i. 23 Erstes
*tdnt täglich, aufetc L xx. und Feiertags.
Beilagen:
4 tenerFomiliei, blätter tzetmat im Bild.
l2nat»'Sez^,prel,:
tlbmarfc u. 20 töold-
,nig für Tragerlohn, h bei 9lid)terjd)einen einzelnen Nummern >»g« höherer Gewalt, l »nfprech.'Anschlüste: ‘jatftleitung 112, Der cjUndDeschäftsstellebl. nßhrift für Drahtnach- feien: AnzeiaerOietze«.
poftfchecklonto:
itfurt a. M. 11686.
Statt
175. Jahrgang
Mittwoch, 23. Januar 1925
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
VniS vnd Verlag: VrLHI'sche Univernlätr-Vuch- und Steindruckerei R. Lanze in Sietzen. Zchriftleitung und Gefchäftrttelle: Zchulttratze 7.
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sämtlich m Gießen.
Die deutsche Antwort.
Die Voraussetzungen der Räumung erfüllt. — Deutschland besteht aus
SuauSsehung für eine fristgemäße Räumung kver nördlichen Rheinlandzvne nicht erfüllt
Berlin, 27.San, (WB) Die Antwort ReichSregierung auf die Äolkititmote in Räumungsfrage wurde heute Vorrnit- |j den alliierten Vertretern über- 1 (»en. Sic lautet:
Herr Botschafter! Sn der dem Reichskanzler 1 26. Sanuar überreichten Bote erklären die Tl irrten Regierungen, daß sie einstweilen nicht Ü Absicht haben, die Frage der Räumung der
-inlandzone mit der deutschen Regierung zu er . tem oder auf die Darlegungen der deutschen l c vom 6 Sanuar einzugehen. Sie ocr» fc leben die bereits In ihrer ersten Rote vom S. enuar angekündigle Mitteilung derjenigen B. r'tc, von deren Erledigung sie die Räumung Bt 3onc abhängig machen wollen, erneut Mf spätere Zeit, wobei sie ebenso wie fr)er die möglichste Beschleunigung »■er Mitteilung in Aussicht stellen. Sm übrt- Sn beschränken sie sich darauf, der deutschen
lierung die Verkennung der Trag- ac'ttc der Artikel 428 und 429 des Versailler 3 traget entgegen zu halten und die Bchauv- lh U zu wiederholen, daß Deutschland die in 6iren Artikeln vorgesehene
Erfüllung des Vertrags.
meint, trotz der Echnelliqkett kann der Reichskanzler auch nicht den Beweis erbringen, daß Deutschland abgerüstet habe. Die interalliierte Mililär-Kontroll-Kommission habe unwiderlegbare (!) Feststellungen gemacht, die durch ein einfaches Dementi nicht entkräf- t e t werden könnten. Die linksstehende Presse enthäll sich vorläufig jeden Kommentars zu der deutschen Rote. Der nationalistische „G a u l o i s", der sich in Uebertreibungen nicht genug tun kann, nennt die deutsche Rote einen neuen Schlag ins Gesicht der Alliierten. Reichskanzler Dr. Luther vertausche die Rollen und fordere von den verbündeten Regierungen, das) sie den Beweis der Verfehlungen erbrächten, um ihre sonstige Urteilsfähigkeit zu rechtfertigen.
England in her alliierten Front.
ß o n b o n . 27. San. 'Wolff.) Das Reutersche Bureau ist ermächtigt, die Rachricht. das; Großbritannien die Räumung der Kölner Zone erwäge, nachdrücklich zu dementieren. Hinsichtlich der Gerüchte über Verhandlungen
zwischen Deutschland und O r o fi Britannien in dieser Frage mutz erneut feftge- stellt werden, datz diese Frage nicht Groß- Britannien allein angc-ht, sondern eine interalliierte Angelegenheit ist. Die Britischen Truppen in dieser Jone sind dort nur als ein Teil der Be s a tzu n g s a r rne e. Die Deutschland überreichte üiotc macht es völlig klar, datz England hinsichtlich der Räumung der Kölner Zone n i d) 16 unternehmen werde, bis Deutschland die Bestimmungen des Versailler Vertrages erfüllt hat. Wcnn dies geschehen ist, wird die Räumung automatisch folgen.
Staatssekretär Trsndelenburg nach Berlin berufen.
