Ausgabe 
28.11.1925
 
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teS Gelächter bei der Mehrheit.) Die deutfchnatio- nale FrMion habe aber vor den Locamover- handlungen bestimmteBebingungen zur Wah­rung der Souveränität und Würde Deutschlands aufgestellt. Nur unter dieser Voraussetzung habe sie den Verhandlungen in Locarno zugrstimmt. die mehr als unverbindliche Vorbesprechungen betrachtet worden seien. (Lachen links.) Das Er­gebnis dieser Verhandlungen habe aber den von der Fraktion aufgestellten Grundsätzen nicht ent­sprochen. Den Deutschnationalen sei nach der Paragvaphierung des Vertrages nur die Mög­lichkeit geblieben, ihre Mitglieder aus der Re­gierung zurückzuziehen. Die deutschnationale Frak­tion werde die Vorlage einstimmig a b l e h n e n. Sie erkenne die rrchtsbindende Kraft einer An­nahme nicht an, wenn sie nicht mit der für Ver­fassungsänderungen erforderlichen Mehrheit er» folge. Auch in der Opposition werde die deutsch­nationale Fraktion alle verfassungsmäßigen Mit­tel anwenden, die Schäden fernzuhalten, die dem Volk aus der Annahme der Locarnovorlage er­wachsen. «Beifall bei den Deutschnationalen.) Damit schließt die Aussprache. -In der nament­lichen

Abstimmung

wird Artikel 1 der Vorlage mit 300 gegen 174 Stimmen angenommen.

Zum Artikel 2, der die Regierung zum Ein­tritt in den Völkerbund ermächtigt, wird zunächst der deutschnationale Antrag, wonach es zum Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund eines be- besonderen Gesetzes bedarf, mit 284 gegen 183 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen abge­lehnt.

Artikel 2 wird dann in namentlicher Ab­stimmung mit 278 gegen 183 Stimmen bei 6 Enthaltungen angenommen.

In einfacher Abstimmung wird Artikel 3 angenommen.

In der Gesamtabstimmung wurden 468 Stimmen abgegeben. Für das Gesetz stimm­ten 291, dagegen 174, der Stimme enthielten sich 3 Abgeordnete. Das Gesetz ist also mit ein­facher Mehrheit angenommen.

Für das Gesetz haben gestimmt: die Sozialdemokraten, das Zentrum, Deutsche Volks­partei, Demokraten. Bayerische Volkspartei, Bayerischer Bauernbund und Deutsch-Hannove­raner.

Dagegen stimmten die Deutschnationalen, Kommunisten, die beiden völkischen Gruppen und die Wirtschaftspartei.

Präsident Loebs stellt fest, daß die für Ver­fassungsänderungen erforderliche Zweidrittel­mehrheit nicht erreicht, sei. Damit wolle er zu der Frage nicht Stellung nehmen, ob das Gesetz verfassungsändernd sei.

Die Entschließung der Bayerischen Dolkspar- lei zur Völkerburchsfrage wird abgelehnt.

Angenommen wird die vom Zentrum, der Deutschen Vvlkspartei und den Demokraten beantragte Entschließung, die Reichsregierung aufzufordern, mit allen Kräften bemüht zu sein, bis zum Eintritt Deutschlands in den Völker­bund eine dem Sinne des Vertragswerkes von Locarno entsprechende Erweiterung der sogenannten Rückwirkungen zu sichern.

Don den Völkischen und den Kommunisten liegen Anträge vor, die Verkündigung deS Ge­setzes um zwei Monate auszusehen. Solche Anträge sind angenommen, wenn sie von einem Drittel der Abgeordneten unterstützt sind. Die Auszählung ergibt je-

doch, daß nur 64 Abgeordnete dafür gestimmt haben, das zur Annahme erforderliche Drittel

i der Gesamtzahl von 481 Abgeordneten also nicht erreicht ist. Gegen die Anträge hatten

7 308 Abgeordnete gestimmt. Die 109 deutsch­nationalen Abgeordneten hatten sich der Stimme enthalten. Die Mitteilung dieser Stimmenthaltung wird von den Kommunisten mit lauten Schmährufen gegen die Deutschnatio­nalen beantwortet.

