Ausgabe 
28.4.1925
 
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Der Don-KosaKen-Chor

naturverbundene Geben

wertet werden kann.

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zu

wie der als

ixtoang den Hörer >s des Kosakenvot.es leiht bei

Aus der Provinz

Landkreis Gießen.

Im grollen Saal derPhilharmonie" C&erlin. Laufende von Menschen lauschen.

ihnen ein starkes Ratur- und Heimatgefühl er­wachsen. Raturge.vallen, QIaturfräfte, von denen sie abhängig sind, werden für sie zum Symbol (Mutter Wolga"), eine ständige Erscheinung bei Naturvölkern. D e Weite der Ebene lässt den Gedanken des Verbundenseins wach werden im religiösen Erlebnis, als dem Inbegriff höchster Fülle. Dieses Er.chauern, die'e Andacht, s'e prägt sich aus in den kirchlichen Gesängen Das ist Gottesdienst im idealsten Sinne, denn e?> ist rell- giöses Erleben, getragen von höchster ©armr.liiig und gläubiger Einsalt und Hingabe.Großer Gott, wir loben dich." Mußte das nicht jeden er-

wieder schweben zarte Töne durch das Klang- gewölbe, wie Wellen schwingt es sich weiter bis In den fernsten Winkel des gewaltigen Rau­mes. Des Textes sind nur wenige Hörer kundig, aber dennoch sind alle gebannt durch das, was gesungen wird. Eine große weihevolle Stimmung belebt alle, da werden Wellen geoncnbarL Kosaken singen! Kosaken!? Denkt man nicht an jene Augusttage vor einem Jahrzehnt? Doch nein, man kann an nichts anderes denken -- man ist ergriffen die Kunst adelt

Alle die Eindrücke, die ich vor Monaten er­lebte, wurden wieder im Konzert drs Don-Kosaken-

1 Chors wach, und das Erdgeborene, Elementar-

Bei jungen Modellen speciell in dei Entwickiungsjahren zeigt das ßlut oft einen Mangel an roten Blutkörperchen, es ist daher notwendig, daß ein normaler Blutzu- stanc geschaffen wird und die weiblichen Funk­tionen befördert werden; durch den Gebrauch voe

Wilhelm Rühl war gedrängt voll an Mtt- gliedern und Gästen. Die musikalische Leitung lag in den Händen von D. Pfeiffer (Wieseck). Unter den Leistungen verdient besonders die Kindergruppe W'cseck lobende Erwähnung. Auch alle anderen Gruppen boten ihr Bestes im Ein­zel- und Zusammenspiel. Stuf den Vorschlag des Wanderwartes Faber (Reiskirchen) unternimmt der Bund in diesem Jahre eine dreitägige Wan­derung nach der Wasserkuppe zu den Segel­flügen und noch zwei Tagesausflüge nach Braun­fels und Greifenstein. Um 6 Llhr schloß bet Vor­sitzende die wohlgelungcne Tagung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie der guten Sache

Merkwürdige Abneigungen.

Die Rervcnheilkunde kennt eine Fülle von merkwürdigen Abneigungen und Beängstigungen, die sich bei einzelnen Menschen auSbtlden und ins Krankhafte übergreifen können. Aber aud> bei gesunde Mensch hat seineAnfechtungen" und mag häufig irgend etwas ganz Harmloses nicht tun, Vas der Durchschnittsmensch ohne jede Hemmung vollbringt. So erklärt z. B. ein be- meiften in der Welt hasse, find: mir die Haare schneiden zu lassen und eine P a k e t a d r e s s e tannter Dichter:Die beiden Dinge, die ich aui auszusch reibe n." Die -Zahl derer, denen bas Haaieschneiden eine fast unerträgliche Proze­dur ist, fd)eint überhaupt viel größer zu sein, alö man gemeinhin ünniinmt. Ebenso gehört zu den verbrei^ten Abneigungen unter den Män­nern die, sich beim Schneider Maßneh m e n zu lassen und neue Sachen anzuprobieren. Es gibt Leute, die sich nur aus dem Grunde fer­tige Kleider kaufen, weil sie das Maßnehmen durchaus nicht ertragen können. Andere wieder bringen es nicht fertig, sich neue Äch n ür - senke! in die Stiefel zu ziehen: sie sind fleißige Menschen, die vor der Arbeit an sich nicht die ac-- ringste Scheu haben, aber sie möchten sich lieber jeder anstrengenden Tätigkeit unterwerfen, als grabe die Schnürsenkel einzuziehen. Daß jemand nicht gerne Briese schreibt, ist eine weit verbrei­tete Abneigung, aber es gibt Menschen, die gern viele Briefe schreiben möchten, wenn sie nui nicht diese Briese In em Kuvert stecken, sie schließen und mit einer Marke bekleben müßten. Frauen tragen deshalb so selten Füll­federhalter, weil es ihnen unangenehm ist, die Tinte einzufüllen. Häufig findet man bet sen­siblen Menschen die Abneigung, über Samt zu streichen oder irgendwelche Metalle anzu, fassen.