Berlin, 28. San. ($. 11.) Aus der Sage«- orbnung der gestriaen Knbinettsfihung standen verschiedene Fragen über die schwebenden Handelsvertraqsverhandlungei' Das Äabinett beschloß, Slaatsselreiär Dr. Trendelenburg zur Berichter st atlun g nach Berlin zu berufen. ______________
Die Auswertung.
lebe. Die deutsche Regierung muh zu ihren; L auern feststellen, dah die Ausführungen der Maschen Rote vom 6. Sanuar den alliierten -Liierungen lediglich zu einer forma- hn Erwiderung Anlab gegeben haben, die Hills für Deutschland und für die europäische Trftänbigun so bedeutungsvolle Angelegenhmt in feiner Weise fordert. Die alliierten 5 1 Irrungen halten die deutsche Regierung, wie a.r> die Oefsentlichkeit noch immer in iln- !ci n t n l 6 über das Tatsachenmaterial, 1 dem sie den von ihnen schon vor mehre e n Wochen gefaxten Beschluh 6c» •ff, nben wollen. DaS deutsche Volk wird wieder- ur: einer R i ch t e r f ü l l u n g des Vertrages b huldigt, ohne dah ihm die Möglichkeit gc- iflren wurde, sich gegen diese Beschuldigung zu txr,.dblgen.
-i alliierte» Regierungen ziehen au« der ein- fdifcn Beurteilung de« Sachverhalts die schwer,- »rgcnbftcn folgen und lehnen e« in ihrer neuen Di« sogar bi« auf weiteres ausdrücklich ab, mit jtr deutschen Regierung in die Erörterung der
Angelegenhell einzutreten.
। t. deutsche Regierung vermag nicht zu ver» | l.bcn, inwiefern ihr Verkennung der $i (igtocite der Artikel 428 und 429 vor- e orfen werden könnte. Sie hat nicht Beitritten rj bestreitet nicht, dah diese Artikel die Räu- r.ng der Kölner Zone und nördlichen Rhcin- [rt^onc am 10. Sanuar 1925 von gewissen
rauSfchungcn abhängig machen. Sh re 5 h»iuptung geht vielmehr dahin, dah diese Vor- t.<lct)ungen erfüllt sind. Die Tatsache der dl igen Entwaffnung Deutschlands ist zu o f s e n- |mbig, als dah die alliierten Regierungen
Richteinhaltung deS vertragsmäßigen Räu- ki gstermins mit dem gegenwärtigen Stand der V infcfecn 2lbrüstung begründen könnten. Die alli- 4r|.(n Regierungen scheinen in ihrer Rote einen litt er f (biet) zwischen der Tragweite der Ar- PH 428 und 429 in dem Sinne machen zu wollen, die im Artikel 429 vorgesehene etappenweise •Jrxmung ,(re von ihrer Entscheidung abhängige Ben- eiri'tigung für Deutschland darstelle. Dies würde f-iv klaren Wortlaut de« Bertrags widersprechen, f<: feinen Zweifel darüber labt, datz die Be- ■jt imungen deS Artikels 429 nicht weniger chrrtragsrecht sind als diejenigen des Ar- . d?-18 428. ^Das gemeinsame Sntcr.'ffe an einer 'suchtbaren politischen Zusammenarbeit gestattet -y nicht, den gegenwärtigen Zustand, der das 'kh-cksal eines groben deutschen Gebietes und ‘feuer Bevölkerung im Ungewissen läbt. a u s •ui 5 c ft i m m t c Zeit zu verlängern. Die dusche Regierung erwartet deshalb, dah die • a L orten Regierungen die Mittellungen des aa- irg?lüntiigtcn Materials nunmehr alsbald steigen lasten und so eine Voraussetzung für id Verständigung und für die Beilegung des •gtfianöenen Konfliktes schaffen.
französische Pressestimmen zur Leutschen Antwort.
