Ausgabe 
29.5.1925
 
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versucht worden. Von einem irreführenden Befehl könne man nicht sprechen. Der grund­sätzliche Fehler der Pionierbest-iinnrunsen sei. der, daß sie nur eingestellt waren für denKriegs- fall, wo man mehr riskieren könne als bei Frieöensübungen. Vach dem Tlnglücksfall seien die Bestimmungen sofort revidiert und weitere Sicherungs- und Schutzvorschriften aus­genommen worden.

Wg. Reubauer (Koni.) sieht in dem Un­glück eine Folgeerscheinung der Leichtfertigkeit, mit der. nach seiner Meinung, in der Reichs­wehr mit dem Leben der Soldaten umgegangen werde.

Abg. Vrüninghaus (D. Dpt.) wendet sich gegen die Ausführungen des kommunistischen Redners. Es gehöre ein hohes Maß poli­tischer Geschmacklosigkeit dazu, auch diese greulichen Vorfälle zu politischer Agitation auszunuhen. (Großer Lärm bei den Kom.)

Reichswehrminister Dr. Gehler bestreitet aus Grund der gerichtlichen Rachprüfung die Behauptung des Abg. Reubauer, daß mit schar­fen Minen strafexerziert worden sei. 3n dem von dem Redner erwähnten Fall habe sich her­ausgestellt, daß die Soldaten leichtfertig m i t einer scharfen Mine gespielt hatten. Der Minister stellt fest, daß in dem gerichtlichen Verfahren kein Soldat, sondern nur der die Hebung keilende Offizier beschuldigt worden ist.

Abg. Künstler (Soz.) verweist auf die in der französischen Kammerdebatte von Mrni-- sterpräsident Herriot gemachten Angaben über die deutschen Verfehlungen und fragt den Minister, ob er nicht jetzt schon auf diese Behauptungen antworten wolle. Der Red­ner beantragt weiter die Streichung der für die Beschaffung neuer Gasmasken ausge­setzten Mittel, da gegen die modernen Giftgase doch kein Schuh möglich sei.

Reichswehrminister Dr. Gehler lehnt es ab, jetzt schon auf die Kammerrede Herriots zu antworten. Deutschland habe in Genf das Ver­bot des besonders ungesetzlichen Giftgaskrieges beantragt. Solange die übrigen Rationen diesem Anträge nicht zustim­men, müsse die deutsche Reichswehr wenigstens das Abwehrmittel der Gasmaske haben. (Beifall.)

Der eigentliche Reichswehrministeriumsetat ist damit erledigt. Die Beratung des Marine­etats wird auf Dienstag, den 99.3urri, vertagt, tagt.

Gegen die Derwelschung Tiro s.

Münster, 29. Mai. (T. U.) An die weiblichen Teilnehmer der Schutzbundtagung in Münster ist folgende von vielen Frauen Südtirols unterzeich­nete Botschaft eingegangen: In der bitter ernsten Bedrängnis wenden wir uns an euch, hoffend, daß unsere Klagen eure Herzen rühren und euer Mitgefühl weckt. Deutsche Schwestern, hört unseren Verzweislungsschrei: Wir können das Uebermaß der Unterdrückung, der Demütigung und der Kränkung nicht mehr ertragen. Seit fast sieben Jahren hält ein grausamer Peiniger unser Land nieder. Jede Freiheit ist darin e r = ftorben, jede Freude getötet. In dump­fer Trauer sehen wir Tag für Tag unser Volkstum in Brauch und Sprache ge­knebelt, das Andenken unserer Helden ver - unehrt, das Erbe Tiroler Ruhmeszeiten ge­schändet.

Run aber raubt der Feind unsere Kinder. Ruchlos und schamlos reitzi er sie von unseren Herzen und erfüllt in welschen Schulen ihren Sinn mit dem Gift der Entfremdung, der Mißachtung der eigenen Ration. Wir deutschen Mütter haben feine Waffen gegen ein solches Verbrechen. Richt einmal die Zweijährigen dürfen wir in den Kindergärten nach unserem Sinn bilden. Richt einmal nach den Schul­stunden dürfen wir unsere Kinder deutschen Lehrern zuführen, auf daß sie unsere Sprache lernen.

