Ausgabe 
27.11.1925
 
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Nr. 278 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhessen)

Freitag, 27. November 1925

England und Persien.

Von unserem E. ^-Berichterstatter.

j (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Konstantinopel, November 1925.

Das seit drei Jahrhunderten wirtschaftlich immer tnehr herabgekommene und militärisch ganz ohn­mächtige Persien war schon seit längerer Zeit, na­mentlich seit 1858, bekanntlich ein besonders viel umstrittenes Kampfobjek: zwischen der britischen und russilchen Orientpolitik. Im allgemeinen erwies sich dabei die legiere fast immer als die stärkere, beson- ders seit 1897, nachdem der sehr russenfreundliche 'M u s a f f e r e d Din den Thron bestiegen hatte. Nach dem Tode des Schahs im Jahre 1907 fand die englisch-russische Rivalität ihr vorläufiges Ende in dein in denselben Jahre abgeschlossenen Abkommen über Persien. Dieses Abkommen, in dem England leine sicheren Vorteile erlangte, hatte eine weit über Persien hinausgehende weltpolitische Bedeutung, denn durch diesen Vertrag wurde der Ring um das eingekreiste Deutschland geschlossen.

Nachdem im Weltkriege der Zarismus zusammen­gebrochen war, verstanden es die Engländer, das ganze Land mit einem ziemlich starken Truppenauf- gebot in ihre Gewalt zu bringen, so daß man das Jahr 1918 -als den Höhepunkt der britischen Vor­herrschaft bezeichnen kann. Aber mit dem Erstarken der roten Armee in Sowjetrußland nahm diese eng­lische Hegemonie sehr bald ein Ende, denn bereits 1920 mußten die britischen Truppen die Küste des Kaspischen Meeres und Aserbeidshan in einem flucht­artigen Rückzug verlassen. Und der letzte Rest des britischen Einflusses in Teheran hatte im Beginn des Jahres 1921 ein Ende, als im Februar das jo- vrjetrussisch-persische Schutz- und Trutzbündnis abge­schlossen wurde. Erst durch diesen Vertrag wurde die tatsächliche Abhängigkeit Persiens sichergestellt und das Land gegen alle britischen Vergewaltigungen wirksam geschützt. Und in demselben Jahre wurde Mirsa Risa Chan Pahlawi, der eigentliche Schöpfer des neuen Persiens, Kkiegsminister.

Was die wirtschaftlichen Verhältnisse betrifft, so befanden sich noch 1920 etwa drciviertel des per­sischen Außenhandels, in dem die Ausfuhr von Pe­troleum, Teppichen, Opium und getrockneten Früch­ten die Hauptrolle spielt, ganz in englischen Händen. So bedeutend der russische Teehandel auch immer ge­wesen ist, so war doch am Import von Tee aus Ceylon, der in Persien besonders beliebt ist, natürlich aus­schließlich England beteiligt. Die Einfuhr von Zucker und Textilwaren wurde bisher vorzugsweise von Rußland besorgt. Im Laufe der letzten fünf Jahre haben auf dem Gebiete des Handels auch Deutsche und Amerikaner festen Fuß gefaßt. Die 'Aussichten der letzteren, auch auf dem Gebiete der Ausbeutung der Petroleumquellen, sind besonders deshalb sehr günstige, weil sie es sind, die dem zerrütteten Lande die ersten zehn Millionen Dollars vorgestreckt. Na­türlich ist das Fehlen von Verkehrswegen in einem Lande, das, wie vor Jahrtausenden, nur Kara­wanenstraßen für Kamele besitzt, ein arger Hemm­schuh für die wirtschaftliche Entwicklung. Dabei sind die 160 Kilometer Eijenbaynen in den letzten Jahren noch völlig in Verfall geraten.

