Franziska.
v , Roman von Lies bet Dill.
4. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
3m nächsten Frühjahr wurde Franziskas jüngster Bruder konfirmiert, und sie reiste nach Wien.
Er lieh sie ungern weg, es war ihin. als glitte sie wieder in ihre Welt zurück. „Schreib mir wenigstens jeden Tag", bat er. „Ich muh Äachricht von dir haben, ich brauche das." Franziska versprach es. Indessen erreichte ihn weder ein Brief noch eine Karte. Diese Abgeschiedenheit von ihr machte ihn nervös. Schließlich telegraphierte er mit Rückantwort und erhielt die Antwort: „Din gesund, Franziska." Das Telegramm kam aus Wien. Aber Wien war groß. Dicht daß er ihr mißtraute, sie konnte nicht lügen, toenn man sie Äug' in Aug aus- forschte, aber eigentlich ruhig wurde er während ihrer Abwesenheit nicht. Er hatte Franziska jene entzückende kleine Etage in der Billa auf dem Berg, die sie oft sehnsüchtig von außen betrachtet hatten, gemietet. Sie lag in einem Berg- garten. Der Anterstock wurde von dem Besitzer bewohnt, einem verdrießlichen alten Mann mit einer Brille.
Sie sollte in ein völlig neu eingerichtetes Heim mit neuen Möbeln kommen. Die letzte einsame Woche der Erwartung verflog mit fieberhaften Vorbereitungen dieser Einrichtung der kleinen Wohnung. Dis auf die seidenen Vorhänge, die Bilder, die Gardinen beaufsichtigte er alles. Er hatte einen untrüglich feinen Geschmack für Farbenwirkungen, Stoffe und einheitlichen Stil.
Als Franziska kam, drei Tage später, als sie geschrieben, als er sie im geschlossenen Wagen vom Bahnhof abholen konnte, gab es zuerst eine heftige Auseinandersetzung zwischen ihnen. Die Mieze hatte ebenfalls am Bahnhof gestanden, und Hasse mußte eine Viertelstunde im Wagen warten, bis endlich Franziska einstieg. Sie schien seine Verstimmung kaum zu bemerken und widmete ihre Aufmerksamkeit den unzähligen Paketen
und Schachteln und dem kleinen drolligen Griffon, von dem sie sich nie trennte. „So reist keine Dame", sagte er. „Mein Gott, ich bin ja auch keine", sagte Franziska. Warum hatte sie ihm nicht geschrieben? forschte er. Ah, nun fing die Quälerei gleich am ersten Abend schon an. Franziska verteidigte sich „Ich schreib' nit gern, ich hab' keine Zeit dazu gehabt. Wenn man auf der Reise ist, will man sich erholen." ES war ihr fast schon zu viel, seine vielen Briefe zu lesen mit den Bitten, Ermahnungen, der Quälerei um ihre Liebe, die jeden Morgen pünktlich aus ihrem Frühstückstisch lagen. Eigentlich hatte sie ihm das sagen wollen, sie hatte ihm überhaupt viel zu sagen. Auf der Reise war ihr der Mut dazu gekommen. Die Mieze hatte eben auf dem Bahnhof geschürt: „Hast wieder keinen Mut, läßt dir alles gefallen: ich lass' mir nix bieten, schon lang nit mehr, und steh' mich gut dabei."
Doch als Franziska ihre neue Wohnung sah, dieses kleine Reich, das nun ihr gehören sollte^ mit dem kleinen Salon, den bunten Kretonnemöbeln im Schlafzimmer, dem süßen kleinen, rosa gekachelten Baderarun daneben, der unter den elektrischen Glühbirnen einer sanft verschleierten großen Lampe schimmerte, schwanden alle energischen Vorsätze.
Franziska sollte sich in dieser neuen Wohnung ein regelmäßigeres Leben angewöhnen. Sie aß sonst im Metropol, einem Haus, das mit Vorliebe von den Schauspielern aufgesucht wurde. Eine Jungfer würde fortan den kleinen Haushalt besorgen, so daß Franziska nicht mit abgerissenen Knöpfen und zerrissenen Handschuhen oti gehen brauchte, und man konnte statt im Restaurant in feiner gemütlichen Häuslichkeit speisen. Im Wohnzimmer stand ein neuer Ibach- flügel, sogar die Roten hatte er ihr binden lassen.
Entzückt ging sie von Möbel zu Möbel, erprobte die Sessel, prüfte die Mullkissen, mit denen der rosenrote Salon reich bedacht war, die breite Chaiselongue mit dem weißen Bärenfell, das sich lang über den Teppich breitete. Wie reizend, wie mollig, darin seinen Kopf zu vergraben und zu faulenzen . . . ileBeraü hingen
Bilder, ferne Stiche und schöne Bronzen aus HasseS Thinazeit.
