Ausgabe 
27.10.1925
 
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10000 Stimmen ein Mandat erhält, um mehr als ein Dutzend Sitze verringert wird, ein Ergebnis, daß vom Gesichtspunkt der Spar­samkeit und der politischen Arbeitsmöglichkeiten aus nur zu begrüßen ist.

Nehmen wir zunächst Berlin, so ist hier zu sagen, daß mit Ausnahme der Kommunisten eigent­lich keine einzige Parier Grund zur Befriedigung hat. Die Sozialdemokraten hatten eine starke Propaganda entfaltet, weil sie die Hälfte aller stimmen haben wollten, sie haben nur ein Drittel bekommen. Sie haben sich nach zwei Rich­tungen verspekuliert: einmal in der Hoffnung, daß die Unzufriedenen von der Deutschnationalen zu ihnen zurückströmen würden, zum anderen aber auch darin, daß sie glaubten, sie würden die Erbschaft der Kommunisten 'antreten. Ganz im Gegenteil. Die Stimmenzahl, die für die K o m m u n i st e n ab­gegeben wurden, beweist, daß die Radikalisierung der Volksstimmung erneut im Steigen ist.

Daß Berlin die bürgerliche Mehrheit verlieren würde es stehen 107 (gegen bisher 115) bürgerliche Abgeordnete 118 (gegen bisher 110) sozialdemokratischen und kommunistischen gegen­über, war von vornherein zu erwarten. Es ist aber ernstlich kaum anzunehmen, daß die Sozial­demokraten mit der kommunistischen Unterstützung allzu viel anfangen können, ihr wirkliches Ziel wird wohl gewesen sein, daß sie in dem Berliner Stadt­parlament eine Art Weimarer Koalitionsregierung auftun könnten. Aber auch darin haben sie sich ge­täuscht, die Demokraten, die mit so großen Hoffnungen in den Wahlkampf gingen, haben gegenüber der letzten Reichstagswahl 80 000 Stim­men, das ist ein volles Drittel, verloren, während das Zentruin mit der gleichen Einbuße abzieht. Ob es unter diesen Umständen überhaupt möglich ist, feste Mehrheitsverhältnisse im Berliner Stadt­parlament zu schaffen, steht noch dahin. Rein zahlen­mäßig wäre das durch die Große Koalition möglich, eine Lösung freilich, für die bei der Deutschen Volkspartei feine Neigung bestehen dürfte. Auch die Deutsche Volkspartei hat ein rundes Drittel ihrer Stimmen verloren gegenüber den letz­ten Reichstagswahlen, während ihr Rückgang gegen­über den früheren Stadtverordnetenwahlen noch wesentlich größer ist, sie läßt zwei Drittel ihrer Mandatsstärke auf der Walstatt.

Der Ausgang in Baden aber zeigte, daß für diesen Mißausfall in Berlin nur lokale und per­sönliche Gründe maßgebend sind, denn in Baden ist gleichzeitig die Deutsche Volkspartei die einzige, die einen sehr starken Erfolg zu ver­zeichnen hat, während die D e u t s ch natio­nalen, die sich in Berlin gut schlugen, in Baden die Hauptleidtragenden sind. Dafür haben das Zentrum, die Sozialdemokraten und Demokraten Einbußen an Stimmen und an Mandaten erlitten, die über die verminderte Wahlbeteiligung hinausgehen. Ein Ergebnis, das sicherlich nicht dazu anreizen wird, das Experiment jetzt auf das ganze Reich zu übertragen. Zwar ist in Baden die Mehrheit der bisherigen Regierungs- toalition aus Zentrum, Demokraten und Sozial­demokraten nicht erschüttert, die Beziehungen zwi­schen dem Zentrum und den Demokraten sind aber so gespannt geworden, daß noch keineswegs fest- steht, ob diese Vernunftehe die Wahlen überdauert. Das amtliche Wahlergebnis

von Groh-Berlin.