Geistiger Versklavung und sittlicher Ver­derbnis ausgeliefert, sehen wir unsere lieben Kinder in den Händen der Feinde und niemand von den Mächten der Erde schenkt dieser welschen Untat auch nur die leiseste Beachtung.

So hört wenigstens ihr, unsere deutschen Schwe­stern, und hört und merkt es gut, wie im deutschen Südtirol dem deutschen Volkstum die schwerste Schmach angetan wird, die es je erlitten hat, wie verkommene Sendlinge Roms am Fuße des Rosen­gartens Deutsche mißhandeln und zer­treten dürfen. Und wenn ihr könnt, Schwestern, so ruft hinaus, daß es die Staatsbürger vernehmen und daß sie oder sonst jemand im Namen der Menschlichkeit die Schande Italiens in die Welt schreien, die taub und blind ist gegen die infamste Seelenzerrüttung dieses Jahrhunderts. Noch einmal, deutsche Schwestern, hört unfern Wehruf, ehe ihn vorher die Roheit des Feindes erstickt. Darum, Schwestern, vergeßt uns nicht!

Heute nachmittag trafen die Teilnehmer an der diesjährigen Schutzbundtagung in Münster ein. Heute abend werden die Teilnehmer einem Konzert in der Stadthalle unter Leitung von Generalmusikdirektor Schulz-Dornburg beiwohnen. Im Anschluß findet ein Empfang im Rathaus statt. Die eigentliche Ta­gung beginnt morgen. Der Schutzbund hat dem Reichs Präsiden ; e n folgendes Telegramm ge­sandt: ,,Dic $ur Schutzbundtagung in Münster ver- fammelten Grenz-, Kolonial und Auslanddeutschen entbieten dem Herrn Reichspräsidenten, dem vom Vertrauen des Volkes berufenen Führer, in schwer­ster Zeit ehrerbietigen Gruß. Deutscher Schutzbund."

Begrühungstelegramme der deulschvolksparleilichen

Jugendbewegung.

Worms. 28. Mai. (Sil.) Vertreter der Leutschvolksparteilichen Jugendbewegung des gan­zen Reiches, die z. Zt. in Heidelberg tagt, erließen folgende DegrühungStelegramme:

Reichspräsident v. Hindenburg. Deutschdolksparteiliche Jugend zu ihrer Fuhrer- tagung am deutschen Rhein versammelt, sendet Eurer Exzellenz in tiefster Dankbarkeit ehrerbietigste Grüße mit dem Gelöbnis, unter Eurer Erzellenz Führung freudig für Volk und Vaterland zu arbeiten."

Reichsaußenmini st er Dr. Etrese - mann. Vorn deutschen Rhein, aus der Stadt, in der einst ein deutscher Mann in ernster Frömmigkeit dem Gedanken der Frei­heit Bahn gebrochen hat, die ihr höchstes

Glück im Dienst des Volkes sieht, senden ihrem geliebten Führer Grüße der Treue."

Landtagsabgeordneter Dingel- d e y. Ihrem hochverehrten Freunp senden Grüße des Dankes mit den besten Wünschen für baldige Genesung."

Volksparteiliche Jugendführer.

Die Entrvasfrmngsnote.

Paris, 28. Mai. (WTB.) DerTemps" be­stätigt, daß die Reparationsfrage auf Ver­anlassung der Botschafterkonferenz mit der Frage der Entwaffnung verbunden werden soll. Die Botschafterkonferenz habe gestern der Reparations- lommission die Frage gestellt, ob Deutschland die Be­dingungen des Friedensvertrages erfüllt habe. Die Reparationskommission tritt zusammen, um sestzu- stcllen, ob Deutschland die Bedingungen des Dawesplanes erfüllt habe. Es sei wahr­scheinlich, daß ihre Antwort bejahend ausfalle. Unter diesen Umständen werde die Botschafterkonferenz der Reichsregierung eine Note zustellen, in der sic fest- stelle:

1. daß Deutschland seine Vertragsverpflichtun- gen hinsichtlich der Reparation erfülle;

2. daß es feine Vertragsoerpflichtungen hinsicht­lich der Entwaffnung nicht erfülle;

3. daß es infolgedessen augenblicklich n i ch t d i e Lageherge stellt habe, die der Artikel 429 vor- fehe, wenn die Kölner Zone geräumt wer­den solle;.

