfunk-Programm

(Aus derRadio-Umschau-.)

des Frankfurter Senders.

Freitag. 30. Oktober:

4.30 bis 6 Uhr Hausfrauen-Nachrnittag. 6 bis 6.30 Uhr Die Lescstimbe (Briefliteratur): Aus bem Briefwechsel zwischen Goethe unb Zelter. 6.30 bis 7 Uhr Uebertragung von Kassel: Vortrag von 2r. Walther Koch, Leiter ber Volkshochschule Kassel, über:Wesen unb Aufgabe ber Volkshochschule". 7 bis 7.15 Uhr Die Besprechung. 7.15 bis 7.30 Uhr Briefkasten. 7.30 bis 8 Uhr Italienischer Sprach­unterricht. 8.30 bis 9.30 Uhr Uebertragung von Kassel: Georg-Otto-Kahse-Abend (Kinderlieber). 10 bis 11 Uhr Zeitgenössische Gesangsmusik.

wsten Samstag

UMMgg!

finden nach bem vom Landtag verabschiedet«, neuen Wahlgesetz nunmehr am Sonntag.

2 9. November, statt. Die Wählerlisten liegen vom 25. Oktober ab auf die Dauer von 2 Wochen zu jedermanns Einsicht aus. Einsprüche können innerhalb der Auslegungsfrist bei den Vürgermeisterämtern schriftlich angebracht oder zur Riederschrift gegeben werden. Wahlvor­schläge sind spätestens bis zum 21. Tage vor dem Wahltage, d. i. bis zum 8. Rovember. einzureichen, und zwar für die Provinzialland­tagswahlen an den Provinzialausschuh derRhein- Provinz zu Düsseldorf und für die Kreistags­wahlen an den Kreisausschuh zu Wetzlar. Die Wahlvorschläge müssen von mindestens 10 Wahl­berechtigten unterschrieben sein. Der Provinzial» ausschuh der Rheinprovinz hat die Zahl der zu wählenden Provinziallandtagsabgeordneten auf 163 festgestellt. Kreistagsabgeordnete sind 27 zu wählen. Die Stimmbezirke und die Wahlräume sind die gleichen, wie bei der Reichspräsidenten­wahl im Frühjahr d. I. Die Zwangs-2n« nung für das Schneider- und Schnei­derin nen-Handwerk im Kreise Wehl« hat sich auf Beschluß tter Innungsversammlung aufgelöst.

Frankfurt a. M. und Umgegend.

fpd. Frankfurt a. M., 28. Okt. Sämtliche Frankfurter Bäckereien- «hielten heute früh kurz nach 6 Uhr überraschenden Besuch durch Beamte der Kriminalpolizei und der Schutzpolizei. Die Beamten nahmen in je­der Backstube umfassende Stichproben auf Ge­wicht der Brötchen vor. Dabei stellte sich die erfreuliche Tatsache heraus, daß bei allen Brötchen, die ein polizeilich vorgeschriebenes Rormalgewicht von 30 bis 32 Gramm haben müssen, ein geringes Liebergewicht fest- gestellt wurde. Es kam in keinem Falle zu Beanstandungen.

Mysteriöser Mord.

Frankfurt a. M., 28. Okt. (WTB.) Heute abend gegen 52 Uhr wurde aus bisher unbekannten. Gründen der Arzt Dr. Seitz in der Wittelsbacher Allee von einer Frau erschossen. Die Täterin wurde verhaftet. Die Untersuchung der Angelegenheit durch die Mordkommission ist int Gange.

Kreis Marburg.

* Wetter, 29. Okt. Der eingelegte Zug fährt ab 2. November werktags, unb zwar 0.53 Uhr norm, ab Marburg, Wetter an 7.18 Uhr, Rückfahrt ab Wetter 7.23 Uhr unb Marbug an 7.47 Uhr.

Aus -cm AmtsvcrLüttdi^'.n^sblat

Das Amtsoerkünbigungsblatt Nr. 84 vom 28. Oktober enthält: Die Wahlen ber Beigeorbneien in ben Lanbgemeinben bes Kreises. Maul- unb Klauenseuche in Geilshausen, Lon­dorf unb Obenhcmsen. Kinderarbeit in gewerb­lichen Betrieben. Straßensperren. Feldberei­nigungen Beltershain, Harbach, Lauter, Nonnen- roth und Stangenroth.

merliche Tätigkeit nicht leben konnte. Die Atembe­schwerben, an denen er seit Jahren litt, waren in ben letzten Monaten stärker geworden und befielen ihn jetzt bei jeder größeren Erregung.

Er stand auf 'unb bat Ruth, mit ihm noch einen Gang burch den Garten zu machen.

Eine silbergestirnte Herbstnacht streute sanfte Helle ins Dunkel. Der Harzduft der Wälder tarn von den Bergen. Es war alles wie sonst, nur die ge« spensterhaften Baugerüste auf den Matten und ein verlorenes rotes Licht am Rhein, wo der Kies aus- gegraben unb ber Felsgrunb bloßgelegt würbe, stan- ben fremb in ber Lanbschaft. , .

Jrn Auf- unb Abgehen besprach Engelhardt nut Ruth die nächste Zukunft. Sie wollten ben Winter in Freiburg verbringen unb erst im Frühling nach St. Joseph zurückkehren.

Vielleicht fanb Engelharbt in Freiburg Wurzel- grunb. Er wußte, baß es vor allem sentimentale Schwingungen feiner Seele waren, bie ihn nach Freiburg zogen, wo er als Stubent geschwärmt und feine Lebensgefährtin gesunden hatte, aber Freiburg war auch die nächste Universitätsstadt, und Ruth be> saß dort noch von ber Mutterfeite Verwanbte, an bie zu benten wohl erlaubt war.

Sie sprachen unb rechneten, kein Wort beutete darauf hin, baß sie jemals einanber verlassen konnten.

Am 23. Oktober fiebelten sie in ben Breisgau über. ,

Engelharbt konnte ben Ausgang aus St. Joseph nicht finden. Er lief im ganzen Haus umher und fragte Ruth nach hundert Gegenständen, die er nut« nehmen wollte.

In den zwanzig Jahren feiner Seßhaftigkeit war er nur selten einige Tage von Rheinau weggewesen. Einige Male in Zürich unb in ben Alpen, einmal tn Stuttgart unb zuweilen in Freiburg. Den Schwarz« walb kannte er um so besser. Von der Ach bis zur Murg hatte er jedes Tal durchwandert, jede Hohe erklommen.

Ruth suchte chn, denn es war Zeit, das letzte Frühstück einzunehmen. ,

Joseph Hotz hatte den Frühstückstisch auf der Terrasse gedeckt, wo die gelbe Oktobersonne in den dickköpfigen Dahlien glühte, bie ber Gärtner 3U einem mächtigen Strauß gebunben hatte.

(Fortsetzung folgt.)

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