Svchst«ns ergänzen, aber niemals ersehen kann. Wirksam kann eine Werbung durch Plakat nur Kann sein, wenn es sich z. D. um Ankündigungen von Veranstaltungen irgendwelcher Art handelt, seien es sportliche, Theatervorstellungen, Konzerte u. a.; oder aber wenn es sich darum handelt, dem Publikum irgendein Schlagwort einzirprägen, das einen Markenartikel kennzeichnet, und auch dann nur, wenn das Plakat so angebracht ist, dah es Dem Kundenkreis wirkungsvoll zu Gesicht kommt. Umd zwar zu einer Zeit, wo es auch für Reklame aufnahmefähig und -willig ist. Reben einer solchen Propaganda must aber unter allen Umständen eine wirkungsvolle Inseratenpropaganda neben- Her laufen.
Gegen diese elementaren Grundsätze wird noch überaus viel verstosten und infolgedessen werden 'ungeheure Betrüge für Propaganda nutzlos vergeudet. Man sehe sich daraufhin derartige Re- flame nur einmal kritisch an, wie man sie an den Plakatsäulen, auf der Sirastenbahn, in den Ei-en- bahnzügen, den Bahnhöfen uftt». zu sehen bekommt. Wenn z. B. die Wiesbadener Kurverwaltung an Ort und Stelle Plakate aushängt, in denen sie Reklame für das Weltkurbad Wiesbaden an Ort und Stelle macht, so muh na!ur- gemah die Wirkung einer solchen Propaganda ein Schlag ins Wasser sein. Auch die Eisrnbahn- reklame kann nur dann wirren, wenn sie in irgendwelchem Zusammenhang mit dem Reifen steht. Allgemeine Reklame wird dort nur zu leicht des'- halb wirkungslos verpuffen, weil doch ein wesentliches Moment bei aller Reklame das sein muß, sie dort anzubringen, wo sie auch vom Publikum gesucht wird. And das dürfte in den Eisen bahn- zügen kaum der Fall sein. So häufig werden uns gerade in der Reklame amerikanische Verhältnisse als mustergültig hingrstellt. Es ist daher die Feststellung nicht uninteressant, dast es auf den kanadischen und einem großen Teil der rmrdameri- kanischen Ei^nbahnen überhaupt keine Reklame gibt. Statt dessen führen 'amtliche Züge zur Befriedigung des Lcsebedürfnisses der Fahrgäste einen Schrank mit Zeitungen und Zeitschriften mit sich. Gewiß ein Zeichen, dast man der Inseraten rellame eine erheblich höhere Bedeutung als Der Verkehrsreklame zuerkennt.
In neuerer Zeit hat sich wiederum eine Reklameart besonders breit gemacht, die so eine Art Mittelding zwischen Plakat und Jnseratenreklame darstellt. Entweder handelt es sich um Ankündigungen irgendwelcher Art, die ringsum von Reklame- seldern umgeben sind. Oder aber es ist ein Gebrauchsgegenstand, wie ein Wandkalender, ein Verzeichnis der Hausbewohner, ein Konzsrtprogramm, Eintrittskarten, ein Zsitungsordner oder etwas ähnliches, das von solchen Reklamefsldern umgeben ist. Von derartigen Reliarneverlegern werden häufig genug die gewagtesten Berechnungen aufgestellt, in denen mit großem Wortschwall der Nachweis erbracht werden soll, daß solche Reklame nicht nur erheblich billiger, sondern auch erheblich wirkungsvoller als Jnferatenreklaine sei, während genau das Gegenteil der Fall ist. Gerade solchen Reklame- unternehmungsn gegenüber, die ja heute wie Pilze aus der Erde schießen, ist die größte Vorsicht am Platze. Denn trotz aller glänzenden Reden wird gerade das Wesentlichste verschwiegen, daß nämlich solche Reklame nicht nur unverhältnismäßig teuer ist, sondern auch meist völlig wirkungslos bleiben muß. Eine einfache logische Uebedegung bestätigt dies bereits. Denn welcher zu gewinnende Stunbe wird sich der Mühe unterziehen, solche zumeist in kleiner Schrift aushängende Inserate überhaupt nur zu lesen, wenn er an einer Anschlagsäule oder sonstwo steht? Solchen Neklameunternehmungen kann man daher nicht skeptisch genug gegenüberstehen, da deren Geschäftsprinzip, bewußt oder unbewußt, nicht selten darauf hinausläufi, ein gutes Geschäft zu machen, ohne dafür eine entsprechende Gegenleistung zu bieten.
