Ausgabe 
27.1.1925
 
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öie Regierung-erÜSrung tm Reichstag ausge­sprochen.

Die Amneftteanträge im Hessischen Landtag.

Darmstadt. 2Z.3<tn. (Elg. Dnchtbericht.) Der gesetzgebend« Ausschuß des Land­tages erledigte gestern einige kleinere Gesetz­entwürfe. Gin Antrag Kaul auf Erlaß von Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr wurde a b g e l e h n t, dagegen wurde ein Antrag des Demokraten Reiber, der die Regierung er­suchte, Gnadengesuche von Verurteilten we­gen politischer Vergehen bei Kundgebungen in wohlwollender Weise zu prüfen und zu ent­sprechen. angenommen.

Der Auerprozetz in München.

Das Doppelgesicht der Sozialdemokratie.

München, 26. Ian. (TU.) Vor dem Amts­gericht München begann heute einer der größ­ten Beleidigungsprozesse der letzten Zeit. Gs handelt sich um eine Klage des Führers der bayerischen Sozialdemokraten, LandtagSabgeordn. Auer, gegen den Schriftführer Albert Win­ter, den Geschäftsführer K e m P n e r und den verantwortlichen Redakteur der kommunistischen Reuen Zeitun g". Dan-meyer. Die bei­den ersten hatte eine Flugschrift als Ver­treter der sozialdemokratischen Oppositionsgruppe veröffentlicht, die gegen Auer schwerwiegende Vorwürfe erhob, xnÜ dem Zweck, sein Ver­schwinden aus dem öffentlichen Leben z u e r- zwingen. DaS kommunistische Flugblatt hat:« von dieser Flugschrift in Artikeln Gebrauch ge­macht.

Zu den Verhandlungen, die etwa eine Woche dauern werden, sind über 50 Zeugen ge­laden. Der Angeklagte Winter gab zu, daß die Flugschrift den Zweck verfolgt habe, Auer politisch zu vernichten. Gr sei durch charakterlose Anpassung an die jeweiligen Verhältnisse hoch» gekommen. Durch den gegenwärtigen Prozeß müsse die eigentliche

Schuldfrag« beS Si-oecmordeS geklärt werden.

Der Angeklagte Kemper erklärt weiter, Auer fei ein Emporkömmling niedrigster Art, sei in finanziellen Dingen nicht einwandfrei verfahren und erfreue sich eines verdächtigen Wohlstantes. Auch die niedrigste Art von Bestechung sei von Auer nicht verschmäht worden. Es sei ihm ge­lungen, die Sozialdemokratie Münchens und Oberbayerns vollständig zu korrumpieren.

Auer sei von maßgebenden Sozialdemokraten längst als Schädling erkannt, zum großen Teil teerte jeder persönliche Verkehr mit ihm abge­lehnt. Rechtsanwalt Liebknecht als Gesamt- bertdteger ter Beklagten beleuchtete die R o t - Wendigkeit, das Doppelgesicht der Sozialdemokratischen Partei zu er­weisen.

3m weiteren Verlaufe ter Verhandlung nahm der Kläger, Abg. Auer, das Wort. Es i^onMe sich um einen Kamps bet Kommunisten ' gegen die Sozialdemokratie. Sein Reichtum existiere nur in ter Phantasie ter Masse. Er habe die Diktatur stets'abgelehnt. Seine Stellung zum nationalen Gedanken habe er niemals verändert. Gr fei stets eingetreten für die Landesverteidi­gung und gegen |ete Eroberung. Auch den Ruhr- sampf habe er unterstützt, solange er Aussicht auf tzrfolg hatte. Gegen ten Munitionsarbeiterstreik lei er von Anfang an und zwar offen gewesen. Er habe den Zuscunmeirbruch für ein furchtbares Unglüd gehalten. Es wäre besser .gewesen, wenn das alte Regime den Zusammen- druch hätte liquidieren müssen. Er könne ohne älebertreibung sagen, daß während feiner Mi­nisterschaft in Bayern etwas geleistet wor­den fei. Ohne ten 21. Februar 1919 (ter Sag des Attentats auf Auer) wäre es nicht zur Räte­republik gekommen. Was die Anklage wolle, gete aus einem Brief Winters hervor, in dem eine Stelle lautet:Die ganze Angelegenheit muh in der Oeffentlichkeit gegen die Sozialdemo­kratie behandelt werden. Es ist dies ein neuer FallEbert, nur daß ter Fall Auer als bayerischer Fall Ebert" einen kriminellen Ein­schlag hat, ter leichter zu fassen ist."