nichts zu fürchten sei, daß daher eine Spannung zwischen anständiger Geschäftswelt und Preis- prü.ungsstelle nicht zu bestehen brauche, ja. im Gegenteil, je länger man nebeneinander arbeitete, um so öfter wurde der Schuh der P. P. gesucht und oft wohltuend empfunden. Aehalich so ging es auch mit dem Handwerk, das vielfach erst von der P. P. zur Kalkulation erzogen werden muhte und nach einer oft erbitterten Feindschaft heute den Wert und die Mitarbeit der P. P. wohltuend erfarnü hat. Auch die Landwirtschaft, die sich wohl am längsten ablehnend gegen die P. P. verhalten hat. ist allmählich inne geworden, wie groß gerade für sie und ihren Futtermittel- und sonstigen Handel der Wert der P. P. sein kann, unb gerade die Vorgänge auf dein Geld- und Zinsenmarkt haben in her letzten Zeit allen Eingeweihten die Bedeutung der P. P. im hellsten Lichte gezeigt.

Wie schon gesagt, ist die Arbeit aller solcher Stellen und in erster Linie die der P. P. eine mehr ober weniger von den Persönlichkeiten ab­hängige Sache. Das Verständnis sirr wirtschaft­liche Vorgänge, der persönliche Takt des ein­zelnen Mitgliedes und der Leiter, sie sind in der Regel die maßgebenden Momente für den Er­folg und weit bedeutsamer als alle gesetzlichen Bestimmungen. Man bedenke die Dielseitigteit der Arbeit, die sich vom Getreide- und Brot­preise bis zur fertigen Mahlzeit im Gasthaus, vom Garnpreis bis zum fertigen Anzug, vom Windelpreise bis zum Preise für den Beer- Digungsplah, den Sarg und das Grabdenkmal erstreckte, dann wird man verstehen, daß nur Personen von größtem wirtschaftlichen Verständ­nis und von großer Vielseitigkeit und Arbeits­freude hier Mitarbeiten konnten.

Der gefchästssührende juristische Vorsitzende, Regierungs-Assessor Walter schied bald auS, um als Kreisamtmann nach Dieburg zu gehen, er hat sich um die Organisation her P. P. große Verdienste erworben. Auch her wirtschaftliche Vorsitzende. Prof. Dr K l e b c r g e r, ist mit dem 1. April 1925 ausgeschieden, da er bei der bevor­stehenden LlmsteÜung feiner Tätigkeit nicht mehr in der Lage ist. die Geschäfte in der seitherigen Weise fortzufustren. Dieser Abschied bedeutet für die P.P. wohl den schwersten Verlust, der sie treffen konnte. Was Prof. Meberger in dieser seiner Stellung für ba£ Wirtschaftsleben der Pro­vinz gewesen ist. läßt sich hier mit wenigen kur­zen Worten kaum ausdrücken. aber sagt nicht zu­viel, wenn man behauptet, daß ihm wohl bei weitem der Löwenanteil an den Erfolgen zu- iDmmc, die die Preisprüsungsstelle Oberhessen in diesen 10 Jahren erringen durfte. Sein eiserner Fleiß, seine unbestechliche Persönl chkeit, verbun­den mit einer schnellen, klaren Auffassungsgabe, ließen ihn, wie ilfinger sich ausdrückte, als den besten Hauptmann erscheinen. Sein Ausscheiden wird in weiten Kreisen des oberhessischen Wirt­schaftslebens tief bedauert werden, und auch mancher Privatmann, der in seinen Röten das verschwiegene, graue Haus in der Löberstrahe aufgesucht hat. wird begreifen, daß hier eine Lücke entsteht, die nur wieder schwer zu schließen ist. 3m Interesse der oberhessischen Wirtschaft wäre zu wünschen, daß es den verantwortlichen Regierungsstellen in Darmstadt recht bald ge­lingen möchte, einen Ersah für diesen Posten zu schäften, der geeignet ist, die Stelle in dem­selben Geiste und mit demselben Erfolge weiter­zuführen. Möchteir diese Stellen nicht vergessen, daß die Zahl der opferwilligen und leistungs- Jfäbigcn Leute für einen solchen verantwortungs­vollen Posten in der heutigen Zeit recht gering t ist, und daß die Preisprüfungsstellen vielleicht j noch einmal berufen sein können, eine bedeutende < Rolle zu spielen.

