MM
MvrarnMitlwoj abend 8 Uhr:
Schiller {jtnuenlttitn rnitr und beuie Acrzilikw Senfe. lAorlesiina an« Universliall
Lborsinaen « L-orbespretuna \<
Gimnastlklur grauen u. Mo°-
irh 1etei B|rhvl
Franx68ieeh
Englisch ffnlf k" "Mionbtmuif, *»«l SÄi. "ß«ö- unter räulcin fudjt Qk- wnb.iäfiU'.sit
Klavier uübrn. Cff-u.277 7 Herio. llnifiK «nnXhM, ßlihi K0MWM1 in der Liianlagr „ gesunden. «bAubol. iwiltti;
12--/.2 Ubr S n, yergluung der Annonce ,M
HammKr. S r
Eine gtiiromie WW nui den Nania nlafifl" biiteub, vor der Ausstellung entlaufen.
Wederbrinaer nuu Belobnung-Nabcle!
August Schwor Mollfesir.
*1 M«'
Frische
2?
billig'" 'lileinh ^«bowr-te 59
rG,ü
. Ppaxis-
1 p««w>w<11
gtfÄ*" ,eFa6Pfle*e; f-’Ä’pSf* üostlUhen FüldJ ln jr “'s?
'SS">
t" ' ’ ri eiiu«™'
ut. vö sweites öioii
^lißener Anzeiger (General-Anzeiger tut Gvecyetzen)
Rund um die Romanische See. Politische Eindrücke von einer Reise durch dos Mittelmeer von Dr. Arthur D i r.
Gros; ist der Strom der Reisenden, der sich in diesem Jahre wieder ans Dcutschland nach Italien «fließt. Die Rompilger aber, die zrhlreicher als au: iiqcnoeinem anderen Londe zum anno fanto der caiigen Stabr luflrcbcn sehen weitaus in der lieber« Zahl nur dieses eine romanische Land, das den wahrend der Kriegszeit und großenteils wahrend der schlimmsten deutschen Inflation schmerzlich oer« mißten Gästen aus dem Deutschland gern wieder seine Psorten öffnet. Richt aus Gründen politischer Sympathie. sondern selbstverständlich aus triftigen Gründen des eigenen fflelbbeuiels.
Weit lehrreicher ist es, die ganze Romanische See zu umrunden und neue Eindrücke nicht nur in Italien, sondern auch an der französischen, spanischen und afrikanischen Küste zu sammeln. Lehrreich nicht nur dos, was man zu sehen bekommt, sondern auch was dem Deutschen noch heute verschlossen bleibt
Für eine seiner diesjährigen Mittelmeerreisen haue der Dampfer „Peer Gynt" unter anderem einen Anlauf von Tunis mit Ausflug nach den Ruinen von Karthago vorgesehen Wie wunderbar ist doch das französische Zartgefühl, daß es dem Deutschen ersparen möchte, auf den Trümmern von Karthago geschichtliche Deraleiche anzustellen und der einstmaligen Weltmachtstellung des eigenen Reiches zu gebenfen! Selbstverständlich bart man cs nur dem ritterlichen Geist ber „gründe Nation" zuschrei« ben, wenn Frankreich aus diesem Zartgefühl heraus dem deutschen Dampfer ohne weiteres das Anlaufen von Tunis verbot. . . . So wurde denn an Stelle von Tunis, der französischen Kolonie, A l - gier, der nordafrikanische Bestandteil des französischen Staatswesens, in den Reifesilan ausgenommen
Es wird in Deutschland meistens übersehen, daß das eigentlich» Algerien nicht mehr den französischen K o l o n i en zuzählt, sondern staatspolitisch auf das engste mit dem Mutterlande verbunden ist. Algerien untersteht nicht nur dem 'ranzösischen Ministerium des Innern, sondern seine drei Departements sind auch im Pariser Senat futch je einen Senator, in der Abgeordnetenkammer durch je zwei Abgeordnete vertreten. Rur die sag. Südbezirke, die zur Sahara gehören, unterstehen einem Militärkommandanten der kolonialen Vermattung. Das eigentliche Algerien hübet einen wirtschaftlich außerordentlich wichtigen Bestandteil Frankreichs. Es zahtt neben etwa 4,5 Millionen Eingeborenen verschiedener Stämme einige 820 000 Europäer, von denen annähernd die f)äifte Fran- zchc.i, 120 000 naturalisierte Fremde, 74 000 natu« rulifierte Juden und 144 00t) Spanier sind. Der Rest entfällt auf andere Ausländer, die alle bis herab zu Uruguay, Paraguay. Panama ufw. eigene Vertretungen, Generalkonsuln. Konsuln, Vizekonsuln hefigen -- mit Ausnah m e Deutschland-... Der fruchtbare Worben liefert für die Ausfuhr Werte von 1,5 Milliarden Francs an Wein, Tabak, Schafen, Getreide, Südfrüchten, Eisenerzen, Phos- Pholen, f)aulen, Fellen und Kork, die fast ganz von Frankreich aufgenommen werden. Auch von ber zwei Milliarden Francs bekragenden Einfuhr kommt der größere Teil aus Frankreich, dein in weitem Ab. ftande an zweiter Steife die Bereinigten Staaten von Alters tu folgen.
