könnt wird, hat die Bukarester Regierung beschlossen, Einreisebewilligungen für Kindertransporte in Zukunft überhaupt nicht mehr zu gewähren. Dieser allgemein gehaltene Beschluß richtet sich gegen Oe st erreich und Deutschland, da andere Lander Kindertransporte nach Rumänien nicht zu senden pflegen.
Der Kmcmzausgieich rn Steuer-Ausschuß.
Berlin, 26. Juli. (TU.) Der Steuerausschuß des Reichstags setzte am Samstag die zweite Beratung der Aenderung des Finanzausgleichs fort. Don demokratischer Seite wurde beantragt, mit den Ländern eine Einigung auf der Grundlage von 80 Prozent Einkommen- und 30 Prozent Umsatzsteuer zu versuchen. Die Reichsregierung erklärte, daß der Gegensatz zwischen d cm Reichsrat und der Reichsregierung im wesentlichen darin bestehe, daß einige Länder die Einkommen- steuer zu einem so hohen Prozentsatz beanspruchen, daß für das Reich nur die Lerwaltungstosten übrig bleiben. Diesen Standpunkt wolle und könne die Reichsregierung sich nicht zu eigen machen. Der preußische Finanzminister wies darauf hin, daß der Reichstag den Reichshaushalt schon weit über den Voranschlag erhöht habe, dafür sollten die Länder auf kommen. Die Länder wollten jedoch auch den ganzen Willen der Reichsregierung sehen. Reichsfinonzmister Dr. von S ch l i e b e n erklärte, wenn der Reichsrat gegen den vorgeschlagenen Finanzausgleich Einspruch erhebe, und der Reichstag die erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht aufbringe, so stünde die Reichsregierung vor einem gesetzlosen Zu st an de und müßte ihrer Verantwortunb entsprechend handeln. Der Steuerausschuß des Rerchstags nahm dann die Steuergesetze unter Ablehnung fast aller Abänderungsanträge nach den Vorschlägen der Negierung und der Regierungsparteien fast unverändert an.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 25. Juli. Zweite Beratung der Bovelle zum Mehrmachtsversorgungsgeseh. — Im Paragraphen 11 ist das Gesetz durch den Ausschuß dahin geändert worden, daß die 3 n° Haber des Zivildienstscheines Anwartschaft haben sollen als Beamte oder Ange st eilte im Privatdienstvertrag bei den Reichs-, Landes- und Kommunalbehörden und bei sonstigen öffentlichen Körperschaften. Den Militäranwärtern sollen höchstens 50 Prozent der zu besehenden Stellen Vorbehalten werden.
Abg. Brüninghaus (D. Vp.) bezeichnet eine geregelte Versorgung der Zivilanwärter als eine Lebensfrage des Reiches. Es sei zu begrüßen, daß die vorliegende Rovelle jetzt Ordnung in die in letzter Zeit ganz verfahrenen Zustände auf diesem Gebiete bringen wolle. Der Ausschuß habe ausreichende Kautelen geschaffen, um zu verhindern, daß durch die Zivilanwärter Privatangeftellte brotlos gemacht werden. Die Regierungsparteien würden selbst einen Antrag einbringen, wonach die Krankenkassen nach wie vor von der Verpflichtung zur Einstellung von Zivilanwartern entbunden bleiben. Die jetzt brachliegenden Kräfte von 12—16 000 Militäranwärtern müßten der Gesamtheit nutzbar gemacht werden.
Abg. Passehl (Soz.) betont, es sei unmöglich, alle entlassenen Reichswehrangehörigen als Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst unterzubringen. Sie müßten in größerer Zahl der freien Wirtschaft zugeführt werden. In den Berufsschulen der Reichswehr werde dazu gute Vorarbeit geleistet. Das Reich, die Länder und Gemeinden hätten jetzt schon die Möglichkeit, die bisher nicht untergebrachten 'Militäranwärter zu wirklichen Beamten zu bilden. Darum sei es nicht notwendig, ihnen einen Anspruch auf Angestelltenposten zu geben, zumal die Stellenlosigkeit unter den Angestellten jetzt lehr gro>) sei. Die sozialdemokratische Fraktion beantragt die Bestimmung, daß Angestellte nicht entlassen werden dürfen, um ihre Stellung mit Versorgungsanwärtern zu besehen.
