Ausgabe 
29.10.1925
 
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Nr. 254 Zweites Blatt

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konfessionelle Gruppe, wie sie Form die französische Kammer noch ,könnt hatte.

Ilm unseren Lesern die Lektüre

Radikale

Parteilose

Republikaner der Linken

Republikanische-bemokratische Linke

Republikanisch-Demokratische Anion

zöfischen Kammergerichte zu erleichtern, ver­öffentlichen wir nachstehend eine knappe Zu- lammenstellung der zehn wichtigsten Gruppen der Kammer (von rechts nach links):

1. D i e Demokraten (14 Mitglieder). Wie bereits betont, eine konfessionelle Gruppe bestehend aus den republikanischen Katholiken.

2. Gruppe der republikanisch-de­mokratischen Anion (104 Mitglieder), die ursprüngliche neue Rechtspartei der alten Kam­mer und der Kern des bloc national. Darunter u. a. Dubois, der ehemalige Präsident der Reparationskommission, der frühere Iustizminister Lcvebre du Prey, Vbarnegaray, Taittinger, der Chefredakteur der chauvinistischenLiberte". Die- kr Gruppe gehören auch die französischen Sroß in du st ri e llen an, als ihre markante­stem Vertreter gelten die beiden Brüder Guy und Francois de Wendel. Angeschlossen sind ferner zahlreiche Vertreter des französischen Adels, mehrere Militärs, sowie die 'Abgeord­neten Elsaß-Lothringens, darunter besonders Cugene Muller, Iberkirch und Dr. Pfleger.

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26 Kommunisten und 14 Demokraten.

Die ersten drei Gruppen bilden dasLinks­kartell", also die bisherige Regierungsmehr­heit, die nächsten fünf Gruppen 256 Ab­geordnete, bilden den oppositionellenRechts- b I o d". Die Gruppe der Demokraten, zu­sammengesetzt aus den republikanischen Katho- - liken des Elsaß und der Bretagne, ist eine rein

Die französische Deputierlenkammer.

(Don unserem Pariser S.-Korrespondenten., Paris, den 28. Oktober 1925.

Rachstehende Zeilen wollen nichts weiter sein als eine unseren Lesern sicherlich willkommene handhabe, um sich leichter ein Bild machen zu können von tert Parteiverhältnissen in Frank- reich und der Zusammensetzung der französischen Kammer, namentlich auch im Hinblick auf die augenblickliche Regicrungskrisis und die dem­nächst von der Kammer zu ratifizierenden po- liüschen und wirtschaftlichen Verträge ir.i' Deutsch­land.

Der BegriffPartei" deckt sich in Frank- Mch keineswegs mit den in anderen Ländern üblichen Begriffen von einer Partei: vielmehr handelt es sich in der französischen Deputierten- kammer um mehr oder weniger fest zusammen- gefugte Gruppen, die jedoch bei den Ab­stimmungen durchaus nicht immer so geschlossen auftreten, wie man es bei uns gewohnt ist. OA &cr französischen Deputierten beträgt 584. Auf Paris entfallen hiervon 56 Abgcord^ nete. Die gegenwärtige Legislaturperiode der französischen Kammer läuft bis 1928. Gewählt wird nach einem Verhältniswahlsystem, das sich jedoch von dem deutschen sehr erheblich unter­scheidet und^ außerordentlich viel komplizierter ist. Jedes Departement wählt mindestens drei ^geordnete. Durchschnittlich sollen je 75 000 Einwohner einen Deputierten wählen. Für die 12 durch den Krieg heimgesuchten Departements gibt es noch die Sonderstimmung, daß sic ent­gegen allen sonstigen Vorschriften soviel Ab­geordnete wählen dürfen wie im Jahre 1911.

Die französische Kammer zerfällt in die beiden großen Gruppen desBloc national" und desLinks la r t e l l s". Hinzu kam noch als besondere Oppositionsgruppe die 30 Mit­glieder zählende Gruppe der A n a b h ä n g i g e n, hauptsächlich die Royalisten umfassend- und die 26 K o m m u n i st e n.

