Ausgabe 
27.6.1925
 
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unbeirrt lediglich nach großen wirtschaftlichen Gesichtspunkten ihre Politik führt, und hoffe, daß ich auch weiter die Garantie hierfür über­nehmen kann."

Landtagspräsident Adelung sprach dar­auf dem Redner den Dank der Anwesenden aus und wies auf die schweren wirtschaftlichen Röte . Hessens hin, das zur Hälfte besetzt sei. Rach dem Vorträge nahmen die Anwesenden in den Reben­räumen Platz, wo Erfrischungen gereicht wurden.

lionen Mark aufzuweisen, die H e s i i s ch bahnoktiengesellschaft (Heag) habe ein

I braucht werde, daß die hessischen Beamten immer noch nicht die schwarzrotgoldene Kokarde hätten, daß manche Kreis- und Provinzialdirektoren nicht Berfassungsfeiern beigewohnt hätten usw.

Minister v. Brentano wendet sich gegen die Beschwerden des Vorredners über die Titel und be­lehrt ihn dahin, daß nicht alle Titel abgeschafft seien, sondern nur bestimmte Kategorien; es könnte ja sein, daß Abg. Schreiber wegen seiner Verdienste um die Justiz zum Geheimen Justizrat ernannt werden könnte, wogegen er sicher nichts einzuwen­den habe (Heiterkeit). Daß die Minister von man­chen Leuten mit Exzellenz angeredet würden, könn­ten sie doch nicht verhindern; sie könnten doch nicht ständig ein Schild mit sich herum tragen, auf dem stehe, ein Minister habe kein Recht, den Exzellenz­titel zu führen. Um 11J Uhr tritt eine Pause ein.

Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen ver­langt auf Grund der GeschäftsordnungAbg. Galm (Komm.) vom Präsidenten Nuß Auskunft, warum die Regierung eine Kleine Anfrage der Kommu­nisten, wie die Regierung im Reichsrat zum Zoll­tarif gestimmt habe, noch nicht beantwortet hat. Abg. Galm wirft im Zusammenhang hiermit dem Präsidenten vor, daß er die Geschäftsordnung nicht einhalte. Präsident Nuß macht darauf aufmerksam, daß die Antwort bereits erteilt worden ist, womit sich der Abg Galm jedoch nicht zufrieden gibt und bann einen' solchen Lärm verursacht, daß er vom Präsidenten dreimal zur Ordnung gerucn wird. Der Präsident befragt dann das Haus, ob es gewillt fei, den Abg. Galm noch weiter anzuhören? Das Haus lehnt dies ab, mit Ausnahme der Kommunisten und des einen Nationalsozialisten Hauck. Da Abg. Galm immer weiter redet,

bricht der Präsident die Verhandlungen ab und beraumt für 10 Minuten später eine neue Sitzung an.

Die neue Sitzung wird aber erst eine halbe Stunde später ausgenommen. Abg. Frau Roth (Komm.) erhält das Wort zur Geschäftsordnung; sie verliest den Artikel 38 der Geschäftsordnung über die Behandlung der Kleinen Anfragen. Sie führt dann aus, daß die Regierung die kommunistische Anfrage über ihre Haltung in der Zolloorlage nicht beantwortet habe und sich heute morgen auf eine weitere Anfrage der Kommunisten hier geweigert hätte, eine Antwort zu erteilen. Abg. Galm verur­sacht durch Zwischenrufe und andauerndes Reden trotz Einspruchs des Präsidenten einen solchen Lärm, daß dieser um 12} Uhr die Sitzung a b b r i ch t und die nächste Sitzung auf Dienstag vormittag 10 Uhr anberaumt. Aus Zwischenrufen des Abg. Galm ist zu entnehmen, daß er in der nächsten Sitzung den Widerstand fortsetzen wird. Als die Sitzung geschlossen wird, ist das Haus in großer Erregung und es fehlt nicht viel, so wäre es zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten gekommen.

Deutscher Reichstag.

Verlängerung der 3. Steuernotver- ordnnng.

Das Haus tritt in dre erste Beratung des Gesetzentwurfes der Regierungsparteien zur V er- längerung der Geltungsdauer der dritten Steuernotvervrdnung ein.