Die Mihtrauensanträge der Kom­munisten und Völkischen werden in einfacher Ab­stimmung gegen die Antragsteller abgelehnr.

Es folgt die namentliche Abstimmung über folgenden Mißtrauensantrag der Deutschnationalen:Angesichts der Er­klärungen, die die Reichsregierung zur Locarno» und Völkerbundsfrage abgegeben hat, obwohl sie gleichzeitig ihren denrnächst erfolgenden Rück­tritt angezeigt hat, entzieht der Reichstag der Reichsregierung das Vertrauen, dessen sie nach Artikel 54 der Reichsverfassung bedarf."

Der Mißtrauensantrag wird mit 285 gegen 121 Stimmen bei 61 Stimmenthaltungen der Kommunisten abgelehnt. Für den Antrag stimmten nur Deutschnationale und Völkische.

Äm 6.30 Ähr vertagt sich das Haus auf Dienstag, den 1. Dezember, 2 Ahr nachmittags. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des deutsch-russischen Handelsvertrages.

DerReichrpräfidentunlerzeichnet die Locarnogesetze.

Berlin, 28. Roo. (Jkio.-IeL) Nachdem gestern der Reichstag das Ermächtigungsgesetz zur Unterzeichnung der vertrage von Locarno a n - genommen hat, wird, wie das23. T." meldet, Reichskanzler Dr. Luther heute vormittag dem Reichspräsidenten über das Ergebnis der gestrigen Reichstagssihung Bericht er'stat- ten und ihm gleichzeitig das juristische Gutachten unterbreiten, wonach es sich bei dem gestern von der Volksvertretung angenommenen Gesetz nicht um ein verfassungsänderndes Gesetz handelt, das eine Zweidrittelmehrheit im Reichstag ersordern würde. Wie das genannte Blatt und auch derLokal-An­zeiger" betonen, ist nicht daran zu zweifeln, daß Reichspräsident o. Hindenburg das Gesetz unterzeichnen wird. Die Abreise der deutschen Delegation nach London wird, wie die Blätter melden, am Sonntagabend mit dem fahrplanmäßigen Zuge erfolgen.

Londoner Vorbereitungen.

London, 27. Rov. (WTB.) Wie zuver­lässig verlautet, wird der König die Delegierten, die den Locarnopakt paraphierten, am 1. De­zember nachmittags in Audienz empfan­gen. Chamberlain wird den Delegierten am selben Abend ein Essen im Lancaster House geben, während Premierminister Bald­win den Delegierten am Mittwochabend ein Essen in der Downing Street geben wird. Diese beiden Veranstaltungen werden einen unformellen Charakter haben (es werden keine Uniformen getragen).

Briands Ministerliste.

Die Kabinettsbildung noch nicht abgeschlossen.

Paris, 28. Nov. (WTB.-Funkspruch.) Gestern abend wurde schon die voraussichtliche Mi­nisterliste, die Briand dem Präsidenten der Re­publik überreichen will, halbamtlich bekanntgegeben. Sie enthält folgende Namen:

Vriaod (Soz. Rcpl.), Präsidium und Auswärtiges,

Ehautemps (Rad.), Justiz.

D a l o d i e r (Rad.), Inneres,

L o u ch e u r (Rad. Linke), Finanzen, palnleve (So;. Repl.), Krieg, Leygues (Linksrspl.), Marine, R o u st a n (Rad.), Unterricht, Daniel Vincent (Rad. Linke), handel, de Mon z ie (Rad.) Oeffeutliche Arbeiten, D u r a f o u r (Rad.), Arbeit, Leon Perrier (Rad.), Kolonien, Jean Durand (Rad.), Landwirtschaft.