v S. Ärumm.

Mitglied des Geschästssuhrenden Ausschusses der staatlichen Preisprüfungsstelle Oberhessen.

D a r in ft ü b i, 27. April. Kürzlid) ist mit den Crburbeiten für die Hessische Gartenbau- a u sst e l l u n g, die während des Sommers hier ftattfinher. begonnen worden. Das Ausstellung^ gclänbc ist der große Drangericgarteu im südlichen Stadtteil. Der Plan etnerc Postautover. binbung Darmstadt Eberstadt See- h e i mI ugenheim wurde von den betreffenden Gemeinden abaelehnt, weil die Post, abgesehen von Zinsgrirantten und den Laukoften einer Wagens Halle, Fahrpreise verlangte, die nur wenigen wohl­habenden Kreisen erschwinglich gewesen waren.

" D a r m st a d t, 27. April. In den letzten Rächten wurde in zwei verschiedenen Stadtteilen in Wohnungen, deren Inhaber ver- r e i ft waren, ein gebrochen und Wertsachen sowie Kleidungsstücke in beträchtlichen Mengen und von bedeutendem Wert gestohlen. Die Diebe sind wahrscheinlich auf die Wohnungen auf-

der Streit um die Schönheit des Gesangstones, der oft die Gemüter der Fachleute erhitzt, hier an den Raturstimmen sand das Problem der Stimm­schönheit seine Erfüllung. Dieses . Schwingeirüe, Schwebende unb darum ßeben'Oc; dieses Spiel der stark mitklingenden Partialtöne, im Forte einer Orgel mit vollen Mixturen gleich, über dem bei* füngenben Pianissimoeinzelton wie ein Lichtschein schwebend. Im großen Raum ist die Wirkung derart, daß man einen gemischten Ehor- zu böryi vermeint' denn dort erst kann sich der Klang In seiner Intensität und Schönhllt auswachsen. _5)ie Ausdruckskraft solcher Stimmen läßt den Tert vergessen, man braucht ihn nicht zu kennen; man nimmt nur den Klang wahr, erlebt ihn, denn olics ist ja musikallsche Aeußerung, mus.lalisches Erleben realer Begebenbeiteir. Die inftri-mcntdlc Wirkung der Stimmen findet ihre Auswertung in der Verwendung der Brummstimmen, im Glockenschwingen, und auf diesem klanglichen Untergrund heben sich die Solostimmen ausdrucks­voll ab.

Unb her geistige Führer dieses organifd>en Ehmckörpcrs, der ihn ins Leben gerufen, ihm die Wege gewiesen und ihn zu dem erzogen hat, was er heute barstellt: Serge Iaroff. Ein Wink feiner Hand läßt die Klangwogen plötzlich ver­ebben und wieder wachsen, innerste Gespanntheit bei ihm und bei seiner äußerlich fo unbeweglichen Schar: jedes Auge hängt an ihm und fötal ihm zur innigsten Verftäumthcit, zur höchsten Klang- ertegung zur überwallendsn Ausgelassenheit in den Reitecliedern. Da schäumt alles über; des Chores Fundament (aud) beim Aufstellen!» als Solist mit elementarem Erwuchs seines Basses, Huillegebeli, Pfeifen ein Bild aus Dem fernen Osten ersteht vor uns, lebendig gewordenes Volks­tum !

