Nr. 278 Drittes Matt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheben) 5reitag, 27. November 1'125
Intensiv oder Extensiv?
Ein Wort zur Lage der deutschen Landwirtschaft.
Don Dr. August Kilbingcr, Drehen.
Schwer ist die Aotlage der Landwirtschaft und He wird von Tag zu Tag schwerer. Die Unmöglichkeit, die Aotkredite zurückzahlen zu können, verbunden mit der Notwendigkeit, Getreide und Kartoffeln zu den heutigen niedrigen Preisen verkaufen zu müssen, sind die Ursachen für diese Erscheinung. Es mag daher dem einzelnen richtig erscheinen, in Zukunft so extensiv wie möglich zu arbeiten, und es fehlt nicht an Ratgeber», die dein Landwirt empfehlen, seine Betriebsweise auf das äuherste einzuschränken. Da die heutigen niederen Produktenpreise durch ein starkes Angebot bedingt sind, hofft mancher, daß durch geringere Produktion uird dadurch geringeres Angebot in Zukunft die Nachfrage gehoben werden tonnten. Er vergibt aber- dabei völlig, das; der deutsche Landwirt nur einen sehr geringen Einfluh auf die Preisbildung der Welt hat. Eine geringe deutsche Ernte bedingt also noch lange nicht hohe Preise. Sie wird im Gegenteil^ zu einer erneuten Katastrophe führen, zu einer Katastrophe, die um vieles schlimmer wäre als die tollste Inflationszeit.
Wenn in Deutschland weniger erzeugt wird, muh aus dem Auslande eingeführt werden. ■Unter Einfuhrüberschuh hat jetzt schon eine Höhe erreicht, die kaum tragbar ist, da ihr eine entsprechende deutsche Ausfuhr, die Geld ins Land bringen würde, nicht gegenübersteht. Eine weitere Steigerung der Einfuhr würde also noch mehr Geld aus dem Lande hinaustragen und würde somit die Währung, das heiht den Bestand der Nation, in äußerste Gefahr bringen. Eine Inflation ist nicht mehr möglich, da Kapitalien, die einer Inflation zum Opfer fallen könnten, nicht mehr da sind. Cs würde also nur eine Katastrophe größten Umfanges eintreten können.
Die Frage, ob extensiv oder intensiv gewirtschaftet werden soll, kann daher überhaupt nicht gestellt werden. So intensiv wie möglich wirtschas- ten muh heute die Parole heißen. Der kranke, blutleere Organismus des deutschen Wirtschafts- körpers muh geheilt und muß mit frischem Blut gefüllt werden. Wenn dies nicht von außen her geschehen kann, so muh die Hilfe von innen heraus kommen. Eine Bluterzeugung von innen heraus ist aber gleichbedeutend mit intensivster Anstrengung. Don einer möglichsten Herabsetzung aller Tätigkeit kann daher keine Rede fein. Der Tod des Wirtschaftskörpers wäre die unvermeidliche Folge.
Die von tiefer Niedergeschlagenheit getragenen Extensivierungsvorschläge sind gewiß verlockend, aber jeder einzelne wird bei kühler Ueber- legung sofort zugeben müssen, daß im Betriebe sofort Schwierigkeiten eintreten, wenn keine Der- kaufsmöglichkeiten vorhanden find. Sämtliche De- stellungsarbeiten wie Pflügen, Aussaat ufw. bleiben dieselben: ohne Anwendung der Dünger sinken jedoch die Ernten so stark, daß gerade noch der Selbstbedarf des einzelnen gedeckt wird. Schnell ist eingeritten, schwer aber wieder auf» gebaut. Der Bauer ist der größte Abnehmer der inländischen Industrieprodukte. „Hat der Dauer Geld, so hat's die ganze Welt." Gewiß, der Bauer wird auch bet extensiver Wirtschaft nicht gleich verhungern, aber wenn er als Abnehmer der Industrie und des Handtverks ausfällt, wenn der dazwischen stehende Handel sein Brot verliert, dann wird ein Millionenheer von Arbeitslosen entstehen, das den Bestand des Staatswesens in Frage stellt.
Nur von dieser Schicksalsgebundenheit aus kann die heutige Wirtschaftslage betrachtet werden. wenn die ungeheure Krise endlich von allen erkannt wird und zur Einkehr mahnt. Noch ist zu hoffen, daß die Regierung in letzter Stunde Maßnahmen ergreift, um der Landwirtschaft in ihrer unverschuldeten Notlage zu helfen, aber auch der einzelne muh fein Aeuherstes hergeben, um durch intensivste Produktion das drohende älnheil abzuwenden l
Wirtschaft.
