Wirt Ludwig Wagner, dem Vortragenden herzlichen Dank aussprach.
—/— Hirzenhain-Gelnhaar, 26. Bov. 3m Dienstag und Mittwoch wurde in unseren Gemeinden der Lut Hers i lm vorgeführt. Er fand mit seinen vortrefflichen z. T. ecgrmfenoen Aufnahmen bei klein und grob zahlreiche und dankbare Zuschauer.
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Zwecks Erweiterung der städtischen Wasserleitung und Kanalisation, sowie für Melioration sollen 50 000 Mk. bei der Auslandanleihe ausgenommen werden. Verzinsung und Tilgung geschieht aus den Einkünften der betr. Betrieben. Die Pachtgelder für die st ä d t i s ch e I u n g v i e h w e i d e , die sich außerordentlich bewährt, wurden auf 12 Mk. pro Morgen festgesetzt. Die Weide, ca. 30 Morgen groß, ist in verschiedene Koppel eingeteilt, mit Wasserleitung versehen, das aufgetriebene Jungvieh wächst auf dieser Weide gesund und stark heran. Einigen Bauherren, die Neubauten im neuen Bauviertel über der Pfarrgalle errichtet haben, wurden städtische Baudarlehen von je 1000 Mk. bewilligt. Zur Zeit sind etwa 15 bis 2 0 Arbeitslose vorhanden. ' Diese werden bei den eben vorgenommenen Kanalisationsarbeiten beschäftigt. Auch soll die sog. Alte Frankfurter Straße neu hergestellt werden, wobei mtt den Arbeiten die Arbeitslosen verwendet werden sollen.
lg. Gedern, 26. Nov. Die hiesige, in einem Nebengebäude des Schlosses untergebrachte I u - gendherberge wurde im Jahre 1925 benußt von Dolksschülern 121 (davon 108 männlich und 13 weiblich), von Schülern höherer Lehranstalten 40 ^männlich 40, weiblich 0), von Schulentlassenen 36 (männlich 36, weiblich 0). Die Jugendherberge weist 26 Betten auf und steht unter Leitung des verdienstvollen Borsitzenden des hiesigen B. H. C.-Zweig- oereins, Apotheker Beesenmeyer.
-S- Herchenhain, 26. Bov. Auf Veranlassung der Fortbildungsschule Herchenhain und llmgegenb veranstaltete bas Kali- shndikat, landwirtschastliche Auskunftsstelle Darmstadt, in den Orten Herchenhain, Volkartshain, Sichenhausen und Burkhards an vier aufeinanderfolgenden Tagen Lichtbildervorträge. Die Aufnahmen zeigten nacheinander vorschriftsmäßig angelegte Diingurgsversuche und richtig gedüngte Felder und Wiesen. Weiterhin wurden Vilder aus der Kaliindustrie, wie Verarbeitung und Behandlung der Hart- und Kalisalze und die Arbeiten des Bergmanns unter Tage in den Kaliwerken vorgeführt. Dann wurden u. a. noch Lichtbilder gezeigt, die die Bekämpfung der Ackerunkräuter, vor allem des
Streie Schotten.
