Ausgabe 
28.2.1925
 
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Roch scheint eS. olÄ ob die bittere Rot uns nicht besser, sondern vielfach schlechter gemacht hat. Unb dennoch wollen wir getrost sein. Je entwürdigender uns die Fremdherrschaft m.ß- handelt. um so mehr wird nach der Erfahrung der Geschichte und nach einem tiefen Gesetz des Gemeinschaftslebens die gemeinsame Rot das Gift der gegenseitigen Erbitterung durch den Geist sozialer Verständigung, den Hast der gegenseitigen Beschuldigung durch die Kraft na­tionaler Wiedergeburt überwinden. Darum 'wollen wir uns ernst in die großen Fragen und Ausgaben der Zeil vertiefen, wollen unermüdlich in der Arbeit stehen, wollen trotz allem freudig uns den echten Lebensgütern hingeben: Frühling und "Liebe, Wald und Feld. Kinderaugen, Sternenglanz und edle Frömmigkeit!

Dann wird die weltgeschichtliche Unmöglich­keit offenbar werden, das deutsche Millionen­volk mit allen seinen Fähigkeiten und Leistun­gen dauernd zu knechten, dann wird der Deutsche den Deutschen wieder verstehen, dann wird die Stunde kommen, wo die grimme Rot ihr Er­ziehungswerk getan hat und die rettenden Kräfte deutscher Einigkeit uns Recht und Freiheit wie­der schenken. Und dann wissen wir. daß auch die Millionen des Weltkrieges nicht u m - sonst gestorben sind. Dann erwachen die getreuen Kämpfer, steigen aus ihrem Grabe und rufen mit Geisterstimme:

Auf. auf. mein liebes deutsches Volk!

Laß deine Falken, deine Adler wieder steigen! Aoch schlummern sie. die Opfer des großen Krieges, weihevoll und still. Aoch sind wir langst nicht am Ziel. Und dennoch!

Wenn heut ein Geist herniederstiege, zugleich ein Sänger und ein Held", wenn er am Dolkstrauertage durch die deutschen Lande ginge von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt, wenn er in die Herzen schaute in vielen tausend deutschen Häu­sern. dann soll er auch heut schon sprechen dürfen:

.Richt kann ich rühmen, nicht verdammen, untröstlich ist's noch allerwärts doch sah ich manches Au;e flammen, und klopfen hör' ich manches Herz,"

Die Franzosen im Saargebiet.

Deutsche Protcst-Note an den kerbund.

Berlin, 28. Febr. (SU.) Die Reichsregie­rung hat dem Generalsekretär des Völkerbundes eine Rote übersandt, in der sie gegen die Anwesenheit franzosi- scherTruppenimSaargebiet protestiert. Die Rote hat folgenden Wortlaut: Mit Schreiben vom 22. September 1924 haben Sie die Ab­schrift eines vom Rat des Völkerbundes am 19. September 1924 genehmigten Berichts über die französischen Truppen und die örtliche Gen­darmerie des Saargebiets übersandt. In diesem Bericht ist die Regicrungskomm ssion des Saar- aebiets ersucht worden, dem Rat des Völker­bundes ergänzende Angaben zu machen über gewisse Punkte. Der deutschen Regierung ist nicht bekannt, ob der Völkerbund inzwischen die ge­wünschten Angaben erhalten hat. Sie kann nur feststellen, daß wiederum fünf Monate vergangen sind, ohne daß die Ange­il egenheit Fortschritte gemacht hätte. Die Frage der Zurückziehung der französischen Truppen auS dem Saargebiet und der Errichtung einer örtlichen Gendarmerie zieht sich nunmehr volle fünf Zähre hin.