Das französische Koniulal in Berlin hatte die äußerst gnädige Geu-ogenheit, den deutschen „Peer- Gynt -Reisenden ein Paßvisum auszustellen, das für einen Aufenthalt von einem ganzen Tag, gele» gentlid) sogar zwei lagen in Algier berechtigte. Es wurde alsv den Deutschen eine fabelhaft ergiebige Gelegenheit geboten, diesen Teil des französischen Reiches kennen zu lernen. Der Besuch mußte sich so auf die Hauptstadt Algier beschränken, die mit ihren 150 000 Europäern unter kaum 210 000 Gesamtbewohnern nicht Fisch, nicht Bogel ist, für eine europäische Stadt zu schmutzig, für eine orientalische viel zu sauber, selbst in dem Araberviertel, in dem das Eingeborenenleben gewissermaßen als Bestand- teil der Fremdenmdustrie für die ausländischen Besucher konserviert erscheint.
Trotzdem die französische Regierung dem Deut« id)cn fo wenig wie möglich Einblick in Algerien gönnt, genügte selbst der kurze Aufenthalt dazu, mit einigem Erstaunen zu beobachten, daß die Berber im Lande ihr Auge scharf auf Angora gerichtet haben, und daß Deutsche, die zufällig in einen französischen Studentenball hineingerielen, von die
sen norbasrikanischen Stubcmcn mit a gesuchter Höflichkeit als „bons amis" empfangen und gebeten mürben, dem Balle möglichst lange bcizuwohnen. Auch bas häufige An stauchen bcs Bildes Musta - p h a Kemal Paschas möchte zu denken geben.
Im übrigen iah man Algerien im sichtbaren Zci eben der Inflations pertode, das natürlich noch stärker in Italien zu oeobachten ist- allerdings nur dort, wo ber auslairdi'che Frembenzustrom zum anno fanto nicht allzu stark ist. Bon ihm bekam man schon in Berlin einen Vorgeschmack durch ben Ausverlauf der Lire selbst bei großen Banken und in ben Wechselstuben ber Mitropa, mehr noch in Genua burch bie stänbige UeberfüUung ber Hotels.
Schon auf ber Fahrt nach Genua fallen als Kriegshinterlassenschaft riesige Fabrikanlagen auf. Mit Reib beobachtet ber Deutsche hier in Dberilalien, wie in den anderen romanischen Ländern rund um das Mittelmeer, besonders auch an der Riviera, die überaus eifrige Bautätigkeit. Keine technische Schwierigkeit ist groß genug, ap landschaftlich bevorzugten Plätzen ber französischen Rivera riesige Hotelneubauten entstehen zu lassen. Aber auch die italienischen, französischen und spanischen Groß- stäbte sind im Begriff, sich durch den Bau neuer Wohnviertel wesentlich zu erweitern. Eine außer« ordentliche Wohltat stellt angesichts ber zahllosen Tunnel bie Elektrisierung ber Eisenbahnen bar, an bie man mit einer gewissen Weh« mut ,)urüdbenft, wenn man auf ber Rückreise burch Thüringen hinter der langsam keuchenben unb schnaufenben, bie Tunnel tief verrußenden Dampflokomotive sitzt.