Briand hat allerdings nicht, wie er beabsich­tigte, gestern abend dem Präsidenten der Repu­blik die endgültige Liste seiner Mitarbeiter übermitteln können. Gegen 10,30 Ähr begab er sich ins Elhs6, um Doumerge von dem Stand der Verhandlungen in Kenntnis zu sehen, zugleich mit der Erklärung, daß sie einen sehr günfügen Verlauf nahm eil. Das Kabinett ist i n g r o ß en Linien bereits gebildet. Rur bei ge­wissen Portefeuilles haben sich Schwierigkeiten ergeben, namentlich bezüglich der Ernennung des Finanzministers. Aus diesem Grunde hat Briand im Laufe des gestrigen Abends wieder­holt mit L o u ch e u r verhandelt. Briand will einen konsultativen Ausschuß schaffen der sich gutachtlich über die vom Finanzministev ausgearbeiteten Gesetzentwürfe äußern und die Befugnisse eines Kontrollorgans erhalten soll. Dieser Ausschuß soll aus unabhängigen Ver­tretern des Handels und der Industrie bestehen, darunter sollen sich auch Vertreter der 'Bank von Frankreich und der Handelskammern befinden.

Eine weitere Schwierigkeit ist bei der Be­setzung des Innenministeriums entstan­den. Die Radikalen verlangen für sich das Innenministerium, und zwar, wie derMatin" feststellt, wegen der Durchführung der Wahl­reformen. Hierüber hat Briand bis gegen 1 Ähr früh mit den radikalen Abgeordneten C h a u - temps und Daladier sowie mit Daniel Vincent, der der radikalen Linken angehort, verhandelt.

Die endgültige Bildung des Kabinetts Dri- and wird noch für heute abend erwartet. Die Verzögerung der Kabinettsbildung wird auch zum Teil daraus erllärt, daß Briand im Hin­blick auf feinen Gesundheitszustand die Gewohn­heit hat, jeden Abend um 9 Ähr zu Bett zu gehen.

Die für Briand in Frage kommende Re­gierungsmehrheit umfaßt unter Aus­schluß der Sozialisten die Links­republikaner und die neu gebildete de­mokratische unabhängige Linke. Sie wird nach den Berechnungen, die auf der Tagung der Rcäükalsozialisten angestellt wurden, mit mir 275 bis 280 Stimmen eingeschätzt. Gegen die eventuelle Einbeziehung der Entente repu- blicaine wurde entschiÄ>en Stellung genom­men. Die Radikalsoaialiften entsandten zu Briand Abgeordnete mit der Bitte, ihnen die großen Linien seines Regierungsprogramms bekannt zu geben. Die Delegierten erklärten als Beauftragte der.drei Kartellgruppen, daß sie eine demo­kratische Politik wünschen, die von der Linie, die seit dem 11. Mai eingehalten worden sei, nicht allzusehr abweiche. Von sozialiste- s ch e r Seite wurde im letzten Augenblick. ver­sucht, den ungünstigen Eindruck, die die gestrige Entscheidung (Ablehnung einer Beteiligung am Kabinett Herriot) auf die übrigen Kartellgrup­pen hinterlassen hat, nach Möglichkeit abzuschwä­chen. Ä. a. wurde auf Antrag Paul DencourS beschlossen, eine Sympathieadresse an Herriot zu richten. Immerhin werden die Schritte, die die Sozialisten bei den Radikal­sozialisten unternommen haben, als Versuch der Wiederaufrichtung deS Kartells und als Störung der Bemühungen Briands gedeutet. Die Sozialisten haben bei den Radikalen aber offen­bar keine Gegenliebe gefunden.

Irwar Pcr?cha

Berlin, 27. Rov. (TU.) Der Asien-Osteuropa- Dienst erfährt aus gut unterrichteter englischer Quelle, daß sich die Gerüchte über den Tod des ägyptischen Mini st erpräs identen Ziwar Pascha bestätigen. Der Minister­präsident ist nicht einem offenen Attentat zum Opfer gefallen, die Begleitumstände lassen aber darauf schließen, daß das Ableben Ziwar Paschas nicht aus natürliche Meise eingetreten ist.