2lbg. S ch u l d t -Steglitz (Dem.) betont die Rotwendigkeit, den Reichswehrangehörigen eine sichere Aussicht auf Versorgung nach dem Ablauf ihrer 12jährigen Dienstzeit zu eröffnen. Der Antrag, daß Angestellte nicht entlassen werden Dürfen, um ihre Stellen mit Versorgungsanwärtern zu besehen, könnte die bedenkliche Wirkung haben, daß ein aus sachlichen Gründen entlassener Angestellter sich zum Einspruch berechtigt glaubt, wenn später seine Stelle durch einen Versorgungsanwärter besetzt wird. Die demokratische Fraktion werde dem Gesetz zustimmen.
Abg. Dietrich- Franken (Völk.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu der Vorlage.
Die. Vorlage wird in zweiter und dritter Lesung endgültig angenommen.
Hierauf wird
die erste Beratung des Uniformschutzgesehes sortgeseht.
Abg. Dr. Haas (Dem.) ist grundsätzlich mit der Vorlage einverstanden. Es müsse aber dafür gesorgt werden, daß die Uniform nicht getragen werde bei Veranstaltungen, die sich gegen den Staat und gegen die deutsche Republik richten. Die demokratische Fraktion behält sich ihre endgültige Stellungnahme bis zu den Ausschuhverhandlungen vor. (Beifall.)
Abg. Sänger (Soz.) betont, daß auch die Sozialdemokratie immer anerkannt habe, daß im Offizierkorps und vor allem im aktiven Osfizier- korps in den fünf schweren Jahren des Weltkrieges manche Beispiele größter und restloser Pflichterfüllung zu verzeichnen sind. Wenn die -Uniform ein Symbol der Staatsautorität sei, dann könne die alte Uniform doch nur das Symbol des verflossenen Kaiserreiches sein. Wenn ein Anspruch auf das Tragen dieses Symbols erhoben würde, dann hätten die Herren von Rechts für diesen Anspruch 1918 kämpfen sollen. (Beifall links.) Der Abg. von Ramin habe als könnte er seine Behauptung als Augenzeuge hier die schwersten Vorwürfe gegen die Sozialbeweisen. ES gebe nichts jämmerlicheres, un- demokraten erhoben und den Anschein erweckt, ehrlicheres und verwarfenereS, als die jüngste Retirade des Herrn von Ramin. Die Völkischen haben den politischen Mord in Deutschland immer betrieben und verherrlicht. Dabei hätten sie trotz aller großen Reden rein gar nichts für das deutsche Vaterland getan. Die Arbeiter im Ruhrgebiet hätten bei der Abwehr des französischen Ruhreinbruchs weit mehr an deutschem Patriotismus geleistet als alle Völkischen zusammen. I Wir könnten stolz sein auf das deutsch« Doll, 1
das seine Gesundheit dadurch bewiesen habe, daß die völkische Bewegung so schnell, so erbärmlich und so schmählich zusammengebrochen sei. (Lebhafter Beifall links.) Roskes Werturteil sei in einer Zeit gefällt worden, in der die Partei gespalten gewesen sei, und durch zahlreiche Werturteile über Roske kompensiert worden. (Heiterkeit.)
Abg. v. Ramin (Völk.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abgeordneten Sänger. Man könne den Völkischen keinen einzigen Fall nachweisen, in denen sie einen politischen Mörder in ihren Reihen gehabt hätten, wohl aber hätten die Sozialdemokraten Adler nicht abgeschüttelt. Mit Ehrhardt und Arco hätten die Völkischen nichts zu tun. (Gelächter links I Zuruf des Abg. Hof (Soz.): .So ein Feigling!") Präsident Lobe ruft den Abgeordneten Hof zur Ordnung.
Damit schließt die Ansprache. Die Vorlage geht an den Rechtsausschuß. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch: Steuergesetze.
Das neue MroMabkommen.
Abschluß der französisch-spanische»
Konferenz.