Der erste Anlaushasen auf unserer „Peer Gynt"-Reise war Monaco, das sich ganz unb gar ber Oberhoheit Frankreichs unterstellt hat unb die Paßkontrolle nach dem Diktat französischer Beamter mit der größten Willkür betreibt. Die Herren Franzosen hatten es nicht für zweckmäßig gehalten, ben beutschen Reisenden schon in Deutschland ein Paßvisum für Monaco zuteil werben zu lassen. Erst auf ber iRcebe von Monaco kamen nicht weniger als 6 französische De amte an Bord, bie sich drei Stunden lang damit beschäftigten, den etwa 300 „Peer Gynt'-Reisenden ein Bisum für 48 Stunden ausznstellen, das aus- gerechnet bis Beausoleit gatt, d. h. dem unmittelbar am Hasen liegenden Flecken zwilchen Monte Carlo und der Residenz Monaco. Da ein Ausflug über die Grande Eorniche nach Nizza vorgesehen war hätte es also auf Grund diese: Pahoisums im Belieben ber französischen Behörden gelegen, die Deutschen in Nizza mit den äußersten Schikanen ’.u bedenken. Nicht etwa Ehrgefühl, sondern nur der Wettergott ersparte den deutschen Reifenden diese etwaige Blamage. .
Die Franzosen hätten es dem kleinen Monaco denn doch nicht antun können, die Deutschen wenigstens schon am Abend des Ankunftstages daran zu verhindern, ihr Gelb an ber Bank von Monte los zu werben — die übrigens immer noch als Mindestsatz 5 Frank, b. h. etwa eine Mark, nimmt, infolgedessen von der einstmaligen Eleganz des Publikums zu einer ganz ausgesprochenen Kaschemme herabgesunken ist. Die befrackte unb bril- lantbehängtc Welt hat sich von dem öffentlichen Kasino oollstänbig zurückgezogen in den wesentlich erweiterten Cercle des ctrangers. Am nächsten Mor- gen aber bemühte sich infolge aufgekommener See der Tender „Nymphe", ein ehemaliges deutsches Minensuchboot, vergebens um die Ausbootung, so daß Kapitän Dempwolf sich endlich entschloß, die für Deutsche so ungastliche Stätte zu verlassen und den Passagieren zu versichern: .Hierher komme ich nicht wieder!" In ber Tat, es wäre drin- genb erwünscht, daß deutsche Vergnüg u n g s r e i s e n d e französische unb unter unmittelbarem französischen Einfluß stehenbe Orte für absehbare Zeit gänzlich mieben. Diese eine Reise bcs „Peer Gynt", ber als erster beutscher Dampfer seit Kriegsausbruch wieder Monaco besuchte unb Tunis besuchen wollte, hat in dieser Beziehung äußerst lehrreich gewirkt.
Wie anders die Aufnahme in Barcelona, wo uns nicht nur keinerlei Schwierigkeiten gemacht wurden, sondern die ganze Aufnahme einen durchaus freundlichen Charakter trug, trotzdem gerade Barcelona den Hauptsitz der frankophilen fatale» nHhen Opposition gegen bie Madrider Regierung bildet. Wie verbreitet bie frankophile Stimmung in Katalonien ist, konnte man bei kurzem Ausent- halt am klarsten ersehen aus ber Tatsache, baß in
Feuer am Nordpol»
Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.
Von Karl-August von Lassert.
27. Fortlctzung (Nachdruck verboten.)
„I am Dr. Frederick Cook. How do you do?" Nagel, ber kein Englisch verstand, wußte nicht, ob er einen Europäer ober (Eingeborenen vor sich hatte. Doch jetzt kam Sanders zu Hilfe. In wenigen Worten rascher Fragen und Gegenrufe erfuhr man das Wichtigste, bas Sanbers sofort Nagel übersetzte.