Don der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft.
Die Betriebsergebnisse im September.
Im Monat September sind folgende Betriebsergebnisse erzielt worden:
Einnahmen: 1. durch Personenverkehr 126 133 000 Rm., 2. Güterverkehr 248 841 000 Rm„ 3. Sonstige Einnahmen 26 211000 Nm., zusammen 401 185 000 Rm.
Ausgaben: 1. Persönliche Ausgaben (einschl. Löhne der Bahnunterhaltung- und Werkstättenarbei- ter) 197 616 000 Rm, 2. Sächliche Ausgaben 110 554 000 Rm., 3. Zinsendienst 700 000 Rm., 4. außerordentliche Ausgaben (für werbende Anlagen) 17 502 000 Rm., 5. Dienst der Reparationsschuldverschreibungen 49 805 000 Rm., Rückstellungen 20 000 000 Rm., zusammen 396177 000 Rm.
Die Finanzlage der Reichsbahn hat im September 1925 gegen die Vormonate wesentliche Aenderun- gen nicht erfahren. Abgesehen von unbebeutenben Ausfällen im Personenverkehr, die durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse in der zweiten Hälfte des eeptember entstanden, entsprechen die Gesamteinahmen im allgemeinen der normalen Verkehrsentwicklung. Die Ausgaben für den Reparationsdienst wurden ordnungsgemäß geleistet. Dem Generalagenten für die Reparatioszahlungen sind 50 Millionen Goldmark gezahlt worden, die als Vorausleistungen auf den Schuldoerschreibungsdisnst des zweiten Reparationsjahres (1925 26) gelten. Daneben hat die Reichsbahn im September aus dem Erträgnis der Beförderungssteuer, die für sie nur ein durchlaufender Posten ist, an den Generalagenten die erste Monatsrate im Betrage von rund 28 Millionen Goldmark abgeführt.
Die Berkehrsentwickiung im Oktober. In den vorläufigen Ergebnissen der Wagengestellung im Oktober drückt sich trotz der immer noch darniederliegenden deutschen Wirtschaft eine Steigerung des Gesamtgüterverkehrs aus. Bei einer Mehrgestellung von etwa 422 500 Wagen — 8,5 Proz. mehr im Oktober (27 Arbeitstage) gegenüber dem Vormonat September (26 Arbeitstage) betrug die durchschnittliche arbeitstägliche Wagengestellung im Oktober etwa 152 000 Wagen, .also 10 400 Wagen mehr als im September.
An dieser Verkehrs st eigerung sind hauptsächlich beteiligt: Kohlen mit etwa 63 000 Wagen, Kartoffeln mit etwa 40 800 Wagen, Brotgetreide und Mehl mit etwa 1300 Wagen, Rüben und Schnitzel mit etwa 251 800 Wagen, Zucker mit etwa 16 700 Wagen.
Bei den Kohlentransporten muß berücksichtigt werden, daß auch die Binnenwasserstraßen den ganzen Monat über voll leistungsfähig blieben und in keinesfalls geringerem Umfange als bisher für Kohlentransporte ausgenutzt wurden. Die Ursachen her Absatzsteigerung sind u.a. zurückzuführen auf stärkere Abrufe für Hausbrandzwecke, auf den Ausgleich der infolge des Wirtschaftskrieges mit Polen ausgefallenen Zufuhren aus Polnifch-Ober- schlefien und auf vermehrten Bedarf der Zuckerfabriken.
Trotz der absolut höheren Wagengestellung für Kartoffeln ist doch der bei der günstigen Ernte relativ geringe Versand bemerkenswert, wie ein Vergleich mit den Vorjahren ergibt. Es wurden verladen im Oktober 1925 68 000 Wagen, dagegen im Oktober 1924 102 000 Wagen, im Oktober 1923 108 000 Wagen, im Oktober 1922 163 500 Wagen.
Hier spiegelt sich unverkennbar die gesunkene Kaufkraft der deutschen Verbraucher wider.
Eine erhebliche Zunahme zeigte auch der Fischverkehr von den Häfen der Wesermündung, zu dessen Bewältigung 127 Mschzüge mit 3960 Wagen gefahren werden mußten, gegenüber 110 Zügen mit 3370 Wagen im Vormonat.