2n der im Mai 1924 neu gewählten fran­zösischen Kammer gibt es zehn große Gruppen: 139 Radikale und Radikalsozialisten

44 Republikanische Sozialisten 105 Geeinigte Sozialisten

Stadttheato d

Aus der Kulturgeschichte des Heizens.

Der Herbst zeigt uns allmählich ein unfreund­licheres Gesicht, so daß wir mehr und mehr ans Heizen denken müssen. Wer da einfach den Hebel der Zentralheizung einstellr, hat es gewiß gut; Lber gar mancher erfreut sich auch an dem lustig prasselnden Feuer im Ofen, der seit so langer Zeit kNMelpunkt und Seele des deutschen Haases gewesen ist. Die Feuerstelle, die heute ja in die Küche verlegt und von den Heizanlagen ge­trennt ist, gehört zu den wichtigsten Elementen itr Kulturgeschichte, ist die Arzelle der Haus- l'Hkeit aus der Heim und Wohnung erblühten. rnL galt in allen Zeiten für heilig. So beginnt die Kulturgeschichte des Heizens mit den Ar- cnfängen der Menschheit, und man hat in den Heizanlagen ein sehr bezeichnendes Merkmal für die Haussormen der einzelnen Kulturkreise und Völker erkannt. . ..., .,,

Im Altertum besaß die Heizung freilich nicht die Bedeutung. Oie sie später in der nordstchen Kultur erlangte. Die Brennpunkte der Geschichte legen damals in südlicheren Landern deren varmes Klima nicht |o gebieterisch imc bei uns dj- Menschen zwang, wirksamen Schatz gegen die Kälte zu suchen. 3n den ältesten Wohnungen der Aenschen brannte das Feuer auf einer otein- Halte und diente zugleich der Zubereitung der Speisen wie der Erwärmung. Die A egl0 P t e r. tteso viele technische Fortschritte in die Geschichte riirführten, dürften wohl auch die Erfinder des l)fens ein. aber sie benutzten Oefen nur zur ljabrikation, und so ist cs während des ganzen üttertums geblieben. Zimmero'en. die zur Heu- iurtg dienten, sind weder bei den Griechen noch kl Den Römern nachgewiesen. Auch der Schorn- slecii war den Alten unbekannt. Da sich die Üäilme des antiken Hauses auf 2 Hofe öffneten, b kann man sich vorstellen. wie sehr der antike Vensch bei dem Mangel an Heizvorrichtungen in Winter fror. Er suchte sich durch warme tleidung zu schützen, griff aber auch gern zu Bem Mittel desinnerlichen Einheizens . Zarn tHutz gegen Kälte dienten sodann den alten

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Siebener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gberheffen)

3. Die Gruppe der republikanisch, demokratischen Linken (43 Mitglieder), darunter besonders die früheren Minister: Be­rard, Reibel, Colrat, Jean Fabry. Francois Poncet, der Herausgeber des Millerand-Blattes Avenir", le Trocquer, Maginot u. a. m.

4. Gruppe der Republikaner der Linken (38 Mitglieder), darunter besonders der srühere Ministerpräsident Georges Leh- g u e S und Dariac, bekannt geworden durch seinen Geheimbericht über die Rotwendigkeit der Ver­nichtung der deutschen Industrie am Rhein, ferner die Abgeordneten Robaglia, Rollin usw.

5. Fraktionslose (30 Mitglieder), fast durchweg Konservative, unter ihnen in erster Linie die Royalisten, z. B. Baudrh d'Asson, Geoffroh d'Andigne, Le Cour, Grandmaison usw.

6. Die radikale Linke (40 Mitglieder), darunter namentlich Daniel-Vincent Fallieres, Laurent Eynac (Anterstaatssekretäc für Luft­schiffahrt) L o u ch e u r , Meunier, Paul Morel, Victor Morel, sowie der jetzige Anterstaatssekre- tär für die Handelsmarine Danielon.