Paris, 26. Juli. (WTB.) Havas berichtet aus Madrid, daß die französische-spanischen Delegierten der Marolloko77fcrenz gestern abend ein Abkommen über die Grenzen der französischen und spanischen Einflutzzcrne in Marokko und die Zusammenarbeit der französischen und spanischen Behö ..n unterzeichnet habe.
General I o r d a n a, der Vorsitzende der Konferenz, hat der Presse ein Kommumquö übermittelt, in dem es heißt: Die Konferenz ist zu Ende. Jetzt bandelt es sich rnn die äußerst schwierige Aufgabe, die Beschlüsse durchzuführen. Die Reise Marschall P e t a i n s nach Ceuta und Melilla ist der erste und wichtige Schritt, der die Aufrichtigkeit der französisch- spaniscl>en Zusammenarbeit zeigt. Das erste in die Praris umgesetzte Llbkommen ist insofern vorteilhaft, als eine Zusammenarbeit der französischen Marine mit dem von der spanischen Marine ausgeübten Ueberwachungsdienst zum Zwecke der Unterdrückung des Waffenschmuggels zu Wasser und zu Lande ermöglicht wird. Eine völlige Verständigung ist hinsichtlich der Ueberwachung der Zone von Tanger erzielt worden, und zwar derart, daß die durch das Tangerstatut vorgesehene Reutralität gewahrt bleibt.
Das Abkommen enthält die Grundzüge des Vorgehens beider Länder, um den Frieden zu erzielen. Wichtig ist hier vor allem die beiderseitige Verpflichtung, keinen Sonderfrieden zu schließen. Uebrigens bedeutet die Festlegung der Friedensgnmdlage keineswegs, wie man vermutet hat, daß Frankreich und Spanien die Absicht haben, den Rebellen den Frieden anzubieten, oder, daß sie dies bereits getan haben. Als Friedensgrundlage muß die Sicherung eines soliden und dauerhaften Friedens unter Wahrung derWürde Frankreichs und Spaniens dienen. Es ist nicht möglich, sich gegen Frankreich, das gegen den Aufstand kämpft, der seinen HaupthiÄ in der spanischen Zone hat, abzuschließen. Ein solches Vorgehen wäre gefährlicher Egoismus. Um alle abgeschlossenen Vereinbarungen durchzuführen, ist es unerläßlich, das Abkommen von 1912 hinsichtlich der recht ungenau festgelegten Grenzen der Zonen zu interpretieren. Da es jedoch unmöglich ist, diese Grenze endgültig zu bestimmen, da genaue Unterlagen sowohl französischer wie spanischerseits fehlen, hat man eine Art Modus vivendi auf der Grundlage des Vertrages von 1912 gefunden, der alle Interessenten befriedigt.
Kunst und Wissenschaft.
Donaueschinger Musiklage.
Bei außerordentlich zahlreicher Anwesenheit von Musikern, Künstlern und Kritikern nahmen die Do- naueschinger Kammermusikaufführungen ihren Anfang. Gleich im ersten Konzert zeigte sich bei Ernst K r o n e k s neuer Schöpfung für Kammerchor „Die Jahreszeite n", wie fruchtbar und be- deutunHvoll die diesmal von Donaueschingen zur Diskussion gestellte Idee einer Neugestaltung des alten Madrigal st ils werden kann. Die Kroneksche durch die Stuttgarter Madrigalvereinigung unter Hugo Holle vollendet gebotene Uraufführung fand außergewöhnlich warmen Beifall, ebenso die italienischen Madrigale von Wilhelm Weißmann für fünf- und sechsstimmigen Chor. Von den anderen Werken beanspruchte des Finnen A a r r e Mericantokonzert für Violine und Klarinette größtes Interesse. Weniger gefallen konnten zwei Streichquartette des jungen Schweizers Ehrhardt Ermatinger, die eine reichlich spröde Haltung haben. Auch Klavierlieder von Hans Eisler, die Hedwig K a n z kunstvoll zu gestalten sich bemühte, hinterließen keinen bleibenden Eindruck, fanden aber immerhin als gute Talentproben Anerkennung. An die Erfolge des ersten Konzerts reihte sich am Sonntag eine weitere wertvolle Uraufführung an. Auf chorischem Gebiet dominierte Paul Hindemith mit fünf Madrigalen nach altdeutschem Text und Felix Poti re k, der mit drei frommen geistlichen Frauenliedern besonderen Beifall errang. Auch Max ® utting bewies in zwei mehrstimmigen gemischten Chören starkes Können. Unter den anderen Ur- und Erstaufführungen war das Quintett von Heinrich Kaminski und das Konzert zur Flöte und Violine mit Begleitung eines kleinen Orchesters des Russen Alexander T s ch e röt' i n i n die weitaus überrragentien Leistungen. Bei dem Konzert für Streichquartett Alfred Casel - l a s erzielte das Frankfurter Ama-Quartett einen spontanen Erfolg. Die in letzter Stunde noch ins Programm eingefügte und mit Spannung erwartete Uraufführung einer Klaviersonate von Igor S t r a v i n s k i begegnete dagegen nur weniger, nicht sehr überzeugend klingender Anerkennung. Mit kleineren Werken waren auf dem Programm noch Jarnac, Paul Dessau und Otto Hegel vertreten.