Berlin, 26. Oft. (TU.) (Nach einer vor­läufigen Berechnung der amtlichen Ergebnisse der Berliner Stadtverordnetenwahl sind insgesamt 1 853 115 gültige Stimmen abgegeben worden. Die Verteilung der Stimmen und bet neuen Mandate, wobei das Wahlergebnis vom 16. Oktober 1921 in Klammen hinzugefügt ist, ist folgende: Sozial­demokraten 604 704 (682 453), Mandate 74 (87), Deutschnationale 385 326 (319 273), 47 (40), Dt. Vclkspartei 111 432 (266 771), 14 (36), Kommu­nisten 347 332 (162 575), 42 (20), Demokraten 171961 (126 696), 21 (16), Wirtschaftspartei 73 264 (36 808), 9 (12), Zentrum 63 265 (63 183), 0 (8), 2SP. 14 608 (-), 2 (3). Völkische 27 543 (-). 3 (2), Deutschsoziale 25 200 (12 302), 3 (1). Die restlichen Stimmen find zersplittert. Sozial­demokraten und Kommunisten verfügen also in der neuen Stadtverordnetenversammlung über 113 (110) Sitze gegenüber 107 (115) Sitzen der bürger­lichen Parteien.

Entspannung auf dem Balkan. Rumänische Verwicklung. Griechen land zieht seine Truppen zurück.

Athen, 26. Oft. (Agence d'AthHnes.) Der rumänische Gesandte hatte heute mit dem Ministerpräsidenten Pangalos eine Unter­redung, in der ec im Ramen seiner Regierung und auf Ersuchen der bulgarischen Regierung die Räumung des bulgarischen Gebiets durch die griechischen Truppen anregte, um der Gefahr neuer Zwischenfälle zu begegnen. Bei v^'ler Anerkennung der Berechtigung des griechischen Vorgehens, das eine Folge fort- währender Herausforderungen der Ko­mi tatsch is sei. deren Urheber der Völkerbund fest st eklen sollte, ersuchte der Gesandte die grie­chische Regierung, aus Ehrerbietung für den Völkerbund die Berufung an diesen anzunehmen, unter der Voraussetzung, daß das bulgarische Ge­biet nur geräumt werde, wenn die Bulgaren die vcn ihnen besetzten Posten ihrerseits geräumt hätten. Da die^griechische Regierung sich jedem Versuch, den Frieden zu sichern, anzuschließrn wünscht, nahm sie den rumänischen Vorschlag an.

Der Beschlich

Des Bölkerbundsrats.

Paris, 27. Oft. (TU.) Der im Quai d'Orsey zusammenberufene Völkerbundsrat wurde von B r i a n d mit Vegrüßungsworten an die er­schienenen Delegierten eröffnet. Der Minister gab zunächst eine kurze Darstellung der Gründe, die ihn zur Einberufung des Rates veranlaßt hätten. Darauf erstatteten die Gesandten Bulgariens und Griechenlands Bericht über den Konflikt. Die Sit- zung wurde bann geheim fortgesetzt und beschlossen, Bulgarien und Griechenland aufzufordern, daß sie sich innerhalb 24 Stunden bereit erklären, ihre Truppen hinter die Kre n z e z u r ü ck zu­ziehen. Die Ausführung dieser Maßnahme muß innerhalb 60 Stunden vollzogen sein. Pekinger ZoAkonserenz.

Peking, 26. Okt. (WTB.) Die Internationale Zollkonferenz wurde heute im Winterpalast eröff­net. Der chinesische Ministerpräsident Tuan Tschi Wui hielt die Begrüßungsrede, deren wesentlichster Punkt btc Forderung der Zollautonomie für