Die Aeisetzungsfeier für die Königinmutter von England.

London, 27. Nov. (Wolff.) Die Deisetzungs- feier für die verstorbene Königin-Mutter Alexan­dra fand heute in der W e st m i n st e r a b t e i statt. Anwesend waren der K ö n i g, die Königin und alle Mitglieder der königlichen Familie, der König von Dänemark, die Prinzen W a V- bemar und Axel von Dänemark, der König von Belgien, die Königin von Spanien, der König und die Königin von Norwegen, die Kronprin­zen von Rumänien, Schweden und N o r - wegen und Prinz Karl von Belgien. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich eingefunden, um den Trauerzug zu sehen. Das Leichenbegängnis erhielt durch den heute zum erstenmal in diesem Jahre eingetretenen Schneefall eine besonders eindrucksvolle Note. Alle Leidtragenden waren in Uniform erschienen. Der Trauerzug wurde von Truppenabteilungen begleitet und geschlossen. Die Leiche wurde auf einer Lafette vom St. Jamespalast nach der Westminsterabtei geleitet, wo der Erz­bischof von Canterbury das Totenamt zele­brierte. Die Leiche bleibt bis in die späten Abend­stunden in der Abtei aufbewahrt. Morgen wird sie nach Windsor überführt, wo in der Gedächtnis- kopelle ein Trauergottesdienst für die nächsten An­gehörigen stattfindet.

Die Umgestaltung des spanischen Direktoriums.

Paris, 28. Nov. (TU.) Der Berichterstatter desJournal" in Madrid glaubt 'zu wissen, daß am 8. Dezember eine neue Regierung eingesetzt merbe, die zum größten Tell aus Zivilisten be­stehen wird. Die neue Regierung werde in der Zeil

vom 8. bis 15. Dezember den Treueid leisten und folgende Zusammensetzung haben: Minister- Präsident und Krieg: Primo de Rivera, Inneres: Gonzales Rothos, Finanzen: Ventosa F o m e n t o (ehemaliger Minister), öffentliche Ar­beiten: Artilleriekommandant Benjumca, der zusammen mit General Hermesa die neue poli­tische Partei der patriotischen Verbände gegründet hat, Justiz: Calva S o t e l o , öffentlicher Unterricht: Panguas Messia, Universitätsprofessor an der Universität Madrid, Arbeitsministerium: Rodes (ehemaliger Minister). Das Marineministerium ist noch nicht zugeteilt, weil Admiral Magaz sich wei­gert, in das Kabinett einzutreten. Das militärische Direktorium wird also nach der ganzen Zusammen­setzung des Kabinetts zu schließen, durch ein Zi- vildirektorium ersetzt werden. Die meisten Mitglieder des gegenwärtigen Direktoriums werden in das neue Kabinett nicht eintreten. Sie gedenken sofort nach der Rückkehr Primo de Riveras ihre Demission einzureichen.

Vertrauensvotum für das

' Kabinett Skrzynski.

Warschau, 27. Rov. (WTB.) Heute abend nahm der polnische Landtag mit namhafter Mehrheit die Programmerklärung des Ministerpräsidenten Skrzynski zur Kenntnis und lehnte das von der Radikalen Bauernpartei eingebrachte Mißtrauensvotum ab. Die Deut­schen und Juden, die sich gegenüber der Re­gierung Skrzynski frei Hand Vorbehalten ha­ben, verließen vor der Abstimmung den Saal. Der Sprecher der deutschen Minderheit begrün­dete in der vorangegangenen Debatte die Haltung der deutschen Fraktion mit der geistigen Ein­stellung der Mehrheit der neuen Minister, die im Gegensatz zum versöhnlichen Geist, der den Ministerpräsidenten auszeichne, ausgespro­chene Propagandisten seien. Ein Mann, wie Stanislaus Grabski, sei eine Heraus­forderung für jedermann, dem es an wirk­licher Kultur gelegen sei. Wenn auch die Deut­schen die Versuche des Ministerpräsidenten, sich durchzusetzen, unterstützten, fo müßte sich doch die Skepsis der Deutschen zur Opposition auswachsen, sofern der neue Geist nicht in Bälde in den einzelnen Ministerien, und besonders in dem Kultusministerium einzöge.