Abg. Keil (Sok.) weist darauf hm. daß im vorigen Jahre die Deutschnationalen, als sie noch nicht Regrerungspartei waren, die Auf­hebung der dritten Steuernotvervrdnung bean­tragt hatten. Heute hatten sie den Gesetzentwurf zur Derängerung der dritten Steuernotvervrd­nung mitunterzeichnet. Die Sozialdemokraten würden diese Taktik und damit den Gesetzentwurf ablehnen.

Abg, Korsch (Kom.) lehnt den Gesetzent­wurf ebenfalls ab.

In der A b st i m m un g nimmt das Haus den Gesetzentwurf in allen drei Siefungen an. Die dritte Steuernotderordnung gilt demnach bis zum 15. Juli 1925.

Das Haus wendet sich dann der Beratung der Rovelle des Unfallversicherungs- g e s e tz e s zu. Die Rovelle enthält einen Auf­bau der Sachleistungen mit den durch die Rach- kriegsverhaltnisse erforderlich gewordenen Ab­änderungen, teilweise mit rückwirkender Kraft, sowie ein Aufbau der Derlehten- und Hinter­bliebenenrente.

Abg. Becker- Herborn (Soz.) findet noch viel dringendere Wünsche in dem vorliegenden Entwurf nicht berücksichtigt. Hauptaufgabe müsse es sein. Unfälle zu verhüten.

Abg. Schwarzer (Bahr. Bpt.) hebt her­vor. daß die soziale Gesetzgebung zur Zeit leider beeinträchtigt werde durch die schwierigen wirt­schaftlichen Berhällnisse. Auf den Gebieten der Invalidenrenten, der Arbeitslosenfürsorge und Erweiterung der Krankenfürsorge bringe der vor­liegende Entwurf aber wesentliche Hilfe. An­gestellte des Gastwirtsgewerbes, das Theater- personal und die Feuerwehr seien jedoch nicht berücksichtigt. Diese Wünsche seien berechtigt und müßten berücksichtigt werden. Das sei aber bei der jetzigen Rovelle nicht möglich, weil ihre Verabschiedung sonst hinausgezögert würde.

Abg. Riedel (Kom.) erklärt, die Rechts­parteien wüßten offenbar sehr wohl, daß sich zu Gunsten dieser Vorlage nichts sagen ließe.

Abg. Ziegler (Dem.) meint, die neue Un- fallvorlage bedeute einen Schritt vorwärts auf dem Wichten Gebiete der Sozialpolitik und eS fei namentlich zu begrüßen, daß die Kinderzulage für Schwerbeschädigte eingeführt sei.

Damit schließt die Generaldebatte.

In der Einzelberatung setzt sich Abg. A u f - Häuser (Soz.) für seinen Antrag ein, de An­gestellten des Gastwirtgewerbes uno des Th-ater- Personals sofort in den Kreis der Unfallver- sicherungspflichtigen aufzunehmen.

Ministerialdirektor Grieser gibt die Zu­sage der Regierung, daß sie die in dem Antrag Aufhäuser gewünschte Einbeziehung der erwähnten Derufsgruppen in einen besonderen Gesetzentwurf vornehmen werde und sich ernsthaft mit der Frage beschäftige.

In namentlicher Abstimmung wird der sozial­demokratische Antrag mit 247 gegen 138 Stimmen abgelehnt. Damit ist der vorerwähnte Aus­schußantrag angenommen.

Annahme findet ein Antrag der Re­gierungsparteien, der festseyt, daß Ren­ten von nicht mehr als einem Zehntel der Voll­rente zwei Jahre nach dem Unfall durch den drei­fachen Betrag einer Jahresrente abgefunden werden können.