Es ist nun recht interessant, die weitere Ein­mischung Englands in die persische Entwicklung seit 1921 zu beobachten, nach dem der wahrhafte Patriot und große Staatsmann Risa Chan mit eisenfester Hand als Diktator die Zügel der Regierung er­griffen hat. Da dieser persische Mussolini die Armee, die von ihm reorganisiert wurde, fest in der Hanv hält, braucht er auf den Medshilis ebensowenig Rück­sicht zu nehmen, wie der willensstarke Italiener Mussolini auf das Parlament seines Vaterlandes. Daß das schlaffe, kraftlose Persien jetzt plötzlich einen so großen Mann uno Patrioten hervorgeoracht hat, könnte wundernehmen, wenn man nicht wüßte, daß Risa Chan ein Kurde ist, allo einem Volke an- aehört, das sich seit den Zeiten Alexanders des Gro­ßen immer durch beispiellose Tapferkeit und Energie ausgezeichnet hat.

Angesichts dieser völlig veränderten Sachlage griffen die Engländer wieder zu ihrem altbewährten und früher in Asien stets erfolgreichen Methoden. Die britische Politik hat bekanntlich in Asien stets mit Geld gearbeitet. Die Käuflichkeit und Bestechlich­keit der orientalischen Fürsten, Minister und führen­den Politiker bildete überall die willkommene Grundlage für diese Politik, bei den kleinen indi­schen Fürsten sowohl, wie in Afghanistan und Be-

ludschistan, wobei die von England erkauften Län­der nicht allein mit Gold, sondern auch mit hohen Ehren überhäuft wurden.

Wenn nun, wie in der markanten Persönlich­keit Risa Chans den Engländern ganz unerwartet ein lauterer, unbestechlicher Charakter gegenüber­steht, jo sind sie fast fassungslos. Vor der Ehren­haftigkeit dieser neuen Männer in Asien, mögen sie nun Karabekir Pascha oder Risa Chan heißen, bricht die englische Orientpolitik, die bisher alle festen Positionen mit dem goldbeladenen Esel er- stürmte, wie vor einem unübersteiglichen Wall zu­sammen.

Trotzdem haben die Engländer in den letzten Jahren in Persien an dem alten Schema festgehal-

Prinzip, so bequem es europäischen Beutejägern er­scheinen mag, hat in der persischen Malle des Vol­kes, wie Überhaupt in Asien, keinen rechten Boden mehr. Die englischen Nachrichten vom bevorstehen­den Königtum Risa Chans sind deshalb sicher nicht richtig, denn dieser Mann weiß, daß er als Dikta­tor seiner Heimat mehr nutzen kann als ein Monarch.

Den größten Einfluß im freien Persien haben jetzt jedenfalls die Bolschewisten, die seit dem Ver­trage von 1921 auf alle imperialistischen Vorteile der zaristischen Politik verzichteten und nicht mit Unrecht als Retter und Befreier des Landes vom englischen Joche gelten.

So hat jetzt die britische Politik in Persien voll­

Ein Nürnberger Spielzeug-Roman

von G. iS*. «Mevleirr-Kom esMökit seit gestevrr im »GteHenev Amsisev" LleubesteUev süv Dezemvev sschMe« die Äummeeu bis «Lnde Ksvembev nebst LnbiSSums-Anssabe ksstenlss

tcn, ohne dem Zeitgeist Rechnung zu tragen und die jetzt völlig veränderte Mentalität der asiatischen Volksmassen zu berücksichtigen. Wit englischem Gelds wurde der später fälschlich den Bolschewiken in die Schuhe geschobene Aufstand der Jomud-Turkmenen angezettelt, der jedoch, ebenso wie andere Revolten der unruhigen Oren^ftämme, von Risa Chan in kur­zer Zeit siegreich medergeschlagen wurde. Da diese Turkmenen an der seit 130 Jahren regierenden Dynastie der Kadsharen, die bekanntlich türkischen Stammes sind, feschielten, also streng monarchistisch gesinnt waren, so liegt es auf der Hand, daß dieser Aufstand nur im englischen Interesse liegen konnte.