Daß dieses Erlebnis für Gießen möglich war, ein Beweis für die Großzügigkeit des Konzert- Vereins: ein Verdienst, das nicht hoch genug ge-

liche (spätere rlnholden) und Phaiüasten (Hoch­stapler). Vorzügliche Präparate zeigten die ver­schiedenen Gebilde des Gehirns. Das Ziel der Erzi hung und ärztlichen Behandlung dieser un­glücklichen Kinder sei, die Hemmungen und Hindernisse zu beseitigen. So darf beftprelsweise die Phantasie nie zur Lügenhaft.gleit ausarten, die leider sich fo oft in Kinderaussagen bei Kri- minalfällcn zeigt. Die Behandlung der psychisch Anormalen erfordere verständnisvolles Eingehen auf die Individualität der kranken Kinder, große Geduld mit ihren Unarten, ständiges Ermahnen zum Richtigen, Anerkennung des guten Willens und Stärkung der Muskel durch Leibesübungen. Schließlich gab der Redner noch für olle Lehrer ungemein wichtige und lehrreiche Ausschlüsse über den bei Schülern zeitweise auftretenden Deftstanz. über Ohnmächten. Krämpfe, Epilepsie und hyste­rische Anfälle, und wies nach, daß derartige kranke Kinder nicht in Rormalfchulen. sondern in Hilfsklassen den geeigneten Unterricht und die zweckmäßige Erziehung erhalten können, da ihnen ganz besondere liebevolle Behandlung zuteil wer­den muß, damit auch sie zu brauchbaren Gliedern der menschliHen Gesellschaft herangebildet werden. Reicher Beifall der Zuhörer wurde dem Redner gezollt. KreiSschulrat Gockel sprach ihm in herz­lichsten Worten den Dank der Versammlung aus. Er und einige Lehrer führten noch 'Beispiele von Beobachtungen an psychisch anormalen Kindern aus ihrer Amtstätigleit an.

zrrcis Schotten.

) ( Ruppertsburg, 26. April. Ge­legentlich der Feuerwehrübung am letzten Mitt­woch wurde dahier eine freiwillige Feue r- w e h r gegründet. Fast alle Mitglieder der Pflichtfeusrwehr traten ihr sofort bei. Komman­dant ist Friedrich Geiß II.

B. Burkhards, 27. April. Hier haben sich s ä m t l i ch e W ä h l e r (280) für Hinden­burg entschieden: im benachbarten Kaulstoß wählten ebenfalls alle Wähler (81) den General- seldmar schall bis auf eine Stimme, die für Marx abgegeben wurde

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 27. April. Im gestrigen Got­tesdienst wurden hier 64 Knaben und 42 Mäd­chen konfirmiert.

Llreis Lauterbach.

rr. Schlitz, 27. April. Unter außerordent­lich starker Beteiligung bei der Reichspräsi­den t e n w a h l, die sich in unserer Stadt auf 85 Prozent und in den 16 Schlitzerländer Dörfern durchweg auf über 90 Prozent belief, erlitt der Vollsblock eine schwere Riekftrlage. In Schlitz erhielt Hindenburg 884 Stimmen gegen 525 bei der ersten Wahl: Marx 400 gegen 471. In den Schlitzerländer Ortschaften wurden ff.e Hindenburg abgegeben: 1835 Stimmen gegen 1304, für Marx 83 gegen 207.

recht viele Freunde gewinnen möchte.

Kreis Friedberg.

Bad-Rauheim, 28. Avril. Gestern abend 9'Uhr brach in dem in der Fürstonstraße gelegenen HotelrestaurantSchützen- b 0 r Feuer aus. ES nahm feinen Ausgang vom Dachtest des KaininS und hatte bereits auf den Speicher und den Dachsruhl übergegriffen. Die Feuerwehr war äußerst rasch zur Stelle und hatte durch ihr umsichtiges Eingreifen bereits kurz nach 10 Uhr den Brand gelöscht, ohne daß bedeutender Schaden entstanden ist. In späterer Rachtstunde hätte her Brand gefährlicher werden können, zumal es sich um einen Lehmfachwerkbau mit Holz handelt.