Die verschlagenen Norbpolfahrer waren Kapitän Cook, ber vermeintliche erste Entdecker des Nordpols, und vier Begleiter. Mit ihrem Schiff, ber „Bradley", brangen sie vor über einem Jahr durch die Beringstraße nach Norden vor, ließen sich später sechs Wochen cinsriercn und gelangten in zwölf Monate langer (Eistrift bis hierher. Bei einem Versuche, den Pol im Schlitten zu erreichen, kamen drei ber Teilnehmer um, während Cook mit dem einzigen lleberlebenben nach ungeheuren Entbehrungen unb Anstrengungen bie „Bradley" wieder erreichte.
Die Freude über bas fast unglaubliche Eintreffen ber Luftjchiffer war ungeheurer. Jetzt schien es möglich, Kunde über ihr Verbleiben nach Amerika kommen zu lasten, um ihnen eine Rettungsexpedition entgegenzuschicken, falls sie^auch im nächsten Jahre noch vom Eise eingeschlossen sein sollten.
Cook lud die Nordpolfahrer ein, sich fein Schiff anzusehen unb eine einfache Mahlzeit bei ihnen ein- zunehmen, wie es der Küchenzettel des Poles erlaubte. Zu allgemeiner Ueberrafdjung stellte sich heraus, baß Cook, besten Vater noch Koch hieß, rein beutscher Abstammung war unb seinen süddeutschen Dialekt völlig beherrschte.
Während die Besatzung der Fahrzeuge zurück- blieb, zogen die vier Führer des Unternehmens sich rasch winterliche Kleidung an. Denn obgleich es in der Sonne ganz gemütlich war, zeigte das Thermometer doch 15 Grad Ställe.
(Eine Viertelstunde später faßen alle in der engen, aber warmen Kabine Cooks bei einem Glase dampfenden Grogs beisammen. Zunächst berichtete Sanders in großen Zügen über ben Zweck ihrer ffraehihon. bi» ber Entdechmg des Dermuteten un
bekannten Erbteils galt, verschwieg aber bie daraus gegründeten Pläne. Dann erzählte er, was seit einem Jahre in der Welt geschehen war. Daß von Frieden und Erlösung immer noch die Rede sei, daß die Franzosen bas machtlose Deutschland nach wie vor drangsalieren und daß Amerika mehr ober weniger uninteressiert biesem Treiben zusähe.
„Ich wunberc mich keinen Augenblick, daß meine Lanbsleute ihren früher so stark entwickelten Sinn für Gerechtigkeit verloren haben", sagte ber Amerikaner. „Leider wird unsere öffentliche Meinung noch mehr wie in anderen Ländern von einer skrupellosen Presse beherrscht. Mein eigenes Schicksal ist der beste Beweis dafür. Sie werden sich erinnern, wie auf Betreiben meines Konkurrenten Peary ein schamloser Lügenfeldzug gegen mich einsetzte, der mich schließlich als Schwindler, Betrüger und Verbrecher brandmarkte. Ich sollte die ganze Zeit, während ich am Pol weilte, nur wenige Kilometer von Annoatok entfernt geblieben fein. Alle meine Auszeichnungen, meine täglichen Beobachtungen, meine Notizen wurden als gefälscht hingestellt. Ich hatte ja keinen Weißen als Zeugen, nur zwei arme Eskimos, deren Aussagen man nicht glaubte. Meine (Entgegnungen nahmen die bestochenen Blätter einfach nicht auf ober versahen sie mit hämischen Glossen. Da brach ich mit ben Nerven zusammen. Ich erroieberte auf keine Angriffe mehr unb zog mich von jeber Berührung mit ben Menschen zurück. Allmählich erst erholte ich mich wieber unb veröffentlichte zwei Jahre später auf Anraten meiner Freunbe mein Buch über bie (Eroberung bes Nordpols, in welchem ich alle Aufzeichnungen unb Daten aufs genaueste angab. Wer biefes Buch lieft, muß bie Ueberzeugung gewinnen, daß ich allein ber erste unb wahre Entdecker des Pols bin, und die Zeit wird mich vielleicht glänzend rechtfertigen."