Wenn wir uns nunmehr der Inseratenwerbung zuwenden, so können wir zunächst feststellen, daß trotz aller Neuerungen hinsichtlich der Reklamemöglichkeiten das Zeitungsinserat nach wie vor die wirksamste Fonn der Kundenwerbung ist. Anzeigen in einer Tageszeitung mit größerem Leserkreis sind stets von größter Werbekroit. Im Gegensatz zu sonstiger Reklame, die den Kunden wider seinen Willen deeinfluffen will, trifft die Zeitungsanzeige — und das ist sehr wesentlich — einen Leser, dessen gante Gedanken sich auf den Lesestoff konzentrieren, den deshalb auch zur Aufnahme des Lesestoffes gewillt ist. Selbstverständlich darf auch Zeitungsreklame nicht wahllos gemachc werden, sondern der Inserent muß sich darüber klar sein, ob durch ein Inserat
Franziska.
Röman von 2 i e s d e k Dill.
5. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Franziska fühlte Die Gefahr, ein begehrtes Weib zu fein, und fühlte, baß sie die Äraft nicht mehr besah, daß sie in Dem ersten Jahr gegen alle Versuche gefeit hatte. Damals hatte fte einfach über Liebesbriefe gelächelt, Blicke. Die ihr zuflogen, Worte Der Bewunderung hatte sie eingeheimft wie eine alltägliche Rührung; aber seit sie den Druck dieser Männerhand empfand. war es mit ihrer Festigkeit vorbei. Für Das Geschick der ersten Soubrette, der Mucki, Die zum zweitenmale an einer bösen Krankheit erfranft und nun operiert werden muhte und im Spital lag, hatte £rttffe nur ein Achselzucken. Solche Weiber verdienren es nicht besser. Franziska fand das roh, sie lehnte sich dagegen auf: Die Mucki hatte Anglück gehabt, Ihr schwedischer Tenor hatte sie verlassen, er lieh nichts mehr von sich Horen. Sie durfte ihm nie von der armen Person sprechen, die unaussprechlich litt. „Ich finde", sagte Franziska, „daß das keine Gerechtigkeit ist, und dah eine solche Strafe nicht im Verhältnis zu den, begangenen Fehltritt steht." Die Sentimentale hatte ein Kind, Das eine Bäuerin aus Dem Land aufzog und Das sie nur zweimal im Jahr in den Ferien sehen formte.
Hasse urteil«c härter, als et eigentlich dachte, aber da Franziska immer iroch zu diesem ge- Dcmkenlosc-n Mitleid mit einer Strafe neigte, Die sich dir Menschen durch Leichtsinn zuzogen, hielt er es für erzieherisch, Doppelt hart zu urteilen.
Franziska kamen oft die Tränen. Seine 'Worte trafen sie an einer Stelle, Da sie ver- doundbar war „Wenn es mir so ginge, ich glaube, du würdest ebrnfv urtellen." Er sagte einfach:
„Ich würde kurzen Prozeß machen, mein Kind. Betrügen lasse ich mich nur einmal . . . Das ist der Anterschied zwischen mir und einem Stephcmsberger . . ."