Rach Annahme weiterer weniger bedeutender Anträge wurde die zweite Lesung der Unfall­vorlage beendet und die Vorlage, durch die angenommenen Anträge verändert, angenom­men.

fast eben so hohes Guthaben; man habe indessen in der Darmstädter Stadtverwaltung anscheinend nicht die Absicht, das Guthaben zur Deckung des Fehlbetrages zu verwenden. Der Redner warnt ebenfalls vor einer Finanzierung des Wohnunas- wesens durch ausländisches Geld und wendet sich gegen die Note der Entente, roorui die Aufhebung der Kasernierung für die Schutzpolizei verlangt wird. In großen Teilen Hessens, wo keine Reichs­wehr fei, könne unmöglich diesem Verlangen nach­gegeben werden. Zum Schlüsse seiner Ausführungen spricht der Redner über die Zuwendungen für die Kirchen ; er bedauert es, daß das Zen­trum sich mit dem Etat und auch mit dem für die Kirchen bereitgestellten Betrag abfindet.

Abg. Schreiber (Dem.) bringt eine Reihe von Einzelwünschen vor; er beschwert sich u. a., daß der Exzellenztitel in Hessen noch ge­

Lärmszenen im Hessischen Landtag. Darmstadt, 26. Juni. (Eigener Bericht.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9! Uhr. Nach Erledigung einiger Kleinen Anfragen der Kommunisten tritt das Haus in die Beratung des Staatsooranfchlags ein. Die Verhand­lungen werden bei Kap. 27. Ministerium des In­nern, fortgesetzt.

Abg. Hofmann- Darmstadt (Zentr.) bringt eine Reihe von Wünschen zu diesem Kapitel vor. Er will, daß Maßnahmen gegen b i e Vergnü­gungssucht ergriffen werden. Ferner wünscht er u. a. Maßnahmen gegen die Teuerung. Der Redner weist darauf hm, daß in anderen Ländern mehr von Staats wegen geschieht zur P f a r r stellen- besoldung. Es müßten mehr Mittel eingestellt wer­den, denn aus der Kirchensteuer konnten die Mittel zur Pfarrstellenbesoldung nicht eingebracht werden. Im Anschluß hieran verliest Abg. Hofmann eine län­gere Liste über die Zahl der Katholiken, die in höheren Beamtenposten sind, und klagt über man­gelnde Parität.

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) legt im Namen seiner Partei ein Bekenntnis zur Selbst- v e r w a l tu n g ab, der größten Errungenschaft des 19. Jahrhunderts. Dis Selbstverwaltung fei schwer geschädigt worden, namentlich auch durch die Erz- bergersche Finanzreform. Das Selb st Verant­wortungsgefühl müsse wiederkehren, nament­lich in den Stadtverordnetenversammlungen und in den Gemeinderäten. In den größeren Städten werde gar nicht gespart; viele Beamte seien in den aka­demischen Besoldungsgruppen, die gar nicht dahinein gehörten. Die berechtigten Richtlinien über die B e - soldung der Gemeindebeamten würden, wenn sie zum Gesetz erhoben werden, den Tod der Selbstverwallung bedeuten. Die Gemeindebeamten in Städten und Orten mit Städteordnung seien sicher- gestellt und im großen und ganzen den Staats­beamten gleichgestellt. Es sei unmöglich, diese Grund­sätze auf die Landgemeinden zu übertragen. In der Vorkriegszeit habe das Ministerium des Innern 6fJ höhere Beamte gehabt, dabei feien ihm noch die Aufgaben des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft sowie des Landesbil­dungsamtes zugeteill gewesen; jetzt zähle das Mini­sterium 18 4 Beamte.