4. endlich, daß diese Räumung erfolgen werde, sobald Deutschland getreulich seine Entwaff­nungsverpflichtungen erfüllt habe.

Schließlich glaubt derTemps" noch feststellen zu können, daß die englische und die französische Re­gierung sich über die Liste der deutschen Verfehlungen geeinigt hätten, bis auf eine Verfehlung, die die britischen militärischen Sachver­ständigen nicht anführen wollen, während die fran­zösischen Sachverständigen den gegenteiligen Stand­punkt verträten.

Die alliierten Forderungen.

Unerhörte Zumutungen an Deutschland

London, 29. TXlaL (WTB. Fnntspruch.) Wie der diplomatische Berichterstatter desDaily Telegraph" erfahrt, werden die in der Entwaff­nungsnote an Deutschland zu stellenden Forde­rungen u. a. folgende Punkte emschiietzen:

1. Auflösung von gewissen Abteilungen des Reichswehrminisieriums und der S t ä b e der größeren Einheiten, die an die Sek­tionen für Wobilmachun, Rachrichtendiensi ufro. des früheren Generalsiabs erinnern.

2. Einschränkung der Zahl der Stabsoffi­ziere entsprechend dem Umfang der Wehrmacht.

3. Auflösung aller Hilfs- und Uebungsschulen für Mannschaften, soweit sie noch nicht erfolgt sind.

4. Strenge Vorsichtsmaßnahmen, durch die diese unstatthaften Verstärkungen der Heeres stärke in Zukunft verhindert wird.

5. Auflösung gewißer geheimer militä­rischer Organisationen.

6. Wirksames verbot, militärische Hebungen in athletischen, studentischen und son­stigen Jugendorganisationen vorzunehmen.

7. Schließuno der I n st i t u t e, in denen gegen­wärtig Offiziere, Unteroffiziere verschiedenartige technische Ausbildung erhalten.

8. Auslieferung und Zerstörung verschiedener Kategorien von Schriftstücken über Mobil­machung, militärische Operationen ufro.

9. Teilweise Entmilitarisierung und Dezentra­lisierung der Sicherheitspolizei.

10. Verwcmdekung beweglicher^eftungsge- schütze in unbewegliche.

11. Beseitigung einer Anzahl von Fabriken, die noch immer Waffen und Munition Herstellen ober herzustellen imstande sind.

12. Wirksame Beschränkung der Erzeugung oon Kriegsmaterial auf die vorgesehenen Fabriken.

13. Zerstörung ober Umbildung der schweren Maschinen in den Kruppwerken und den Deut­schen Werken.

14. Zerstörung verschiedener Eisenbahn­linien, die ausschließlich militärischen Zwecken dienen.

15. Einstellung der Fabrikation gewis- ser Ersatzteile in verschiedenen Fabriken.

16. Weiter Gesetzesbestimmungen bzro. schär­fere Anwendung der bestehenden Bestimmungen gegen die Ein- und Ausfuhr von Kriegs­material.

HUfsexpedition für Amundsen.

Aus Reuyort wird gemeldet: Das Hilfs- kornits für Amundsen bat am ersten Tage der öffentlichen Sammlung 4 6 5 0 0 0 Dollar zusammengebracht. Am Samstag werden voraus­sichtlich drei Flieger, darunter der Welt­flieger Smith, an Bord des DampfersRa- varra" nach Spitzbergen abreifen, um von dort im Flugzeug auf die Suche nach Amundsen zu gehen.