Italienisches Selbst"bestimmungsrecht. Rom, 26. Ian. (WTD.) Die .Tribuna" meldet aus Bozen, daß sich die italienische Bevölkerung gegen eine Vereinigung

Gießener Konzertverein.

Darmstädter Bläserqnintett.

Die Kammermusikliteratur für Klavier und Dläserensemble weist leider nur wenige Werke auf; das gründet sich auf mancherlei Umstände. Die Blasinstrumente, namentlich der klassischen Zeit, waren in bezug auf technische Möglichkeiten sehr beschränkt; erst der Aufschwung der Instru­mentenbautechnik des vergangenen Jahrhunderts hat darin Wandel geschaffen. Insbesondere hat das Waldhorn, sonst nur auf die unsicher liegen­den Töne ter Raturskala angewiesen, durch den Einbau ter Ventile an Sicherheit und technischer Reichweite gewonnen.

Aber auch die Modulationsfähigkeit und Reinheit ter Holzblasinstrumente ist gerade durch Reukonstruktionen verbessert worden; und immer­fort ist unser Instrumentenbau bemüht, den Blä- fent immer leistungsfähigere Instrumente zu schaf­fen. Zu ter Abhängigkeit vom Meterial tritt meist noch ein sehr stark ins Gewicht fallender musi­kalischer Faktor: DaS Klavier ist temperiert ge­stimmt (auf Grund mathematischer Berechnun­gen, von der Raturskala abweichend), ist aber während des Spiels konstant; ganz anders die Holzblasinstrumente. Obwohl temperiert mensu- riert, ist doch die Tonhöhe mancherlei Schwan­kungen, insbesondere durch wechselnden Luft­druck, unterworfen. Diese Schwanbrngen vermag aber nur der Bläser im Augenblick auszu­gleichen bzw. sich der Klavierstimmung anzu- passen, dem ter Luftstrom zur A.'uherung musi­kalischen Miterlebens geworden ist; dazu kommt die tm allgemeinen auf ter Raturtonvei be­faßende Skala des Hornes also ein Gemisch von drei untereinander zeitweilig stark diffe­rierenden Stimmungen, dessen Reinheit stark von den Qualitäten der Spieler abhängig ist. Und darin liegt ein Grund für ten Mang . an Literatur.

von -ö o 5 e n und Grieß ausgesprochen habe, weil dann bei ten Gemeindewahlen die 7000 Deutschen von Grieß die deutsche Wählerschaft so verstärken würden, daß es den Italienern unmöglich wäre, eine Minoritäts- Vertretung zu erlangen. Man glaube daher, daß die Regierung die Vereinigung verschieben werde. Wahrscheinlich solange, bis man genug arbeitslose Italiener dort angesiedelt hat, um umgekehrt die deutschen Einwohner mundtot zu machen.

Frankreichs Sicherheit.

Neue Hetzreden in der Pariser Kammer

Paris, 26. Jan. (TU.) Die heutige Kam­mer-Sitzung wurde größtenteils mit e.ner Rete des früheren Kolonialministers Fabry über daS Sicherungsprogramm ausgesüllt, ter wieder behauptete, daß unter der Lei­tung Seeckts undGehlers die deutsche Armee vollständig reorganisiert fei, der frühere große Generalstab fei ebenfalls neu gebildet. Deutschland verfüge über ein unge­heures Rüstungsmoterial. Rach tem Versailler Vertrag dürfe es nicht mehr als 2000 Maschinengewehre besitzen. Tatsächlich habe man an einem einzigen Ort 15 000 Maschineng"wehr- teile entdeckt. Es verfüge ferner über 60 Flug- zeugfabciken, teron Produktionsfähigteit in drei Monaten auf eine Höchstleistung gebracht werden Tonne. Im Auslande seien zahlreiche Filialen angelegt, die jeder Kontrolle entzogen sind.

Deutschland habe das Schwergewicht seiner Kriegsindustrie, das an Rhein lag. an die Weser und den Neckar verlegt.

Ec wies ten Vorwurf zurück, daß die Alliierten auf ter Konferenz von Boulog ne Deutsch­land in ter Frage der Rüstungen unklugerweise entgegengekommen wären. Deutschland habe damals 200 000 Mann Reichswehr und die Aufrechterhaltung der Sicherheitspoli^i verlangt. Die Verbündeten schlugen das ab und bewilligten lediglich eine geringe Heraufsetzung ter lokalen Polizeibestände. Das entsprach dec Bestimmung deS Vertrages und beweise nur ein geringes Zugeständnis.

