Ausgabe 
27.11.1925
 
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Wirt Ludwig Wagner, dem Vortragenden herz­lichen Dank aussprach.

/ Hirzenhain-Gelnhaar, 26. Bov. 3m Dienstag und Mittwoch wurde in unseren Gemeinden der Lut Hers i lm vorgeführt. Er fand mit seinen vortrefflichen z. T. ecgrmfenoen Aufnahmen bei klein und grob zahlreiche und dankbare Zuschauer.

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Zwecks Erweiterung der städtischen Was­serleitung und Kanalisation, sowie für Melioration sollen 50 000 Mk. bei der Auslandan­leihe ausgenommen werden. Verzinsung und Til­gung geschieht aus den Einkünften der betr. Be­trieben. Die Pachtgelder für die st ä d t i s ch e I u n g v i e h w e i d e , die sich außerordentlich be­währt, wurden auf 12 Mk. pro Morgen festgesetzt. Die Weide, ca. 30 Morgen groß, ist in verschiedene Koppel eingeteilt, mit Wasserleitung versehen, das aufgetriebene Jungvieh wächst auf dieser Weide gesund und stark heran. Einigen Bauherren, die Neubauten im neuen Bauviertel über der Pfarr­galle errichtet haben, wurden städtische Bau­darlehen von je 1000 Mk. bewilligt. Zur Zeit sind etwa 15 bis 2 0 Arbeitslose vorhanden. ' Diese werden bei den eben vorgenommenen Kanali­sationsarbeiten beschäftigt. Auch soll die sog. Alte Frankfurter Straße neu hergestellt werden, wobei mtt den Arbeiten die Arbeitslosen verwendet wer­den sollen.

lg. Gedern, 26. Nov. Die hiesige, in einem Nebengebäude des Schlosses untergebrachte I u - gendherberge wurde im Jahre 1925 benußt von Dolksschülern 121 (davon 108 männlich und 13 weiblich), von Schülern höherer Lehranstalten 40 ^männlich 40, weiblich 0), von Schulentlassenen 36 (männlich 36, weiblich 0). Die Jugendherberge weist 26 Betten auf und steht unter Leitung des ver­dienstvollen Borsitzenden des hiesigen B. H. C.-Zweig- oereins, Apotheker Beesenmeyer.

-S- Herchenhain, 26. Bov. Auf Veran­lassung der Fortbildungsschule Herchen­hain und llmgegenb veranstaltete bas Kali- shndikat, landwirtschastliche Auskunftsstelle Darm­stadt, in den Orten Herchenhain, Volkartshain, Sichenhausen und Burkhards an vier aufein­anderfolgenden Tagen Lichtbildervor­träge. Die Aufnahmen zeigten nacheinander vorschriftsmäßig angelegte Diingurgsversuche und richtig gedüngte Felder und Wiesen. Weiter­hin wurden Vilder aus der Kaliindustrie, wie Verarbeitung und Behandlung der Hart- und Kalisalze und die Arbeiten des Bergmanns unter Tage in den Kaliwerken vorgeführt. Dann wur­den u. a. noch Lichtbilder gezeigt, die die Be­kämpfung der Ackerunkräuter, vor allem des

Streie Schotten.