7. Gruppe der Radikalen und Ra- dikal-Sozialisten (139 Mitglieder), die Gruppe H e r r i o t s. Dieser stärksten Gruppe gehören außer ihm folgende Mitglieder des eben zurückgetretenen Kabinetts Painlevc an: der Marineminister Borel, der Innenminister Schramcck, der Landwirtschaftsminister Durand, dec Arbeitsminister Durafour. der Kolonial­minister Hesse, der Anlerstaatssekretär für die befreiten Gebiete, Schmidt, der Anterrichts- minister Delbos und der Anterstaatssekretäc im Kriegsministerium, Ossola. Hervorragende Mit­glieder dieser Gruppe sind u. a. Archimbaud. Brunet, Franklin Bouillon (der Vertrauens­mann Poincarös bei den türkischen Verhand­lungen). Paul Laffont, Petitjean usw.

8. Gruppe der republikanischen Sozialisten und französischen So­zia list en (44 Mitglieder). Ihr Führer ist der seitherige Ministerpräsident Painleve, auch Außenminister B r i a n d gehört zu dieser Gruppe, ferner der bekannte Advokat Moro- Giafferri. Mehrfach hervorgetreten von dieser Gruppe sind u. a. Jean Hennessy, der Kognak­fabrikant und jetzige Gesandte in 'Bern; Admiral Iaurcs, der Bruder des zu Kriegsbeginn er­mordeten französischen Sozialisten Iaures; der französische Sportsmann und Flieger Lecointe, sowie Violette.

9. Die geeinigten Sozialisten (104 Mitglieder). Die bekanntesten sind: Auriol, Barthe, Leon Blum, Buisson, Compere-Morel, Francois Levebrc, Masson, Mistral, Morin, Moutet, Paul Boncour, Paul Faure, Pelissier, Ahry, Darennc.

10. D i e Gruppe der Kommunisten (26 Mitglieder), unbedingte Gefolgschaft Mos­kaus, schärfste Opposition gegen gegenwärtige Regierung, wie gegen den Parlamentarismus überhaupt. Die wichtigsten Mitglieder sind: Cachin, Berthon, Doriot, Marty, Vaillant-Cou- turier usw.

Roch ein paar Andeutungen über die Pro­gramme der wichtigsten Gruppen. Die am äußersten rechts stehenden Anabhängi­gen (Konservativen) erblicken in Mussolini das auch für Frankreich nachahmenswerte Bei­spiel. In dem Manifest der Partei heißt es ausdrücklich, daß Italien klar bewiesen habe, was ein wirklicher Führer könne, und was ein Parlament nicht könne. Frankreich fehle ein Führer; die gegebene Persönlichkeit aber sei das Haupt der Royalisten, der Herzog von Or­leans. Rur unter einem wirklich tatkräftigen Führer könne das besiegte Deutschland zum Zah­len gezwungen werden, niemals durch ein Par­lament. Das Programm der dieser Gruppe nahe­stehenden B o n a p a r t i st e n ist vom Prinzen Joachim Murat aufgestellt. Diese Partei wünschte Aufrechterhaltung der Ruhrbeschung und Schaffung eines unabhängigen und neutralen Rheinland-Staates.

Die Programme fast aller Parteien des bloc national decken sich mit dem von Poincarc immer wieder in seinen Kammer- rcden aufgestellten Programm: Sicherheit Frank­reichs, Wiederherstellung der zerstörten Gebiete durch Deutschland, Durchführung des Versailler Vertrages, Entwaffnung Deutschlands, Zahlung der deutschen Kriegsschulden usw.

Römern, wie noch heute den Italienern, trag­bare Feuerbecken und Kohlenpfannen, von denen eine große Anzahl in Pompeji gefunden worden ist. In der römischen Kaiserzeit entwickelte sich schon eine richtige Zentralheizung, aber nur für Dadeanlagen. Der Erfinder dieser Leitung von heißem Wasserdampf durch hohle Fußböden nnd Wände soll ein Zeitgenosse des Cicero. C. Sergius Orata. gewesen sein. Die Römer brachten als Eroberer diese Heizform in den kalten Rorden mit, aber dort hat sich das Heizwesen ganz selb­ständig entwickelt.