Auch die norwegische Luftfahrt­vereinigung hat die Frage der Hilfsexpe­dition für Amundsen besprochen. In dem aus- gegebenen Bericht heißt es, daß Amundsen selber Die Möglichkeit in Betracht gezogen habe, zu Fuß nach Spitzbergen zurückzu­kehren. und daß er die Fahrzeuge der Expe­dition ersucht habe, nach Ablauf von vier­zehn Tagen die Eiskante abzu­patrouillieren. Die Vereinigung hat, um die Rachsorschunaen nach Ablauf der Frist so schnell als möglich ins Werk zu fetzen, beim Ver- tcidigungsministerium beantragt, dieFr am" für das Absuchen der Eiskante zur Verfügung zu stellen sowie zwei Flugzeuge für den gleichen Zweck nach Spitzbergen zu entsenden.

Aus Satt Franzisko wirb gemeldet: Ar­nold Liebes, der vor zwei Jahren in -Point B a r r o w (Alaska) Amundsen bei der Anlage eines Landungsplatzes half für den Fall, daß un­günstige Winde die Expedition im Polargebiet um- hertrieben, hat das einer Pelzgesellschaft gehörige SchiffCharles Brome r", das zur Zeit bei der St. Lawrence-Insel in der Beringsee vor Anker liegt, drahtlos ausgefordert, nach dem 300 Meilen entfernten Pointhope zu gehen, um nach der S p u r Amundsens zu suchen, da mit der Möglichkeit gerechnet wird, daß die Expedition in Alaska ge­landet ist. Das Schiff antwortete, daß es, sobald es das Wetter zulasse, aufbrechen wirb. Siebes sprach die Vermutung aus, daß Amundsen mit Hundeschlitten von Point Barrow nach Pointhope gegangen sein könnte.

Der 10- Stäbiefag in Köln.

Köln, 28. Mai. (TU.) Im Messehofe des Kölner Rathauses versammelte sich gestern der 10. S t ä b t e t a g. Oberbürgermeister Boeß - Berlin, der den Vorsitz führt, wies in seiner Be­grüßungsansprache darauf hin, daß die Beziehungen der Kommunen zu den Ländern und zum Reich zur Zeit in Berlin in sehr unerfreulicher Weise behandelt würden. Der Vertreter der preußischen Staatsregie­rung überbrachte Grüße und umriß die Umstellung in der Wirtschaft der Kommunen. Für die übrigen Städtebünde übermittelte Oberbürgermeisten H i e p p° Regensburg (Donau) als erster Vertreter des baye­rischen Städtebundes der Tagung die besten Wünsche. Oberbürgermeister L u e ck e n referierte überKom­munalisierung und Entkommunalisierung". Der Red­ner kam zu der Feststellung, baß die Entkommunali- Brung zum Stillstand gekommen sei, nachdem die ährung wieder stabilisiert ist.

Bei dem Fe st abend im Gürzenich begrüßte Oberbürgermeister Dr. Adenauer im Namen der Stadt Köln die Teilnehmer des Städtetages, die Vertreter befreundeter Verbände und die Ehrengäste und hieß sie herzlich willkommen. Die Tatsache, daß sie mitten in ein oon fremden Truppen besetztes Ge­biet gekommen seien, gebe der Taguna einen histo­rischen Charakter. Die rheinische Jahrtausendfeier sei kein gesuchter Anlaß zu lärmenden Festlichkeiten, sie sei nach all dem Druck der letzten Jahre ein aus der Tiefe des Herzens kommender Gefühlsausdruck. Die Jahrtausendfeier fei die oon tiefstem Ernst ge­tragene Feier des rheinischen Deutschtums. Die Rede schloß mit einem Hoch auf die im Preußischen Städtetag vereinigten Städte. Oberbürgermeister Dr. B o e ß - Berlin betonte in seiner Erwiderung die Zusammengehörigkeit der Rheinlande mit dem un­besetzten Gebiet und schloß mit einem stürmisch auf­genommenen Hoch auf die Stadt Köln.

Kleine politische AschrLchten.

Wie wir erfahren, hat die bayerische Staatsregierung beim Reichsrat gegen das vom Reichstag angenomemne Gesetz betreffend die Wiederaufnahme des Verfahrens gegenüber den bayerischen Volksge- r i ch t s u.r t e i l e n Einspruch erhoben. Der Reichs­rat stimmte dem Einspruch zu.