Wenn Franziska auf der Chaiselongue nach Muem dieser stürmischen Abende über ihr Leben
in den von ihm gewähllen Zeitungen tatsächlich der Kreis der Bevölkerung ersaßt wird, der für seine Erzeugnisse in Frage kommt. Da es gewöhnlich ein bestimmter Kreis der Bevölkerung ist, der ersaßt werden soll, ist auch der Insertion in kleineren, mehr lokalen Blättern mit geringerer Auflage eine erhebliche Bedeutung keineswegs abzusprechen. Gerade auch für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf den verschiedensten Gebieten ist der Inseratenteil der Zeitungen ein unentbehrlicher Faktor im gesamten Wirtschaftsleben geworden. Glaubt der Kaufmann ohne die Zeitung seine Wünsche nach Erwerbung oder Vergrößerung seines Kundenkreises erreichen zu können, so befindet er sich zumeist in einem Irrtum, der ihm über kurz oder lang zum Verhängnis werden muß. Selbst in den heutigen Zeiten, in denen an allen Ecken und Enden gespart werden muß, darf der Abbau bei der Position „Zeitungsinserate" im Reklameetat erst in allerletzter Linie erfolgen, wenn der Kaufmann sich nicht fein eigenes Grab schaufeln will. (Beweise sind in Fülle zu erbringen.) Mit Recht konnte der Direktor eines englischen Warenhauses bei Vergebung eines Anzeigenauftrages von 260 qm (!) sich äußern: „Allein die Anzeigen haben uns groß gemacht; mir haben uns stets an den Grundsatz gehalten: wenn ein Geschäft die Unkosten der "Anzeigen nicht mehr verträgt, bann veröffentliche man lieber Anzeigen, um es zu verkaufen."
Um den Wert der Zeitungsannonce im rechten Lichte erscheinen zu lassen, bringen wir im folgenden einige Aeußerungen führender Persönlichkeiten zu dieser Frage. Der Leiter der Reichsreklamemesse, die im Frühjahr 1925 stattfand, Herr M. Savern, äußerte sich wie folgt: „Die Zeitungsanzeige, wenn sie richtig und vom Fachmann aufgesetzt wird, ist und bleibt die älteste Reklame, und alle anderen Reklamen jedweder Art, die an sich nicht herabgesetzt werden sollen, müffen sich erst die Tradition einer Zeitungsreklame erobern, um gleichwertig mit ihr in Reih und Glied marschieren zu können."
Nach einer Notiz der „Daily Mail" hatte die bekannte englische Firma E. M. Spafford in Birmingham, nachdem sie eine planmäßige Anzeigenreklame durchgeführt hatte, im Jahre 1924 eine Umsatzsteigerung von 35 Prozent und in dem ersten Halbjahr 1925 sogar von 93 Prozent zu verzeichnen, so daß der Inhaber erklären konnte, daß er eine planmäßige Zeitungsreklame für die beste Kapitalanlage halte.
Der bekannte englische Reklamefachmann Charles Higham konnte kürzlich an zwei Beispielen aus seiner Praxis darlegen, wie zwei Weltfirmen mit anerkannt guten Erzeugnissen deshalb zugrunde gingen, weil sie glaubten, die Zeitungsreklame entbehren zu können.
Die amerikanische Zeitschrift „The System" konnte kürzlich über einen Fall berichten, wie eine amerikanische Firma in große Schwierigkeiten geraten war. Ueberall mußte abgebaut werden, auch beim Reklameetat. Nur die Zeitungsreklame wurde nicht beschnitten, sondern sogar weiter ausgebaut. Die weitsichtige Politik der Firma hatte zur Folge, daß diese sich in kurzer Zeit zu bisher noch nicht erlebter Blüte entfalten konnte.