Die drei Artypen des europäischen Hauses, wie sic noch heute in den Formen des Dauern- hauses durchschimmern, schieden sich durch die Anlage öc% Herdes. Da gab es vielfach im slawischen Osten üblicheHecdhaus", so ge­nannt nach dem offenen Herd, dann dasKa­rn i n h a u s" der romanischen Länder und das deutscheOfenhaus". Diese deutsche Haus­form zeigt als kulturgeschichtlich wichtigstes Ele­ment den Ofen, der in Arzeiten wohl aus Ruten und Lehm und erst später aus Steinen aufge­richtet wurde. Dieser primitive urgermanische Ofen wurde dann nach der Völkerwanderung durch den römischen Kachelofen erseht, der bei den Römern nur zum Ziegelbrennen, Glasschmelzen usw. diente und von den Germanen zuerst für Heizzwecke benutzt wurde. Wir finden zum erstenmal einen solchen Kachelofen als Heizkörper einer Wohnung bei den Langobarden im 8. nachchristlichen Jahr­hundert erwähnt.

Aus dem Ofen entsteht der Mittelpunkt des deutschen Hauses, die Stube, wie auch aus der sprachlichen Ableitung des Wortes Stube von dem lateinischenestufa" Ofen zu erkennen ist. Der Ofen bleibt dann in der deutschen Geschichte die Seele der Stube; um ihn herum spielt sich das ganze häusliche Leben ab. Der alte Kachelofen ist stets von außen geheizt wor­den, von dem angrenzenden Raum aus. von der Küche oder vom Flur. Dies mußte solange ge­schehen. als der Ofen keinen Rauchabzug im Schornstein hatte, und Schornsteine gab es im frühen Mittelalter noch nichb Der Schornstein soll im 12. Jahrhundert in England erfunden worden sein und hängt jedenfalls mit der Anlage

Das Programm der Radikalen und Radikal-Sozialisten stammt von Archim­baud: Kampf gegen jegliche Diktatur, komme sie von rechts oder links. Die Devile der Partei ist: weder Rom noch Moskau. Deutschland soll zahlen, damit Frankreich seinen Anteil an den Reparationen unbedingt erhält. Das Ideal der Partei ist die Politik Gambettas. Diese Partei' Herriots wie alle Linksparteien wünscht stärkste Anterstühung des Völkerbundes.

Bei den Sozialisten ist zu unterscheiden zwischen denSocialistes chrctiens" unter Marc Sangnier und denSocialistes unifics". Letz­tere wollen die ausgesprochene Arbeiterpartei sein, deren Interessen in dem Parteiprogramm auch ein weiterer Raum gewährt wird. In der äußeren Politik wünschen die Sozialisten einen wahren Frieden auf internationaler Grundlage, Reparationen durch internationale Anleihe und Pfänder durch deutsche Kapitalien, Entwaffnung Deutschlands, Reutralisierung des linken Rhein­ufers, alles gewährleistet durch den Völkerbund. Der größte Führer dieser Partei war der un­mittelbar vor Kriegsausbruch ermordete Iaurös.

Das Bureau der Kammer besteht aus 16 Mitgliedern, und zwar: einem Präsidenten (Herriot), vier Vizepräsidenten, acht Sekretären und drei Quästoren. Die 20 großen Kommissio­nen dec Kammer bestehen aus je 44 Mitgliedern; die wichtigsten Kommissionen sind die für aus­wärtige Angelegenheiten (Vorsitzender Franklin- Bouillon) und die Finanzkommission (Vorsitzen­der Malvh). Die französischen Abgeordneten ha­ben gegenwärtig ein Jahreseinkommen von 15 000 Francs, dazu kommt seit 1920 eine Aufwands­entschädigung von 12 000 Francs. Die 2lbge­ordneten haben durch Lösung einer Abonnements­karte für 26 Francs monatlich Recht auf freie Eisenbahnfahrt auf sämtlichen französischen Bah­nen. Ferner können sie sich vom 55. Lebens­jahre ab eine Pension erkaufen. Diese beträgt 1800 oder 3600 Francs jährlich, entsprechend monatlichen Prämienzahlungen von 50 oder 100 Francs. Die Pension kommt teilweise auch der Witwe und den Kindern zugute. Für die Dauer der Legislatur-Periode erhält jeder Abgeordnete eine silberne Medaille als Erkennungszeichen, ferner eine Schärpe in den Landesfarben und ein Abzeichen für das Knopfloch, die bei offi­ziellen Anlässen getragen werden. Ihrem Be­rufe nach sind die meisten Deputierten, nämlich 143, Advokaten; ferner 38 Journalisten; 31 Staatsbeamte usw.