2.
Cooks Zuhörer waren von ber Tragik dieses Forscherschicksals ergriffen. Mochte er sich vielleicht geirrt haben, ein Schwindler schien dieser Mann sicher nicht. Stratoff allein faß mit spöttischem Gesicht da und wandte sich als erster an den Amerikaner.
„Verzeihen eie, Herr Cook, wenn ich als Rüste unb Bolschewist ein wenig offener bin, als es ber Ton ber sogenannten guten Gesellschaft vorschreibt. Ich möchte Sie um eine kurze Erklärung bitten;
einer Hauptstraße eine Buchliandlung sich ausdrück- lich als Jibraine ejpagnole" bezeichnete im Gegen- faß zu der dreifachen französischen Konkurrenz der lidrairies francaifes zur Rechten, zur Linken unb gegenüber. Nichtsbestoweniger lief in Barcelona schon feit längerer Zeit mit sichtbarem Erfolg der beutlet)« Nibeluugenfilm
Das Deutschtum ist in Barcelona gut vertreten durch ben Generalkonsul von Hassels einem Schwiegersohn bes Großabmirols von Tirpitz. der mit geradezu winzigen Mitteln so aut für bie deutsche Sache arbeitet, daß bie französisch« Kammer sich unter lustigen Angriffen aus ihn unlängst entschlossen hat, bie Summe von 3 einhalb 'Millionen Frank öffentlicher Gelder für französische Propaganda nach Barcelona zu werfen, was wohl das Tausendfache der Beträge an Privat geldern ist, die bert für bie beutfaje Sache wirken. Aus wirtschaftlichem Gebiet herrfchte zur Zeit unseres Aufenthaltes in Bvrcc Iona eine nervöse Stimmung, ba bie Unsicherheit über das Schicksal des deutsch.spanischen Handelsvertrages alle geschäftlichen Beziehungen zu Deutsch- land hemmte.
Peinliche Eindrücke blieben uns nach dem Anlaufen von Algier, wo übrigens die Hafenbehörde keine Schwierigkeiten bereitete, auch auf der Weiterreise in s ü d i t a l i e n i s ch e n Häfen nicht ganz erspart. In Palermo lag unmittelbar neben uns der gute, alte, deutsche Vergnügungsdainpser „Meteor", ber noch seinen alten Namen, aber bie norwegische Flagge trug unb ber seine Reifenden mit der eigenen Motorpinaste schnell an Land befördern durfte, während wir an dieser Beförderungsart durch die Hafenbehörde verhindert waren und uns italienischer Barken zu bedienen hatten. Freilich, neben dem Nebeneinanderliegen der beiden Dampfer wurden wir fo recht gewahr, wie beengt die Passagiere des kleinen „Meteor" leben unb welch breite Bequemlichkeit ber „Peer Gynt" seinen Fahrgästen bietet
Die älteren Italiener haben ihre beutschen Sprachkenntniffe nach Möglichkeit wieder ausgegraben, unb die Jungen beginnen es im Interesse des Verdienstes von den zahlreichen deutschen Frem den zu lernen. Auf dem stolzen Monte Pelegrino waren deutsche Wandervogel, bie mtt wenig Gro- scheu in ber Tasche ganz Italien burdjpilgertcn, bie einzigen Besucher, bie wir antrafen.
Wieber ging uns ein Stich durchs Herz, als wir in Neapel plötzlich neben uns bie herrliche, einst von unserem ausgezeichneten Kapitän Dempwolf geleitete .Kaiserin Auguste Viktoria" unter englischer Flagge unb bem sinnlosen Namen „(Emprcß os Scottland" sahen. Bestenfalls konnte uns bie Schadenfreube über bie grünblich hereingefallene englische Reeberei trösten, bie für ihre Mittelmeer- reife mit dem 25 000 Donnen-Dampfer ganze 450 Passagiere aufgebracht hatte.