Eine Aegiernngsaktio zue Getreidepreisbildun

Wiederaufleben der Reichsgetrerdcfteile.

Berlin, 27. Rov. (Amtlich.) Die Ver­hältnisse auf dem südländischen Getreide­markt, wie sie sich nach der neuen Ernte ent­wickelt haben, haben gezeigt, daß unter dem Eindruck der guten Weltgetreideernte und der reichlichen Inlandsernte im Zusammenwirken mit der ungeheuren Kapital- und Kreditnot, die auf dem deutschen Wirtschaftsleben lastet, frie Preisbildung namentlich für Roggen unnatürlich und ungefund ist. Der Inlands- roggen steht im Durchschnitt 20 Rm. für die Tonne unter dem Preis für ausländische Cif- Ware etwa gleicher Qualität. Die deutsche 9anb- wirtschaft, selbst unter dem Druck stärksten Ka­pital- und Kreditmangels stehend, erhält so­nach für eines ihrer hauptsächlichsten Erzeug­nisse einen durchaus unzureichemden Preis, der die Gefahr der E^tensivie- rung vermehrt und dadurch die Ernährungswirt- fchaft wieder in eine größere Abhängigkeit von den Auslandszufuhren bringen muh.

Die Organe der Getreidebewegung, die land­wirtschaftlichen Genossenschaften,, der HcVrdrl und die Mühlen, sind infolge der Rachwirtilngen der Inflatio-nszeit in ihrer Kapitallrast so geschwächt und laufen bei den Schwankungen der bisherigen Preisentwicklung ein derartiges Risitn, daß eine ausreichende Bewegung der Inlandev/tt» und die Vorratsbildung nicht genügend gewährleistet er­scheinen. Infolgedessen konnte sich bi/e Reichs­regierung der Rotwendigkeit nicht verschlie­ßen, in dieser Hinsicht e i n z u g re i f en. Der Getreidehandel und die Mühlen haben sich aller­dings in einer Besprechung im Reichs Ministe­rium für Ernährung und Landwirtschaft gegen jedwede Regieruirgsaktion ausgesprochen. Den geäußerten Bedenken glaubt die Regierung jedoch ausreichend dadurch Rechnung getragen zu haben, daß die Aktion zeitlich wie bem Ämfange nach eng begrenzt werden soll. Dem Reichsrat und dem Vorläufigen Reichswirtschastsrat wurde dementsprechend dcr Entwurf eines nur für das laufende Wirtschaftsjahr geltenden Gesetzes vor­gelegt, in dem für die Reichsregierung die Er­mächtigung vorgesehen ist, zur Sicherung einer geordneten ©etreibebetoegung Brotgetreide zu erwerben und zu verwerten. Der Bestand an lagerndem GetUüde soll 200 000 Ton­nen nicht übersteigen. Die geschäftlichen Maß­nahmen soll die Reichsgetreide stelle, deren Liquid, lion aus diesem Grunde aufgehoben wird, noch Airweisung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft durchführen.

Erhöhung der Hcmszms- steuer in Preußen.

Berlin, 27. Rov. (WTB.) Die Staats­regierung hat den Entwurf einer Rovelle zur preußischen Steuernotverordnung fertiggestellt. Danach wird die HauSzinssteuer mit Wirkung vom 1. Januar 1926 um 100 Proz. der staat­lichen Grundvermögenssteuer erhöht, von denen 50 Proz. dem Reiche und 50 Proz. den Ge­meinden zur Deckung des allgemeinen Finanz­bedarfes zufließen sollen.