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Der liberale Abgeordnete Max konnte die Kabinettsbildung in Belgien nicht durch­führen, da der Generalrat der sozialistischen Partei die Beteiligung irgendeiner sozialistischen Persönlich­keit am Kabinett Max abgelehnt hat. In politischen Kreisen nimmt man an, daß der König nunmehr den Kammerpräsidenten B r u n e t mit der Kabi­nettsbildung beauftragen werde.

In Tsingtau sind Unruhen ausgebro­chen, die die japanische Regierung veranlaßten, Zer­störer pon Port Arthur und Polizeitruppen dort­hin zu äsenden. Die Unruhen haben ihre Ursache in Streiks in den japanischen Spinne­reien. Die Arbeiter und Angestellten sollen die Fabriken besetzt und beschlagnahmt haben. Die Lage wird als äußerst bedrohlich bezeichnet.

Aus aller Mett.

Reiseerleichlerungen für Danziger Staatsangehörige.

Danziger Staatsangehörige, die sich durch einen gültigen Heimatpaß über ihre Danziger Staatsangehörigkeit einroartbfrei ausweisen, bedür­fen ab 1. Juni weder bei der Einreise noch beiderAusreise nach Deutschland eines Sicht­vermerkes. Die Aufhebung des Sichtvermerk­zwanges bezieht sich jedoch nicht auf Inhaber von Personalausweisen des Danziger Polizei­präsidiums, auf staatenlose Leute, deren Staats­angehörigkeit nicht geklärt ist ober die einem in Danzig nicht vertretenen Staate angehören und aus diesem Grunde einen Ausweis erhalten haben.

Herabsetzung der österreichischen Sichtvermerks­gebühren.

Auf Grund der Vereinbarungen, die zwischen der deutschen und der österreichischen Regierung getroffen worden sind, werden die von den beider­seitigen Staatsangehörigen bisher zu erhebenden Sichtvermerksgebühren vom 1.6. ab e r- mäßigt. Erhoben werden deutscherseits bis auf weiteres von österreichischen Bundesangehörigen für den Sichtvermerk zur einmaligen Ein- oder Ausreise sowie zur einmaligen Ein- und Wiederausreise oder zur einmaligen Aus- und Wiedereinreise 5 Reichs­mark, für den Sichtvermerk zur beliebig häufigen Grenzübertritt innerhalb 12 Monaten 10 Reichsmark. Auf österreichischer Seite gelangen entsprechende Ge­bühren zur Erhebung.

Frithjof Raufen in Berlin.

Wie die Telunion erfährt, trifft Frithjof Nan - s e n Freitag früh $10 Uhr von Oslo zu kurzem Aufenthalt in Berlin ein, um die Ansicht der zu­ständigen deutschen Stellen über die Möglichkeit der Erforschung der Arktis unter Zuhilfenahme oon starrenLuftschiffen kennen zu lernen. Reichs­verkehrsminister Krohn wird ihm zu Ehren ein F r ü h st ü ck im Hotel Adlon geben, an dem u. a. der Reichskanzler und Dr. Eckener teilnehmen werden.

Berliner Derkehrsnöte.

Am Freitag vormittag ist dir gesamte An- gcstrlltrnfchast der Autobusgefellschaft in den S t r e i k getreten, so daß der gesamte Autobusverkehr vollkommen stilliegt. Bei der Straßenbahn sind die Verhandlungen noch im Gange. Die Hochbahn verkehrt zur Zeit noch.

Bestrafter Brandstifter.

Das Schwurgericht in Passau hatte sich mit einem seltenen Fall von Brandstiftung zu be­fassen. Angeklagt war der 20jährige Arbeiter Matth. L a i m e r aus Niederreisbach wegen 23 Vergehen der Brandstiftung. Der Angeklagte hatte mehrere Male in einer Nacht an verschiedenen Stellen Brände angelegt und fand ein besonderes Vergnügen an der Entstehung eines größeren Feuers und an dem Jammer der vom Feuer Betroffenen. Die Sachver­ständigen bezeichneten den Angeklagten als moralisch höchst minderwertig, aber für die Straftaten voll ver­antwortlich. Das Gericht verurteilte ihn entsprechend dem Antrag des Staatsanwaltes zu der Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf zehn Jahre.