Die deutsche Regierung hat in dieser Frage elf Schreiben an den Völkerbund gerichtet. Sieben- »na l hat sich der Rat des Völkerbundes damit befaßt. Mehr als ein Drittel der für die Gesamt- 4bauer des Sonderregimes für das Saargebiet vorgesehenen Zeit ist abgelaufen und immer 'noch dauert ein Zustand an, den der Rat selbst am 13. Februar 1920 als vorübergehend bezeichnet hat. Am 30 Mai 1924 hatte die deut­sche Regierung erklärt, der Hauptmangel dieses Zustande- liege darin, daß sein Ende nicht abzusehen sei. Heute, saft ein Jahr später, trifft diese Vermutung noch ebenso zu. denn die Regierungskommission, die für die örtliche Gen­darmerie 3000 bis 4000* Mann zu benötigen glaubt, verfügt nach ihrem eigenen Bericht mit Beginn des ZahreS 1923 erst über 570 Mann. SS genügt, diese Tatsache fefhuftellen. Die deut­sche Regierung kann sich nicht damit abfinden, daß die Aegeluna einer so wichtigen Frage Jahr für Jahr verschoben wird. Sie hat einen An­spruch daraus, daß die Dertragsbestimmungen über daS Saargebiet auSgeführt werden und bah nicht in diesem Gebiet auf unbegrenzte

Zeit vertragswidrige Zustände herrschen.

Der Tert de« DerttagS ist völlig Har: Die Aufrechterhaltung der Ordnung im Saargebiet soll ,nur durch örtliche Gendarmerie erfolgen. Diese Bestimmung läßt die jahrelange Anwesenheit französischer Truppen für die Auf- rechterhallung der Ordnung nicht zu. UeberdieS verträgt sich die Anwesenheit französischer Trup- Pen, wie die deutsche Regierung immer wieder betonen muh, auch in keiner Weise mit dem EHara kl er deS Saargebiets als AbstimmunaSgebtet, da Frankreich an dem Ergebnis der Abstimmung interessiert ift. Gestützt auf ihr klares Recht und auf eine fünfjährige Erfahrung muß daher die deutsche Regierung jeder weiteren Verschiebung dieser Frage mit allem Nachdruck wider- sprechen. Sie erwartet vom Völkerbund, dah er nunmehr endlich dem Vertrag von Versailles und seinen früheren Beschlüssen Anerken- nung verschafft.

$rantrcid)s Außenpolitik.

Paris, 28. Febr. (TU.) Vor der Senats- kommissivn für auswärtige Angelegenheiten be­antwortete Herriol den Fragevogen der Kom­mission über die vier wichtigsten Probleme der französischen Außenpolitik. Aach einem amtlichen Bericht führte Herriot u. a. auS:

1. Die Verhandlungen mit England über die S ch u ldenf rage werden mit größter Herz­lichkeit fortgesetzt. Die Haltung der Vcretnlgten Staaten hat sich in die, ec Frage seit dem ver­gangenen Jahr nicht geändert.

2. Die verbündeten Mächte werden sich in einer Aussprache über die Sicherheitsfrage die sich nicht länger hinauSschieben läßt, schlü.sig werden. Auf deutscher Seite scheint man im Begriff zu stehen. Vorschläge zu unterbrei­ten. -u denen die Regierung jedoch aus» fchliehlich im Rahmendes Versailler DertragS Stellung nehmen wird.

3. Die französisch-russischen ^Be­ziehungen wurden ans politischen G.ünden wie auch zum Schuhe der französischen finan­ziellen Interessen wieder ausgenommen Die Re­gierung bemüht sich zur Zeit, eine Regelung der öffentlichen und privaten Schuldverpflichtungen Rußlands herbeizuühren. Die Sowjetregierung und das russische Volk wollen, dah die Wrangelflotte ohne jede Formalität über­geben würde. Die ftanzöftsche Regierung hält aber an den Bedingungen fest, die von ihrer Vor­gängerin ausgestellt wurden. Die Wrangllslorte wird nicht üvergeben, solange diese Voraus­setzungen nickst er.üllt sind. Dann werden zum Schutze der Ra idstaaten am Schwarzen Meer be­sondere Ma-nahmen ergriffen werden.

4. Die Frage der Unterbringung der deutschen Schuldverschreibungen (Eisenbahn- und Industrie-Schuldverschreibungen) ist nicht vor ein.gen Monaten spruchreif.