Paris, 28. San. (ZU.) Sic deu'sche Ant- ‘irrt auf die interalliierte Rote wurde gestern mdfmittag 6 Uhr telephonisch von B-'rkin nach ^aris übermittelt. Die Morgenblätter •ttDen, dah eine Antwort der Allii er- :|in daraus nicht erfolgen werde. Die frrtfefeung deS Rotenaustausches erübrige sich, bi die Alliierten in zwei Wochen an Hand tti Schluhb. richt es dn: K^ntrvlllommis i n eine leQt e zusarnmensasfendeRvte ahnenden d rden. R d ftion?Ile Aeuherunzen zum Schatt b: deutschen Rote liegen kaum vor. Der ,.M a * tin“ hebt hervor. Dr. Stresemann habe es bi einem versöhnlichen Protest bewen- bn lasten muffen. Sn der Schnellig feit br Beantwortung der interalliierten Rote sehe Dar einen Beweis dafür, dah das Kabinett Sutber auf dem Gebiete der Auhenpolitik rege 34tigleit entfalten werde. Der „TemPs"
Regierungserklärungen i
Berlin, 27. San. (Wolfs.) Sm Aufwer- tungsauösohuß dcs Reichstages nahm Reichs- j u st i z m i n i st e r F r e n f c n zur Aufwertungsfrage Stellung. Er Betonte zunächst, dah das Reichsgericht die Rechtsgültigkeit der dritten Steuernotverordnung ausdrücklich fest gestellt habe. Gleichwohl sei die Verordnung noch in neuerer Zeit vielfach als ungültig bezeichnet worden. Hierdurch und durch öffentliche Kundgebungen zum Teil angesehener Suriften seien in weiten Krellen des Volles Zweifel an der Rechtsgültigkeit der Auswertungsvorfchriften wachgerufen worden. Die weitere Entwicklung dieser Rechtsunsicherhell laste eine erhebliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung befürchten. Deshalb habe sich die Reichsregierung entschlosten, dem Reichspräsidenten zu empfehlen, durch eine auf Grund des Art. 48 der Reichsverfasfrmg zu erlassende Verordnung die dritte Steuernotverordnung und ihre Durch- führungsbcstimmungenn
auf eine neue Rechtsgrundlage
zu stellen. Die in der Öffentlichkeit hiergegen erhobenen Rcchtsbedenken teilte die Reichsregierung nicht. Auch das Reichsgericht habe entschieden, dah das Anwendungsgebiet des Art. 48 auch wirtschaftliche Mahnahmen zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit umfasse. Sm übrigen sei die Verordnung nur zur einstweiligen Regelung der Aufwertung bestimmt. Die Reichsregierung stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, dah eine endgültige Lösung nur im Wege der ordentlichen Gesetzgebung gesunden werden könne. E'me Regierrmgsvorlage zur Ergänzung der dritten Steuernotverordnung sei in Vorbereitung unö für möglichste Beschleunigung sei Sorge 8 2^eichsminister von SchlieBen betonte die Rvtwendigkeit einer cnigüPigen Re^e- hmg. die nicht ausschließl ch unter fiskalischen Gesichtspunkten erfolgen, sondern auch der sozialen Gerechtigkeit Genüge leisten müsse.
Ihre Grenzen finde diese Absicht an dem W"hl der Gesamtwirtscha^t, da« dem Interesse der einzelnen dorangehe.
Es sei eine Regelung notwendig, die unter allen Umständen vermeide, dah die Spekulation sich auf Kosten der schwer geschädigten Anleihe- Besitzer Bereichere.
Sm weiteren Verlauf der Sitzung kam Ne von mehreren Abgeordneten eingebrachte E n t s ch l letz ung nicht zur Abstimmung, da der A'-g. H e r g t (Dt.) eine Entfchll tzung einaobrach' hatte, deren zweite Punkt auf G -und einer Erstamng des Reick-sfinanzmi-istrrs nah ein<*r Wxhe den neuen Gesetzentwurf im Reißstag ;u behandeln, verlangt, die Verhandlungen des 2uc« wertungsaus!chustes um eine Woche z u vertagen. Dieser Antrag wu"d' angenommen. Die Vertreter der sozial^ennkrastschen und kommunistischen Partei im Austchutz» v r o t e st i e r- t e n gegen diese Abstimmung, ba nach ij'rer Meinung der Gang der Abstimmung g schä'ts- ordnungswidrig gewesen s i Sie erflä-ten, datz sie sich alles weitere Vorbehalten mühten und dah sie sich an der Abstimmung nicht Beteiligt hätten.
Die Ausführungen der Regierungsvertreter leer ■'n Zenanis ^nvon nb datz die Regieru"a Luther mit frischen Kräften daran gehen will, gern infam mit dem PMoment das Aufwertungsproblem zu lösen. Eine entsprechende Regierungsvorlage zur Ergänzung der 3 Steu^i—otvmrrdnung (st tm es ist
zu wünschen, dah sie mönllchst bald dem Reichstag zugeht, Bimit vermieden wird, dah durch ei i w i er-s Hinausschieben der Regelung dieser Angel'genhell die Spekulation sich von neuem der AufwertungSfrag« Bemäch-
n Aufwerlungsausschuh.
t i g t und vor allem jene Kreise schädigt, die während des Krieges ihre Spargroschen in Kriegs- und Reichsanleihe anlegten. Auch der neuen Reichsregierung wird es nicht gelingen, alle Besitzer öffentlicher Anleihen auch nur annähernd zu befriedigen, das verbietet sich von selbst durch unsere finanzielle Lage. Sie will aber doch, wie der Reichsfinanzminister unterstrich, die Bedürftigen bevorzugen und nichts unversucht lassen, um den alten vom neu erworbenen Anleihebesih zu trennen. Wieweit es bei- Regierung gelingen wird, auf dem Wege ver 2lnfj)ertung vorwärts zu kommen, hängt natürlich in erster Linie von den parlamentarischen Lage ab, bann aber auch von der Energie des Rcichsfinanzministers. Srnmerhrn darf erwartet werden, dah Dr. Luther, der doch selbst vom Fach ist. an dem von ihm gesteckten Ziel sesthattei' wird, um endlich einen Teil der auf die Auswertung gesetzten Hoffnungen zu erfüllen.