*■ Schotten. 25. Aov. Dick' Schneeflocken fallen unaufhörlich, ein richtiger «chneewinter scheint leinen Einzug zu halten. Nur etwas Frost fehlt, imd der rechte Nobel- und Schneeschuhsport kann beginnen. Auf den Höhen, Hoherodskopf, Oberwald liegt der Schnee außerordentlich hoch. Der Wintersport kann hier voll zu seinem Recht kommen. Das Postauto blieb auf seiner Fahrt Ulrichstein—Lauterbach stecken. Auch die Bahn hatte heute ihre Mühe, zu uns zu gelangen und kam bei dem vielen Schnee mit Verspätung an. Wünschenswert wäre, wenn die Reichsbahn auch unserem Vogelsberg mehr Beachtung schenken würde und für die W i n t e r s p o r t l e r , die gern den Vogelsberg besuchen wollen, aus Gießen, Frankfurt, besonders an Samstagen und Sonntagen, bessere Bahnverbindungen (Sgnder- züge) schaffen wollte. — Aus der Gemeinde- ra t s s i tz u n g: Zwei nachfolgende Mitglieder wurden vom Bürgermeister in den Gemeinderat eingeführt. Der Bürgermeister berichtete über den Stand der PoPautolin^enverbindung und über die in letzter Zeit stattgehabten Verhandlungen mit den interessierten Gemeinden. Ein Postauto soll in Ulfa stationiert werden. Don dort soll es in der Frühe nach Nidda und zurück fahren, danach nach dem Bahnhof Eichelsdorf die Leute bringen, die in Schotten zu tun haben. Das Auto fährt von dort über Ulfa nach Hungen, um dort Anschluß zu den zweiten Zügen nach allen Richtungen zu haben. Don Hungen ist eine Rückfahrt vorbei wieder an den Ortschaften Langd, Rodheim, Rabertshausen, Ulfa nach Eichelsdorf vorgesehen. Hier werden die von Schotten um 1 Uhr zurückkommenden Passa- Siere nach Ulfa abgeholt. Eine weitere Autoverbin- ung soll Anschluß nach Gedern/gewinnen über die Orte Eschenrod, Wingershausen, Eichelsachsen, Glashütten (hier Treffpunkt mit dem von Nidda kommenden Postauro), Steinberg, Gedern evtl, wei- tergehend bis Ober», Mittel- unö Nieder-Seemen. Allen zum Kreis Schotten gehörigen Orten wäre durch diese günstige zweimalige tägliche Autoverhindung eine bequeme Gelegenheit geschaffen, nach Gedern und in die Kreisstadt Schotten zu gelangen. Man glaubt nicht, daß die Reichsbahn irgendwelche Schwierigkeiten macht, da ihr diirch diese Verbindung ja keinerlei Konkurrenz entsteht, im Gegenteil das Auto der Bahn nur Zubringerdienste leistet. Auch nach der Stadt Laubach (möglichst über Einartshausen, Gonterskirchen) soll Anschluß gesucht werden. Verhandlungen schweben darüber noch. Der Gemeinderat legt großen Wert auf die Förderung all dieser Linien, da mit dieser Anschlußgewinnung an all die verschiedenen größeren Plätze, wie Alsfeld,'Lauterbach, Ulrichstein, Groß-Felda, Gedern, Laubach, Schotten, Ulfa, -Nidda, Hungen der Verkehr ganz allgemein im Vogelsberg stark gehoben wird und etwas mehr pulsierendes Leben in unseren meist stiefmütterlich behandelten Vogelsberg kommt. Der Gemeinderat will jedenfalls die weitgehendsten Opfer für all diese Linien bringen. Aus der Ge- fcyäftswelt und der Bürgerschaft kommen starke Klagen über herrschende Geldknappheit und Zahlungsschwierigkeiten. Der Gemeinderat hat daher die Fälligkeit der Steuer- i" ziele für Grund- und Gewerbesteuer auf den
1. Dezember, 1. Februar, 1. April und 1. Juni festgesetzt, die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz ist fällig am 10. der Monate Januar bis Juni.
Hederichs erkennen liehen, und die vernichtende Wirkung des fein gemahlenen Kainits, richtig angewandt, klar zeigten. Hand in Hand mit den Lichtbildern erfolgten die nötigen sachgemäßen Erklärungen des Vortragenden, Diplom-Landwirts Gräf der es sehr gut verstand, durch längere Ausführungen dem ganzen Abend das Gepräge eines wohldurchdachten Aufklärungsvor-- träges zu geben. 1
lg. Aus dem Vogelsberg, 26. Nov. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß neuerdings der in manchen Orten unseres Gebirges, namentlich im Winter betriebenen Hausindustrie wieder größeres Interesse entgegengebracht wird. Auch erfährt sie hier und da eine zeitgemäße Aus- gestaltung und Erweiterung, indem man | sich mehr als seither aus die Anfertigung von Schneeschuhen verlegt und dadurch manchem Einheimischen Deranlasiung gibt, Jünger dieses schönen Sportes zu werden. Im übrigen beschränkt sich unsere Vogelsberger Hausindustrie auf die Anfertigung von Rechen, Sensenwürfen, einfachen Küchen- und Spielgeräten, Spinnrädern (Helpershain), Sieben u. dgl. mehr Als wichtigste Orte für sie kommen in erster Linie die hochgelegenen Vogelsberger Orte Rebges- hain, Helpershain, Sichenhausen u. a. in Betracht. Sollte die Hausindustrie, wie es den Anschein hat, eine neue Belebung erfahren, so wäre dies ein begrüßenswerter Schritt auf dem Wege zur Erkenntnis, die gerade heute mehr als je Allgemeingut werden müßte, daß auch jetzt noch das Handwerk einen goldenen Boden hat und seinen Mann ernährt.