Tragödie in einer Hauslehrersfamilie.

In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag gegen 12 Uhr hat in Feudenheim eine 47jährige Hauslehrersfrau ihrem Ehemann, der dem Trünke ergeben war und es auch mit der ehelichen Treue nicht genau genommen haben soll, während des Schlafes mit einem Seitengewehr den Hals durchstochen. Die Ehefrau wurde vor­läufig festgenommen.

Schwere Gewitterschäden to Schlesien.

Wir hören aus Glotz: Ein schweres ®A witter, das gestern weite Teile MittelschlssieM überzog, äscherte in Alt-Lomnitz (äreis fünf Besitzungen vollständig ein. AvN Ngj Mobiliar wurde fast nichts gerettet.

Alt-Heidelberg . . .

Der Heidelberger Stadtrat hat einstimmig b& schlossen, dem erblindeten Verfasser des Schausptsw Alt-Heidelberg", Wilhelm Meyer-Förster, der am 12. Juni seinen 63. Gebprtstaa feiert, das Ehrenbürgerrecht der Stadt HaiveKerg zu verleihen.

Wettervoraussage.

Westliche Winde, meist bewölkt, zunächst noch Riederschläge, später nachlassend, etwas H&fer.

Ausläufer des neuen Fallgsbietes südlich Island werden durch ihr Dorübergehen noch Riederschläge verursachen. Im Rücken des Fall- gebietes ist mit langsamen Aufklären zu rechnen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 29. Mai 1925. ,

Die entlaubten Eichenwälder.

In diesem an Ungeziefer reichen Frühjahr tritt in unseren Wäldern ein Kahlfraß an Eichen auf, wie er in dieser Verbreitung glücklicherweise yi den Seltenheiten gehört. Tritt man in den Bereich eines Eichenwaldes, so rieselt wie ein feiner Regen der Unrat der Tiere aus dem kahlgefressenen Geäst zu Boden, er bedeckt die Kleider, und man sucht so bald wie möglich sich dem Einfluß dieser unheimlichen Naturerscheinung zu entziehen. Der Schädling, der hier fein Wesen treibt, ist derGrün - oder Eichen­wickler, Tortrix viridana, ein 23 Millimeter breiter Kleinschmetterling, mit lebhaft apfelgrünen, geldlich gerundeten Vorder- und silberweißen Hinter­flügeln. Er fliegt im Juli in der Dämmerung. Bei Tage sitzt er mit zusammengeklappten Flügeln an Bäumen, im Gebüsch oder im Grase. Seine Eier legt er einzeln an die Knospen der Eichentriebe. Jry August ist er verschwunden. Die hellgrünen, mit schwarzen Warzen versehenen Raupen erscheinen im April und fressen die sich entwickelnden Knospen aus. Im Mai leben sie frei an den Bäumen, die von oben nach unten kahl gefressen werden. Bieten die Eichen keine Nahrung mehr, so treten sie auf Weiß- und Rotbuchen, Linden und Ulmen über, die in kurzer Zeit ebenfalls entblättert werden, da die Freßt««, feit kurz vor der Verpuppung besonders groß ist. Um diese Zeit beginnt auch eine erhöhte Spinner- tätigtest, so daß die befallenen Bäume von Fäden und Gespinnstfetzen ganz behangen erscheinen. Mitte bis Ende Juni erfolat die Verpuppung. Eine zweite Brut ist bisher noch nicht beobachtet worden. Der letzte Eichenkahlfraß in hiesiger Gegend war am Ende der achtziger Jahre. Im Juli schlagen die Bäume von neuem aus. Nur bann, wenn die Plsge sich im nächsten Jahr wiederholt, gehen jüngere Bäume zugrunde. Das einzige bekannte Mittel gegen diese Raupenplage ist Schonungder insekten­fressenden Singvögel.

Der verdächtige Goldregen.