China war. Die europäijchen Großmächle sollen ihre Zustimmung kundgeben, daß alle bestehenden Tarifbeschränkungen beseitigt werden. China ist be­reit, den Binnenlandzoll aufzuheben und einen Reichstarif nicht später als am 1 Januar 1929 einzuführen. Vor der Auferlegung eines allge­meinen Zolltarifs soll eine Zusatzabgabe von fünf Proz. von den gewöhnlichen Waren, Wein und Tabak und 20 Proz. von öurusmaren eingeführt werden, deren Erhebung drei Monate nach Unter­zeichnung des Vertrages beginnen soll. Die Ant­worten der Delegierten Frankreichs und Amerikas waren in friedlichem Ton gehalten, die Antworten Englands und Japans kenn­zeichneten jedoch die verwickelte Lage in China. Die Vertreter dieser beiden Mächte kritisierten in a b - lehnendem Sinne die geforderte fünfprozentige Zollerhöhung, erklärten sich aber bereit, darüber in freundschaftliche Verhandlungen einzutreten, machten ihr Inkrafttreten jedoch abhängig von dem Aufhören der Jnlandzölle und der Unruhen durch die neue zentralisierte Reichsoerwaltung.

Immer noch gespannte Lage in Syrien.

Paris, 27. Oft. (WTB. Funkspruch.) Die letzten aus Syrien eingegangenen Depeschen lau­ten besonders beu nruhigend. Die Ruhe ist noch nicht wiederhergestellt. Die Bevölkerung ver­läßt DamaSlus. Die Drusen, die sich unter­worfen hatten, haben ihr Wort zurückgenommen. An zuständiger Stelle erklärt man, daß die fran­zösische Artillerie in der Rächt von Samstag zu Sonntag und am Montag morgen das Stadt­viertel in Damaskus bombardiert hätte, in dem die Drusen einen Ausstand hervor­gerufen haben. Der Sachschaden sei nicht bedeu­tend. aber man berichtet von 50 Toten.

Englands Palästinamandat.

G e n f. 26. Oft. (WTB.) Die Mandats­kommission des Völkerbundes behan­delte Heu britischen Bericht über die Verwaltung von Palästina und Transjordanien. Der britische Vertreter gab Aufschluß über das Verwaltungs­system und die Iudeneinwanberung. system und die Iudeneinwanderung. Durch nicht nur durch die Ginwanderung einer arbeits- samen Bevölkerung, sondern auch durch die Ein­wanderung von Kapital und Industrie. Die jü­dische Einwanderung nach Palästina betrage 1924 12 358 Personen bei einer Gesamteinwanderung von 13 553 Personen. Die Einwanderung werde beaufsichtigt, damit sie nicht über die im Land vorhandenen Gxistenzmöglichkeiten hinausgehe. In der Landwirtschaft seien die jüdischen Ein­wanderer zuerst auf Schwierigkeiten gestoßen, da sie sich in Diese Beschäftigung nicht hätten hinein- finden können. Sie hätten sich aber jetzt angepaßt und erzielten befriedigende Ergebnisse.

Ungarn und Locarno.

Ciue Rede Apponyi.

B u d a p e ft, 26. Okt. (WTB.) 3n einer in Ja- spereny gehaltenen Rede erklärte Graf Appo­nyi, der ungarische Delegierte zum Völkerbund, u. a.; Der Völkerbund hat, abgesehen von der Hilfe im finanziellen Wiederaufbau, weder in der Frage der nationalen Minderheiten, noch in der allge­meinen Abrüstung etwas geleistet. Trotzdem wäre der Austritt aus dem Völkerbund nicht zu billigen, und amar um fo weniger, als mit der Aussicht auf den bevorstehenden Eintritt Deutschlands nicht vorauszusehen ist, welche Aenderungen diese Institution dnrchmachen wird. Das Abkommen von Locarno ist zu begrüßen, vorausgesetzt, daß es nicht der Abschluß, sondern der Beginn der Befriedung ist. Auch in Mitteleuropa muß dafür gesorgt werden, daß in Genf die Behand­lung der ungarischen Frage nicht einschläft.

Die Berufung des Reichstags im Sinne der ungarischen Recktskonstitution darf nur durch den König ober dessen Vertreter erfolgen. Eine freie Königswahl wäre jedoch nach der Auffassung des Regners nichts anderes als eine Prätorianerherr- l'chaft. Auch ich trete für ein nationales Königtum ein. Karl IV., der letzte Habsburger, Kaiser Karl I., hat jenen Teil seiner Familien- trabitionen, der sich gegen bie Selbstänbigkeit des ungarischen nationalen Lebens richtet, aufgegeben. Darum war seine kurze Herrschaft epoclxrrnachend. Diesen Gedanken verpflanzte er auf seinen Sohn. Ich kann Zeugnis dafür ablegen,, daß dieser noch nicht ganz 13jährige Jüngling von rein ungari­schen unabhängigen staatsrechtlichen Auffassungen erfüllt ist.