Abg. Dr. Niepoth (D.Vp.) verlangt ebenfalls die Aufrechterhaltung der Selbstver­waltung der Gemeinden im Namen der Deutschen Volkspartei, allerdings bei finanzieller Selbständigkeit. Der Redner erklärt bann: Das Mini­sterium des Innern hat zwar nicht alle unsere Wünsche erfüllt, aber man hat doch die Ueberzeu- gung, daß es gewillt ist, die Wünsche der Gemeinden zu erfüllen. Die Vergnügungssucht weiter Bevölke« rungsschichten ist zu beklagen. Die Kreisämter sollten bei der Erteilung von Wandergewerbe- scheinen viel vorsichtiger sein. Die Bürgermeiste­reien können daher oftmals nicht gegen herum- ziehende Leute in wünschenswerter Weise einschrei- ten. Die Preisprüfungs stellen haben in der Inflationszeit versagt und tun es jetzt auch. I Kreisämter dürfen nur einschreiten, wenn z. B. das Gemeindevermögen benachteiligt wird; Verwahrung * muß jedoch dagegen eingelegt werden, wenn ihnen , ein Aufsichtsrecht im Sinne der Regierungsmehrheit übertragen werden sollte, wie das der Abg. Ritzel will. Wir lehnen das ab. Auch was dieser Abgeord­nete über angebliche Mißgriffe der Kreis­ämter gesagt hat, trist nicht zu; in Lauterbach und in Alsfeld z.B. arbeiten Kreisämter und Bürgermeistereien in vorbildlicher Weise zusammen. Die Wohnungsnot durch ausländisches Geld beseitigen zu wollen, ist gefährlich, denn es gäbe eine Krebitinflation. Die lieber« tragung frember Aufgaben an bie Bürgermeistereien ist abzulehnen, zum mindesten ist eine besondere Vergütung dafür zu fordern ober eine Berücksich­tigung biefer Leistungen im Finanzausgleich. Das Land lehnt bie gebundenen Listen bei den Wahlen a b, denn es wählt immer noch lieber Persönlichkeiten. Es ist zu begrüßen, wenn bie künf­tige Gesetzgebung bestimmt, baß bie Wahlen zum Provinzialtag nicht mehr birett durch bie Wähler vorgenommen werben, sondern die Zusam­mensetzung über bie Kreistage hin erfolgt. Dasselbe System müßte auch für bie Wahlen zu den Kreistagen Geltung erlangen. Wir sind gegen bie Uebernahme von Kun st st raßen durch den Staat; bedauerlich ist es, daß die Ortsdurchfahrten von den Straßenherstellungen ausgenommen wer­den und man den Gemeinden die Kosten hierfür auf erlegt. Viele Gemeinden sind so arm, baß sie diese 2lufwendungen nicht allein tragen können; Kreis und Provinz müßten an den Kosten beteiligt werden. Der Redner verlangt weiter den Zusammenschluß offen!» licher Banken (Kommunalbank, Landesbank und Londeshypothekenbonk). Das Land muß auch b e - fähigte Lokalbeamte behalten, diese Dürfen nicht immer zu den Zentralbehörden verseßt werden. Das Ministerium des Innern hat bis jetzt allen Ver­suchen zur Politisierung der Verwaltung Widerstand geleistet; bei diesem Bestreben hat es immer die Deutsche Volkspartei zu seiner Seite. (Lebhafter Beifall rechts.)

Abg. Kindt (Dschn.) wendet sich gegen die viel zu hohe Einstufung vieler städtischer Beamter; die Regierung müßte hier einmal nach dem Rechten sehen. Der Haushalt der Stadt Darm- stadt habe einen Fehlbetrag non ungefähr 6 Mil-

Zum dritten Punkt der Tagesordnung, Ab­änderungsverhandlungen über den deutsch-spa­nischen Handelsvertrag, gibt Ministerialdirektor Winzer namens der Reichsregierung eine Er­klärung ab, aus der hervorgeht, daß bereits

30 Millionen Mark Kredite für die Winzer zur Verfügung gestellt seien. Hinsichtlich der Steuer­erleichterungen für den Weinbau habe die Reichs­regierung, was die Reichssteuer anlange, die Fi­nanzämter verständigt und auch auf bie Länder­regierungen eingewirkt. Was die Weinsteuer an­lange, so habe die Regierung im Weinsteuergesetz die möglichen Erleichterungen vorgesehen. Der deutsche Botschafter in Madrid habe sogleich bei der spanischen Regierung beantragt, sofort neue Ver­handlungen über bie vom deutschen Reichstag ausgeführte Beschwerde einzuleiten. Eine Antwort sei zwar auf diesen Antrag noch nicht erfolgt, doch hoffe die Reichsregierung, auf dem Verhandlungs­wege zu dem gewünschten Ergebnis zu kommen.

Die Neugestaltung der Ausschüsse vor dem Aeltestenrat des

Neichstages.