Aus aller Welt.
Die Zukunft des Luftschiffs.
Anläßlich der Deutschen Verkehrsausstellung in München hielt Dr. G ck e n e r einen Vortrag über die internationalen Luftschifflinien. Dr. Eckener führte in seiner Rede u. a. aus: Während öaö Flugzeug von fast allen Staaten gefördert wird, ist das Luftschiff durch das Diktat der Siegerstaaten in Deutschland, dem einzigen Lande seiner Zukunft, ausgeschaltet. Dem Flugzeug gehören Strecken bis 2000 Km.,
dem Luftschiff dagegen Entfernungen größten Ausmaßes. Die Grunde, weshalb ein Luftschiffverkehr in nennenswertem Blaße sich bisher noch nicht entwickelt hat, erblickt Dr. Eckener in erster Linie in dem noch nicht absolut öurchgeörungenen Vertrauen zu der Fahrsicherheit. Die Frage, ob bad Luftschiff die ihm vorbehaltenen Strecken mit größter Sicherheit durchmessen könne, sei vollständig zu bejahen. Trotz der durch das Luftschiff zu erzielenden großen Reiseverkürzung konnten bisher die nötigen Geldmittel für die Unterstützung dieses Verkehrs nicht aufgebracht werden, weil das Kapital an eine Rentabilität von Lustschifflinien nicht glaubt. Dr. Eckener gab eine genaue Rentabilitätsberechnung einer der geeignetsten Strecken für den Luftschiffverkehr, Sevilla—DuenoL-A'reZ. die bei einem Kapital von 43 Millionen eine Verzinsung von 22^2 Proz. in Aussicht stelle. Zum Schlüsse streifte Dr. ©dener die Frage eines Polarsluges im Luftschiff, der besonders geeignet sei, den Glauben an die Sicherheit des Luftschiffes im Weltverkehr zu vertiefen. Er betrachte einen P 0 larflug für daS beste Mittel, um das zu vollenden, was mit der Fahrt des Z. R. 3 begonnen wurde: der Welt Vertrauen zum Weltluftschiffverkehr zu geben.
Entwicklung des deutschen Flugwesens.
Auf der Münchener Verkehrswissenschaftlichen Woche wies der Presse-Ches der Junkers-Werke, Fischer v. Poturzyn darauf hin, daß die Luftschiffahrt zu einem wichtigem Instrument des modernen Slaatswescms und der Wirtschaft geworden sei und daß Deutschland jetzt vor der Schicksalswende stehe, eine Luftmacht zu werden. Die Luftnote sei auf den Aerger und die Rervosität zirrückzuführen, die die großen Fortschritte des deutschen Luftverkehrs hervorgerufen hätten. Im ersten Halbjahr dieses Jahres sind vom deutschen Luftverkehr 3V, Millionen Flug- Kilometer geleistet, 44 000 Passagiere und rns- gesamt 4300 Tonnen befördert worden. Gegenüber 1924 hat sich der Luftverkehr in Deutschland mindestens verdreifacht, währ«rd er in England und Frankreich zurückging.