Herrriot ruft:Geringes Zugeständnis? DaS werden wir sehen."

Fabry:Das Abkommen von Doulogne hat gutem vorg s'hen, daß die Verbündeten bei deutschen Verfehlungen Gebietsteile des Reiches besetzen können.

Die Schutzpolizei stellt in ihrer gegenwärtigen

Form einen Schuhwal! am Rhein dar."

Herriot:Die deutschen Polizeibeständs wurden auf Grund tes Abkommens ve r st ä r k t."

Magi not:Die Sicherheitspolizei aber um 50 000 Mann verringert."

Herriot.Dies trifft nicht zu. Ich werde nachweisen, daß die gegenwärtigen Schwierig­keiten überhaupt nur daher kommen, daß die Derbünteten sich von Deutschland in Doulogne übertölpeln ließen.

Der Abgeordnete Fabry führte in der Kammer weiter auS. daß Deutschland in jeder Beziehung gerüstet habe. Die Kontroll­kommissionen seien völlig machtlos. Das alles gehe unzweideutig aus tem Bericht hervor, dessen Veröffentlichung Herrn Bure die Ehre verschaffte, gerichtlich verfolgt zu werten.

Frankreich dürfe Köln nicht rämnen, weil Deutschland immer mehr Beweis seine- schlechten

Willens gegeben habe.

Die Kundgebungen des Stahlhelmverbandes müh­ten Frankreich nachdenklich machen. Die deutsche Jugend bereite sich auf ten Krieg vor. Wir unsererseits sollte r es als unsere Pflicht an­sehen, auch unsere Kinder auf die Zukunft vor­zubereiten. Der Geisteszustand ter deutschen Ju­gend ist beunruhigend. Untere Pflicht ist es, bevor wir Köln räumen, von unfern Verbün­deten und von Deutschland ein ndues Siche- rungssystem zu erlangen. Wenn wir Ga­rantieverträge besäßen, würde es mit unferer Sicherheit weniger kritisch bestellt sein. Das Gen­fer Protokoll kann die Garantiepakte, die man uns versprach, nicht ersetzen.

Angst oder Handelsneid?

London, 27. Ian. (TU.) Es wird offiziös bekanntgegeben, die Konferenz der alli­ierten Botschafter in Paris habe die deutsche Regierung gewarnt, daß ein Verfahren gegen sie eingeleitet würde, wenn die Firma Krupp nicht sofort das Angebot zurück- g e, das sie der argentinischen Re­

gt e r u n g zur Lieferung von Kesseln für die neuen Torpedoboote gemacht habe. Die Bot- schafterkonferenz sehe in dem Angebot einen Bruch des Teils des Versailler FrieterrsVer­trags, ter Deutschland verbietet, Kriegs­material ohne besondere Erlaubnis ter Al­liierten herzustellen.

Ke ne private Sondierung in der Räumungsfrage.

Berlin, 27. Jan. (TU.) Halbamtlich. DasD. T." veröffentlicht eine Rachricht aus Washington, in ter behauptet wird, daß eine private Sondierung der englischen Regierung wegen gleich,eitiger Räumung ter Kölner Zone und tes Ruhraebietes bis 10. Mai d. Js. von tem deutschen Außenminister Dr Stre- femann abgelehnt worden sei. Diese Behcnch- tung ist vollkommen unzutreffend. Eine private Sondierung ter englischen Regierung ist nicht erfolgt. Soweit die Frage tes Kompro­misses der gleichzeitigen Räumungsgebiete in pri­vaten Unterredungen erörtert toorten ist, hat ter Außenminister vielmehr gegenüber einer der­artigen Anregung sich in demselben posi­tiven Sinne geäußert, ten ter Reichskanzler Dr. Luther in feiner Reichstagsrete vom 21. Januar gegenüber dieser Frage zum Ausdruck gebracht hat.

Die Pariser Wirtschafts­verhandlungen.

Die Antwort Rcynaldis ans die deutsche Note.