Die Engländer haben bann, anscheinend in völ­liger Verkennung der in ihrer Entwicklung durch Risa Chan mächtig geförderten Volkskräfte, ihre per­sische Politik auf ein sehr brüchiges Fundament ein­gestellt. Nämlich auf den Willensschwächen Schah Achmed, den Sohn des 1909 abgesetzten Mohammed Ali Schah, einen jungen Lebemann, der sich seit 1921 mit einer sehr anständigen Zivilliste in Frankreich amüsiert, auf die in Persien ganz besonders rück­ständige Geistlichkeit, und auf die grundbesitzenden Magnaten, die als die ärgsten Ausbeuter und Leute­schinder im ganzen Orient bekannt waren. Die letz­teren sind mittlerweile von Risa Chan enteignet worden, was hier jedenfalls volkswirtschaftlich dem Lande zum Gegen gereichen wird. So wurde bei den letzten Wahlen zum Medshilis mit englischem Gelde eine reaktionäre Mehrheit erzielt, die jedoch gegenüber dem starken Willen des Diktators sich als belanglos erwiesen Hot. Denn das monarchische

ständig abgewirtschaftet und muß sich daran ge­nügen lassen, ihren Einfluß in Indien aufrecht zu erhalten. Wie lange ihr das noch möglich fein wird, kann nur die Zukunft lehren. Wenn aber die schon bestehenden Beziehungen zwischen Risa Chan und Kemal Pascha noch engere werden, so dürfte das vielleicht nicht mehr sehr lange möglich sein . . .

Gegen Fortsetzung der Kontumazurtette.

Don feiten des Deutschen Of fiz ier- b u n d e s geht uns folgendes an den Herrn Reichskanzler in Angelegenheit der kriegsgericht­lichen Verurteilungen erneut gerichtetes Schreiben zu:

Herr Reichskanzler! In einem Schreiben vom 25. März des Jahres hatte ich die Ehre, als Dundespräsident des Deutschen Osfizierbundes bei Eurer Exzellenz vorstellig zu werden in An­gelegenheit der kriegsgerichtlichen Verurteilun­gen Frankreichs und Belgiens. Ich erlaube mir, im Hinblick auf die damals noch schwebenden wirtschaftlichen Verhandlungen mit den obigen Staaten anzuregen, daß auch bei dieser Gelegen­heit mit Rachdruck auf die Beseitigung des die Ehre des gesamten Volkes stets er­neut angreifenden, rechtlich gänzlich halt­losen und. schmählichen Vorgehens gegen deutsche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften hingewirkt würde. Auf diese Ein­gabe habe ich eine Antwort nicht erhalten. In­

PelzmärLel, Ein Rürnberger Spielzeugroman.

Rach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. E b e r l e i n.

Copyright 1925 bh A. Scherl G. m. b. H., Berlin.

1. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Waren daher in einem Hause schon vier oder fünf Kinder vorhanden, und man wollte aus Bescheidenheit nicht noch ein sechstes aus dem Brunnen herausfischen, so beauftragte man Panz einfach die Störche, irgendwo in der Ferne in einem Garten zu suchen oder im Kelch einer Nelke oder zwischen den Blättern der Pfeffer­minze oder nnterm Kleeblatt oder gar im Kahl­kopf, sofern die Pflanzen nicht gerade zwischen Disteln standen. Die Störche sind nämlich sehr gut für solche Geschäfte zu gebrauchen, sie wissen besser als jeder andere, wo und wie die Kleinen: zu finden sind. Auf den Dächern lebend, hören und sehen sie alles, was in den Häusern vorgeht, und können daher besser als die Leute selber beurteilen, was ihnen frommt. Sie werden nie Len Fehler begehen, ein böses Kind in das Haus einer guten Mutter zu tragen, während hingegen die gute Mutter, wenn sie einmal ein Kind zwischen Disteln findet anstatt in einer Relke, es aus Versehen nach Hause mitnimmt. Dies ist schon mehr als einmal vorgelornmen.

Wie gesagt, im alten Nürnberg gab es damu.'s weder Flugzeuge noch Automobile und nicht einmal Lokomotiven, dagegen Vögel mit Ian;e i Schräteln und von unve.g e chlicher Weis­heit die sic' gerne zu allen möglichen Diensten hergaben und' besser unterrichtet waren als der Bürgermeister, dce Stadtväter und die Richter, die sich alle ro-dfer dünkten als der König Sa­lomo, die husteten, niesten und sich räusperten, indem sie gewaltige Mengen Tabak schnupften, um den Eindruck zu öru-ecken, als hätten sie olles begriffen während oft gerade das Gegenteil zutraf, wie wir gleich im Falle von Peter Tand sehen werden.