Starkenburg.
WSB. D a r m st a d t, 26. Bov. Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, einem Platz im Borden der Stadt den Barnen Fried- rich-Ebert-Platz zu geben. — 3n der unteren Anna st raße trat gestern abend plötzlich eine Erdsenkung ein. Es entstand mitten in de r Straße ein ein Meter breites Loch, das sich nach unten erweiterte. Vor etwa einem Jahre ist ganz in der Bähe der Stelle ein Kohlenwagen buchstäblich in der Erde versunken. Die .Unterhöhlung war seinerzeit dadurch entstanden, daß die Wurzeln der die Straße flankie^nden Bäume die Kanalisation durchbohrt hatten, so daß der Grund durch den Kanal fortgeschwemmt worden war. Die Untersuchung des neuen Falles ist im Gange.
Darmstadt,, 25. Bov. Der elfjäh- r i g e S ch ü l e r K a r l B r a u n ließ sich gestern in der Bähe oes Südbahnhofs von einem Zuge überfahren. Das Kind war sofort t o t. Der Grund zur Tat ist unbekannt.
* Darmstadt, 26. Bov. Zu der Meldung von der in P f u n g st a d t unter Altmaterial auf» gefundenen Frauenhand wird angenommen, daß die Hand aus einem Krankenhaus stammt, weil sie ursprünglich in Spiritus gelegen hat. Eine Mordtat nimmt man nicht an.
Rheinhessen.
Mainz, 25. Bov. (WSB.) Geh. Schulrat Dr. Friedrich Bö m Held, langjähriger Direktor der höheren Mädchenschule, ist gestern nach langer Krankheit im Alter von 71 Jahren gestorben.
WSN. Mainz, 25. Nov. Eine gestern stattgefundene Führung durch den Mainzer Dom hat Gelegenheit gegeben, die bisher erzielten Fortschritte bei den Sicherungsarbeiten zu beobachten. Bekanntlich mußten, da die Pfahlroste, auf denen die Mauern des Domes stehen, infolge Vermorschung keinen Halt mehr boten, sämtliche Fundamente des Domes mit Beton unterfangen werden. Bis jetzt sind 6500 Kubikmeter Beton eingebaut, während 4500 Km. noch unterzubringen sind. Aus den Ausführungen der Professoren Rüth und Becker ging jedoch hervor, daß der Dom noch von einer weiteren dringenderen Gefahr bedroht ist. Von dem großen achteckigen Westturm fallen infolge der unsicheren Fundamente ständig Steine ab, worüber man sich schon feit Jahrzehnten wunderte, ohne daß man damals die eigentliche Ursache erkannte. Der Turm wird deshalb jetzt mit einem gewaltigen Eisen- anker versehen. Die Gurtbögen sollen bis zur endgültigen Befestigung des Bauwerks mit eisernen Unterlagen gestützt werden. Die Baukosten für den schwer gefährdeten Dom sollen bekanntlich durch eine Lotterie aufgebracht werden.
Preußen.
Aireie Wetzlar.
3 Wetzlar, 26 Bov. Bekanntlich finben am kommenden Sonntag auch im hiesigen Kreise die Wahlen zum Kreistag und Provinziallandtag statt. Während für den Kreistag 5 Wahlvorschläge eingereicht sind beträgt die Zahl für die ganze Rheinpro- v i n z deren 14 Stück. Für d: . Kreis Wetzlar kommt wohl für die Anhänger der bürgerlichen Parteien in erster Linie der Wahlvorschlag Br. 3 der Deutschen Volkspartei für die Provinzwahl in Frage, auf dem an der Spitze Oberbürgermeister Dr. Jarres, der bewährte Vorkämpfer für deutsches Recht und deutsche Freiheit steht. An zweiter Stelle ist ein Sohn des Kreises Wetzlar, Kaufmann Christian Eloos-Wetzlar verzeichnet, der sich in der Stadt sowohl als auch auf dem Lande größter Beliebtheit erfreut. Es steht zu hoffen, daß bei einer guten Wahlbeteiligung Herr Cloos als Vertreter des Kreises gewählt wird. Für den Kreistag kommt für die bürgerlichen Parteien nur die Liste Br. 15, genannt „Arbeitsgemeinschaft für Stadt und Lan d", in Betracht. Diese Liste vereinigt die Deutschnationale und die Deutsche Dolkspartei, den Kreisbauernverein und die Mittelstandslistc in sich. Die nächsten Tage werden noch sehr harte Kämpfe bringen, während bis heute die Agitation anscheinend noch mehr unter der Decke
verläuft. Die diesjährige Kreistagswahl ist insofern von besonderer Bedeutung, als der neue Kreistag voraussichtlich tn einem der nächsten Jahre vor die Frage der Beuwahl eines neuen Landrats gestellt sein wird, da der jetzige Landrat die Altersgrenze bald erreicht hat. Daher wird auch dem Ausfall der Wahl allseits großes Interesse entgegengebracht. Schätzungen hierüber sind schwer, beim man weiß nicht, wie hoch sich der Prozentsatz der bürgerlichen Wähler belaufen wird. Es wird jedoch allgemein auch auf dem Lande mit einer guten Wahlbeteiligung gerechnet. Wird dies zur Wahrheit, so dürste der neue Kreistag ebenfalls wieder eine knappe bürgerliche Mehrheit erhalten.