Das französische Heer.

Paris. 27. Febr. (WB.) Bei der Beratung des Finanzgesetzes in der Kammer über die bud­getäre Festsetzung der Effektivbe stände der Armee, die für das Jahr 1925 auf 607000 Mann festgesetzt ist. verlangte ein kommunistischer Abgeordneter die Herabsetzung dieser Ef­fektivbestände auf 500 003 Mann. Dem tritt Kriegsminister General Rollet entgegen und erllärt, entgegen der^Dehauptung des kommu­nistischen Abgeordnete. wonach die französische Armee im Jahre 1913 503 000 Mann betragen hnbe. hat ihre Stärke schon damals 616003 Mann bct.agen. Frankreich habe jetzt auch noch dos Rheinland zu besetzen, und es unterhalte Truppen in der Levante, was 120 030 Mann in Anspruch nehme. Auch der sozialistische Abgeordnete Paul Do nc ou rt nah n zu dieser Frage das Wort und erklärte, er schlrehe sich den Ausführungen des Kriegsministers an. Man könne die Stärke der Armee nicht mittels eines Zusahantrages, wie ihn der kommunistische Ab­geordnete vorgeschlagen. habe, herabfetzen. Die Effektivstärke einer stehenden Armee herabzu­setzen, sei ä u h e r st gefährlich. Der Ar­tikel, der die Gesamtstärke der französischen Ar­mee für das Jahr 1925 auf 637 033 Mann fest- setzt, wird alsdann angenommen.

Der Kampf um Mossul.

Der britische Propagaudafeld^ug.

Das türkenfreuildllche Mossul.

Konstantinopel, 27. Febr. (TU.) Zur Entkräftigung der tendenziösen en lischen Be­richte über die Stimmung der Bevölkerung des Mossul Gebietes wird amtlich gemeldet, daß Ge­neral D s ch e v a d Pascha, der türäsche Vertreter bei der Grenzregelungs-Kcmmission täglich Sympathiekundgebungen von den Ver­tretern der m Hammedanischen Mehrheit erhalte. Die unter englischem Ein'luß stehenden Irak- Dehörden suchen der r.ige Kundgebungen ge­waltsam zu unterdrücken und die neftoria- nischen Kreise zu Gegenkundgebungen aufzustacheln. Die einflußreichsten türkenfreund­lichen Führer seien von den englischen Behörden unter nichtigen Vorwänden In Haft genom­men worden. Die britischen politischen Agenten bemühten sich auch, die Völkerbundskom- mission zu beeinflussen, indem sie die Vertreter der türkenfreun^lichen Bevölkerung in dem Verkehr mit den Mitgliedern der Kom­mission hinderten und der Kommission die Tür­kenfreunde als verbrecherische oder unzuverlässige El-mente schilderten. Außerdem hatten die eng­lischen AgentenDemonstrationskolon- n e n 'ausgestellt, die den K m.nissionsmitgliedern in die umliegenden Ortschiften ti^r au Seifen und bei Ankunft der Kommission antitürktsche Kund­gebungen veranstalten.

Der Kurdenaufstand.

Konstantinopel, 28. Febr. Wahrschein­lich wird Ministerpräs dent Ismet Pascha das Oberkommando über dieRegierungs- truppen erhalten. Es sei auch die Rede davon, den Berliner Botschafter General Kemal Eddi Sami nach Angora zu berufen. Wie vom Kampf­gebiet gemeldet wird, sollen gefangene Aufstän­dische imBesihvonausländifchenWaf- f e n und Uniformen gewesen fein.

Der Tschekaprozeh.