Kreis Btiorrrgerr.

Riüda, 27. April. Der hiesige Ge­sangvereinSäng e r kr a n z 1 8 39" hatte bei seinem Konzert vor acht Tagen mit der Auf­führung der OperetteDie Winzerllesel" von Wielke fo großen Beifall gefunden, daß ein großer Teil der Bürgerschaft die nochmalige Auf­führung, zu der jedermann gegen entsprechendes Eintrittsgeld Zutritt hatte, wünschte. Deshalb sand gestern abend die Wiederholung des Konzerts statt. Der große Saal imGarn- brinus" war wieder völlig besetzt. Der Verein erzielte nicht nur wie bei der ersten Ausführung einen großen künstlerischen Erfolg, sondern hatte auch eine beträchtliche Summe an Eintrittsgeldern erworben.

y. Stockheim, 25. April. Heute nachmittag tagte im Weitzelschen Saale hier eine außer- amtliche Kreislehrer Versammlung des KreifeS Büdingen, die von über 100 Lehrern und Lehrerinnen besucht war. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete ein Vor­trag des blnivcrsitätsprofessors Dr. Aaecke aus Frankfurt a. M. überPsychisch anormale Kinder" Rachdem Kreissahulrat Gockel von Büdingen den Redner herzlichst begrüßt hatte, schlldrrte der Vortragende zunächst die gewaltigen ^Interschiedc zwischen dem Gehirn dcs Menschen und dem eines hochstehenden Tieres, und erklärte dann in recht saßlicher Weise den normalen Aus­bau deS Gehirns eines gesunden Menschen. Hier­auf ging er auf die älrsachen der anormalen Bil­dung und Entwicklung des Gehirns über und führte die daraus folgenden krankhaften Erschei­nungen und Zeichen des Schwachsinns solcher Kinder an. die er in 4 Hauptgruppen einteilte, in ileEererregbare, Haltlose, moralisch Llnempfind-

s. Altenbuseck, 27. April. Am Sonntag veranstal e-e der L a h n h ö h e n b u n ö (Vereini­gung der Mandolinen-Wandervereine eine Bun­desfahrt nach Altenbuseck. Leider hielt das regnerische Wetter eine Anzahl Vereine vom Kommen ab. Erschienen waren die Ortsgruppen Altenbuseck, Reiskirchen. Rodheim a. d. B., Trohe, Wiescck und Wismar. Der Tagung ging ein Um­zug durchs Dorf voraus, bei dem etwa 30 Mit­glieder spielten, und der die ganze Gemeinde auf die Beine brachte. Der Saal bei Gastwirt war gedrängt voll an Mit­ten. Die musikalische Geltung

merksam geworden, weil die Rolladen ft an* big heruntergelassen waren. Der Bäcker Aloys Dielweber, der kürzlich wegen Brandstiftung vom Schwurgericht zu e l f Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, bat gegen das Urteil Revision beim Reichsgericht eingelegt. (Er hatte den großen Brand in Baben­hausen verursacht, bei dem über 20 Gebäude vernichtet wurden.)

Kreis BLetzlar.

G. Krofdorf. 25. April. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde u. a. auch über eine Autopersonenbeförderung zwischen Krofdorf unb Gießen beraten. End ültige Beschlüsse konnten hierüber noch nicht gesaßt werden, jcdoch stand man einem solchen Projekt sympathisch gegenüber. Sehr zu begrüßen wäre es, wenn die durch den Krieg unterbrochenen Verhandlungen betr. einer elektrischen Bahnverbindung von Gießen nach Krof­dorf wieder aufgenommen würden. Unser Ort würde heute wie damals vollauf zu haben fein. Man könnte sich gewiß für beide Teile großen Vorteil versprechen. "

G. Krofdorf, 27. April. Bürgermeister Braun ist seit dem 1. April aus seinem D i e n st geschieden. Seit 'Jlooember 1906 hat er hier als Bürgermeister gewirkt. Unter seiner Amts­zeit sind zwei für Krofdorf segensreiche Werke er­standen, nämlid) die Wasserleitung und das elektrische Licht, letzteres im Anschluß an das Gießener Elektrizitätswerk. Daß er für beide Werte alles daransetzte, wird der ermeßen können, der mit ihm zu tun hatte. Aud) für eine elektrische Bahnverbindung mit Gießen hat er alles darangesetzt. Diese wäre auch, wenn nicht der Krieg dazwischen gekommen wäre, gebaut worden. Leider hört man eben wenig davon. Bürgermeister B r au n war schon längere Zeit wegen Krankheit beurlaubt. Am letzten Montag wurde der neuernannte Bür­germeister Brokmeier, welcher die Stelle kom inissarisch vertritt, in fein Amt eingeführt und dem Gemeinderat vorgestellt.