Unvergleichliche Stunben auf Capri aber zeigten uns dieses Juwel des Mittestneeres wieder als das alte Idol unb Idyll der Deutschen. Deutsche Maler, deutschsprechende Kutscher unb Gasthaus- angcfteUte, blonde Haare und blaue Augen und die gute, alte deutsche Flagge auf so mancher Gaststätte. Alles wie einst in besseren Zeiten.
Dann schließlich ober, nachdem wir von unserem braven „Peer (9nnr in Erinnerung an stürmische Nächte und herrliche Sonnentage Abschied genommen, noch einmal auf der Rückreise ber Ein burck oer (Entente rancunc gegenüber Deutschland: auf dem Mailänder Bahnhof eine Unzahl ber oer- schiedensten Expreßzugwagen, bie ben Verkehr zwischen Sübofteurapa einerseits, Paris unb Lonbon anderseits von Deutschland ablenken. So reich die Reise rund um die Romanische See an landschaftlichen Eindrücken ist, so wenig er. ingelt sie für ben politischen Betrachter der Wermuthstropsen, bie so lange nach Kriegsende bem Deutschen in den Becher der Freude über den sonnigen Süden gegojfen werden.
Mistiges Bestehen der Preisprüsnngsstelle Oberhessen.
Dor einigen Sagen tonnte die Preis- prüfungsstelle für Oberhessen auf eine zehniährige Tätigkeit zurückblickrn. Wohl manchen wird es intcrcffieren, einige (Srinne- tu gan aus der Gründungszeit und ber zehnjährigen Tätigkeit dieser Stelle zu hören.
Sie wurden vor einiger Zeit von einem amerikanischen Gericht wegen Betrugs zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Hängt diese Strafe auch mit Ihrer vermeintlichen Entdeckung des Nordpols zusammen?"
Diese unvermittelt« Frage schlug wie eine Bombe ein. Alles blickte starr auf ben Amerikaner, der seinerseits keine Mine verzog. Schließlich antwortete er:
„Sie haben ein Recht zu bieler Frage unb sollen auch bie volle Auskunft erhalten." (Er richtete sich auf unb sah Stratoff fest an. Dann fuhr er fort: „Jawohl, meine Herrschaften, Sie sehen in mir einen entflohenen Zuchthäusler, einen Menschen, von bem fein anständig Gesinnter 'mehr ein Stück Brot annehmen würde."
Stratoff nickte befriedigt und blickte auf Linda, bie vor Verlegenheit kaum auszusehen wagte. Keiner ber Anwesenden 'sprach ein Wort lieber allen lastete das Gefühl einer tiefen Beklemmung.
Cook fuhr fort: ,Lch reifte in ben Staaten umher und suchte Gelder für ein Erdölunternehmen zusammenzubringen. Viele Kapitalien flössen mir zu. Hätte man mich gewähren lassen, fo wäre alles gut gegangen. Aber meine Feinde ruhten nicht Offen bezeichnete man mein Unternehmen als Schwindel und erreichte es schließlich, daß eine Anzahl meiner Geldgeber die Anklage gegen mich erhob. Da ich feine Auskunft zu geben vermochte, wo die von mir vermuteten Petroleumlager sein sollten, wurde ich zu langjähriger Freiheitsstrafe verurteilt."
„In welcher Gegend beabsichtigen Sie, auf Petroleum zu bohren?" fragte Nagel.
,Z)ier am Nordpol."
Der junge Ingenieur fuhr auf.
„Bitte, erklären Sie sich näher!" rief er eifrig. „Was brachte Sie auf den Gedanken, baß hier im arktischen Ozean ein Gebiet sein könnte, auf bem sich Erdöllager befänben?"