LeiPzig, 27. Febr. (Welff.) Zu-ächst wird ein Dries verlesen, den der Angeklagte Hucke nach seiner Vernehmung an den Untersuchungs­richter schrieb, in dem er feine Aussagen als i h m vorgehaltene Aussagen Reu­manns bezeichnet und sie z u r ü ck n i m m t. Cs wird festgestellt, daß trotzdem keine neue Vernehmung des Angell gt en stattgefunden hat. Der Angellagte Meyer war feit 1922 in der Zentrale tätig, zunächst in der Expedition, dann in der Waffenabteilung. Er fuhr nach Hamburg, um von dort zuerst 32 und dann vier Kisten mit Waffen und Munition nach Berlin zu verladen, und zwar als Stahlwaren. Wo die Waffen herkamen, will er nicht wissen. Wie der Vorsitzende erllärt, stammten sie aus Thü­ringen und sollten zunächst beim Hamburger Putsch und nach dessen Scheitern in Berlin Ver­wendung finden. Der Angetlagte sagt weiter aus, daß der Angeklagte Kuhls, der fein ständiger Verbindungsmann gewesen fein soll, lediglich gelegentlich Botendienste verrichtete und nicht eingeweiht war. Auf Vorhalt des Vorsitzenden, dah sie regelmäßig zusammen in der russischen Handelsmisfion gescsen hätten, erllärte der Angellagte, daß dort eine Kantine gewesen sei, wo neben zahlreichen deutschen Angestellten der Handelsmission auch Außenstehende sowie Angestellte der Viktoria- Versicherung sahen. Gr bestreitet, an der Unter­bringung der Waffenlager in Berlin beteiligt gewesen zu fein. Davon, dah Rausch erledigt werden sollte, habe er nichts gewuht. Die Par­tei erkenne den individuellen Terror als Kampf­mittel nicht an. Er selbst würde, wenn die Partei sich dem individuellen Terror zuwenden sollte, automatisch aus derselben auischeiden. Reumann erwidert, dah der Inoividualterror, ebenso wie die Partisan- und die militärischen Organisatio­nen zu den illegalen Kampfmitteln der Partei gehöre, die im kommunistischen Programm nicht festgelegt seien. Die politiiche Leitung sei mit der Bildung seiner Gruppe ein­verstanden gewesen und habe sie unter­stützt. Meyer sagte weiter, er habe nicht ge­wuht, dah Rausch von Reumann erschoßen wor­den war. Reumann gibt auch zu, dah ferne frühere darauf bezügliche Aussage nur eine Schlußfolgerung war.

Der Angeklagte Kuhls erllärte. für Meyer lediglich Gänge besorgt zu haben. Dieser habe ihn niemals üoer seine Tät giert aufgeklärt, sondern lediglich gesagt, es handle sich Darum, die Verbindung innerhalb der Partei aufrecht» zuerhalten, um ihren Verfall zu verhüten.

Der Angellagte H a l l ü p, der von Beruf Mechaniker ist, ist feit einigen Jahren literarisch tätig. Er gründete eine proletarische Spielgemeinschaft mit einem Bureau in seiner Wohnung und schrieb für diese Stücke. Davon, daß in feiner Wohnung auch das Bu­reau des Zentralrevolutionskomitees gewesen sei. will der Angellagte nichts wissen. Das Paket mit belastenden Schriftstücken, das in seinem Schlafzimmer versteckt aufgefunden wurde, erllärt der Angellagte nicht zu kennen. Es handle sich um einen Schurkenstreich gegen ihn. Die Papiere feien durch Lockspitzel in seine Wohnung geschafft worden.

Reumann erklärt dazu, er habe die Räume ausdrücklich für Parteizwecke gemietet. Es sei aver möglich, daß Hallup über die Art der Tätigkeit nich. unterrichtet war.

Der Angeklagte I n t o r f 'hat im Herbst 1923 einige Male Kurierdienste für die Partei ausgeüot. Später stellle er seine Wohnung für einen Herrn Hans und einen zweiten Herrn Hellmuth zu Besprechungen zur Der.üguag. Dann wohnte Margies bei ihm. Heber d e Art der Besprechungen erklärt er, nichts zu wissen, was Reumann bestätigt.

Länder und Zinanzaurgleich.

Die Bedenke»

des preußischen Ainanznrinifters.