Der Waldoraud ntt der polnischen Grenze.
Im Kreise Schwerin brennt, wie schon kurz gemeldet, seit Freitag vormittag längs der polnischen Grenze ein ungeheures Waldgebiet von etwa 4000 Morgen, das zum Bezirk der Oberförsterei Waihe gehört. Das Feuer ist über die polnische Grenze gekommen und breitet sich bei dem herrschenden starken Ostwind mit rasender Geschwindigkeit durch die weiten Kiefernwaldungen zwischen Waitze, Forsthaus Rote Heide, Kara, Kvanzin- bruch und Lubiath aus. Samstag mittag bestand für einzelne Gehöfte des Ortes Schneidemühl Brandgefahr. 100 Meter vor dem Forst- Haus Rote Heide gelang es herbeigeeilten Bewohnern, das Feuer im Süden zum Stehen zu bringen, während es im Borden auf die Dörfer Kara, Kranzinbruch und Lubiath weiterellte. Im letzten Augenblick gelang es, das Feuer vor Kaza dadurch zum Stehen zu bringen, daß man ein Gegenfeuer anlegte. Die Ortschaft Kranzinbruch und das Forsthaus Kran» zinbruch schweben noch in Gefahr.
Den aus der ganzen Gegend herbeigeeilten Wehren dürste es jedoch gelingen, auch im Borden der Elemente Herrn zu werden. Soweit es sich übersetzen läßt, sind bis zur Stunde etwa 44)00 Morgen Wald, darunter mehrere große Einschläge mit aufgearbeiteten Hölzern abgebrannt. Der Schaden beträgt Millionen. Die Rettungsarbeit war äußerst schwierig, da keine Chaussee, nicht einmal eine bessere Lehm- straße durch die Wälder führt. Die wenige Kilometer östlich des Brandherdes gelegene Chaussee Driesen—Birnbaum gehört von Eulenburg ab zu Polen. Wie verlautet, soll das Feuer in den polnischen Wäldern in der Gegend der ehemals deutschen Försterei Schlangenlug dadurch entstanden sein, daß polnische Holz- schaler bei der Arbeit Zigaretten rauchten. Das Zeuer zog mit Windeseile über die Grenze. Auf polnischer Seite sind nur etwa 80 bis 100 Morgen verbrannt.
Großer Waldbrand bei Stettin.
In dem umfangreichen TrebbinerGuts- fvrst in der Bähe von Stetttn entstand ein Waldbrand, der, durch die große Hitze und Oft- wind begünstigt, eine riesige Ausdehnung erlangte. Dis gestern abend waren etwa 5000 Morgen Hochwald und Schonung vernichtet. Etwa 200 Personen waren bei den Löscharbeiten beschäftigt. Verschiedene Ortschaften waren durch das Feuer gefährdet, tonnten aber gehalten werden.
Der hannöversche Moorbrand gelöscht.
Hannover, 26. Juli. (WTB.) Die Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Moor- und Heidebrandes bei Resse in Hannover ist beseitigt. Der heute früh einsetzende Regen hat schon viel von dem glimmenden Torf gelöscht. Das Feuer hat sich bis zuletzt in den Grenzen gehalten, die die Gräben ihm boten, wenn auch in der letzten Bacht die Lage noch äußerst gefährlich war. Der Schaden ist beträchtlich hoch. Einige tausend Morgen Moorland und Wald wie auch der gesamte Wild- bestand wurden vernichtet. Besonders hart wurde das Gebiet um den Abbenser Berg getroffen, wo über 120 Morgen 60 bis 70 Jahre alten Baumbestandes vollkommen niederbrannten. Die Brandstätte bietet einen trostlosen Anblick.
Piraten auf der Donau.
Eine Bande von 20 Piraten, die aus geflüchteten rumänischen Matrosen und bulgarischen Kommunisten besteht und unter der Führung eines ehemaligen rumänischen Offiziers steht, führt auf der Donau zwischen der rumänischen und bulgarischen Küste in der Bähe der Städte G a l a h und A u st s ch u e ck mit einem Motorboot Raubüberfälle auf Schiffe und Schleppdampfer aus. Die rumänischen und bulgarischen Behörden haben gemeinsam die Verfolgung der Piraten ausgenommen.
