Ausgabe 
28.2.1925
 
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Samstag, 28. Februar 1925

(75. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnlck vnd Verlag: vrühl'jche UnioersitStr-vuch- und Steinöruderd R. Lange in Stehen. §chriftleitung und Selchäftrttelle: Zchul'trahe 7.

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Frankf-N a. M. 11686.

Reichspräsident Ebert t.

Berlin, 28. Februar. (Wolff Funkspruch.) Der Reichspräsident ist heute vormittag 10.15 Uhr, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, sanft entschlafen. Am Sterbelager befanden sich seine Gattin, seine beiden Töchter, sein Sohn und der Schwiegersohn Dr. Jaenicke, sowie Staatssekretär Dr. Meißner.

Wenige Monate vor Ablauf feiner Amts- perivde reiht ein tra-ifcheS Geschick den ersten Präsidenten brt Deutschen Reiches in der Doll­kraft seine« Leben« au- der Dahn. Mil rauher Hand greift so der Tob menschlichen Entschei- dungen vor und beraubt da« politifche Leben de« neuen Deutschland einer seiner stärksten Persönlichkeiten. In seiner Antrittsrede vor der Rationalversarnmlung in Weimar erklärte Friedr. Ebert:

Ich will al - 'Beauftragter deS gan­zen deutschen DolkeS handeln, nicht als Dormann einer einzigen Partei. Ich bekenne aber auch, dah Ich ein Sohn des Arbei­ter stände« bin, ausgewachsen in der Gedan- tentoeh des Sozialismus, und dah ich weder meine Herkunst noch meine Ueberzeugung jemals zu verleugnen gesonnen bin.

Wenn e« ihm auch nicht immer gelungen ist, sich von den parteipolitischen Dindungen frei­zuhalten sch->n die "Versuche dazu führten die sozialdemokratische Partei in heftige Opposition zu dem Manne ihres Der traue ns so wird auch der politische Gegner ihm gerne zugesteben, dah er nach Kräften dahin strebte, sein Höhe- Amt als "Beauftragter des ganzen Volkes zu führet«.

Damals in "Weimar lag die Entscheidung zwi­schen Scheidemann und Ebert. Dah sie für Ebert ausfiel, war eine der letzten Beweise politische Dersiändnisses. die die Sozialdemokratie seit der Revolution für die staatspolitischen Rotwendig­keiten erbracht hat. Ebert war unstreitig der Bedeutendere von beiden und wohl der letzte große Führer der deutschen Sozialdemokratie nach Bebels Tode.

Sin Schuhmachersfohn, ehr gelernter Sattler, ist er früh mit dem Marxismus in Berührung getreten und hat auch mit der Strenge des Sozialistengesetzes Bekanntschaft gemacht. In Bremen wird er ansässig, kommt in den Bürger­rat. Bebel wird aus ihn aufmerffam. holt ihn in den Parteivorstand, läßt Ihn in den Reichstag wählen und arbeitet mit allen Kräften daran. Ebnl zu seinem Rachfolger zu machen. In diesem Fall besah Bebel Menschenkenntnis, Ebert hat fein Dertrauen nicht betrogen, er war von den Sozialdemokraten Immer einer der Rationalsten. Er hat den Kampsgegen Haafe siegreich durch­gefochten, hat die Absplitterung der Unabhängi­gen geschehen lassen, weil er sich von seiner Linie der Land ^Verteidigung nicht abbringen lassen wollte. Richt mnsvnst hat er zwei seiner Sohne auf dem Felde der Ehre verloren.

So war eS aus der Psyche des Prinzen von Baden heraus das Selbstverständliche, dah er am Tage der Revolution Herrn Ebert dem Kaiser als Reichskanzler empfahl. Aber die Ereignisse gingen rascher, dies Amt hat Ebert nie ange­treten. der Soldatenrat mochte einen Strich durch die Rechnung, als .DolkSbeauftragter" wurde er aber doch das ungekrönte Haupt der Revolutions- reaierung und am 11. Februar 1919 mit 277 von 379 Stimmen wenige Tage nach seinem -iS. Ge­burtstage zum provisorischen Reichspräsiden­ten gewählt.