Berlin, 27. Febr (Wolff.) Die Vertreter der im Steuerausschuß des Reichs­rats vertretenen Länder hacken sich gestern im preußischen Finanzministerium zu einer Be­sprechung zusammengefunden. Im Laufe der Be­ratungen führte der preußische Finanzminister Dr. Hopker-Aschofs, dem Preußischen Pressedienst zufolge, u. a. aus: Die Länder sind bereit, die Lage aller Wirtschaftstreise zu berück­sichtigen, die Verwirklichung der Pläne des Rei­ches würde indessen die Länber bei dem Ausbau ihrer Steuern zu Wegen zwingen, die für die Wirtschaft außerordentlich gefähr- l i ch sind. Die Berechnungen des Reiches, dah die heutigen Ausgaben der Länder und Gemein­den die Friedenssätze um 45 bzw. 50 Prozent übersteigen, beruhen auf unzulänglichen Grundlagen: die unabweis'.ichen Bedürfnisse sind höher. Die Länder und Gemeinden erhalten für 1924 von den Einkommen- und Körperschafts­steuern 93 Prozent, von der Umsatzsteuer 23 Pro­zent, zusammen sind dies etwa 2740 Millionen. Für 1925 will das Reich den Ländern und Ge­meinden von den Einkommen- und Körperschafts­steuern nur 75 Prozent und von der Umsatz­steuer 30 Prozent, zusammen etwa 1950 Millionen zuweisen.

Die Lander würden dadurch gezwungen werden, die R e a l st e u e r n in einer We se anzuspannen, dah sie von der Wirtschast gar nicht getragen werden könnten. Dabei ist noch nicht berück­sichtigt, daß u. a. die Kosten der Schutzpolizei von 190 auf 100 M llionen heiabgefetzt und die Grunderwerbssteuer von vier auf drei

Prozent ermähigt werden soll.

Das Reich verweist die Länder auf die HauS- z i n s st e u e r. Der Finanzminister führte im einzelnen aus, daß auch die Hausftnssteuer nicht genügen könne, die Bedürfnisse der Länder zu decken und fährt dann fort: Die Länder und Gemeinden können sich nicht auf eine Steuer ver­weisen lassen, deren Durchführung auf die Dauer noch ungewiß ist. Die Länder müssen vöm Reiche verlangen, ihnen unverzüglich einen Ent­wurf für die ilebergangörege lung vor­zulegen, da es unmöglich erscheint, den end­gültig m Finanzausgleich noch rechtzeitig vor dem 31. März zustande zu bringen.

Die Ausführungen des preußischen Finanz­ministers sanden bei den Vertretern der Länder einmütige Zustimmung. Es wurde be­schlossen, den preußischen Finan;minister zu beauf­tragen, feine Ausführungen namens der vertre­tenen Länder im Reichsratsausschuß zu wiederholen. In der Aussprache über die ein­zelnen Gesetzentwürfe wurde als einmütige Auf­fassung hervorgehoben, daß die Belastung der öffentlichen Betriebe der Gemeinden mit der Körperschafts- und Umsatzsteuer unan­nehmbar sei.

Die preußische Krisis.

Berlin, 27. Febr. (TU.) Der preußische Ministerpräsident Dr. Marx ist sich dahin schlüssig geworden, eine R e u w a h l als preu­ßischer Ministerpräsident nur dann anzunehmen, wenn Gewißheit besteht, daß diesmal daS von ihm zu bildende Kabinett ein Vertrauens­votum erhält. Da diese Frage dis zum nächsten M'ttwoch aber kaum geklärt sein dürste, strebt M.nisterpräsident Marx eine Verschiebung des neuen WahlterminS an.

Der Beamtenabbau in Preuhen.