Berlin, 26. Juni. (Wolff.) Der A e 11 e ft c n = rat des Reichstages hat heute die in der gestrigen Sitzung des Plenums beschlossene neue Einteilung der Ausschüsse vorgenommen. Außerdem hat sich der Aeltestenrat dahin geeinigt, daß zunächst alle Ausschüsse unter den alten Vor- sitzenden weiter tagen sollen, und daß sofort ein Unterausschuß eingesetzt werden soll, der sich mit der Frage beschäftigen wird, ob und wann in den Aus­schüssen die Neuwahl der Vorsitzenden vorgenommen werden soll.

Im Steuerausschuß des Reichstages hat heute vor Eintritt in die Tagesordnung der Vor­sitzende Dr. Oberfohren die neue Schlüsselung der Mitgliederzahl des Ausschusses mitgeteilt. Danach haben die Sozialdemokraten 7, die Deutschnatio­nalen 6, das Zentrum 4, die Deutsche Volkspartei 3, die Kommunisten 3, die Demokraten 2 Mitglieder, die Wirtschaftliche Bereinigung ein, die Bayrische Volkspartei ein und die Völkische Arbeitsgemeinschaft ein Mitglied. Insgesamt besteht der Ausschuß also wieder aus 28 Mitgliedern.

Der Mindener Reichswehrprozeh.

Minden, 26.. Juni. (TU.) In dem Prozeß wegen des Bovtsunglücks auf der Weser bei Minden wurde heute Oberst Stoppe vom Reichswehrministerium als Sachverständiger ver­nommen. Er tarn zu dem Ergebnis, daß Jor­dan den Vorschriften gemäß geha n- d e l t habe und daß er nichts verabsäumt habe. Das Unglück sei durch das Zusammentreffen vieler unglücklicher Umstände entstanden, die einzeln keine Gefahr bedeutet hätten. In ähnlicher Weise äußerte sich der zweite Sachverständige, Oberst v. Sommerfeld -Kassel. Der nächste Sach­verständige, Regierungsbaurat K l e i n s ch m i 11- Minden, erklärt, daß die Fähre durchaus nicht zu stark belastet war, um sinken zu müssen. Bei richtiger Verteilung hätte noch eine Freibvrdhöhe von 25 Zentimeter erzielt werden können. Lediglich eine geringe Verschie­bung der Last habe die Katastrophe verursacht. Regierungsbaurat Berlin- Hameln erklärte in seinem Gutachten, daß bei der Belastung der Fähre, wie sie am Unglückstage gewesen sei, eine glatte Ueberfahrt möglich ge­wesen wäre.

Die Verhandlungen wurden auf Samstag 9 Uhr vertagt und sollen mit den Plai dohers der Staatsanwaltschaft und der Ver­teidigung beginnen. Äe Urteilsverkündung wird in den ersten Rachmittagsstunden zu er­warten sein.

Das Urteil im Rathenau-Prozeh

Leipzig, 26. Juni. (Wolff.) Im Ratbenau- Prozeß ßat der Vertreter der Reichsanwaltschaft, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Rückert, gegen Brand wegen Beihilfe zum Morde, begangen durch Unterlassung der Anzeige vom Mordplan eine Zuchthausstrafe von 3','j Jahren und wegen unbefugten Waffenbesitzes eine Geldstrafe von 500 Mark beantragt. Ein Jahr und ein Monat der Freiheitsstrafe sollen als verbüßt gelten. Bei Küchenmeister kam der Anklagevertreter zu dem Ergebnis, daß Küchenmeister von dem eigent­lichen Zweck, dem das Auto dienen sollte, keinerlei Kenntnis hatte. Er beantragte deshalb Frei­sprechung.

Am Abend wurde das Urteil verkündet. Der Gerichtshof hat sich hinsichtlich des Ange­klagten Küchenmeister dem Antrag des Reichsanwaltes angeschlossen und auf F r e i - s p r e ch u n g erkannt. Bei dem Angeklagten Brandt wurde nicht Beihilfe zum Morde, sondern Vergehen gegen § 139 StGB, angenom­men, jo daß nicht auf Zuchthaus, sondern auf Gefängnisstrafe zu erkennen war. Hinsichtlich der Länge der Strafe ist der Gerichtshof über den Antrag des Reichsanwalts hinausgegangen und hat auf 4 Jahre Gefängnis erkannt. Wegen unbefugten Waffenbesitzes wurde der An­geklagte Brandt außerdem zu 5 00 Mk. Geld­strafe verurteilt. Die Geldstrafe sowie ein Jahr Gefängnis gelten als durch die erlittene Unter­suchungshaft verbüßt.