* Schotten. 25. Aov. Dick' Schneeflocken fallen unaufhörlich, ein richtiger «chneewinter scheint leinen Einzug zu halten. Nur etwas Frost fehlt, imd der rechte Nobel- und Schneeschuhsport kann be­ginnen. Auf den Höhen, Hoherodskopf, Oberwald liegt der Schnee außerordentlich hoch. Der Wintersport kann hier voll zu seinem Recht kommen. Das Postauto blieb auf seiner Fahrt UlrichsteinLauterbach stecken. Auch die Bahn hatte heute ihre Mühe, zu uns zu gelangen und kam bei dem vielen Schnee mit Verspätung an. Wün­schenswert wäre, wenn die Reichsbahn auch un­serem Vogelsberg mehr Beachtung schenken würde und für die W i n t e r s p o r t l e r , die gern den Vogelsberg besuchen wollen, aus Gießen, Frank­furt, besonders an Samstagen und Sonntagen, bessere Bahnverbindungen (Sgnder- züge) schaffen wollte. Aus der Gemeinde- ra t s s i tz u n g: Zwei nachfolgende Mitglieder wur­den vom Bürgermeister in den Gemeinderat einge­führt. Der Bürgermeister berichtete über den Stand der PoPautolin^enverbindung und über die in letzter Zeit stattgehabten Verhandlungen mit den interessierten Gemeinden. Ein Postauto soll in Ulfa stationiert werden. Don dort soll es in der Frühe nach Nidda und zurück fahren, danach nach dem Bahnhof Eichelsdorf die Leute bringen, die in Schotten zu tun haben. Das Auto fährt von dort über Ulfa nach Hungen, um dort Anschluß zu den zweiten Zügen nach allen Richtungen zu haben. Don Hungen ist eine Rückfahrt vorbei wieder an den Ortschaften Langd, Rodheim, Rabertshausen, Ulfa nach Eichelsdorf vorgesehen. Hier werden die von Schotten um 1 Uhr zurückkommenden Passa- Siere nach Ulfa abgeholt. Eine weitere Autoverbin- ung soll Anschluß nach Gedern/gewinnen über die Orte Eschenrod, Wingershausen, Eichelsachsen, Glashütten (hier Treffpunkt mit dem von Nidda kommenden Postauro), Steinberg, Gedern evtl, wei- tergehend bis Ober», Mittel- unö Nieder-Seemen. Allen zum Kreis Schotten gehörigen Orten wäre durch diese günstige zweimalige tägliche Autoverhindung eine bequeme Gelegenheit geschaffen, nach Gedern und in die Kreisstadt Schot­ten zu gelangen. Man glaubt nicht, daß die Reichs­bahn irgendwelche Schwierigkeiten macht, da ihr diirch diese Verbindung ja keinerlei Konkurrenz ent­steht, im Gegenteil das Auto der Bahn nur Zu­bringerdienste leistet. Auch nach der Stadt Laubach (möglichst über Einartshausen, Gonterskirchen) soll Anschluß gesucht werden. Verhandlungen schweben darüber noch. Der Gemeinderat legt großen Wert auf die Förderung all dieser Linien, da mit dieser Anschlußgewinnung an all die verschiedenen grö­ßeren Plätze, wie Alsfeld,'Lauterbach, Ulrichstein, Groß-Felda, Gedern, Laubach, Schotten, Ulfa, -Nidda, Hungen der Verkehr ganz allge­mein im Vogelsberg stark gehoben wird und etwas mehr pulsierendes Leben in unseren meist stiefmütterlich behandelten Vogelsberg kommt. Der Gemeinderat will jedenfalls die weitgehendsten Opfer für all diese Linien bringen. Aus der Ge- fcyäftswelt und der Bürgerschaft kommen starke Klagen über herrschende Geldknappheit und Zahlungsschwierigkeiten. Der Gemeinde­rat hat daher die Fälligkeit der Steuer- i" ziele für Grund- und Gewerbesteuer auf den

1. Dezember, 1. Februar, 1. April und 1. Juni fest­gesetzt, die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz ist fällig am 10. der Monate Januar bis Juni.