Aus letztem Beispiel können wir außerordentlich viel lernen: Gerade in der jetzigen Periode der wirtschaftlichen Depression darf die Zeitungsreklame nicht nachlasien, sondern muß noch weiter ausgebaut werden. Nur so wird der Kaufmann an der Belebung des Geschäfts, die doch einmal kommen wird, seinen Anteil haben können, wenn er in der stillen Zeit dafür gesorgt hat, daß sein Name nicht in Vergessenheit geraten ist. Es erübrigt sich zu sagen, daß diese wenigen Beispiele für den hervorragenden Wert der Zeitungsreklame noch beliebig vermehrt werden könnten. Immer wieder aufs neue muß daher gerade im Interesse der Inserentenschaft darauf hingewiesen werden, daß gegenüber allen anderen Reklamemöglichkeiten der überragende Wert der Zeitungsreklame nicht verkannt werden darf.
In einem Schlußaufsatz werden wir auf den Werbewert anderweitiger Insertion in Zeitschriften, Adreßbüchern, Festprogrammen njw. noch ausführlicher zu sprechen kommen.
Oberheften.
Vrtr.^vc.-L- XL
G r o ß e n - B U s e ck , 26. Nov. Hier hielt der Vertreter der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, Oberrevisor Hartmann-Gießen, aus Veranlassung der hiesigen a p a r = und Leih- kasse einen Vortrag über die Auswertun g. Der Redner erklärte in sehr ausführlicher Weife on
uachdachte, kam sie sich recht bedauernswert vor. Sie war oft in einer Stimmung, daß sie nicht mehr toußie, liebte sie ihn überhaupt noch vd;r war Das Hatz, der in ihr gärte? Sie fürchte sich vor diesen festen Abenden, sie tarnen ihr vor. als habe sie Dienst. Wenn er sprach, beobachtete sie ihn. er kam ihr verändert, fremd vor.
Hasses Ches war im Sommer in Bad-Ram- heim, er mußte den Kollegen Tiefental mit dem Christusfops vertreten, seine Präparate beobachten und seinen Versuchen nachgehen. Er hatte einen unzuverlässigen Laboratoriumsdiener, der die Tiere nicht gut besorgte, kam unregelmäßig zur Stadt und sie verfehlten sich oft.
Er hatte Franziska endlich bestimmt, Gesangsunterricht zu nehmen, und er wollte auch, Das- der Anterricht genutzt wurde. Wenn er abends kam, war seine erste Frage: „Hast du geübt, bist du beim Professor gewesen?" And wenn sie sagte: „Rein!", wurde er zornig. Das Lässige, der mangelnde Ehrgeiz in ihr reizte allmählich, er wollte, daß sie höher stieg auf dem Pfo.de. den er sie bergauf führen wollte. Er hatte sie entdeckt, sie sollte sich keinem c>i,deren Arm überlassen, nicht rechts rrvch links schauen.
Es war zweifellos das Desto, was er wollte, Franziska bezweifelte Das nicht, aber es war etwas in ihr, das sich auflehnro gegen diese enge Einschließung in seinen Wille.r Sie wagte nicht zu widersprechen, weil sie den Frieden liebte, Doch Hafte war eine Kampfnatur.
Wo es etwas auszufechten gab, schickte man Hasse hin, gab es ein Terrain zu erobern, so wurde er ins Treffen geschickt, er kam niemals unverrichteter Sache zurück, er setzte sich überall durch And er glaubte, daß man dies bei den Frauen auch erreichen könne. Er wollte, dah jeder zu ihr aufsehen sollte, er war glühend ehrgeizig für sie. Er versuchte ihrem Wesen jenen Adel zu verleihen, die Frauen seines Kreises manchmal besaßen, doch er vergaß, dah starke, ausgeprägte Raturen feinen Veränderungen unterworfen find.
Franziska fühlte, dah er nac ihr Bestes wollte. So versteckte sic ihre Anruhe, verbarg ihren inneren Kampf, unterdrückte ihre Angst.
Hand von Beispielen das Aufwertungsgesetz und gab bereitwilligst Auskunft über persönliche Aufwer-- tungsfragen. Der überaus gute Besuch der Versammlung bewies die Notwendigkeit eines solchen Vortrages.