DerMoskauerStudentenprozeh

Moskau, 26. Juni. (Wolff.) Schon jetzt wird ersichtlich, daß die Angeklagten Wolscht und K i n d e r m a n n, die auf Verteidiger ver­zichteten, sich dadurch schädigten, denn ihre Un­kenntnis der russischen prozessualen Gepflogen­heiten macht sich sehr störend geltend, trotz Zu­sicherung des Vorsitzenden, ihnen von Fall zu Fall Aufklärung zukommen zu lassen.

Der Umsturz in Griechenland.

Ohne Blutvergießen. Militär­regierung.

Griechenland kann seit dem Jahre 1909 nicht zur Ruhe kommen. Immer wieder wird es von Putschen und Unruhen heimgesucht, die den inneren Ausbau des Landes stören. Gestern haben nun rechtsstehende Offiziere die Regierung Michalakopulos gestürzt und die Mili- tärdiktatur ausgerufen, wei ldie jetzige Re­gierung zu schwach und außerdem unfähig fei, die inneren Verhältnisse der Republik zu festigen und bte Unzufriedenheit des Volkes zu be­schwichtigen.

Die Gärung in der Militärpartei hat mit dem Rücktritt des Generals Condylis, der das Ministerium des Innern innehatte, stärkere

Formen angenommen. Was eigentlich Öfe Hauptz» Veranlassung gab, in diesem Qwgenblide diöMu« tärbiftatur auszurufen, geht auS den twrliegat^ den Meldungen nicht klar hervor. Wahrfcheintt^l ist, daß sie mit den Erklärungen, die der ÄrtegÄ Minister im Heeresausschuß der DatttmalVsv, sammlung über die stungsmaßnahmen uny Waffenbestellungen abgab, in direktem Zusammen-- Hang stehen. Die Erklärung deS KriegSministevS,. daß die Regierung alles tun werde, um die Dev, teidigmrg des Landes zu sichern, und die An»! kündigung, daß ein außerordentlicher Rüstungs. kredit in Höhe von zwei Milliarden Drachmen dazu verwendet werden sollten. Dieses 3td zu erreichen, scheint der Militärpartei nicht genügt Zu haben, obwohl es eine Verdoppelung deS Heeresbudgets darstellt.

Da der Putsch von Sakvniki auSgegangen ist, wird man annehmen können, daß auch das Derhatten der Regierung bei den Bündnis- Verhandlungen mit Jugoslawien eine große Rolle bei der Unzufriedenheit der Milttär- partei spielt. Man ist der Ansicht, daß die For- derungen Jugoslawiens, die versuche, Saloniki mehr und mehr zu einem jugoslawischen Hafen zu machen und die Bahn Gevjh^iSaloniki in jugoslawische Hände zu bringen, von der Regie­rung viel energischer hätten zurückgewiesen wer­den müssen.

Das Kabinett Michalakopulos hat sich den Forderungen der Militärpartei gefügt und ist zurückgetreten. Angesichts des immer weiteren Umsichgreifens des Putsches auf das Heer und die Marine, würde der Regierung wohl auch keine andere Wahl geblieben sein, da ihr nicht genügend Truppen zur Verfügung stehen, um der Bewegung mit Aussicht auf Erfolg entgegen­zutreten. Wie sich die Dinge weiter entwickeln werden, ist natürlich noch nicht geklärt. Sicher ist aber, daß die Militärpartei nur die Bildung einer Regierung zulassen wird, die die Inter­essen der Partei und der Offiziere im weitgehend­sten Maße garantiert, die besonders über den zahlreichen Außerdienststellungen von Offizieren empört sind.

Athen, 26. Juni. WTD.) Rach einet Meldung beS englischen Funkdienstes ist P a p a n a ft a f i u mit der Bildung des Kabinett- 6e* traut worden. Die Redolution scheint ohne Blutvergießen durchgeführt worden zu sein.

Eine Prokolamation der neuen Regierung.