Hederichs erkennen liehen, und die vernichtende Wirkung des fein gemahlenen Kainits, richtig angewandt, klar zeigten. Hand in Hand mit den Lichtbildern erfolgten die nötigen sachgemäßen Erklärungen des Vortragenden, Diplom-Land­wirts Gräf der es sehr gut verstand, durch längere Ausführungen dem ganzen Abend das Gepräge eines wohldurchdachten Aufklärungsvor-- träges zu geben. 1

lg. Aus dem Vogelsberg, 26. Nov. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß neuerdings der in manchen Orten unseres Gebirges, namentlich im Winter betriebenen Hausindustrie wieder größeres Interesse entgegengebracht wird. Auch erfährt sie hier und da eine zeitgemäße Aus- gestaltung und Erweiterung, indem man | sich mehr als seither aus die Anfertigung von Schneeschuhen verlegt und dadurch manchem Ein­heimischen Deranlasiung gibt, Jünger dieses schönen Sportes zu werden. Im übrigen beschränkt sich unsere Vogelsberger Hausindustrie auf die Anfertigung von Rechen, Sensenwürfen, einfachen Küchen- und Spiel­geräten, Spinnrädern (Helpershain), Sieben u. dgl. mehr Als wichtigste Orte für sie kommen in erster Linie die hochgelegenen Vogelsberger Orte Rebges- hain, Helpershain, Sichenhausen u. a. in Betracht. Sollte die Hausindustrie, wie es den Anschein hat, eine neue Belebung erfahren, so wäre dies ein be­grüßenswerter Schritt auf dem Wege zur Erkennt­nis, die gerade heute mehr als je Allgemeingut wer­den müßte, daß auch jetzt noch das Handwerk einen goldenen Boden hat und seinen Mann ernährt.

Starkenburg.

WSB. D a r m st a d t, 26. Bov. Die Stadt­verordnetenversammlung hat beschlossen, einem Platz im Borden der Stadt den Barnen Fried- rich-Ebert-Platz zu geben. 3n der unteren Anna st raße trat gestern abend plötz­lich eine Erdsenkung ein. Es entstand mit­ten in de r Straße ein ein Meter breites Loch, das sich nach unten erweiterte. Vor etwa einem Jahre ist ganz in der Bähe der Stelle ein Kohlenwagen buchstäblich in der Erde versunken. Die .Unterhöhlung war seinerzeit da­durch entstanden, daß die Wurzeln der die Straße flankie^nden Bäume die Kanalisation durchbohrt hatten, so daß der Grund durch den Kanal fort­geschwemmt worden war. Die Untersuchung des neuen Falles ist im Gange.

Darmstadt,, 25. Bov. Der elfjäh- r i g e S ch ü l e r K a r l B r a u n ließ sich gestern in der Bähe oes Südbahnhofs von einem Zuge überfahren. Das Kind war sofort t o t. Der Grund zur Tat ist unbekannt.

* Darmstadt, 26. Bov. Zu der Meldung von der in P f u n g st a d t unter Altmaterial auf» gefundenen Frauenhand wird angenommen, daß die Hand aus einem Krankenhaus stammt, weil sie ursprünglich in Spiritus gelegen hat. Eine Mordtat nimmt man nicht an.

Rheinhessen.

Mainz, 25. Bov. (WSB.) Geh. Schulrat Dr. Friedrich m Held, langjähriger Di­rektor der höheren Mädchenschule, ist gestern nach langer Krankheit im Alter von 71 Jahren gestorben.

WSN. Mainz, 25. Nov. Eine gestern statt­gefundene Führung durch den Mainzer Dom hat Gelegenheit gegeben, die bisher erzielten Fort­schritte bei den Sicherungsarbeiten zu be­obachten. Bekanntlich mußten, da die Pfahlroste, auf denen die Mauern des Domes stehen, infolge Vermorschung keinen Halt mehr boten, sämtliche Fundamente des Domes mit Beton unterfangen werden. Bis jetzt sind 6500 Ku­bikmeter Beton eingebaut, während 4500 Km. noch unterzubringen sind. Aus den Ausführungen der Professoren Rüth und Becker ging jedoch her­vor, daß der Dom noch von einer weiteren drin­genderen Gefahr bedroht ist. Von dem großen acht­eckigen Westturm fallen infolge der unsicheren Fun­damente ständig Steine ab, worüber man sich schon feit Jahrzehnten wunderte, ohne daß man da­mals die eigentliche Ursache erkannte. Der Turm wird deshalb jetzt mit einem gewaltigen Eisen- anker versehen. Die Gurtbögen sollen bis zur endgültigen Befestigung des Bauwerks mit eisernen Unterlagen gestützt werden. Die Baukosten für den schwer gefährdeten Dom sollen bekanntlich durch eine Lotterie aufgebracht werden.