Der russische Budget-Voranschlag für 1926.

Moskau, 27. Oft. (WTB. Funkspruch.) Die Sowjetregterung prüft gegenwärtig den Vor­anschlag der Sowjetunion für das Finanz­jahr 1925/26, der eine Gesamthöhe von 3,785 Milliarden Rubel und damit 900 Millionen Vubel mehr als im Vorjahre aufweist. Das Budget schließt ohne Defezit ab. Die nicht steuerlichen Einnahmen aus Industrie, Verkehr und Handel werden 600 Millionen Rubel mehr als im Vorjahre betragen. Für l a n d w i r 1- schaftliche Zwecke sind 550 Milliren Rubel also doppelt soviel als im Vorjahre, vorge­sehen. Das Kriegsbudget macht mit 624 Millionen Rubel 16' j Prozent des Gesamt­budgets aus und damit ebensoviel wie im Vor­jahre und 21/» Prozent weniger als vor dem Kriege.

Ein neuer Prozeh Daudet.

Paris, 28. Oft. (WTB.) Heute hat vor dem Schwurgericht in Paris ein Prozeß be­gonnen, der die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Der 15jährige Sohn des ehe- maligen royalistischen Abg. Leon Daudet des Herausgebers der Action Francaise hat sich be­kanntlich vor etwa 18 Monaten in einer Kraft­droschke das Leben genommen. Daudet hat in der Action Fran?aisc und in einer Eingabe an die Behörden den Chauff eur der falschen Zeugenauss age beschuldigt, um den Ein­wand zu entkräften, Kommunisten hätten seinen Sohn ermordet. Der Chauffeur klagt nun wegen Verleumdung und fordert 200000 Franken Schadenersatz. Daudet hat etwa 100 Zeugen laden taffen da er die Absicht hat, die ganze Ange­legenheit. die politischen Anstrich hat. im Laufe ^es Prozess cs wiederaufzurollen, obgleich seine Beschuldigung nach längerer -Untersuchung seitens des Gerichtes zurückgewiesen wurde.

Kleine politische Nachrichten.

Zu Ehren des in Berlin weilenden ehemaligen englischen Ministerpräsibenten Macbon alb fanb beim englischen Botschafter Lord b'Aber- n o n ein Empfang statt. Dienstag mittag wirb der Reichsaußenminister Dr. Strefemann zu Ehren Macdonalds ein Frühstück geben.

Die Hessische Zentrumspartei hielt gestern unter dem Vorsitz des Reichstagsabge- ordneten Dr. B o ck i u s , Mainz, in Frankfurt einen Parteitag ab. In einer Entschließung' wurde die Zustimmung zu der seitherigen Zen­trumspolitik ausgesprochen. Eine weitere Ent­schließung verlangt auf Grund der Aeichsver- fassung die Errichtung von Bekenntnis­schulen in Hessen.

Der Württembergische Stäbtetag hat mit zwei amerikanischen Bankhäusern eine 7proz. Anleihe in Höhe von 8,4 Millionen Dol­lars abgeschlossen. Der Betrag verteilt sich auf 23 württembergische Städte. Rund die Hälfte entfällt auf Stuttgart. Die Anleihe soll in Amerika und Rolland aufgelegt werden. Die Bürgschaft für die Anleihe übernimmt der württembergische Staat.

Beiden Lohnverhandlungen imRuhr- b e r g b a u wurde von den Bergarbeiteroerbänden eine Lohnerhöhung von 15 Prozent beantragt. Wie angesichts der Notlage im Ruhrbergbau zu-*r- warten war, sind die Verhandlungen e r g e b n i s - l o s verlaufen, da die Arbeitgeber erklärten, eine Lohnerhöhung unter keinen Umständen bewilligen zu können. Die Bergarbeiterverbände werden den Schlichter anrufen.