Sie hatte an diese Wohnung gar nicht mehr gedacht, hatte geglaubt, daß er sich an ihr rächen würde mit Nichterscheinen auf dem Bahnhof und einer langen Karenz, weil sie nicht geschrieben hatte. . . Aber dazu war er ja ein viel zu guter lieber Kerl.
„Ja, zu gut", sagte Hasse. Aber sie hielt ihm rasch den Mund zu.
Hasse ging an diesem Abend heim wie ein sehr junger und glücklicher Mensch.
-Wie ein Idyll lag die Wohnung inmitten regennasser Gärten voll zwitschernder Vögel, die sie des Morgens erweckten und deren starkes Singen ihr oft Herzklopfen machte, mit diesen vielen Terrassen, den leeren, verregneten Wegen, den Obstbäumen mit den schneeweißen und zartrosafarbenen Blüten. Weißblühende Akazien drängten ihre Zweige bis in ihre offenen Fenster hinein, und der Jasmin duftete unter ihrem Balkon.
Man konnte von hier oben die gelben ge» schlängelten Sandwege ötc Gärten bis hinunter zur Stadt verfolgen, die Täler verfchwammen im Duft von Sonne und Licht, man sah die kleinen Züge wie Spielwerke zwischen den Bergen aus und ein schlüpfen.
Hinter diesen Bergen lagen schon wieder andere Derye, die sich dazwischenschoben wie die Dekorationen eines wunderbaren großen Theaters.
Die ganze Welt war über Rächt grün geworden.
Wenn man unten in dem engen Kessel der Stadt lebte, ahnte man nicht, wie schön es hier war, hier oben auf ihrem Balkon in der Sonne.
Aber diese Zusammenkünfte, feit sie täglich stattfanden, waren oft unruhig, und sie stritten sich. Früher war sein Steckenpferd ihre Bewegungen, ihre steife Haltung gewesen, jetzt war's die Ausbildung ihrer Stimme. Manchmal, wenn er die Augen schloß und ihre reine, süße Stimme im Theater hörte, dachte er, sie
wird ein Stern werden, wenn sie arbeitet; aber dann kam plötzlich ein Detonieren, ein einziger falscher Ton, eine Unreinheit, die ihn auÄ der Stimmung warf. Das mußte aufhören.
Franziska zuckle die Schultern, ihrer Ansicht nach war's nur Malice vom Regisseur und Intrigen von den Kolleginnen, daß sie nicht' weiterkam. Wenn der Regisseur wüßte, sie würde seinem Nachstellen Gehör schenken, ja dann, oder wenn der Herr Intendant einmal endlich von dem Zauber dieser blonden, verlebten, ver- schminkten, falschen Person, der Llfszy, geheilt sein würde. Der Herr Intendant war sehr liebenswürdig zu ihr, er sagte ihr immer so reizende Dinge. Franziska war überzeugt davon, daß sie auch hier siegen würde. Hasse verwies ihr solche Gedanken. „Sie passen sich durchaus nicht für dich Wenn du an dir arbeitest, wirst du über alle triumphieren", sagte er.
Manchmal, wenn er heimging, dachte er, baß sie's eigentlich nicht leicht hatte. Ein junges Weib zwischen all diesen Männern, welche die Liebe mitnahmen wie ein Mittagessen- Theatergeschichten mochte er gar nicht meht' anhören, das Hin und Her, das Kah-und-Maus-Spielen machte ihn nervös, und vor Weibern wie der Mieze schauderte es ihn. Es war das alles für ihn keine fremde Welt mehr; waren immer dieselben Menschen mit denselben Vorzügen, Schwächen und Lastern, die sich beneideten, haßten, bekämpften und liebten.
Seit sie in dieser neuen Wohnung lebte, fand Franziska, daß Haffe sich verändert hatte. Er nahm alles gleich tragisch Bei dem geringsten Wiederspruch wurde er gereizt. Es tat ihm nachher gleich wieder leid, er war ja so weich, so fein, so gut, und oft nahm er ihre Hände und legte seine Augen hinein. „Rimm mir's nicht übel, ich hab heut' viel zu tun gehabt, ich muß mich erholen, aber sag mir keine Sachen, die mich aufregen oder aus der Stimmung werfen." Er kam zu ihr, um Ruhe zu suchen, er fah nach ihren erleuchteten Fenstern auf wie nach einem stillen schönen Eiland, aber oft fand er nur Unruhe dort oben und Streit . . .
(Fortletzung folgt.)
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