Ferner ist fertigstellt worden der Entwurf eines Gesetzes für eine Gebäudeentschul- dungssteuer, die in Durchführung der reichs­rechtlichen Vorschriften über den Geld- entweriungsausgleich bei bebauxen Grundstücken mit Wirkung Denn 1. April 1926 erhoben wer­den soll. Die frühere BezeichnungHauszins- steuer" in in diesem Gesetz durchGebäudeent- schuldungssteuer" ersetzt worden. Rach dem Gesetz soll die £ teuer 40 Prozent des Goldmarkbetrages der Friedensmiete betragen.

Ferner ist eine Bestimmung vorgesehen, wo­nach bei bebauten Grundstücken, die am 31. No­vember 1918 mit dinglichen privatrechtlichen Lasten oder mit nich« mehr als 50 Prozent des Friedenswertes belastet waren, der Betrag der Steuer auf Antrag des Eigentümers soweit her­abzusehen ist, daß bei unbelasteten Grundstücken 10 Prozent der Friedensmiete. bei einer Belastung bis 10 Prozent des Friedenswertes 15 Prozent der Friedensmiete, bei einer Belastung bis zu

40 Prozent des Friedenswertes 35 Prozent der Friedensmiete, bei einer Belastung bis zu 30 Prozent des Friedenswertes 25 Prozent der Friedensmiete und bei einer Belastung bis zu 50 Prozent des Friedenslwertes 35 Prozent der Friedensmiete beträgt.

Der Fall Schillings.

Protest des Operrcpersonals. Rück­tritt Leopold Jessncrs.

Berlin, 28. Nov, (TU.) Das gesamte Büh­nenpersonal der Berliner Staats­oper hatte sich Freitag abend 11 Uhr zu einer Protestversammlung gegen die fristlose Entlassung ihres Intendanten von Schillings in der Singakademie versammelt. Nach einem eingehenden Referat Dr. Hensels über die Vorgeschichte des Konflikts zwischen dem Inten­danten und dem preußischen Kultusminister an Hand des Aktenmaterials sowohl der Intendantur wie des Ministeriums wurde eine vom Präsidenten der Bühnengenossenschast Wallauer eingebrachte Entschließung einmütig unb mij großem Beifall angenommen, die besagt:1t)ic heutige Vollversammlung des Bühnenpersonals der Staats­oper hat an Hand des Aktenmaterials Kenntnis von den Vorgängen genommen, die zur fristlosen Ent­lastung des Intendanten o. Schillings geführt haben. Die Versammlung kann darin keinen Grund für eine solche entwürdigende Maßnahme des Kul­tusministeriums erblicken und steht ihrem bisheri­gen Führer in dem ihm ausgezwungenen Kampf geschlossen zur Seite."

Der Intendant deS städtischen Schauspielhauses, Prof. Leopold Ieh- ner, ist von seinem Amt zurückgetreten, weil ihm das Vorgehen des Ministeriums gegen den Generalintendanten unzulässig erscheint. In dem Schreiben Prof. IeßnerS an den Änter- richtsnrinister heißt es: Die bloße Form dünkt mich so ungeheuerlich, daß ich es als Be- rufspllicht ansehe, mich neben meinen Kol­leg em zu stellen. Iehner betont schließlich, daß seine Demission mit seiner Berufung an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg nichts zu tpn habe.

Der Preußische Kultusminister Decker gab der Presse den Standpunkt des Ministeriums tannt. Der Minister betonte die hohe Aner- nnung, die er dem Künstler Schillings auch eute noch zolle, erklärt aber, daß im Laufe der Zeit ein Zusammenarbeiten mit dem In­tendanten unmöglich geworden sei. Die Schwierigkeiten, die zu dem gegenwärtigen Bruch führten, seien zunächst über die Konven -- tivnssrage entstanden. Am schwersten liege jedoch erstens der Fall des holländischen Gastspiels und der Vertrag des Intendan­ten mit Frau Barhara Kemp, seiner ®at- tin. Im ersten Falle habe Schillings, trotz wie­derholter Aufforderung keinen Voran­schlag geleistet, habe aber nachher für sich und das Personal hohe Vergütungen für das Gastspiel angerechnet, und für die gleiche Zeit Gage und Spielgelder auS der Staatskasse ein­gesetzt.