Auf meiner Cntbeckangsfahrt jum Pol im Jahre 1907 beobachtete ich an brei Stellen weit im Weiten bie Konturen eines ausgedehnten Landes, das zu erforschen mir die Zeit verbot. Bereits auf früheren Reifen hatte ich die Ueberzeugung gewonnen. baß sich in der«Arktis ein großer, unbekannter Kontinent befinden müße, der möglicherweise große Schätze an Kohlen, Vinerasien und vielleicht
ötenstay, 28. April 1925
Dav zweite Krieasjadr. 1915. batte sich in» Westen wenig glücklich angelassen. Der Aazrisss- Irieg war auf der ganzen Linie zum Stttt.mgs- (tieg geworden. Auch im Innen, mehrten sich bie Schwierigkeiten. Die mangelnde Zufuhr an Brotgetreide. Fei' Kolonialwaren Terütten ufw. drohte die Preise inS Unendliche -u steigern. TDcnn auch manche dieser Preise, verglichen mit den heutigen, als niedrig an zusetz m swd. io erscheinen sie doch im Vergleich mit b-n früheren Frieder-Preisen unerschwingl ch Schlimm c aber als die durch den Mangel bedingten Preissteiae- rungrn war der,Wucher, ber Ketten- unb Ser Schleichhandel, gegen ben jede gesetzliche Bestimmung übet die normale Derd-ienstspaniw usw. machtlos uxu Man mußte eine gewisse Wirt- schastspolizei fchaffen. eine Stelle die an Hand von Sachverständigen alle Ausschreitungen auf dem Gebiete der Wirtschaft seslftellte und. soweit notwendig, ben Gerichten zur Weiterverfolgui g übergab. Es ist ein Beweis für den wirtsck-aft- ließen Scharfblick und bie richtige Erkenntnis wirtschaftlicher Zufarnmenhänge. baß einer ber ersten, ber auf diesem Gebt ste organisalvrisckx: Maßnahmen ergriff, ber frühere Provinzialdirektor der Provinz Oberhefier. der jetzt iit Rheinhessen wirtende Gemeimerat Di 11 f i n g e r war. Aus Anregung des bamaligea Regierungs- Assessors Walter in Friedberg mürben die ersten Verhandlungen über die Schaffung einer Preisprüfungsstelle für die Provinz Obcth?ffeu eingeleitet, die bann im Laufe des Herbstes zur Schaffung einer solchen Stelle führten.
Gs liegt in der Qlatur der Sache, daß die Tätigkeit einer solchen Stelle in erster Linie von der Fähigkeit der Leiter und der Auswahl ber Mitarbeiter abhängt. Auch üi dieser Hinsicht zeigte der frühere Provinzialdirektor feine glückliche Hand. Er berief sich als juristischen Vorsitzenden den Regierungs-Assessor Walter, als wirtschaftlichen Vorsitzenden ben Pros. 'Tc. Klebe r ge r und ließ aus Grund der Dorschstige der Kreisausschüsse der Kreise der Provinz 12 Unterausschüsse bilden, die als sachverständige Gremien die Emzelfragen bearbeiteten Trager ber Geschäftsführung war neben ben geschästssaärrn- den Vorsitzenden ber geschäftsführende Ausschuß. der aus 6 Mitgliedern bestand, von denen die Herren Oekonomierat Heck- Alsfeld. Rentner Koch-Alsfeld, Oberbü.germc'.'ter Keller- Gießen, in Vertretung ©tabtbaurat Braubach, Bürgermeister Dr. K a tz s e r - Bad-Rauheim. In Vertretung Beigeordneter Kling und b^r Unterzeichnete heute noch tätig sind.