Athen, 26. Juni. General PangaloS hat eine Proklamation an das Voll ge­richtet, das er als Hort der Revolution trat zeichnet. Darin stellt er fest, daß die ungeheure Mehrheit des Volkes, des Heeres und der Ma­rine die Umsturzbewegung billige. Er ver­spricht dann eine gute Verwaltung, Gleichheit für alle, Wiederherstellung der öffentlichen Ord­nung, eine exemplarische Bestrafung aller Unter­schleifen von öffentlichen Geldern, fofortige Reu- organisation der militärischen Kräfte und die Regelung der Flüchtlingsfrage.

Die Lage bleibt noch ungeklärt. Pangalos wird zunächst die Ministerkrise regeln und län­gere Zett das durch die Revolution geschaffene Staatsoberhaupt fein.

Aus aller Wett.

Exploswn in einem Kinotheater.

ft anfas City, 26. Juni (Wolff.) Gestern abend ist hier während der Vorstellung in einem ft i n o und Variete-Theater Feuer ausgebrochen, das eine furchtbare Explosion zur Folge hatte, die den Zusammen st urz der Bühne bewirkte. Der Verlust vieler Menschenleben ist zu beklagen. Rach der vorläufigen amtlichen Schätzung wurden 30 bis 40 Menschen getötet

Zu dem Brandunglück wird noch gemeldet, daß nach der Explosion Flammen aus dem Dach herousschlugen und das Gebäude alsbald einhüllten. Die Feuerwehr und freiwillige Helfer rette­ten zahlreiche Menschen. Ein Mann wurde einige Stunden nach der Katastrophe noch lebend aus den Trümmern geborgen. Das Geböude, das zwanzig Läden und ein großes Mehllager enthielt, wurde vollkommen zerstört. Es ist noch ganz un­gewiß, wieviel Leichen unter den Trümmern be­graben find. Bet den Rettungsarbeiten wurde ein Feuerwehrmann getötet und zwei verletzt.

Die Katastrophe ist vermutlich durch eine Ewlo- fion in einem Laden unter dem Theater verursacht worden. Die Decke und hie Galerien des Zuschauer- raumes stürzten ein. Die umherfliegenden Trümmer verursachten unter den zu den Ausgängen drängen- den Zuschauern eine furchtbare Panik.

Luftschiff und Flugzeug.

Berlin, 27. Juni. Bei dem gestrigen Fest­essen des Reichsverbandes der deutschen Presse äußerte sich Dr. Eckener über die wettere Entwicklung des Flugwesens dahin, daß für das Ueberfliegen von großen Sntfer- nungsspannen dys Luftschiff in Frage komme, dem dann das Flugzeug als Zuträger ober als Zustreuer des ihm Zugetragenen dienen könnte. Auf diese Weise würde sich ein durchaus glückliches Zusammenwirken zwischen Flugzeug und Luftschiff ergeben.

Tagung des Deutschen Buchdrucker-Vereins.

Wiesbaden, 26. Juni. Die Tagung deS Deutschen Buchdrucker-Vereins be­gann heute abend mit einer Begrüßungsfeier, bzw. einem Festmahl im kleinen Kurhaussaal. Der Kreisvorsitzende, M a h l a u , Frankfurt am Main, begrüßte im Ramen des Kreises II! des Deutschen Buchdruckervereins und der Bezirks­vereine Wiesbaden und Mainz die aus' allen Teilen Deutschlands zahlreich erschienenen Ver­treter derSchwarzen Kunst", die vor nunmehr 525 Jahren am deutschen Rhein durch den Main­zer Bürger Gutenberg erfunden, sich zu größter Blüte entfaltete und heute unser ganzes Leben beherrscht. Hierauf sprach der Hauptvorsitzende des Vereins Deutscher Buchdrucker, Herr Zick- selb, Osterwieck, markante Worte über die Be­deutung der Buchdruckerkunst in der Entwicke­lung der Geschichte. Für Wiesbaden entbot Kur­direktor Rauch herzliche Grüße des Will­kommens und wünschte der Tagung besten Ver- lauAm Samstag wird hier die Hauptvorstands­sitzung stattfinden, die sich mit internen VereinS- angelegenßeiten befassen wird. Die Haupt­veranstaltungen finden am Sonntag und Montag in Mainz statt.