Paris, 27. Ian. (TU) Der französische Handelsminister hat feine Antwort gestern abend um 7 Uhr der deutschen Delegation za­ge h e n lassen, die darauf sofort zu einer Be­ratung zusammentrat. In der französiichen Rote wird der deutschen Delegation der Vorwurf ge­macht, daß allein von der deutschen Dele­gation ter Gedanke ausgegangen sei, daß die Verhandlungen eine freundschaftliche Un­terbrechung erfahren sollten. Die Rote ver­langt dann von ter deutschen Delegation nähere Einzelheiten Über die Ansichten tes Reichs in der Frage der elsaß-lothringischen Kontingente sowie der Einfuhr gewisser an­derer französischer Artikü. 3n gut unterrichteten französischen Kreisen erklärt man daß die Ver­handlungen nach ter Uebergabe dieser Rote nunmehr zwischen ten Delegationen wieder beginnen werden.

Der französisch- amerikanische Konflikt.

Louchenr gegen Borah.

Paris, 26. Ian. (TU.) Der Wieterauf- bauminister Loucheur veröffentlicht mit aus­drücklicher Genehmigung Herriots im Excelsior" folgende Entgegnung auf die letzte Rede Senator DorahS zur Schuldenfrage: Senator Borah behauptet u. a., daß Frankreich ter Wert der Saargruben mit einem Betrage von 100 Millionen Dollar zugute kommt. Senator Borah scheint aber nicht zu wissen, daß diese Summe im Debet Frankreichs aufgeführt ist als Schuldforderung zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete. Ich möchte noch hervorheben, daß nach der einmütigen Auffassung französischer Sachverständiger ter Wert der Saargruben mit 100 Millionen Dollar viel zu hoch gegriffen ist. Ich habe aus meiner Uebevzeugung keinen Hehl gemacht. Was ich materiell für möglich halte, ist. daß Frankreich seine gesamten Schulden zurückzahlt, daß aber die Rückerstattung einer deutschen Schuld größte finan­zielle Schwierigkeiten mit sich bringt Ich möchte sehen, wie es Amerika anfangen würde, drei Milliarden Dollar zurückzuerstatten. Es würde trph seiner günstigen finanziellen Lage dazu nicht imstande sein. Das begreifen die Amerikaner auch. Ist doch ter Vorschlag zur Bildung eines Transferausschusses von Amerika gemacht worden. Wenn in ter Wäh­rungsfrage solche Rücksicht auf unseren Erbfeind genommen werten konnte, warum sollte sie nicht auch Frankreich gegenüber gemacht werden.

Wettervoraussage.

Leicht bedeckt, östliche bis südliche Winde, wenig T-.nrperatur-Aenderung, höchstens geringe Rieterschläge (Schnee).

Werten solche Werke von unzureichenden Kräften ausgeführt, so bleibt das vom Kompo­nisten Gewollte, weil unvollkommen dargeboten und daher meist unrein, wirkungslos. Gute Bläser aber sind eine Seltenheit; wir haben in Deutsch­land nur sehr wenige Bereinigungen, die allen Anforderungen der Kammermusik gerecht wer­den, und zu den besten gehört das Darm­städter Bläserquintett llnb di sem go feHt sich ein Klavierspieler bei, wie er für ein Ensemble zu wünschen, aber selten zu finden ist.

Gin Grund für den Literaturmangel liegt aber auch bei den Komponisten. Es ist auffällig, daß Beethoven mit dem Augenblick (etwa um 1800), wo er die Blasinstrumente komdositions- technisch beherrscht, kein nennenswertes Werk mehr für diese Gattung schasst, sondern die er­worbenen Kenntnisse in ten Symphonien, die er nun zu schreiben beginnt, verwertet. Vielleicht konnte er ter damaligen Unzulänglichkeit der Instrumente keinen Reiz mehr abgetoimren; die Klaviertechnik hatte er gerate schrn in ten vor­hergehenden Werken derart gesörtert. daß die Blasinstrumente mit diesem Dorwärtsdrängen nicht mehr Schritt halten konnten. Ist es nicht auffällig, daß das Sextett op.6 von L. Thuill e ebenfalls in die frühe Schaffensperiote tes Münchener Meisters fällt? Auch hier wieder ein Festigen in der Schreibtech ulk aber er weiß doch schon soviel tes Interessanten zu sagen, daß dieses Werk die Augen aller auf sich lenkte, und von dem Zeitpunkt an der spä­tere Komponist tesLob tanz" als musikalischer Faktor von seiner Mitwelt gerechnet wird.