Dom Hl-gnllcben Standpunkt hat seine Amtsführung oft Gelegenheit zur Kri ik gege­ben. aber da- soll nicht hindern, auf der an­deren Seite anjuerfvnncn. dah die Schwierig­keiten. denen er sich gvgcnübevfab, oft genug unüberwindlich waren. Redmt alle« nur in allem, hat er es taktvoll verstanden, sich in seine Stel­lung hineinzuleben und die ersten Ansätze einer Präsidententradition zu schaffen. Und deshalb senkt sich an seinem Sarge achtungsvoll auch dieFahne derjenigen, die ihn oft genug be­kämpfen muhten.

Der letzte ttrankheitsbericht.

Berlin, 28. 5ebr. (00X03. Funkspruch.s Die den Herrn Reichspräsidenten behandelnden Aerzle gaben heute morgen 9 Ahr folgenden Krankheitsbericht aus:Heute morgen gegen fünf Ahr machte bte Bauchfellentzündung plötzlich Fortschritte. Der Kräftezostand deS Reichs­präsidenten nahm schnell ab. Zur Zett schläft der Reichspräsident. Die behandelnden Aerzte halten seinen Zustand für hoffnungslos."

3m Laufe de« Tages Hefen von vielen Sei­fen In grober Zahl Teilnahmskundge- b u n g e n für den Reichspräsidenten ein. Der französische Dttschllter Margerie sprach per­sönlich dem Staatssekretär Dr. M e i h n e r die Wünsche des Präsidenten der Republik, des Mi­mst erpräsidenten und der französischen Regierung für die b-l ige Wiederherstellung des Reich p ä- fidenten aus. Der italienische Bitschifter Graf Dosdari, der dänische Gesandte Kammerherr Zohle. der portugiesische Geschäftsträger de R a S c i m e n to und der Geschäftsträger von Kolumbien ©errano Blanko stattetm Besuche .ab. Don dem hier weilenden portugiesischen Ge­sandten da "Beige Simoes und dem Gene- raEonfuI von Honduras gingen Telegramme

ein. Die Oberbürgermeister von Berlin und Heidelberg übermittelten die besten Wünsche dieser Städte für baldige Besserung und Ge­sundung.

Hriedrich Eberts Lebensgang.

Friedrich Ebert ist am 4. Februar 1871 in Heidelberg geboren. Er besuchte die Dolks- schule in Heidelberg und erlernte dann das Satt­lerhandwerk. Rach der Lehre machte er die übliche Handwerksburschenzeit durch, wanderte durch Süd- und Rorddeulfchland und kam auch nach Bre­men. Als Zeichen einer gewissen politischen Frühreife darf die Tatsache angesehen werden, dah er bereits 1892 eine Redakteurstelle an der sozialdemokratischen ,"Bremer Bürger- a e 1t u n g" einnehmen konnte Eberl ist bis zu seinem Eintritt in den Parteivorstand 1905 in Bremen geblieben. Rach seinem Ausscheiden aus der"Bremer Bürgerzeitung" betrieb er kurze Zeit eine Gastwirtschaft und übernahm dann das Bremer Arbeitersekretariat. 1900 wurde er in die "Bremer Bürgerschaft ge­wählt; er war hier der anerkannte und auch von den politischen Gegnern hochgeschätzte Wortführer der Sozialdemokratie. Später wurde er auch Mit­glied des Dürgeramtes.

3m Iahre 1905 wurde die Zahl der Sekre­täre im Dorstand der Sozialdemokratischen Partei

vermehrt, und der 1913 in Jena stattfindende Parteitag wählte auf diesen Posten Ebert, der im Iahre vorher dem Parteitag neben Singer präsidiert hatte. Rach Singers Tode kam Ebert bereits als Vorsitzender der Par­tei in Frage; er lehnte indessen ab. Die große Mehrheit des Parteitages vereinigte sich dann auf den Königsberger Rechtsanwalt und Reichs­tagsabgeordneten Haase, der an Singers Stelle gewählt wurde. Rachdem nun aber 1913 auch die andere Stelle des Parteivorlihenden durch Be­bels Tod frei geworden war berief der sozial­demokratische Parteitag von 1913 Ebert doch in das Dorsitzendenamt.

Zum Reichstag kandidierte Ebert früher im 18 hannoverschen Wahlkreis und 1912 in Elberfeld-Barmen, welchen svreis bis zur Auf­lösung 1906 der Abgeordnete Molkenbuhr Der- trat. "Bei den Wahlen 1907 ging der Kreis ver­loren, er wurde bei den letzten Wahlen von Eben für die Sozialdemokratie zurückerobert.