• Oppenrod, 27. Rov. Zu der Meldung über einen Umbau unseres Kirchturmes („Gieß. Anz." vom 21. Rovember) ist berichtigend zu bemerken, dah ein solcher Beschluß des Gemeinderats bis jetzt nicht vorliegt. Der Ge° meinderat hat in seiner jüngsten Sitzung am Montag erst beschlossen, bei der Forstaufsichts- behörde einen Extrahieb im Wald zur Beschaffung von Geldmitteln zu beantragen. Wenn diese Frage gelöst ist, wird weiteres erst noch zu entscheiden sein.
v. Londorf. 26. Rov. Hier wurde nach einem Vortrag von Oberst K l e i n h a n s aus Gießen ein Schühenverein mit Älein* kaliber gegründet, dem über 30 Mitglieder beitraten.
5 Lich, 26. Nov. Am Montag fand nach längerer Pause eine Stadtvorstandssitzung mit einer ziemlich umfangreichen Tagesordnung statt. Gegen ein Gesuch der Firma K. Köhler, dahier, um Errichtung einer Einfriedigung an ihrem Lager in der Bahnhofstraße wurden Einwendungen nicht erhoben. — Mehrere Landwirte suchten um Erhöhung der ihnen bereits durch einen früheren Beschluß zugestandenen Entschädigung von 5 Mk. pro Morgen für Hochwasserschäden an ihren Wiesen im Wiesengrund nach. Seitens der Versammlung wurde darauf hingewiesen, haß die Forderung zu weit gehe, da nachgewiesen sei, daß die in Frage kommenden Wiesen schon feit Jahren versumpft sind und der Ernteausfall an Grummetgras nicht allein auf die durch Veranlassung der Stadt erfolgte Stauung der Wetter und durch plötzliches Hochwasser entstandene Ueberschwemmung zurückzuführen sei. Lediglich aus Billigkeitsgründen wurde seitens des Stadtvorstandes einer Erhöhung der Entschädigung auf 7,50 Mark pro Morgen stattgegeben und gleichzeitig zum Ausdruck gebracht, evtl, spätere Ersatzansprüche wegen des sumpfigen Zustandes der fraglichen Äiesen abzulehnen. Mit dieser Sache in Verbindung stand ein weiteres Gesuch um Schadenersatz für eine beschädigte Kartoffelernte. Der Schaden ist durch städtische Organe bei der Ernte festgestelll worden. Die zu leistende Entschädigung wurde auf 30 Mk. festgesetzt. — Der hiesige Turnverein suchte darum nach, ihm die städtische S o n d e r st e u e r für die Turnhalle für das Jahr 1925 ganz zu erlassen, da der im laufenden Jahre vorgenommene Turnhallenerweiterungsbau seine Mittel aufgezehrt habe. Sem Antrag wurde stattgegeben. — Nachdem die seither fürstliche Obermühle in städtifchen Besitz übergegangen und eine Verwendung für die Stadt zur Zeit nicht ins Auge gefaßt ist, beschloß man, sie auch weiterhin dem seitherigen Pächter Bayer- l e i n auf eine Reihe von Jahren pachtweise zu überlaffen. Für den demnächst abzuschließenden Pachtvertrag wurden Pachtpreis und besondere Be
dingungen festgelegt. — Auf einen Antrag des k n - tholischen K i r ch e n v o rst a n d e s um unentgeltliche lleberlassung von Heizmaterial für die hiesige katholische Kirche wurde beschlossen, der katholischen Gemeinde einen Betrag zur Beschaffung des Heizmaterials in dem gleichen Verhältnis zu bewilligen, wie sich das Steueraufkommen der evangelischen Einwohner zu demjenigen der katholischen Einwohner verhüt. — Ein weiterer Punkt der Tagesordnung, dessen Beratung längere Zeit in Anspruch nahm, war