Wettervoraussage.
Heiter bis halb bedeckt, auffrischende westliche Winde, etwas wärmer, meist örtliche Niederschläge.
Das Tief liegt fast unverändert über England. Auf dem Kontinent ist der Druck wieder angestiegen und zeigt zur Zeit durchweg steigende Tendenz. Dadurch hat sich die Gefahr des Tiefdruckeinbruches und damit die Regenneigung etwas verringert, ohne aber I völlig beseitigt zu sein.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 27. Juli 1925. y
** Zum Prozeß gegen den Mörder S t e u l. Wie uns von unterrichteter Seite mit* geteilt wird, ist der Zutritt zu der morgigen! Verhandlung des Gießener Schwurgerichts gegen den Mörder Adolf Steul von Dellershäm I nur den Personen gestattet, die im Besitze einer Eintrittskarte sind. Als Zugang ist die Tür an der Südseite des Landgerichtsgebäudes freigegeben, alle übrigen Zugänge, auch der vom! Amtsgericht her, sind gesperrt.
** Eine gemein same Sitzung sämtlicher Kreisturnfe st- Ausschüsse findet am Mittwochabend auf der „Liebigshöhe" statt. Man beachte die heutige Anzeige.
** Persvnalie. Ernannt wurde der Justizwachtmeister bei dem Amtsgericht Gießen Georg Karl Haupt zum Justizwachtmeister bei dem Landgericht Gießen.
f. Protest Versammlung der G a st - Wirte. Der Verein der Gastwirte von Gießen! und Umgegend hatte am Donnerstagabend in Öen Saalbau Sauer zu einer Versammlung einge- laden, die sich gegen die geplante Einfügung des Gemeindebestimmungsrechts in den Gesetzentwurf zur Regelung der Schanllonzefsions- frage wendete. Außer den (Siuberufem nahmen der Vrauereiverband Oberhessen, der^Verein Öen Spiritusinteressenten, der Verein reisender Kaufleute, der Verband deutscher Porzellangeschäfte, sowie die Organisationen der Hotel- und Resrau- rationsangeftellten an den Verhandlungen teil. Auch die Handelskammer war vertreten. Bach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden des Gastwirtevereins, Caffechausbesitztzc I. K 0 r- n er, referierte Gastwirt Sauer uoer die geplante Einfügung des GemeindebesttinmungsrechtS in den Gesetzentwurf zur Regelung der Schank» lonzesfionsfrage. Er führte ungefähr folgende- aus: Wie bereits bekannt, ist im Haushaltungsausschuß des Reichstags bei der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern durch einen geschickten Schachzug der Abstinenzbewegung ein Antrag angenommen worden, der die Einfügung des Gemeindebesttrnmungsrechts in Öen Gesetzentwurf über die SchanKonzessionsfvage fordert. Wird dieser Antrag im Plenum angenommen, dann besteht kaum noch eine Möglichkeit, zu verhindern, daß das Gemeindebestimmungsrecht in Öen neuen Gesetzentwurf eingearbeitet wird. Mit! der Einführung des GemeindebesttmmungsrechtS in Deutschland ist die grundsätzliche Anerkenntnis der absttnenzlerischen Forderungen verbunden. Ist das Prinzip erst einmal durch Regierung und Reichstag anerkannt, dann wird es der Abstinenzbewegung leicht sein, Schritt für Schritt weiter Boden zu gewinnen, um schließlich früher oder später zu dem ersehnten Ziel der Trockenlegung Deutschlands zu fonunen. Bur wenn eS gelingt, alle Kräfte der am Gärungsgewerbe Interessierten mobil zu machen, besteht Aussicht« diese in unser Wirtschaftsleben schwer einschneidenden Bestimmungen zu verhindern. In der anschließenden regen Aussprache wurde allseitig Verwahrung dagegen eingelegt, daß ein verhältnismäßig kleiner Teil der Bevölkerung fortwährend versuche, die große Masse des Volkes in bezug auf den