Unter der Relchskanzlerfchaft des Prinzen Max von Baden trat er in das Ministerium ein. Am 9. Rovember 1918 stellte er sich neben Scheidemann an die Spitze der Revolution. In der Rationalversammlung vom 11. Februar 1919 wurde er zum Reichspräsidenten gewählt und später von dem neuen Reichstag in diesem Amt bestätigt.

Das Handelsprovisorium mit Frankreich.

Am 12. Oktober kam zwischen der deutschen und der französischen Handelsdelegation eine Uebereinfunft zustande, nach der Frankreich sich grundsätzlich für die Gewährung der Meistbegünstigung de facto auSsprach. Die Pariser Regierung jedoch verlieh diesen Grundsatz der Wirtschaftsverhandlungen sehr bald

näher fest zulegen sind. Hinsichtlich des endgültigen Handelsvertrags wurde lediglich die Zusicherung erteilt, daß die Frage der elsah- lothringischen Kontingente Gegenstand von Er­frierungen bilden.

wieder, so daß eigentlich von Weihnachten biS jetzt in bet Hauptsache um die Anerkennung des Prinzips der Meistbegünstigung durch Frankreich gerungen wurde. Jetzt ist es-der deutschen Taktik gelungen, Frankreich zu diesem Prinzip zurück- a u f ü b r e n und d i e Basis für eine Der» ständigung über einen vorläufige n und im Anschluß daran über den endgültigen Handelsvertrag zu finden. Da in den letzten Wochen alle jenen Warengruppen durch- gefprochen wurden, für die sowohl Frankreich als auch Deutschland Meistbegünstigung ver­langen, erscheint es nicht ausgeschlossen, daß das Provisorium unmittelbar vor seiner Unterzeich- nung steht. Allerdings muß festgestellt werden, daß die Schwierigkeiten noch keineswegs restlos aus dem Wege geräumt worden sind; über verschieden« Zollfragen ist man sich noch nicht ganz einig, bei der bekannten Hart­näckigkeit der Franzosen muß man wohl mit der Möglichkeit rech^-en, daß eines Tages die Der- banblungcn wieder auf einen toten Punkt an- langen und daß es neuer Anstrengungen bedürfen wird, um den Handelsvertrag schließlich doch noch unter Dach und Fach zu bringen.

Der Inhalt des Provisoriums.

Paris, 28. Febr. (TA.)Information" glaubt In der Lage ju fein, den Inhalt des französischen Provisoriums genau wiedergeben zu können. Danach räumt Deutschland Frank­reich folgende Dergünstigungen ein:

1. die Meistbegünstigung für den grö'ten Teil seiner Aus uhra't kel, mit Ausnahme bt* stimirt-r numerischer Kontingente;

2. die Zollermäßigung für eine Reihe näßer angegebener Erzeugnisse, über die jedoch noch keine vollständige Einigung zustande gekom­men ist;

3. Aushebung von Schutzzöllen für andere Waren-,

4. Dorzugsb'han^lung gewisser Elsaß-Lothrin­ger Kontingente.

Deutschland wird während der Dauer des modus vivendi die Zusage deS Mindest- tarifs für eine Reihe von Ausfuhrartikeln und deS Zwischentarifs für andere Artikel er» halten Was den endgültigen Handelsvertrag ondelangt, fo wird Deu.sch'and die Meist­begünstigung erba ten. Es sind jedoch ge­wisse Ausnahmen vorgesehen, die zu einem be­stimmten, im voraus sestge'etz en Ze tpuntt fort» fallen sollen. Auf diese Weise we-den gewisse Industriezweige wahrend eines Ze traums von einem bis zwei Jahren geschützt und erst in der Folge den Bestimmungen des endgültigen Vertrages angevaßt. Frankreich wird im Aus­tausch diese Meistbegünstigung erßal'en. ferner Tarifermäßigungen sowie andere Dvr- teile und schtießlich auch, wenn keine dritte Kla-'t E n'pruch erhebt, die D^rzugsbehand» lung elsa^-lothringischer Droduk'e.

Wie der Bert e er der_ e egraph:nu ion von d^n zuständigen Stellen erfährt, ist die Darstel­lung derInformation" in einzelnen Punkten nicht zutreffend. Was die Frage der elsah- lothringi'chen Warenkoatingente anbe'angt, so würde Frankreich eine Ausnahmebehandlung unter Bedingungen zugesichert, die jedoch noch

Die Kontrollfrage.

