Was sich unser Mond alles gefallen lassen muh. Eine harmlose Plauderei von Harry Pohlmann.
Der Verfasser des heute an unserem Sladttheater zur Uraufführung gelangenden Lustspiels „Der Teufel durch Veelze- b u b“ hatte die Freundlichkeit, uns folgende Plauderei zur Verfügung zu stellen.
D. Red.
Guter Mond, du gehst so stille Durch die Abrndwolken hin.
Ja, wahrhaftig, ein guter Mondi Richt mit Anführungsstrichen geschrieben, denn dann tonnte man so etwas wie Ironie vermuten, sondern gesperrt gedruckt. Also eine Verstärkung des Adjektivs. Eigentlich hast du recht, guter Mond, das; du zu allem, was die Bewohner dieser Erde dir antun, dein ewig lächelndes Gesicht zeigst, das Symbol, der vollendeten Wurschtigkeit und zugleich däs Zeichen, daß du dich über nichts fuchst und durch nichts dich aus ixir. r Ruhe bringen läut. Du wandelst deine Bahn und spendest toci’ ter dein herrliches Eilbeclicht üoer die spottende, nörgelnde und schmähende Menschheit. — Aber gleich hier, also schon in den ersten Zeilen unserer Plauderei, flößen wir auf den ersten älndank gegen den Spender dieses Zauberlichtes, das in schönen Sommernächten die Liebenden be° und entgeistert, das in den Dollmondnächten des Wonnemonats Mai Philomele im Fliederbusch zu ihren süßen Gesängen erweckt und das in den kalten Winternächten den ost ziemlich unsicher Heimkehrenden den Weg weist. Richt dein ist nämlich dieses Licht. Rein, du, hast es — — entlehnt, um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen, und nun prunkst und protzt du mit diesen geborgten Schätzen. — An diesen ersten Vorwurf schließt sich, gleichsam naturgemäß, ein zweiter an: Du bist nämlich alle vier Wochen einmal „voll". Jedes Kind weiß es und jedes Kind erzählt es dem anderen auf der Straße. Ra, ja! Aber man gönne doch dem alten Herrn diese Abwechslung. Alle vier Wochen oder, korrekter anßgeörüdt, alle 29 Tage einmal voll zu fein, ist doch nicht schlimm, und hier umsoweniger, als er die anderen 23 Tage ganz solide nach einem feststehenden Plane schlafen geht und wieder aufsteht. Im übrigen scheint sich der Mond aus diesen beiden Festnagelungen nicht viel zu machen, denn just an jenen Tagen seines Dollseins zeigt er das vergnügteste Gesicht von der Welt, daß er aber schon am nächsten Tage, jedenfalls als Revanche für die Mißgunst des 29. Tages, in griesgrämige Falten legt, dann immer faltenreicher gestaltet, bis er es etwa nach zwei Wochen gänzlich verbirgt, die Menschheit im strengsten Sinne des Wortes im Dunkeln lassend, wie das verborgene Gesicht denn nun eigentlich aussieht. Was sie doch alle, ach, so gerne einmal sehen mochten.
Wir sind gerecht genug, um anzuertennen, daß diejenigen, die den Mond mit dem gepumpten Licht und dem vierwöchentlichen Dollsein an
zurempeln versuchen, tatsächlich nicht gerade unrecht haben, sie dürfen nur nicht übersehen, daß, wenn der Mond diese beiden Eigenschaften nicht hätte, er ein ziemlich langweiliger Geselle am Firmament wäre, dessen Existenzzweck leicht bestritten werden könnte. Diese Dedenken, die sozusagen kosmischer Ratur sind, halten wir also für erledigt: nun kommt aber eine ganze Reihe von Behauptungen und Anschuldigungen pro- fan-i r d i s ch e n Charakters, und da müssen wir allerdings vorweg sagen, daß ihnen keinerlei Rechtfertigungsgründe zur Seite stehen, sondern daß sie sogar um so frivoler erscheinen, als an ihrer älrheberschaft keine geringeren Faktoren beteiligt sind, als — — die schonen Künste. — Unglaublich, aber wahr! „Die schonen Künste?" — Jawohl. Verehrtester! Als da sind: Poesie, Musik und Malerei. Was mußt Du, bedauernswertester aller Monde, in dieser Beziehung von den Dichtern und Dichterlingen geduldig hin» nehrnen! Zu oft schauderhaften Gedichten verzapft mit noch schauderhafteren Jamben, Trochäen, Daktylen und Anapaesten mußt du fast in jedem Poem die wunderschönen Reime Herz und Schmerz, Liebe und Triebe, Lust und Brust verschlucken. Und wie oft wirst du noch bei diesen