Beethovens Quintett (Ls-Dur bis dahin für ihn die freudige Stimmung bedeu­tend. bis er später in ihr heroischen Ton intet), ein Werk seltener Musizierfreudigkeit, beginnt mit einem kurzenGrave"-Sah; einem Unisono folgt ein angefügter thematisch gestei­gerter Aufbau, dessen Höhepunkt (Fermate) zu

einem Allegro ma non troppo überleitet, das zunächst gemächlich beginnend, zu einer immer stärkeren Gnergiespannung führt und in voller Kraft seinen Schluß findet. 3m folgenden An­dante cantabile trägt zunächst das Klavier das erste Thema vor; die Gruppe der Bläser nimmt es auf, wird zum Träger des musikalischen Ge­dankens. das Klavier füllt durch akkordliche Figuration. Ein zweites Thema in der Oboe wird vom Fagott beantwortet, die Bläser spinnen den Gedanken weiter, das Klavier figuriert, nimmt das erste Thema variiert wieder auf, das Horn fuhrt die Melodie. Unter tem variierten An­klingen des ersten Themas schließt dieser so an­mutige Sah. 3m Rondo liegt daS Thema zu­nächst im Klavier, wird aber von den Bläsern ausgenommen und mit anmutigem Wechselspiel, beide Klanggruppen teilen sich in das Thema, durchgeführt ein Werk von blühendem thema­tischem Reichtum, das einem immer wieder Freute macht, so oft man es hört.

Thuilles Sextett (V-Dur) steht da­gegen im lletergang zum Modernen. Die streng gegliederte Form wird gelockert. Die einzelnen 3nftrumente kommen mit ihrem spezifischen Klangcharakter mehr zur Geltung, eine Errungen­schaft der Romantik; während die 3nstrumente bei Beethoven wohl Träger des musikalischen Gedankens sind, aber ihre individuelle Färbung mir Im beschränkten Maße zum Ausdrucksmittel wird.

Die beiden ersten Sätze sind breit aus- gebaut, obwohl sie in ihren Grundzügen ter rassischen Sonatenform folgen. Dem gesang­lichen Charakter' dieser beiten Satze entspricht so recht. Laß das Horn der Träger te3 Haupt­themas wird. Die Durchführungen verbreitern sich stark und erscheinen zeitweilig episodenhaft, einzelnen Stimmungen nachgebend. 3n ter Ga­votte kommen besonders die Holzbläser zu ihrem Recht; ein Sah voller tnUmster Reize in ge-

Die Unruhen in Chile.

Das Landheer gegen die Flotte. Einigunnsversuche.

Rom, 26. 3an. (WD.) Der heute auS Ve­nedig in Rom eingetrofsene Präsident von Chrle, Dr. Alesfander, erllävtc, daß er sich Über seine von ter neuen Regierung ge­wünschten Rückkehr nach Chile noch nicht e n t- s ch reden habe. Ec werde nur zurückkehren, wenn dies eine allgemeine Beruhigung deS Lan­des bedeuten wurde, d. h. wenn er hassen könne, seine Partei der Linken mit der Partei der Rechten, die die Septemberrevolution gemacht habe, zu versöhnen. DieGiornale d'3ta- lia" berichtet, daß ter Präsident heule nach einer Besprechung auf der chilenischen Botschaft in Rom ein Manifest an die Bevölkerung von Chile gerichtet habe, indem er verkündet, daß seine weiteren Entschlüsse von ter Beruhigung und der Eintracht des Landes abhängen würden.

Wie es scheint, hat sich sehr rasch eine Einigungsformel finden lassen. Wir hören dazu, daß es dem früheren chilenischen Gesandten in London, Augustin Edwards, gelungen ist, die Streitpunkte, die seit tem Ausbruch der revolutionären Bewegung am letzten Freitag zwischen dem Heer und ter Flotte bestanden.' 6 hulegen und eine Formel zu finten, die von beiden Seiten angenommen wurde. Die neue Regierung ist gebildet. Sie besteht au8 einent Admiral, einem General und einem Zivilisten. Die verfassunggebende Versammlung wurde ein» berufen. Letzte Rachrichien aus Santiago (Chile) vom Sonntagabend besagen, daß die Stadt vollkommen ruhig ist. Die Danken sind durch Truppen beseht.

Aus aller Welt.

Schneefall in Baden.

Freiburg i. 27. Son. (WTD. Funk­spruch.) Rach Wochen frühlingsartigen Wetters ist heute in Südbaden der erste ausgiebigere Schneefall niedergegange«.

Berlin im Schnee.

Berlin, 27. San. (WTD. Funkspruch.) Sn Berlin ist heute in den frühen Morgen­stunden leichter Schneefall eingetreten.

Einbruchsdiebstahl bei der deutschen

Handelsdelegation in Paris.