Aus aller Welt.

Johann-Strauß-Feiern in Oesterreich.

In ganz Oesterreich sanden am Sonntag große Straußseiern statt. Vom frühen Morgen bis in die späten Abendstunden herrschte überall reges Leben. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten in Wien bildete die große Huldigungs­feier vor dem Strauhdenkmal im Stadtparf. Hierzu war das ganze offizielle Oester­reich mit dem Bundespräsidenten Hai- n i s ch an der Spitze erschienen. Bundespräsident Hainisch sagte in einer Ansprache, daß es ihm unerklärlich sei, wie eine wilde Trommel­musik die schönen Wiener Walzer habe verbreiten können.

Wirbelstum in Amerika.

Rach Meldungen aus Reuyork fino die Süd- unö Oststaaten von einem heftigen Wirbel­sturm heimgesucht worden. Zn Tory wurden 16 Personen getötet. 3n Reuyork tarnen drei Personell ums Leben. Zahlreiche Häuser in den Vorstädten sind abgedeckt. Mehrere Schiffe haben Rotsignale gesandt.

Dreister Raubiibersall.

Ein dreister Rauüberfall wurde in der Küsterei der Matthäuskirche in Berlin- Steglitz verübt. Ein junger Mann, der dort vorsprach, um angeblich feinen Wiedereintritt in die Landeskirche anzumelden, bat die Sekre­tärin um Angabe des hierfür zuständigen Pfarramtes. Plötzlich zog er einen Revolver und zwang mit der vorgehaltenen Waffe die Sekre­tärin, ihm das Geld im Kaffenschrank zu zeigen. Der Räuber entnahm dem Schranke 500 Mk. Rachdem er die Sekretärin noch geknebelt hatte, stahl er weitere 500 Mk.

Kunst und Wissenschaft.

Frankfurter Theater.

Zum 100. Geburtstage des Walzertönigs Johann Strauß veranstaltete die Oper eine Sestvorstellung der ..Rächt in Venedig'. Das Werk an sich gehört sicher nicht zu den stärksten Kompositionen des Meisters, aber es ergeben sich große Inszenierungsmöglichkeiten aus der bewegten, in der schönen Lagunenstadt spie- enden Handlung. Aus diesen Gesichtspunkten siel die Wahl auf dieRächt in Venedig" und bet festlich erleuchtetem, total ausverkauftem Hause feierte diese Operette neue Triumphe.

^cr Handlung hat durch Ernst Ma- rlschka eine Auffrischung erfahren und Erich Wolfgang Korngold hat die dazu notwendig gewordene instrumentale Bearbeitung aus dem Melodienretchtum Strauß' geliefert. Außer der famosen Darstellung machte sich das Künstler- Triumvirat Krauß. Waller stein und Sievert um die 100jährige Geburtstagsfeier verdient. Prof. Krauß hatte die schwungvolle musikalische Leitung übernommen, Dr. Waller­stein zeichnete für die stimmungsvolle Inszenie- rung verantwortlich und Ludwig Sievert schuf Bühnenbilder von seltener Schönheit und gab

einen phantastisch schimmernden,

wirklich festlichen Rahmen. Künstler und Publi­kum waren so in Stimmung, daß sich der Vor­hang des letzten Aktes mit dreiviertelstündiger Verspätung unter reichem Beifall über der Szene senkte.

Eine ungemein interessante Sonderaus- ellun g im Rikolaus Manskopsschen musithistorlschen Museum erzählt vom Wirken und Leben Strauß', dessen ganzes Sein mit klingenden Melodien erfüllt war und dessen Fledermaus".Zigeunerbaron".Geschichten aus dem Wiener Wald" undBlaue Donau" als unsterbliche Klange über den Jazz-Rhythmus der Gegenwart triumphieren werden. Zeichnun- gen, Bilder. Theaterzettel, eine Reihe Schatten­risse und dergleichen mehr spiegeln das Bild eines Künstlers, welcher eine glücklichere, längst veriorengegangene Zeit die seine nannte.

Dom hessischen Künftlerkartell.