London. 27. Febr. (WB.) Der Bericht der Kontrollkommission wird denD otschafter- r a t möglict-erweise in der nächsten Woche zu- gehen. Freilich sei des noch nicht sicher. Ebenso fei es unbestimmt, ob die Beratungen der Al­liierten auf einer Konferenz oder durch h:e Vermittlung der Dotschaf er erfolgen werde. Mel­dungen über Meinungs.-erfchicbenb.iten wegen der Machtbefugnisse des Dersailler Kornitres sind unrichtig. Das Komitee sei nicht be ug . Be­dingungen zu formulieren, außer wenn eS hierzu später von den alliierten "^g erungen aufgefordert werden sollte. Ob E h a m b c r - Iain auf der Reise nach Genf Paris besuchen werde, sei noch unsicher. Don keiner Seite sei jemals vorgeschlagen worden, die Deutschen soll­ten den Bericht der alliierten Komm sfion erör­tern. Tatsächlich sei auch von Deutschland n i e- ma 1 s ein Ersu chen i n dieser Rich­tung gestellt worden. ES könne jedoch als sicher angenommen werden, daß

Bemerkungen in der Beantwortung der alliierten Dote in Empfang genommen werden würden. Die Rote selbst werbe schleunigst fertig- gestellt werden, sobald der Bericht der Militär­kontrollkommission v.-n den alliierten Regierun­gen vollständig geprüft worden sei. Der Pariser Berichtersta t r des ..Matche^ e GuardianS" weist aut die Gefahr hin, dah versucht werden könnte, Deutschland unmögliche Forderungen zu stellen, um die Aufrechterhaltung der Besetzung der Kölner Zone zu rechtfertigen, bis die bri­tische Regierung eine Ent cheidunz in der Frage des Genfer Protokolls gefallt habe. Das Blatt bedauert, dah die britische Regierung sich an­scheinend bis jetzt noch nicht von diesem Druck befreit, noch Frankreich einen klaren Dorschlag gemacht habe.

In Regierungskreisen verlautet, dah der französisch-engli'che Meinungsaustausch in der Sicherheitsfrage fortschreitet. England werde einen Dertrag nur unter der Doraus- sehung unterzeichnen, dah sich Frankreich rück­haltlos an der von Evolidge vorgeschlagenen Abrüstungskonferenz beteiligt.

England fordert von Frankreich die Beschrän­kung deS Unterseeboot- und Flug­zeugbaus und der Flottenrüstnngen, womit sich Frankreich nicht einverstanden er­klären will.

Man nimmt jedoch an, dah es England gelingen werde, seine Forderungen durch gewisse Zu­geständnisse in b:r Sicherhllts'ra^e g g.n Deutsch­land durchzusehen.

Der Berichterstatter des .LokalanzeigerS" in Paris hatte Gelegenheit, eine sehr mahgebende französische Persönlichkeit über die Sicherhoits- frage zu befragen. Der Gewährsmann erklärte ihm: Frankreich Lgt auf die R geluni der Sicher­heitsfrage schon allein aus dem Grunde den allergrößten Wert, weil es darauf bestehen muh, dah die Grenzen Polens unbedingt so gewahrt werden, wie es im Dersailler Dertrag vorgeschrieben ist. Frankreich betont diese Garantie Polen gegenüber so stark, um dadurch vornehmlich eine Annäherung di ses Staates an die Kleine Entente zu fbrbcm. Die Memelfrage spielt dabei auch eine große "Rolle,

Unsere Toten.

Don Dr. Otto Everling.

Ein halbe- Jahrzehnt ging unter deutsche- Doll durch ein Meer von Blut und Tränen. Wir haben einen der furchtbarsten Kriege der Weltgeschichte erlebt, den. wie unter Doll am 1. August 1914 instinktiv fühlte und wie das nüch­terne Studium der veröffentlichten Akten von Tag zu Tag bestätigt, und französische Rach- sucht, russischer Machttrieb und englischer Ge­schäftsneid aufdrängte. Die Blüte der deutschen Mannheit, zwei Millionen deutscher Söhne, führte der Kampf fürs Daterland In frühe Todesnacht W i r gedenken der Toten! Die Glocken Hingen von Turm au Turm durch- weite deutsche Land. Und überall wohnen Müt­ter, in deren Herzen es immer wieder mit un­faßbarem Schmerze klingt: Mein Junge, mein lieber, blondeG Junge I Ueberall weilen Frauen, die mit Sehnsucht ein fernes Grab suchen. daS ihre Lebenshoffnung umschließt. Es gibt nie­mand unter uns, der nicht mit heißem Schmerz und tiefer Wehmut irgendeinen Toten grüßt, der allzu früh und fern der Heimat fein Leben für unS gelassen.