Zunahme der Arbeitslosigkeit.
Berlin. 27. San. (WTB.) Von Anfang Bis Mitte Sanuar 1925 hat die Zahl der Hauptunterstühungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge von 536 000 auf 583 000 d. h. um rund 9 Proz. zugenommen. Sm einzelnen hat sich die Zahl der männlichen HauptunterstützungScinp'änger von 494 000 auf 540 000, die der weiblichen von 41 000 auf 43 000 erhöht. Die auch diesmal noch erhebliche Zunahme erllärt sich insbesondere aus der Abnahme der Gelegenheitsarbeit und der Abschwächung der Konjunktur, wie sie für eine Reibe von VerBrauchsindu- st r i c n nach Weihnachten einzutreten pflegt. Auch erreicht im Sanuar erfahrungsgemäh der landwirtschaftliche Arbeitsmarkt feinen Tiefpunkt.
Das Zentrum und d!e preutzische Krifls. Berlin, 28. San. (Priv.-Tel.) Zur Frage der Regierungsbildung in Preuhen erklärt das Berliner Zentrumsorgan, die ,.Germani a“, d ih für das preuhische Zentrum allein die Sachlichkeit und die ftaatsbärgerliche Einste l "g mah- gebend bleiben. Der Artikel wendet s.ch gegen die Drohung mit einer Landtagsauflösung und erllärt, dah eine solche Lösung der Zentrumspartei nur angenehm sein könne. Das Zentrum werde sich nicht mürbe mrchen lassen, die Zentrumspartei in Preuhen werde das Experiment Luther, insb sondere nach der Aussprache mit den Parteivorsihenden im Lande nicht wiederholen.
Die politische Sc^ulungswoche in Darmstadt.
Darmstadt, 27. Sanuar. Der Deutsche Frauenausschuß zur B kampfung der Schuldlüge eröffnet seine zweite Schulungswoche, zu der zahlreiche Vertreterinnen aus allen Tellen Deutschlands erschienen waren, mit einer Begrüßungsansprache der Vorsitzenden Frau Clara Mende M. d. R Ferner hielten Begrüßungsansprachen Oberbürgermeister Dr. G i ä s s i n g - Darmstadt. Frau Staaisminister von Brentano im Romen der katholischen Frauenorganisationen. Frau Londtagsabgeord- nete HeräuS - Offenbach im Romen der Deutschnationalen VollSvar-ei. Frau Dr. Sertrub Wolf im Barnen deS Rsichsfrauenausschusfes u. a. Statt des verhinderten Professor 6o fern a n n • München, sprach Professor Dreher- Friedberg über Bedeutung und Behan d- lu n g der Kriegsschuldfrage Er wies u. a. daraus hin, daß nach der Veröffenllichuna der Akten über die deutsche auswärtige Polllll
auch das Ausland vielfach erkenne, d.ife 'Deutsch» land eine friedfertige Pottttk getrieben unb den Krieg nicht gewollt bat Unter den Allen sind: sich fein schriftlicher Beleg für Deutschlands KriegSabsichten.
Jur Negierungskrise in Hessen.
Von unserer Darmstädter Redaktion.
Die gegenwärtige Regierungskrise in Hessen ist im wesentlichen eine Folge der Landtags^ wählen. Am Montag hat die demokratische Fraktion deS Landtag« irach längerer Beratung eine Einschließung angenommen, worin die Partei eine Beteiligung, wre eine Begünstigung oder Duldung einer rechtsgerichteten RegierungS- foalition ablehnt und für eine Beibehaltung der bisherigen Regierungskvalr- t i o ix eintritt. Mit diesem Beschluß haben sich die Demokraten bat Beifall der Sozialdemokraten errungen; spricht doch bereit Presse von „Freude und Genugtuung" über diesen Beschluß und spendet den 'Demokraten folgendes S?ob: „Die Entschlossenheit der Demokraten erleichtert der Sozialdemokratie ihre schwere und mühselige Arbeit im Snteresse der Verwirklichung der Demokratie außerordentlich, unb das ist in einem Augenblick viel wert, wo mancher Ertolg von gestern heute fraglich zu werden droht."