Den Vertrag mit Frau Kemp habe der In­tendant auf fünf Jahre verlängert und ihr ungewöhnliche Privilegien zuge- billigt. Der Minister habe immer die Absicht ge­habt, auf kavaliermäßige Weise Herr» v. Schil­lings Gelegenheit zu geben, nach Ende oer Spiel­zeit auszuschewen. Das sei aber unmöglich ge­worden durch die Antwort des Herrn v. Schil­lings auf drei Briefe des Ministers vom 21. Rovember, die der Minister als außerordentlich unhöflich bezeichnet. Der Brief, der verlesen wurde, hinterließ jedoch nicht diesen Eindruck und in der an den Vortrag sich anschließenden! / Diskussion kam zum Ausdruck, daß dieser Brief zur fristlosen Entlassung des Intendanten kaum berechtigt habe. Der Minister ver­wahrte sich gegen die Unterstellung, er habe einen anderen Inteiidanten schon in Reserve. Er er­klärte, daß er vor einer völligen tabula rasa stehe. Eine praktisch noch so unerfahrene Kraft wie Paul Dekker-Kassel komme nicht in Frage. Der Minister kündigte an, daß er dem Parla­ment über den Fall Rede stehen werde, lieber die gleichzeitige Kündigung Ießners war der Minister außerordentlich überrascht.

WcttervorL;:ösKge.

Wieder ftärierer Rachtfrost, meist trübe, noch Riederschläge, nördliche bis westliche Winde.

Die Zufuhr von wärmerer ozeanischer Luft hat den Frost vor der Hand abgeschwächt und die Temperaturen wenig artfteigen lassen. Der Wirbel, unter dessen Einfluß in ganz Deutsch- lcmd beträchtliche Schneefälle niedrrgehen, liegt über den dänischen Inseln und bewegt sich nur langsam südöstlich. Temperatur-Gegensätze im Rordmeer scheinen das Dorrücken von weite­ren Wirbeln in südöstlicher Richtung zu fördern, sodaß eine stabile Wetterlage noch nicht zu er­warten ist.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: plus 1.5 Grad Celsius, Minimum: minus 0.7 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: minus 0.4 Grad Celsius.

Aus aller Welt.

Fabrikshionage im Rheinland.

In Wiesdorf wurde festgestellt, daß ein gewisser Kölzer in Düsseldorf als Funttionär der Bezirksleitung der K. P. D. In Düsseldorf im Auftrag eines weiteren Genossen, der in der Zentrale der K. P. D. in Berlin angestellt ist, seit etwa einem Jahre Fabrikspionage zugun­sten Rußlands betrieben hat. Kölzer hat sich durch Vermittlung führender Parteigenossen an verschiedene Arbeiter der Farbenfabriken Dorrn. Friedrich Bayer & Co. in Lever­kusen und Elberfeld sowie Weiler ter Mer in Äerdingen herangemacht, um von diesen Fabrikationsverfahren zu er­halten. In dieser Angelegenheit sind verschie­dene Arbeiter festgenommen worden. Der Ber­liner Leiter der Spionage ist zur Zeit flüchtig. Seine Personalien sind jedoch genau bekannt.

Gcvßseuer in einem holländischen Kloster.

Amsterdam, 28. Nov. (WTB. Funkspruch.) Wie aus V e n l o o berichtet wird, brach in dem Fran­ziskanerkloster gestern abend während der Abend­andacht ein Brand in der Bibliothek aus, der sich innerhalb kurzer Zeit auf den gesamten Ge- bäudekomplex ausdehnte. Das gesamte^Kloster mit der Kirche wurde ein Raub der Flammen. Die in dem Kloster befindlichen Wertsachen gingen verloren, vor allem die sehr kostbare Bibliothek.

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