Berlin, 28. Febr. (TU.) 3m Haupt - ausfchuß des preußischen Landtags gab Mi­nisterialrat Zimmer vom preußischen Finanz­ministerium Aufschluß über d i e Reichsno­velle zur Personalabbauverordnung. Der Aus­schuß beriet dann Anträge der Deutschnationalen Dolkspartei, der Deutschen Volkspartei und der Sozialdemokraten auf Aufhebung bzw. Aende- rung der Persontlabbauverordn n" Die Regie­rung erllärte, dah die preußi che Staats­verwaltung noch immer eines weite­ren Abbaus bedürfe. Angen mmen tour' e ein sozialdemokratischer Antrag, wonach ein Ab­bau auch bei den Wahlbeamten unter den Voraussetzungen des § 21 zulässig und in den Fällen, in denen Wahlbeamte im Gegensatz da­zu abgebiut worden sind, eine neue Entscheidung herbeizuführen ist. Angen mmen wurde ferner ein sozialdemokratischer Antrag, sofort jeden weiteren Abbau aus Grund der Person I» abbauDerorönung einzu st elfen i die dazu erforderliche Gesetzesvorl'ge beschleunigt vorzu­legen, dazu ein vollsparteilicher Antrag, daß die Aufhebung der Anstellungs - und Befördernnassperre im Reich gleichzeittg auch In Preußen zu erfolgen hat.

Baden

und die Aufwertunysfraye.

Karlsruhe. 27. Febr. (WTD.) Der Land­tag beschäftigte sich mit der Aufwertungsfrage unb nahm dazu mit allen Stimmen bei Stimm­enthaltung zweier Kommunisten eine Reihe von

Richtlinien für die alsbaldige Aenderung derdrittenSteuernotverordnung an. Darin wird u. a. eine angemessene Erhöhung bcS Huridrrsatzes von 15 Proz., die Verpflichtung zur Aufwertung von Sparkassenein­lagen nach Maßgabe der Wirtschaftslage der verbürgenden Gemeinden, ein wenn auch nur beschränkter Zinsendien st bei öffent­lichen Anleihen, die Besteuerung bei Jnflationsgewinne und eine nach bem Grundsatz der Auswertung bemessene Entschä­digung der Auslanddedschen unb Vertriebenen gefordert.

Kleine politische Nachrichten.

Der neuernannte deutsche Botschafter in Washington. Frhr. von Malhan, ist mit feiner Familie auf dem HapagdampferAlbert Dallin" nach Reuyork abgefahren.

Geh. Kommerzienrat Dr. h. c. Ernst v. Bor» sig wurde als Rach olger Dr. Sorges zum Vor­sitzenden der Vereinigung der deutschen Arbeit­geberverbände gewählt.

Zum Ersten geistlichen Vizepräsidenten deS evangelischen Oberkirchenrats in Preußen ist der Geheime Oberkonftstdrialrat Dr. Conrad gewählt worder

Die deutsche Kriegslastenkommission in Paris übergab der Reparationskommission eine Rote mit dem Antrag festzustellen, daß die rumänischen Forderungen, die in der letzten Zeit zu Meinungsverschiedenheiten zwi­schen Deutschland und Rumänien geiührt haben, auf Grund des Sachverständigengutachtens aus denSatoe.annuitäien abzudecken sind, wenn und soweit Deutschland geha.ten fein sollte, die For­derungen zu befriedigen.

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Rach einer Dlättermeldung kam es in bem rumänischen Ort Lugos bei der ersten Vor­führung des Ribelungenfilms zu deutschfeindlichen Demonst ativnen, die von dem Dire.tor der staatlichen Lehrer» präparandenanstalt inszeniert worden waren. Erst nach dem Eingreifen der Behörden konnte die Vorführung zu Ende geführt werden.

Wegen der fristlosen Entlassung zweier Kan» nenwäscherinnen wurde in einer Betriebsver­sammlung der Meierei Dolle, die etwa ein Viertel der Berliner Bevölkerung mit Milch ver­sorgt, für heute der Streik beschlossen. BereitS in den gestrigen Abendstunden wurden Streik­posten aufgestellt. Eine längere Dauer des Streiks würde die Milchversorgung Berlin- aufs schwerste gefährden.