Demgegenüber ist im Verkehr anderer Güter auch ein Rückgang zu verzeichnen. So wurden weniger gestellt für Zement 7800 Wagen, künstliche Düngemittel 21 000 Wagen.
Die beförderten Kali- und Stickstoffladungen wurden zum großen Teil nach dem Auslände abgesetzt. Das ist wohl darauf zurückzuführen, daß die deutsche Landwirtschaft heule nicht in der geldlichen Lage ist, künliche Düngemittel selbst bei den erleichterten Bezugsbedingungen in dem Umfange zu beziehen, wie es für die gesamte Volkswirtschaft erwünscht wäre.
D i e amtliche Großhandelsindex- Ziffer. Die auf den Stichtag des 25. November berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande des 17. November (121,0) um 1,4 v. H. auf 122,7 gestiegen.
Ä Einlösungskurs von Goldmark- r e i ch s sch a tz a n w e i s u n g en. Dem „Reichsanz." zufolge beträgt der Einlösungskurs für die am 1. Dezember 1925 rückzahlbaren auslosbaren Gold- mark-Reichsfchatzanweisungen K von 1923, sowie für die am 1. Dezember 1925 fällig werdenden Zins- scheine dieser Schatzanweisungen eine Reichsmark für eine Mark Gold.
* Friede in der chemischen Industrie. Zwischen dem Arbeitgeberverband der chemischen Industrie, Schien 7 und den Gewerkschaften fand in den heutigen Mittagsstunden eine Aussprache statt, worin beiderseits die Anerkennung des Schiedsspruchs vom 13. November 1925 festgestellt wurde. Auf Grund der Aussprache darf man mit einer reibungslosen Wiederaufnahme der Arbeit in den Betrieben der chemischen Industrie der Provinz Hessen-Nassau und des Freistaats Hessen nunmehr rechnen.
* Vor einem Zigarettenzwangs-- sy.ndikal Wie die „Kölnische Zeitung" hört, wollen sich die Verbände der Zigarettenindustrie, darunter der Verband der deutschen Zigaretten- industrie, erneut an das Reichswirtschaftsministerium zwecks Schaffung eines Zwangssyndikats auf gesetzlicher Grundlage wenden. Das-Zwangs» shndikat ist sowohl als Produktions- wie auch als Preiskartell gedacht. Dem Vernehmen nach soll das Reichswirtschaftsministerium den Bestrebungen der Zigarettenindustrie nicht ablehnend gegenüberstehen.
Berliner Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
B e r I i n , 27. Nov. Im Laufe des heutigen Vormittags erfuhr der französische Franken in Reaktion auf die kürzliche Schwäche eine erhebliche B e f e ft i g u n g. Paris befestigte sich gegen London von 129,50 im Frühverkehr auf 126,50 und gegen Mittag auf 124,25. Diese Tatsache beruhigte die Stimmung an den Aktienmärkten und trug zu einem weiteren Umsichgreifen der freundlicheren Tendenz bei. Auch die Beurteilung der politischen Lage ist in Börsenkreisen günstiger geworden, die Deckungskäufe der Spekulation setzten sich daher fort. Trotzdem fanden die meisten Umsätze in einigen Spezialwerten statt, bei denen man auch Meinungskäufe zu beobachten glaubte. So lagen bei Beginn vor allem Kali- werte prozentweise gebessert; sowohl die amtlich notierten wie die unnotierten Werte verzeichneten Besserungen bis zu 5 Prozent. Daneben wurden Montan-, Chemie- und Elektrowerte bevorzugt. Schiffahrtswerte fetzten unter dem Einfluß der Emissionsbestrebungen ihre Auf- wärtsbewegung fort und wurden um 2—3 Prozent höher. Schließlich waren- die amerikanischen Freigabewerte zum Teil um 3—4 Prozent gebessert. Die übrigen Aktienmärkte lagen zunächst vernachlässigt. Der Geldmarkt war etwas angespannt. Tägliches Geld notierte 8—8,5 Prozent, Äo. natsgeld 10 —11,5 Prozent. Im Devisenverkehr waren außer der Frankenbewegung keine nennenswerten Veränderungen festzustellen. Die Reichsmark notierte in London 20,34, Zürich 123,65, Paris 6,15, Amsterdam 59,22'.
Frankfurter Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"!