Kreis Biedenkopf.
dH. R o d h e i m a. d. Bieber, 26. Bov. Der in letzter Zeit in Deutschland und vorher in Bordamerika gezeigte B e t h e l f i l m wurde jetzt auch in unserer Kirche für die Gemeinden Rodheim-Bieber und Vetzberg vorgeführt. Wohl alle Anwesenden hatten von den Bodel- schwinghichen Anstalten in Bethel bei Bielefeld schon gehört und gelesen, aber niemand wird sich das Werk dieses Mannes nach Größe und Bedeutung so vorgestellt haben, wie sich ihm hier im bewegten Lichtbilde zeigte. Groß ist der Segen, welcher schon von Bethel ausgegangen ist, und noch soll das Werk weiteren Segen stiften, dazu bedarf die Anstalt, die ihr Bestehen zum größten Teil auf christlicher Liebestätigkeit auf- baut, her älnterstützung aller derjenigen, welche für ihre notleidenden Mitmenschen ein Scherflein erübrigen können. Cs ist aber auch von großer Bedeutung, daß den Gebern einmal gezeigt wird, welcher Segen aus ihren Gaben erwächst, Unb dazu wurde den Anwesenden in jeder Hinsicht reichlich Gelegenheit geboten. Sämtliche Bilder wurden von einem erklärenden Vortrag begleitet, durch den ihre Anschaulichkeit noch vertieft wurde. Mancher Besucher, der früher für die Bot in Bethel noch kein rechtes Verständnis gezeigt hat, wird wohl in Zukunft einer Bitte um eine Gabe für dieses christliche Liebes werk kein Ohr und seinen Geldbeutel leichter öffnen als bisher. Am Bachmittag war die gleiche Vorstellung für die Schulkinder der drei Dörfer Rodheim, Bieber und Vetzberg.
XX Frankenbach, 25. Nov. Die Nachfrage nach Christhäumen steigert sich hier von Jahr zu Jahr, kommen doch selbst von Frankfurt Händler in unsere Gegend, um hier ihren Bedarf zu decken.
XX Wilsbach, 25. Nov. Pfarrer Gründ- l e r dahier wurde von der Kirchengemeinde Sinn einstimmig als Nachfolger für Pfarerr Enke gewählt. Bis zum Jahre 1899 gehörte unser Dorf in kirchlicher Beziehung zu der Nachbargsmeinde Erda (Kreis Wetzlar). Das hiesige Pfarrhaus, von der Zivilgemeinde erbaut und im Stockbuch als evangelisches Pfarrhaus eingetragen, war in einer langen Reihe von Jahren als Schule und Lehrerwohnung benutzt worden und infolge dieses Vorkomm, nifses führte die Ablösung von der Pfarrei Erda zu einem langjährigen Streitverfahren zwischen bürgerlicher und kirchlicher Gemeinde, das bis heute noch nicht gelöst ist. Man hat sich dahin geeinigt, daß im unteren Stock die Schule weiter gehalten wird, während die oberen Räuine, die früher die Dienstwohnung des Lehrers bildeten, dem Pfarrer als solche eingeräumt worden sind. Wilsbach zählt nur 287 Bewohner, mithin eine leichte Pfarrei. Der häufige Wechsel des Pfarrers mag wohl in den Wohnungsverhältnissen begründet sein.
Oberlahnkrcrs.