Preußen.

Aireie Wetzlar.

3 Wetzlar, 26 Bov. Bekanntlich finben am kommenden Sonntag auch im hiesigen Kreise die Wahlen zum Kreistag und Pro­vinziallandtag statt. Während für den Kreistag 5 Wahlvorschläge eingereicht sind beträgt die Zahl für die ganze Rheinpro- v i n z deren 14 Stück. Für d: . Kreis Wetzlar kommt wohl für die Anhänger der bürgerlichen Parteien in erster Linie der Wahlvorschlag Br. 3 der Deutschen Volkspartei für die Provinzwahl in Frage, auf dem an der Spitze Oberbürgermeister Dr. Jarres, der be­währte Vorkämpfer für deutsches Recht und deutsche Freiheit steht. An zweiter Stelle ist ein Sohn des Kreises Wetzlar, Kaufmann Christian Eloos-Wetzlar verzeichnet, der sich in der Stadt sowohl als auch auf dem Lande größter Beliebtheit erfreut. Es steht zu hoffen, daß bei einer guten Wahlbeteiligung Herr Cloos als Vertreter des Kreises gewählt wird. Für den Kreistag kommt für die bürgerlichen Parteien nur die Liste Br. 15, genanntArbeits­gemeinschaft für Stadt und Lan d", in Betracht. Diese Liste vereinigt die Deutsch­nationale und die Deutsche Dolkspartei, den Kreisbauernverein und die Mittelstandslistc in sich. Die nächsten Tage werden noch sehr harte Kämpfe bringen, während bis heute die Agi­tation anscheinend noch mehr unter der Decke

verläuft. Die diesjährige Kreistagswahl ist insofern von besonderer Bedeutung, als der neue Kreistag voraussichtlich tn einem der näch­sten Jahre vor die Frage der Beuwahl eines neuen Landrats gestellt sein wird, da der jetzige Landrat die Altersgrenze bald er­reicht hat. Daher wird auch dem Ausfall der Wahl allseits großes Interesse entgegengebracht. Schätzungen hierüber sind schwer, beim man weiß nicht, wie hoch sich der Prozentsatz der bürger­lichen Wähler belaufen wird. Es wird jedoch allgemein auch auf dem Lande mit einer guten Wahlbeteiligung gerechnet. Wird dies zur Wahr­heit, so dürste der neue Kreistag ebenfalls wieder eine knappe bürgerliche Mehrheit erhalten.

Kreis Biedenkopf.

dH. R o d h e i m a. d. Bieber, 26. Bov. Der in letzter Zeit in Deutschland und vorher in Bordamerika gezeigte B e t h e l f i l m wurde jetzt auch in unserer Kirche für die Gemeinden Rod­heim-Bieber und Vetzberg vorgeführt. Wohl alle Anwesenden hatten von den Bodel- schwinghichen Anstalten in Bethel bei Bielefeld schon gehört und gelesen, aber niemand wird sich das Werk dieses Mannes nach Größe und Be­deutung so vorgestellt haben, wie sich ihm hier im bewegten Lichtbilde zeigte. Groß ist der Se­gen, welcher schon von Bethel ausgegangen ist, und noch soll das Werk weiteren Segen stiften, dazu bedarf die Anstalt, die ihr Bestehen zum größten Teil auf christlicher Liebestätigkeit auf- baut, her älnterstützung aller derjenigen, welche für ihre notleidenden Mitmenschen ein Scherflein erübrigen können. Cs ist aber auch von großer Bedeutung, daß den Gebern einmal gezeigt wird, welcher Segen aus ihren Gaben erwächst, Unb dazu wurde den Anwesenden in jeder Hinsicht reichlich Gelegenheit geboten. Sämtliche Bilder wurden von einem erklärenden Vortrag begleitet, durch den ihre Anschaulichkeit noch vertieft wurde. Mancher Besucher, der früher für die Bot in Bethel noch kein rechtes Verständnis gezeigt hat, wird wohl in Zukunft einer Bitte um eine Gabe für dieses christliche Liebes werk kein Ohr und seinen Geldbeutel leichter öffnen als bisher. Am Bachmittag war die gleiche Vorstellung für die Schulkinder der drei Dörfer Rodheim, Bieber und Vetzberg.