Kunst und Wissenschaft.

Finanzuiiriister und Theaterausschuß.

O 2 armstadt, 29. Oft. Der parlamentarische Theaterausschuß hatte vor ^einigen Tagen gegen die Behandlung der Anstellungsfrage des General­musikdirektors R o s e n st o ck protestiert. Zu der im Gießener Anzeiger" vom 23. Oktober veröffent­lichten Entschließung des Ausschusses nimmt der Finanzminister in folgenden Ausführungen an den Landtagspräsidenten Stellung: 1. Die Einladung des parlamentarischen Ausschusses erfolgte nach einer persönlichen Verständigung zwischen dem Herrn Abg. Dingeldey und dem Unterzeichneten, und zwar war der Ausgangspunkt für diese Verab­redung ausdrücklich t:e Frage der Neubesetzung der Stelle des Generalmusikdirektors. Mindestens Herr Abg. Dingeldey war also von vornherein darüber unterrichtet, daß diese Frage besprochen würde.

2. Dem Ausschuß wurde mitgeteilt, daß am Abend des gleichen Tages eine Sitzung der Ver­waltungskommission stat'tfinden werde, in der je nach Lage der Sache auch ein Beschluß über die Be­setzung dec Stelle fallen könne, die Verwaltungs­kommission lege aber Wert darauf, vorher auch die Ansicht des parlamentarischen Ausschusses zu hören. Wenn die Zeit zur Aussprache vielleicht etwas kurz erschien, so trägt die Regierung nicht daran schuld, daß der Beginn der Sitzung wegen des durch an­dere Sitzungen verursachten verspäteten Eintreffens einiger Ausschußmitglieder um fast eine Stunde hinausgeschoben weroen mußte, auch nicht daran, daß infolge des Fehlens von einem Drittel der Mitglieder des Ausschusses ein abschließendes Urteil bezüglich dec Stellungnahme des Ausschusses kaum möglich war.

3. Die Bedenken, die im Ausschüsse gegen d i c Anstellung des Herrn Rosen st ock vorge-

tes Kamins zusammen, der in der Zeit der ritter­lichen Kultur, also im hohen Mittelalter, als Heizvorrichtung Mode wurde. Die Feuerstätte wurde in den romanischen Herdhäusern immer umfangreicher, und so brachte man über ihr auf dem Dach ein Türmchen an, durch das der Rauch Abzug erhielt. Um Raum zu gewinnen, verlegte man dann den Herd von der Mitte des Zimmers an eine Seitenwand und brachte zur Abführung des Rauches eine schräg aufwärts führende Oesf- nung, eine Art Schlot, an. Auf diese Weise ist der Kamin entstanden, der auch in den Ritter­burgen des Mittelalters in Deutschland beliebt war, aber doch nur eine kalte Pracht blieb, die dem wärmebedürftigen Deutschen n'.chi genügte. Bürger und Bauern hielten an dem Kachelofen fest, der dann seit dem 15. Jahrhundert immer häufiger mit dem durch die Kaminanlagen be­kannt gewordenen Schornstein verbunden wurde. Reben dem Kachelofen tritt im 17. Jahrhundert der Cisenofen. der sich daraus entwickelte, daß zunächst in Rorddeutschland die Heizkästen der Kachelöfen zur Verstärkung innen mit Eisen- platten ausgelegt wurden. Erst mit dem Auf­schwung der Raturwissenschaften und Technik ist dann in unserer Zeit eine neue Wissenschaft der Hcizkunde entstanden, die uns die vielen For­men der Sparöfen und als eine Wiedergeburt der Antike die Zentralheizung bescherte.

Der Sohlt Thomas Manns als Dramatiker.