von erheblicher Bedeutung. Es wurden die Grundsätze für die Erhebung des Wasfergeldes im Rj. 1926 beschlossen. Unterschieden nach drei Klassen, entsprechend der Größe der benutzten Wohnungen (Klasse 1 bis zu 2 Zimmer und Küche, Klasse 2: 3—5-Zimmer- wohnung, Klasse 3: 6—8-Zimmerwohnung) zahlen einzelstehende Personen jährlich, 4 bzw. 6 bzw. 9 Mark, Familien von 2 und 3 Personen 6 bzw. 8 bzw. 12 Mk., Familien von 4 und 5 Personen 8 bzw. 12 bzw. 16 Mark, Familien von 6 und mehr Personen 10 bzw. 15 bzw. 20 Mark. Für größere Wohnungen bilden 50 Mark die Höchstgrenze. Für die Wasserversorgung vdn Badeeinrichtungen ist pro Kopf ein Betrag von 1,50 Mk zu entrichten. Der gleiche Grundsatz gilt für Wasserspülklosetts. Bei den Gewerbebetrieben, wie Brauereien, Guts
höfen, Metzgereien, Gärtnereien und Betrieben mit Dampfkesseln werden vom 1. April 1926 ab Waffe r m e s s e r eingesührt. Für Gewerbebetriebe wie Wirtschaften, Bäckereien usw. sind besondere Zu- schl^c^^i^^^zwifchei^^und^^Mar^bewe^
Die Anruhe gab ihrem Wesen einen neuen Reiz, sie hauchte ihr Farben an. gab den großen dunllen Augen etwas Phosphoreszierendes. Sie klagte über Herzklopfen . . . Hasse fühlte ihren raschen Puls. „Das kommt nur von eurem un= Deinunftigcn Leben", sagte er. „Du hörst ja nicht . .
Es ist sicher, daß man etwas, das sich in unserer nächsten Umgebung vorbereitet, wittert, ehe man Gewißheit davon hat.
. Hasse wurde von beständigen Ahnungen gequält, Daß Franziska heimliche Wege ginge. Er mußte an. Stephansberger denken, den Sieger über alle Frauenherzen, wenn er sich auch als Mamr unmöglich vorstellen tonnte, wie man an einem solchen Riesen Gefallen finden konnte. Was formte Bezauberndes an dem Mann fein? Dagegen hatte sein Kollege Tiefental, ein bedeutender. vortrefflicher Mensch, geachtet als Arzt und dazu geschaffen, eine Frau auf Händen zu tragen, kein Glück bei Frauen. Seine zweite Verlobung war bereits zurückgegangen.
Franziska zuckte die Achseln. „Männer mit so einer Simjonmähue sind unsereins Reutrum. Der soll sich erst einmal fesche Kragen angewöhnen und mehr auf sein Schuhwerk halten. Solche Knollen, wie der an den Füßen tragt, die schrecken einen allein schon ab."
Dieses ehrliche Urteil Franziskas war bezeichnend für die Frauen des Rätsels Lösung waren vielleicht nur Tiefentals Schuhe. Jetzt wurde ihm auch Har, weshalb Worth mit seinen Habighüten, den durchgebügelten Hosen, den Lackschuhen und den blanken weißen Kragen bei den Frauen so leichtes Spiel hatte.
Wie alles doch so einfach war, wenn man Dahinterkam, wie klar, wie trifte im Grund genommen. Die weihen Mause, dachte Hasse lächelnd. Er hätte sich abgemüht, ihr etwas Don seiner Lieblingsb schäftiguna, seinen Versuchen milzutei-- len, und schließlich nahm Franziska an, daß Mäuse tri Spiritus lebten. Aber waren sich nicht alle Frauen gleich? Hasses Bekanntschaften mit Frauen waren bisher nur flüchtiger Art. Auf schwierige Gebiete hatte er sich mit ihnen nie gewagt, vielleicht war er früher deshalb so gut mH iHerrn ausgerominen. Seit er die Der-
(Fortsetzung folgt.)
Linderung Frairziskas wcchruahm, geriet alles in ihm in Aufruhr.