Nachdem diePreisausschreiben", die nicht sel­ten betrügerischen Zwecken dienten, infolge einer scharfen behördlichen Kontrollemehr und mehr nach­gelassen Haden, setzt wieder bas von früher her schon bekannteSchneeballsystem" ein, das darin besteht, daß das Publikum veranlaßt wird, dem Ausschreiber eine bestimmte Anzahl oon Kunden, die entsprechenden Einzahlungen zu leisten haben, zuzuführen, um den in Fraae kommenden Gegen­stand zu erhalten. Jeder dieser neuen Kunden hat die gleiche Aufgabe. Eine in den Grundzügen ähn­liche Veranstaltung wird von der Firma F. N. Stopper in Amsterdam, Heerengrocht 258, ,etzr in Deutschland, angekündigt unter dem Namen Goldregensystem". Die Firma preist ihr Goldregen- systern an, das jedem ohne Kosten den Betrag von 2000 holländischen Gulden einbringen soll. Der Gang des Systems ist folgender: Für vier ein­gesandte holländische Gulden ober sieben Reichsmark erhält man vier weiße Karten. Diese muß man für je einen Gulden Weiterverkäufen. Diese zweiten Käufer senden ihre weiße Karte und weitere drei Gulden ein und erholten dafür je vier rote Karten. Die brihen Käufer dieser roten Karten erhalten viex gelbe Karten wenn sie ihre rote Karte mit einem Betrage von drei holländischen Gulden eingefanbt haben So geht die Kette der Starten weiter über einen vierten, fünften und sechsten Käufer, die grüne, blaue und dann braune Karten bekommen. Jeder gibt für die Starten vier Gulden aus und er­hält sie durch den Verkauf der Starten wieder zu­rück, so daß er tatsächlich keinen Schaden erleidet. Die 2000 Gulden sind fällig und werden ausge- zahlt, wenn atie braunen Starten im Umlauf sind, d. h. wenn der erste Käufer der vier weißen Karten dafür gesorgt Hot, daß zu seinen vier Karten 4 mal 4 mal 4 mal 4 mal 4 mal 4 ----- 4096 Karten in den Verkehr gekommen sind. Die 2000 Gulden wer­den aber nicht fällig, wenn auch nur eine Starte fehlt. Ferner muß jeder seine vier Starten innerhalb von zwei Wochen verkaufen. Die Wahrscheinlichkeit, daß die 2ü00 Gulden jemals zur Auszahlung kom- men, ist sehr gering, wenigstens ist bisher noch kein Fall bekannt geworden, in dem die Auszah­lung erfolgt ist.

Dieses System stellt eine nach § 286 des StGB, strafbare Ausspielung dar, die zugleich wegen ihrer offensichtlichen Undurchführborkeit die Totbestonds- merkmole des Betruges aufweist.

Das Publikum wiro dringend da­vor gewarnt, sich an dem Vertriebe von Teilnehmerkarten zu beteiligen, d o bie Vertreiber dieser Starten s i ch ebenfalls ftrafbar m a m en. Es liegen in­dessen auch mancherlei andere Gründe für die Ver­mutung vor, daß der Geschäftsbetrieb der Firma Stapper ein betrügerischer ist. Ein vorsich­tiger Spieler erkundigte sich bei der Firma Stapper in Amsterdam, ob sie auch tatsächlich in der Lage sei, ihren Versprechungen gerecht zu werden, wo sic ihr Bankkonto habe, und wo er sich sonst über den Ruf der Firma erkundigen könne. Aus der Antwort entnehmen wir folgendes:Wir besitzen kein Bank­konto und sind hierzu auch nicht verpflichtet. Was die Fundamente anbelangt, so lassen Sie das ruhig unsere Sorge fein; benn betr. der Auszahlung sind bie Fonds zur Genüge vorhanden. Um noch mehr zu sagen, halten wir es für überflüssig, daß wir hiesige Banken und Auskunftsbureaus über den Gang und die Geschäftsent- und abwicklung unter­richten. Wir haben dieses aus Gr ü n d e n der hier üblichen Geschäftsschnüfsc- lei verweigert. Jedoch sind die Behörden h>er vollständig im Bilde." (??)

Das System hat in Deutschland schon e>e große Verbreitung gefunden, so daß eine AAMche Warnung unbedingt notwendig ist, um EntmUschun-