Gelegenheiten als Eideshelfer der Liebesschwüre beansprucht. Gewiß und zweifellos mit Recht hoben wir zu Anfang unserer Predigt hervor, daß dein herrliches Silberlicht gleichsam der Liebesbote zwischen Ihm und Ihr sei, womit aber nicht gesagt ist, daß dessen Mißbrauch auf dein Konto zu schreiben wäre. O nein; wo ein solcher vorkommt, ist er Schuld des Menschenkindes und man kann es dir daher auch nicht verübeln, wenn, wie behaftet wird, sich dein sonst so mildes Lächeln bei einem Liebesschwur zu einem höhnischen Grinsen verzieht. Du weißt nämlich ganz gut aus den Aeonen deiner Praxis, daß Schwüre dieser Art nur selten gehalten werden. Wie gut, daß sie nicht unter das bürgerliche Gesetz fallen. Wo sollten die Staatsanwälte alle herkonrmen, um die Frevler zur Strecke zu bringen. wo die Gefängnisse alle Platz haben, um die Meineidigen ihre gerechte Strafe abbrummen zu lassen?! Wir glauben nicht zuviel zu sagen, wenn wir die These aufstellen: Und wenn jede Kneipe im lieben deutschen Daterlande — und deren hat es doch wahrhaftig nicht wenige — vorn fashio- nabelflcn Weinrestaurant mit Sektkübeln und elektrischer Beleuchtung an bis zur kleinsten Win- kelpinte mit Schnapsglas und Tranfunzel zu Kittchen umgebaut werden würden, so würde immerhin nur ein Prozentsatz der zur Aufnahme „Berechtigten" Platz finden können, die Mehrzahl wäre aber nicht unterzubringen. Alle diese Millionen von ungesühnten Meineiden, lieber Mond, hast du aber anhören müssen. Und da bist du nicht davon gelaufen? Wahrlich, ein jeder andere hätte es getan! —
Wie die Dichtkunst dich profaniert, guter Mond, so auch die Musik. In allen Tonarten und Tempi von Moll und Dur, vom zartesten Adagio an bis zum rauschendsten Furioso wirst du an- komponiert, d. h. angesungen und angeschrieen, angeschmachtet und angefleht, angedudelt und angeklimpert, angeblasen und angepfifsen und
schutzlos bist du dem daraus sich ergeberrden Höllenspektakel, diesem Massengequake und Riesen- gewinsel preisgegeben. Aber noch ist das Maß deiner Leiden nicht voll, noch lange nicht. Zunächst kommt alö dritte im Bunde der dich mal- trailierendca „schonen Künste", die — — Malerei. Auf jedem obskuren Wirthausschilde bist du abkonterfeit, bald „voll", bald „ein“-, „zwei"- vder „dreiviertel", jedenfalls aber mit einer gräulichen Fratze, so recht zum Andenken für den Zechbruder geschaffen, der dich denn auch geradezu angrohlt und anblöckt, wenn er gerade bei Stimmung. Sein Beispiel greift auf die Tierwelt über: Jeder zottige Dorfkoter glaubt das Recht zu haben, dich anzubellen und anzuheulen, jeder liebeglühende Kater auf dem Dache miaut dich an.--
Wir kommen nunmehr zum Aberglauben, dem Hauptkapitel unserer Plauderei. Wie seht der dir zu! Zu allen Zeiten und in allen Arten. Das erklärt sich hauptsächlich aus der dem Menschenauge häufigen Sichtbarkeit des Mondes, noch dazu in den verschiedensten Phasen. Es gibt, selbst in unserer heutigen „aufgeklärten" Welt, eine Menge von Verrichtungen des alltäglichen Lebens in Haus, Familie und Geschäft, die je nach den Sichtbarkeitsverhältnissen des Mondes, nach seinem Zu- oder Abnehmen, ausgeführt oder unterlassen werden, Jedesmal aber im Rahmen eines mehr oder minder starken Mond- aberglaubens. Von den fast unzähligen Beispielen dieser Art nennen wir nur die folgenden: Die Erforschung des zukünfttgen Ehegatten oder desgl. Ehefrau (Kreuzweg in der Mitternachts- stundc des Vollmonds); Saat von Feld- und Getreidefrüchten (nur in der Zeit des 3. bis 20. Tages des zunehmenden Mondes); das Schneiden der Haare und der Rägel (vom 5. Tage vor Vollmond an dis zur Vollmondnacht, aber nicht über Mitternacht hinaus): Aderlässe oder sonstige künstliche Blutentziehungen (sollen möglichst nur zur Zeit deS Reumondes erfolgen; bei anderen Mondphasen dürfen die Instrumente keinesfalls vor Gebrauch den Mondstrahlen ausgesetzt werden, sonst — — katastrophaler Aus- gang der Operation). —