' Darmstadt, 27. Oft. Aach der Eröff­nung oer Ausstellung des Hessischen Künst- V? nr teils in der Kunsthalle in Mainz hielt daS Kunftlerkartell seine Herbst-Vollver- fammlung ab. Wie der Vorsitzende in seinem Ge­schäftsbericht erwähnte, hat das Kartell, unter Beteiligung der ihm angefchlossenen Vereine, fünf größere Kunstausstellungen veranstaltet und zwar in Darmstadt, Mainz, Bad-Rauheim, Stutt­gart und Baden-Baden. Die Unternehmungen waren durch das Lanbesamt für das Bildungs- toefen unterstützt worden, das ebenso Stipendien für bildende Künstler bereitgestellt hatte. Auch die Stadtverwaltungen von Worms. Mainz uiiü Offenbach stellten Mittel für den gleichen Zweck zur Verfügung. Die Versammlung beschloß, das Hessische Künstlerkartell in das Dereinsregister eintragen zu lassen.

Semesterbeginn in Darmstadt.

* S a r m ft a b t, 27. Oft. Das Wintersemester der Technischen Hochschule in Darmstadt beginnt Dienstag, den 27. Oktober. Die ilcbec» gäbe des Rektorats durch den Prorektor Professor Dr. Schlink an den neuen Rektor Professor Eberle-findet Mittwoch, den 28. Oktober, statt.

Eine Darmstädter Uraufführung.

* Darmstadt, 27. Oft. Auf dem am 31. Oktober stattfindenden Pressefest des Lan­desvereins Hessischer Zeitungsredakteure wird die KomödieB r a b a m a n t von Ernst Legal, dem Intendanten des Hess. Landestheaters, hier ihre Erstaufführung erleben.

Rektoratsübergabe in Marburg.

][ Marburg, 15. Okt. In der Aula der Universität fand heute mittag in hergebrachter Weise die feierliche Einführung des neuen Vektors der Universität, Prof. Dr. Phil. Lem­ma tz s ch , statt. Im Anschluß an den Bericht des seitherigen Rektors, Kons.-Rat Prof. D. Bor n h äuser , erinnerte diesckr an die 400- Iahrseier 1927, die Ende des Sommersemesters ftattfinben soll. Die Vorbereitungen hätten be­gonnen und nachdem alle Schwierigketten be­seitigt seien, dürfte wohl auch m5 dem 03au des Kunstinstituts begonnen werden. Die für beste Leistungen auf dem Gebiet der Leibes­übungen von Kurator und Rektor gestifteten Wanderpreise (ein Bild Hindenburgs und des Straßburger Münsters) wurden den Vorsitzen­den der Akademischen Sportvereinigung und dem Corps Rhenania, Straßburg, überreicht. Der neue Rektor hielt bann einen Vortrag über -Die Bedeutung und das Schicksal des Rhein­landes für das römische Reich". Vorträge des akademischen Chors unter Leitung des Musik­direktors Dr. Stephani eröffneten und beschlossen die Feier.

Wettervoraussage.

Wolkig bis bedeckt, frische Winde aus west­licher Richtung. Temperaturen wenig verändert, zunehmende Riederschlagsneigung.

Wie vorausgesehen, ist das Tiefdruckgebiet wieder in östlicher Richtung zurückgewandert. Seine Ausläufer haben bereits heute in Mittel­deutschland vielfach Riederschläge bewirkt, die sich in den nächsten Tagen noch verstärken! werden.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 13, Minimum 8,1 Grad Celsius. Riederschläge: 0,7 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 8 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 27. Oktober 1925.