Frankfurt, 27. Nov. Tendenz fest und lebhaft. Die Annahme der Locarno-Verträge bei der zweiten Lesung im Reichstage bot her Börse einen neuen Impuls und bewirkte im Zusammenhang mit anderen sich günstig auswirkenden Faktoren eine recht ansehnliche Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Im allgemeinen tritt deutlich zutage, daß man den günstigen Meldungen größere Beachtung zu schenken geneigt ist, was dadurch zum Ausdruck kam, daß das Scheitern der deutsch-englischen Wirtschafts- Verhandlungen auf die feste Haltung keinen Einfluß gewinnen konnte. Die Umsatztätigkeit erreichte anfangs einen bedeutenden Umfang, wobei unter dem Eindruck der besseren Außenhandelsbilanz im Oktober weitere größere Kurssteigerungen erzielt werden konnten. 2ln der Spitze der Aufwärtsbewegung hielten sich Anilinwerte. Der gute Geschäftsgang im Anilin-Konzern brachte dem Geschäft neue Käufer und führte zu weiteren Gewinnen bis zu 1.50 Proz. Am Momanmarkt konnte sich in der Erwartung, daß ein Zustandekommen des Montantrustes nicht ausgeschlossen ist, gutes Geschäft entwickeln bei weiteren Kurssteigerungen bis zu 2 Proz. Auch Kaliwerte . lagen sehr fest, ebenso Elektrowerte. Für Bankaktien
bestand weniger Interesse, die Kurse waren kaum verändert. Stärker beachtet waren Schistahrtswerle unter dem Einfluß der Fusionsbestrebungen. Hapag waren um 1,5 Prozent gebessert. Motorenwerte setzten ihre Steigerungen fort. Auch am Kassamarkte der Industricpapiere setzten neue Kurssteigerungen ein, die sich allerdings in engen Grenzen hielten. Karlsruher Maschinen erzielten infolge des guten Geschäftsberichts eine Steigerung von 3,75 Prozent. Zucker- und Terrainaktien zagen weiter an. Der Anleihemarkt lag ruhig bei kleinem Geschäft. Ausländische Renten waren etwas vernachlässigt, die Kurse behauptet. Der Freioerkehr blieb ohne Anregung. Api 0,375, Benz 26, Entreprise 8, Growag 40, Krü- gershall 71, Ufa 50, Unterfranken 50 Prozent. Das Geschäft, das anfangs durch neue Meinungskäufe und durch Käufe für ausländische Rechnung einem recht lebhaften Charakter zeigte, flaute bald ab, und es kam zu Kursabbröcklungen. Der Geldmarkt war weiter leicht. Tägliches Geld 8,5, Monatsgeld 10 bis 11 Prozent. Bankdiskont 7 Prozent, Industrieakzepte 9 Prozent. Im Devisenverkehr ging Paris durch starke Interventionen gegen London bis auf 125,80 zurück. London notierte gegen Kabel 4,84g. Die Reichsmark liegt unverändert.
Börsenkurse.
27. Novbr.
26 Novbr.
Tittint: [
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegrap hifche Auszahlung.
Frankfurt
Amst.-Rou. Buen-AireS Brss. Antw Christlania. Kopenhagen Stockholm . Selsingfors Italien. . . London. ■ Ncuyork . . Paris. . . Schwei; . . Spanien . Japan . . . Rio dr Jan. Wien in D-- £eft. abgest Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Canada. .
Uruguay
5°/> Deutsche Rcichsanlcibe . 4% Deutsche Rcichsanleilje .
3l/a°/n Deutsche Rcichsanleihe 8% Deutsche Rcichsanleihe . Deutsche Svarprämienanleihe 4% Preußische Konsols . . .
4° o Hessen ... 3’/-% Hessen ......
3% Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Aul. dto. Doll.-Schay-Anwcisng/)
4’/0 Zolltürkcn 5% Goldmerikaner ... .
Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Pnvat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank.........
Deutsche Vereinsbank .... Tisconto Commandit . ■ . Mctallbank...........
Mitteldeutsche Creditbank . . Oesterreichische Creditanstalt. Wcsrbank ..........
Bochumer Guß . .
Buderus . . .
Caro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. .
Harpener Bergbau .... . Kaliwerke Aschersleben. . • Kaliwerk Westeregeln..... Laurahütte Oberbcdarf. ......... Phönix Bergbau ...... Rheinstahl Riebest Montan Tellus Bergbau
Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ....
Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann
Anglo-Cout -Guano . . . ..
Badische Anilin Chemische Mayer Alaptn . . Goldschmidt .