Der 23. Dezember war her gekommen und Puppenpeter richtete das Schaufenster für Weih­nachten her. Obwohl der Laden des Meisters Leopold der älteste und schönste in' her Stadt

war, wie ich schon erzählte, bestand er nur aus wenigen Räumen: neben einem bis an die Decke mit Kisten und Schachteln vollgestopften Lager öffnete sich ein Hinterzimmer, wohin sich Meister Leopold mit seinen großen Äontor- büchern zurückzuziehen pflegte, wenn er Briese zu schreiben oder Rechnungen auszustellen hatte. 2m Verkaussraum selber erwarteten die beiden Gehilfen, Peter Tand und Tlbraham Schloß, die Kunden. Das einzige Schaufenster war klein und hatte grünliche Scheiben, die von innen her beleuchtet wurden. Aber alle Mütter wußten, daß hinter diesen Scheiben im Lichte der rauchen­den Lampe wahre Schätze ausgespeichert waren, um Kinder selig zu machen, und heute, einen Tag vor dem heiligen Abend, hatten sie sich in Menge eingefunden, um mit Puppenpeter zu beratschlagen. Nie hatte es so viel Auswahl gegeben; Peter war glücklich.

Was wirst du in die Auslage tun? fragte der bucklige Abraham Schloß, der, geschwätzig und träge, wie er war, immer unnütze Fragen stellte, nur um etwas sagen zu können und nicht dabei denken zu müssen.

Peter schaute ihn erstaunt an:

Nun Kunigunde natürlich! Sie ist das Schönste, was wir haben. Unb dann unseren Hans Sachs mit seiner Laute und schließlich, wenn er hineingeht, auch Karl den Großen. Freilich scheint es mir, um aufrichtig zu sein, als hätten sie ihm den Bart etwas zu lang gemacht; denn wenn er einmal essen müßte. <o hinge er ihm in die Suppe hinein, was der geschichtlichen Wahrheit sicher nicht entspricht. Schau dir da­gegen einmal Kunigunde an!

Kunigunde trug ein langes Brokatkleid, Schleier und Mantel und hatte eine Krone auf. Die blonden Haare fielen ihr bis weit über die Schultern. Er betrachtete sie voll Bewunderung und stellte sie aufrecht auf den Ladentisch. Es war wirklich eine Prachtpuppe. Sie schlug die saphirfarbenen Augen auf und schloß sie wieder, lächelte gnädig und verbeugte sich zierlich und hoheitsvöll; denn vor vielen Jahrhunderten war sie eine große Kaiserin gewesen und nun mußte sie doch ihrem Namen Ehre machen.Kuni­gunde ist ein Meisterwerk", sagte Peter über­zeugt.Der Meister hat ganz recht, wenn er sie nicht einmal für 200 Mark verkaufen will."

Abraham schnitt eine Grimasse, die aus- drücken sollte, daß er, ginge es nach ihm, Kuni­gunde gut und gern für 200 Mark hergegeben hätte, den Hans Sachs und Karl den Großen noch dazu. Aber er schwieg. Er wußte wohl, daß Peter keine Redensarten duldete, die seine Puppen und Figuren herabfetzten.

In diesem Augenblick trat eine Schar lachen­der und schwatzender Damen in den Laden. Alle bewunderten Kunigunde unö mehr als eine bot 200 Mark für sie, aber Peter weigerte sich, wie es ihm anbefohlen war, sie zu ver­kaufen. Die Damen mußten sich damit bescheiden, einfachere Puppen zu kaufen, Hampelmänner und Pferdchen, Spielbälle, Trompeten und ©ummi» katzen Die Gummikahen waren das Aller­neueste und kehr begeht. Beladen mit Päckchen und Schachteln verliehen die Kunden den Laden.

Das Geschäft geht glänzend!" rief Peter in das Hinterzimmerchen hinein, wo Meister Leopold schrieb.

Der Meister rieb sich befriedigt die Hände: Schön, schön! Werde schon zufehen. lieber Peter, daß auch du dein Weihnachtsgeschenk bekommst."