Reue Kleider sind möglichst zuerst am Tage des ersten Mondviertels zu tragen; andernfalls ist die Haltbarkeit der Kleider nur gering. Ob unsere Damen sich an diese „Regel" binden wer- ben. wollen wir dahingestellt fein lassen. — Reisen sollen nur in der Zeit des zunehmenden Mondes angetreten und Geschäfte nur in der gleichen Zeit eingeleitet rcsp. abgeschlossen werden. denn der abnehmende Mond hat für geschäftliche Erfolge keine Chancen. In der Küche und im Haushalt richtet der Mond arges Unheil an. Eine neu zugezogene Magd soll z. B. an den drei ersten Abenden nicht in den dunklen Himmel gucken, wenn Mondschein im Kalender steht. Geschieht es doch, so bleibt sie nicht lange im neuen Dienst. Der Vollmond darf nicht in das Kammerfenster der Magd hineinscheinen, sonst zerbrechen ihr in kurzer Zeit viele Topfe und anderes Geschirr. Küchenregel: „Scheint der Mond in den Braten, wird er dir nicht gut geraten". Was übrigens fein Aberglaube fein, sondern auf einer
realeren Grundlage beruhen dürfte. Gegen Mißachtung der gesellschaftlichen Hoslichkeitsformen scheint unser Erdtrabant aber recht empfindlich zu fein. Wenn du, verehrter Leser, nämlich spielst, Karten", Würfel, Domino, Schach oder bergt, und du kehrst dabei dem Monde den Rük- ken zu, so verlierst du. Womit aber nicht gejagt ist, baß, nimmst du die entgegengesetzte Stellung an. du nun auch gewinnst. Merkwürdig ist, daß der leuchtende Mond, gleichviel in welcher Phase, falls er so ober so in Aktion tritt, immer etwas .Unangenehmes bringt; der Reu mond dürfte etwas zugänglicher sein. Zwar zollt auch er dem Aberglauben seinen Tribut, aber nicht immer in einer für den oder die Beteiligten ungünstigen Weise, sondern auch manchmal in den gegenteiligen. Wenn z. D. „der Aeumond in den Deutel scheint", d. h. wenn du am Tage des Reumonds kein Geld hast, so wirst du auch während des ganzen Monats aus dem Dalles nicht heraus kommen. Sehr fatal! Aber: Wenn du an diesem kritischen Tage (Reumond) „Geld zum Zählen" hast, so wird es dir überhaupt daran fehlen. Bravo, verehrter Reumond! — Der (Phasen-)Mond ist außerdem o£t nicht nur der Ankündiger von Kriegen, Revolutionen, größeren Unglücksfällen, Ueberschwemmungen, Erdbeben, Dulkanausbrüchen, Seuchen. von Dürre, Teuerung und anderen schönen Dingen, sondern auch der Anstifter davon. Die ^undankbare Menschheit macht also den Mond zu einem gar schlimmen Patron, dem man alles zutrauen kann — nur nichts GuteS.
Wie sehr übrigens der Mondaberglaube mit Todesahnungen ober Todesfällen und deren Begleitumständen verknüpft ist, dürfte durch lleber- lieferung von G-^chlecht zu Geschlecht bekannt fein. Von einer weiteren Erörterung dieses Kapitels nehmen wir also Abstaub, um so mehr, als es nicht gerade ein Unterhaltung^ thema ist, sondern eher ein solches zum Gruseln, und ein solches dürfen wir mit Rücksicht auf die zarten Verven unserer verehrten Leserinnen nicht zur Besprechung bringen.
Zum Schluß kommen wir auf den Anfang unserer harmlosen Plauderei wieder zurück. Wir haben eine kleine Blumenlese von denjenigen .Unbiiben gebracht, welchen die Menschheit bir, lieber Mond, fort und fort zufügt. Und da wundert man sich immer mehr über deine Langmut. Es ist wahrhafttg nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten: „Alles läßt bu dir gefallen.' — Der treue Begleiter unserer Erde wird aber antworten: „Der Artikelschreiber hat nur bis zu t'inem gewissen Grade recht. „Alles" alles lasse ich mir denn doch nicht gefallen. Daß man mich zum Urßeber menschlichen Unheils macht, mithin zum Verbrecher am Menschengeschlecht, will ich, obwohl es nicht wahr ist, auf mich nehmen: baß man mich zum „Sündenbock für alles" stempelt, will ich mir auch noch gefallen lassen, ferner alles andere, was der Llberglaube bisher über mich produziert hat und eventuell ferner noch produzieren wird, aber — — daß man solche Artikel über mich schreibt, wie diesen hier, — nein, bas lasse ich mir nicht gefallen!“
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