Weilburg, 26. Bov. WSB. Das große Los der Lotterie vom Verband für deutsche Jugendherbergen mit der Anwartschaft auf ein vollständiges Holzhaus ist auf Br. 22294 gefallen. Der glückliche Gewinner ist Kreiswohl- fahrtsob^rsckretär Weil von hier. — Die beiden Zwillingsbrüder Philipp und Anton Schäfer feiern heute in voller Rüstigkeit ihren 8 6. Geburtstag.
Maingau..
WSN. Frankfurt a. M., 25. Nov. Auch in der Provinz Hessen-Nassau ist eine erhöhte Spartätigkeit zu bemerken. In den ersten neun Monaten des lausenden Geschäftsjahres sind insgesamt 52 184 900 Mk. neu zur Einzahlung gelangt, gegenüber 19 731 000 Mk. im Vorjahre. Da ein großer Teil der Spargelder zu Zwecken des Wohnungsbaues Verwendung finden wird, ift zu erwarten, daß bei weiterer erhöhter Spartätigkeit auch das furchtbare Gespenst der Wohnungsnot endlich verschwinden wird. — Das Verfahren gegen den Architekten Willi Lutz, das vor ca. 10 Monaten wegen Wohnungsschiebungen beim hiesigen Wohnungsamt eingeleitet wurde, ist nunmehr eingestellt worden. — Der 28jährige .Koch Paul Kirchner hat seinem Arbeitgeber in 'Aschaffenburg aus dessen Lager unter erschwerenden Umständen Champagner, Wein, Liköre, Zigarren, Zigaretten, Schokolade und die feinsten Konserven gestohlen. Er brachte die Beute hier zu einem Bekannten in der Ludwigstraße. Dort wurde das Lager von der hiesigen Kriminalpolizei entdeckt und mit einem Wagen abgefahren. Kirchner ist am 20. d. Mts. aus dem Gefängnis in Aschaffenburg entwichen, wurde aber am gleichen Tage bei einem Freunde in Darmstadt, bei dem er sich Geld für eine Auslandrsise holen wollte, festgenommen.
Ein Kriminalbeamter in Frankfurt erfchofsen.
Frankfurt a. M., 26. Bov. WSB. Heute früh gegen 4 Ahr wurde am Westendplah der Kriminalastistent Otto Sack, der sich eigentlich in der Oeffentlichkeit wenig betätigt hat, erschossen aufgefunden. Sack kam von einer Sittenstreife zurück und hatte sich fuc& vorher von einem Kollegen getrennt, um sich in seine Wohnung, Lllmenstraße 37, zu begeben. Die Leiche wies zwei Drustschüsse, einen Schuh in der linken Hand und eine Verletzung am Hinterkopf auf.
Der Hut lag unmittelbar rechts neben der Leiche. Von Bewohnern der Rhein -und Savignystraße. sowie des Westendplatzes sind kurz vor zwei älhr Schüsse gehört worden. Man hörte Laute Schmerzensrufe, die sich nach dem Westendplah zu verloren, sah auch, wie ein Mann zum Westendplah in schwankender Haltung ging und glaubte anfangs. es fei ein Betrunkener. Dieser Mann fiel am Westendplah zur Erde, erhob sich jedoch wieder und ging dann weiter. Vermutlich hat sich die Tat an der Ecke Rhein- und Savignystraße abgespielt. Don den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur.
Kreis Fulda.
WSB. Fulda, 26. Bov. Der „Fuldaer Zeitung" zufolge wurde gestern in Fulda der 25jährige Zigeuner Franz Winter, der an der Ermordung seines StammesgenoKen Johann W i n t e r st e i a in Frankfurt-Cckenheim beteiligt war, verhaftet und ins Gefängnis eingclicfert.
Amtsgericht Gießen.