Das Hessische Landestheater hat neben seinem festen Spielplan Kammer­spiele eingerichtet, die der Einführung junger Dichter dienen und vorwiegend älraufführungen ihrer Werke spielen sollen. Den Reigen dieser Veranstaltungen eröffnete Klaus Mann, der Sohn Thomas Manns, mit seinem Schauspiel Anja und -Esther", das dieser Tage in Hamburg seine Uraufführung erlebte. Hier wirk­ten außer dem Autor auch Pamela Wede­kind. die Tochter des Dichters, als Darstellerin mit. Die Darmstädter Aufführung, die vor einem interessierten Publikum herauskam und bei der Wilhelm Michel einige einführende Worte mit

Donnerstag, 29. Oktober (925

bracht wurden, erschienen der Verwaltungskominis- sion nicht als so durchschlagend, daß er deswegen veranlaßt gewesen wäre, eine andere Entscheidung zu treffen. Auch der in der Sitzung empfohlene Ge­danke, einzelne geeignet erscheinende Bewerber zum Probcdirigieren auszufordern, war schon vorher in der Verwaltungskommission eingehend erörtert und als unzweckmäßig erkannt worden. Für die Verwaltungskommission war die Erkennt­nis ausschlaggebend, daß Herr Rosenstock unter allen in Betracht kommenden Bewerbern der geeignelstc war, zumal er auch hinsichtlich seiner Bedingungen den Interessen des Landestheaters in weitestgehen­der Weise Rechnung trug, und die Ueberzeugung, daß Herr Rosenstock den Anforderungen, die an die­ses wichtige Amt gestellt werden, in jeder Hinsicht vollauf gewachsen ist. Nicht unerwähnt soll blei­ben, daß der Theaterausschuß der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung die A n st e l l u n g Rosen st ocks einstimmig und geradezu begeistert begrüßte.

4. Unter diesen Umständen ist es verständlich, wenn die Verwaltungskommission in ihrer bereits vorher angekündigten Sitzung am Abend des glei­chen Tages einstimmig zu dem Schlüsse kam, Herrn Rosenstock anzustellen, nachdem die Beratun­gen der Thealerausschüsse des Landtags und der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung keine durchschlagenden Gründe für eine andere Ent­scheidung oder für eine weitere Vertagung derselben ergeben hatten. Es muß deshalb der durch nichts begründete Vorwurf, daß die Befragung des Aus­schusses nur der Form halber stattgefunden habe, und daß die Absicht einer Ueberrumpelung des Aus­schusses bestanden habe, aufs schärfste zurückgewiesen werden.

Das (Snbc ber Bildungsanftalt Hellerau.

Der bisherige Leiter der Bildungsanstalt Hel­lerau Dr. Alois I. S ch a r d t und seine Frau, die Schauspielerin Mary Dietrich, sehen sich, wie derDresdner Anzeiger" meldet, gezwungen, die Fortführung ihrer Bestrebungen in Hellerau auf­zugeben.

Die Gründe hierzu liegen insofern weiter zu­rück, als sie mit den Verkaufsverhandlungen zwi schen der Bildungsanstalt und dem sächsischen Staat im Frühjahr 1924 begannen, was sie daran ver­hinderten, für den Ausbau ihrer Unternehmungen, besonders auch in Hinsicht auf die Werbearbeit, tätig zu sein. Dr. Schardt und Frau Mary Dietrich be­geben sich von hier nach Berlin, um sich schriftstelle­risch Arbeiten zu widmen und möglichst die Fort­setzung ihrer Ideen an anderer Stelle vorzubereiten.

Das Eingehen der Bildungsanstalt Hellerau ist als ein großer kultureller Verlust zu betrachten.

Oberhessen.