Hc i-Nadsau.

bl. Herborn, 27. April. Die Stadtve r ordneten beschlossen in ihrer jüngsten Sitzung die Anschaffung einer Motorseue r s p r t M für die Stadt. Der Kostenbetrag stellt fid) auf 8000 Mark, wovon die Stadt 4000 Mark §u zahlen hat. Mit dieser schon lange ersehnten Einrichtung gedenkt man, Lio freiwillige Feuerwehr bedeutend zu vermindern liio die >Ls 1 ichtseverwehr gänzlich a uh ?, u l o ! e n.

bl. Dillenburg, 27. April. Der K.reio - a n o s ch u ß des Dillf reif es hat in feiner letz­ten Sltznna beschlossen, bei der Negierung in Wics-

schüttern? Oder die überirdischen Klänge aus der Panichida (Trauermcsse)? Unb so schwingt sich alles, was das Volt erlebt, in seinen Ge­sängen aus: Das Volk in seiner mühseligen Ar­beit (die Barkenschlepper), die Ratur in ihrer Gewalt und Symbolit, der Beruf des Soldaten­volkes (das Reiterleben). Alles fast von jedem einzelnen int Volke wieder erfahren, darum von jedem wahr wiedergegeben: frei von allem An- gepfropsten, daher die Urkraft in ihrer Elemen­targewalt. Jahrhundertelange Tradition ließ dies Erlebnisgut anwahsen, unverfälscht durck) fremde Einflüsse. Oft ist der Rame dessen verschollen, der die Werke schuf aber das Werk selbst lebt als Träger allgemeinen Empfindens und Erlebens: denn nur das wird vom Volke erhalten, was ihm zusagt und ihm gemäß ist.

Aus seinem Erleben heraus bat sich das Volk einen eigenen Stil geschasfen. Das Gemein-' fchaftsleben ließ alle sich der einen Empfindung unterordnen: Gemeinschaftsgesänge, Wechsel- gefängc. In ihrem Ausbau und in ihrer Form weichen sie oft von dem ab, was bei uns llZrauch ist: fast könnte man den Stil als symphonisch bezeichnen. Jede einzelne Stimme crfd)e ut als wichtiger Faktor in der Gesamtgestaltung: ja. man ist geneigt, von einer Instrumentierung in Ettm- men Hu fpred)en. Und das ist eben nur möglich, weil lebe Stimme ein ausgeprägtes Individuum barst eilt: rein, unverfälscht, in feiner Eigenheit den Charakter offenbarend: jedes ©piD je nach Eigenart verteilt, ilnb obwohl es alle Ratur- fanger sind, beherrschen sie dkle A.'sdrucksmög- lichkeiten, fast instinktiv dem Innersten nach­gebend. Ein Crescendo toi? in dem Chor aus der Panichida ft ht geradezu einzig da. Die Höhe In strahlender sieghafter Kraft und glcidi barauf wieder Töne unglaublichster Zartheit, aber nie weibisch, weichlich: -art im Berklingen. Und die Bässe, in g loden baffer Fülle fchwmgend, mit schier unergründlicher Tiefe, Stontratönc, wie man sie bisher Wohl nur von Russen gehört hat. Unb

Da klingt etwas durch den weiten Raum Das Fernwerk einer Orgel. Roch täuscht Klang. Männerstimmen? Ist e6 nicht, sängen zarte Knabenstimmen mit? So sein liegt ein silberner Glanz über dem Ganzen. Die Ton-- woge wächst, immer stärker hallt e§ heran, und nun braust es wie eine große Orgel mit vollem Werk durch den Saal. Dec Klang bricht ab,

wird dar Aussehen frischer und rosige I Wangen zieren das Gesicht.

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