Aus Paris wirb g meldet daß am Mon­tag Morgen bei der heutigen Handels­delegation ein Einbruch rerÜDt worden ist. Einem Legationsrat wurde die Brief­tasche mit 500 Mk. deutschem Gelte, einer Summe französischen Geldes und sein P a ß g e-- stöhlen. Eine Stenotypistin erwachte, als die beiden Diebe in ihr Schlafzimmer ein gedrun­gen waren. Der eine der beiden Einbrecher zwang sie durch Drohungen, sich ruhig zu verhalten, während ter andere ihre Schmucksachev zusammenraffte.

Die Grubenexplosion bei Dortmund.

DaS preußische Oberbergamt Dortmund teilt mit: lieber die Explosion auf der Schacht­anlage Hannibal I werden zum Teil ungenaue Rachrichten verbreitet. Es steht zur Zeit folgen­des fest: An ter Explosion sind Schlagwetter und Kohlenstaub beteiligt gewesen. 3hr Weg ist aus tem achten östlichen AbterlungSquerschlag durch die Grundstrecke in Flöz 36 biS zu einem am Querschlag stehenden lieber f>au zurückzuver- folgen, das zur Zett teS Unglücks eine Gänge von etwa 200 Meter hatte. Vermutlich hat die Explosion ihren Ausgangspunkt in diesem Aus­hau gehabt. Die Entstehungsursache ist noch ungeklärt, da reichliche Schlagwetter­ansammlungen das Vordringen im Aushau er* schweren. An Opfern sind 7 Mann zu be­klagen. Sie müssen im Augenblick ter Explosion getötet worden sein. Die Wucht ter Explosion ist durch die zur Sicherung des Anhaus eing«r- bauten Gesteinstaubhauptsperren zunächst gebro­chen, dann vernichtet Worten. Die Wirksamkeit des zum Schutz gegen ein Weitergreifen von Explosionen neuerdings angewandten Verfahren- hat sich auch in diesem Falle wieder einwandfrei erwiesen. Die übrigen Grubenhaue sind nicht gefährdet.

Ergebnisse der SonnenfinfterniS- beobachtung.

Rach Blättermeldungen aus Amerika find bei ter Beobachtung ter Sonnenfinsternis in Ame­rika wichtige Feststellungen gemacht wor­den. die ein neues Licht auf die Einstein- drängtester Form. Ein Finale in modern an» mutenter Instrumentierung befchließt mit einer Prestisfimosteigerung diese- klangschöne und wohl- Hanggefättigte Werk. Den einzelnen künstlerisch«, Individualitäten tourte hier noch mehr Ge­legenheit zur Entfaltung gegeben und da- reiche Können, das die Bläser schon tm Beethoven- Quintett zeigten, tourte hier von neuem bestätigt; jeder ging auf die Eigenheiten feine- Instrument- liebevoll ein und fügte sich mit feinem Fühlen dem Ganzen an. Gin besondere- .Bravo dem Hornisten Herrn August 3 a u b. Wer diese- so selbstverständlich sichere und ausdrucksvolle Spi«f hörte, ahnt nicht, an welchen Klippen das Kön>* nen des Hornes mit starker sicherer Kunst vvr» beigeführt sein will; aber auch die anderen Herren: Markin Geißler (Flöte), Ernst Schaefer (Oboe), Fritz Hehn au (Klarinette) und Emil Wlschert (Fagott) bewiesen mit jedem Ton, jeder Phrase ihre technische und musikalische Meisterschaft aufs neue, insbesondere auch Herr Gusti Deck am Klavier', ter sich al- gewandter Begleiter und Pianist mit hohem Können bewies. An ten Stellen, wo er Führer des musikalischen Gedankens war, gestaltete er mit bewußter Sicherheit und seinem Ginfühlen.

Zwischen diesen beiden Hauptwerken wurde S. Dachs H-MoIU© onate für Flöte und Klavier geboten; ein Werk, das ten beiden Aus führenden nicht besonder- zu liegen schien. Das Andante tourte etwas zu schnell genommen, das Klavier war fteHentoeile zu stark (insbesondere im Podalgebrauch nicht vorsichtig genug); das technische Können außer Zweite, konnte die musiialische Linie doch toett mehr Durchsichtigkeit. Gliederung und Abschattierung vertragen. Wenn auch die alten Ausgaben die­ser Werke wenig Dortragszeichen aufweisen, so haben doch die Alten durchaus nicht ihre Musi­kalität verleugnet, cd ist eben eine eigene Sach< um den Bachstil.in