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Die Anama-Indianer im Gebiete von San Blas h iben sich wegen angeblicher Grausam­keiten und Uebergrisfe der Beamten von Panama empört. Wie berichtet wird, erschlugen die Auf­ständischen über-20 Personen, darunter den Reffen des Gouverneurs von San Blas. Die Indianer verkündeten ihre Unabhängigkeit unb for­derten die Vereinigten Staaten auf, die Schutz- Herrschaft über sie zu übernehmen. Der ameri­kanische KreuzerCleveland" ist nach dem Schau­platz des Aufstandes ausgelaufen.

Aus aller Welt.

Deutschlands

erftrS (YrostvcrkeßrS-^luqzenq.

Der neue Typ der Junkers-Ganz- metall-Flugzeuge für die Beförderung von zehn Passagieren ist von der Ga- ranllekommi'sion der Entente freigegeben worden. Man wartet nur noch aus die Erledi­gung der innerdeutschen Formalitäten, um den Dienst im Rahmen der Transeuropa­union auf den deutschen Luftlinien aufzu­nehmen. Die Maschine soll zunächst auf der Strecke Zürich Wänchen Dürnberg Frankfurt oder LeipzigBerlin ein­gesetzt werden.

Schwere Sturmschaden in England.

Der Sturm, der an den vier letzten Tagen an der britischen Küste herrschte, wurde wieder stärker und verursachte bedeutende Schäden, namentlich im Kanal, wo er von einer sehr hohen Flut begleitet war. Mehrere Wellen­brecher wurden stark beschädigt. Die Schiffahrt hacke viel zu leiden: zwei Menschenleben sind zu beflogen. Sin Opfer, ein neunjähriger Knabe, wurde von einer Welle ersaht unb in die See gezogen. Ein junger Mann, der sich, um ihn zu retten, ins Wasser stürzte, ertrank eben» falls. Der zwischen Penzance unb den Scilly» Jnscln verkehrende Passagier- und Postdampfer muhte nach Penzance zurückkehren, wo er in beschädigtem Zustand eintraf. DaS Kabel zwi­schen Penzance und den ScUly-Inssln ist ge­rissen, bei Porthleven, einem Fischerdorf an der Mountsbucht in Cornwall, spülte eine Spring­flut die User fort Der Deich unb ble Ufer­st r a h e wurden auf eine Strecke von mehr als hundert Fuß toeggefegt unb die Fundamente der Häuser beschädigt. An verschie­denen Punkten der Südküste wurden Grd- unb Felsen stürze beobachtet.

Blutige Familientragöbie.

Der Reisende Deck erschoß noch einem vor» aufgegangenen Streit seine Frau unb ver­wundete seine beiden 4- und 6jährigen Kinder schwer. Rach dieser Tat jagte sich Beck eine Kugel ins Herz, so dah er sofort tot war. Eines der beiden Kinder ist kurz nach der Ein­lieferung In das Klnderfpital seinen Verletzungen erlegen. Auch das zweite Kind dürfte kaum mit dem Leben davonkommen.

Anterfchlagungeu in Breslau

Die gestrige Sitzung des Breslaues Stadtparlamenis beschäftigte sich mit den Unter­schlagungen des S tadtinspektors Mayer. Rach einer Erklärung des Stadtkäm» mercrs haben die Fälschungen Mayers bereits 1920 begonnen. Der ungetreue D amte fälschte nicht weniger als 320 Kassenbelege. Der Gesamt­betrag der Unterschlagungen bei der Sladthaupt- kasse beläuft sich auf etwa 500 000 Mark. GS wurde ferner mitgeteilt, daß ungefähr s/4 aller Angestellten der Stadthauptkasse sich von Mayer Geld glliehen hatten. Daraus dürfte zu erklären fein, daß niemand von seinen engeren Kollegen den Magistrat auf den verschwenderischen Lebens­wandel Mayers aufmerksam gemadjt hatte.

Die Ivogün verläßt München.

Bon her Generaldirektion des bayerischen Staatstheaters wirb mitge.eilt, dah QHaria Ivoaün , Karl Erb und Gabriele E n s l e r t h.