* Gie hen, 23. Nov. In der Nacht vom 15. znm 16. August sah der Polizeiwachtmeister W. von hier, wie 2 Personen aus der Wirtschaft von Sauer herauskamen, und die Straße durch Urinieren verunreinigten. Er ging auf sie zu, woraus der eine weglief, und stellte die Personalien des anderen fest. Dabei ergab sich, daß es ein in Zivil befindlicher Reichswehrsoldat E. war. W. teilte ihm mit, daß er ihn anzeigen müsse, worauf ihm E. er widerte: „Ich bin 7 Jahre Soldat, ich zeige Sic an. Sie haben mich belästigt." W. ließ sich durch diese Aeußerungen nicht stören, worauf E. noch hin zufügte: „Ein Gießener Schutzmann ist für mich überhaupt nichts, den p .... ich an." E. bestreitet diese Aeußerung, er will lediglich gesagt haben: „Die Gießener 'Polizei taugt überhaupt nichts, wenn ein Krawall ist, läßt sie sich nicht sehen, abends dagegen schreibt sie Leute auf, die nichts gemacht haben." Nach der Aussage eines etwas später hinzuaekom- menen Kameraden sagte er auch noch, er lasse sich das nicht bieten, werde es vielmehr seinem Bataillon melden, es sei eine Gemeinheit, daß man vom Bürgersteig heruntergeworfen werde. Das Gericht schenkte den beeidigten Aussagen des Polizeiwachtmeisters W. vollen Glauben und stellte dementsprechend fest, daß der Angeklagte nicht nur die von ihm zugegebenen und die von seinem Karne roden bekundeten Aeußerungen getan, sondern daß er auch die Worte gebrauchte, die W. wiedergegeben hat. Wegen dieser schweren Beleidigungen, die in ihrer Geringschätzung kaum Überboten werden können, wurde er zu einer G e l d st r a f e o o n 5 0 M k. verurteilt.
Strafkammer Gießen.
* Gießen, 20. Nov. Die beiden wegen des selben und wegen ähnlichen Deliktes vor bestraften Brüder Hermann und Hugo K. von L i d, standen unter der Anklage des Wilderns. Der vor ihnen mitgeführte Hund hatte während der Schonzeit einen Hasen im freien Feld verfolgt und toL gebissen. Die Angeklagten nahmen diesen Hasen mit nach Hause, zogen ihm das Fell ab, konnten ihn aber nicht essen, well er nicht genießbar roar; sie bestritten aber, jegliche Absicht des Wilderns gehabt zu haben. Doch schenkte das Gericht ihren Angaben keinen Glauben, hielt sie vielmehr auf (Bruno der Beweisaufnahme für überführt und verurteilt« fic unter Aufhebung des Urteils des Amtsgerichts Lich zu einer Geldstrafe von je 100 M k., die im Uneinbringlichkeitsfall mit je 10 Tagen Gefängnis zu verbüßen sind.
Ein Viehhändler von Büdingen war von dem Amtsgericht Büdingen zu einer Geldstrafe von 30 Mk. verurteilt worden, weil er den von dem Kreisamt Büdingen zwecks Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche erlassenen Vorschriften zuwidergehandelt hatte. Gegen dieses Urteil verfolgte er Berufung, da er sich nicht schuldig fühlte, ließ sich dann aber eines Besseren belehren und bat lediglich um Herabsetzung der Strafe. Wie die heutige Verhandlung ergab, hatte er nicht böswillig gegen die Verordnung verstoßen. Deshalb wurde die Strafe auf den geringft zulässigen Betrag von drei Mark herabgesetzt, im übrigen mußten ihm aber sämtliche Kosten auferlegt werden, da er ursprünglich zum Zwecke der Freisprechung Berufeung eingelegt, aber insofern mit der Berufung nicht den gewünschten Erfolg hatte.
Gegen drei Viehhändler von Pohl-Göns bzw. Kirch-Göns waren durch das Amtsgericht Butzbach Strafbefehle erlassen worden, weil sie im Frühjahr 1924 es unterlassen hatten, die für sie vorgeschriebenen Ein- und Verkaussbücher zu führen. Auf ihren Einspruch hin waren sie durch das Amtsgericht Butzbach freigesprochen morden. Auf die seitens der Staatsanwaltschaft ei' ?gte Berufung wurde der eine Angeklagte für schuldig befunden, und insoweit das erstinstanzliche Urteil aufgehoben. In Anbetracht, daß die Verordnung mittlerweile aufgehoben worden ist, wurde er mit einer geringen Geldstrafe belegt, während es bezüglich der beiden anderen Angeklagten bei dem ersten Urteil verblieb.
Weiter hatte sich der Georg H. von Gießen wegen Unterschlagung einer größeren Anzahl von Tischdecken zu verantworten. Durch das Amtsgericht Gießen war er bereits zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt worden, doch mußte die Sache nochmals verhandelt werden, da sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte gegen das Urteil Berufung verfolgt hatten. Da der Angeklagte in der heutigen Hauptverhandlung noch eine Reihe von Zeugen namhaft machte, mußte die Sache zwecks Beiladung der weiter benannten Zeugen nochmals vertagt werden.
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