Genuß von allohvlischen Ge- fränfen zu bevormunden. Wer mit Maß unZ) Ziel derartige Getränke zu sich nehmen wolle, dürfe nicht durch gesetzliche Maßnahmen daran gehindert Werdern Allgemein war rtran der Auffassung, daß nur durch scharfen Protest aller Beteiligten (auch der Konsumenten) die Durchführung der geplanten Maßnahmen verhütet werden könnte. Auch der Vertreter der Handelskammer stellte geeignete Schritte an maßgebender Stelle in Aussicht. Zum Schlüsse wurde folgender Protest, der den hessischen und den anderen Abgeordneten übermittelt werden soll, beschlossen: „Wie wir erfahren, soll über das Gemeindebestimmungsrecht im Reichstag erneut abgestimmt werden. Die heute im Saalbau Sauer versammelten Unterzeichneten bitten dringend, im Interesse der Erhaltung der unmittelbar und mittelbar beteiligten Gewerbezweige, ferner im Interesse des WirtschaftsfriÄ)ens und der Wirtschaftseinheit zwischen Bord und Süd das Gemeindebestimmungsrecht unter allen Umständen abzulehnen, um so mehr, als der Alkoholmiß- brauch durch den neuen Strafgesetzentwurf hinreichend unterdrückt wird."
** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurt er Schlachtviehmarkt: 470 Ochsen, 52 Dullen, 841 Färsen und Kühe, 387 Kälber, 135 Schafe, 3035 Schweine.
Vornotizen.
— Lageskalender für Montag. Achtspielhaus, Bahnhofstraße: „So spielt das Leben". — Astoria-Lichtspiele: „Eine unheim- liche Bacht".
Landkreis Gießen.
Qn. Großen-Duseck, 26. Juli. Bei dem heute in Mainzlar veranstalteten Schüler- Wetturnen des Lahn-Dünsberg- Gaues des Südwestdeutschen Turnerbundes errang die Riege des Turnvereins „Gut Heil" hier den Wanderpreis unter acht Mitbewerbern mit 92 Vs Sek. Beim Einzelwettturnen holte die unter dem zweiten Turnwart W. Hahn gut geschulte Riege noch eine stattliche Zahl beachtenswerter Preise.
* Hungen, 26. Juli. Gestern nachmittag ereignete sich bei den letzten Häusern unserer Stadt an der Langsdorfer Straße ein A u t o - Unfall, der leicht schwere Folgen hätte haben können. Ein von einer Dienstreise in mäßiger Geschwindigkeit zurückkehrendes, mit zwei Personen besetztes Auto begegnete gegenüber der Holzschneiderei von Müller dem Fuhrwerk des I Karl Zimmer, das von dessen Sohn gelenkt I wurde. Obwohl die Straße sehr breit hier ist, I wich der Fuhrmann nicht aus, so daß 1 das Auto genötigt war, über die Randsteine I des Kleinpflasters hinauszufahren. Bei dem nassen I Wetter und dem aufgeweichten Boden des neben I der Straße hergehenden Reitpfades kam das I Auto ins Schleudern, und bei dem miß- I lungenen Versuche, es wieder über die Randsteine auf die Straße zu bringen, stürzte es die Böschung hinab. Die Insassen famen mit dem Schrecken davon, der Kraftwagen wurde nicht allzu schwer beschädigt. Kennzeichnend für den rücksichtslosen Fuhrmann ist es, daß er, ohne bei dem Unfall, den er verschuldete, zu helfen, weiterführ und den von seiner Gemütsttefe zeugenden Ausdruck tat: „Wenn doch alle so verrecken täten, wie die öa unten!“ Es erscheint höchste Zeit, daß bald die Einrichtung eines Polizeiautos getroffen wird, um rücksichts-
1 lose Fahrer auf der Landstraße fest-ustellen, die
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Kurz nach 2 U Turnerjugen Topp und der s nerschast, iie i waldsgarten aus i: Zuschauermenge fit /labt, Marktplatz, ( -v-'gstraße, Kaisern! mittlerweile schon e iunben, die im Lau hebüch anwuchs.
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