*' C i n Achtzigjähriger. Am 30. Ok­tober f.t.ri D.Vision spsarrer i.R. Adam Büttel zu Schleswig seinen 80. Geburtstag. Büttel ent­stammt dem Hefsenlande und ist am 30. Oktober 1845 zu Biebesheim am Rhein geboren. Er be­suchte das Gymnasium zu Darmstadt und stu­dierte von 1864 bis 1868 in Gießen Theo­logie. Während seiner Studienzeit gehörte er dem Korps Starkenburgia an. Hieraus war er Mitglied des Evangelischen Predigerseminars zu Friedberg und wurde am 21. Rovember 1869 in seiner Heimatkirche zu Biebesheim ordiniert. Rach den-, er Vikarstellen zu Framersheim, Groß- Gerau und Michelstadt bekleidet hatte, kam er im Jahre 1874 als Pfarrer nach Mainz. Im Jahre 1884 wurde er Divisionspfarrer zu Schleswig. Kurz vor dem Weltkriege trat er in den Ruhe­stand, aber der Krieg rief den 69jährigen wieder in den Dienst. Im Anfang war Büttel Festungs­garnisonpfarrer zu Wesel, wo ihm auch 'die Seelsorge an den evangelischen Kriegsgefangenen übertragen war, dann ging er wieder nach Schles­wig, wo er am 21. Rovember 1919 fein fünfzig­jähriges Dienstjubiläum feierte. Am Palmsonntag hielt er in der Schloßkirche zu Gottrop seinen letzten Militärgottesdienst. Büttel ist während seiner ganzen Dienstzeit und auch noch in der Zeit seines Ruhestandes ein eifriger Förderer der Gustav-Adolf-Sache gewesen. Dom Jahre 1867 an bat er an 30 Hauptvereinsfesten teilgenommen, zum erstenmal 1867 in Worms, zum letztenmal in diesem Jahre in Gießen. Für die Gemeinde Kastel bei Mainz stiftete er 1878 die Gustav- Abols-Glocke. für die Gedächtniskirche zu Speyer 1907 die Lutherglocke. In Anerkennung seiner Verdienste um die Gustav-Adolf-Sache verlieh ihm bei dem Gustav-Adolf-Feste, das vom 20. bis zum 23. September ds. Is. in Gießen statt­fand, die Theologische Fakultät unserer Landes- Universität bie Würde eines Doktors der Theo­logie.

** Hebung der Jagd. Man schreibt uns: Schwere Sorge lastet auf den echten Weid­männern. Zu tief waren die Wunden, die Krieg, Revolution, Inflatton. Aasjägerei und Fleisch- macherei unseren Wildstänben geschlagen haben. Es will nur langsam aufwärts gehen mit dem Wiederaufbau. Allenthalben im Reich regen sich darum heute brave Weidmannsherzen, um in gemeinsamer Arbeit und unter persönlichen Opfern einzustehen für bie Wiebererstehung un­serer Jagden. Bei uns muß bie Hauptsorge dem Rehwild gelten, das unserer besonderen Hege bedarf, wenn es nicht den Weg gehen soll, den Wisent, Biber oder Rothirsch des Vogelsbergs gegangen find. Darum soll auch bei uns versucht werden, bie Revierinhaber zu vertrauensvoller Aussprache zusammenzurufen. Der hiesige IägervereinHubertus" lädt im Anzeigenteil der gestrigen Rurnmer Mitglieder und Richtmitglieder dazu^ein. Wir wollen einen Wildstand, wie ihn der Stand der Bodenkultur gestattet, der wieder wahre Weidmannsfreude verheißt, der der hohen voltswirtschaftlichen Be­deutung der Jagd entspricht und das Herz des Ratur- und Heimatfreundes erfreut. Hoffentlich folgen recht viele Jäger dem an sie ergangenen Rufe.

i. Hessischer Vaterländischer Block. Im Anschluß an einen im Wettbewerb zurück- gclegten Geländemarsch über 20 Kilometer und an ein Mannschafts-Preisschießen auf den Stän­den des hiesigen Schützenvereins und besonders hergerichteten Schießstänben im Walde fand am Sonntagnachmittag auf der Liebigshöhe eine sehr stark besuchte vaterländische Kundgebung statt. Hauptredner der Veranstaltung war bei Land- tagsabg. Kindt- Darmstadt, der über die poli­tisch e Lage sprach. Der Redner erinnerte zunächst an bie vielfachen Leiden und Enttäuschungen, die unser Volk in den bisherigen Rachkriegsjahren zu ertragen hatte und bie sich auf den verschie-