XX Frankenbach, 25. Nov. Die Nach­frage nach Christhäumen steigert sich hier von Jahr zu Jahr, kommen doch selbst von Frank­furt Händler in unsere Gegend, um hier ihren Be­darf zu decken.

XX Wilsbach, 25. Nov. Pfarrer Gründ- l e r dahier wurde von der Kirchengemeinde Sinn einstimmig als Nachfolger für Pfarerr Enke ge­wählt. Bis zum Jahre 1899 gehörte unser Dorf in kirchlicher Beziehung zu der Nachbargsmeinde Erda (Kreis Wetzlar). Das hiesige Pfarrhaus, von der Zivilgemeinde erbaut und im Stockbuch als evan­gelisches Pfarrhaus eingetragen, war in einer lan­gen Reihe von Jahren als Schule und Lehrerwoh­nung benutzt worden und infolge dieses Vorkomm, nifses führte die Ablösung von der Pfarrei Erda zu einem langjährigen Streitverfahren zwischen bürger­licher und kirchlicher Gemeinde, das bis heute noch nicht gelöst ist. Man hat sich dahin geeinigt, daß im unteren Stock die Schule weiter gehalten wird, wäh­rend die oberen Räuine, die früher die Dienstwoh­nung des Lehrers bildeten, dem Pfarrer als solche eingeräumt worden sind. Wilsbach zählt nur 287 Be­wohner, mithin eine leichte Pfarrei. Der häufige Wechsel des Pfarrers mag wohl in den Wohnungs­verhältnissen begründet sein.

Oberlahnkrcrs.

Weilburg, 26. Bov. WSB. Das große Los der Lotterie vom Verband für deutsche Jugendherbergen mit der Anwartschaft auf ein vollständiges Holzhaus ist auf Br. 22294 gefallen. Der glückliche Gewinner ist Kreiswohl- fahrtsob^rsckretär Weil von hier. Die beiden Zwillingsbrüder Philipp und Anton Schäfer feiern heute in voller Rüstigkeit ihren 8 6. Geburtstag.

Maingau..

WSN. Frankfurt a. M., 25. Nov. Auch in der Provinz Hessen-Nassau ist eine erhöhte Spartätigkeit zu bemerken. In den ersten neun Monaten des lausenden Geschäftsjahres sind insgesamt 52 184 900 Mk. neu zur Einzahlung ge­langt, gegenüber 19 731 000 Mk. im Vorjahre. Da ein großer Teil der Spargelder zu Zwecken des Wohnungsbaues Verwendung finden wird, ift zu er­warten, daß bei weiterer erhöhter Spartätigkeit auch das furchtbare Gespenst der Wohnungsnot endlich verschwinden wird. Das Verfahren gegen den Architekten Willi Lutz, das vor ca. 10 Mo­naten wegen Wohnungsschiebungen beim hiesigen Wohnungsamt eingeleitet wurde, ist nun­mehr eingestellt worden. Der 28jährige .Koch Paul Kirchner hat seinem Arbeitgeber in 'Aschaffenburg aus dessen Lager unter erschwerenden Umständen Champagner, Wein, Liköre, Zigarren, Zigaretten, Schokolade und die feinsten Konserven gestohlen. Er brachte die Beute hier zu einem Bekannten in der Ludwigstraße. Dort wurde das Lager von der hiesigen Kriminalpolizei entdeckt und mit einem Wagen abgefahren. Kirchner ist am 20. d. Mts. aus dem Gefängnis in Aschaffen­burg entwichen, wurde aber am gleichen Tage bei einem Freunde in Darmstadt, bei dem er sich Geld für eine Auslandrsise holen wollte, festgenommen.