Da sei dann euch, ihr treuen Toten, der Brüder ernster Schwur entboten, zorn'ge Tränen rinnen drein, nimmer soll, daS ihr vergossen, euer Blut umsonst geflossen, nimmer soll- vergessen sein."

Jeder Dollstrauertag muß ein Weihetag werden, an dem wir uns innerlich rüsten, eine Wende des deutschen Schicksals und einen Deut­schen Tag herbeizuführen, da der Donnenglanz der Freiheit Deutschlands schmachvoll dunlle Knechtschaft wieder bannt.

Wie mit einem Faustschlag hat man unferm leichtfertig und listig entwaffneten Boll am deut­schen Rheinstrom erst kürzlich wieder bewiesen, daß wir immer noch wehrlos der Willkür preis­gegeben sind, daß Recht und Gerechtigkeit, für die unsere Gefallenen gekämpft und geblutet haben, auch jetzt noch mit Füßen getreten werden.

Wenn heut ein Geist Hern lederst iege, zugleich ein Sänger und ein Held", wenn heut einer aus der hochgesinnten Jung­mannschall, die vor einem Jahrzehnt in unbe­schreiblichem, tiefernstem Begeisterungssturm in den Kampf hinauszog, auS feinem Grade auf­stiege und durch die Lande ginge, was würde er sehen und sagen?

Unmittelbarer, ergreifender, mit berechtig­terem Zorn und mit erschreckteren Augen als wir würde er schauen, was aus dem stolzen großen Bismarckreich geworden ist! Wie ein Bannfluch liegt über dem Rheinland, über dem Osten, über dem ganzen Daterland, ja über Europa und der ganzen Erde das dämonische Dersailler Diktat. Das deutsche Dolk, dessen Stirn wund war von dem Lorbeer, den seine Wehrhastigkeit in vier Jahren unerhörter Hel. dentalen errungen, liegt geschlagen am Boden, durch den größten Weltbetrug der Geschichte entwaffnet, an seinen Grenzen zerstückelt, wirt­schaftlich gefährdet, politisch entrechtet, der Frei' heit und Souveränität beraubt.

Der unglückselige Kriegsausgang und die im entscheibenden Augenblick einsetzeide doppelt un­heilvolle Umwälzung haben eine große Beranr- rung der Deister und Gemüter uns gebracht, haben zeitweise aus unterem deutschen Doll einen Haufen uneiniger Menschen gemacht, so dah es bisweilen ist, als ob der Deutsche den Deutschen gar nicht mehr verstehe. Alle die schweren, stritti­gen Fragen deS menschlichen Gemeinschaftslebens wurden mit einer geradezu elementaren Wucht unter uns aufgeweckt, ja. aufgepeitscht Und immer noch fehlt es an Kraft und Klarheit, an Einsicht und Einheit der Gesinnung, diese Fragen zu lösen. Uns fehlt eine gemeinsame Beurtei­lung der Vergangenheit und darum auch eine ge­meinsame Rettung für die Zukunft Mehr denn je finden wir unter unS verschiedene De riffe von Gut und Döse, von Gerechttgkett und Liebe, von Dolk und Gemeinschaft, von Schicksal und Ge­schichte. von Menschheit und von Gott.

Eins soll unS zunächst helfen, die sehnsüchtige Trauertlage um unsere Toten, der tiefe Schmerz um Deutschlands Schicksal, der zugleich für die meisten und besten unter uns der tiefste Schmerz ihres Erdendaseins ist. Solches Leid muh unter uns den Willen zur Einigkeit, ^ur Ver­ständigung und Versöhnung der Stande und Stämme neu wecken und pslegsam fördern helfen, und mit ihm muß wieder erwachen der tapfere alte Sinn für Wehrhaftigkeit. Roch niemals konnte ein Dolk ohne Wehrhaftigkeit seine Eigen­art in_ der Geschichte behaupten. Dreifach gilt das für unser deutsches Dolk. das Herzvolk Europas mit den vielen ungeschützten Grenzen und den vielen ungezähmten Feinden. Auf dem Wege eines gemeinsamen Hanen Geschickes hat noch stets ein tüchtiges Dolk sich selbst wieder gefunden und in den verworrenen und ver­wirrenden Menschheitsgeschicken die Stunde er­lebt. die ihm mit dem wehrhaften Sinn der Bat er Rettung und Freiheit wreder schenkt.