Griesheimer Electron . ... Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung ........ Rülgerswcrke Scheideanstalt
Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mamkraftwerke ....... Schlickert . Siemens & HalSke .....
Adlcrwerkc Kleyer......
Daimler Motoren. ..... Hcyligenstacdt ....... Meguin Motorenwerke Mann beim .
Frankfuner Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Ptt^Union §°G ^rtul^urt • Schuhfabrik Her; . . .
Sichel Zellstoff Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . .Zuckerfabrik Waghäusel . . .
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Notierung Brief
Amtliche Notierung
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112,21
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4,295
4.285
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Banknoten.
Berlin. 26 Novbr
Geld
Brief
Amerikanische Noleu.....
4.181
4.201
Belgische Noten .......
18,93
19,03
Dänische Noten .......
101.19
104,71
Englische Noten........
20,287
20.387
Franjöslsche Noten......
r-,78
15 83
Holländische Noten.....
I68,2o
169,04
Italienische Noten......
16,96
17,04
Norwegische Noten......
Teutsch-Ocsterr, 2 lüO Kronen
85,16 58.95
85,58
59,25
Rumänische Noten.....
Schwedische Noten.....
111,87
112,43
Schweizer Noten......
80,51
80.93
Spanische Noten.......
Tschechoslowakische Noten . .
58.90
59.20
12,585
12.44)
Unaar,sche Noten.......
5.82
5,86
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 26. Nov. Die gestrige schwache Kursentwicklung an den ausländischen Produktenbörsen hatte schon im weiteren Verlaufe an der hiesigen Börse eher schwächere Notierungen im Gefolge. Diese Stimmung wirkte sich im heutigen Vormittagsverkehr zu ziemlich unentschiedener Geschäftstätigkeit aus. so daß man allgemein für Brotgetreide niedrigere Kurse nannte. Bei Beginn des amtlichen Verkehrs dagegen ziemlich beträchtlich gesteigerte Weizenkurse aus Liverpool vor. Im Verein damit gingen die d.. ' rinf?';
kungs- und Kauflust recht scharf über das Vortagsschlußniveau hinaus. Im Zeithandel besserte sich Weizen per Dezember um 5 Mark März- lieferung um) 5 und Mai sogar um 8 Mark pro Tonne. Roggen niedriger. Gerste bleibt gesucht. Hafer ruhig. Es kosteten 1000 Kilo. Weizen, märkischer 242 bis 245. dto. Dezember 255 bis 256, dto. März 265 bis 264 bis 265, dto. Mai 270, Roggen, märt. 155 bis 158, do. Dez. 163 bis 170 bis 169,50, do. März 187,50 bis 185,50 bis 185,75, do. Mai 191 bis 192, Gerste mark. 195 bis 215, Futtergerste 153 bis 166, Hafer, mär*. 171 bis 181, do. Dez. 179, do. März 189, Raps 354 bis 356; es kosteten 100Kg.: Weizenmehl 30,50 bis 35,50, Rogegnmehl 23 bis 25, Weizenkleie 11,40 bis 11,50, Roggenkleie 9.60 bis 9,70. Viltoriaerbsen 21 bis 32. Kleie Speiseerbsen 23 bis 24, Futter- erbfcn 18.50 bis 20.50. Peluschken 16,50 bis 18. Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 20 bis 22, Rapskuchen 14,30 bis 15,30, Leinkuchen 22' • bis 23.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M, 27. Nov. Es wurden notiert: Wetterauer Weizen 25 bis 25,25, Roggen, inländ. 17,75 bis 13. Sommergerste für Brauzwecke 22 bis 24,25, Hafer, inländ. 13,50 bis 2125, Mais (gelb) 20. Weizenmehl, inländ. Spezial 0 40,50 bis 41, Roggenmehl 26 bis 26,50, Wcizenkleie 10,25, Roggentleie 10,50. Tendenz: Fest.
Büchertrsch.