Wie gewöhnlich suchen die Menschen die '• Veränderungen niemals in sich selber, sondern ; in den anderen. Hasse suchte und kam auf diese rote Mieze. Die beiden neuen Freundinnen gingen täglich zusammen im Park spazieren. „Fran- ■ ziska," sagte er, ihre beiden Hände an sich nehmend, „tu mir den Gefallen und laß diese. Person aus unserem Haus, dies ist bein Reich, wenn die Rote es betritt, ist es beschmutzt. Wenn ich einmal Spuren von ihr finde, Franziska, — ich kann brutal werden."
Franziska beruhigte ihn und strich ihm über Das kurzgeschorene Haar. Sie fand, daß dies | immer noch das beste Mittel tvar, ihn ruhig j zu machen. Besser als reden, dann redete man : sich oft in eine Falle... Er hatte sie nicht verstanden, wenn sie ihm gesagt hatte, ich brauche dich, wie ich diese Freundin nötig habe.
Hasses Berus, „sein Geschäft", wie sie es nannte, interessierte sie nicht, sie mochte nichts Don Kranken hören, und sie mochte auch nicht immer von ihrem Beruf sprechen. Anterhal ■ tungen über Kunstfragen ging sie aus dem Weg, denn Hasse hatte nicht die Duldsamkeit großer (Keister, den kleineren Geist neben sich auch etwas fühlen, finden, denken zu lassen. Da ihn ihre Theatergeschichten nicht interessierten, so kam es oft zu fangen Pausen zwischen ihnen, und ihre Abende hatten etwas Gequältes.
An einem Donnerstag abend gegen sieben . Ahr kam Franziska mit Paketchen beladen nach Hause, Das Mädchen zündete gerade die Lampe Körper, sicher mußte fle heut' einspringen — i immer pünktlich, als das Telephon klingelte. Das Theaterbureau. Franziska zitterte am ganzen Körper, sicher mußte sie heut einspringen — i und richtig, die Ebenhausen war heiser, und sie sollte die Redda singen. „Getviß, ich komme", . antwortete sie, „aber Sie müffen warten, bis ich da bin."
Sie wußte nicht, wie sie sich angekleidet hatte und in einen Wagen gcEommen war. Das Theater Xdox schon festlich erleuchtet und Bereit, die Garderobiere erwarteten sie und der ungeduldige Friseur.
gen, zu zahlen. Für ein Stuck Großvieh werden 2 Mark, für ein Schwein 1 Mark und eine Ziege 50 Pf. berechnet. Für Hausgärten wird ein Wasser- geld von 2 bzw. 1 Pf. für den Quadratmeter Gar- tensläche für Wasserstrahlpumpen 1 Mark, für Kraftfahrzeuge 15 Mark und für Bauzwecke je 100 Mark Bauwert ein Zuschlag von 5 Pf. erhoben. Im Falle der Wasserabgabe nach Messung werden neben der üblichen Wassermessermiete für jeden Kubikmeter 20 Pf. berechnet. Besondere Ermäßigungen für größere Abnehmer oder Gewerbebetriebe werden in Rücksicht auf die allgemeine Herabsetzung des Wasierpreises nicht zugestanden. Lediglich das von der Brauerei Jhring-Melchior abgenommene Ueberfchußwasser wird mit 10 Pf. für den Kubikmeter berechnet. Die Wassermessermiete für kleine Wassermesser beträgt monatlich 30, für mittlere Wassermesser 50 Pf., während größere Messer kauf' lich zu erwerben sind. Falls die Wasserabnehmer mit den genannten Sätzen nicht einverstanden find, ist ihnen die Berechtigung zugestanden, sich auf ihre Kosten einen Wassermesser fotzen zu lasten. — Sodann brachte der Vorsitzende eine Zuschrift des Oberhessischen Geschichtsvereins in Gießen