Meister Leopold war gewiß nicht freigebig, aber er wußte wohl, was er an Peter hatte. Wenn Puppenbeter der beste aller Verkäufer war, ko kam das davon, weil niemand anders, vielleicht nicht einmal die Kinder, die Spiel­sachen so liebte und verstand wie er. Für Peter waren das lebendige Dinge. Wenn er die rosa oder blau an gezogenen Püppchen in die Schach­teln hineinlegte, so sagte er zu ihnen:Schlaft: jetzt, ihr lieben Dinger!" Gerade so, als ob er zu feinen Kindern spräche. Mit den Mario­netten plauderte er, als ob er der Drahtzieher wäre. Aufs zärtlichste wußte er die Schäfchen, die Hunde, die Katzen zum Meckern, zum Sprin­gen, zum Lausen aufzufordern. Man muhte ihn nur hören:Mäh, mäh, Schneeweihchen! Schaut es nicht wie eine Schneeflocke aus? Mäh, mäh! Unb du, wer bist denn du? Der arme, alte Toto? Haben sie dir wieder nichts zu fressen gegeben? Wau, wau! Wauwauwau! Ach, da ist die graue Grell, und da die böse Teller- lederin, die rote Miez, und da der schwarze Peter mit dem dicken Kopf miau, miau mitiau..."

zwischen sind gerade in letzter Zett in augenfäl­liger Weise wiederum zahlreiche Verur­teilungen an z. Teil bekannten Persönlichkei­ten seitens der beiden feindlichen Mächte aus- gefprochen worden, die in weiten Kreisen deS deutschen Volkes ähnlich empsunden werden, wie unser anliegendes Bundesoraan es ausspricht. Aeuherein Vernehmen nach soll eine Revision der vollzogenen Verurteilungen in Erwägung gezogen werden. Damit würde nicht der Äcm der Sache berührt werden, der In der unein­geschränkten Forderung liegen muh. daß die Ver­urteilungen überhaupt aufhören.

Namens der dem Deutschen Offizierbunde an- geschlosfenen sehr zahlreichen ehemaligen Offi­ziere der alten Armee beehre ich mich, Eure Exzellenz um eine gütige Auskunft ganz ergebend zu bitten, ob und Tn welcher Weise gelegen ti lich der Verhandlungen in Locarno, ober nachher, diesem, einer angeblich angebahn­ten friedlichen und versöhnlichen Entwicklung hohnfprechenden Vorgehen Frankreich und Bel­giens ein für alle mal ein Ende be­reitet worden ist.

Genehmigen Sie, Herr Reichskanzler, den

Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung, mit der ich die Ehre habe zu sein Eurer Exzellenz sehr ergebener gez. v. Hutter, General d. Infanterie a. D. Bundespräsident.

Parlamentarisches aus Hessen.

Ein sozialdemokratischer Antrag lautet: Der Land­tag wolle beschließen, für die Beschaffungvon Winterbedarfsartikeln an alle Personen, die von den Bezirksfürsorge-Verbänden und den öffentlichen Arbeitsnachweisen unterstützt werden, und deren Einkommen die Richtsätze der sogenannten gehobenen Fürsorge (Sozial- nnd Sleinrentnerfür- sorge) nicht Übersteigt, aus Staatsmitteln eine Wirtfchaftsbeihilfe im Durchschnitt von 40 Mark zu gewähren. Die Auszahlung der staat­lichen Wirtschaftsbeihilfe erfolgt durch die Bezirks- Ürjorge-Derbande unter Berücksichtigung der Kopf­zahl der Familie. Die Beihilfe soll auf die laufende Monatsunterstützung vom 1. Dezember 1925 bis 30. April 1926 umgerechnet werden.

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Die volksparteiliche Fraktion beantragt, die Re­gierung zu ersuchen, dem Landtag alsbald eine Zu­sammenstellung oorzulegen über die während der letzten 7 Jahre in den einzelnen Zweigen der Staats Verwaltung erfolgten Beförderungen von Staatsbeamten, aus der hervorgeht, wie viele bienftältere Beamte feines Ressorts jeder einzelne beförderte Staatsbeamte bei feiner Beförderung übersprungen hat.