— Die a 11 st e i n z e i 11 i ch e Höhlensied - lang von Treis a. d. Lumda von Heinrich Richter. Mit Tafeln 1 bis 25 und 36 Textfiguren. Frankfurt a. M. 1925. (In Kommission bei Dr. Wolfgang Meyer, Gießen.) — Das hochbedeutsame Werk wird vom Verfasser bescheidener Weise als erster Teil von alljährlichen 'Ausgrabungsberichten bezeichnet: rein äußerlich mit Recht, da er darin tatsächlich nur die Ausgrabungen während des Jahres 1924 behandelt: aber in Wirtlichkeit ist es ein in sich abgeschlossenes Ganzes mit so wichtigen Resultaten, daß es völlig als Eittheit wirkt. Unsere Provinz ist im Laufe dieses Jahres von dem „Gießener Anzeiger" wiederholt durch kurze Führungsberichte auf den wichtigen Fundplatz aufmerksam gemacht war den, namentlich nachdem ein größerer.Aufsatz in den Familienblättern aus der Feder von Professor Harrassowitz die durch die Entdeckung der Stelle auf- gerührten Fragen beleuchtet hatte. Nun liegen die Erfolge der Arbeit, praktische wie wissenschaftliche, vor uns, und man steht staunend vor der Fülle des Erarbeiteten. Dabei ist eins von besonderem Wert: Bei aller Gründlichkeit, mit der der Verfasser das gelehrte Rüstzeug seiner Wissenschaft meistert, verfügt er doch gleichzeitig über eine klare, allgemeinverständliche Ausdrucksform, die es auch dem Laien leicht macht, seiner Darstellung zu folgen. So kommt es, daß dem Leser der spröde Stoff eingeht, und daß er sich zum Schluß als überzeugt bekennt. Wir wollen es gar nicht leugnen, daß den meisten das Paläolithikum, die Zeit des Eiszeitmenschen, ein Buch mit sieben Siegeln war, ja daß man den bisherigen Forschungsergebnissen mit Mißtrauen und Unglauben gegenüberstand, und dies um so mehr, als Mitteldeutschland bis jetzt als fiebelungs leer oder doch wenigstens als fiebelungsarm wäh rend der Eiszeit galt. Frankreich dagegen mit seinem Reichtum an Höhlen war neben Spanien das eigentliche Kulturland des Frühsteinzeitmenfchen: infolgedessen ist es auch dort zuerst zu einer wissenschaftlichen Systematik des Paläolithikums gekommen, die den Anspruch auf Allgemeingültigkeit machte. Damit scheint es aber nun, nach den unwiderleglichen Beweisen Richters, vorbei zu sein. Nach einer kurzen, aber leicht verständlichen Erörterung der geographisch-geologischen Verhältnisse des Lumda- tales und der Fundstelle wendet sich der Verfasser der Schilderung der im regenreichen Jahr 1924 besonders mühseligen Ausgrabungen zu, die den Leser um so wohltuender berührt, als er seine eigene Persönlichkeit überall hinter der seiner Mitarbeiter zu- rücttreten läßt: man lebt mit ihm und seinen Helfern bei der Arbeit und freut sich mit ihm an der Entdeckung der Höhlen, der reichen Knochenfundc von sozusagen vorsintflutlichen Tieren und des überwältigend großen Materials an künstlich zugeschlagenen Steinen. Den Mittelpunkt des Werkes bildet die weitgreifende Ableitung der Steingeräte aus den Grundformen: hier liegt der Hauptwert der Arbeit, da sie es zum ersten Male nicht nur versucht, sondern auch einwandfrei fertig bring.!, eine genetische Bearbeitung der aus Quarzit hergestellten Stein- artafalte im lückenloser Reihenfolge aufzuwcisen. In den Höhlen von Treis haben, soweit sich bis jetzt feststellen läßt, Menschen nicht gesiedelt, sondern gearbeitet: sie haben auf Steintischen das spröde Material durch Schlagen und Pressen zu den für sie benötigten Formen zubereitet, und aus den fertigen Gebrauchsstücken wie aus den Absplitterungen und Splissen hat Richter nicht nur die Arbeitsweise, sondern auch das Arbeitsziel der Paläolithiker heraus- geschält und in ein System gebracht. Eine Fülle von auf 25 schön hergestellten Tafeln dargestellten Steinwerkzeugen erläutert und beweist die Worte des Verfassers. Er kommt zu dem Schluß, daß in der Höhle, die jetzt durch Gesteinseinbruch in drei kleinere Teile zerlegt ist, zur Eiszeit Menschen gewirkt haben, die in die sogenannte Mousterienkultur, aber als selbständige, unabhängige Eigenarbeiter gehören: in einer späteren Zeilstufe, als die Höhlen schon durch Löß und Geröllgeschiebe von oben her verschlämmt waren, siedelte ein anderes Geschlecht mit anderen Werkzeugen aus anderem Gestein auf der darüberliegenden Plattform. dürfen dem Werk weiteste Verbreitung wünschen.
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August Förster
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