Landkreis Grctzen.

o Großen-Linden, 28. Oft. Für die Gemeinderatswahlen liegen drei Wahl­vorschläge bereit. Die sozialdemokratische Par­tei, seither in der Mehrheit auf der Ratsstube, leitet ihre Bewerberliste folgendermaßen ein: Ludwig Seth I., Johannes Bruder, Peter M e i d t, Karl Junker, Albert Hankel, L. Weber II., Ldw. Weigandt IV. Die Vereinigten Landwirte beginnen mit Heinrich Menges II., Karl Leun. Ludwig Keßler VII., Ludwig Schäfer II. Dem Bürgeroerein stellen sich zur Verfügung Heinrich Velten VIII., Heinrich Wißner, Wilhelm G u t e r m u t h, Heinrich Degen II. Während der zweitgenannte Wahlvorfchlag ausschließlich neue Männer voranstellt, kehren auf per ersten Liste in der Hauptsache die seitherigen Mitglieoer des Ge­meinderats wieder, ebenso der Spitzenkandidat des Bürgervereins, so daß der Faden dec Tradition auf dem Rathaus nicht ganz abreißen wird. Wenn auch längere Verhandlungen mit dem Ziel, zur Aufstcl lung einer Einheitsliste zu kommen, auf der vor­geschlagenen Grundlage zu dem gewünschten Er­gebnis nicht gelangen konnten, so darf man doch aus der Tatsache dieser Einheitsbewegung heraus damit rechnen, daß der notwendige Wahlkampf in ruhigen und sachlichen Formen sich abspielen wird.

:: Aus dem B u s e ck e rt a l, 28. Oft. Zur Zeit lassen einige Gemeinden Klebgürtel um d i e Obst bäume legen. Ueber die Bedeutung dieser Gürtel scheinen sich viele Leute, namentlich Jugendliche, noch nicht klar zu sein; denn kaum

Bezug auf die Ziele und Aufgaben dec Kammec- spiele sprach, fand lebhaften Beifall.

Die Wnnber bes Rhythmus.

Anna Pawlowna, die große Tänzerin, gewährt uns einen Einblick in die Tiefen ihrer Kunst, indem sie von den Wundern erzählt, die im Rhythmus liegen.Dec Vorhang ist aufgegangen, das Ballett hat begonnen", schreibt sie.Die Bühne, noch vor einem Augenblick tot, ist erfüllt mit Leben, das beseelt ist durch anmutige Bewegungen, durch die Schönheit der Gruppen und Gesten, durch den Rhythmus der Musik und des Tanzes. Die Prima­ballerina tanzt, und in ihren Bewegungen ist alle Schönheit der bewegten Welt. Pythagoras sprach von der Musik der Sphären, von der vollkommenen Harmonie dec Welten untereinander. Hier ist die­selbe Harmonie, und im Tanz offenbart sich der Schlüssel zu den Geheimnissen des Weltalls, ber Rhythmus. Es gibt nicht nur Rhnthmus in Musik und Tanz, sondern in aller Kunst; ja alle Dinge des Ledens atmen einen Rhythmus, ber sie uns näher bringt unb in ihnen vereint. Wenn ich im Zuge fahre, so beglückt mich ber rhythmische Gesang ber Räber. Auf bem Schiff liegt für mich alle Ro­mantik bes Seelebens in bem regelmäßigen Stamp­fen ber Maschine. Ich bin in einem Kornselb, burch das der Wind seufzt, und rings um mich singt das Korn das rhythmische Lied der Natur. Im Gang einer anmutigen Frau liegt diese Seligkeit der Rhythmik; sie schwebt empor aus einem Lachen, und sie entzückt in jeder Linie und Farbe. Und so ist es auch beim Tanzen. Es ist für mich dasselbe, ob ich in meinem Zimmer zu Hause, auf ber leeren, verbunkelten Bühne ober vor einem großen Pu blikum mich bewege. Wenn ich tanze, bin ich meines Körpers nicht bewußt. Ich fühle, baß ich eins bin mit bem Tanz, unb es ist, wie wenn ich von einem munberbaren Zauber gepackt werbe, ber im Rhyth­mus liegt unb mich zu einem Teil bes Weltrhyth­mus macht, ber das Leben beseelt. Im Rhythmus liegt ber reinste Ausdruck jeder Bewegung, in ihm liegt irdisches und himmlisches Glück. Der Rhythmus war stets ein Teil aller Gottesoerehrung, und ist nicht auch Tanzen eine heilige Hebung, ein Gottes­dienst, der beglückt?"