über dieEr Haltung desalten Stadlwaldes und der Stadtma tFe-t-n zur Kenntnisnahme. In einer späteren Sitzung will man auf die Angelegenheit zurückkommen. — In Verbindung mit dem nm 14. Dezember stattfindenden Weihnachtsmarkt wird der Geflügel- und Vogelzuchtverein Lich und Umgegend eine Geflügelaus- stellung (Jubiläumsschau) in der hiesigen Turnhalle veranstalten. Der Verein suchte um Bewilligung eines Betrages von 50 Mark zur Beschaffung von Ehrenpreisen nach. Der Stadtvorstand bewilligte den erbetenen Betrag. — Die Miete für den von der Stadt Lich gemieteten 2 ch u l s a a l am stiftischen Gemeindesaal wurde auf Antrag hin vom 1. April 1925 ab auf jährlich 120 Mk. erhöht. — Ern an die Stadtverwaltung gerichtetes Ansinnen, auf _ die demnächst stattfindende Aufwertung alter Stadtanleihen bereits eine Abschlagszahlung zu gewähren, wurde dahingehend erledigt, daß der Gesuchstellerin das Anerbieten gemacht werden soll, die alten Anlelhestücke zu 121 Prozent für die Stadt zurückzukaufen. — Weiterhin fanden noch verschiedene kleinere Vorlagen ihre Erledigung.
Kreis Friedberg.
WSR. Bad-Rauheim, 26. Rov. Wusik- direftor Julius Schröder, ein geborener Rauheimer, der seit drei Jahren als zweiter Kapellmeister hier wirkt, hat sein Amt zum 1. April 1926 zur Verfügung gestellt. Schröder beabsichtigt, nach Amerika zu gehen und sich dort weiter künstlerisch zu Betätigen.
<> Steinfurth, 26. Nov. Wie die S ch ä d- lingsbekämpfung durch Anlegen von Klebgürteln wirkt, konnte man in der letzten Zeit an dem Baumbestand eines hiesigen Bürgers beobachten. Die Klebgürtel wurden anfangs November angelegt. Nach etwa vier bis fünf Tagen waren sie dermaßen voll von Frostspannern, daß sie erneuert werden mußten. Nach der Erneuerung war der Erfolg derselbe. Man konnte an sämtlichen Klebringen feststellen, daß die Weibchen der Frostspanner unzählige Eier abgelegt hatten. Trotz dieses sichtbaren Erfolges ist es geradezu eine Seltenheit, in hiesiger Gemarkung, Bäume mit Klebgürteln versehen anzutreffen. Bekanntlich übt die Behörde hinsichtlich der Beseitigung dürrer Obstbäume einen Druck auf die Gemeinden aus. Wäre es nicht an- «, wenn man auch die Bekämpfung der Schäd-
!s Obstbaues durch Anlegen von Klebgür- teln den Gemeinden durch Gesetz zur Pflicht machte, 1 zumal die Kosten für das Anlegen pro Baum und Klebgürtel sich nur auf etwa 10 Pf. belaufen? Dies wäre im Interesse des Obstbaues sehr zu begrüßen, denn man kann die Wahrnehmung machen, daß der Raupenfraß, verursacht durch den Frostspanner, mit jedem Jahre zunimmt. Hat man doch im letzten Jahre ganze Baumbestände gesehen, welche, infolge der Raupenplage gänzlich kahl gefressen, nicht einen 1 einzigen Apfel trugen.
Kreis Büdingen.
y. Nidda, 26. Nov. Auf Veranlassung der hiesigen Landwirtschaftlichen Bezugs- und Äbsatzgenossenfchaft sprach im „Darmst. Hof" in einer von Interessenten gut besuchten Versammlung Diplomlandwirt Gräf aus Darmstadt über „Künstliche Düngemittel". Der leicht verständliche, zum Teil durch Lichtbilder erläuterte Vortrag fand großen Beifall der Zuhörer, in deren Namen der Vorsitzende der Genossenschaft, Gast- und Land-