Die itächste Frage ist nun. wie wtrd sich die Zukunft in Hessen gestalten? Di« Entscheidung hierüber lag zuerst beim Zentrum, von diesem wurde sie bei' Demokratie zu geschoben und mm liegt sie iq Häitden der Kom -- m u n i ft ctt. Die bisher geheim geführten Bet- ' '"-luvgen der Parteien, die zu keinem ab-
endon Ergebnis geführt haben, werden nun i öffentlichen Verfahren weichen, das am Donnerstag im Landtag abspie- Icn wird. Auf der Tagesordnung steht bekanntlich tnc Wahl des Staatspräsidenten, es verbirgt sich hinter dieser Angabe eben die Frage nach der Regie r un gs ko al iq t i d n Der Kampf uw den Posten des Staatspräsidenten ist von außen gesehen nichts anderes als ein (Streit uni die Persönlichkei- ten illrid; und Brentano.
Betrachtet man die Mehrheitsverhältnisse im Landtag, so ergibt sich, dafe eine Koalition von Parteien, um die Regierung erlangen zu können, über 36 Sitze verfügen mufe. Die Sozialdemokratie. die 26 Mandate hat. kann zusammen riü den 6 Mandaten der Demokratie nur 32 Sitze aufbringen; er ft mit Hilfe der 4 kommunistischen Abgeordneten könnte die Linke die Mehrheit von 36 Mandaten erlangen. Aber auch die Parteien« der Rechten Landtags können keine Mehrheit bilden. Das Zentrum stellt 11 Abgeordnete, der Hess. Bauernbund 9, die Deutsche Volkspartei 8. die Deutschnationalen 5 und die Ratio- nalsozialisten 1; insgesamt ergibt dies eine Stärke von 34 Mandaten, es fehlen also zwei an der Mehrheit.
Wenn am Donnerstag alle Abgeordneten anwesend sein fällten, so könnte nur, toenn ö ie Kommunisten mit den Sozialdemokraten und den Demokraten zusammengehen, eine Regierung gebildet werden. Sehr viel wahrscheinlicher ist, daß die Kommunisten sich derAb stimmungenthalten wcrd n; bann sind aber Sozialdemokraten und Demokraten nicht imstande, von sich aus eine Regierung zu bilden. Es ist anzunehmen, wenigstens nach den Presse- stimmen aus dem Zentrumslager, daß diese Partei alle Brücken zu den ölten Koalitionssreunben abgebrochen hat. Da aber auch die Rechtsparteien nicht befähigt sind, eine Regierung zu bilden, so bleibt als letzter Ausweg die Landtagsauflösung.
Bisher ist mit dem Gedanken der Reuwahlen vielfach nur gespielt ober gedroht worden, jetzt ist er jedoch sozusagen in greifbare Rähe gerückt Pressestimmen aus Kreisen des Zentrums und d:r Deutschnationalen haben bere tä die Landtagsauslösung gefordert, auch in Ärdfzn der Bauernbündler wird man R.üvahlon vielleicht nicht ungern sehen, um die Mandatsverluste wieder einzuholen.
Ausschreitungen in Berlin
Lchwcre Znsammcuftönc zwischen To^'nldcmorraten und Kommttn sten.
Berlin, 28. San. (211.) Rach einer großen sozialdemokratischen Kundgebung im Sportpalast, in der verschiedene so; akderno- kratische Abgeordnete gegen die Regierung Luther sprachen, tarn es in der ^Potsdamer Straße zu schweren Zusammenstößen zwischen den Sozialdemokraten und Kommunisten, Bei denen es aus bri)>n Seiten zahlreiche Verletzte gab. Starke Abteilungen der Schutzpolizei vermochten nach fast ein- stündiger Bemühung die Straße zu säubern und den völlig unterbundenen Verkehr wiederherzustellen.
Wir erfahren hierüber folgende EinzRhe'ten. Die Polizei hat von vornherein mit Unruhen gerechnet und in den Settenstraßen ’.n der Umgebung des Sportpalastes standen zahlreiche Lastwagen mit Schupobeam'en. die die Ausgabe hatten. ernste Zusammenstöße zu verhirbrrn. Schon am Schluß der Versammlung kam es im Saal zu Reibereien, die schließlich Beim Verlassen des Saales
In Tätlichkeiten auSarteten,
Auf der gegenüberliegenden Selle oer Potsdamer Strafee hatten sich etwa 600—700 Kommu-