Die volksparteiliche Abgeordnete Birnbaum beantragt, der Landtag wolle beschließen, daß dem Direktor der L a n d e s b i b l i o t h e k die Summe von mindestens 5000 Mark bewilligt werde, um für Krankheits- und Beurlaubungsfälle, außerdem für Schreibhilfe Mittel zu freier Verfügung zu haben.

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Die Regierungsparteien haben folgenden Antrag zur Beitreibung der Pachtrückftände für das Jahr 1925 eingebracht: In richtiger Erkenntnis der Lage ihrer Pächter haben die Verwaltungen der Familien­güter zinsfreie Ratenzahlungen der am 11. Novem­ber d. I. fälligen Pachtbeträge bewilligt. Wir bean­tragen, der Landtag wolle beschließen, obigem Vor­gehen zu folgen und die Beitreibung der Pachtrück­ftände für das Jahr 1925 nicht vor Ende März 1926 vornehmen zu lassen.

Mert und Unwert von Reklame im Dienste der Aundenwerbung. Von Dr. Kurt Hüttenbräucker, Wiesbaden, II.

Wenn wir und nunmehr der wichtigsten Frage nach der Werbewirkung von Plakat und Inserat zuwenden, so soll unsere erste Frage lauten, wann kann das Plakat im Dienste der Werbung wert volle Dienste leisten? Denn gerade darüber sind noch manche recht schiefe Vorstellungen verbreitet. Ganz allgemein kann man sagen, daß die Wer­bung durch Plakat die Werbung durch Inserat

Er lief) sie in einer Reihe auf dem Ladentisch aufmarschieren und gab das Zeichen zum Konzert. Das war ein Blöken, Miauen, Wiehern, der. Esel schrie, und die Kuh muhte, und der Hahn schmetterte sein Kikeriki! Er wußte sie alle nach­zuahmen, er machte den Geflügelhos nach, dem Stall und die ganze Menagerie. Wie ein Löwe in der Wüste brüllen konnte fein anderer als Peter. Kein Wunder, wenn diese Art und Weise, ein Ding ins rechte Licht zu setzen, niemals ihre Wirkung verfehlte. Peter war ein unwidersteh­licher Verkäufer. Und wie sorgfältig er mit allen Sachen umging! Und wie genau er mit seinem Prinzipal abrechnete! Die Perle von einem Verläufer! Abraham Schloß dagegen, faul, böse, unhöflich und unordentlich, war bei jeder­mann unbeliebt. Gerade, daß man sich von ihm bedienen lieh, wenn er allein im Laden war. Wie anders dagegen, wenn der andere kam! Peter hier, Peter da, Abraham beachtete man gar nicht. Unb das tückische Männchen ver­zehrte sich aus Zorn und Eifersucht. Dazu war er noch grundhäßlich, bucklig, krumm und ein- geschrumpst.

Grund zur Eifersucht hatte er freilich genug, weil die schöne Margarete, der er barnate den Hof machte, Peter zum Manne nahm. Die beiden sind dann sehr glücklich geworden, haben zwei hübsche Kinder aus dem Schönen CBnmnen bekommen, und nichts trübte ihre Tage, bis die arme grau Margarete sterben mußte. Don da an widmete sich Peter ganz seinen Kindern Otto und Liesel und den Spielsachen des Meisters Leopold. Er war ein guter Vater, sehr arm, aber auch sehr ehrsam, und hätte alles für Otto und Liesel getan, nur nicht gelogen oder ge-i stöhlen oder sonst ein Unrecht begangen.

Den ganzen Tag über an diesem 23. Dezem­ber hastete Peter zwischen Lager und Verkaufs- tisch hin und und her, Schachteln schleppend, Kisten öffnend, unzählige Dinge anpreisend. Er führte die Pferde vor, Dackel und Miez, wie­herte, bellte, miaute aus voller Lunge und ver­kaufte mehr, als möglich schien. Dazwischen schmunzelte er vor sich hin: Wer weiß, was der Herr mir schenken wird! Vielleicht darf ich mir gar unter den schönsten Puppen eine für Liesel aussuchen und einen ganzen Zrzg Bleisoldaten für Otto. (ftortfcHuna tnbit V