Reben der später geschaffenen Ersahmittcl- stelle der Provinz und dem ViehhaTrdelstt rband der Provinz war die Preisp-ü!ungsstelle ber Provinz eine ber wenigen Stellen m deutschen Reiche, die wirklich positive Arbeit geleistet hat und noch bis heute eine recht schwere und oft wenig anerkannte Ar bett in aller Stille leistet. Man hat oft gegen die Preisprüfungsstelle>i un allgemeinen und auch gegen unser Preis- prüfnngsstelle ben Vorwurf erhoben, sie hätten ja bie Preissteigerungen nicht ucrbinbcif. seien also zwecklos gewesen. Gin solcher Vorwurf, wie er sogar von manchem gcbUbeten Mensch, und selbst Vertretern mancher- Verwalkungsbebörk r erhoben worden ist. zeigt unS. tote wenig Verständnis für wirtschaftlich; ^fragen in unserer Bevölkerung, selbst in gebildeten Kreisen, vorhanden ist. Die Preisprüfungsstellen konnten und Irinnen Preissteigerungen, die aus wirtschaftlich r Rotwenbigkett unb Gesetzmäßigkeit erfolg . nicht verhindern, dies war selbst zur Zeit b?r ö'f it- lichen Bewirtschaftung ber Gegenstände b > täglichen Bedarfes unmöglich und ist auch heute noch so. «Beweis: bie Preissteigerun ze.n Li land.) Die Aufgabe der Preisp "üiurg^stellen konnte es nur sein, die Berechtigung von P. 'is- bildungen unb evtl. Preissteigerungen rach -u- prüfen und Auswüchse zu verfolgen. Gcrai" auf diesem Gebiete aber hat sich bie PreiSprü u.'.gS- stelle Ober Hessen bbibenbe Verdienste eTmorcen, und ihre KalkulationSentwürfe und O'-gani- sationen sind nicht allein in Hessen, sondern auch im ganzen Reiche vorbildlich geworden. 2s Mg in der Aatur der Sache, baß Handel und Gewerbe sowie Landwirtschaft ber neuen S' !’.e zunächst abwartend, oft sogar feindlich gege überstanden. Das änderte sich aber bald. Man erkannte zuerst wohl in den Kreisen des Handels, daß von dieser Stelle für den reellen Kaufmann
auch an Erdöl enthielte. Am äußersten Nordmnde von Heibergland fand ich fossile Stümpfe großer Bäume und verkohlte Ueberrefte einer einst reicyen Flora. Dasselbe ist in Alaska der Fall, wo es bekanntlich die großartigsten Mineralschätze gibt. Dann erinnere ich an die Kohlenfelder in Spitzbergen, das in gleicher geographischer Breite liegt wie das von mir vermutete Land "
„Und auf derartig vage Vermutungen hin gründeten Sie eine Gesellschaft zur Gewinnung von Erdöl?" fragte Stratoff lachend.
„Ich gestehe zu, höchst unvorsichtig gehandelt zu haben", antwortete Cook. „Doch sah ich keinen anderen Weg, um die nötigen Gelder aufzubringen. Zur Erforschung des neuen .Kontinents allein hätte ich niemals die erforderlichen Mittel erhalten. Ich benutzte die damals in Amerika herrschende Stimmung, die durch einige neue Oelsunde erregt war. Niemals habe ich behauptet, daß die Petroleum- lager bereits crbohrt wären, sondern nur bre große Wahrscheinlichkeit eines reichen Vorkommens betont. Ebenso mußte ich meine Geldgeber über den Ort der vermuteten Erdschätze im unklaren lassen, weil mir sonst niemand geglaubt hätte."
„Man sah dann wohl bald das Unrecht Ihrer Verurteilung ein und entließ Sie?* fragte Linda.
Der Amerikaner lachte bitter.
„Mit Hilfe einiger Freunde, die trotz allem an mich glaubten, entfloh ich dem Zuchthause und begab mich, mit falschen Papieren versehen, nach Mexiko. Dort rüstete ich mit den mir noch zur Vertilgung stehenden Mitteln die jetzige Expedition aus. Ich wollte versuchen, das Polargebiet diesmal von der anderen Seite zu bezwingen, um möglichst das von mir oermuteie Neuland aufzufinden und die dort erwarteten Bodenschätze fest zustellen. Aus diese Weife hoffte ich mich zu rehabilitieren. Tatsächlich trieb uns die Trist nach Verlauf von zehn Monaten in nur 200 Kilometer (Entfernung an der Stelle des vermuteten Neulandes vorbei Ende^Mai unternahmen wir einen Vorstoß mit unserem Schlitten. Aber das Glück mied uns. Als wir die halbe Strecke zurückgelegt hatten, geriet der Schlitten in eine unsichtbare Eisspalte und versank. Drei meiner wackeren Begleiter ertranken, während wir beiden Ueberlebcnben uns nur mit Mühe zu retten oer- mochten."
(Fortsetzung folgt.)