Ein Kriminalbeamter in Frankfurt erfchofsen.

Frankfurt a. M., 26. Bov. WSB. Heute früh gegen 4 Ahr wurde am Westendplah der Kriminalastistent Otto Sack, der sich eigentlich in der Oeffentlichkeit wenig betätigt hat, er­schossen aufgefunden. Sack kam von einer Sit­tenstreife zurück und hatte sich fuc& vorher von einem Kollegen getrennt, um sich in seine Woh­nung, Lllmenstraße 37, zu begeben. Die Leiche wies zwei Drustschüsse, einen Schuh in der linken Hand und eine Verletzung am Hinterkopf auf.

Der Hut lag unmittelbar rechts neben der Leiche. Von Bewohnern der Rhein -und Savignystraße. sowie des Westendplatzes sind kurz vor zwei älhr Schüsse gehört worden. Man hörte Laute Schmer­zensrufe, die sich nach dem Westendplah zu ver­loren, sah auch, wie ein Mann zum Westendplah in schwankender Haltung ging und glaubte an­fangs. es fei ein Betrunkener. Dieser Mann fiel am Westendplah zur Erde, erhob sich jedoch wieder und ging dann weiter. Vermutlich hat sich die Tat an der Ecke Rhein- und Savignystraße abgespielt. Don den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur.

Kreis Fulda.

WSB. Fulda, 26. Bov. DerFuldaer Zeitung" zufolge wurde gestern in Fulda der 25jährige Zigeuner Franz Winter, der an der Ermordung seines StammesgenoKen Jo­hann W i n t e r st e i a in Frankfurt-Cckenheim be­teiligt war, verhaftet und ins Gefängnis eingclicfert.

Amtsgericht Gießen.

* Gie hen, 23. Nov. In der Nacht vom 15. znm 16. August sah der Polizeiwachtmeister W. von hier, wie 2 Personen aus der Wirtschaft von Sauer herauskamen, und die Straße durch Urinieren ver­unreinigten. Er ging auf sie zu, woraus der eine weglief, und stellte die Personalien des anderen fest. Dabei ergab sich, daß es ein in Zivil befind­licher Reichswehrsoldat E. war. W. teilte ihm mit, daß er ihn anzeigen müsse, worauf ihm E. er widerte:Ich bin 7 Jahre Soldat, ich zeige Sic an. Sie haben mich belästigt." W. ließ sich durch diese Aeußerungen nicht stören, worauf E. noch hin zufügte:Ein Gießener Schutzmann ist für mich überhaupt nichts, den p .... ich an." E. bestreitet diese Aeußerung, er will lediglich gesagt haben:Die Gießener 'Polizei taugt überhaupt nichts, wenn ein Krawall ist, läßt sie sich nicht sehen, abends dagegen schreibt sie Leute auf, die nichts gemacht haben." Nach der Aussage eines etwas später hinzuaekom- menen Kameraden sagte er auch noch, er lasse sich das nicht bieten, werde es vielmehr seinem Ba­taillon melden, es sei eine Gemeinheit, daß man vom Bürgersteig heruntergeworfen werde. Das Ge­richt schenkte den beeidigten Aussagen des Polizei­wachtmeisters W. vollen Glauben und stellte dem­entsprechend fest, daß der Angeklagte nicht nur die von ihm zugegebenen und die von seinem Karne roden bekundeten Aeußerungen getan, sondern daß er auch die Worte gebrauchte, die W. wiedergegeben hat. Wegen dieser schweren Beleidigungen, die in ihrer Geringschätzung kaum Überboten werden kön­nen, wurde er zu einer G e l d st r a f e o o n 5 0 M k. verurteilt.

Strafkammer Gießen.

* Gießen, 20. Nov. Die beiden wegen des selben und wegen ähnlichen Deliktes vor bestraften Brüder Hermann und Hugo K. von L i d, standen unter der Anklage des Wilderns. Der vor ihnen mitgeführte Hund hatte während der Schon­zeit einen Hasen im freien Feld verfolgt und toL gebissen. Die Angeklagten nahmen diesen Hasen mit nach Hause, zogen ihm das Fell ab, konnten ihn aber nicht essen, well er nicht genießbar roar; sie bestritten aber, jegliche Absicht des Wilderns gehabt zu haben. Doch schenkte das Gericht ihren Angaben keinen Glauben, hielt sie vielmehr auf (Bruno der Beweisaufnahme für überführt und verurteilt« fic unter Aufhebung des Urteils des Amtsgerichts Lich zu einer Geldstrafe von je 100 M k., die im Uneinbringlichkeitsfall mit je 10 Tagen Gefängnis zu verbüßen sind.

Ein Viehhändler von Büdingen war von dem Amtsgericht Büdingen zu einer Geldstrafe von 30 Mk. verurteilt worden, weil er den von dem Kreisamt Büdingen zwecks Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche erlassenen Vorschriften zuwider­gehandelt hatte. Gegen dieses Urteil verfolgte er Be­rufung, da er sich nicht schuldig fühlte, ließ sich dann aber eines Besseren belehren und bat lediglich um Herabsetzung der Strafe. Wie die heutige Verhand­lung ergab, hatte er nicht böswillig gegen die Ver­ordnung verstoßen. Deshalb wurde die Strafe auf den geringft zulässigen Betrag von drei Mark herabgesetzt, im übrigen mußten ihm aber sämtliche Kosten auferlegt werden, da er ursprünglich zum Zwecke der Freisprechung Berufeung eingelegt, aber insofern mit der Berufung nicht den gewünschten Erfolg hatte.

Gegen drei Viehhändler von Pohl-Göns bzw. Kirch-Göns waren durch das Amtsgericht Butzbach Strafbefehle erlassen worden, weil sie im Frühjahr 1924 es unterlassen hatten, die für sie vorgeschriebenen Ein- und Verkaussbücher zu füh­ren. Auf ihren Einspruch hin waren sie durch das Amtsgericht Butzbach freigesprochen morden. Auf die seitens der Staatsanwaltschaft ei' ?gte Berufung wurde der eine Angeklagte für schuldig befunden, und insoweit das erstinstanzliche Urteil aufgehoben. In Anbetracht, daß die Verordnung mittlerweile aufgehoben worden ist, wurde er mit einer geringen Geldstrafe belegt, während es bezüglich der beiden anderen Angeklagten bei dem ersten Urteil verblieb.

Weiter hatte sich der Georg H. von Gießen wegen Unterschlagung einer größeren Anzahl von Tischdecken zu verantworten. Durch das Amtsgericht Gießen war er bereits zu einer empfindlichen Geld­strafe verurteilt worden, doch mußte die Sache noch­mals verhandelt werden, da sowohl die Staatsan­waltschaft als auch der Angeklagte gegen das Urteil Berufung verfolgt hatten. Da der Angeklagte in der heutigen Hauptverhandlung noch eine Reihe von Zeugen namhaft machte, mußte die Sache zwecks Beiladung der weiter benannten Zeugen nochmals vertagt werden.

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